Mit Caught in the Act, Colbie Caillat und Michael Bublé in die Festtage

Morgen, den 18. Dezember 2016, darf schon die vierte Kerze am Adventskranz angezündet werden. Damit steht Weihnachten kurz bevor. Für manche beginnt genau jetzt die stressige Phase: Plätzchen müssen gebacken werden, der Weihnachtsbaum ist noch nicht dekoriert und ein paar Geschenke für die lieben Verwandten fehlen auch. Da wird es Zeit, sich zwischendrin einmal zu entspannen und mit passender Weihnachtsmusik allmählich in Feststimmung zu kommen. Die folgende Auswahl hilft euch dabei.

Neu aufgelegter Klassiker

„Last Christmas“ zählt sicherlich zu den bekanntesten Weihnachtsliedern und wurde schon von vielen Künstlern neu interpretiert. Im Original stammt der Song vom Duo Wham!, dessen Mitglieder Andrew Ridgeley und George Michael waren. Letzterer schrieb das Lied 1984. Eine sehr gelungene Version von „Last Christmas“ haben nun Caught in the Act herausgebracht. Diese ist auf ihrem neuen Album „Back For Love“ zu finden. Dabei handelt es sich um ihre erste Platte seit ihrem Comeback an Silvester 2015.

Festliche Stimmung: Hell erleuchteter Weihnachtsbaum (Foto: S. Holitzner)

Festliche Stimmung: Hell erleuchteter Weihnachtsbaum (Foto: S. Holitzner)

Sonnige Weihnachten

2012 ist der Weihnachtssong „Christmas in the Sand“ von der US-amerikanischen Sängerin Colbie Caillat auf den Markt gekommen. Dieser stammt von ihrem gleichnamigen Album. Das Lied handelt davon, dass man Weihnachten auch mal ohne Schnee und Kälte, bei Sonne und am Strand, verbringen kann. Beim Hören kommt da also gleichzeitig auch etwas Urlaubsstimmung auf.

Für jeden etwas dabei

Der kanadische Sänger Michael Bublé hat 2011 ein ganzes Weihnachtsalbum mit dem Titel „Christmas“ veröffentlicht. Darauf hat er 16 bekannte Weihnachtssongs, wie zum Beispiel „It’s Beginning To Look A Lot Like Christmas“ und „Christmas (Baby Please Come Home)“, neu interpretiert. 2012 erschien eine Deluxe-Version der Platte mit drei zusätzlichen Liedern. Damit schaffte es Bublé auf den ersten Platz der deutschen Albumcharts. Mittlerweile wurde er dafür bei uns sogar mit Vierfach-Platin ausgezeichnet. Außerdem zählt „Christmas“ zu den beliebtesten Weihnachtsalben, denn es wurde weltweit schon rund sieben Millionen Mal verkauft. Bei der großen Auswahl findet garantiert jeder einen Favoriten, um entspannt in die Festtage zu starten.

Die Musik-Redaktion wünscht euch eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit!

Vorschau: Nächsten Samstag erfahrt ihr hier mehr über das Konzert von Cro in der SAP Arena in Mannheim.

Familiär verquer – ohne Familie geht es auch nicht

Manchmal wünsche ich mir, in einer anderen Stadt zu wohnen. In einer, in der mein Vater nicht um die Ecke wohnt, meine Großmutter an der Grundschule unterrichtet hat und mein Onkel Polizist war. In einer, in der meine Mutter nicht getuppert hat, die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen mich und meinen Mann nicht selbst schon betreut haben. Kurz: In einer Stadt, ohne meine große Familie.

Die Überwachungskleinstadt

Geben und Nehmen: Eine Familie ist Fluch und Segen (©redsheep / pixelio.de)

Geben und Nehmen: Eine Familie ist Fluch und Segen (©redsheep / pixelio.de)

Als wir noch klein waren, kam unser Großvater immer an und sagte, er hätte von diesem oder jenem irgendwas gehört. Es war wie ein ständiger Nikolaustag, mit einem riesigen Buch, das jeden Tag wieder aufgeschlagen wurde. „Ich hab gehört“, fing er an, blickte von oben herab zu uns herunter und erzählte eine Geschichte, die oft so vage wie ein Horoskop war und uns dennoch Feuer unterm Hintern machte. Ständige Überwachung. Big Brother is watching you. In der Kleinstadt. Und mit den Jährchen ist es nicht besser geworden. Egal, in welches Geschäft ich gehe, in welche Straße ich komme, täglich treffe ich Menschen, die in mir meine Mutter erkennen, die meinen Familiennamen einem Mitglied meiner väterlichen Seite zuordnen und für die ich ewig ein Nachkomme eines Menschen sein werde, den sie einmal gekannt haben.

Viele Augen: Mit viel Familie am Ort ist man nie unbeobachtet (©Henning Hraban Ramm / pixelio.de)

Viele Augen: Mit viel Familie am Ort ist man nie unbeobachtet (©Henning Hraban Ramm / pixelio.de)

Fluch und Segen
Was macht sie mich wahnsinnig, diese große Familie. So kleinbürgerlich, spießig und allzu oft wie aus einem kitschigen Roman. Und ich bin unendlich froh, sie zu haben. Meine Mutter beispielsweise feiert ihre Überstunden ab, damit ich dafür arbeiten gehen kann. Meine Großmutter versorgt uns mit Gemüse aus dem Garten und selbstgemachtem Obstsaft, mein Vater kommt um die Ecke gesprungen, wenn bei uns der Notstand ausgerufen wird. Meine Familie ist mein Rettungsring, mein Fallschirm und mein persönlicher Notruf. Die Telefonliste, aus der ich wählen kann, wenn ich Hilfe brauche, ist lang und hat mich noch nie enttäuscht. Und natürlich ist das ein Geben und Nehmen. Als mein Vater letztes Jahr wegen eines Bandscheibenvorfalls über einen Monat ans Bett gefesselt war, haben wir geholfen und sind gesprungen.

Verbunden und verwandt

Alle für einen: ohne Familie geht es eben auch nicht (©birgitta Hohenester / pixelio.de)

Alle für einen: ohne Familie geht es eben auch nicht (©birgitta Hohenester / pixelio.de)

Im Grunde also, ist meine Familie so wenig selbstlos, wie ein Dienstleister. Ich zahle vielleicht kein Geld, wenn meine Mutter die Kinderbetreuung übernimmt. Dafür ruft sie zuerst mich an, wenn sie von der Werkstatt abgeholt werden muss oder krank ist und ein paar Sachen aus dem Laden braucht. Sie hat so einiges bei uns gut. Andererseits ist ihre bestehende Sorge um ihre Kinder und Enkelkinder ja auch dem Egoismus ihrer Gene zu verdanken. Jenem kleinen animalischem Trieb, den wir uns noch nicht abtrainieren konnten und der einer Familie zu einer engen Verbundenheit verhilft. Wenn die selbe Kraft auch noch in der gesamten Gesellschaft funktionieren würde, hätten wir bedeutend weniger Probleme, glaube ich.

Vorschau: In zwei Wochen frage ich mich hier, wie viel Eitelkeit gesund ist.

Warum wir Kinder als Strafe sehen

Es dauerte einen Moment, ehe ich mich gefangen hatte. Gerade fragte mich unsere Sekretärin „warum tut ihr euch das an?“ und meinte, warum wir noch ein Kind wollten. Da prallte es mal wieder gänzlich auf mich ein. Dass Kinder in unserer Gesellschaft als Last, als Bürde gesehen werden. Als Strafe. Etwas, dass wir uns an tun. Masochismus in seiner höchsten Form. Wo das Kindermachen ja noch Spaß macht und nicht selten Witze mit sich zieht, ist das Kinderhaben, vor allem, wenn ein Paar dann doch mehr als ein oder gar zwei hat, scheinbar ein riesiger Sack voller negativer Pakete.

Teurer Spaß? Kinder kosten Geld (©Wilhelmine Wulff _ All Silhouettes / pixelio.de)

Teurer Spaß? Kinder kosten Geld (©Wilhelmine Wulff _ All Silhouettes / pixelio.de)

„Die machen euch fertig“, meinte eine alte Freundin meines Mannes, als unser zweites Kind gerade auf der Welt war und sie uns beim Einkaufen traf. Wir haben abgewunken, sie glaubte uns nicht. Kein Wunder, hören wir doch jeden Tag, wie schrecklich Kinder sind. Sie stehlen ihren Müttern die Figur, ihren Eltern den Schlaf, machen in ihrer Zerstörungswut vor nichts halt, sind lauter als Alarmanlagen, per se ungezogen, sozialer Selbstmord, finanzieller sowieso. „Warum unsere Kinder Tyrannen sind“ lautet der Titel eines Buches und ein ganzer Stapel an Literatur befasst sich mit der Frage, ob eine Frau denn nun Karriere und Familie haben kann. Die Internetseite Mompreneurs befasst sich ausschließlich mit Müttern, die neben ihren Kindern noch Unternehmen gegründet haben.

Machen wir uns nichts vor. Unsere Gesellschaft ist nicht kinderfreundlich. Oh, ja, es gibt eine (nicht erfüllte) Garantie auf einen Betreuungsplatz ab 1, es gibt Kindergeld, Familienparkplätze und Kinderwagenabteile im Zug, Vorschriften, wie viele Spielplätze ein Viertel haben muss und hohe Sicherheitsstandards bei Gebrauchsgegenständen für Kinder. Aber kinderfreundlich? Menschen, die in Kindergarten- oder Schulnähe wohnen beschweren sich regelmäßig gerichtlich wegen des Lärms spielender Kinder. Im Restaurant werden Kinder, die keine zwei Stunden ruhig sitzen können und nicht absolut still sind böse angeschaut und wer kennt nicht das Klischee eines nach Gummibärchen brüllenden Kleinkindes im Supermarkt?

Kinder? Will doch keiner (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Kinder? Will doch keiner (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Seien wir doch ehrlich, wir wollen keine Kinder. Wir wollen ein schöner-wohnen-Wohnzimmer und Designer-Tapete, Kleidungsstücke, die keine besonderen Schlitze zum Stillen haben müssen und einen Esstisch ohne Bananenmatschreste-Ritzen, von denen wir vorher nicht mal wussten, dass sie da sind. Schnelle, anstatt geräumige Autos und die Möglichkeit, heute alles stehen und liegen zu lassen und ans andere Ende der Welt zu fahren. Wir wollen alles und wir wollen es jetzt. Niemand soll uns sagen, was wir zu tun haben. Keine gesetzlich geforderte U-Untersuchungen und Briefe von Kindergarten oder Schule, die uns dies oder das mitteilen, Brotdosen, die gefüllt werden sollen und Hosen, die über Nacht zu klein werden. Wir wollen uns darüber keine Sorgen machen, denn, verdammt noch mal, wir haben doch nur dieses eine Leben. Wir sind nichts anderes als groß gewordene Kinder.

Vielleicht wollen wir ja keine eigenen Kinder, weil wir niemanden an der Backe haben wollen, der so ist, wie wir selbst. Und da hab ich mich schon längst ausgeklinkt. Ich schreibe diesen Artikel, während mein Schulkind, mein Kindergartenkind und das Baby schlafen. Heute hätte ich sonst keine Zeit gehabt. Ich habe getanzt, ich habe gemalt, ich habe gekocht und das Katzenklo sauber gemacht, eine Ladung Wäsche mit ganz vielen Unterhosen gewaschen, weil das Kindergartenkind jetzt keine Windel mehr braucht, aber erst eine Handvoll Höschen hat, ich habe gestillt und gewickelt, vorgelesen, eine wichtige Nachricht beantwortet, selbst gelesen, die Spülmaschine ausgeräumt. Ich habe mir nichts angetan, ich habe gelebt.

Tierisch: Kindermachen und Kinderhaben ist animalisch (©Edith Höhner / pixelio.de)

Tierisch: Kindermachen und Kinderhaben ist animalisch (©Edith Höhner / pixelio.de)

Wie alles im Leben, ist es manchmal unbequem, Kinder zu haben. So unbequem, wie es manchmal ist, Eltern zu haben, oder Geschwister, manche Freunde oder den eigenen Partner. Es ist kein Selbstmord. Es ist Leben. Und natürlich ist es nicht für jeden das Richtige. Aber wenn wir unser Leben wie das Bett der Prinzessin betrachten, die wegen einer Erbse unter hundert Matratzen blaue Flecken bekommt, und allen Ernstes die Prinzessin sein wollen, sterben wir nicht aus, weil Karriere so wichtig ist oder Geld, sondern aus lauter Faulheit, aus Bequemlichkeit. Und dabei verpassen wir bestimmt etwas Lärm, Geschrei und schlaflose Nächte, aber auch jede Menge Spaß. Für etwas Spaß bleibe ich gerne länger wach und viel Lärm um nichts konnte ich schon immer machen, natürlich auch als Kind. Warum also jetzt aufhören?

Vorschau: Nächste Woche gebe ich euch hier einen Leitfaden zum Kranksein.

Das Geschenk: richtig, wahr und immer mehr

Das Geschenk: oft eine halbherzige Sache (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Das Geschenk: oft eine halbherzige Sache (©Tim Reckmann / pixelio.de)

„Bekomm ich dann auch Geschenke“, fragt mein Ältester mit großen Augen. Es geht um den Familiengeburtstag, den er sich mit mir jedes Jahr teil, weil wir nur eine Woche nacheinander Geburtstag haben. Ich nicke, er strahlt – Kind sein ist so schön. Von meiner Warte her sieht das ganze schon etwas anders aus. Denn: Jedem, er mir etwas schenkt, schenke ich ja auch etwas. Übers Jahr verteilt, aber am Ende ist es wie an Weihnachten. Ein Übertrumpfen an Wertigkeit der Geschenke bei den Kleinen, ein Ausgleich bei den Großen. Manchmal, ja, manchmal denke ich, da können wir das doch gleich lassen. Anstatt Geld und Zeit zu investieren, einfach Geschenke abschaffen und gut ist.

Oh, jetzt kommt der große Aufschrei. Es geht doch nicht ums Geld, nicht um den Wert an sich, sondern um Zeit und Mühe. Ja, ja, alles schon gehört. Doch was ist mit Zeit und Mühe, wenn das Geschenk absolut nicht gefällt oder gebraucht werden kann? Verloren?! Ein dritter Geldbeutel, der doch wieder zu klein ist, ein Buch, das schon im Regal steht, Duschgel, das meine Haut nicht verträgt. Und das von Menschen, die es besser wissen sollten. Ja, es mag undankbar erscheinen, frech und egoistisch solche Worte zu Papier zu bringen. Aber wehe ich komme mit so etwas an, dass ernte ich verdrehte Augen, ein großes „Aber“, oder ein ironisches „Toll“. Erzählt mir, was ihr wollt, aber wenn nach Weihnachten große Umtauschaktionen sind, dann nicht von ungefähr.

Geld als Geschenk? Als lieblos verpöhnt (© I-vista / pixelio.de)

Geld als Geschenk? Als lieblos verpöhnt (© I-vista / pixelio.de)

Und auch mit einem gefüllten Briefumschlag wird doch kaum noch jemand froh. Unkreativ und langweilig nennt es der Volksmund und steckt die Scheine dann doch so schnell wie möglich ein. Nur Bares ist Wahres. Dass ich da die Lust auf Geschenke und Schenken verliere ist vielleicht ja doch zu verstehen. Ein Geschenk ist nicht nur eine unausgesprochene Aufforderung, ebenfalls zu schenken, es verliert in unserem Alltag das Magische der Überraschung, die Freude der unerwarteten Belohnung und den Reiz der Seltenheit. Denn neben dem Problem, was denn im Päckchen so drinnen sein mag, gibt es noch den Faktor der Masse. Und die Masse macht‘s eben auch hier.

So werden bei uns zu Ostern, Weihnachten, Nikolaus und Geburtstagen auch mal ganze Transportkörbe mit Eingepacktem gefüllt. Völlig Überfordert sitzen die Kinder in einem Meer aus Geschenkpapier und wissen gar nicht mehr, was sie alles bekommen haben und wann sie damit spielen sollen. Das Ergebnis ist eben kein zufriedenes Kind, sondern eines, das die Regale voll hat und jeden Tag quengelt „Mir ist langweilig“. Reizüberflutung mit Plastikschleife. Und nein, für uns große wird es nicht besser, nur anders. Denn mir laufen sämtliche Nachrichteneingänge schon Wochen vor diesem oder jenen Festtag heiß, womit mir denn eine Freude gemacht werden könnte. Von wegen also kreativ und sinnvoll.

Geschenkeflut: tückische Überforderung ©Lupo / pixelio.de)

Geschenkeflut: tückische Überforderung ©Lupo / pixelio.de)

Ja, ich stänkere, ich bin genervt, bis über beide Ohren. Und doch, ich könnte mir auch gut vorstellen, solche Festtage ohne Geschenke zu verbringen, weder von mir noch für mich. Ich würde meinen Kindern gerne die Konsumgeilheit aus den Familienfeiern ziehen und einfach nur mit den Menschen, die ich mag eine schöne Zeit verbringen. Geht nicht, ich hab‘s versucht. „Ja, ist doch nur ne Kleinigkeit“, heißt es dann. Ermüdend, oder? Ein Wettrennen ohne Sieger und irgendwie kein Land in Sicht. Wir verziehen uns selbst, erwarten immer mehr, werden undankbar und wissen auch Kleinigkeiten, liebe Gesten, nicht mehr zu würdigen.

Und dann, dann ist dieser Text nur die Folge des Geschenk-Crescendo, logisch, ein Gefühl, das Viele kennen, und sich doch zum nächsten Fest wieder ins Chaos werfen. Nein, aufgeben will keiner. Und das ewige Mantra lautet mehr, mehr, mehr.

Vorschau: Anne schreibt hier nächste Woche über Leistungsdruck und was er mit uns macht.

Du Arbeit, ich Kinder?

Ich Kinder, du Arbeit? Leider oft Alltag (©Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Ich Kinder, du Arbeit? Leider oft Alltag (©Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Neulich las ich in „Papa kann auch stillen“ von einem Paar, das von sich behauptet, alles gerecht zu teilen. Kindererziehung, Hausarbeit, Geldverdienen. Mit einem 50/50-Prinzip, dass offensichtlich beide zufrieden macht. Und ich kam ins Grübeln. Denn mal abgesehen davon, dass 50/50 mit kleinem Kind eben oft heißt, dass beide nur Teilzeit arbeiten, im besten Fall also eine dreiviertel Stelle haben, und so der Lebensunterhalt eine Rechenaufgabe wird, ist Gleichberechtigung in der Partnerschaft deutscher Haushalte eben selten 50/50.

Noch immer gehen die meisten Frauen, egal wie gut und erfolgreich sie gelernt haben, nach der Geburt des Kindes in Elternzeit. Männer nehmen oft nur die zwei sogenannten Vätermonate in Anspruch, wenn überhaupt. Dann geht die Familie nochmal genüsslich in Ferien, oder der Mann geht ein lang geplantes Projekt an. Von wegen Vätermonate. Und selbst wenn die Elternzeit nur ein Jahr dauert, reicht das, um das System, „du Haus, ich Arbeit“ in den Alltag einziehen zu lassen. Die Frau ist ja ohnehin zu Hause. Und das Kind läuft doch nebenher oder, wie schon unsere Großväter schunkelten „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“.

Geteilte Arbeit: Heißt auch mehr Zeit für sich (© Cornelia Menichelli / pixelio.de)

Geteilte Arbeit: Heißt auch mehr Zeit für sich (© Cornelia Menichelli / pixelio.de)

Dass das nicht stimmt, weiß jeder, der wirklich mal mit einem kleinen Kind zu Hause war. Neulich waren meine beiden jüngsten krank und ich war stolz wie selten, als ich es endlich geschafft hatte ein Fach der Spülmaschine auszuräumen. An dem Tag, als ich nach der Geburt meines Sohnes endlich wieder an die Uni gegangen bin, hat mein Mann nach zwei Stunden angerufen und lauthals gefleht, ich solle wieder kommen. Ja, der zweite Tag war schon viel besser und er hat es richtig genossen, Zeit mit dem Kind zu verbringen. Ordentlicher wurde es in unserer Wohnung nicht. Und ja, meine Kinder sind nicht immer krank. Trotzdem ist das frühzeitige Ausräumen der Spülmaschine zwischen Kindern, Arbeit, Promotion und Ich-selbst-sein immer noch die Kür.

50/50 ist eine tolle Sache, wenn das Paar es sich leisten kann und beide bereit sind, dafür einzustehen. Mein Mann und ich bewegen uns etwa auf 60/40, an einem guten Tag. Schon allein, weil er eben die Vollzeitstelle hat und ich (auch) von zu Hause aus arbeiten kann. Das ist schwierig, denn von zu Hause aus zu arbeiten sieht für Außenstehende oft wie Freizeit aus. Doch Freizeittechnisch sind wir dann wieder sehr gleichberechtigt, bei maximal 1% pro Tag.

Viel Wert! Von Familienzeit profitiert jeder (©Rolf Handke / pixelio.de)

Viel Wert! Von Familienzeit profitiert jeder (©Rolf Handke / pixelio.de)

Viel wichtiger als das „wir teilen uns alles“ ist doch das „bei uns hat alles den gleichen Wert“. Wenn eine Beziehung es schafft, Hausarbeit, Kindererziehung und Heimarbeit einem täglichen Brotverdienst den gleichen Wert zuzuschreiben, dann fühlt sich auch keiner zurückgedrängt oder unten an gestellt. Und damit das in allen Beziehungen funktioniert, muss dieser Gedanke auch Eingang in unsere Gesellschaft finden. Nein, ich will nicht, dass Frauen nur noch zu Hause bleiben – um Gottes willen. Und dass das Betreuungsgeld keine Wahl ermöglicht, sondern eine klare Tendenz hat, weil Familien statt Geld für einen KiTa-Platz zu bezahlen auch noch welches bekommen, wenn sie keinen nehmen, ist ein erschreckendes Zeichen der Familienpolitik unseres Landes.

Vielmehr möchte ich noch einmal auf die Idee von Teilzeit/Teilzeit zurück. Paare, bei denen beide Teilzeit arbeiten gehen und beide gleichermaßen Kindererziehung und Haushalt teilen, das wären in meinen Augen glückliche Familien, in denen Mama noch Frau und erfolgreich sein kann und Papa nicht nur der neue Kaffeetrinker am Sonntagstisch ist. „Ohana“ heißt es im Disney-Film Lilo und Stitch „heißt Familie, Familie heißt, alle halten zusammen.“ Und wirklich zusammenhalten können wir nur, wenn Frau und Mann in einer Beziehung wie in der Gesellschaft nicht nur gleiche Rechte haben, sondern auch den gleichen Wert. Wenn Kindererziehung ebenso angesehen ist, wie die tägliche Arbeit. Wenn das Ausräumen der Spülmaschine so wichtig ist, wie die Aufgabe vom Chef.

Träumen wir nicht, dieser Tag ist noch nicht erreicht. Aber wir können aufschreien und etwas ändern. Bevor wir im Kreislauf der Rollenmodelle gänzlich gefangen sind. 50/50 kann funktionieren, wenn wir es wollen. Und ich jedenfalls will.

Vorschau: Nächste Woche lässt sich Anne hier über Hipster aus.

Ein Plädoyer für die Spontanität

Kaffeepause - sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden, ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de)

Kaffeepause – sich spontan mit der Freundin auf einen Kaffee verabreden und für einen Moment den Alltagsstress hinter sich lassen. Das ist immer eine gute Idee! (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Spontanität – das ist etwas Herrliches und eröffnet einem oftmals ganz neue Möglichkeiten. Doch natürlich muss man gewillt sein, sich darauf einzulassen und die Magie der Spontanität schätzen und lieben lernen. In gewisser Weise muss jeder sich auch mit der Ungewissheit anfreunden, dass spontane Vorhaben nicht unbedingt immer so ausgehen, wie jemand sie sich vorher ausgemalt hat. Sie können aber auch zu großartigen und unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen mit tollen Menschen führen, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Doch einige scheinen mit dem Konzept der Spontanität nicht ganz so gut zurechtzukommen und ihm eher feindselig gegenüber zu stehen. Ich war schon immer geneigt mich spontan mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen, wenn mir ganz plötzlich danach war. Oder aber wenn ich gerade etwas in einem Stadtmagazin herumstöberte und zufällig über ein interessantes Konzert oder eine Ausstellung stolperte, griff ich sodann zum Telefonhörer, um eine Freundin oder einen Freund mit meiner bereits bis ins kleinste Details ausgemalten Abendplanung vertraut zu machen.

Unter Zeitdruck - nicht immer bleibt Zeit für Spontanitiät, angesichts vieler Termine und Verpflichtungen (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Unter Zeitdruck – angesichts vieler Termine und Verpflichtungen scheint Spontanität oftmals ein wirklicher Luxus zu sein (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Oft werde ich allerdings enttäuscht. Denn nicht alle meine Freunde sind für meine recht kurzfristigen Vorhaben zu begeistern oder haben schlicht und einfach schon eine Verabredung oder einen anderen wichtigen Termin. Natürlich habe auch ich meine Verpflichtungen und sitze nicht den ganzen lieben langen Tag zu Hause und drehe Däumchen. Allerdings vermute ich, dass meine Herangehensweise eine ganz andere, als die, der nicht so spontanen Menschen ist – wenn ich im Voraus weiß, dass die kommende Woche einen freien Tag zulässt, werde ich deshalb nicht zwangsläufig sofort eine Verabredung vereinbaren.

Bei anderen Freunden bemerke ich des Öfteren einen Mechanismus, ja förmlich den Drang, dass schnell alle Tage für die folgenden Wochen mit Terminen im bereits überquellenden Terminplaner gefüllt werden müssen. Eine freigebliebene Spalte im Wochenplan scheint dabei verwunderlicher Weise eine gewisse Panik und Unruhe in Ihnen auszulösen. Wenn ich dann bei der Losvergabe für eine begehrte Verabredung noch einen Hauptreis, nämlich einen einstündigen Kaffeetermin ergattere, der irgendwie noch zwischen am gleichen Tag, stattfindenden Terminen, reingequetscht wird, kann ich mich enorm glücklich schätzen.

Termine über Termine - das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista  / pixelio.de)

Termine über Termine – das kann einem schon mal über den Kopf hinauswachsen (Foto: I-vista / pixelio.de)

Manch einer würde wohl anmerken wollen, dass Spontanität viel mit Ungebundenheit oder weniger Verpflichtungen zu tun hat. Da ist mit Sicherheit etwas dran. Und auch mit der Berufstätigkeit kann ein jeder nicht mehr tun und lassen, wonach es ihm beliebt. Ich bin Studentin und habe bisher noch keine Kinder, um die ich mich kümmern oder die ich vor der Arbeit noch bei der KiTa vorbeibringen muss. Andere Lebensumstände können einen in der Spontanität einschränken und von einem viel Disziplin und einen meist durchgeplanten Tagesablauf abverlangen. Sonst würden die ganzen Aufgaben und Erledigungen wohl nicht gelingen und einem früher oder später über den Kopf hinaus wachsen. Da bleibt zugegebenermaßen wenig Platz für den Zauber der Spontanität.

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de  / pixelio.de)

Spontan etwas freie Zeit übrig?! Endlich mal wieder Pinsel sowie Farbe aus dem Schrank holen und seiner Kreativität freien Lauf lassen (Foto: www.hamburg-fotos-bilder.de / pixelio.de)

Aber vielleicht gibt es auch Menschen, die mehr den Drang nach Spontanität verspüren als andere. Ich werde mich nochmal zu Wort melden, sobald sich meine Lebensumstände drastisch verändert haben sollten – sprich, ich meine eigene Familie gründe. Vielleicht spreche ich dann nicht mehr in den höchsten Tönen von der Spontanität. Vielleicht werde ich dann meine damalige Naivität belächeln. Bis dem aber nicht so ist, gehe ich weiterhin meinem Impuls nach, verreise kurzentschlossen über das Wochenende, versuche Freunde von meinen brillanten Spontaneinfällen zu überzeugen, sie wenn möglich sogar mit meinem Spontanitäts-Fieber anzustecken und schwelge glücklich in meiner bunten Spontanitäts-Luftblase.

Vorschau: Eva geht nächste Woche dem Wahnsinn der Perfektion auf die Spur

Andere Länder, andere Sitten – von unterschiedlichen Familienkonzepten

Familienglück - danach sehen sich viele Menschen. Überall wird Familie für wichtig befunden und doch existieren ganz unterschiedliche Auffassungen von Familie (© Dieter Schütz  / pixelio.de)

Familienglück – danach sehen sich viele Menschen. Die Familienkonzepte können dabei je nach Land und Kultur ganz unterschiedlich ausfallen. (© Dieter Schütz / pixelio.de)

Vor kurzem hatten mein Mann und Ich Besuch von seinen langjährigen Freunden, einem Ehepaar aus Bosnien. An einem gemütlichen Abend unterhielten wir uns über Familienkonzepte in Deutschland und Bosnien. Sowohl die Freunde meines Mannes als auch ich schienen bestimmte Auffassungen davon zu haben, wie Familie im jeweils anderen Land „funktioniert“. Sie bewunderten die frühe Unabhängigkeit, die viele junge Erwachsene in Deutschland erlangen und ich beneidete sie um den unheimlich starken Familienzusammenhalt. Doch sind das nur Klischees, die wenig mit der Realität zu tun haben?

Durch meinen Ehemann, der Bosnier ist, habe ich Einblick in ein neues Familienkonzept bekommen und nicht nur das – ich kann mich so glücklich schätzen, um eine zweite Familie bereichert worden zu sein. Vermutlich sagt schon dieses kleine Detail viel darüber aus, in welcher Hinsicht sich eine bosnische Familie von einer deutschen unterscheidet – der besondere Stellenwert von Familie. Mit dem neuen Lebenspartner spaltet sich das Kind nicht von der Familie ab, sondern im Gegenteil auch der Partner wird als neues Mitglied der Familie angesehen und meist auch in Aufgaben des alltäglichen Familienlebens eingebunden. Für mich erweckt es oft den Anschein, dass Privatsphäre einen ganz anderen Stellenwert einnimmt als in Deutschland. Es wird ein immenser Teil der (Frei-)Zeit im Kreise der Familie verbracht. Was wohl damit zusammenhängt, dass die meisten bosnischen Familien viele Anstrengungen aufwenden, um ein Haus zu erbauen, welches später an die Kinder übergeht. So spielt sich ein Großteil des Lebens im trauten Heim ab und Gäste werden gerne und regelmäßig (unangekündigt!) empfangen. Die Wahrscheinlichkeit, dass also mal niemand anzutreffen ist, geht gegen Null.

"Alle recht nett lächeln": Eine alte Fotografie der Ur-Großeltern lässt die Vergangenheit wieder aufleben (©Unbekannt um 1860-70/pixelio.)

„Alle recht nett lächeln“: Eine alte Fotografie der Urgroßeltern lässt die Vergangenheit für einen Moment wieder aufleben (©Unbekannt um 1860-70 / pixelio.de)

Wenn wir nach Bosnien fahren steht nicht selten eine kleine „wir-besuchen-die-Verwandtschaft-Odyssee“ auf dem Programm. So wird an einem Tag unterschiedlichen Verwandten ein Besuch abgestattet. Dann wiederholt sich der im Folgenden beschriebene und auf das Wesentlichste zusammengefasste Ablauf in scheinbarer Endlosschleife – Eintreten, alle begrüßen, ohne Wiederwille die Kaffeetasse unzählige Male nachfüllen lassen trotz bemerkbarem Herzrasen, üppige Portionen leckeren Essens verschlingen, vergeblich versuchen gegen das laute Stimmengewirr anzukommen. Das ist zugegebenermaßen für mich mit ziemlichen Strapazen verbunden. Ungeachtet dessen freue ich mich selbstverständlich, die Verwandten meines Mannes wiederzusehen. Jedes Mal aufs Neue bin ich von der Liebenswürdigkeit und dem unheimlichen Aufwand, der sich in den vielen leckeren Speisen, die den Essentisch schmücken, wiederspiegelt, zutiefst beeindruck. Ich scheine nur für Familienzusammenkünfte dieses Kalibers noch nicht so Recht gewappnet zu sein, was nur beweist, wie sehr der Mensch ein Produkt seiner Sozialisierung ist.

In Bosnien leben die Kinder oft auch im Erwachsenalter noch mit den Eltern unter einem Dach. (Was allerdings größtenteils der wirtschaftlichen Lage geschuldet ist) Dagegen folgt in Deutschland fast jeder ausnahmslos dem ungeschriebenen Naturgesetz und zieht mit dem Einstieg in das Berufs- oder Studienleben bei den Eltern aus – oder gönnt sich zuvor im Ausland eine Auszeit. Dieses sich Abnabeln von den Eltern ist in Bosnien ein enormer Kraftakt und der Schritt wird von ihnen oft nur schweren Herzens zugelassen.

Jedoch will ich an dieser Stelle anmerken, dass selbstverständlich in jedem Land diverse andere Familienkonzepte nebeneinander bestehen und Geltungsbedarf haben. Ein Volk stellt niemals eine homogene Gruppe dar, sondern besteht aus Individuen, die sich voneinander in vielen Punkten unterscheiden. Deshalb sollten meine Beispiele keineswegs den Anspruch erheben, als repräsentativ für diese Länder zu gelten. Es sind Feststellungen, die ich durch meine subjektive Wahrnehmung erlangt habe.

Was wohl aber allen Familien gemeinsam ist, ist der Wunsch, dass ihre Kinder einmal ein „gutes Leben“ führen. Ich nehme mir heraus zu behaupten, dass egal wo auf der Welt, Kinder und Eltern Streits über divergierende Wertvorstellungen austragen und sich ältere Menschen, über die verdorbene Jugend echauffieren. Im Kern scheint Familie aber überall gleichbedeutend zu sein, nur eben eingebettet in komplexe und verschiedenartige kulturelle „Rahmenbedingungen“.

Vorschau: Eva berichtet nächste Woche davon, warum sie es sich zur Aufgabe gemacht hat zu promovieren.

Paddington – Ein Bär für jedes Alter

Spätestens seit dem Film „Ted“ mit Mark Wahlberg weiß man, dass Bären nicht nur etwas für Kinder sind, sondern auch Menschen, die älter sind, in ihren Bann ziehen können.

Den neuesten Beweis dafür liefert der Film Paddington. Zugegeben: Der pelzige Tollpatsch war früher zu seinen Trickfilmzeiten eher ein TV-Serien-Star für das Sandmännchen-Publikum, doch was die aktuelle Kinoproduktion angeht, so scheint dies alles Schnee von gestern zu sein. Was zuvor als Gefallen für meine Freundin gedacht war, stellte sich im Nachhinein als Glücksgriff heraus. Die Entscheidung, sich den liebreizenden Bären mit dem modisch fragwürdigen Hut im Kino anzuschauen.

Die Namensherkunft des bärigen Titelhelden: Die Paddington Station in London (©Jochen Gebhard  / pixelio.de)

Die Namensherkunft des bärigen Titelhelden: Die Paddington Station in London (©Jochen Gebhard / pixelio.de)

Balsam für die Seele. Ein Sprichwort, das schon direkt zu Beginn des Films positiv ausgereizt ist: Auf rührende Art wird die Herkunft Paddingtons erläutert. Welches traurige Schicksal steckt hinter der Tatsache, dass er bei seinem Onkel und seiner Tante in den tiefsten Wäldern Perus lebt? Auch diese Frage beantwortet der Film. Eine genreübergreifende Mischung aus Komödie, Romanze und dem richtigen Anteil Action lässt den Zuschauer in eine andere Welt eintauchen und fasziniert jeden Schritt des kleinen Bären in eine für ihn ebenso fremde Welt verfolgen. Wer nach Betrachten des Filmplakates dachte: „Was ist das nur für ein schräger, alter Hut?“, dem leisten die Drehbuchautoren Abhilfe und präsentieren sogar dessen nicht ganz unwichtige Geschichte, sowie nebenbei eine Möglichkeit, künftig Marmeladenbrote für den Notfall aufzubewahren.

Die Worte „ein erwachsen gewordener Kinderfilm“ würde diese Produktion am besten beschreiben. An Weisheiten für das Leben wird nicht gespart, dafür aber das vermeintlich unrealistische Zusammenleben zwischen Vorstadtfamilie und Bären an den richtigen Stellen in Szene gesetzt und so der Wille nach einem pelzigen Freund für jedes Alter gestärkt.

Oft verschmilzt die Grenze zwischen Tier und Mensch. Paddington ist uns in dem Film sehr ähnlich, hat meist ähnliche Probleme, Sorgen oder Bedürfnisse. Nicht zuletzt deswegen kann der Zuschauer sich gut mit ihm identifizieren und in seine Lage hineinversetzen. Auch für Elyas M’Barek Fans lohnt es sich. Zwar ist er selbst nicht zu sehen, als sanfte und sympathische Stimme Paddingtons jedoch zu hören.

 

 

Alle Jahre wieder – Deutschland im Weihnachtskaufrausch

Es beginnt wieder. Oder eigentlich muss ich sagen, dass es sich schon vor einer ganzen Weile ankündigte. Etwa in Form von Scharen in der Innenstadt herumwuselnder Menschen. Auffällig bepackt mit bunten Einkaufstüten der unterschiedlichsten Warenhäuser gleichen sie emsigen Ameisen, die ihren Beitrag zum prachtvollen Ameisenhaufen leisten. Was im übertragenen Sinne sogar zutrifft – Denn Weihnachten steht vor der Tür! Und da hat jeder gefälligst seinen Beitrag zu leisten. Am besten in Form von überteuerten und besonders kreativen Geschenken.

Glitzernde Geschenke: Zur Weihnachtszeit bleibt der Gang ins Kaufhaus meist nicht erspart (© Helene Souza  / pixelio.de)

Glitzernde Weihnachten: Zur Weihnachtszeit bleibt der Gang ins Kaufhaus meist nicht erspart (© Helene Souza / pixelio.de)

Ich habe mich damit abgefunden, dass es ab Oktober Lebkuchen und andere Weihnachtsgebäcke zu kaufen gibt und reagiere auch nicht mehr völlig verstört, wenn im Supermarkt das erste Weihnachtslied ertönt, ich selbst aber noch meinen Gedanken an den Sommer nachhänge. Doch woran ich mich nie gewöhnen werde, sind die Menschen, die schon im November beginnen, sich den Kopf über Weihnachtsgeschenke zu zerbrechen. Menschen die mir drei bis vier Wochen vor Weihnachten, damit auf die Nerven gehen, dass sie noch nicht alle Geschenke zusammen haben. Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie jemand sich für das Fest der Liebe, solch einem Stress aussetzt und zum Sklaven seiner selbst macht.

Okay, verständlich, dass den meisten Christen etwas darin liegt, ein besinnliches Weihnachten im familiären Kreise zu feiern, und dafür nun mal auch viel Zeit für Vorbereitungen und Besorgungen aufgeopfert wird.

Doch es ist sicherlich niemandem entgangen, dass in den letzten Jahren die Zahl der kaufsüchtigen Zombies, die zur (Vor)Weihnachtszeit in der Stadt herumtingeln, überhandgenommen hat. Ich kann die Unruhe dieser Zombies, die mit ihren glühenden Augen alles nach potenziellen Geschenken absuchen, förmlich spüren und weiche automatisch aus, sobald mir ein solcher über den Weg läuft. Ich mache das aus dem ganz einfachen Grund – Ich muss mich schützen. Ich habe Angst, dass mich diese Zombies mit ihrer Panikmache und ihrem krankhaften Kaufverhalten anstecken.

Besinnliche Weihnachten? So richtig Weihnachtsstimmung will gar nicht aufkommen, wenn alles sich nur ums Geschenke kaufen dreht (© Julien Christ  / pixelio.de)

Besinnliche Weihnachten? So richtig Weihnachtsstimmung will gar nicht aufkommen, wenn sich alles nur ums Geschenke kaufen dreht (© Julien Christ / pixelio.de)

Zur Vorweihnachtszeit scheinen die meisten nur noch damit beschäftigt ellenlange Geschenkelisten notorisch abzuarbeiten. Schnell ein, zwei, drei Tassen Glühwein runterkippen, um den Stress für einen Moment zu entkommen und sich selbst vorzutäuschen, dass die Vorweihnachtszeit ja im Grunde eine ganz besondere, besinnliche Zeit ist. Mit dem Duft von Zimt in der Nase und dem zirkulierenden Alkohol im Blut wird die Lüge glaubhafter. Dann geht der Shopping-Marathon auch schon in die zweite Runde.

Was ist passiert, dass sich zu Weihnachten bei einigen alles nur noch um die Geschenke zu drehen scheint?

Gehen wir ein paar Jahrtausende zurück. Weshalb beschenken wir uns überhaupt zu Weihnachten? Das Sich-Beschenken zur Weihnachtszeit geht ursprünglich zurück auf Bischof Nikolaus. Dieser Heilige soll um 280 nach Christi an der türkischen Mittelmeerküste gelebt haben und es ranken sich allerhand Legenden um seine Person. Er soll ein sehr großzügiger Mann gewesen sein, der sich zum Beispiel den Armen annahm. Sein Todestag, der 6. Dezember, wurde fortan ihm zu Ehren gefeiert und die Kinder erhielten Geschenke.

Endlich Heiligabend: Vor allem Kinder könen es bis zur Bescherung an Heiligabend  kaum abwarten  (© Lupo  / pixelio.de)

Endlich Heiligabend: Vor allem Kinder können es bis zur Bescherung an Heiligabend kaum abwarten (© Lupo / pixelio.de)

Martin Luther und die evangelische Kirche wollten Mitte des 16. Jahrhunderts im Zuge der Reformation die Verehrung Heiliger ganz abschaffen. Damit die Bescherung aber nicht ganz wegfiel, wurde diese auf Weihnachten verlegt. Plötzliche war es das Christkind, das den Kindern die Geschenke unter den Weihnachtsbaum legte. Nach und nach stoß dies sowohl bei Protestanten als auch Katholiken auf Anklang. Das Sich-Beschenken zur Weihnachtszeit blickt also schon auf eine lange Tradition zurück auch wenn die Beweggründe dafür nicht ganz so durchschaubar scheinen.

Der ganze heutige Wahnsinn, der Weihnachten begleitet, ist wohl dem Kapitalismus und seinen folgenreichen Auswüchsen, wie dem zunehmenden Materialismus, zu Schulden. Ich für meinen Teil beginne eine Woche vor Weihnachten langsam mir Gedanken über das ein oder andere Geschenk zu machen. Ich finde auch nichts Verwerfliches daran, Menschen mit einem Geschenk eine Freude zu machen. Bis jetzt bin ich aber eben immer gut damit gefahren, mich von diesem Weihnachtsstress nicht anstecken zu lassen und einen kühlen Kopf zu bewahren. In diesem Sinne: Ein frohes und vor allem besinnliches Weihnachten.

Vorschau: Eva berichtet nächste Woche davon, warum sie kein großer Freund von Silvester ist.

Vergiss es – Demenz und ihre Folgen

Nur die Zeit vergessen? Demenz ist am Anfang nicht leicht zu erkennen (©Lupü / pixelio.de)

Nur die Zeit vergessen? Demenz ist am Anfang nicht leicht zu erkennen (©Lupü / pixelio.de)

Stellt euch vor, ihr würdet eines Tages aufwachen und wüsstet nicht mehr, welcher Tag es ist. Selbst ein Blick auf den Kalender könnte euch nur für wenige Minuten versichern, ob es Winter oder Sommer ist. Die Menschen würden die Geduld mit euch verlieren, weil ihr immer wieder vergesst, was sie oder ihr selbst gesagt habt. Das alltägliche Leben wäre nicht mehr dasselbe. Habt ihr schon etwas getrunken, gegessen, geschlafen, euch gewaschen? Und wer ist dieser Mensch, der so vertraut mit euch zu sein scheint.

Angst. Ihr hättet wahnsinnige Angst. Angst vor dem Leben, vor allem Neuen und vor euch selbst. Ihr könntet gar nicht mehr sicher sein, wer ihr überhaupt seid. Was erst noch mit etwas Vergesslichkeit abgetan wurde, bekommt bald einen anderen Namen, der furchtbar nachklingt. Demenz. Oder gar Alzheimer.

Nicht vergessen! Für Menschen mit Demenz sind viele  Hilfen im Alltag nötig (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Nicht vergessen! Für Menschen mit Demenz sind viele Hilfen im Alltag nötig (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Ja, denkt ihr jetzt. Aber ich bin noch jung. Wieso sollte das mir passieren? Zum einen Teil gibt es genetische Veranlagungen, die den Ausbruch von Demenz oder ähnlichen Erkrankungen wahrscheinlicher machen. Zum anderen treffen wir in unserer alternden Gesellschaft jeden Tag auf mehr alte Menschen unter denen auch statistisch gesehen mehr Menschen solche Krankheiten haben können. Selbst wenn ihr und ich zu den Glücklichen gehören, die davon befreit sind – was wir heute nicht wissen können – hat die Demenz von anderen auch immer Auswirkungen auf uns selbst.

Wechseln wir den Blickwinkel. Stellt euch vor, ihr kennt jemanden, der Demenz hat. Immerhin leiden in Deutschland bereits 1,4 Millionen Menschen an Demenz, Tendenz steigend. Am Anfang vergisst derjenige vielleicht mal einen Geburtstag, einen Termin oder bringt Zahlen durcheinander. Das fällt auch euch kaum auf. Doch dann kann es sein, dass derjenige seine Körperhygiene vernachlässigt oder das Putzen seiner Wohnung. Das würde euch schon eher auffallen, zumindest, wenn es jemand ist, der euch nahe steht. Wenn derjenige dann auch noch Namen durcheinander bringt, Erlebnisse und Wege. Wenn er oder sie plötzlich nicht mehr richtig Radfahren kann oder andere alltägliche Errungenschaften nicht mehr versteht, dann macht ihr euch Sorgen. Ihr wollt helfen – und wisst nicht wie.

Gesegnet im Alter - Aber was, wenn die Erinnerung verloren geht (©Lupo / pixelio.de)

Gesegnet im Alter – Aber was, wenn die Erinnerung verloren geht (©Lupo / pixelio.de)

Niemand hört gerne, dass er ernsthaft krank ist und so wird auch eine Demenz von den Betroffenen gerne mit „jeder vergisst doch mal was“ oder „das kommt eben mit dem Alter“ abgetan. Auch Angehörige wollen lieber glauben, dass es sich um eine Phase oder eine einfache Alterserscheinung handelt, als um Demenz oder Alzheimer, Erkrankungen, in deren schlimmeren Stadien die Betroffenen den Weg nicht mehr nach Hause fingen, den Herd anlassen, ihre Kinder und Ehepartner vergessen und sich selbst in völlig fremden Zeiten wähnen. Nicht nur sie verlieren dabei die Erinnerung an uns – wir verlieren auch sie.

Betroffen ist bei so einer Krankheit nie „nur“ der Erkrankte, sondern auch immer sein direktes Umfeld, seine Freunde und Angehörige. Der Mensch, den wir einmal gekannt haben, entgleitet uns. Er erkennt uns nicht wieder – und wir ihn nicht. Demenz ist eine Krankheit, die nicht nur dem Erkrankten Angst macht, sondern auch seiner Familie. Und es ist eine Krankheit, bei der schnell klar wird, dass die Pflege aufwendig wird und rund um die Uhr stattfinden muss. Kaum ein Mensch kann das bewerkstelligen, wenn er ein eigenes Leben führen will, arbeitet, Freunde und Familie hat. Hier kommt der Helfer emotional wie physisch an seine Grenzen, denn der oder die Erkrankte will nicht nur nicht verstehen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Oft fehlt auch das Verständnis dafür per se. Sie sehen sich als Gefangene, als unschuldig Eingesperrte. Sie rebellieren gegen die Hilfe, die sie brauchen, aber von der sie einfach nicht mehr wissen, dass sie sie brauchen. Oft werden solche Menschen aggressiv und gewalttätig, verstehen sich selbst als jung und agil und verstehen die Welt einfach nicht mehr.

Demenz schneidet tief in eine Familie hinein, durchbricht Strukturen und gerade die, die einmal Halt gegeben haben, brauchen jetzt nicht nur Halt, Hilfe und jemanden, der den Mut hat, für sie zu bestimmen, sie brauchen eine Nähe, die sie nicht mehr zurückgeben können. Sie verlieren sich selbst. Und das ist das, was so schrecklich daran ist. Am Ende bleibt von demjenigen, den wir einst kannten, kaum die Hülle übrig und die Angehörigen beten für die wachen Momente, für etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Ich finde, allein darum, ist Demenz eine Krankheit, die uns immer wieder dazu anhalten sollte, jeden Moment mit denen, die wir lieben zu genießen, den Augenblick groß zu machen, ihn festzuhalten, aufzuschreiben oder sonst wie zu verinnerlichen. Denn der Augenblick verfliegt und manchen bleibt am Ende nicht mal die Erinnerung selbst.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna hier über den alljährlichen Kaufrausch zu Weihnachten.