Begeisterung begeistert – warum wir lieben sollten, was wir tun

Am vergangenen Wochenende habe ich ein Seminar zu kreativem Schreiben gehalten. Eine der Aufgaben für die Studenten, die nicht nur literarisch schreiben wollen, sondern – wie könnte es an einer Uni anders sein – vor allem Interesse an Hilfestellungen fürs wissenschaftliche Schreiben hatten. Zu trocken sei der deutsche Stil in der Fachliteratur, zu einengend die Regeln. Wer Sachbücher liest weiß, dass der Grad zwischen der Aneinanderreihung von Fakten und der Vermittlung von Begeisterung für ein Thema eigentlich gar nicht so ein schmaler ist. Woran liegt es dann, dass Sach-, Fach- und allgemein wissenschaftliche Texte so einen langweiligen Ruf haben?

Informativ oder erzählend

Fehl am Platz? Begeisterung lässt Unterricht zum Spaß werden (Foto: facethebook/pixabay.com)

Im Genre Fantasy existierte lange eine strikte Trennung von Gut und Böse. Und die zog sich durch so ziemlich alle Kategorisierungen hindurch. Schon Shakespeare wusste, dass Hexen hässlich sein müssen. Heute sind wir zum Glück viel weiter. Filme wie „Maleficent“ zeigen die tiefe Psychologisierung, die hinter einem gefallenen Helden stecken kann. Nur Gut ist niemand. Warum also müssen dann Fachtexte nur informativ sein? Die meisten kennen solche Texte aus der Schule oder aus dem Studium. Da muss möglichst viel Information auf möglichst kleinem Raum zusammengefasst sein. Platz und Zeit (zum Lesen) sind Geld. Und die Kinder sollen ja nicht unterhalten sondern unterrichtet werden. Weil uns das aber schnell langweilt, gehen wir später an Sachbüchern mit gerümpfter Nase vorbei. Muss das so sein?

Schönheit des Wissens

Der Nerd in uns. Wir alle wissen in manchen Bereichen mehr als andere (Illustration: Comfreak/pixabay.com)

Wer gerne Dokumentationen schaut, weiß, dass Wissen interessant ist. Das Medium Film hat den großen Vorteil, Fakten mit Bildern zu verschönern. Egal wie trocken die Stimme aus dem Off spricht, malerische Naturaufnahmen, nachgestellte Szenen historischer Ereignisse, Diagramme und Interviews bieten eine Abwechslung und helfen uns, das Wissen auch zu behalten. Der Mensch glaubt, was er sieht. Wir sind visuelle Wesen. Wen ein Text uns nicht die Möglichkeit gibt, unsere Vorstellungsgabe einzusetzen, verfliegt er schnell wieder. Leser wissen das. Und schon die Kinderbücher für die Kleinsten setzen genau darauf. Nicht umsonst sind das Bilderbücher. Wie kann jetzt aber ein Text voller Informationen unsere Phantasie anregen, so dass wir Bilder „sehen“?

Begeisterung, die Geister anregt

Be-Geist-ert? Begeisterung lässt komplizierte Themen kinderleicht werden (Illustration: johnhain/pixabay.com)

In meinem Seminar ließ ich die Teilnehmer kurze „Expertentexte“ schreiben. Texte aus einem Bereich, für den sie sich begeistern, wo sie sich aus Interesse und Leidenschaft Wissen angeeignet haben, das andere nicht kennen. Von zwanzig Teilnehmern schrieb jeder etwas anderes. Nur ein Thema wurde zweimal angegangen – und das auch in unterschiedlichen Bereich: Fußball. Zwei der Texte wurden vorgelesen und ernteten Applaus. Warum fanden es plötzlich alle toll, solch ein Wissen vermitteln zu bekommen, das, wie einer der Teilnehmer sagte, „nerdy“ war? Es lag an der Begeisterung. „Wir reden gleich anders, wenn wir uns gern mit dem Thema beschäftigen“, meinte auch einer der Teilnehmerinnen. Offener, lebendiger, witziger, aber auch bildlicher. Wir verpacken trockenes Wissen in unsere Leidenschaft und erreichen die Vorstellungskraft der anderen.

Liebt, was ihr tut

Begeisterung für das eigene Thema ist also elementar, wenn wir Begeisterung erzeugen wollen. Und das geht bei jedem Thema. Hawking ist nicht nur so ein großartiger Wissenschaftler, weil er verdammt schlau ist, sondern weil er die Themen, über die er forscht, mit Leidenschaft angeht. Seine Bücher sind nicht nur für Leute vom Fach interessant, sondern begeistern Millionen Leser. Bastian Stick hat gerade durch den amüsanten Zugang in „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ die Aufmerksamkeit auf den Sprachwandel gelenkt. Die Grundlage jedes Schreibens, jedes Künstlers, jedes Redners ist darum Leidenschaft. Mit ihr werden wir Experten, nerdy aber begeisternd.

Die Sache mit dem Sexismus

Jüngst durfte ich mir sagen lassen, ich sei sexistisch. Ich war milde überrascht, denn der Grund war, dass ich mich über Sexismus aufgeregt habe. Auslöser war ein Foto einen Rechtsanwalts, über das mittlerweile genug gesagt und an dem alles kritisierbare kritisiert wurde. Darum soll es gar nicht gehen. Die Verteidigung aber, mich als das anzugreifen, was ich anprangere, ist weder selten noch untypisch. Es erinnert leise an die Kindergarten-Streitereien, die mit „Selber“, endeten, weil einfach die Argumente fehlen. Und sie soll vor allem eines: Verletzen.

Was ist Sexismus?

Frauensache? Auch Männer sind von Sexismus betroffen (Foto: NeuPaddy / pixabay.de)

Sexismus bezeichnet schlicht Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Zu sagen, Frauen müssten weniger verdienen, weil sie schwächer und dümmer wären, wie es jüngst ein polnischer Abgeordneter gemacht hat, ist Sexismus. Und zu behaupten, Frauen müssten Kinder bekommen, weil das ihre biologische Aufgabe wäre, ist Sexismus. Zu erklären, Männer könnten mit Kinder nicht umgehen oder seien zu keinen echten Emotionen fähig, genauso. Sexismus ist also nicht auf die Frau beschränkt. Aber Frauen erleben häufiger Sexismus – und eine andere Art. Während Männer in sexistischen Äußerungen gerne zu Helden und Kriegern gemacht werden – wenn es nicht gerade um eine Erkältung geht – werden Frauen klein gemacht, untergeordnet, zu Menschen zweiter Klasse. Aber beide Geschlechter leiden darunter. Das macht Sexismus zum Äquivalent des Rassismus auf Geschlechterebene. In der Realität kommen beide oft zusammen vor, aber natürlich nicht immer.

Aber wir haben doch Gleichberechtigung?
Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Freiwillige Posen oder Male Gaze? Wenn Sexismus anerzogen wird (Foto: JerzyGorecki / pixabay.de)

Nein. Haben wir nicht. Wir arbeiten daran, noch immer. Und es hat sich eine Menge getan. Frauen dürfen selbst entscheiden, ob und wo sie arbeiten wollen – früher lag diese Entscheidung beim Ehemann oder dem Vater. Frauen dürfen wählen, Auto fahren, Hosen tragen, gewählt werden, … Klingt toll oder? Die frühen Feministinnen der 1920er Jahre würden einen Salto machen. Die Frau darf auch nicht mehr in der Ehe vergewaltigt werden. Und hey, der Mann darf Elternzeit beantragen. Doch das ist noch keine Gleichberechtigung. Und Vorsicht: Gleichberechtigung bedeutet nicht, etwaige mögliche Unterschiede nicht anzuerkennen, sondern lediglich, dass gleiche Rechte bestehen. Keine Gleichsetzung also. Dass Unterschiede individuell sind, und nicht mit dem Chromosomenhaushalt zu tun haben, ist dabei meine Meinung. Dass die schlechtere Bezahlung von Frauen, die Tatsache, dass es für Mütter viel schwerer ist, in den Beruf zurück zu kehren und Mädchen in MINT-Fächern und Studiengängen noch immer die Unterzahl sind – das ist keine Gleichberechtigung. Auch dass Frauen auf Bildern zu Deko-Objekten werden und weibliche Rundungen noch immer nach der Sex-Sells-Methode laufen, ist keine Gleichberechtigung. Das ist traurig und entwürdigend.

Ich bin sexistisch
Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Ist das so oder muss das so sein? Sexismus beeinflusst unser Leben täglich (Grafik: OpenClipartVectors / pixabay.de)

Der Vorwurf, ich wäre sexistisch, sollte ein Totschlagargument sein. Weil ich in dem Bild Merkmale erkannt habe, die sexistisch sind, muss ich ja sexistisches Gedankengut haben. Aber etwas zu erkennen und zu kritisieren ist etwas anderes, als damit einverstanden zu sein. Ich erkenne auch Rassismus. Macht mich das zu einem Rassisten? Jemanden vorzuwerfen, er wäre intolerant, weil er Toleranz nicht tolerieren kann – ja, das ist ein Problem. Und es ist ein Problem, dass wir alle mit sexistischen Motiven und Bildern überhäuft werden. Geschlechterklischees beginnen im Kindergarten. Hier lernen die Kinder bereits kennen, was Mädchen machen und was Jungs tun – wenn sie es von ihren Eltern und den Medien noch nicht beigebracht bekommen haben. Jungs dürfen keinen Nagellack tragen und raufen halt. Lange Haare bei Mädchen sind ja sooo schön und das Kleid erst. Hach. Ich nehme mich da nicht aus. Natürlich wurde ich nicht frei von Geschlechterzwängen erzogen. Das ist als Mitglied dieser Gesellschaft nahezu unmöglich. Aber gerade deswegen verstehe ich den Code. Und weil ich weiß, wo sich Sexismus versteckt, kann ich ihn selbst versuchen zu vermeiden und kritisieren, wenn ich ihn erkenne. Denn – und das ist schlicht meine Überzeugung – Sexismus ist einfach falsch.

Die Doofe mit dem Helm bin ich

Für Kind und Kegel: nun habe ich auch so einen Anhänger (Foto: Antranias / pixabay.de)

Vor ein paar Wochen schickte mir mein Mann am frühen Morgen eine Nachricht. Sein Auto war liegen geblieben. Totalschaden. Innerlich seufzte ich erleichtert auf, denn der Karren hatte uns in den letzten zwei Jahren mehr gekostet, als er wert gewesen war und ich stieß bisher mit meinem Vorschlag „lass den uns verkaufen und nimm mein Auto“ auf taube Ohren. Nun war es zwangsweise so. Mein Mann fährt jetzt mit „meinem“ Auto und ich habe so einen furchtbaren Anhänger an mein Fahrrad bekommen, um die Kleinen in die KiTa zu bekommen. Doch über den will ich eigentlich gar nicht reden.

Neue Perspektive

Neue Perspektive: Radfahren heißt auch Entschleunigung (Foto: jill111 / pixabay.de)

Seit ich wieder täglich mit dem Rad fahre – was zuletzt zu Schulzeiten war – hat sich meine Perspektive grundlegend verändert. Mein Blick auf Distanzen ist ein anderer geworden. Als meine Schwiegermutter einmal meinte, sie könnte von Ludwigshafen nach Schifferstadt auch laufen (was immerhin um die 14 Kilometer sind), habe ich sie mit dem Auto eingesammelt. Als meine Tochter an ihrem ersten Kindergartentag ohne Mama auf die Nase fiel und sich fast einen Zahn ausgeschlagen hat, war ich mit dem Auto innerhalb von Minuten erst bei ihr und dann mit ihr beim Zahnarzt. Weite, aber auch Zeit hat eine ganz neue Dimension bekommen. Ganz abgesehen von dem, was ich nun alles so sehe.

Ein bisschen mehr von der Stadt

Schnell, wendig, platzsparend: In der Großstadt ist das Rad schon effizienter als das Auto (Foto: flotty / pixabay.de)

Mit dem Rad dauert der Weg ungefähr 15 Minuten. Allzu lange bin ich also nicht unterwegs, auch wenn es mir in den letzten regnerischen Tagen wie eine sehr nasse Ewigkeit vorkam. Doch diese Viertelstunde reicht, um die Plakate zu lesen, die die Geschäfte in den Schaufenstern hängen haben. Oder auch, um die wunderschönen Kleider des Brautmodenladens zu bewundern, der vor noch nicht allzu langer Zeit eröffnet wurde. Beim Bäcker zu halten, um noch Brot zu holen, artet nicht in Parkplatzsuche aus, ich halte direkt vor dem Geschäft. Mit dem Rad habe ich auch in den paar Minuten ein bisschen mehr von der kleinen Stadt und ich verstehe absolut, warum gerade in großen Städten, in denen vieles noch näher beieinander liegt, das Auto ein Relikt geworden ist. Aus dem Blickwinkel brauche ich das Auto lediglich zum Großeinkauf – und den lass ich mir mittlerweile ohnehin oft liefern.

Die dunkle Seite

Doofer Helm? Auch mit Kopfschutz macht Fahrradfahren Spaß (Foto: DorothyA / pixabay.de)

Dafür darf ich mich jetzt über ganz neue Dinge aufregen. Denn was ich in den wenigen Tagen schon erkannt habe. Die Doofe mit dem Helm bin ich. Kein anderer Erwachsener trägt auf dem Rad einen Helm, Schulkinder brausen mit freiem Kopf die Straße hinunter und legen steile Kurven hin, Kleinkinder sitzen auf dem Kindersitz, die Ohren im Wind. Und ich trage einen Helm. Nicht nur, weil ich meinen Kindern zeigen will, dass nicht nur sie das Ding aufziehen müssen. Sondern auch, weil ich wieder aufstehen will, wenn ein übermüdeter Autofahrer mich übersieht. Egal wie gut und sicher ich nämlich Rad fahre. Vor denen gibt es keinen Schutz. Und was ist denn so schlimm daran? Ich schnalle mich im Auto an, warte bis die Ampeln auf Grün stehen, stelle mich bei runter gelassener Schranke auf keine Bahngleise. Was ist so schlimm am Helm? Dass er klobig ist? Ja, auch ein moderne Helm gewinnt bei Heidi kein Foto, aber im Vergleich zu einem Schädelbasisbruch ist er richtig schick. Kein Mountainbiker oder Radrennfahrer fährt ohne Helm. Nur die Stadtradler schneiden sich dieses Scheibchen ab. Wenn sie sich dabei mal nicht ins eigene Fleisch schneiden.

Warum ich Musicals so mag und was Disney damit zu tun hat

Im Januar waren mein Mann und ich gleich zweimal in Musicalvorstellungen. Aus unserer normalen Ausgeh-Statistik macht das ein Plus von etwa 200%. Darum wahrscheinlich kam nicht nur ich auf die Idee, dass wir mal wieder öfter raus müssen, auch mein Schwiegervater sorgte für Tickets. Glücklicherweise nicht zum gleichen Termin oder zur gleichen Inszenierung. Während ich mich für Die Schöne und das Biest entschieden habe, dessen Geschichte dieses Jahr noch mit einer Realverfilmung mit Emma Watson zu sehen sein wird, gab es vom Herrn Schwiegerpapa ein buntes Sammelsurium mit Die Nacht der Musicals.

Handlung und Musik
Mit dem Liebsten ins Musical: erholsame Paarzeit (Foto: Pexels / pixabay.de)

Mit dem Liebsten ins Musical: erholsame Paarzeit (Foto: Pexels / pixabay.de)

Ich muss aber gestehen, dass die Vielfalt bei Die Nacht der Musicals zwar toll ist und die Sängerinnen und Sänger beeindruckend waren, gefehlt hat mir aber das, was ein Musical eigentlich ausmacht. Die Handlung. Denn da liegt doch der Reiz. Dass Musik und Handlung miteinander verwoben werden. Nicht umsonst eignen sich Disney-Filme grandios als Vorlage. Daher kennen wir doch alle den Moment, wenn die Figuren plötzlich anfangen zu singen. Wer genug dieser Filme kennt, weiß vorher, wann es soweit ist. Oh Cinderella putzt den Boden, Gaston muss aufgeheitert werden, Rapunzel und Flint sehen fliegende Lichter, Elsa wandert den Berg hoch: Lalalalala.

Die Musik im Hintergrund
Musicals: Vereinen Musik und Handlung - wie ein Disney-Film (Foto: skeeze / pixabay.de)

Musicals: Vereinen Musik und Handlung – wie ein Disney-Film (Foto: skeeze / pixabay.de)

Dabei gibt es noch eine ganz andere Geschichte, die mir jedes Mal einfällt, sobald im Film oder auf der Bühne Musik sich nahtlos ins Geschehen einzupflanzen versucht. Als Michael Endes Momo bei Meister Hora die Zeitblumen sieht, hört sie die Musik des Herzens, der leise Klang, der sie in der in stillen Moment schon immer berührt hat. Vielleicht ist es sehr vermessen von dieser Szene auf den Ausdruck „Soundtrack des Lebens“ zu leiten, aber eigentlich passt es sehr gut. Denn manchmal, manchmal gibt es diese Lieder, die einfach genau passen, den Moment, das Gefühl, den Augenblick einfangen und ausdrücken können.

Zwischen Prägung …
Musik gehört zum Leben! Von Kindesbeinen an fühlen wir Rhythmus (Foto: maura24/pixabay.de)

Musik gehört zum Leben! Von Kindesbeinen an fühlen wir Rhythmus (Foto: maura24/pixabay.de)

Ich kann schon bei meinen Kindern sehen, wie prägend die Erfahrung von Geschichten wie Momo und Filmen wie denen von Disney sein kann. Meine Tochter stellt sich breitbeinig in ihr Kinderzimmer und schmettert „Ich lass los“, als wollte sie sofort auf die große Bühne und der Kleinste bleibt bei keiner Melodie ruhig sitzen. Er wippt sogar in der Kirche, während seine Schwester heute Morgen auf dem Weg zum Kindergarten im Anhänger vom Fahrrad durchweg geträllert hat. Und das ist doch auch kein Wunder. Unsere Welt ist eine sehr musikalische, wenn auch nicht immer eine harmonische. Gerade Kinder werden nicht nur mit Einschlafliedern und behütendem Summen zur Ruhe gebracht, sie kennen auch Werbejingles, die Intros von Hörspielen, die Musik, die wir Erwachsenen hören. Meinem Bruder musste ich früher immer das Eingangslied von „Bibi und Tina“ vorsingen. Kurz: Musik gehört zu unserem Leben.

…und Rhythmus
Erlebniss schenken: immer wieder eine gute Idee (Foto: LKP_LKD / pixabay.de)

Erlebniss schenken: immer wieder eine gute Idee (Foto: LKP_LKD / pixabay.de)

Vielleicht ist ja der Rhythmus, der uns gar an die unterschiedlichen Ausprägungen des Herzklopfens erinnert. Immerhin können auch Taube Menschen Musik durch den Rhythmus von Schlagzeug oder Bass wahrnehmen. Musik bringt Luft (und manchmal auch den Boden unter unseren Füßen) zum Schwingen und damit auch uns. Bei einem Musical nun soll die Music die unterschiedlichen Stadien von Spannung, Sehnsucht und Gefahr wieder geben. Und wir Zuschauer (und Zuhörer) spüren das geradezu – schon allein über die Vibration. Die ist freilich bei einem Musical mit Orchester wesentlich intensiver als bei einfachen Fernseh-Lautsprechern. Dadurch erlebe ich beim Musicalbesuch die Handlung noch intensiver und darum ist mir gerade dann die Handlung auch so wichtig. Und deren ganz eigener Rhythmus.

Höflichkeit bekommen wir abgewöhnt

Erst kürzlich las ich einen Artikel, indem darauf gedrängt wurde, dass Eltern ihre Kinder zu Höflichkeit erziehen sollen. Die Grundlage war ein Plakat, in dem die Eltern zur Verantwortung aufgerufen wurden. Verantwortung gegenüber ihren Kindern, Verantwortung gegenüber der Erziehung. Das Plakat, das in verschiedenen Sprachen durchs Internet flatterte, stammt dabei scheinbar aus einer portugiesischen Schule und führt als ersten Punkt auf, dass Kinder „hallo, danke, gern geschehen, Entschuldigung und danke“ im täglichen Gebrauch verwenden sollen. Die Meldung hat mich wütend gemacht, und auch traurig.

Das Kind ist unantastbar?
Mitziehen oder antreiben? Helikoptereltern fehlt das richtige Maß (Grafik: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Mitziehen oder antreiben? Helikoptereltern fehlt das richtige Maß (Grafik: OpenClipart-Vectors / pixabay.de)

Mit seiner Grundaussage hat das Plakat leider vollkommen recht. Was Erziehung ist und wie sie gestaltet werden sollte, ist dabei so vielseitig, wie die Menschen an sich. Die sogenannten Helikoptereltern, die ihre Kinder nie aus den Augen lassen, sind da gar nicht die Vorreiter. Erzieher wie Lehrer klagen, dass sie keine Autoritätspersonen mehr sein können, wenn ihre Kritik am Verhalten des Kindes, genauso wie dessen schlechte Leistungen, von Eltern wiederum als Kritikpunkt am Lehrer/Erzieher vorgebracht wird. Das Kind kommt im Unterricht nicht mit? Schuld ist der Lehrer. Das Kind stört andere? Schuld ist der Lehrer. Die Unantastbarkeit des eigenen Kindes ist der krasse Gegenentwurf zur Unantastbarkeit der Lehrkraft. Und beides ist Mist. Seltsam, oder? Wo die einen ihren Sprössling noch bis in den Vorlesungssaal der Uni begleiten, könnte anzunehmen sein, sie rissen sich um Verantwortung. Dabei geht es hier nicht um Verantwortung. Es geht um Kontrolle. Wer alle Entscheidungen des Kindes trifft, muss nie verantworten, es auch mal eine falsche treffen zu lassen. Eins aber ist auf den ersten Blick klar: Weder Lehrer und Erzieher haben an diesen Extremeltern ihre Freude, noch die Kinder. Helikoptereltern stehen denen, die ihr Kind am Kindergartentor abgeben und dann geflissentlich ignorieren in dem Punkt also in nichts nach.

Der andere Strang
Kleines Wort, große Wirkung: ein höfliches Danke (Foto: artemtation / pixabay.de)

Kleines Wort, große Wirkung: ein höfliches Danke (Foto: artemtation / pixabay.de)

Und jetzt fahr ich mal einen Ganz zurück. Denn es gibt sie noch. Die ganz normalen Eltern, die ihre Kinder hinfallen lassen und nicht gleich bei jedem Problem mit dem Anwalt drohen. Ich kenne eine ganze Menge davon. Und denen wird jetzt mal so über den Kamm vorgeworfen, dass ihre Kinder kein „Bitte“ und „Danke“ sagen können. Grausig zum einen ist, wie die Medien das Original-Plakat einfach für ihre Zwecke benutzen. Es gibt eine große Meldung zur fehlenden Höflichkeit und irgendwo klein steht dann, dass der Ursprung eine kleine Schule in Portugal ist. Das ist eine mediale Begeisterung, die Klicks sucht, Überschriften, aber keine Inhalt. Mit Journalismus hat das wenig zu tun. Und daneben wird lediglich das angebliche Unvermögen von Eltern angeprangert, deren Kinder unhöflich sind. Ein allgemeiner Jammer des Bildungssystems, das bisweilen berechtigt, aber eben auch nicht so ganz korrekt ist.

Erziehung ist Gemeinschaftsaufgabe
Zwischen KiTa und Zuhause? Erziehung ist Gemeinschaftssache! (Foto: Obermann)

Zwischen KiTa und Zuhause? Erziehung ist Gemeinschaftssache! (Foto: Obermann)

Ein kleines Beispiel: Ich habe drei Kinder, die je zu unterschiedlichen Zeitpunkten in ihrem Leben in die KiTa gekommen sind. Bei jedem wurde ich noch in der Eingewöhnung darauf angesprochen, wie höflich die Kleinen doch seine, gerade WEIL sie immer „Bitte“ und „Danke“ sagten. Nach zwei Wochen in der KiTa war das vorbei. Ja, im Kindergartenalltag geht es hektisch zu, da werden auch mal Anfragen der Kinder schnell angefertigt. Doch immer wieder kämpfe ich darum zu Hause für „Bitte“ und „Danke“. Ein endloser Kreislauf. Ich bin absolut dafür, Kindern ein Grundmaß an Höflichkeit mit zugeben. Die Mitmenschen reagieren viel freundlicher, wenn ich ihnen diesen kleinen Respekt erweise und mir tut es ganz bestimmt nicht weh. Doch wenn das Bildungssystem, die Medien oder ein einzelner Alter auf seinem Schaukelstuhl darüber meckert, dass die heute Jugend unhöflich sei, soll er doch einfach mal das unhöfliche Getue lassen und mitmachen. Kinder werden zu Hause erzogen – aber nicht nur. Dafür sorgen auch Ganztageskindergartenplätze, Ganztagesschule, Hort, Tageseltern.

Trump ist Präsident und wir leben noch?

Seit Freitag, den 20.01.2017, ist wahrgeworden, was sich letzten Sommer kaum jemand hatte vorstellen können: Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Seitdem wurde keine Atombombe abgeworfen, die Muslime in Amerika wurden nicht deportiert, Afroamerikaner dürfen weiterhin im Bus dort sitzen, wo sie wollen. War die ganze Aufregung jetzt umsonst?

Mit Sicherheit nicht!
Donalds Trump: Präsident der Vereinigten Staaten (Grafik: heblo / pixabay.de)

Donalds Trump: Präsident der Vereinigten Staaten (Grafik: heblo / pixabay.de)

Nein, mit Sicherheit nicht. Bereits die ersten Amtshandlungen von Trump zeigen, dass es jetzt erst richtig losgeht. Er setzt auf eine Autarkie Amerikas, indem er die Steuer für Unternehmen senkt und Strafzölle für diejenigen erhebt, die im Ausland produzieren lassen und die Ware wieder nach Amerika einführen. Nennen wir das Kind doch beim Namen: Trump will, dass die Firmen in Amerika mit Amerikanern produzieren oder haufenweise Geld bezahlen. Da das nicht nur für amerikanische Firmen gilt, wirkt sich das auf die Weltwirtschaft aus. Den Ausstieg aus dem Handelsabkommen der Transpazifischen Partnerschaft hat Trump bereits besiegelt.

Alternative Fakten
Diskriminierung und alternative Fakten: Trump schafft sich eine eigene Realtiät (Foto: quintheislander / pixabay.de)

Diskriminierung und alternative Fakten: Trump schafft sich eine eigene Realtiät (Foto: quintheislander / pixabay.de)

Dass er dabei seine eigene Wahrheit hat, zeigt sich wohl am Deutlichsten in dem, was nach der Vereidigung passierte. Zuerst behauptete Sprecher Sean Spicer dreist, Trumps Vereidigung wäre die größte „aller Zeiten“ gewesen. Als die Medien dagegen Beweise vorlegten, sprach Trumps Beraterin Kellyanne Conway von alternativen Fakten. Die sind nichts Weiteres als Propaganda, die die Grenze zur Lüge eiskalt übertritt. Ein Recht, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten und sein Staab scheinbar nehmen. Eine Unberechenbarkeit, die nicht nur die Welt der Amerikaner schnell auf den Kopf stellen kann. Das zeigt nicht erst die offizielle Diskriminierung von Menschen aus einigen Ländern, darunter Flüchtlinge wie Green-Card-Besitzer, mit einem Einreiseverbot.

Nicht mit uns!
Nein zu Trump: Hunderttausende protestieren bereits (Foto: bones64 / pixabay.de)

Nein zu Trump: Hunderttausende protestieren bereits (Foto: bones64 / pixabay.de)

So mächtig das Riesenbaby mit schlechter Frisur erschreckender Weise ist, so zuversichtlich bin ich seit dem Samstag nach der Wahl. Zum einen hat Trump nicht sofort einen Weltkrieg ausgelöst, was mich hoffen lässt, dass auch unter seinem Toupet ein Funken Verstand existiert. Wirklich zuversichtlich aber machte mich die Tatsache, dass weltweit Hunderttausende auf die Straße gegangen sind und gezeigt haben, dass sie mit ihm an der Spitze Amerikas nicht einverstanden sind. Allein in Washington waren es mehr als eine halbe Million Menschen. Überall auf der Welt marschierten Männer wie Frauen beim sogenannten Woman’s March. Der Spiegel schreibt, dass eine solche Demonstrationswelle Amerika seit dem Vietnamkrieg nicht mehr gesehen hat. Und auch Trumps Erlass, Einreisende aus bestimmten Ländern nicht ins Land zu lassen, wurde mit weltweitem Protest aufgenommen. Menschen standen an den Flughäfen Spalier, und feierten, als die Festgehaltenen doch durchgelassen wurden.

Späte Einsicht?
Ein nötiger Weckruf? Trump rüttelt die Menschen auf (Grafik: johnhain / pixabay.de)

Ein nötiger Weckruf? Trump rüttelt die Menschen auf (Grafik: johnhain / pixabay.de)

Nun kann darüber diskutiert werden, warum diese Menschen letztes Jahr nicht für Clinton gestimmt haben, denn einige merken jetzt, was sie angerichtet haben. Fakt ist – und nein, dieser ist nicht alternativ –, dass in Amerika mehr Menschen für Clinton statt für Trump gestimmt haben. Fakt ist auch, dass er dennoch mehr Wahlmänner und damit den Posten des Präsidenten gewonnen hat. Ist dann die späte Einsicht nicht umsonst? Nein! Der Widerstand gegen einen Unterdrücker, Chauvinisten und Rassisten ist nie umsonst. Amerika hat der Welt gezeigt, dass es nicht aufgeben wird. Manchmal braucht es einen Schock, um uns aus unserer Starre zu holen. Wenn Trump als Präsident diese Welle erzeugt, kann er am Ende ein notwendiges Übel werden, so furchtbar das klingt. Der Wecker, der uns aufgeschreckt hat. Darum sollten wir jeden Tag zeigen, dass wir mit den Überzeugungen dieses Mannes und denen von anderen Rassisten, Chauvinisten und Unterdrücken nicht einverstanden sind.

Analoges Planen ist zurück: Das Bullet Journal

Auf meinem Handy habe ich die App Wunderlist, mein Amazon Echo kann aber nur mit AnyDo oder Todoist arbeiten. Nicht zu vergessen: mein Google-Kalender, in dem die wichtigsten Termine stehen und auf den ich auch jede Besprechung meines Mannes sehen kann. Manchmal könnte ich Stunden damit verbringen, zu suchen, wo genau ich mir jetzt eingetippt habe, was ich eigentlich machen sollte. Und allzu oft vergesse ich dann doch etwas. Das Müsli beim Einkaufen, das Essengeld im Kindergarten, welches Buch ich eigentlich rezensieren sollte und wann wir bei den Freunden eingeladen sind. Die Digitalisierung hat versprochen, solche Dinge zu erleichtern. Doch immer größer wird der Trend, zurück zu den Wurzeln zu gehen. Mit dem Jahreswechsel habe ich beschlossen, es auch zu versuchen und mein erstes „Bullet Journal“ angefangen.

Wer hat’s erfunden?
Mehr als nur ein Kalender: Das Bullet Journal (Foto: kaboompics / pixabay.de)

Mehr als nur ein Kalender: Das Bullet Journal (Foto: kaboompics / pixabay.de)

Das „Bullet Journal“ ist aus Amerika nach Deutschland geschwappt, deshalb der Name. Ryder Caroll hat den Terminkalender darin neu erfunden und gleich um Einkaufszettel, Listen, Notizbuch und was auch immer gerade gebraucht wird erweitert. Der Grundgedanke dabei ist der: Jeder hat unterschiedliche Anforderungen an seinen Planer. Also kann der perfekte Begleiter nur so einer sein, den ich mir selbst gestalte. Im Anleitungsvideo der Original-Seite im Netz ist zu sehen, wie leicht es eigentlich geht. Kein Sorge, deutsche Untertitel gibt es auch. Ein individuelles Inhaltsverzeichnis, freie Gestaltung, freie Zusatzthemen. Aber Vorsicht, denn Freiheit ist trügerisch. Darum habe ich lange nachgedacht, ehe ich es versucht habe.

Der erste Kontakt
Ein Versuch wert? Zum Jahreswechsel fange ich mein erstes Bullet Journal an (Foto: Obermann)

Ein Versuch wert? Zum Jahreswechsel fange ich mein erstes Bullet Journal an (Foto: Obermann)

Ich bin über das Bullet Journal gestolpert, als Dani alias Bröselchen von Broesels Bücherregal das System auf ihrem Blog vorgestellt hat. Die Möglichkeit der absoluten Anpassung faszinierte mich. Immerhin war Dani auch so ehrlich zu schreiben, dass ihr gerade das Anfangen gar nicht so leicht viel. Struktur ins Chaos zu bringen, ist eben nicht einfach. Und lange reifte die Überlegung, ob es die Arbeit wert war, mich einzuarbeiten und es zu versuchen. Wie oft habe ich schon Kalender begonnen und spätestens im Mai lag der Klotz unberührt auf dem Schreibtisch? Und mein System mit Wunderlist, Google und Familienplaner funktionierte doch ganz gut. Und so habe ich einfach eine Weile verfolgt, was die anderen so mit ihren Bullet Journals anfangen.

Viele, viele bunte Möglichkeiten
Alles auf einem Blick: Im Bullet Journal steht nur, was mir wirklich wichtig ist (Foto: Obermann)

Alles auf einem Blick: Im Bullet Journal steht nur, was mir wirklich wichtig ist (Foto: Obermann)

Da gab es Leute, die ihre Bücher auflisteten, um sich vor Augen zu führen, was noch auf dem Stapel ungelesener Bücher liegt, oder in Stichpunkten Rezensionen, Filmeindrücke, Lieblingsmusik festhielten. Manche nutzten ihr Journal als Mini-Fotobuch, als Tagebuch und weniger als Kalender. Andere dagegen schrieben akribisch auf, was sie wann tun wollten. Und es klappte. Sie blieben am Ball. Über Wochen, über Monate. Täglich wiederkehrende Aufgaben wurden dabei nicht etwa abgehakt, sondern auf einer eigenen Seite mit farblich gefüllten – oder eben leer gelassenen–Kästchen gezeigt. Ein individueller Schlüssel macht es möglich, mit einfachen Zeichen sich selbst zu erklären, was mit dieser oder jener Aufgabe geschehen war. Einen Ladebalken imitierend halten manche fest, wie weit sie mit einer Entwicklung sind und wo sie hinkommen wollen. Die Vielfältigkeit überzeugte mich, der Anwendungsspielraum war erschreckend groß, aber vielleicht brauchte ich gerade das, um mir Struktur zu geben.

Ich wage den Versuch
Individuell und vielseitig: Das Bullet Journal hat für jeden genau, was er gerade braucht (Foto: Obermann)

Individuell und vielseitig: Das Bullet Journal hat für jeden genau, was er gerade braucht (Foto: Obermann)

Also habe ich mir ein passendes Notizbuch bestellt und losgelegt. Als zusätzliche Übung liegt nun „Schriftenzauber“ auf meinem Schreibtisch, denn das „Bullet Journal“ darf auch gut aussehen. Kalligrafiestifte und aufwendige Überschriften sehe ich fast täglich im Netz. So weit bin ich noch nicht, immerhin soll mir das Journal erst einmal Spaß machen und den Alltag erleichtern, nicht noch eine Baustelle auftun. Und das funktioniert momentan sehr gut. Ich sehe meine kleinen Ziele und erkenne auch schneller, wenn ich mir zu viel vornehme. Und manchmal reicht der Blick in das Büchlein, um mich die Wäsche aufhängen zu lassen oder noch ein Kapitel für die Dissertation zu schreiben. Oder aber einen Artikel für Face2Face. Und da ich so wirklich alles auf einem Blick habe, ist mir bisher auch noch nichts durchgerutscht.

Lesen zwischen Spaß und Pflicht

Ich gestehe, der Jahreswechsel war bei mir eher unspektakulär. Mit meiner Tochter mit Orangensaft auf dem Sofa, während der Große mit seinem Papa Wunderkerzen im Garten abgebrannt hat und der Kleinste alles verschlafen konnte. Doch als Buchbloggerin bedeutet der Jahreswechsel immer wieder einiges an tatsächlichem Neuen. Denn mit jedem Silvester gibt es neue „Lese-Challenges“, die neue „Challengeseiten“ brauchen und mein Lesejahr zumindest abstecken.

Blogger und Deutsch

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Dabei finde ich das Wort Lese-Challenge  einfach grausig. Auf meinem Blog heißt der Überbegriff darum schlicht „Leseaufgaben“. Und auch das ist noch nicht wirklich genial. Denn „Lese-Challenges“ gibt es in allerlei Formen und Ausprägungen. Die Grundidee ist die, dass die Leser gemeinsam Büchern lesen und als kleiner Ansporn wird ermittelt, wer am schnellsten war oder die meisten Bücher gelesen hat. Initiiert werden die Challenges auch meist von Bloggern, ab und an aber auch von Verlagen selbst, oder aber in Zusammenarbeit. Vor allem geht es mir dabei um die Gemeinschaft. Sehen, was die anderen zu den Vorgaben gelesen haben oder feststellen, dass die gleichen Bücher gelesen wurden. Und auch das Stöbern in den Rezensionen der mitlesenden Blogger. Manche dieser Herausforderungen sind sehr frei, andere eher eng gefasst. Manchmal liest es sich in ganzen Gruppen „gegen“ andere, wie bei der „Human-Vampire-Magic-Challenge“.  Die gelesenen Bücher der Mitmachenden werden hier addiert und mit denen der anderen Gruppen verglichen. Auch das erzeugt eine Art von Gemeinschaftsgefühl. Im Grunde eine Art großer Buchclub, bei dem entweder nur Themen oder auch die einzelnen Bücher von den Veranstaltern vorgegeben werden. Dann wird über das Gelesene in verschiedenen Gruppen gesprochen oder auch nur auf Blogs rezensiert und kommentiert.

Macht das noch Spaß?
Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Gerade zu Beginn 2017 habe ich einige Buchblogger gefunden, die sich gegen die Aufgaben wehren. Nicht etwa, weil sie nicht gerne lesen, sondern weil ihnen der Leistungsgedanke dahinter missfällt. Das kann ich durchaus verstehen. Ich habe schon erlebt, dass Leser über 20 Bücher im Monat lesen oder es zumindest behaupten. Je nach Lebenslage ist das auch machbar – aber oft sind drei bis  sechs Bücher einfach eher machbar. Vor allem, wenn nicht nur eine „Lese-Challenge“ angegangen wird oder eben noch andere Bücher auf dem Stapel ungelesener Bücher warten. Das Belohnen  der „Fleißigsten“ mit Buchgewinnen oder ähnlichem sehe ich also kritisch. Nach der Buchmesse letztes Jahr riefen  ein paar Blogger eine Buchmesseblues-Challenge ins Leben. Da hat dann jedes gelesene Buch Lose gebracht und am Schluss wurden zwei Mitlesende gezogen. Das System fand ich viel besser, denn auch wer nur ein Buch zu den Themen lesen kann, hat doch mitgemacht und sollte die gleiche Chance bekommen, wie der Dauerleser schlechthin.

Aufgaben und Listen
Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Mittlerweile bin ich selbst dazu übergegangen, mich zu beschränken. Viele Ideen sind toll, aber wenn ich meine Auswahlmöglichkeiten durch so viele Aufgaben immer mehr erweitere, schaffe ich das nicht, was ich mir eigentlich erhoffe: Etwas mehr Struktur in meiner Bücherauswahl. Denn es gibt so viele gute Bücher, dass ich manchmal dastehe und einfach nicht weiß, was ich als nächstes lesen soll. Mein Kleiderschrank macht mir wesentlich weniger Probleme . Wenn ich dann aber auch die Monatsaufgabe der „Motto-Challenge“ von Weltenwanderer   schaue, fällt mir die Auswahl leichter. Oder ich orientiere mich etwas fachlicher mit der „Frauen-Lese-Challenge“ von Wortlichter. Die passt mir sehr gut, weil ich hier das Lesen für die Dissertation mit dem Blog verbinden kann. Toll finde ich aber auch Leselisten. Die „Bücherkultur-Challenge“ beispielsweise führt Klassiker (auch moderne). Die „100-Books-Bloggeredition“ ist ähnlich gestrickt und stellt sehr gute Bücher vor. Besonders freue ich mich 2017 meine eigene Liste eingeführt zu haben. Die der BartBroAuthors, zu denen ich mich seit Dezember 2016 zählen darf. Hier finde ich gerade junge, noch weniger bekannte Autoren und auf die werfen Blogger immer gerne ein Auge. Ich finde es sehr toll, durch meine kleine „Challenge“ auch weniger bekannte Bücher und Autoren auf den Plan zu rufen. Denn auch dabei geht es bei „Lese-Challenges“  immer wieder: Neues entdecken und tolle Bücher lesen.

Programmiertes Hibbeln – The Voice of Germany und Aufklärung

Irgendwann konnte ich es nicht mehr verhindern. Mit seiner Oma zusammen sah mein ältester Sohn das erste Mal „Deutschland sucht den Superstar“. Ich war erst einmal sauer. Stinksauer. Erstens, weil die Oma die Schlafenszeiten ignorierte, aber viel schlimmer fand ich, dass sie ihn voller Naivität eine sogenannte Castingshow hat sehen lassen, in denen Talent erst einmal zweitrangig ist und Beleidigungen nicht selten. Es hätte kaum schlimmer sein können, höchstens noch mit Klumms eigener Magersuchtzucht. Doch nun hatte ich den Salat. Das Kind verstand meine Aufregung nicht und ich wusste, da hilft nur Aufklärung.

Aufklärung beim Schauen
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Stimme statt Show? Stimmt auch bei The Voice of Germany nicht ( Grafik: giselly / pixabay.de)

Darum durfte er letzten Sonntag wieder länger aufbleiben und wir haben uns gemeinsam das Finale von „The Voice of Germany“ angeschaut. Es war die zweite Staffel, die er sehen durfte. Wenn er hibbelt und hofft, erkläre ich ihm, dass es nur eine Show ist, ein Schauspiel. Dass alle Teilnehmer wissen, wann sie rausfliegen, wie weit sie kommen, wer gewinnt. Trotz Telefonwertungen. Er hört zu, versteht, hibbelt trotzdem. Aber ich sitze daneben und erkläre weiter. Wie die Auftritte platziert sind, wann das Miro leiser gedreht wird, um einen anderen Kandidaten zu bevorzugen. Das ist auch gar nicht böse oder schlimm. Pro Sieben ist ein Unternehmen und muss wirtschaften. Herzklopfen für den Zuschauer, Kassengeklimper für Pro Sieben. Für „The Voice of Germany“ habe ich mich aber bewusst entschieden. Gerade in der ersten Runde erfährt der Zuschauer keine Beleidigungen von den Teilnehmern. Nur Buzz oder nicht. Und dann das „Buhlen“ um die Teilnehmer, statt das Flehen an die „Coaches“.

System funktioniert?
Jedes Jahr eine neue Stimme: Tay Schmedtmann ist The Voice of Germany 2016 (Foto: AxxLC / pixabay.de)

Jedes Jahr eine neue Stimme: Tay Schmedtmann ist The Voice of Germany 2016 (Foto: AxxLC / pixabay.de)

Ja, das System funktioniert. Das „Mädchen“, das es mit seiner Euphorie gerne übertreibt, dieses Mal war es Yvonne Catterfeld und ihre Jubelrufe, die mitunter lauter waren, als die Sänger am Mikro. Der „Ausländer“, bereits zum zweiten Mal Samu Haber von Sunrise Avenue, der nicht nur auf Englisch flucht, sondern auch auf Deutsch. Warum der Finne kein finnisch von sich gibt, habe ich aber nicht verstanden. Dann noch die lässigen Fanta 2 Michi Beck und Smudo. Meine Kinder wachsen mit der Musik der Fantastischen Vier auf, „Die Da“ ist Standardrepertoire unserer Musikauswahl. Seit er The Voice schaut, steht mein Großer vor der Anlage und schreit „Ich hör Michi“ oder „Das ist Smudo“. Und zuletzt der immer kritisch schauende Andreas Bourani, der damit bisher wenig punkten konnte und vielleicht gerade deswegen dieses Mal mit seinem Kandidaten Tay gewonnen hat. Klischee, es leben hoch. Geradezu überraschend war es da, dass ins Finale keine Quotenfrau kam und auch sonst die so geforderte „Diversity“ nicht erzwungen wurde. Ja, ich bin für Vielfalt und weiß, dass die Welt bunt ist. Nur jemanden ins Finale zu holen, weil er eine bestimmte Hautfarbe, Ethnie oder Geschlecht hat, ist aber genauso falsch, wie ihn deswegen auszuschließen.

Fokus auf den Sängern
Auch nur eine Casting-Show - aber besser als viele andere (Foto: Nachrichten_mus / pixabay.de)

Auch nur eine Casting-Show – aber besser als viele andere (Foto: Nachrichten_mus / pixabay.de)

Warum ich „The Voice of Germany“ trotz allen Klischees und „Show“ dennoch mag, liegt auch daran, dass der Fokus hier weniger auf den bereits bekannten Künstlern liegt. Ja, die scherzen und blödeln, geben an und machen natürlich für ihre eigenen Scheiben Werbung. Sie wären ja auch schön blöd, wenn nicht. Doch hier gibt es wirklich konstruktive Kritik und Hauptsache ist, wie die Künstler singen, nicht wie sie zicken, aussehen, spinnen. Das Konzept geht auf und mein Sohn lern nicht nur, wie das System „Castingshow“ funktioniert, sondern auch noch etwas über gute Musik. Was eine klare Stimme ist, warum Atmen nicht gleich Atmen ist, dass viel Stimme nicht alles ist und Töne treffen auch nicht. Am Ende der Staffel scheinen manche der Talente besser zu singen, als die, die einmal für sie gedrückt haben. Und die geben das ohne Scheu zu. Unser Favorit, Friedemann aus Yvonnes Team, war am Sonntag bereits nicht mehr dabei. Mir persönlich macht das nichts. In der ersten Staffel landete mein Favorit Max Giesinger auf dem dritten Platz. Heute hat er den Sprung geschafft. Von Ivy, dem Mädchen, dass damals gewonnen hat, habe ich dagegen schon lange nicht mehr gehört. Ob Tay Schmedtmann eine große Karriere vor sich hat, bleibt abzuwarten. Ich hatte ihn nie als Sieger auf dem Schirm, aber ich bin ja auch keine Musikerin.

Die Flüchtlingskrise: Ein Update

KOMMENTAR: Mittlerweile ist es November. Die sogenannte Flüchtlingskrise ist schon lange zum innenpolitischen Problem erhoben worden. Offiziell befindet sich diese Krise jetzt in ihrem zweiten Jahr – völlig ungeachtet der Tatsache, dass auch vor 2015 Einwanderung auf diesem Weg stattfand. Zur Erinnerung: Der Krieg in Syrien dauert bereits fünf Jahre an. Bisher wurde angenommen, dass etwa eine 250.000 Menschen dabei ums Leben gekommen sind. Allerdings wurde die Zählung der Opfer Mitte 2014 eingestellt, da zuverlässige Daten nicht zugänglich seien, so der UNHCR. Seit 18 Monaten können die Verluste also nicht einmal mehr erhoben werden. Wissenschaftler des Syrischen Zentrums für Politikforschung gehen bereits von einer Dopplung der Zahl aus.

Es haben zwar über den gefährlichen Seeweg mehr als 171.000 Personen von der Türkei aus die Ägäischen Inseln Griechenlands erreicht. Aber mit den Rekordzahlen des Vorjahres hat das nur noch wenig zu tun. Noch in den ersten beiden Monaten des Jahres kamen ganze Flüchtlingsströme auf den Inseln an. Der Strom aber hat sich seit dem Inkrafttreten des Abkommens zwischen der Türkei und der Europäischen Union vom 20. März 2016 verlagert. Nach Griechenland kommen vor allem Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – knapp die Hälfte sind Syrer.

In Syrien verschlimmert sich die Lage zusehends. So erklärte Stephen O’Brien –UN-Koordinator für humanitäre Hilfe – , vor dem New Yorker UN-Sicherheitsrat, dass dort derzeit 974.080 Menschen in belagerten Städten und Dörfern ausharren. Vor einem halben Jahr sei weniger als die Hälfte betroffen gewesen. Dazu komme noch der Winter. Die Menschen  seien abgeschnitten von Hilfsleistungen. Fassbomben und Chlorgasangriffe kosten nicht nur unzählige Leben, mittlerweile seien auch die letzten verbleibenden Krankenhäuser und zivilen Einrichtungen unter Beschuss genommen. Schuldig sei daran – in der Regel durch Augenzeugen und lautstarke Äußerungen der US-Regierung bekundet – die Syrische Armee samt russischen Verbündeten. Eine Waffenruhe ist nicht in Sicht. Trotzdem sind die Ankunftszahlen seit März massiv abgefallen. Dass die Umsetzung eines politischen Abkommens derart signifikant auf den Flüchtlingsstrom einwirken kann, lässt tief blicken und eröffnet dabei trotzdem Raum für Spekulationen über eine Beteiligung – oder zumindest die Mitwisserschaft – der türkischen Regierung.

Signifikant steigt daraufhin allerdings die Zahl derer, die die Küsten Italiens ansteuern: Knapp 165.000 Personen kamen über das Mittelmeer aus Nigeria, Eritrea und anderen afrikanischen Ländern. Der Ausspruch „Afrika sitzt auf gepackten Koffern“ macht nicht nur die Runde, sondern auch Angst, denn Afrika ist groß und das Boot für viele schon voll.