Sportliche Last-Minute-Geschenke

Verdammt, morgen ist Weihnachten! Wie jedes Jahr kommt dieser Feiertag viel zu schnell. Es fehlen noch ein paar Geschenke? Dann habt ihr hier die Last-Minute-Geschenkideen für sportbegeisterte Väter, Onkel, Brüder, Mütter, Tanten oder Schwestern – zusammengestellt von der Sportredaktion.

Gutscheine.
Gutscheine gelten als sehr, sehr unkreativ, haben aber schon so manche Familienfeier vor dem Totalkollaps bewahrt. Wenn du nicht gerade zwischen drei und 13 Jahre alt bist und weniger als zehn Euro Taschengeld von deinen Eltern bekommst, sind selbst gebastelte Gutscheine NICHT MEHR OKAY! Fast in jeder gut sortierten Tankstelle gibt es alle möglichen Gutscheine, zum Beispiel IKEA, Spotify, Galeria Kaufhof oder Karstadt, mit denen man seinen Liebsten eine Freude machen kann.
Probeabos von Zeitungen und Zeitschriften, wie 11Freunde, Kicker oder SportBILD, eignen sich übrigens super als Weihnachtsgeschenk für die fußballbegeisterten Familienangehörigen.

Bücher.
Bücher rangieren auf der Beliebtheitsskala für Geschenke gefühlt direkt hinter Socken. Aber das Schöne ist: der Bücherwurm unter den zu Beschenkenden ist für JEDES Buch dankbar, egal wie schlecht es eigentlich ist. Vor allem im Bereich Sport gibt es alle möglichen Arten von Büchern: Romane, Autobiographien, zum Beispiel die Biographie von Zlatan Ibrahimovic: „Ich bin Zlatan“, oder auch Sachbücher, die überaus interessant sein können. Eine kleine Auswahl unserer Lieblingsbücher haben wir euch im November anlässlich des Bundesvorlesetags vorgestellt. Wagt euch in die Buchhandlung eures Vertrauens und lasst euch von den Verkäufern beraten!

Basteln.
Selbstgebasteltes fällt ebenso wie Gutscheine unter die Kategorie „wenn du nicht mehr zwischen drei und 13 Jahre alt bist…“ ist aber immerhin kreativer als ein Gutschein. Wagemutige Bastelkandidaten suchen heute Abend noch Fotos zusammen und überraschen Oma und Opa oder Mutti am 24. mit einem selbstgebastelten Fotokalender.

Fotokalender zum selbst gestalten gibt es sowohl bei Rossmann als auch bei DM und oft auch in größeren Einkaufszentren von Edeka oder Rewe. Darum sich am 24. noch mal in die Stadt zu wagen, kommen Bastelfreunde nicht herum. Vor allem wenn weder Kleber noch Schere vorhanden sind. Für die Sportfans: Ausschnitte aus Stadionheften, Zeitungsschnipsel und alles, was mit der Lieblingsmannschaft zusammenhängt auf einem DIN A4-Blatt arrangieren und eine Collage basteln. Das Ganze dann noch in einen schönen Rahmen ist ein super-schönes Last-Minute-Geschenk, wenn der Beschenkte Fan einer bestimmten Mannschaft ist.

DVDs / Blu-Rays / Spiele für Spielekonsolen.
Es gilt ähnliches wie bei Büchern: die Auswahl ist riesig. Bitte unbedingt auf die passende Spielkonsole achten! Nein, PlayStation 4-Spiele passen nicht in die Xbox360. Passend zum Weihnachtsgeschäft kommen jedes Jahr die größten Sportklassiker in der neusten Version heraus: Fifa 16 – VÖ 24.09.2015, ProEvolutionSoccer 2016 – VÖ 15.09.2015, Handball 2016 – VÖ 27.11.2015. Aber es muss auch nicht immer das neuste Spiel einer Reihe sein! Auch Klassiker wie Fifa 2001 feiern ein Revival bei vielen Gamern.

Last-Minute-Schenker sollten am 24. Dezember vor allem auf die Öffnungszeiten der verschiedenen Geschäften achten. Diese variieren nämlich von Bundesland zu Bundesland, von Stadt zu Stadt. Am besten früh aufstehen. Und immer dran denken: Ihr seid sicherlich nicht die einzigen, die Weihnachten mal wieder „vergessen“ haben. Noch ein paar kleine Tipps:

Nehmt die Hilfe von Verkäufern an und seid bitte freundlich, denn die Verkäufer können nichts dafür, dass ihr euch am 24. noch mal in das Weihnachtschaos stürzen müsst. Außerdem: Macht euch nicht verrückt! Ihr werdet bis zur Bescherung vielleicht nicht mehr das passende Geschenk finden, aber eure Eltern haben euch sicherlich trotzdem lieb. Und zum Schluss: Genießt es mit eurer Familie zusammen zu sein, auch wenn es anstrengend sein kann. Schließlich sind Geschenke ja nicht das Wichtigste zum Fest der Liebe.

Fröhliche Weihnachten. Merry Christmas. Joyeux Noël. Feliz Navidad. Buon Natale. عيد ميلاد مجيد. God Jul. счастливого Рождества. Mutlu Noeller. hyvää joulua.

Vorschau :  Jahresrückblick: Die besten Sprüche aus dem Sport im
Jahr 2015

Fußball in Zeiten des Terrors

Blick auf die Haupttribüne der Veltins-Arena in Gelsenkirchen (Foto: privat).

Blick auf die Haupttribüne der Veltins-Arena in Gelsenkirchen (Foto: privat).

Je nach Medienangaben sind zwischen 130 und 135 Menschen gestorben, rund 350 Menschen wurden verletzt. Der „Islamische Staat“ hat sich zu den Anschlägen in Paris bekannt.

Auch die deutsche Fußballnationalmannschaft war indirekt betroffen, denn sie spielten an diesem denkwürdigen 13. November im Stade-de-France gegen die französische Nationalmannschaft. Auch das Stadion war Ziel der Attentäter.

Dass den knapp 80.000 fußballbegeisterten Menschen nichts passiert ist, ist
großes Glück. Während des Spiels konnte man deutlich mehrere Detonationen hören, selbst am Fernseher. Tom Bartels, der Kommentator der ARD, die das Spiel live übertrug, kommentierte das Spiel infolge der durchsickernden Informationen sichtlich erschüttert weiter, aber er kommentierte eben weiter. Kurz wurde überlegt das Spiel nicht wieder anzupfeifen, aber um eine Massenpanik zu verhindern, wurde dann doch davon abgesehen. In der Nachbetrachtung war das die richtige Entscheidung. Nach dem Abpfiff sickerten dann Informationen zu den Zuschauern im Stadion durch, was schließlich zu den uns allen bekannten Fernsehbildern sorgte, die zeigen, wie Menschenmassen auf das Spielfeld des Stade-de-France strömen. Auf den heiligen Rasen, auf dem in weniger als einem Jahr die Europameisterschaft 2016 beendet werden soll.

Die Mannschaften des FC Schalke 04 und Apoel FC in der Veltins-Arena (Foto: privat).

Die Mannschaften des FC Schalke 04 und Apoel FC in der Veltins-Arena (Foto: privat).

Vier Tage später sollte der Fußballklassiker Deutschland gegen die Niederlande in Hannover ein Spiel auch für die Franzosen werden, die zeitversetzt ihr Testspiel gegen die Engländer im altehrwürdigen Wembley-Stadion antraten. Vereint sangen Franzosen und Engländer dort die Marseillaise, die Nationalhymne Frankreichs. Das Stadion war in blau – weiß – rot gehalten, es zeigte über dem Eingang die Worte Liberté, Égalité und Fraternité – Einheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – den Wahlspruch der französischen Revolution und der heutigen Französischen Republik. Doch das Spiel in Hannover musste eine Stunde vor Anpfiff aufgrund von konkreter Terrorwarnungen abgesagt werden. Der Terror scheint nun auch in Deutschland angekommen zu sein.

„Bist du denn wahnsinnig?“
Ob ich denn wahnsinnig sei, fragte mich meine Mutter, als ich ihr eröffnete trotz der Ereignisse unbedingt am Wochenende ins Stadion zu wollen. Menschenmassen solle man meiden, heißt es in den Tagen nach den Anschlägen. Super. Und ich muss einen Tag später, am 14. November in den Hauptbahnhof Hannover, um von dort wieder in meine süße kleine Universitätsstadt Marburg zu fahren. Aber es passiert nichts. Es laufen mehr Bundespolizisten durch den Hauptbahnhof, das fällt auf. Vielleicht ist es ein wenig zynisch, aber ich fühle mich sicher(er).

Eckball zwischen FC Schalke 04 und Apoel FC (Foto: privat).

Eckball zwischen FC Schalke 04 und Apoel FC (Foto: privat).

Dann Donnerstag. 26. November. 13 Tage nach Paris. Die Sicherheitskontrollen vor dem Spiel des FC Schalke 04 gegen Apoel FC in der Gruppenphase der Europa Leauge sind schärfer als sonst. Es ist schon dunkel, als wir gegen 17:45 Uhr am Stadiongelände ankommen. Auf dem Weg zum Stadion hin bin ich aufgeregt. Aber nicht, weil ich Angst vor einem Terroranschlag habe, nein, ganz im Gegenteil. Ich freue mich einfach auf ein hoffentlich packendes, mitreißendes Fußballspiel. Doch bevor wir in das Stadion hinein gehen können, werden mein Begleiter und ich abgetastet. Gründlicher als sonst. In meine Tasche wird hineingeleuchtet, sie wird nicht wie sonst einfach nur abgetastet. „Sicherheitsvorkehrung“ sagt die zierliche Frau, die nach meiner Taschenkontrolle auch meinen Körper abtasten darf. Den tollsten Job hat sie tatsächlich nicht.

18:30 Uhr. Noch eine halbe Stunde bis Anpfiff. Der Stadionsprecher verliest die Charta der UEFA Europa League gegen Rassismus. Immer wieder läuft auch der Fernsehspot „No to Racism“ auf dem großen Videowürfel in der Veltins-Arena. Der Text, der sich gegen Rassismus positioniert, aber auch sexistisches Verhalten verurteilt, wird auch auf Griechisch vorgelesen, da es sich bei dem Gegner Apoel FC um eine Mannschaft aus Zypern handelt.

Veltins-Arena bei Nacht (Foto: privat).

Veltins-Arena bei Nacht (Foto: privat).

Fernab des Spielgeschehens (der FC Schalke 04 vergibt sehr viele Chancen, gewinnt aber glücklich 1:0) habe ich nie das Gefühl mich in einer Gefahrenlage zu befinden. Dabei sind über 43.000 Menschen im Stadion. Angst hat als Besucher nichts bei einem Fußballspiel zu suchen. Nicht beim Stadionbesuch. Oder im alltäglichen Leben. Denn Angst lähmt nur unsere Gesellschaft.

Level up – Videospiele erobern die Wissenschaft

Eine Uni, die sich für Computer- und Videospiele interessiert – das Traumgebilde eines Gamers? Keineswegs. Die Japanologie der Universität Leipzig hat im Rahmen des Bereiches „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“ die Erforschung japanischer Videospiele zu einem ihrer zentralen Forschungsgebiete gemacht.

Seit mehr als vierzig Jahren haben sich digitale Spiele zu einer der beliebtesten Unterhaltungsmöglichkeiten entwickelt. Nicht nur in Japan sind seine Videospiele populär. Sie üben seither einen starken Einfluss auf die Spielkultur weltweit aus. Man denke nur an die Nintendoklassiker wie Super Mario Bros. oder The Legend of Zelda.

Universität Leipzig Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften Ostasiatisches Institut / Japanologie Juniorprofessor Dr. Martin Roth (Foto: Swen Reichhold / Pressestelle der Universität Leipzig)

Die Japanese Videogames Research Initiative – die Initiative zur Erforschung japanischer Videospiele ist noch sehr jung. Erst 2015 wurde sie von Dr. Martin Roth, dem Leipziger Juniorprofessor für Japanologie, ins Leben gerufen. Schon seine Dissertation schrieb er über die politischen Potentiale japanischer Videospiele. Nun forscht er auf dem Gebiet „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“. Bei seiner Doktorarbeit stieß er auf das Problem, dass viele der japanischen Videospiele hier in Deutschland nicht oder zumindest schwer zugänglich sind. Genauso verhält es sich mit der benötigten Technik. Doch für die ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung ist die unbehinderte Zugänglichkeit unabdingbar. So kam ihm die Idee eine Sammlung der Spiele zu beginnen, um sie für Forschung, Studium und Lehre erreichbar zu machen.

Ein wichtiger erster Schritt zum Traum von einer der größten Sammlung japanischer Videospiele war kürzlich die Schenkung von 4500 Spielen der japanischen CERO – der Computer Entertainment Rating Organization. Sie kümmert sich um die Bewertung von Computer und Videospielen. „Damit war ein guter Anfang für eine solche Sammlung in Leipzig geschaffen, die wir nun erschließen und hoffentlich in Zukunft ausbauen können“, beurteilt Roth die Schenkung. Leider kann er bisher nicht viel über deren Inhalt sagen, da gerade erst damit begonnen wurde, die Kisten zu öffnen. Derzeit besteht die Sammlung außerdem noch aus den Spielen, die Roth im Rahmen eines Seminars für die Studenten angeschafft hatte.

Durch die Initiative sollen Informationen über die Spiele und deren Kultur gesammelt werden. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei in verschiedenen Richtungen. Zum ersten sind das die Inhalte und das Spielgeschehen. Dabei wird vor allem auf die Ausdrucksmöglichkeiten, Kreativität und deren Bedeutung geachtet. Eine zweite Perspektive ist der gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Einfluss, den die Spiele haben.
Weiterhin wird betrachtet, welche Auswirkungen die Globalisierung und die Ausdehnung eines weltweiten Marktes auf die Entwicklungs-, Produktions-, und Konsumbedingungen mit sich bringen.

Noch ist nicht bekannt, welche Schätze man aus CEROs Kisten hervorholen wird (Foto: Martin Roth / Universität Leipzig)

Außerdem beschäftigt sich die Initiative sowohl mit der historischen Bedeutung, wie zum Beispiel dem Verhältnis zwischen der Nachkriegsgeschichte Japans und des Entstehens der Spielekultur, als auch mit den zukünftigen Entwicklungen der Spielkultur.
Zuletzt liegt ein besonderes Augenmerk darauf, wie die japanische Spielkultur von außen betrachtet wird. Dazu kann übrigens jeder beitragen, denn auf der Webseite jGames wird dazu aufgerufen, seine Assoziationen und Erinnerungen an die gefundenen Spiele mitzuteilen.
Die Ergebnisse der Forschungen sollen anschließend der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch nicht nur die Forschung interessiert sich für die Spiele. Sie können dazu verwendet werden die Geschichte, Kultur und Sprache Japans besser zu verstehen. Es soll sogar ein eigenes Spiel zum Erlernen des Japanischen entwickelt werden.

Um die Initiative voranzubringen, will Roth mit internationalen Forschern zusammenarbeiten. Workshops und Tagungen sollen den Austausch mit interessierten Organisationen, Spieleherstellern und Forschern unterstützen

Wie genau die Schenkung von CERO aussieht wird sich bald zeigen. Auf dem 1box/week blog wird in Kürze jede Woche über die Funde berichtet. Es bleibt also spannend!

Vorschau: Nächste Woche könnt Ihr hier Elisabeths Nachruf auf Henning Mankell lesen.

Blindenfußball: eine ganz besondere Facette des Fußballs

Deutscher Meister wird nur der FC Bayern München. Das stimmt so gar nicht. Der deutsche Meister des Blindenfußballs kommt mitnichten aus Bayern sondern aus Mittelhessen. Seit dem 12. September 2015 stehen die Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg als Deutscher Meister der Blindenfußballliga (kurz DBFL) fest. Blindenfußball? Wie geht das denn eigentlich? Wie funktioniert das?

An sich ist Fußball ein einfaches Spiel. Oft braucht man zum Fußballspielen nicht viel, in der Schulzeit hat auch mal eine Coladose zum kicken gereicht. Die Tore wurden durch Schuhe und Jacken markiert und Regeln… wozu? In den großen Stadien der Republik stehen Wochenende für Wochenende 22 Spieler in zwei Mannschaften auf den Spielfeldern. Es gibt zwei Tore, einen Ball, mehrere Schiedsrichter, im Gegensatz zur Schulzeit ein paar Regeln und los geht’s. Doch wie sieht das beim Blindenfußball aus? Die regelkonforme Ausführung eines Blindenfußballspiels ist nicht viel komplizierter als die eines normalen Fußballspiels. Es müssen nur einige Gegebenheiten geändert werden und dann ist auch Blindenfußball wieder das einfache Spiel zweier Teams gegeneinander. Und vor allem eine ganz besondere Facette eines schon interessanten Spiels, nämlich Fußball.

Eine wunderbare Facette des Fußballs: Blindenfußball.  (Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine wunderbare Facette des Fußballs: Blindenfußball. (Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine besondere Facette des Fußballs

Ein Blindenfußballspiel findet auf Kunstrasen statt. Das Spielfeld ist 20 Meter breit und 40 Meter lang und ist damit unwesentlich kleiner als ein Fußballfeld (90 x 120 Meter). Das Spielfeld ist ähnlich wie bei einem Fußballspiel sehender Menschen in der Halle durch Banden abgetrennt, diese Banden sind wichtig für die Orientierung der blinden Spieler auf dem Feld. Ein Spiel beim Blindenfußball dauert 2 x 25 Minuten und nicht wie beim Breitensport 2 x 45 Minuten. Die Größe des Tores bei einem Blindenfußballspiel unterscheidet sich auch. Mit zwei mal drei Metern entspricht es der Größe eines Handballtores. Auf dem Feld stehen nicht elf, sondern vier Feldspieler. Und sie sind alle blind. Nur der Torwart darf sehen können, er darf den Ball aber nur in seinem kleinen Torraum aufnehmen und diesen Raum auch nicht verlassen. Doch zu einer Mannschaft gehören neben den Auswechselspielern noch mehr Menschen.

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine Atmosphäre wie bei einem Tennis-Match

Wenn blinde oder sehbehinderte Menschen und Mannschaften Fußball spielen ist die Atmosphäre ähnlich wie bei einem Tennismatch: auf den Zuschauerrängen hat absolute Ruhe zu herrschen. Dies liegt daran, dass der Blindenfußball nur dann funktioniert, wenn die Spieler auf dem Feld sich auf ihr Gehör verlassen. Wichtig für das Spiel sind neben dem guten Gehör auch Orientierungssinn, Körperbeherrschung und der engen Kontakt zum hörbaren Ball. Denn in dem Ball, der um einiges schwerer und kleiner ist als ein Fußball bei sehenden Menschen, sind Rasseln. Diese zeigen die Position des ballführenden Spielers durch das Geräusch an. Dennoch ist auch die Kommunikation innerhalb des Teams unfassbar wichtig. Die Abwehr wird von ihrem Torwart dirigiert, der Trainer an der Mittellinie unterstützt das Mittelfeld und ein „Guide“ hinter dem gegnerischen Tor leitet die Stürmer an. Durch Kommandos wie 10-1 werden die Meter bis zum Tor und die Anzahl der Gegenspieler angesagt.

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Und was hat die spanische Sprache damit zu tun?

Auch auf dem Spielfeld selbst wird viel gesprochen. Nämlich immer dann, wenn sich ein Spieler dem ballführenden Spieler nähert. Er hat die Pflicht sich mit dem spanischen Wort „Voy!“ bemerkbar zu machen. „Voy“ heißt ich komme. Wer das nicht beachtet und sich ohne dieses Wort dem ballführenden Spieler nähert, der kann eine empfindliche persönliche Strafe einstecken müssen. Es gibt auch Teamstrafen, Freistöße und Strafstöße sowie gelbe oder rote Karten. Nur Abseits, das gibt es nicht.

Nicht auf Spanisch, sondern hier in Deutschland auf Deutsch kommentieren zwei Reporter das Spiel live. Sowohl für die Zuschauer, die wie die Spieler blind sind, als auch für die Auswechselspieler. Diese Reportagen werden auch oft live ins Internet gestreamt, so können auch egal ob blind oder nicht, diejenigen teilhaben, die es nicht schaffen live vor Ort zu sein.

Meister der DBFL 2015? SF BG Blista Marburg

Seit 2008 richtet die Sepp-Herberger-Stiftung zusammen mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die DBFL aus. Am 26. und 27. Mai 2006 fand das erste internationale Blindenfußballturnier in Deutschland statt und gab damit den Startschuss für den Blindenfußball als Breitensport in Deutschland. In einigen Ländern Südamerikas, England und Spanien wird der Blindenfußball schon seit Mitte der 1960er praktiziert. In der nun 8. Bundesligasaison des Blindenfußballs konnte sich die Mannschaft der Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg gegen Rekordmeister MTV Stuttgart, den Chemnitzer FC und den FC St. Pauli durchsetzen.

Das aktuelle Sportstudio: Von gerissenen Röcken und tieffliegenden Bällen

In Mainz auf dem Lerchenberg fahren insbesondere Samstagabend viele Autos auf das Gelände des ZDFs. Der Fernsehgarten ist live am Sonntagmorgen – dorthin kann es die vielen Gäste also nicht verschlagen. Aber am Samstagabend schlägt die Stunde der Fußballfans und Sportbegeisterten: Denn eine der ältesten Sportsendungen im deutschen Fernsehen, „Das aktuelle Sportstudio“ wird aufgezeichnet.
Seit dem 14. August 1963 flimmern die Moderatoren des ZDFs Samstagsabends über die Bildschirme der Republik, um die interessierten Zuschauer über die Geschehnisse des letzten Sportsamstags und -freitags aufzuklären. Auch wenn die bekannte Bahnhofsuhr im Vorspann der Sendung Aktualität vorspielt, ist die Sendung eine Live-on-Tape-Show. Das heißt die Sendung wird aufgezeichnet und einige Stunden später gesendet.

LICHT!“, „KAMERA!“, „ACTION!“ – so stellt man sich die schillernde Welt von Film und Fernsehen vor. Aufregend, unbekannt und irgendwie wichtig. Doch gerade das aktuelle Sportstudio ist alles andere als abgehoben, nein, es ist erschreckend gewöhnlich und es fühlt sich ziemlich normal an dort im Publikum zu sitzen.

Um 20.45 Uhr beginnt mit einer Begrüßung und der Ansage eines sogenannten „Setrunners“ das kleine Abenteuer beim ZDF. Ein „Setrunner“ ist jemand, der sich um alle Nebenabläufe bei einer Fernsehproduktion kümmert. Er macht alle auf die Spielregeln aufmerksam: große Taschen sind im Studio verboten, genauso wie Essen und Trinken während der Sendung. Fotografieren ist generell erlaubt, auch in der Sendung, wenn man das passende Motiv findet. Nur bitte nicht mit Blitz. Und die Handys sollten wegen der Störgeräusche auch ausgeschaltet werden.

Dann geht es endlich los. Durch zwei große graue Stahltüren, die das Alter der Studios auf dem Lerchenberg erkennen lassen, geht es in das Studio. Vorher muss man aber vorbei an einem Security-Mann, der noch mal die Taschen kontrolliert und weiter zum eigentlichen Kartenabreißer. Die Gänge sind ziemlich eng und es wirkt ein wenig beklemmend, bevor es dann in die heiligen Hallen geht. In die heiligen Hallen, die gar nicht so heilig und groß sind, wie sie im Fernsehen aussehen. Alles ist mehr Schein als Sein, denn das Studio erscheint im realen Leben um einiges kleiner als im Fernsehn. Ungefähr 120 Menschen haben im aktuellen Sportstudio als Zuschauer Platz, verteilt auf zwei Tribünen. Bunt gemischt sitzen hier Jung und Alt. Vornehmlich lassen sich rote FC Bayern München-Trikots erkennen, aber auch BVB und Schalke-Fans sind anwesend. Das aufgeregte Stimmengewirr summt durch die Halle, nur unterbrochen von Ansagen der Crew die so recht niemand versteht. Der Eintritt kostet 15 Euro pro Person, Kinder dürfen erst ab 14 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen zur Aufzeichnung kommen.

Kurz vor Beginn der Probe lernen die Zuschauer Robert kennen. Er ist höchstens Mitte zwanzig und BVB-Fan, was zu kleinen Sticheleien von einigen Bayern-Fans führt, die kurz buhen. Aber Robert nimmt das nicht persönlich, er lacht und hebt kurz die Hand zum Gruß. Robert ist Aufnahmeleiter und dafür verantwortlich, dass während der Aufnahme alles wie am Schnürchen läuft. Er sagt zum Beispiel der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, wo sie sich wann hinstellen soll und zwischen den einzelnen Moderationen sagt er an, wie lange ein Beitrag (beim Fernsehen sagt man zu einem solchen eingespielten Beitrag auch MAZ) dauert. Die Beitragsdauer variiert zwischen 60 Sekunden und knapp 7 Minuten. Außerdem beginnt Robert mit dem Klatschen, wenn ein Beitrag vorbei ist, um die Zuschauer zu animieren dies ebenfalls zu tun. Er wird also unter anderem fürs Klatschen bezahlt. Ansonsten lernt man als Zuschauer die Moderatoren der Sendung von einer anderen, fast schon lustig-netten Seite kennen. Katrin Müller-Hohenstein zum Beispiel würde man ohne Make-Up und gemachte Haare auf der Straße nicht auf den ersten Blick erkennen. Sie ist zu Späßen aufgelegt und begrüßt die Zuschauer überaus herzlich und freundlich um 21.15 Uhr bei Beginn der Probe. Dann passiert ein kleines Missgeschick: Ihr sehr enger Rock ist auf der Rückseite gerissen. Sie nimmt es mit Humor, bedankt sich bei dem Zuschauer, der sie darauf aufmerksam gemacht hat. Sie sagt zu der Crew: „Ist doch kein Problem, ihr dürft mich nur nicht von hinten filmen!“ Ab 22.15 Uhr wird dann die Sendung aufgezeichnet, aber vorher warnt sie die Zuschauer auf der zweiten Tribüne noch vor der Torwand. Denn wer dort sitzt, sei schon öfter „Opfer“ von tieffliegenden Bällen gewesen.

Drei große Kameras und eine so genannten Stadycam, mit der er sich der Kameramann durch das ganze Studio bewegen kann, zeichnen die ganze Sendung auf. Dazu kommen mehrere hundert Deckenscheinwerfer, große Bildschirme, die die vorher schon aufgezeichneten Beiträge auch im Studio zeigen und Ton- sowie Lichttechniker. Ganz billig ist so eine Aufzeichnung dementsprechend nicht, im Hintergrund sind mindestens 50 Leute für den reibungslosen Ablauf verantwortlich.

Was bleibt von einem aufregenden Abend in einem Fernsehstudio? Es war ein Erlebnis, welches mit gemischten Gefühlen begonnen und positiv abgeschlossen wurde. Der Besuch im aktuellen Sportstudio lohnt sich auf jeden Fall für alle Sportbegeisterten Fernsehenthusiasten, die schon immer mal einen Blick hinter die Kulissen werfen wollten.

Vorschau: Im nächsten Artikel aus der Rubrik Sport gibt es eine Vorschau über die neue Saison der DEL, der deutschen Eishockey Liga.

Diskoschorle und Nebelmaschinen: Ein Interview mit Reich & Bleich

Es gibt viele DJs in dieser wunderschönen Musikwelt. DJ, das ist der Mann/Frau hinter einem kleinen Dozenten-Pult ähnlichem Aufbau aus technischen Geräten, der die Klasse/Masse zum Zuhören animieren möchte. Ist ein DJ somit etwas wie ein Dozent? Nun ja, so einfach ist es nun doch nicht… Jedoch bearbeiten beide die gleich Zielgruppe, nur zu einer anderen Zeit am Tag!

Ein junger Mann namens Reich & Bleich hat in dieser heterogenen Welt schon mehr erreicht als manch anderer Künstler. Der „11-Million-Man“, von der Face2Face-Redaktion aufgrund der Klickzahl auf eines seiner Videos auf YouTube genannt, überzeugte die Redaktion durch sein aphrodisierendes Set letzten Jahres und machte neugierig auf mehr.

Die Face2Face-Redaktion traf den DJ und wollte mehr über ihn in Erfahrung bringen:

Face2Face-Redaktion: Wie geht´s dir heute?
Reich & Bleich: Bestens danke! Etwas Halsschmerzen, aber die sind verdient.

Face2Face-Redaktion: Es ist schwer über dich etwas herauszufinden? Wer steckt eigentlich hinter Reich & Bleich?
Reich & Bleich: Obwohl viele erstmal annehmen Reich & Bleich müssten zwei Leute sein, ist das ein „Ein-Mann-Projekt“. Da aber selbst auf mittelmäßige quadratische Schokolade anscheinend drei Adjektive passen, hab ich mir das einfach mal rausgenommen. Zu mir selber ist zu sagen, dass ich 23 bin und was ganz besonderes mit Medien studiere.

Junger DJ mit Zukunft: Reich & Bleich (Foto: Farben Froh)

Junger DJ mit Zukunft: Reich & Bleich (Foto: Farben Froh)

Face2Face-Redaktion:  Dein bekanntester Remix „Summertime Sadness“ hat heute über 11 Millionen Views! Wurdest du denn bereits von verschiedenen Labels kontaktiert?
Reich & Bleich: Das witzige ist, dass mich zuerst ein Produzent von Red Bull (die machen ja auch Filme, Events, etc) angeschrieben hat, der den Remix gerne verwenden würde. Problem an der ganzen Sache war, dass er nicht offiziell war – nur geduldet von Lana’s Label (wie ich später erfahren habe). So kam erst dann die Plattenfirma von Lana in’s Spiel mit der ich dann auch wirklich einen Vertrag unterschrieben habe. Von Red Bull habe ich dann nichts mehr gehört. Weitere Labels haben mich aber nicht kontaktiert, aber auch völlig logisch da inoffizielle Remixe immer ein heißes Eisen sind und die ursprünglichen Rechte ja ganz klar bei einem Label liegen. Was mich aber am meisten gefreut hat waren Berichte von Freunden, dass das Lied in einem Zara in Barcelona oder auf der NY Fashionweek während einer Modenschau lief. Das macht es dann nicht so abstrakt wie die 11.000.000 unter dem Video (davon ist die Hälfte sowieso von mir (lacht))

Face2Face-Redaktion: Welche Rolle spielte bei deinen Produktionen dieses „einfach drauf los machen“?
Reich & Bleich: Das ist meiner Meinung nach das absolut wichtigste beim Musik machen. Wenn nicht innerhalb von 10 Minuten die Idee steht, kann es schnell zu einem Projekt werden das sich richtige träge hinzieht. Ich weiß es zwar nicht mehr genau, aber der grobe Mix zum Summertime Sadness Remix stand an einem Tag. Irgendwann merkst du, dass es passt – es macht dann Klick, und es wird zu einem Selbstläufer. Ich mein das Ding ist kein komplexes Meisterwerk – böse Zungen behaupten, dass ich einfach unter das Original ne Bassdrum gelegt habe 😉 – aber es funktioniert einfach. Und besonders EDM mache zumindest ich nicht, damit mir ein Musikliebhaber anerkennend mit seinem Club Mate zuprostet. Das wird immer noch auf der Tanzfläche entschieden.

Face2Face-Redaktion: Wie kamst du zur Musik? Frühkindliche Musikerziehung mit Geige, Klavier und Cello?
Reich & Bleich: Ich komme eigentlich aus der klassischen Ecke. Nicht, dass ich da groß was gerissen hätte (außer der eine Auftritt in der Aula vor Weihnachten mit 12), aber ich habe es nunmal (gottseidank!) gelernt. In der Tat gab es schon frühkindliche Musikerziehung am Klavier und das war auch ohne Zweifel der Grund warum ich später selber Musik gemacht habe.
Ich war auch ein begnadeter Blockflötist! Meistens im fetzigen Duo mit meinem
Zwillingsbruder.
Aber das Wissen ein Klavier zu bedienen nimmt die erste große Hürde selber kreativ zu
werden, weil die Klaviatur heutzutage nunmal die bevorzugte und einfachste Art ist MIDINoten in den Computer zu hacken. Wobei es genauso wichtig ist technikbegeistert zu sein um das volle Potential aus so tollen Programm wie Ableton Live zu kitzeln.

Face2Face-Redaktion: Du hast verschiedene Einflüsse in deiner Musik, die von Mainstream bis hin zu Underground gehen. Welche Einflüsse siehst du in deiner Musik?
Reich & Bleich: Hmm, ich glaube die meisten Einflüsse waren immer temporär. Um 2007 rum war ich zum Beispiel völlig geflashed von dem super kraftvollen Sound von Justice… ich wollte unbedingt auch so klingen. SebastiAn fand ich auch extrem geil damals. Das war auch die Zeit als ich angefangen habe elektronische Musik zu machen. Was mich in letzter Zeit überzeugt hat war „The M Machine“, der neue Sound von „Fox Stevenson“ und „Pep Rash“, die jetzt wahrscheinlich richtig durchstarten werden. Achja und natürlich „Galantis“.. richtig cremig! Man merkt schon ich höre eigentlich alles durcheinander…

Face2Face-Redaktion: Wie würde Reich & Bleich seine Musik in einer Schlagzeile bezeichnen?
Reich & Bleich:Der Geruch von Wodka Bull und Nebelmaschine musikalisch interpretiert“

Face2Face-Redaktion: Ist in der nächsten Zeit mit neuem Material von dir zu erwarten oder legst du demnächst bald wieder auf?
Reich & Bleich: Ja! Bald gibt es endlich neues Material von mir! Ich kann so viel verraten, dass es 4/4 Takt wird mit voraussichtlich zwei Drops und einem Intro. Aber Spaß beiseite, wird es wirklich geben. Habe jetzt wieder endlich mehr Zeit und vor allem Lust was neues zu machen. Genaueres gibt es dann bald auf meiner Facebook Seite.

Face2Face-Redaktion: Was muss man unbedingt wissen, wenn man zu einem Set von Reich & Bleich geht?
Reich & Bleich: Wo es ist.

DANKESCHÖN!

Vorschau: Nächstes Woche gibt es für euch exklusive Informationen unter dem Thema „Artists to watch“.

Spiel das ab, Scotty!

Eine Rakete ist laut Wikipedia.org „ein Flugkörper mit Rückstoßantrieb der während des Betriebs unabhängig von externer Stoffzufuhr ist und daher auch im luftleeren Raum beschleunigen kann“. Würde man diese Beschreibung umändern und beispielsweise eine Band als Rakede (man bemerke den gewollten Unterschied im Namen) bezeichnen, dann muss diese Band in der Lage sein, angefeuert mit der Kraft ihrer Triebwerke den Zuhörer zu packen und mit ihm so hoch zu fliegen, sodass dieser im luftleeren Raum (also in der Konzerthalle) völlig allein von der Musik in seinem eigenen Kosmos autark leben kann.
Nun gibt es rein zufällig eine Band mit dem Namen „Die Rakede“, zu der diese Beschreibung perfekt passt.
Die Jungs, die sich selbst als Triebwerke bezeichnen, schaffen ihren eigenen Sound, der Hip-Hop-, Reagge- und Dubstepelemente und vor allem eine große Portion Überraschung bei jedem Song enthält. Sei es, dass im Stile von Alex Clare ein Lautsprecher-zerreißendes Dubstepelement auf feine Gitarrenakkorde folgt oder dass ein anfänglicher Reagge-Song sich zu einer Sommerhymne zum Tanzen hochschaukelt, die Triebwerke wissen genau, welche Knöpfe sie zur richtigen Stimmungsrichtung drücken müssen. Versucht man den Klang der Band einzuordnen, dann stehe die Rakede im Vorgarten eines Deichkindes, dass fröhlich mit seinen Seeeds spielt. Durch zahlreiche eigene Konzerte, Auftritte auf verschiedenen Festivals und Fernsehshows, stehen die Triebwerke am Rande des Sprungs zu größeren Bekanntheit.

Diese Faktoren reichten auf jeden Fall aus, um sich die Neugier der Musikredaktion von Face2Face zu sicher:

Face2Face: Erst einmal die wichtigste Frage: Wie geht es euch Jungs?
Rakede: Uns geht’s gut, danke der Nachfrage.

Face2Face: Auf der Website eures Labels „Warner Music“ steht, dass 2006 auf einer nächtlichen Zugfahrt von Berlin nach Köln die „Rakede“ gegründet wurde. Wie kam es denn zu der Gründung und war auf dieser Zugfahrt irgendetwas Besonderes?
Rakede: Genau genommen wissen wir es nicht, denn wir waren nicht dabei. Die damaligen Triebwerke 2 und 3 haben den Zugfahrt-Mythos geschaffen und später sich wieder von Bord genommen.
Dazu muss man wissen: Einen Triebwerkposten „besitzt“ man nicht, man erfüllt ihn nur solange man fit genug ist – wie der Kapitän der Nationalelf oder die King’s Singers. Anfang 2013 war das gesamte Schiff in einem ziemlich rostigen Zustand und Triebwerk 1 und (das heutige) Triebwerk 2 haben das Ding mit viel Energie wieder aufpoliert – Das hat bis in dieses Jahr hinein gedauert; eine Neugründung 2014 gewissermaßen.

Musikalische Kosmonauten: 2 Triebwerke der Rakede - Der Rest ist noch nicht gelandet (Foto: Rakede)

Musikalische Kosmonauten: 2 Triebwerke der Rakede – Der Rest ist noch nicht gelandet (Foto: Rakede)

Face2Face: Durch das Tischkonzert eures Songs „Bitte Bitte“ 2013 habt ihr gezeigt, dass ihr auch akustisch sehr stark seid. Habt ihr denn vor noch ein paar Tracks auf diese Art zu remixen? Sprich: Gibt es denn bald weitere kleine Tischkonzerte?
Rakede: Wir haben nicht vor, hauptberufliche Tischklopfer zu werden, so schön das auch war. Aber wir suchen immer nach Neuem – und das nicht nur „unplugged“: Wir werden uns weiter selbst covern, unsere Songs remixen, auflegen, umstricken. Einerseits weil es uns Freude macht, besonders aber, um auf unser Debut-Album aufmerksam zu machen, das wir im November rausbringen und auf das wir uns sehr freuen.

Face2Face: Der Hype zu dem Video war im November 2013 in Medien sehr präsent. Würdet ihr sagen, dass diesen Bekanntheitsschub gut nutzen konntet?
Rakede: Natürlich hat die Aufmerksamkeit uns weitergebracht. Wir hatten ein paar TV-Auftritte und eine gute Handvoll neuer Fans. Andererseits hat das Tischkonzert verhältnismäßig wenig mit unserem Album zu tun und daran hängt unser Herz nun einmal am meisten.
Deshalb hieß und heißt es: Entspannt bleiben. Wir wollten keinen nervösen Verkaufs-Anfall bekommen, in dem wir jedem, der das Tischvideo mag T-Shirts, Buttons und Konzertkarten andrehen wollen. Wer mag, darf das allerdings natürlich tun.
Man kann das gesamte Album auf Soundcloud hören. Vorbestellungen helfen uns sehr, alleine das Reinhören auch schon!

Face2Face: Ihr habt tolle Features auf eurem „Ja…aber was, wenn alles klappt“-Album: Bei „Bitte bitte“ und „Volldampf“ ist Samy Deluxe mit an Bord und bei „St. Tropez“ arbeitet ihr mit Frank Dellé von Seeed. 1. Wie kam es dazu und 2. Wie war denn die Zusammenarbeit?
Rakede: Die Zusammenarbeit mit Samy war ungefähr so, wie man sich das vorstellen würde. Wir haben damals Aufnahmen in seinem Studio gemacht und uns im Zuge dessen immer wieder gegenseitig über die Schulter geschaut. Manchmal ist dabei dann etwas rausgekommen, wie die beiden Features. Die Zusammenarbeit mit Dellé war da eher futuristisch. Wir haben uns tatsächlich nie getroffen. Norbert von Downbeat hat ihm den Song gezeigt und Dellé war so angetan, dass er „ungefragt“ eine Strophe über den Instrumentalteil gesungen hat – Fanden wir gut und haben wir so genommen.

Face2Face: Über euren Sound wurde ja schon viel geschrieben: Ihr habt Pop, Reagge, Hip-Hop und Dubstep-Elemente in euren Songs. Was kann man nun für das Album, das im November 2014 erscheinen wird, erwarten? Bleibt ihr diesem Stil-Mix treu oder erweitert ihr ihn sogar?
Rakede: Wir hatten keine Vision von unserem eigenen Sound. Wir wussten nur, dass wir
alles tun würden, das Beste aus uns raus zu holen. Nur unser Geschmack, der nochmal
breiter gefächert ist als die Einflüsse die man letztlich benennen kann, und unsere handwerklichen Fähigkeiten – wie wir produzieren, welche Instrumente wir spielen – waren formgebend. Insofern kann man nicht von Stil¬treue sprechen. Ich denke, wenn man das Album hört, dann ist ein roter Faden und ein eigenständiger Charakter hörbar, ohne das man nach dem dritten Song schon erahnen kann, wie die nächsten neun klingen werden. Natürlich können auch wir das Rad nicht neu erfinden, klingen wie wir klingen, und sind wie wir sind, aber unsere Grundmotivation ist, ständig besser zu werden in dem was wir tun, und ich glaube das schützt ein wenig davor, uns selbst zu wiederholen, oder sich von vorn herein zu definieren und sich Genre bedingte Grenzen aufzuerlegen.

Face2Face: Diese Frage betrifft nun jeden Einzelnen: Gibt es DIR ein Lied das rückblickend DEINEN Musikgeschmack geprägt hat? So einen All-Time-Favoriten? Und wenn ja, welches Lied ist es und warum?
Rakede: TW1: Es gab da ein paar fette Blitzeinschläge: „We Are the Champions“ von Queen hat mich als 6 jähriger, der zu Hause nur Klassik gewöhnt war komplett geflasht, später dann „Black or White“ von Michael Jackson. Und noch später, als nach Düsternis suchender Teenager „Unforgiven“ von Metallica und überhaupt das ganze Black Album.
TW2: Einen einzelnen Song zu wählen kann ich nicht, davon gibt es zu viele. Wenn es um Alben geht, tu ich mich da leicht: Am meisten geprägt hat mich definitiv Tool¬ – Lateralus. Musik, die einen weiterdenken und reflektieren lässt und nicht nur an der Oberfläche kratzt, sowas mag ich.
TW3: Für mich war „High Way to Hell“ von AC/DC der Song, der sofort nach dem Auftakt des Gitarrenriffs, mein Leben mit 12 Jahren veränderte. Als ich hörte wie der Drummer anfing den Beat zu spielen wurde mir die Funktion von meinem Instrument kristallklar. Die Disziplin mit der er jeden Schlag spielte, so als hätte es vor ihm keinen anderen Drummer auf dieser Welt gegeben, der seine Absicht so deutlich machen wollte und konnte.
TW4: Also ich hätte da eins, weiß zwar nicht in wie fern das meinen Musikgeschmack geprägt hat aber jut…Europe – The Final Countdown. Das war jedenfalls das erste Mal das ich eine Band quasi richtig wahrgenommen hab und ich war total geflasht als ich die im Fernsehen bei Formel Eins live gesehen habe. Ich habe wahrscheinlich meine Eltern auch tierisch genervt wenn ich zum tausendsten Mal die Platte aufgelegt hab und in Fantasieenglisch mitgesungen hab. Da war ich ungefähr 7…

Face2Face: Eure Tour beginnt am 12. September auf dem Soundgarden Festival in Bad Nauheim. Habt ihr eine Art Ritual, dass ihr vor einem Konzert immer durchführt?
Rakede: Ausladen, schleppen, aufbauen! Nein im Ernst, diese automatisierten Abläufe, die einfach dazugehören, haben tatsächlich etwas fokussierendes und gelten für uns schon als Ritual. Direkt vorm Auftritt reicht meistens ein High¬five.

Face2Face: Wie erklärt ihr einem ahnungslosen Vielleicht-Rakede-Konzertbesucher, was euch von anderen Bands abgrenzt und warum er unbedingt mit der Rakede auf einem Konzert mitfliegen muss?
Rakede: Erstmal vorweg, um nicht zu selbstverliebt zu klingen: Es gibt auch andere
gute Bands. Ein Rakedekonzert ist schon was ziemlich eigenes und ich glaube, es gelingt uns gut, Elektronik mit live-Instrumenten auf die Bühne zu bringen. Außerdem – hoffen wir – merkt man uns auch an, dass wir vom ersten bis zum letzten Ton alles selber machen, voll hinter dem stehen was wir tun, und das Glück haben, mit sehr talentierte Musikern auf der Bühne zu stehen.

Face2Face: Was dürfen wir von der Rakede demnächst noch erwarten?
Rakede: Erstmal wird’s wundervolle Musikvideos, ein paar kleine Specials und die Club¬tour im Dezember geben. Musikalisch entwickeln wir uns stetig weiter, viele kleine Ideen schwirren schon rum, die gerade beginnen in ein nächstes Album zu münden.

Vielen Dank! Wenn ihr mehr über die Jungs von Rakede erfahren wollt, dann klickt am besten hier.

Vorschau: Nächstes Mal an dieser Stelle erwartet euch ein Review zum Mixtape „Hardcore“ von Lil Kim!

Mixtape für deinen Roadtrip

Der Sommer ist die Lieblingsjahreszeit, wenn es darum geht mit seinen Freunden in einem Auto die Welt zu erkunden. Man lässt den Motor an, legt den ersten Gang ein und sobald man langsam die Kupplung kommen lässt, schnurrt der Wagen in die gewünschte Richtung los. Jetzt fehlt nur noch eine kaum befahrene Straße und man kann ganz ungezwungen und frei überall hinfahren. Der hier stattfindenden Autonomie des Fahrers sind als einzige Grenze die Menge an Benzin und Geld gesetzt. Doch diese Faktoren  werden für diesen Artikel zunächst ausgeblendet. Es kommt nur auf das Gefühl der Freiheit an. Um ein richtiges Roadtrip – Freiheitsgefühl zu bekommen, hat die Face2Face-Musikredaktion folgende Formel aufgestellt:

Das physikalische Gesetz lautet: Gummi des Reifen auf der Straße + passende Musik = Freiheit

Schaut man sich diese Formel genauer an, so erkennt man, dass für einen perfekten Roadtrip der Leser an dieser Stelle zunächst nur einen Wagen braucht und der Treibstoff Musik kommt natürlich von uns. Gänzlich exklusiv und kostenlos für den Face2Face-Leser gibt es hier die Roadtrip-Playlist für den Sommer:

Freiheit: Ein Roadtrip mit der richtigen Musik (Foto: Spies)

Freiheit: Ein Roadtrip mit der richtigen Musik (Foto: Spies)

1.    Stereophonics – Maybe Tomorrow
Übersetzt heißt es „Vielleicht Morgen“ und dreht sich um die Lösung alltäglicher Probleme und dem Wunsch für sich allein und frei zu sein!

2.     Cat Power – Cherokee
In diesem Song geht es um Liebe, Tod, Heirat und noch vieles mehr….ach ja und um ein Indianervolk – ideales Lied um die Hand aus dem Fenster zu halten und immer schneller weiterzufahren!

3.    Kakkmaddafakka – Restless
Die jungen Norweger singen von einer ruhelosen Frau, der Man(n) sehr gerne gefallen würde. Mit melodischem Zusammenspiel zwischen Gitarren und Schlagzeug ein Muss auf der Roadtrop-Playlist!

4.    Youth – Daughter
Hier haben wir einen tollen Song, der den Mythos der Jugend besingt – positiv und aber auch negativ!

5.    The Klaxons – Golden Skans
Um was es hier genau geht, kann uns wahrscheinlich nur der Interpret sagen. Wir wissen es geht um Licht und um das Vergessen von Zukunftsplänen. Trotzdem ein Song mit Roadtrip-Qualität!

6.    London Grammer – Darling are you gonna leave me
Ein Song bei dem die Sängerin den Zuhörer fragt, ob er sie verlässt. Da wir gerade am Fahren sind, kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er gerade eher etwas oder jemanden hinter sich lässt oder doch eher einem konkretem Ziel entgegen fährt.

7.    Dan Croll – From Nowhere
Der Interpret verliert sich in diesem Song in den Augen seines Gegenübers und vergisst zeitweise jedwede Konsequenzen für seine Handlungen. Wir finden das gut! Weniger denken – mehr genießen!

8.    Selah Sue – Crazy Vibes
Selah Sue, eine belgische Musikerin, singt, dass sie uns durch ihre Musik und Freude und Glück bringt. Dem stimmt die Face2Face-Musikredaktion zu und dreht jetzt erst Recht die Anlage lauter!

9.    Vance Joy – Riptide
Ein verliebter Musiker fragt seine große Liebe, ob sie bei ihm bleibt. Sorry, aber die sitzt bei uns gerade auf dem Beifahrersitz – trotzdem danke für ein tolles Lied!

10.    The Proclaimers – 500 Miles
Dieser Klassiker darf natürlich nicht fehlen. Durch die Serie „How I met your Mother“ als der Roadtrip-Song glorifiziert, finden auch wir, der gehört mit auf die Playlist!

11.    The Mowgli´s – San Francisco
Auch hier geht es um Liebe und um eine Stadt: San Francisco. Wenn ihr den Song richtig verstehen wollt, dann dreht doch mal die Lautstärke voll auf und gebt doch mal folgendes in euer Navigationsgerät ein: S-A-N- -F-R-A-N-C-I-S-C-O … Dann wisst ihr was wir meinen!

12.    The Kingsmen – Louie Louie
Ging es in einem der Songs schon um Liebe? Falls nein, haben wir zum Abschluss noch einen Track aus den 60er-Jahren, in dem der Interpret auf der Rückfahrt zu seiner geliebten Freundin ist.

Die kleine Auswahl ist nicht als „die perfekte Roadtrip-Playlist“ zu sehen, sondern vielmehr als Tribut an die vielen kleinen CDs, USB-Sticks etc., die sich gerade in eurem Auto befinden und nur darauf warten gehört zu werden. Also – los geht´s!

Vorschau: Und in zwei Wochen geht es weiter mit einem Review zu dem aktuell erschienenem Album „Illmatic XX“ von Nas!

Flop Five: Fünf Serien, die es nicht geschafft haben

Das war ein Satz mit „X“. Trotz großem Potential haben es die folgenden fünf Serien nicht in die Verlängerung geschafft. Face2Face wirft einen letzten Blick auf die anfangs durchaus vielversprechenden         TV-Ausstrahlungen.

Platz 1: Während das niederländische Original „Overspel“ im Vergleich zur US-amerikanischen Kopie etwas erfolgreicher gewesen ist und erst nach zwei Staffeln abgesetzt wurde, musste „Betrayal“ bereits im Mai 2014 nach nur einer Staffel weichen. Die Pilotfolge konnte eine Einschaltquote von ca. 5,2 Millionen US-Zuschauern erreichen. Leider waren es am Ende nur noch 3,3 Millionen, die eingeschalten haben. Einige europäische Länder wie Italien, Irland und Großbritannien sicherten sich die Lizenzen zur Ausstrahlung. An Deutschland ging „Betrayal“ vorbei.

Der neue Dracula: Luke Evans (© Photo by David M. Bennet/Getty Images for Battersea Power Station)

Der neue Dracula: Luke Evans (© Photo by David M. Bennet/Getty Images for Battersea Power Station)

Platz 2: Trotz der hochkarätigen Besetzung mit Jonathan Rhys Meyers, musste auch die Serie „Dracula“ eine Niederlage erleiden. Nach einer Staffel wurde auch sie im Mai 2014 abgesetzt. Dracula startete mit ca. 5,3 Millionen Zuschauern in den USA, doch verlor auch sie auf dem Weg bis zur letzten Folge knapp 2 Millionen Zuschauer. Alle Rhys Meyers Fans in Deutschland können allerdings aufatmen. Die Mediengruppe RTL Deutschland hat die Ausstrahlungsrechte erworben und plant die Serie noch im Laufe dieses Jahres bei VOX auszustrahlen. Zusätzlich können sich diejenigen, die von dem Mythos Dracula nicht genug kriegen, auf eine Verfilmung mit Luke Evans in der Rolle des Vlad Tepes freuen. „Dracula Untold“ soll voraussichtlich im Herbst 2014 in die Kinos kommen.

Platz 3: Während in diesem Fall „Once Upon a Time“ im Mai 2014 die Produktion der vierten Staffel ankündigte, wird „Once Upon a Time in Wonderland“, einem so genannten Spin-Off (Anm. d. Red. auf einem bereits vorhandenen Medium basierende Serie, Buch etc.)von „Once Upon a Time“, nach einer Staffel abgesetzt. Basierend auf Lewis Carolls Roman „Alice im Wunderland“ ist die Hauptfigur der Spin-Off-Serie Alice, welche ins Wunderland zurückkehrt, um nach ihrem Geliebten zu suchen. Auch hier gab es einen Verlust von ca. 2,4 Millionen Zuschauern im Laufe der Serie. Glücklicherweise können sich die Fantasy-Märchen-Fans in Deutschland die Serie noch im Herbst dieses Jahres voraussichtlich bei Super RTL anschauen.

The Carrie Diaries: AnnaSophia Robb spielt die junge Carrie Bradshaw (© Photo by Frazer Harrison/Getty Images for Mercedes-Benz)

The Carrie Diaries: AnnaSophia Robb spielt die junge Carrie Bradshaw (© Photo by Frazer Harrison/Getty Images for Mercedes-Benz)

Platz 4: Ein Name: Carrie Bradshaw. Nach der erfolgreichen Serie „Sex and the City“ (1998-2004) des Senders HBO, welcher für Erfolge wie „Game of Thrones“ oder „True Blood“ bekannt ist, wagte sich The CW, ein weiterer Erfolgssender, an die Anfänge der jungen, modebewussten Autorin mit „The Carrie Diaries“. Während die Pilotfolge mit 1,6 Millionen Zuschauern rechnen konnte, schauten sich die letzte Folge der zweiten Staffel nur noch ca. 860.000 Carrie-Begeisterte an. Da die Serie keinen Kultstatus erreichen konnte, wird es keine dritte Staffel geben. Ob „The Carrie Diaries“ überhaupt im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird, steht nicht fest.

Platz 5: Die Sitcom „Seed“ stammt ausnahmsweise nicht aus den USA. Die kanadische Comedy-Serie handelt von Harry, einem Junggesellen und Barkeeper, der als ehemaliger Samenspender eines Tages von seinen Nachkommen erfährt. Somit begibt er sich auf den Weg des Kennenlernens seiner neu dazugewonnenen Verwandten. Obwohl die Handlung gar nicht mal so verkehrt für eine Sitcom ist und viel Stoff zum Lachen bieten könnte, wurde diese in den USA bereits nach zwei Folgen im Juli 2014 abgesetzt. Aber Hoffnung gibt es trotzdem: der kanadische Sender City gab eine Verlängerung in die zweite Staffel bekannt. Ob die Sitcom in Deutschland den kanadischen oder den amerikanischen Weg gehen wird, ist unbekannt. „Seed“ ging hierzulande wie „Betrayal“ an den TV-Giganten wie ProSieben oder RTL vorbei.

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch ein Beitrag von Vanessa.

Jedes Wort hat seine Berechtigung

I'm a barbie girl: Zum Geburtstag schenkt sich Kristina ein Barbie-Shooting. (Foto: Florian Forsbach)

I’m a barbie girl: Zum Geburtstag schenkt sich Kristina ein Barbie-Shooting. (Foto: Florian Forsbach)

Kristina Malyseva ist heute Schauspielerin. Eine Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin und ein Chemiestudium war nichts für die 27-Jährige. Der Spaß fehlte. Sie hat eine zehn Jahre ältere Schwester, Tatjana. Die ist Naturwissenschaftlerin und war das perfektes Kind. Ihre Mutter ist Ingenieurin und dachte sich: „Es hat mit meinem ersten Kind gut geklappt, dann kriege ich noch ein Zweites“. Sie rechnet Kristina hoch an, dass sie es naturwissenschaftlich zumindest versucht hat. Doch, wenn Kristina die Erstgeborene gewesen wäre, hätte ihre Mutter keine weiteren Kinder bekommen. Ein Interview mit der Abtrünnigen über Publikumsnähe, Lebenstitel und Unabhängigkeit.

Face2Face: Wenn dein Leben ein Theaterstück wäre, welchen Titel hätte es?
Kristina: „Ironie des Schicksals“. Das ist ein ganz großartiges Theaterstück und ein Film, der meinem Leben entspricht und meine russischen Wurzeln unterstreicht. Ganz groß!

Face2Face: Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
Kristina: Ich habe mit elf Jahren als Kinderstatist am Theater Freiburg angefangen. Dann folgte mit 13 Jahren die „Young Music Company“ in Hinterzarten bis ich 17 wurde. Ich habe dann eine Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin abgeschlossen und nebenher mein Abitur nachgeholt. Theater war immer mein Hobby. Ich studierte dann Chemie in Basel, aber nach vier Semester brach ich ab, weil ich feststellte, dass die Branche beruflich nichts für mich ist. Ich habe mich in München für ein Regiestudium beworben und eine Zusage bekommen. Das war sehr überraschend für mich. Ich zögerte, denn Regie ist etwas, das verlangt, dass man selbst weiß, was man von seinen Schauspielern fordern kann. Ich wollte zuerst herausfinden, in welcher Haut man als Schauspieler steckt und deshalb habe ich mich für ein Schauspiel-Studium in Freiburg entschieden.

Face2Face: Was liebst du an deinem Beruf?
Kristina: Niemand möchte sich zeigen. Alle fürchten sich, weil die Gesellschaft vorschreibt, wie man zu sein hat und was das Richtige ist, dabei sind wir alle unterschiedlich und reagieren situativ. Jeder Mensch ist sentimental. Jeder trägt alle Emotionen in sich, aber es mangelt an deren Kommunikation. Ich verarbeite im Theater meine Emotionen. Diese Möglichkeit liebe ich an der Schauspielerei.

Bist du dir selbst sicher, wann du spielst und wann nicht? Ja. (Foto: Henrik Iber)

Bist du dir selbst sicher, wann du spielst und wann nicht? Ja. (Foto: Henrik Iber)

Face2Face: Spielst du einen bestimmten Figurentypus immer wieder?
Kristina: Ja, ich werde oft jünger und in verspielten Rollen besetzt. Ich bin kein strenger oder ernster Mensch. Ich lache viel und so nimmt man mich wahr. Ich wirke leicht und unbedarft. Neuem stehe ich grundsätzlich offen gegenüber. Das erleichtert vielen den Umgang mit mir.

Face2Face: Muss man eine Rolle nur denken, und dann geht sie nach außen?
Kristina: Ich bin selbst Mutter, aber eine Mutter zu spielen, erscheint mir beispielsweise schwierig. Grundsätzlich trage ich schon alle Rollen in mir, ganz unabhängig von meinem Alter, aber ich muss die Rolle finden. Das gelingt mir durch Lesen, Fragen stellen, beobachten. Ich möchte herausfinden, wie die Figur fühlt und reagiert. Ich lerne oberflächlich und von Probe zu Probe meinen Text. Regisseure sind der Ansicht, dass jedes Wort seine Berechtigung hat. Diese Berechtigung hat mein Kopf bei den ersten Proben aber noch nicht entdeckt. Aber bis zur Premiere habe ich den Text Wort für Wort gelernt.

Face2Face: Bist du dir selbst immer sicher, wann du spielst und wann nicht?
Kristina: Ja, ich weiß genau, wann ich spiele und wann ich Kristina bin.

Face2Face: Was willst du erreichen mit dem, was du auf der Bühne tust?
Kristina: Das Theater ist das Spiegelbild der Gesellschaft. Ich lege Wert darauf, dass die Botschaft des Stücks ankommt. Wir machen keine Prognosen über die Zukunft und stellen keine Behauptungen über die Vergangenheit auf. Wir befinden uns in der jetzigen Gesellschaft. Das ist der Identifikationsgrund und das Potential. Das Publikum soll sich berührt fühlen, auch schämen und die Angst überwinden, das zu zeigen, was sie fühlen. Das möchte ich mit meinem Spiel mitprovozieren. Ich bin kein Moralapostel, der zeigen will: „Schaut, so schlimm sieht es aus und ihr seid daran Schuld“.

Perspektivwechsel: Kristina bei einem Shooting mit Anzug und Krawatte. (Foto: Henrik Iber)

Perspektivwechsel: Kristina bei einem Shooting mit Anzug und Krawatte. (Foto: Henrik Iber)

Face2Face: Wie spürst du das Publikum?
Kristina: Ich spiele mehrmals im Monat in Freiburgs Innenstadt. Das Projekt heißt: „Livin‘ History“. Diese Straßenerfahrung ist eine große Bereicherung für mich. Die vierte Wand, Bühne und Zuschauer, die da wegfällt, hat mich viel gelehrt: Du interagierst mit dem Publikum und jedes Publikum ist anders. Ich kann nicht meine Show abziehen, die ich 100%ig einstudiert habe. Ich muss mich nach den Menschen richten und das ist jedes Mal anders. Wenn ich mir, in dem was ich spiele, sicher bin, dann hören mir die Leute zu und dann entsteht etwas Wunderherrliches, wenn wir uns gegenseitig hochschaukeln. An dieser Sicherheit mit mir selbst, möchte ich am meisten arbeiten.

Face2Face: Steht am Anfang vor dem Auftritt die Angst, dass du es nicht schaffst?
Kristina: Es bringt mich nicht voran, Angst zu haben. Ich bin von Natur aus skeptisch, aber das heißt nur, dass ich etwas in Frage stelle oder überdenke, das ist nicht negativ. Ich bin niemand, der drei Stunden bevor ein Stück beginnt, noch die Bühne „atmen“ muss, ich komme und verbringe die restliche Zeit mit den Kollegen und bin gut vorbereitet und diese Sicherheit habe ich gerne. Und dann gehe ich raus, und los geht es. Irgendwann erreicht man einen Zustand, in dem alles gut sitzt, sodass man die Möglichkeit hat, sich auszuprobieren und weiterzudenken und über den einstudierten Rahmen hinauszugehen.

Face2Face: Planst du die nächsten Jahre?
Kristina: Ich plane nicht. Ich plane situativ, was ich für die nächste Zeit brauche, weil ich in dieser und jener Produktion stecke. Ich habe das Ziel, dass ich von der Schauspielerei einmal leben kann und glücklich damit bin.

Alle Lieben sind da: Kristina beim Barbie-Shooting mit Hund Finn. (Foto: Florian Forsbach)

Alle Lieben sind da: Kristina beim Barbie-Shooting mit Hund Finn. (Foto: Florian Forsbach)

Face2Face: Du verlässt bald Deutschland.
Kristina: Ja, ich versuche in Amerika in kleinen Kammertheatern zu spielen und baue mir dort wieder ein Netzwerk auf. Mir fällt es leicht, mich selbst gut zu verkaufen, zum Glück macht mir diese Selbstverwaltung großen Spaß. Ich werde eigentlich nichts vermissen, wenn ich jetzt ins Ausland ziehe. Dafür bin ich zu unabhängig; ich habe meine Familie, die mich liebt, aber jeder hat auch sein eigenes Leben. Ich bin gerne unabhängig.

Anmerk. d. Red.:
Als nächstes spielt Kristina, Klara Häberle im Stück Die Kirche bleibt im Dorf
Regie: Uli Grossmann,
Spielstätte: Kaltwasserhof/Münstertal
Datum: ab 17.07.2014.

Vorschau: Wie nutzen junge Menschen heutzutage digitale Medien und: Ist das ständige Aufs-Smartphone-starren schon eine Sucht? Am Dienstag, 1. Juli lest ihr mehr dazu im Panorama.