Schnabeltier und Ameisenigel- Monotremata, die eierlegenden Säugetiere

Wenn wir an Tiere denken, so kennen wir Reptilien und Vögel, die Eier legen und Säugetiere, die ihre Jungen austragen. Ein Blick nach Australien lässt uns bereits komische Wesen entdecken, die ihre Jungtiere in Beuteln herum schleppen. Kängurus, Koalas oder der ausgestorbene Beuteltiger gehören zu den Beuteltieren. Als die ersten Europäer den australischen Kontinent erforschten, waren das bereits kuriose Tiere. Doch die Beschreibungen eines Hybridwesens, eines Maulwurfs mit dem Schwanz eines Bibers und dem Schnabel einer Ente, wurden zuerst als Fälschungen oder Fabeln verworfen. Die Zweifel an der Echtheit des Tieres waren auch George Shaw bekannt, einem Forscher, der Ende des 18. Jahrhunderts die Tierwelt Australiens beschrieb. Noch heute könnte dieses Lebewesen als lebendes Fossil bezeichnet werden.

Kloakentiere

Echnida: Das Schnabeltier (Foto: britta-schwalm/ pixelio-de)

Echnida: Das Schnabeltier (Foto: britta-schwalm/ pixelio-de)

Die Kloakentiere, auch Monotremata, sind eine der ursprünglichsten Säugetiere. Es gibt nur fünf Spezies: Das Schnabeltier und vier Arten Ameisenigel. Alle leben in Australien und Neuguinea. Sie besitzen ein Fell und Milchdrüsen, womit sie ihre Jungen säugen. Doch im Gegensatz zu anderen Säugetieren besitzen sie keinen getrennten Ausscheidungs- und Geschlechtstrakt. Wie Vögel und Echsen haben sie eine Kloake. Monotremata bedeutet Einlochtiere. Ihre Jungen kommen auch nicht lebend auf die Welt, sondern sie legen Eier.
Schnabeltiere sind an das aquatische Leben angepasst, mit einem stromlinienförmigen Körper und Schwimmhäuten an den Füßen. Sie leben in Erdbauten nahe dem Ufer. Die Männchen besitzen einen Giftsporn am Hinterfuß, welcher nur während der Paarungszeit Gift produziert. Sie sind nachtaktive Einzelgänger und ernähren sich von Krabben, Insektenlarven und Würmern, die sie im Wasser schnappen. Elektro- und Mechanorezeptoren erlauben ihnen, unter Wasser kleinste Wellenbewegungen und schwache elektrische Felder zur Orientierung wahrzunehmen.
Der Ameisenigel bekam seinen wissenschaftlichen Namen „Echnida“ von einem mythologischen Monster des antiken Griechenlands, halb Frau halb Schlange. Kurz- und Langschnabeligel besitzen Stacheln, die denen eines Igels ähneln, sie sind jedoch nicht mit ihm verwandt. Auch sie besitzen einen Stachel am Hinterbein, dessen Sekret aber kein Gift enthält und während der Paarungszeit abgesondert wird. Sie sind meist Einzelgänger und ernähren sich von Termiten und Ameisen.

Aktuelle Forschung
Säugetiere haben ein einfaches System, um auf genetischem Wege unterschiedliche Geschlechter zu produzieren. Frauen haben zwei X-Chromosome, Männchen ein X- und ein Y- Chromosom. Schnabeltiere dagegen besitzen 5 Geschlechtschromosome. Männchen haben also X1-X5 und Y1-Y5. Ameisenigelweibchen haben ebenfalls 5 Paare von X Chromosomen. Männchen dagegen fehlt ungewöhnlicher Weise ein fünftes Y Chromosom. 2008 wurde das gesamte Genom des Schnabeltieres veröffentlicht. Eine weitere Studie untersuchte das Spornsekret des Ameisenigels und schloss daraus, dass es wohl eine Rolle in der Kommunikation über Geruch einnimmt.
Als besondere Gruppe innerhalb der Säugetiere spielen die Kloakentiere eine wichtige Rolle, um zu verstehen, wie die Evolution der Säugetiere von Statten ging. Die Zukunft wird zeigen, welche Geheimnisse diese kuriosen Tiere noch für uns bereithalten.

Sportliche Last-Minute-Geschenke

Verdammt, morgen ist Weihnachten! Wie jedes Jahr kommt dieser Feiertag viel zu schnell. Es fehlen noch ein paar Geschenke? Dann habt ihr hier die Last-Minute-Geschenkideen für sportbegeisterte Väter, Onkel, Brüder, Mütter, Tanten oder Schwestern – zusammengestellt von der Sportredaktion.

Gutscheine.
Gutscheine gelten als sehr, sehr unkreativ, haben aber schon so manche Familienfeier vor dem Totalkollaps bewahrt. Wenn du nicht gerade zwischen drei und 13 Jahre alt bist und weniger als zehn Euro Taschengeld von deinen Eltern bekommst, sind selbst gebastelte Gutscheine NICHT MEHR OKAY! Fast in jeder gut sortierten Tankstelle gibt es alle möglichen Gutscheine, zum Beispiel IKEA, Spotify, Galeria Kaufhof oder Karstadt, mit denen man seinen Liebsten eine Freude machen kann.
Probeabos von Zeitungen und Zeitschriften, wie 11Freunde, Kicker oder SportBILD, eignen sich übrigens super als Weihnachtsgeschenk für die fußballbegeisterten Familienangehörigen.

Bücher.
Bücher rangieren auf der Beliebtheitsskala für Geschenke gefühlt direkt hinter Socken. Aber das Schöne ist: der Bücherwurm unter den zu Beschenkenden ist für JEDES Buch dankbar, egal wie schlecht es eigentlich ist. Vor allem im Bereich Sport gibt es alle möglichen Arten von Büchern: Romane, Autobiographien, zum Beispiel die Biographie von Zlatan Ibrahimovic: „Ich bin Zlatan“, oder auch Sachbücher, die überaus interessant sein können. Eine kleine Auswahl unserer Lieblingsbücher haben wir euch im November anlässlich des Bundesvorlesetags vorgestellt. Wagt euch in die Buchhandlung eures Vertrauens und lasst euch von den Verkäufern beraten!

Basteln.
Selbstgebasteltes fällt ebenso wie Gutscheine unter die Kategorie „wenn du nicht mehr zwischen drei und 13 Jahre alt bist…“ ist aber immerhin kreativer als ein Gutschein. Wagemutige Bastelkandidaten suchen heute Abend noch Fotos zusammen und überraschen Oma und Opa oder Mutti am 24. mit einem selbstgebastelten Fotokalender.

Fotokalender zum selbst gestalten gibt es sowohl bei Rossmann als auch bei DM und oft auch in größeren Einkaufszentren von Edeka oder Rewe. Darum sich am 24. noch mal in die Stadt zu wagen, kommen Bastelfreunde nicht herum. Vor allem wenn weder Kleber noch Schere vorhanden sind. Für die Sportfans: Ausschnitte aus Stadionheften, Zeitungsschnipsel und alles, was mit der Lieblingsmannschaft zusammenhängt auf einem DIN A4-Blatt arrangieren und eine Collage basteln. Das Ganze dann noch in einen schönen Rahmen ist ein super-schönes Last-Minute-Geschenk, wenn der Beschenkte Fan einer bestimmten Mannschaft ist.

DVDs / Blu-Rays / Spiele für Spielekonsolen.
Es gilt ähnliches wie bei Büchern: die Auswahl ist riesig. Bitte unbedingt auf die passende Spielkonsole achten! Nein, PlayStation 4-Spiele passen nicht in die Xbox360. Passend zum Weihnachtsgeschäft kommen jedes Jahr die größten Sportklassiker in der neusten Version heraus: Fifa 16 – VÖ 24.09.2015, ProEvolutionSoccer 2016 – VÖ 15.09.2015, Handball 2016 – VÖ 27.11.2015. Aber es muss auch nicht immer das neuste Spiel einer Reihe sein! Auch Klassiker wie Fifa 2001 feiern ein Revival bei vielen Gamern.

Last-Minute-Schenker sollten am 24. Dezember vor allem auf die Öffnungszeiten der verschiedenen Geschäften achten. Diese variieren nämlich von Bundesland zu Bundesland, von Stadt zu Stadt. Am besten früh aufstehen. Und immer dran denken: Ihr seid sicherlich nicht die einzigen, die Weihnachten mal wieder „vergessen“ haben. Noch ein paar kleine Tipps:

Nehmt die Hilfe von Verkäufern an und seid bitte freundlich, denn die Verkäufer können nichts dafür, dass ihr euch am 24. noch mal in das Weihnachtschaos stürzen müsst. Außerdem: Macht euch nicht verrückt! Ihr werdet bis zur Bescherung vielleicht nicht mehr das passende Geschenk finden, aber eure Eltern haben euch sicherlich trotzdem lieb. Und zum Schluss: Genießt es mit eurer Familie zusammen zu sein, auch wenn es anstrengend sein kann. Schließlich sind Geschenke ja nicht das Wichtigste zum Fest der Liebe.

Fröhliche Weihnachten. Merry Christmas. Joyeux Noël. Feliz Navidad. Buon Natale. عيد ميلاد مجيد. God Jul. счастливого Рождества. Mutlu Noeller. hyvää joulua.

Vorschau :  Jahresrückblick: Die besten Sprüche aus dem Sport im
Jahr 2015

Unterwegs mit dem Würzburger Nachtwächter

Nachts, wenn Würzburgs Bürger in ihren warmen Betten liegen, streift er durch die Straßen. Ganz in schwarz gekleidet, den dreieckigen Spitzhut auf dem Kopf und eine lange Lanze in der Hand, an der eine Laterne baumelt – der Nachtwächter. Er sorgt für Ruhe und Ordnung in den Gassen der Stadt, warnt schlafende Bürger vor Feuern, Feinden und Dieben und sorgt dafür, dass die Stadttore fest verschlossen sind. So zumindest im Mittelalter, als es noch keine elektrische Straßenbeleuchtung und Feuermelder in den Wohnungen gab. Er streift allerdings immer noch durch manche deutsche Stadt. Doch sein Aufgabenfeld hat sich gewandelt. Heute pflegt er die Tradition als Stadtführer weiter, um auf unterhaltsame Weise aus der Stadtgeschichte und dem neusten Klatsch und Tratsch zu berichten.

In Würzburg gibt es ein Vierergespann: Der Würzburger Nachtwächter, der Schorsch, die Marktbärbel und das Weinbäuerle Karl führen Touristen und neugierige Einheimische durch die historische Altstadt. Jeder hat seine ganz eigene Route und Vorlieben. Das Besondere: es werden nicht einfach trocken historische Daten und Passagen aus Geschichtsbüchern rezitiert. Mit typisch fränkischem Humor und regionaler Mundart, wird über Würzburgs Lebens- und Esskultur berichtet und dabei charmant der ein oder andere Seitenhieb auf aktuelle Ereignisse oder Politiker verteilt.

Nachtwächter Würzburg_Dezember 2015

Laterne, Laterne: Mit etwas Glück darf man dem Nachtwächter beim Kerzenwechsel zur Hand gehen (Quelle: privat).

Bekenntnisse eines frischgebackenen Fans

Nun lebe ich schon seit über einem Jahr in Würzburg. Vom Nachtwächter weiß ich schon lange. Jeden Abend wartet er am Vierröhrenbrunnen am Fuße der alten Mainbrücke auf Touristen, Kurzentschlossene oder Fans, um sie durch die Straßen zu führen. Zuerst war ich abgeschreckt. „Wieso sollte ich eine Stunde lang trockenen, historischen Details der Stadt lauschen?“, habe ich mich gefragt. Doch vor einer Woche, als alte Freunde zu Besuch kamen, haben wir es gewagt – und nicht bereut! Selten habe ich so viel während einer Führung gelacht und neues Vokabular und Gschichtli aus dem Fränkischen gelernt. Jedem, den es für einen Besuch in die Weinstadt verschlägt, kann ich diese kurzweilige Tour empfehlen.

Die perfekte Suppenbeilage: Toast-Käse-Röllchen

Winterzeit ist Suppenzeit. Denn wenn es draußen fröstelt gibt es nichts Besseres um sich aufzuwärmen, als eine kräftige, heiße Suppe zu löffeln. Dazu gibt es meist frisches Brot – lecker, aber langweilig. Wie wäre also mit selbstgemachten Toast-Käse-Röllchen. Sie sind schnell gemacht, schmecken köstlich und sind eine schöne Alternative zum Baguette. Alles was ihr dafür braucht ist ein Nudelholz, eine Pfanne und folgende Zutaten:

Zutaten:

  • 2-3 Scheiben Toastbrot pro Person
  • 2-3 Scheiben Käse pro Person
  • Butter zum Anbraten

Und so wird es gemacht:

1. Den Rand des Brotes abschneiden und dann den Toast mit dem Nudelholz möglichst flach ausrollen. Dann jeweils eine Scheibe Käse auf das flache Brot legen und zusammenrollen. Falls es nicht halten sollten können Zahnstocher helfen.

2. Die Butter in der Pfanne zerlaufen lassen und die Brot-Käse-Rollen von allen Seiten goldbraun braten lassen. Sie sind fertig, wenn die Käsefüllung zerlaufen ist.

3. Alles was ihr jetzt noch machen müsst ist die heißen Röllchen zu eurer Suppe genießen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Vorschau: Nächste Woche lest ihr an dieser Stelle den zweiten Teil der Reihe Zeitmanagement: Kleider machen Leute.

Fußball in Zeiten des Terrors

Blick auf die Haupttribüne der Veltins-Arena in Gelsenkirchen (Foto: privat).

Blick auf die Haupttribüne der Veltins-Arena in Gelsenkirchen (Foto: privat).

Je nach Medienangaben sind zwischen 130 und 135 Menschen gestorben, rund 350 Menschen wurden verletzt. Der „Islamische Staat“ hat sich zu den Anschlägen in Paris bekannt.

Auch die deutsche Fußballnationalmannschaft war indirekt betroffen, denn sie spielten an diesem denkwürdigen 13. November im Stade-de-France gegen die französische Nationalmannschaft. Auch das Stadion war Ziel der Attentäter.

Dass den knapp 80.000 fußballbegeisterten Menschen nichts passiert ist, ist
großes Glück. Während des Spiels konnte man deutlich mehrere Detonationen hören, selbst am Fernseher. Tom Bartels, der Kommentator der ARD, die das Spiel live übertrug, kommentierte das Spiel infolge der durchsickernden Informationen sichtlich erschüttert weiter, aber er kommentierte eben weiter. Kurz wurde überlegt das Spiel nicht wieder anzupfeifen, aber um eine Massenpanik zu verhindern, wurde dann doch davon abgesehen. In der Nachbetrachtung war das die richtige Entscheidung. Nach dem Abpfiff sickerten dann Informationen zu den Zuschauern im Stadion durch, was schließlich zu den uns allen bekannten Fernsehbildern sorgte, die zeigen, wie Menschenmassen auf das Spielfeld des Stade-de-France strömen. Auf den heiligen Rasen, auf dem in weniger als einem Jahr die Europameisterschaft 2016 beendet werden soll.

Die Mannschaften des FC Schalke 04 und Apoel FC in der Veltins-Arena (Foto: privat).

Die Mannschaften des FC Schalke 04 und Apoel FC in der Veltins-Arena (Foto: privat).

Vier Tage später sollte der Fußballklassiker Deutschland gegen die Niederlande in Hannover ein Spiel auch für die Franzosen werden, die zeitversetzt ihr Testspiel gegen die Engländer im altehrwürdigen Wembley-Stadion antraten. Vereint sangen Franzosen und Engländer dort die Marseillaise, die Nationalhymne Frankreichs. Das Stadion war in blau – weiß – rot gehalten, es zeigte über dem Eingang die Worte Liberté, Égalité und Fraternité – Einheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – den Wahlspruch der französischen Revolution und der heutigen Französischen Republik. Doch das Spiel in Hannover musste eine Stunde vor Anpfiff aufgrund von konkreter Terrorwarnungen abgesagt werden. Der Terror scheint nun auch in Deutschland angekommen zu sein.

„Bist du denn wahnsinnig?“
Ob ich denn wahnsinnig sei, fragte mich meine Mutter, als ich ihr eröffnete trotz der Ereignisse unbedingt am Wochenende ins Stadion zu wollen. Menschenmassen solle man meiden, heißt es in den Tagen nach den Anschlägen. Super. Und ich muss einen Tag später, am 14. November in den Hauptbahnhof Hannover, um von dort wieder in meine süße kleine Universitätsstadt Marburg zu fahren. Aber es passiert nichts. Es laufen mehr Bundespolizisten durch den Hauptbahnhof, das fällt auf. Vielleicht ist es ein wenig zynisch, aber ich fühle mich sicher(er).

Eckball zwischen FC Schalke 04 und Apoel FC (Foto: privat).

Eckball zwischen FC Schalke 04 und Apoel FC (Foto: privat).

Dann Donnerstag. 26. November. 13 Tage nach Paris. Die Sicherheitskontrollen vor dem Spiel des FC Schalke 04 gegen Apoel FC in der Gruppenphase der Europa Leauge sind schärfer als sonst. Es ist schon dunkel, als wir gegen 17:45 Uhr am Stadiongelände ankommen. Auf dem Weg zum Stadion hin bin ich aufgeregt. Aber nicht, weil ich Angst vor einem Terroranschlag habe, nein, ganz im Gegenteil. Ich freue mich einfach auf ein hoffentlich packendes, mitreißendes Fußballspiel. Doch bevor wir in das Stadion hinein gehen können, werden mein Begleiter und ich abgetastet. Gründlicher als sonst. In meine Tasche wird hineingeleuchtet, sie wird nicht wie sonst einfach nur abgetastet. „Sicherheitsvorkehrung“ sagt die zierliche Frau, die nach meiner Taschenkontrolle auch meinen Körper abtasten darf. Den tollsten Job hat sie tatsächlich nicht.

18:30 Uhr. Noch eine halbe Stunde bis Anpfiff. Der Stadionsprecher verliest die Charta der UEFA Europa League gegen Rassismus. Immer wieder läuft auch der Fernsehspot „No to Racism“ auf dem großen Videowürfel in der Veltins-Arena. Der Text, der sich gegen Rassismus positioniert, aber auch sexistisches Verhalten verurteilt, wird auch auf Griechisch vorgelesen, da es sich bei dem Gegner Apoel FC um eine Mannschaft aus Zypern handelt.

Veltins-Arena bei Nacht (Foto: privat).

Veltins-Arena bei Nacht (Foto: privat).

Fernab des Spielgeschehens (der FC Schalke 04 vergibt sehr viele Chancen, gewinnt aber glücklich 1:0) habe ich nie das Gefühl mich in einer Gefahrenlage zu befinden. Dabei sind über 43.000 Menschen im Stadion. Angst hat als Besucher nichts bei einem Fußballspiel zu suchen. Nicht beim Stadionbesuch. Oder im alltäglichen Leben. Denn Angst lähmt nur unsere Gesellschaft.

Der Lesestoff der F2F-Sportredakteure/innen

Am Freitag, 20.11.2015, findet der Vorlesetag statt. Eine Aktion der Stiftung Lesen, der Deutschen Bahn Stiftung, sowie  der Zeit. Die Sportredakteure/innen von Face2Face haben diesen Tag zum Anlass genommen, um eine Rezension über ein Buch aus ihrem privaten Leseregal zu verfassen. Freut euch auf Familienroman, Ratgeber und die Liebe zu einem Fußballverein.

 

Kante, Krümel, Kracher
von Philipp Koehl 

„Ein Roman für alle, die nicht vergessen wollen, wie schön das mal war mit dem Fußball in Deutschland“, urteilte Der Tagesspiegel 2006 über das Buch von Horst Bosetzky und trifft damit auch noch gut neun Jahre später genau den Nerv eines jeden Fußballromantikers.
Fernab von Kommerz und Eventhudelei behandelt der Roman die Geschichte einer  Berliner Fußballerfamilie über drei Generationen im Zeitraum von 1946-2004. Der 13-jährige Kante, aus dessen Sicht das 304 Seiten umfassende Buch erzählt wird, ringt in der Nachkriegszeit, in denen „die Zeiten hart und die Schläge der Eltern noch härter waren“, bei seinen Erzeugern immer wieder um die Erlaubnis dem 1. FC Neukölln beizutreten. Als er diese schließlich bekam, ist er nicht mehr zu bremsen. Sein großer Traum: Nationalspieler werden.
Dank seines Kampfeswillen und unbrechbarem Ehrgeiz schafft er es zunächst immerhin zum Kapitän seines geliebten Heimatvereins. Das bleibt auch dem weitaus erfolgreicherem Berliner Klub, Tasmania 1900, nicht verborgen und unterbreitet ihm prompt ein Angebot. Die Tür zum Profifußball wird damit weit aufgestoßen.

Familienroman mit Schwerpunkt Fußball: Kante Krümel Kracher von Horst Bosetzky Foto: Privat

Familienroman mit Schwerpunkt Fußball: Kante Krümel Kracher von Horst Bosetzky Foto: Privat

Nachdem er sich auch bei der Tasmania zum absoluten Führungsspieler entwickelt hat, nimmt ihn der damaligen Oberligist (Die Fußball-Bundesliga, wie wir sie heute kennen existierte damals noch nicht) SV Werder Bremen unter Vertrag. Einige Jahre später beendet er seine Karriere beim Bundesligisten Hertha BSC Berlin. Sein Wunsch, einmal für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen, sollte sich allerdings nicht erfüllen. Dieser wird erst viele Jahre später durch seinen Enkel Kracher gelebt, als er vom damaligen Nationaltrainer Rudi Völler für die Europameisterschaft 2004 in Portugal nominiert wird.
Der vor allem als Krimiautor berühmte Horst Bosetzky schafft es, eine fiktive Geschichte über eine Berliner Fußballerfamilie in die deutsche Nachkriegszeit und darüber hinaus zu transportieren. Mit seiner leicht verständlichen wie kurzweiligen Schreibweise erschafft er neben dem Themenschwerpunkt Fußball, ein Leben voller sportlicher Erfolge und Niederlagen, voll familiären Glücks und menschlicher Enttäuschung. Ein Schmankerl für jeden Leser mit hoher Fußballaffinität, der sich neben Statistiken und Historie von Vereinen und Spielern auch auf einen mitreißenden Familien-Roman mit hoher Suchtgefahr freuen darf.

Bosetzky Horst: Kante Krümel Kracher, Deutscher Taschenbuchverlag (dtv), 2006/ 304 Seiten

 

Leistungsernährung für Kraftsportler
von Vritti Kalra

Das Buch „Leistungsernährung für Kraftsportler – Strategien für Muskelaufbau, Fettabbau und optimale Regeneration“ von Christian von Loeffelholz geht ausführlich auf die drei großen Thematiken des Natural Bodybuildings ein: Ernährung, Training und Regeneration.
Das erste Kapitel beginnt mit der optimalen Regeneration. Viele Sportler unterschätzen oftmals die Erholungsphase während der Aufbauzeit. Schon allein, dass dieses Thema hier an erster Stelle steht, zeigt uns, wie wichtig sie für den zielstrebigen Sportler ist. Es wird von einer Superkompensation gesprochen. Das bedeutet, dass der Muskel des Trainierenden während dem Training beschädigt wird. Um dies wieder zu reparieren, bildet der Körper an der verletzen Stelle mehr Muskelmasse auf. Aber Vorsicht ist geboten, denn Herr von Loeffelholz warnt vor einem sogenannten Übertraining. Wer zu viel trainiert und ohne Pausen sein Training durchzieht, wird höchstwahrscheinlich mit negativen gesundheitlichen Folgen Erfahrung machen. Welche das sind und welche Faktoren die Leistung oder die Regeneration positiv oder negativ beeinflussen, erfahrt der Leser in diesem Kapitel.
Das zweite Kapitel beinhaltet die Ernährungsprinzipien im Sport. Wer Muskeln aufbauen möchte,  der weiß, welch bedeutende Rolle die Ernährung hierbei spielt. Zuerst führt Herr von Loeffelholz den Leser an die Grundlagen heran: Wie muss die Basisernährung aussehen und welche

Der Ratgeber für Ernährung, Training und Regeneration: Leistungsernährung für Kraftsportler von Christian von Loeffelholz Foto: Privat

Der Ratgeber für Ernährung, Training und Regeneration: Leistungsernährung für Kraftsportler von Christian von Loeffelholz Foto: Privat

Nahrungsergänzungsmittel sind ausschlaggebend für den dauerhaften Erfolg? Anschließend erfährt der Lesende, wie wichtig es ist, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Auch was man bei  Proteinzufuhr und Energiestoffwechsel zu beachten hat, wird ausgiebig erläutert.
Das dritte Kapitel besetzt das Krafttraining. Das Ziel: Fettabbau. Das heißt, weniger Fettmasse und mehr Muskelmasse. Beginnend mit dem Thema Übergewicht, das sehr wichtig für Menschen ist, die ein Gewichtsproblem haben und dies ändern möchten. Wie geht man damit um? Welche Grundlageninformationen brauche ich als Abnehmender um meinen Körper zu verstehen?
Gefolgt von den Prinzipien der Reduktionsphase und der Fettverbrennung. Das ist vor allem für diejenigen ausschlaggebend, die ihre Muskelqualität verbessern und in Höchstform bleiben wollen. Auch welche Faktoren die Fettverbrennung unterstützen und wie man sich vor einem Wettkampf optimal vorbereiten kann, macht uns Herr von Loeffelholz deutlich.
Abschließend ist zu sagen, dass dieses Buch sowohl für Anfänger, Fortgeschrittene und Profi-Naturalbodybuilder geeignet ist. Denn Christian von Loeffelholz beschreibt in verständlicher Sprache, worauf es beim Natural Bodybuilding ankommt. Er verwendet dazu auch vereinfachte Abbildungen, um das Geschriebene nochmal verständlich darzustellen. Mit ausführlichen Grundlageninformation verschafft er dem Leser einen Überblick über das Thema Natural Bodybuilding. Unabhängig ob man nur Muskel aufbauen, Gewicht reduzieren oder auf der Bühne auftreten möchte – „Leistungsernährung für Kraftsportler“ ist definitiv ein Allround-Paket für Kraftsportler aller Art.

Von Loeffelholz Christian: Leistungsernährung für Kraftsportler – Strategien für Muskelaufbau, Fettabbau und optimale Regeneration, 6.Auflage des Novagenics Verlags, 2014

 

111 Gründe, Schalke 04 zu lieben
von Nele Hüpp

Geschrieben wurde die kuriose Sammlung an Gründen den FC Schalke 04 zu lieben von Thomas Bertram. Der Lektor, Übersetzer, Autor und Herausgeber wurde in Gelsenkirchen geboren und liefert mit seiner Nr. 22 mit einen der besten Gründe Schalke-Fan zu sein: Es liegt in der Familie.

Eine Liebeserklärung an einen Fußballverein: 111 Gründe. Schalke 04 zu lieben von Thomas Beltram Foto: Privat

Eine Liebeserklärung an einen Fußballverein: 111 Gründe. Schalke 04 zu lieben von Thomas Beltram Foto: Privat


Auf dem – natürlich in blau – gehaltenem Cover ist neben dem Titel auch ein Bild aus der Nordkurve der Schalker zu sehen: ein blau-weißes Fahnen- und Bannermeer. Auf 277 Seiten, unterteilt in zehn Kapitel, schreibt Bertram in kurzen Episoden (111 an der Zahl) über die Liebe zu einem Fußballverein.
In jedem seiner 111 Kapitel sammelt Bertram circa zehn Gründe zu einem bestimmten Themenkomplex, wie Tradition, Mythos oder Legende. Mit einem zwinkernden Auge erklärt Bertram dabei zum Beispiel bei Grund 26: „Was soll man sonst lieben in Gelsenkirchen?“ Daneben gibt es auch interessante Gründe, wie zum Beispiel Nr. 43: „Weil der FC Schalke 04 sich als erster Bundesligaverein mit seiner Geschichte während des Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat.“ Bertram hat ein Buch geschaffen, das nicht nur den fußballverrückten Schalke-Fans immer wieder Gänsehaut beim Lesen verschafft und das Warten auf das nächste Heimspiel verkürzt, nein, er schafft es auch den Mythos Schalke 04 für (noch) Nicht-Fans greifbar zu machen. Wer dieses Buch gelesen hat, versteht vielleicht im Ansatz ein wenig besser, warum man einen Verein wie den FC Schalke 04 einfach lieben muss.
An alle Fans von anderen Fußballvereinen: keine Sorge. Über euren Verein gibt es sicherlich auch ein Buch. Über 50 der Reihe „111 Gründe…“ hat der Schwarzkopf-Schwarzkopf-Verlag schon veröffentlicht – also keine Sorge liebe BVB-Fans, euer Buch ist bestimmt auch ganz okay.

Bertram Thomas: 111 Gründe, Schalke 04 zu lieben, Schwarzkopf-Schwarzkopf-Verlag, 2013
http://www.schwarzkopf-verlag.net/store/c3/FUSSBALL.html

 

 

 

Von Fußball bis Quidditch – vielfältiger Hochschulsport

Quidditch als Hochschulsport, Spielbrick Films auf flickr.com, CC-Lizenz.

Quidditch als Hochschulsport, Spielbrick Films auf flickr.com, CC-Lizenz.

Oktober bedeutet für Studierende immer wieder aufs Neue: Beginn des Wintersemesters. Sport fördert zu jeder Jahreszeit die Gesundheit. Vor Weihnachten ist es jedoch strategisch günstig sich eine Sportart zu suchen, die man regelmäßig macht. Um dem Zunehmen über die Weihnachtsfeiertage entgegen zu wirken. Doch gerade die typischen Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball finden manche Menschen langweilig. Gut, dass es für Studierende und Mitarbeiter der Uni eine einfache Lösung für all diese Probleme gibt: Universitätssport.

Die Grenzen des Hochschulsports? Gibt’s nicht!

"Ultimate Frisbee" als Hochschulsport an der Uni Rostock. Marcus Sümnick auf flickr.com, CC-Lizenz.

„Ultimate Frisbee“ als Hochschulsport an der Uni Rostock. Marcus Sümnick auf flickr.com, CC-Lizenz.

Sport an deutschen Universitäten wird oft über eine zentrale Stelle organisiert. Ob nun das Sportzentrum der Hochschule oder ein einzelner Studiengang – es gibt für jeden Studi die Möglichkeit Sport zu betreiben. Welche „Art“ von Sport die richtige für einen ist, muss man selbst herausfinden. Die Grenzen des universitären Sportangebots hingegen sind weit. Sehr weit. Fußball, Handball und auch Volley- oder Basketball sind die gängigen Sportarten, die jeder aus dem Schulunterricht kennen könnte. In verschiedene Gruppen nach Leistung sortiert kann man an so gut wie jeder Uni diese Mannschaftssportarten im hochschuleigenen Team betreiben. An den meisten Universitäten gibt es aber weit mehr als die klassischen Breitensportarten. Je nach Größe der Universität variiert das Angebot von Standarttänzen über Rückenschule bis hin zu Denksportangeboten. Aber auch im Bereich der Mannschaftssportarten sind die meisten Universitäten und Studierenden kreativ.

Menschen mit Besen zwischen den Beinen, die sich mit Bällen bewerfen lassen: Quidditch.

JQuidditch als Hochschulsport in Amerika.  John Morgan auf flickr.com, CC-Lizenz.

Quidditch als Hochschulsport in Amerika. John Morgan auf flickr.com, CC-Lizenz.

An einigen deutschen Universitäten (Hannover, Freiburg, Augsburg, Bochum, Darmstadt) kann man Quidditch als Hochschulsport spielen. Nein, kein Scherz! Hier geht es wirklich um das Quidditch, welches der Zauberlehrling Harry Potter in den Weltbestsellern von Joanne K. Rowling ebenfalls spielt. Oder zumindest kommt das Hochschul-Quidditch dem in den Büchern relativ nahe – fliegen können die Quidditch-Mannschaften allerdings (noch) nicht. Quidditch begeistert allein in England 60 Teams von Muggle (also Nicht-Zauberern), die sich Besen zwischen die Beine klemmen und dann eine Mischung aus Handball, Rugby und Völkerball (oder englisch: Dogeball) spielen. Auch in Amerika begeistert der Sport, sodass genug Teams vorhanden sind, um universitäre Turniere zu veranstalten. Selbst die renommierte Universität Harvard hat sein eigenes Quidditch-Team.

Hochschulsport ist mehr als „nur“ Sport

Der Hochschulsport ist in Deutschland durch einen Dachverband organisiert – und zwar durch den allgemeinen deutschen Hochschulsportverband, kurz adh. Über 180 Universitäten sind in Sachen Hochschulsport durch den adh organisiert und verbunden, denn der adh richtet sowohl nationale als auch internationale Hochschulmeisterschaften jeglicher Art aus. Doch nicht nur die „harten“ Wettkämpfe werden von der adh organisiert, es finden auch regelmäßig nationale „fun“-Turniere statt.

"Netball" an der Nottingham Trent University (UK), Nottingham Trent University auf flickr.com, CC-Lizenz.

„Netball“ an der Nottingham Trent University (UK), Nottingham Trent University auf flickr.com, CC-Lizenz.

An deutschen, aber auch an Universitäten auf der ganzen Welt geht es also um mehr als nur den reinen Wissenserwerb. Durch Hochschulsport kann man neue Menschen aus ganz anderen Fachgebieten kennenlernen, sich auspowern und neben dem Spaß auch etwas für die eigene Gesundheit tun. Was nicht zu verachten ist: die meisten Universitäten nehmen für das sportliche Angebot meist nur eine kleine Kursgebühr zwischen 10 und 50 Euro pro Semester.

Vorschau: Nächste Woche (am 04. November) geht es im Bereich Sport um das Thema Formel 1. Der Grand Prix von Mexiko steht dabei im Mittelpunkt.

Level up – Videospiele erobern die Wissenschaft

Eine Uni, die sich für Computer- und Videospiele interessiert – das Traumgebilde eines Gamers? Keineswegs. Die Japanologie der Universität Leipzig hat im Rahmen des Bereiches „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“ die Erforschung japanischer Videospiele zu einem ihrer zentralen Forschungsgebiete gemacht.

Seit mehr als vierzig Jahren haben sich digitale Spiele zu einer der beliebtesten Unterhaltungsmöglichkeiten entwickelt. Nicht nur in Japan sind seine Videospiele populär. Sie üben seither einen starken Einfluss auf die Spielkultur weltweit aus. Man denke nur an die Nintendoklassiker wie Super Mario Bros. oder The Legend of Zelda.

Universität Leipzig Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften Ostasiatisches Institut / Japanologie Juniorprofessor Dr. Martin Roth (Foto: Swen Reichhold / Pressestelle der Universität Leipzig)

Die Japanese Videogames Research Initiative – die Initiative zur Erforschung japanischer Videospiele ist noch sehr jung. Erst 2015 wurde sie von Dr. Martin Roth, dem Leipziger Juniorprofessor für Japanologie, ins Leben gerufen. Schon seine Dissertation schrieb er über die politischen Potentiale japanischer Videospiele. Nun forscht er auf dem Gebiet „Japan im Zeitalter der neuen bzw. digitalen Medien“. Bei seiner Doktorarbeit stieß er auf das Problem, dass viele der japanischen Videospiele hier in Deutschland nicht oder zumindest schwer zugänglich sind. Genauso verhält es sich mit der benötigten Technik. Doch für die ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung ist die unbehinderte Zugänglichkeit unabdingbar. So kam ihm die Idee eine Sammlung der Spiele zu beginnen, um sie für Forschung, Studium und Lehre erreichbar zu machen.

Ein wichtiger erster Schritt zum Traum von einer der größten Sammlung japanischer Videospiele war kürzlich die Schenkung von 4500 Spielen der japanischen CERO – der Computer Entertainment Rating Organization. Sie kümmert sich um die Bewertung von Computer und Videospielen. „Damit war ein guter Anfang für eine solche Sammlung in Leipzig geschaffen, die wir nun erschließen und hoffentlich in Zukunft ausbauen können“, beurteilt Roth die Schenkung. Leider kann er bisher nicht viel über deren Inhalt sagen, da gerade erst damit begonnen wurde, die Kisten zu öffnen. Derzeit besteht die Sammlung außerdem noch aus den Spielen, die Roth im Rahmen eines Seminars für die Studenten angeschafft hatte.

Durch die Initiative sollen Informationen über die Spiele und deren Kultur gesammelt werden. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei in verschiedenen Richtungen. Zum ersten sind das die Inhalte und das Spielgeschehen. Dabei wird vor allem auf die Ausdrucksmöglichkeiten, Kreativität und deren Bedeutung geachtet. Eine zweite Perspektive ist der gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Einfluss, den die Spiele haben.
Weiterhin wird betrachtet, welche Auswirkungen die Globalisierung und die Ausdehnung eines weltweiten Marktes auf die Entwicklungs-, Produktions-, und Konsumbedingungen mit sich bringen.

Noch ist nicht bekannt, welche Schätze man aus CEROs Kisten hervorholen wird (Foto: Martin Roth / Universität Leipzig)

Außerdem beschäftigt sich die Initiative sowohl mit der historischen Bedeutung, wie zum Beispiel dem Verhältnis zwischen der Nachkriegsgeschichte Japans und des Entstehens der Spielekultur, als auch mit den zukünftigen Entwicklungen der Spielkultur.
Zuletzt liegt ein besonderes Augenmerk darauf, wie die japanische Spielkultur von außen betrachtet wird. Dazu kann übrigens jeder beitragen, denn auf der Webseite jGames wird dazu aufgerufen, seine Assoziationen und Erinnerungen an die gefundenen Spiele mitzuteilen.
Die Ergebnisse der Forschungen sollen anschließend der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Doch nicht nur die Forschung interessiert sich für die Spiele. Sie können dazu verwendet werden die Geschichte, Kultur und Sprache Japans besser zu verstehen. Es soll sogar ein eigenes Spiel zum Erlernen des Japanischen entwickelt werden.

Um die Initiative voranzubringen, will Roth mit internationalen Forschern zusammenarbeiten. Workshops und Tagungen sollen den Austausch mit interessierten Organisationen, Spieleherstellern und Forschern unterstützen

Wie genau die Schenkung von CERO aussieht wird sich bald zeigen. Auf dem 1box/week blog wird in Kürze jede Woche über die Funde berichtet. Es bleibt also spannend!

Vorschau: Nächste Woche könnt Ihr hier Elisabeths Nachruf auf Henning Mankell lesen.

Blindenfußball: eine ganz besondere Facette des Fußballs

Deutscher Meister wird nur der FC Bayern München. Das stimmt so gar nicht. Der deutsche Meister des Blindenfußballs kommt mitnichten aus Bayern sondern aus Mittelhessen. Seit dem 12. September 2015 stehen die Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg als Deutscher Meister der Blindenfußballliga (kurz DBFL) fest. Blindenfußball? Wie geht das denn eigentlich? Wie funktioniert das?

An sich ist Fußball ein einfaches Spiel. Oft braucht man zum Fußballspielen nicht viel, in der Schulzeit hat auch mal eine Coladose zum kicken gereicht. Die Tore wurden durch Schuhe und Jacken markiert und Regeln… wozu? In den großen Stadien der Republik stehen Wochenende für Wochenende 22 Spieler in zwei Mannschaften auf den Spielfeldern. Es gibt zwei Tore, einen Ball, mehrere Schiedsrichter, im Gegensatz zur Schulzeit ein paar Regeln und los geht’s. Doch wie sieht das beim Blindenfußball aus? Die regelkonforme Ausführung eines Blindenfußballspiels ist nicht viel komplizierter als die eines normalen Fußballspiels. Es müssen nur einige Gegebenheiten geändert werden und dann ist auch Blindenfußball wieder das einfache Spiel zweier Teams gegeneinander. Und vor allem eine ganz besondere Facette eines schon interessanten Spiels, nämlich Fußball.

Eine wunderbare Facette des Fußballs: Blindenfußball.  (Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine wunderbare Facette des Fußballs: Blindenfußball. (Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine besondere Facette des Fußballs

Ein Blindenfußballspiel findet auf Kunstrasen statt. Das Spielfeld ist 20 Meter breit und 40 Meter lang und ist damit unwesentlich kleiner als ein Fußballfeld (90 x 120 Meter). Das Spielfeld ist ähnlich wie bei einem Fußballspiel sehender Menschen in der Halle durch Banden abgetrennt, diese Banden sind wichtig für die Orientierung der blinden Spieler auf dem Feld. Ein Spiel beim Blindenfußball dauert 2 x 25 Minuten und nicht wie beim Breitensport 2 x 45 Minuten. Die Größe des Tores bei einem Blindenfußballspiel unterscheidet sich auch. Mit zwei mal drei Metern entspricht es der Größe eines Handballtores. Auf dem Feld stehen nicht elf, sondern vier Feldspieler. Und sie sind alle blind. Nur der Torwart darf sehen können, er darf den Ball aber nur in seinem kleinen Torraum aufnehmen und diesen Raum auch nicht verlassen. Doch zu einer Mannschaft gehören neben den Auswechselspielern noch mehr Menschen.

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Eine Atmosphäre wie bei einem Tennis-Match

Wenn blinde oder sehbehinderte Menschen und Mannschaften Fußball spielen ist die Atmosphäre ähnlich wie bei einem Tennismatch: auf den Zuschauerrängen hat absolute Ruhe zu herrschen. Dies liegt daran, dass der Blindenfußball nur dann funktioniert, wenn die Spieler auf dem Feld sich auf ihr Gehör verlassen. Wichtig für das Spiel sind neben dem guten Gehör auch Orientierungssinn, Körperbeherrschung und der engen Kontakt zum hörbaren Ball. Denn in dem Ball, der um einiges schwerer und kleiner ist als ein Fußball bei sehenden Menschen, sind Rasseln. Diese zeigen die Position des ballführenden Spielers durch das Geräusch an. Dennoch ist auch die Kommunikation innerhalb des Teams unfassbar wichtig. Die Abwehr wird von ihrem Torwart dirigiert, der Trainer an der Mittellinie unterstützt das Mittelfeld und ein „Guide“ hinter dem gegnerischen Tor leitet die Stürmer an. Durch Kommandos wie 10-1 werden die Meter bis zum Tor und die Anzahl der Gegenspieler angesagt.

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

(Foto: E. Alaoui Masbahi auf der Facebookseite von Blindenfußball Marburg.)

Und was hat die spanische Sprache damit zu tun?

Auch auf dem Spielfeld selbst wird viel gesprochen. Nämlich immer dann, wenn sich ein Spieler dem ballführenden Spieler nähert. Er hat die Pflicht sich mit dem spanischen Wort „Voy!“ bemerkbar zu machen. „Voy“ heißt ich komme. Wer das nicht beachtet und sich ohne dieses Wort dem ballführenden Spieler nähert, der kann eine empfindliche persönliche Strafe einstecken müssen. Es gibt auch Teamstrafen, Freistöße und Strafstöße sowie gelbe oder rote Karten. Nur Abseits, das gibt es nicht.

Nicht auf Spanisch, sondern hier in Deutschland auf Deutsch kommentieren zwei Reporter das Spiel live. Sowohl für die Zuschauer, die wie die Spieler blind sind, als auch für die Auswechselspieler. Diese Reportagen werden auch oft live ins Internet gestreamt, so können auch egal ob blind oder nicht, diejenigen teilhaben, die es nicht schaffen live vor Ort zu sein.

Meister der DBFL 2015? SF BG Blista Marburg

Seit 2008 richtet die Sepp-Herberger-Stiftung zusammen mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die DBFL aus. Am 26. und 27. Mai 2006 fand das erste internationale Blindenfußballturnier in Deutschland statt und gab damit den Startschuss für den Blindenfußball als Breitensport in Deutschland. In einigen Ländern Südamerikas, England und Spanien wird der Blindenfußball schon seit Mitte der 1960er praktiziert. In der nun 8. Bundesligasaison des Blindenfußballs konnte sich die Mannschaft der Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg gegen Rekordmeister MTV Stuttgart, den Chemnitzer FC und den FC St. Pauli durchsetzen.

Das aktuelle Sportstudio: Von gerissenen Röcken und tieffliegenden Bällen

In Mainz auf dem Lerchenberg fahren insbesondere Samstagabend viele Autos auf das Gelände des ZDFs. Der Fernsehgarten ist live am Sonntagmorgen – dorthin kann es die vielen Gäste also nicht verschlagen. Aber am Samstagabend schlägt die Stunde der Fußballfans und Sportbegeisterten: Denn eine der ältesten Sportsendungen im deutschen Fernsehen, „Das aktuelle Sportstudio“ wird aufgezeichnet.
Seit dem 14. August 1963 flimmern die Moderatoren des ZDFs Samstagsabends über die Bildschirme der Republik, um die interessierten Zuschauer über die Geschehnisse des letzten Sportsamstags und -freitags aufzuklären. Auch wenn die bekannte Bahnhofsuhr im Vorspann der Sendung Aktualität vorspielt, ist die Sendung eine Live-on-Tape-Show. Das heißt die Sendung wird aufgezeichnet und einige Stunden später gesendet.

LICHT!“, „KAMERA!“, „ACTION!“ – so stellt man sich die schillernde Welt von Film und Fernsehen vor. Aufregend, unbekannt und irgendwie wichtig. Doch gerade das aktuelle Sportstudio ist alles andere als abgehoben, nein, es ist erschreckend gewöhnlich und es fühlt sich ziemlich normal an dort im Publikum zu sitzen.

Um 20.45 Uhr beginnt mit einer Begrüßung und der Ansage eines sogenannten „Setrunners“ das kleine Abenteuer beim ZDF. Ein „Setrunner“ ist jemand, der sich um alle Nebenabläufe bei einer Fernsehproduktion kümmert. Er macht alle auf die Spielregeln aufmerksam: große Taschen sind im Studio verboten, genauso wie Essen und Trinken während der Sendung. Fotografieren ist generell erlaubt, auch in der Sendung, wenn man das passende Motiv findet. Nur bitte nicht mit Blitz. Und die Handys sollten wegen der Störgeräusche auch ausgeschaltet werden.

Dann geht es endlich los. Durch zwei große graue Stahltüren, die das Alter der Studios auf dem Lerchenberg erkennen lassen, geht es in das Studio. Vorher muss man aber vorbei an einem Security-Mann, der noch mal die Taschen kontrolliert und weiter zum eigentlichen Kartenabreißer. Die Gänge sind ziemlich eng und es wirkt ein wenig beklemmend, bevor es dann in die heiligen Hallen geht. In die heiligen Hallen, die gar nicht so heilig und groß sind, wie sie im Fernsehen aussehen. Alles ist mehr Schein als Sein, denn das Studio erscheint im realen Leben um einiges kleiner als im Fernsehn. Ungefähr 120 Menschen haben im aktuellen Sportstudio als Zuschauer Platz, verteilt auf zwei Tribünen. Bunt gemischt sitzen hier Jung und Alt. Vornehmlich lassen sich rote FC Bayern München-Trikots erkennen, aber auch BVB und Schalke-Fans sind anwesend. Das aufgeregte Stimmengewirr summt durch die Halle, nur unterbrochen von Ansagen der Crew die so recht niemand versteht. Der Eintritt kostet 15 Euro pro Person, Kinder dürfen erst ab 14 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen zur Aufzeichnung kommen.

Kurz vor Beginn der Probe lernen die Zuschauer Robert kennen. Er ist höchstens Mitte zwanzig und BVB-Fan, was zu kleinen Sticheleien von einigen Bayern-Fans führt, die kurz buhen. Aber Robert nimmt das nicht persönlich, er lacht und hebt kurz die Hand zum Gruß. Robert ist Aufnahmeleiter und dafür verantwortlich, dass während der Aufnahme alles wie am Schnürchen läuft. Er sagt zum Beispiel der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, wo sie sich wann hinstellen soll und zwischen den einzelnen Moderationen sagt er an, wie lange ein Beitrag (beim Fernsehen sagt man zu einem solchen eingespielten Beitrag auch MAZ) dauert. Die Beitragsdauer variiert zwischen 60 Sekunden und knapp 7 Minuten. Außerdem beginnt Robert mit dem Klatschen, wenn ein Beitrag vorbei ist, um die Zuschauer zu animieren dies ebenfalls zu tun. Er wird also unter anderem fürs Klatschen bezahlt. Ansonsten lernt man als Zuschauer die Moderatoren der Sendung von einer anderen, fast schon lustig-netten Seite kennen. Katrin Müller-Hohenstein zum Beispiel würde man ohne Make-Up und gemachte Haare auf der Straße nicht auf den ersten Blick erkennen. Sie ist zu Späßen aufgelegt und begrüßt die Zuschauer überaus herzlich und freundlich um 21.15 Uhr bei Beginn der Probe. Dann passiert ein kleines Missgeschick: Ihr sehr enger Rock ist auf der Rückseite gerissen. Sie nimmt es mit Humor, bedankt sich bei dem Zuschauer, der sie darauf aufmerksam gemacht hat. Sie sagt zu der Crew: „Ist doch kein Problem, ihr dürft mich nur nicht von hinten filmen!“ Ab 22.15 Uhr wird dann die Sendung aufgezeichnet, aber vorher warnt sie die Zuschauer auf der zweiten Tribüne noch vor der Torwand. Denn wer dort sitzt, sei schon öfter „Opfer“ von tieffliegenden Bällen gewesen.

Drei große Kameras und eine so genannten Stadycam, mit der er sich der Kameramann durch das ganze Studio bewegen kann, zeichnen die ganze Sendung auf. Dazu kommen mehrere hundert Deckenscheinwerfer, große Bildschirme, die die vorher schon aufgezeichneten Beiträge auch im Studio zeigen und Ton- sowie Lichttechniker. Ganz billig ist so eine Aufzeichnung dementsprechend nicht, im Hintergrund sind mindestens 50 Leute für den reibungslosen Ablauf verantwortlich.

Was bleibt von einem aufregenden Abend in einem Fernsehstudio? Es war ein Erlebnis, welches mit gemischten Gefühlen begonnen und positiv abgeschlossen wurde. Der Besuch im aktuellen Sportstudio lohnt sich auf jeden Fall für alle Sportbegeisterten Fernsehenthusiasten, die schon immer mal einen Blick hinter die Kulissen werfen wollten.

Vorschau: Im nächsten Artikel aus der Rubrik Sport gibt es eine Vorschau über die neue Saison der DEL, der deutschen Eishockey Liga.