Apps und weitere Hilfen für nachhaltigen Lebensmittelkonsum

Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Der statistische, ökologische Fußabdruck eines Bürgers der EU oder der USA ist viel zu groß. Doch was tun? Ein wichtiger Schritt wäre es, dass wir Alternativen finden und nachhaltiger konsumieren. Besonders bei den Lebensmitteln tun wir nicht nur der Umwelt, sondern auch uns selbst etwas Gutes. Man muss nur genauer hinschauen.

Ein Schritt, den viele bereits gehen, ist es, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Nicht alles ist, wie es scheint. Auch hier gibt es Schummeleien und Hintertürchen (Bemerkung: Darauf werden wir bald genauer eingehen). Der neue Trend des Food-Sharings ist ebenfalls zu empfehlen. Die Qualitätssiegel, die auf Produkten zu finden sind, wie zum Beispiel bei Fisch, sind ebenfalls ein wichtiger Hinweis für Nachhaltigkeit. Oft entsprechen diese Produkte wenigstens den Mindestanforderungen. Nun gibt es noch weitere Hilfen, die einem das Leben erleichtern sollen.

Der WWF hat dazu einen Einkaufsratgeber. Auch eine App ist bereits vorhanden, die beim Fischkauf zu Rate gezogen werden kann. Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) ist die Kontrollinstanz für die Herkunftssicherung und Rückverfolgung von Eiern aus alternativen Hennenhaltungssystemen in Deutschland und den benachbarten EU-Ländern. Das KAT Siegel hat strenge Auflagen. Doch mehr noch. Anhand der Nummer, die auf jedem Ei zu finden ist, kann jeder herausfinden, wie und wo ein Ei entstanden ist. Diese Nummer kann man online oder per App eingeben und bekommt alle  nötigen Infos dazu, wie auch einige Bilder aus dem Bauernhof.

Andere Apps können ebenfalls hilfreich sein, müssen sie aber nicht. Generelle Vorsicht ist ebenfalls hier geboten. Doch das Internet hilft bei gegenseitigem Erfahrungsaustausch. Weitere Apps, die es lohnen, ausprobiert zu werden sind die Apps von AOK (AOKgenießen für Rezepte und AOKeinkaufen fürs einkaufen). Mit Hilfe der App BIO123 des Barcode Scanners sollen hier sogar Bio-Produkte gescannt und Infos dazu eingeholt werden können. Auch der nächste Bio-Laden soll hier angezeigt werden.

 

Vorschau: In zwei Wochen geht es mit der Tier&Umwelt Rubrik weiter. Wir beleuchten, ob Bio wirklich immer besser ist.

In einer anderen Welt: Die Dorfgemeinschaft Schloss Tempelhof

An Neuerungen gemeinsam teilnehmen: (Foto: Gemeinschaft Schloss Tempelhof)

An Neuerungen gemeinsam teilnehmen: (Foto: Gemeinschaft Schloss Tempelhof)

Der Westdeutsche Rundfunk hatte Ende 2013 eine Reportage mit Moderatorin Anke Engelke auf dem Sendeplan. „So was wie Glück“ zeigte Anke, wie sie am Alltag der Gemeinschaft Schloss Tempelhof teilnahm und erfuhr, was die Menschen dort bewog, ein eigenes Dorf zu gründen und ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen.
Denn wenn ein bestehendes System nicht gefällt, dann schimpft, resigniert oder bekämpft man es. Oder man gründet eine Alternative, die gefällt. Den zwanzig Gründungsmitgliedern der Dorfgemeinschaft Schloss Tempelhof gefällt es zum Beispiel, dass kein geistiges und politisches Dogma oder theoretische Glaubensvorgaben irgendwelcher Art ihr Zusammenleben im Dorf stört. Ihnen gefällt, dass ihre persönliche Vielfalt eine Chance darstellt als Individuum zu wachsen. Ziel der Gründer ist ein gemeinschaftlicher Einsatz für alle, damit für jeden Bewohner die Möglichkeit besteht, sich persönlich, geistig und praktisch zu entfalten.

Zusammen für das Abendessen arbeiten: Jeder hilft mit. (Foto: Gemeinschaft Schloss Tempelhof)

Zusammen für das Abendessen arbeiten: Jeder hilft mit. (Foto: Gemeinschaft Schloss Tempelhof)

In der Praxis

Die heute knapp 120 Bewohner, bestehend aus Freiberuflern, Rentnern, Kindern und Pendlern versuchen seit 2010 eine Zukunftswerkstatt zu sein, die den Spagat zwischen Freiheit und Verbundenheit turnt und eine Alternative zu einem bürgerlichen Leben in der Kleinfamilie sein will. Dazu haben sie in der Nähe von Schwäbisch Hall, zwischen Stuttgart und Nürnberg, ein ehemaliges Heim für behinderte Kinder gekauft und restauriert.
Die Gemeinschaft sucht nach einer Möglichkeit einen modernen Arbeitsplatz, (natürlich gibt es im Dorf Telefonanschlüsse und schnelle DSL-Internetzugänge) gegebenenfalls in der Stadt, mit einem Wohnen in der Natur zu verbinden. Sie probieren eine andere Art des Zusammenlebens und der Ernährung aus, möchten alternative Zahlungsmethoden testen, haben eine eigene Schule gegründet und möchten als ein soziales Experiment verstanden werden.

In Gemeinschaft leben

Die Gemeinschaft Schloss Tempelhof ist so etwas wie eine riesenhafte Wohngemeinschaft bestehend aus alten, jungen, alleinstehenden und zusammengehörenden Menschen. Es gibt Einzelappartements, Wohngemeinschaften und Mehrzimmerwohnungen für Familien und Pärchen. Hier bietet sich eine Wohnform, die gegen die menschliche Angst arbeitet, irgendwann einmal allein zu sein,
Das soziale Zusammensein ist nicht eben billig: 20.000 Euro muss jeder Bewohner aufbringen, um in der eingetragenen Genossenschaft wohnhaft zu werden. Damit hat man ein unbegrenztes Wohnrecht in der Genossenschaft, darf zehn Quadratmeter Wohnraum ohne Grundnutzungsgebühren nutzen und ist an dem gesamten Projekt mitbeteiligt. Bevor es soweit kommt: Über jeden Anwärter stimmt die Gemeinschaft dreimal ab. Es geht basisdemokratisch zu. Jeder Bewohner des Dorfes hat eine Stimme und erhält der Kandidat nur eine Gegenstimme darf er nicht einziehen.

Das All-Leader-Prinzip: Jeder ist für das gesamte Geschehen mitverantwortlich. (Foto: Gemeinschaft Schloss Tempelhof)

Das All-Leader-Prinzip: Jeder ist für das gesamte Geschehen mitverantwortlich. (Foto: Gemeinschaft Schloss Tempelhof)

Alternativ essen

Die Bewohner haben eine Fläche von 26 ha Grün- und Ackerland, auf dem sie 40 Gemüsesorten für sie alle angepflanzt haben. Viele Bewohner ernähren sich vegetarisch. Es gibt eine Ziegenherde, Schafe, Hühner, eine Imkerei, drei Gewächshäuser – jeder Bewohner darf dreimal täglich in der dorfeigenen Kantine mitessen und zahlt dafür lediglich einen festgelegten, monatlichen Beitrag. Dieser Versorgerkreis bleibt von agrarpolitischen und marktwirtschaftlichen Gegebenheiten unberührt.

Die Sache mit dem Geld

Privatbesitz an Grund und Boden gibt es nicht. Das Schloss Tempelhof ist gekauft worden und jeder Bewohner hat unabhängig von der Höhe seines finanziellen Beitrags das gleiche Stimmrecht. Die Bereitschaft der einzelnen Bewohner sich von der Verknüpfung von Geld und Wert zu lösen, ist grundlegend. Dazu legt jeder Bewohner seinen Verdienst offen. An sich sollte jeder Mensch, der einzieht, in der Lage sein, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Aber einige Bewohner arbeiten in der Verwaltung, am Bau, in der Küche und in der Landwirtschaft gegen ein Bedarfseinkommen. Grundlegend ist, dass es keine Führungsfigur gibt, sondern dass jeder für das gesamte Geschehen mitverantwortlich ist. Zusammenleben bedeutet für die Gemeinschaft Schloss Tempelhof, dass jeder gibt was er kann – und bekommt was er braucht.

Vorschau: Kleidung und Bücher online kaufen ist doch klar – aber Lebensmittel? Am Dienstag, 20. Mai, berichten wir im Panorama über eine Studentin, die sich in ihrer Masterarbeit mit ebendiesem Thema beschäftigt und eine Konsumentenbefragung durchgeführt hat. Ihr dürft gespannt sein!

 

 

 

Mediengleichschaltung, Zensur und Montagsdemonstrationen

KOMMENTAR:

Habt ihr einen Fernseher zuhause? Schaut ihr oft fernsehen? Schaltet das Ding ab! Wir brauchen es nicht mehr. Über das Internet bekommen wir Informationen, die sonst nicht zugänglich sind. Informationen, die von den Massenmedien totgeschwiegen werden. Je mehr man sich informiert, desto erschreckender wird es. Denn auch die bekannten Online- Medien gehören zum selben Netzwerk, dem nicht mehr zu trauen ist.

Das neuste Beispiel, das wir sehen können, ist die Berichterstattung zur „Krise“ in der Ukraine. Egal ob es die ProSieben Media AG, Der Spiegel Verlag oder die von uns gezahlten GEZ Medien ARD und ZDF sind, die momentan wegen einiger Fälle stark in der Kritik stehen, so stellen alle Russland und allen voran Putin als Feindbild hin, während die USA die Guten sind. Doch ist alles einseitig berichtet? Ein einzelner West-kritischer Bericht auf dem NDR um 23:20 Uhr gegen Hunderte Russland-feindliche. Nur ab und an werden die „Verdachte“ über eine beginnende Destabilisierung der Ukraine geäußert, jedoch nicht gegen Amerika.

Wer bei den großen Medien heutzutage Journalist werden will, muss unterschreiben, über bestimmte Themen nicht zu berichten. Die Leitsätze des Axel-Springer Verlages (hauptsächlich Die Bild und Die Welt) besagen sogar „Die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika“. Doch wer nimmt sich die Zeit, sich die Gegenseite anzuhören? In der Ukraine selbst werden sogar russische Fernsehsender zensiert.

Der Westen, sprich USA, EU und NATO, bildet ein Bündnis und werfen der russischen Gegenseite Völkerrechtsverletzung vor. Doch wie können Völkerrechtsverletzer anderen Völkerrechtsverletzung vorwerfen (frei nach Gregor Gysi)?

Eine eindeutige Botschaft: Montagsdemonstrationen (Foto: Föhr)

Eine eindeutige Botschaft: Montagsdemonstrationen (Foto: Föhr)

1989 zerfällt die UDSSR und Deutschland wird wiedervereinigt. Die Montagsdemonstrationen der Bevölkerung tragen wesentlich dazu bei. Im Gegenzug für die Wiedervereinigung verspricht der Westen, dass die NATO sich nicht weiter nach Osten ausweiten wird. Keine zwei Jahrzehnte später wird dieses Versprechen gebrochen. Die Ukraine ist nur ein weiterer Schritt der NATO Ausweitung, direkt an Russlands Grenzen. Es droht sich zu einer kriegerischen Auseinandersetzung aufzuschwingen.

Die Montagsdemonstrationen flammen nun wieder auf. Diese sind jedoch nicht gegen die USA oder für Russland, noch sind sie von einer Partei organisiert oder sonst politisch engagiert. Es sind Mahnwachen FÜR den Frieden. Achtung! Freidenkeralarm! In Berlin haben sich innerhalb von 3 Wochen die Zahlen der Demonstranten von 1500 auf 3000 erhöht. Auch in 22 anderen Städten in Deutschland gibt es bereits diese Montagsdemonstrationen. Die Medien schweigen sich über das Thema aus.

Erst in den letzten Tagen zeigen sich aufgrund der immer lauter werdenden Proteste die ersten Reaktionen der Medien. Und wie immer, wenn eine Bewegung im Keim erstickt werden soll, wird die Nazikeule geschwungen. Jetzt liegt es an euch: Glaubt ihr also einfach alles, was die Medien euch berichten? Oder informiert ihr euch selbst? Habt ihr den Mut selbst bei einer dieser Mahnwachen vorbeizuschauen? Ob ihr da wirklich nur rechtsradikale sehen werdet oder Gleichgesinnte, die nur Frieden wollen, das müsst ihr selbst herausfinden. Und vielleicht werdet ihr ja den Demonstrationen beiwohnen oder eine eigene in eurer Stadt machen. Denn: „wer nicht mehr versucht zu kämpfen kann nur verlieren.“ (aus: Die Ärzte- Deine Schuld)

Tinderkinder: Die Flirt-App Tinder im Test

Kommt es soweit mit Tinder? Persönliches Treffen im Cafe. (Foto: Mungenast)

Kommt es soweit mit Tinder? Persönliches Treffen im Cafe. (Foto: Mungenast)

„Schau dir Tinder mal an und finde heraus, wer in deiner Nähe auf dich steht!“ Diese Aufforderung eines Freundes landet Mitte Februar auf meinem Handy. Ich bin kein Fan von Online-Dating-Seiten, aber neugierig bin ich dennoch auf diese App. Tinder gibt es seit 2012 und wurde zuerst auf dem Campus der University of Southern California verbreitet. Die App erleichtert das gegenseitige Kennenlernen seiner Nutzer.

Die Bedienung ist einfach, wenn du bereits ein Facebook- und Googlekonto hast: Zunächst die kostenlose App herunterladen, Bilder von dir hochladen und deinen Vornamen angeben. Entscheide, ob du Männer oder Frauen suchst und wie weit sie von dir entfernt wohnen dürfen – schon geht es los: Dir werden Fotos von Singles präsentiert und du kannst entscheiden, wen du sympathisch findest. Klicke auf das Herz, wenn er oder sie dir gefällt. Wenn du ihm oder ihr auch gefällst, habt ihr ein Match und dürft euch in der Chat-Funktion der App schreiben. Wenn kein Match zustande kommt, klicke das Kreuz und es passiert nichts weiter und keiner von euch wird je erfahren, dass ihr einander nicht sympathisch fandet.

Erste Gehversuche: Ein erstes Match kommt mit Tom und Vincent zustande. Ich habe die Entfernung zu hoch eingestellt. Auch weitere Matches ergeben sich mit Schweizern und Franzosen – alles mehr als 50 Kilometer weg. Ich erfahre später im Chat, dass sich manche lediglich im Zug und auf der Durchreise befanden, sodass die Entfernung meiner Stadt mit seiner bis zu 200 Kilometer betragen kann. Ich sichte Fotos und klicke Herz oder Kreuz. Dieses Spiel macht mir Spaß und ich scrolle mich Stunden lang durch Fotogalerien und Headlines: „Wir sind Tinderkinder“, „Don’t be niggardly with your emotions. Just run it up the flagpole and see who salutes“, „Ich bin bereit darüber zu lügen, wie wir beide uns kennen gelernt haben.“. Ich herze sie alle.

Es dauert etwas, bis die Ersten bereit sind mehr zu schreiben, als „Hallo, wie geht’s?“ Aber dann: Der erste lange Chat mit Carlo.

Carlo: Du siehst ganz harmlos aus, bist du es auch?
Ich: Würde ich so nicht sagen.
Carlo: Was unterscheidet denn dich von anderen Frauen?
Ich: Eine Menge.
Carlo: Was erhoffst du dir von Tinder?
Ich: Nette Leute kennen lernen und Spaß. Und du?
Carlo: Was Männer halt so suchen: Hemmungslosen Sex. Und das andere: Liebe, Zärtlichkeit, Zuneigung.
Ich: Verstehe ich.
Carlo: Nein, ich teste einfach mal Tinder. Ich mag das Prinzip von Zufall und Sympathie auf den ersten Blick. Ich lasse mich überraschen. Die Überraschung ist dir wohl gelungen.
Ich: Aber das gnadenlose Selektieren, finde ich etwas unheimlich hier.
Carlo: Ist doch in der Realität nicht anders.
Ich: Stimmt auch wieder.
Carlo: Du willst doch bestimmt mal Kinder und so?
Ich: Keine Ahnung, ja, denke schon, wenn es sich ergibt.
Carlo: Vielleicht findest du mal den Weg zu mir.
Ich: Du bietest mir schon jetzt Kinder an? Vielleicht bin ich dein größter Albtraum?
Carlo: Glaub ich nicht. Was sollte dich denn von anderen Frauen unterscheiden?
Ich: Heißt das, dass keine Frau je dein Albtraum war, sondern du nur deren?
Carlo: Ja, so schlimm waren sie dann doch nicht.
Ich: Was hast du nur für langweilige Frauen getroffen, wenn du glaubst, dass Frauen alle gleich sind?
Carlo: Du bist anders?
Ich: Frech! Du greifst nicht nur Frauen an, sondern auch mich … schöne Sache. Anders als langweilig auf jeden Fall. Ich bin ein Albtraum, sagte ich doch. Aber was bist du denn eigentlich? Immer nur fordern, geht ja nicht.
Carlo: Du überraschst mich. Was forderst du denn?
Ich: Demut! Und, dass du mal anständiger über Frauen im Allgemeinen und mich im speziellen schreibst!
Carlo: Eins nach dem anderen. Hast gerade den Eisprung?
Ich: Na klar.
Carlo: Was suchst du denn? Romantik? Ist zwischen uns ja wohl schon ein wenig verpufft, außer ich komme noch als Prinz auf einem weißen Pferd. Soll ich dein Freund werden?
Ich: Ja, heirate mich, aber ich weiß eben nicht, ob ich bei dir bleiben will.
Carlo: Mir gefällt es, dass du Humor hast.
Ich: Danke.
Carlo: Habe schon lange niemanden wie dich erlebt.
Ich: Ist das ein Kompliment oder eine Feststellung?
Carlo: Darfst du entscheiden.
Ich: Wie heißt du denn auf Facebook?
Carlo: Willst du mich echt bei Facebook suchen? Da geht die ganze Spannung verloren.
Ich: Ja, ich kann, um die Spannung zu halten, jetzt auch nicht suchen.
Carlo: Nein, stalke mich mal. Gehst du zufällig auf das Oktoberfest?
Ich: Wieso?
Carlo: Nur so.

Drei Minuten später habe ich Carlo bei Facebook geaddet und wir haben uns nie wieder ein einziges Wort geschrieben.

Vorschau: Ab sofort veröffentlicht die Panorama Redaktion nur noch alle zwei Wochen. Am Dienstag, 08. April lest ihr über Arbeiten in der Zukunft (Homeoffice und Co.).

Neuer Flussdelfin entdeckt

Wie wenig wissen wir über die Biodiversität unserer Welt? Jedes Jahr werden neue Tierarten entdeckt. Manche Arten gelten bereits als ausgestorben und erst nach langer Zeit werden neue Individuen entdeckt. Das erste Mal seit über Hundert Jahren, genauer seit 1918, wurde Anfang des Jahres eine neue Flussdelfinspezies entdeckt und beschrieben.

Flussdelfine gehören zu den Zahnwalen, ebenso wie die eigentlichen Delfine. Jedoch sind die Flussdelfine nur entfernt mit den echten Delfinen verwandt. Flussdelfine leben, wie der Name schon sagt im Süßwasser. Nur eine Art, der La-Plate Delfin, der als einer der kleinsten Wale gilt, lebt als Einziger im Meer. Jedoch leben auch drei Arten der echten Delfine im Süßwasser.

Flussdelfine leben in trüben und engen Gewässern. In Ostasien gibt es den chinesischen Flussdelfin, der jedoch möglicherweise bereits ausgestorben ist. Im Amazonasgebiet leben weitere drei Arten, eine davon ist die neu entdeckt Art. Im Ganges lebt der Gangesdelfin, der jedoch nicht mit den übrigen Flussdelfinen verwandt ist und eine eigene Familie bildet.

Der neu entdeckte Flussdelfin heißt Inia araguaiaensis und wurde in Brasiliens Araguaia Flussbecken entdeckt. Auch wenn in diesem Gebiet Delfinsichtungen häufig sind, so konnte jedoch mittels genetischer und morphologischer Befunde geklärt werden, dass es sich hierbei um eine eigene Art handelt. Der Zoologe Hrbek aus London, Großbritannien, der die Studie veröffentlichte, erklärt es sich dadurch, dass einfach niemand richtig geschaut habe.

Es konnte geklärt werden, dass der neue Delfin, auch wenn er sich auf den ersten Blick nicht wirklich von den anderen Flussdelfinarten unterscheide, eine andere Kopf und Kieferstruktur besitzt. Die Analyse des mitochondiralen Genoms zeigt, dass die Arten sich vor ungefähr 2 Millionen Jahren getrennt haben könnten.

Leider könnte der neu entdeckt Flussdelfin ebenso schnell wieder verschwunden sein, wie er entdeckt wurde. Wasserverschmutzung, Jagd und unabsichtliche Tötung durch Fischernetze führen dazu, dass die Flussdelfine zu den am meisten vom Aussterben bedrohten Wirbeltieren gehören.

 Vorschau: Nächsten Monat geht es um Tiere, die für uns als überaus häßlich gelten.

Dem „Sprachtod“ begegnen: Wie der Sprachwissenschaftler Joshua Wilbur das Pitesaamische dokumentiert

Feldforscher bei den Pitesaami: Joshua Wilbur zu Besuch in Schweden. (Foto: Joshua Wilbur)

Feldforscher bei den Pitesaami: Joshua Wilbur zu Besuch in Schweden. (Foto: Joshua Wilbur)

Weltweit sprechen ungefähr 1,3 Milliarden Menschen Chinesisch, 510 Millionen sprechen Englisch und es sind immerhin 120 Millionen, die Deutsch sprechen. Im schwedischen Lappland sind es hingegen gerade noch 30 Menschen, die die uralische Sprache der Pitesaami sprechen.
Die Saami sind ein indigenes Volk im Norden Fennoskandinaviens [Anmerk. d. Red.: Es handelt sich hierbei um die Bezeichnung für die skandinavische Halbinsel Finnland, Karelien und die Halbinsel Kola] und die 30 Sprecher des Pitesaamischen stammen alle aus dem Dorf Arjeplog.

Joshua Wilbur (39) ist ein amerikanisch-deutscher Feldforscher. Als solcher dokumentiert er im Auftrag der Stiftung „The Hans Rausing Endangered Languages Project“ und der Freiburger Arbeitsgruppe zur saamischen Forschung das Sprachsystem der Pitesaami. Er hat einige Reisen nach Schweden unternommen und dort einige pitesaamische Sprecher gefunden, die ihm helfen wollen, sein Projekt voranzutreiben. Face2Face erzählt Josh, warum die Sprache der Pitesaami wahrscheinlich aussterben wird, was die Saami in ihrem Kaffee mögen, und warum Rentier viel schmackhafter ist, als Elch.

Moderne Tierzucht: Die Bewegungen der Rentierherde kann mit einem speziellen Computerprogramm verfolgt werden. (Foto: Joshua Wilbur)

Moderne Tierzucht: Die Bewegungen der Rentierherde kann mit einem speziellen Computerprogramm verfolgt werden. (Foto: Joshua Wilbur)

Face2Face: Josh, wie kommt man darauf, sich mit einer wahrscheinlich aussterbenden Sprache Skandinaviens zu beschäftigen?
Josh: Ich habe 2008 angefangen mich mit dem Pitesaamischen zu beschäftigen und ich bin auch nicht der Erste. Ein befreundeter Kollege brachte mich auf das Thema und, da ich schwedisch spreche, interessierte ich mich für das Pitesaamische besonders. Insgesamt gibt es ungefähr 24.000 Menschen in Lappland, die eine der samischen Sprachen sprechen. Es gibt je nach Art der Einteilung zehn oder mehr samische Sprachen. Die verbreitetste Sprache ist Nordsamisch mit rund 17.000 Sprechern.
Ich hatte nur den Namen von einer alten Dame in Schweden und fuhr los. Sie wusste nicht, dass ich komme. Ich habe direkt vor Ort bei ihr angerufen und habe mich und mein Vorhaben vorgestellt. Ich hatte Glück, die Dame hatte fast zeitgleich begonnen eine Wortliste anzulegen, die alle pitesaamischen Worte auflistet, die sie kennt.
Ein Wort, das zum Beispiel eine sehr bestimmte Art von Rentier beschreibt(etwa eines mit nur einem halbseitigen Geweih, da die andere Seite abgebrochen ist),  benötigt, um es das im Schwedischen auszudrücken, zwei, drei Sätze. Pitesaamisch ist sehr bedroht und mein Hauptziel ist eine moderne Dokumentation der Sprache. Es ist kein Versuch die Sprache zu retten. Sondern es geht mir darum, die Sprache zu dokumentieren, bevor es keine Sprecher mehr gibt und man nicht mehr fragen kann: „Wie funktioniert eure Sprache?“

Face2Face: Und, wie funktioniert deren Sprache?
Josh: Ich interessiere mich als Sprachwissenschaftler für grammatische Gegebenheiten. Ich stelle Fragen, wie zum Beispiel: „Was heißt „Hund“, oder „Ich gehe zu dem Hund“, oder „Mit dem Hund“. Ich dokumentiere aber auch, wenn sich die Sprecher frei miteinander unterhalten, um herauszufinden, wie die Sprache im Alltag eingesetzt wird und nicht nur, wenn ich gezielt frage. Mich interessieren alle Themen, die die Sprecher interessieren. Das alles nehme ich auf Video auf und werte das dann aus. Auch um zu zeigen, was die Menschen machen: Ein Rentier schlachten oder auf der Jagd sein oder fischen gehen. Ihren Alltag möchte ich mitdokumentieren. Ich habe persönlichen Kontakt zu den Sprechern und es haben sich auch Freundschaften herausgebildet. Das hilft mir bei meinen Dokumentationen sehr.

Bei der Arbeit: Feldforscher und Sprecherin Dagny fertigen Wortlisten an. (Foto: Joshua Wilbur)

Bei der Arbeit: Feldforscher und Sprecherin Dagny fertigen Wortlisten an. (Foto: Joshua Wilbur)

Face2Face: Ist dir das Erlernen des Pitesaamischen schwer gefallen?
Josh: Da das Saamische nicht aus der gleichen Sprachfamilie kommt, wie beispielsweise Französisch oder Englisch ist das Pitesaamische für mich schon eine schwer zu erlernende Sprache. Die ursprünglichen Sprachen der Samen sind mit dem Finnischen, Ungarischen und Samojedischen verwandt. Um ein Beispiel zu geben – es gibt neun Fälle: Nominativ, Genitiv und Akkusativ sind aus der deutschen Sprache bekannt, aber der Illativ, für Bewegung auf etwas hin, der Inessiv, für Ortsangaben, der Elativ, für Bewegung aus etwas heraus, der Komitativ für „mit etwas oder mit jemandem“ und der Abessiv für „ohne etwas oder ohne jemanden“ und schließlich der Essiv für „als etwas“, sind nicht leicht zu unterscheiden. Für das Substantiv „Fleisch“ gibt es beispielsweise für Singular und Plural 17 unterschiedliche Formen zu lernen. Daran übe ich noch.

Dokumentation: Josh filmt das Leben der Saami. (Foto: Joshua Wilbur)

Dokumentation: Josh filmt das Leben der Saami. (Foto: Joshua Wilbur)

Face2Face: Wie kann man sich das Leben eines pitesaamischen Sprechers denn vorstellen?
Josh: Wenn man sie auf der Straße trifft und wenn sie nicht gerade ihre Tracht tragen, dann erkennt man nicht, dass es Pitesaami sind. Für die meisten Sprecher dominiert Schwedisch im Alltag und im Beruf. Fast alle sind über 50 Jahre alt, der Jüngste ist 36. Alle sind miteinander verwandt, aber wohnen verstreut – von Sprecher zu Sprecher fuhr ich manchmal bis zu 100 Kilometer weit. Während manche der Sprecher in Rente sind oder beispielsweise in einem Büro arbeiten, sind einige von ihnen noch traditionell Rentierzüchter oder jagen Elche. Sie verkaufen ihre Rentiere und essen sie auch, davon leben sie letztendlich. Die Elche, die sie jagen, werden lieber verkauft, als selber gegessen, denn ein Saami fragt sich: Warum soll ich Elch essen, wenn ich Rentier essen kann? So hat es mir ein Rentierzüchter dargestellt, der Rentier viel schmackhafter findet als Elch.
Heute herrscht eine Mischung aus Tradition und Modernität: Sie sind teilweise Rentierzüchter oder Fischer, aber verfolgen die Bewegungen ihrer Herde mit einen speziellen Computerprogramm, das ihnen aufzeigt, wo sich die Tiere aufhalten.
Die Züchter sind semi-nomadisch, im Sommer sind sie mit den Rentieren oben in den Bergen und im Winter im Tal, wo es nicht ganz so kalt ist. Sie ziehen zweimal im Jahr mit den Rentieren hin und zurück. Sie orientieren sich dabei am Flusslauf. Heute machen sie das mit dem Motorschlitten oder dem Auto in einer Woche, früher hat das noch zwei Monate gedauert. Aus dieser Zeit stammt auch noch, dass die Saami mehrere Häuser besitzen. Meist ein großes, schwedisches Haus in Arjeplog sowie ein Sommer- und ein Winterhaus. Das sind aber eher Holzhütten. Früher waren die Züchter mit den Rentieren zusammen, heute fahren sie nach Hause.

Face2Face: Welche Gründe gibt es, dass die Sprache des Pitesaamischen wahrscheinlich ausstirbt?
Josh: Die Ursachen für das Verschwinden der Sprache kamen im letzten Jahrhundert auf:  Der schwedische Staat ging in den letzten 150 Jahren aggressiv gegen pitesaamische Sprecher vor. Sie haben zwar keinen Krieg geführt, zwangen aber beispielsweise die Familien ihre Kinder in die Schulen zu schicken. Da es eine riesige Landfläche ist, auf der die Sprecher leben, war das nicht einfach. Die Kinder sind meistens ohne Familie näher an die Schulen gezogen.
Ich kenne ein paar ältere Sprecher, die Pitesaami sind, aber die nicht sprechen wollen, weil sie sich schämen. Sie wollen nicht darüber sprechen, sie haben seit sie Kinder sind gehört, dass ihre Sprache nicht gewollt ist, das hat sich bis heute bei ihnen festgesetzt.
Im Gegensatz zu heute, wo es gewünscht ist, dass Kinder zwei Sprachen lernen, war es in Schweden damals unerwünscht. Zeitweilig wurde der Gebrauch der samischen Sprachen in den staatlichen Schulen sogar verboten. In Finnland und Russland galt dieses Verbot bis in die 1960er Jahre. Darin liegt die Ursache, dass heute viele alte Saami ihre Muttersprache nicht mehr sprechen, während jüngere Leute einige der samischen Sprachen und Dialekte wieder lernen.

Face2Face: Was ist dir als Ausländer bei den Saami aufgefallen? Gibt es kulturelle Unterschiede?
Josh: Ja, die Saami trinken den ganzen Tag über nur Kaffee. In das Getränk wird dann milder Käse geschnitten und dieser wird weich, löst sich aber nicht auf und dann wird der Käse aus dem Kaffee gegessen. Auch gekochtes und geräuchertes Fleisch schneiden sie in den warmen Kaffee und essen und trinken das. Das ist für einen Ausländer etwas gewöhnungsbedürftig, aber mir schmeckt es auch. Und mir fiel auf, dass Saami eher weniger „Danke“ sagen. Das war auffällig, weil in Schweden und auch in Deutschland hinter fast alles ein „Danke“ gesetzt wird. Wir bedanken uns sehr viel. Das machen die Saami weniger. Meine Gastgeschenke wurden schweigend entgegen genommen und ich fragte mich, ob sie sich freuen. Aber wenn sie dann zum Beispiel den mitgebrachten Schwarzwälder Schinken essen, beteuern sie sehr herzlich, wie gut er schmeckt. Da habe ich gemerkt, wie stark ich von meinem Kulturkreis in dieser Angelegenheit geprägt bin. Der Dank der Saami äußert sich einfach anders als unserer.

Wohngebiet der Saami: Sprachausbreitung und Verteilung der Sprachen. (Foto: Joshua Wilbur)

Wohngebiet der Saami: Sprachausbreitung und Verteilung der Sprachen. (Foto: Joshua Wilbur)

Face2Face: Wie weit bist du mit deiner Dokumentation? Wie lang wird dein Projekt noch dauern?
Josh: Ich habe vom Hans Rausing Endangered Languages Project Fördermittel für zwei Jahre erhalten, danach beantrage ich das Geld erneut, um weitermachen zu können. Ob es klappt, kann ich heute noch nicht sagen. Darauf bin ich angewiesen, sonst ist die Dokumentation leider zu Ende. Aber die Sprache an sich findet kein Ende und entwickelt sich immer weiter. Es gibt so viele Dinge, die dokumentiert werden müssen. Meine nächste Reise findet wahrscheinlich im Sommer oder Herbst 2014 statt. Dann werde ich meine pitesaamischen Freunde wieder sehen. Ja, dieses Projekt endet so schnell erst einmal nicht.

Mehr Fotos findet ihr auf unserer Facebook-Seite: Pitesaami

Vorschau: Nächste Woche lest ihr im Panorama über Corporate Happiness und ob es das überhaupt gibt.

Modetrends, Musiktrends und Lebensgefühl im Einklang

Mode ist mittlerweile so vielschichtig geworden wie das Leben selbst. Sie wird von vielen Dingen beeinflusst, über die man in diesem Zusammenhang gar nicht nachdenkt. So ist sicherlich bereits einigen aufgefallen, dass die Menschen mit denen man sich beim Feiern umgibt, meist ähnlich gekleidet sind.

Trends werden mittlerweile nicht mehr nur noch von Filmstars oder den großen Modehäusern vorgegeben, sondern teilweise von musikalischen Trends begleitet und zum Teil sogar gelenkt.

Das beste Beispiel hierfür ist die immer populärer werdende Musikrichtung des Elektroswing. Charme und Glanz der Vergangenheit werden hierbei mit aktuellen Beats untermalt. Typisch für den Style dieser Musikrichtung sind Fliege, Hemd, Hosenträger und ein Hut oder eine „Batschkapp“, welche auch als Schiebermütze bekannt ist. Wer das Sortiment der großen Modehäuser ab den Herbstkollektionen verfolgt hat, dürfte über jedes dieser Kleidungsstücke mehrfach gestolpert sein.

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Hallo, hier Trend am Apparat: Hosenträger, Schiebermützen und Anzugschuhe erleben auf der Tanzfläche ihr Comeback (Foto: Obermaier)

In allen spezifischen Clubs, welche sich auf eine Musikrichtung beschränken, ist zu erkennen, dass die Mode mit der Musik einher geht. Lediglich noch in Großraum Diskotheken ist eine tatsächliche Vielfalt gegeben. Während eleganter aufgebaute Elektroclubs meist von Hemden, Anzugschuhen und Stoffhosen geprägt sind, sieht man in einem typischen „Indie Club“ eher Cardigans, Print-Shirts Chinos und Chucks.

Es ist das Lebensgefühl, dass wir nach außen transportieren durch die Kleidung die wir tragen. Es ist das Gefühl, das wir empfinden, bei der Musik, die wir hören.
Deswegen vereinigt sich mittlerweile die äußere Erscheinung immer mehr mit genau diesem Lebensgefühl, dass uns Musikvideos oder die Künstler präsentieren.

Und so, wird auch zukünftig die Mode von vielen Faktoren beeinflusst und neue Musiktrends werden Kleidungskombinationen erneut aufleben oder gar ganz neu erscheinen lassen. Dann wird es jedem selbst überlassen sein, im Gesamtbild der Menschenmenge zu verschwinden, oder durch Highlights als Trendsetter zu erstrahlen.

Vorschau:

Wie aus Nena Helene Fischer wurde…

Bekommt man einen Flyer für eine Party in die Hand gedrückt, so sind Musikrichtungen, wie zum Beispiel Elektro – in allen möglichen Ausführungen von Elektro-Swing bis Dubstep -, Hip-Hop und auch Oldies vertreten. Was aber auffällt ist, dass auf solchen Partys zunehmend auch Schlager gespielt wird. Es gibt heute nicht mehr nur die kleine Ecke im hinteren Teil des Clubs in der die Mallorca-Hits 1999 gespielt werden, sondern auch auf der Haupttanzbühne wird Schlager gespielt.

Vor noch fünf Jahren war dies unvorstellbar. Wie ist die Schlagermusik zu Mainstream geworden?

Es gibt eine Entwicklung, die mit der „Neue Deutschen Welle“ in den 80er-Jahren begonnen hat: Deutschsprachige Musik war zuvor noch Alt-Herren- und Damen-Musik. Für die damalige Jugendkultur war eine solche Musikrichtung spießig, verstaubt und als Partymusik nicht vorzustellen.

Aber mit der richtigen instrumentalen Untermalung und den passenden frechen Texten kam es zum Wandel. Nena, die Spider Murphy Gang, Falco, Trio und Co. modernisierten die biedere Fassade der deutschsprachigen Musik und wurden bekannt und berühmt.

Bis heute besitzen Lieder wie „Skandal im Sperrbezirk“, „Rock me Amadeus“ und „99 Luftballons“ Kultstatus. Hier wurde erstmals gezeigt, dass deutschsprachige Musik kein Kaffee und Kuchen-Ambiente, sondern auch einen „Kippe-anzünden-und-Feiern-gehen-Charakter“ besitzt. Aus braver Heintje-Musik wurde erstmalig rockige deutschsprachige Musik.

Gute Stimmung: Auch bei Schlagermusik gibt es nicht viel Platz auf der Tanzfläche (© Nik Styles / pixelio.de)

Gute Stimmung: Auch bei Schlagermusik gibt es nicht viel Platz auf der Tanzfläche (© Nik Styles / pixelio.de)

Die Schlagerszene schlafend zurücklassend, entwickelte sich nur die Popmusik: Nur zwanzig bis dreißig Jahre später, gibt es nun eine immense Vielfalt an deutschsprachiger Musik: Hits der „Neuen Deutschen Welle“, Chillmusik von Clueso und Philip Poisel, Rock von Kraftklub und Jennifer Rostock, Hip-Hop von Freundeskreis über die Sekte bis hin zu Kollegah und Materia, aber auch Party-Reaggae von Seeed gingen hervor.

Laut einer Auswertung von FOCUS und der Marktforschungsfirma Media Control waren 2012 43,28 Prozent der meistverkauften Alben in Deutschland deutschsprachig. Das ist noch mehr als zu den Besten Zeiten der Neuen Deutschen Welle.

Einzig und allein der Schlager entwickelte sich zunächst nicht weiter. Doch durch Sängerinnen wie Andrea Berg und Helene Fischer entstand aus Schlager etwas Neues: Ein Grund für den Erfolg des Schlagers war zum einen der Hype der deutschsprachigen Musik, der sich auch auf die Schlagerszene ausübte. Deutsche Musik wurde angesehener und mit ihr wuchs auch die Fangemeinschaft.

Doch wie schaffte es die von der Mehrheit der jungen Menschen ignorierte Musik den Sprung zum Mainstream? Der Siegeszug wächst und an ihrer Spitze steht im Moment Helene Fischer.

Die noch 29-Jährige –in der ehemaligen Sowjetunion Geborene, schafft es gleichermaßen Schlagersängerin und Entertainerin zu sein. Fans schätzen ihre Bühnenpräsenz, ihre unterhaltsame Show, bei der auch das Publikum eingebunden wird. Ihre Methode ist es moderne Pop- und Elekto-Elemente mit ihren eingängigen Schlagertexten zu mischen. Das Ergebnis ist ihr Erfolg. Ihr Album „Farbenspiel“, das am 4. Oktober 2013 erschien, erreichte in Deutschland, Österreich und der Schweiz Platz Eins.

Die Entwicklung, die in den 80er Jahren begonnen hat, zeigt immer wieder neue Ergebnisse: Es gibt zwar keine „Neue Deutsche Welle 2.0“, aber es sind die leicht verständlichen Texte mit einfachen Beats, die bei der breiten Masse der Bevölkerung ins Ohr gehen und nun auch immer mehr junge Menschen dazu bringt ihre Körper zum typisch deutschen 4/4-Takt zu bewegen.

Nachdem die Face2Face-Redaktion nun mit Helene Fischer „atemlos durch die Nacht“ ging und mit Udo Jürgens „griechischen Wein“ getrunken hat, liegen wir abschließend mit Jürgen Drews in unserem „Bett im Kornfeld“ und denken uns mit unserem Freund Roy Black: „Schön ist es auf der Welt zu sein“.

Vorschau: Am 08. März lest hier mehr über das Thema: „Mainstream-Musik ohne Message?“

Tipps zur Pflege von Orchideen

Orchideen – auch Orchidaceae genannt – gehören mit bis zu 30.000 Arten zu den größten Pflanzenfamilien. Die anmutige Pflanze hat in ihrer bisherigen Kulturgeschichte einige Verwendungen gefunden, zum Beispiel als Aphrodisiakum, Heilmittel, Dekoration oder auch im Aberglauben. Demnach lässt sich die Kulturgeschichte der Orchidee bis zu 5000 v. Chr. zurückverfolgen. Aufgrund ihrer Schönheit wird die Orchidee auch als „Königin der Blumen“ angesehen. In der chinesischen Gartenkunst symbolisiert sie Liebe, Schönheit oder auch ein junges Mädchen.

Wunderschön: Die Blüten der Orchidee (Foto: Sharifi)

Wunderschön: Die Blüten der Orchidee (Foto: Sharifi)

Einige wenige Orchideenarten werden auch als Nutzpflanze gebraucht wie zum Beispiel für die Gewinnung von Gewürzvanille, Aromatisierung für Tee und als Duftmittel für Parfüm und Tabak. Damit ihre Schönheit dauerhaft erhalten bleibt, hat Face2Face die wichtigsten Pflegetipps zusammengefasst:

1. Während die Mehrheit aller Pflanzen viel Wasser benötigt und demnach häufig gegossen werden müssen, gilt bei der Orchidee die Faustregel: Weniger ist mehr!
Da diese Pflanzenart tropisches Klima gewohnt ist, genügt es ihr in ein oder zwei Wochen einmal gegossen zu werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich kein überschüssiges Wasser im Topf befindet. Vorsicht: Zu viel Wasser lässt die Wurzeln verfaulen und die Pflanze verstirbt.

Knospen: Neue Knospen erfreuen jeden Pflanzenhalter (Foto: Sharifi)

Knospen: Neue Knospen erfreuen jeden Pflanzenhalter (Foto: Sharifi)

2. Der bestgeeignete Ort für Orchideen ist die Fensterbank einer Ost- oder Nordwestseite. Zwar soll es hell sein, aber die Pflanze nicht einer direkten Sonneneinstrahlung aussetzen. Wenn sich dies nicht vermeiden lässt, dann sollte mindestens eine Gardine als Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung gegeben sein.

3. Die tropische Pflanze reagiert auf große Temperaturschwankungen negativ, ebenso auf Zugluft – da sie sehr sensibel und tropisches Klima gewohnt ist.

4. Nach einer gewissen Zeit können sich Luftwurzeln bilden, diese sollten keinesfalls abgeschnitten werden, denn auch diese Orchideenwurzeln sind sehr empfindlich. Aus ästhetischen Gründen kann die Luftwurzeln in den Topf gedrängt werden.

5. Nicht mehr als einmal pro Monat düngen mit speziellem Orchideendünger.

6. Verfaulte Wurzeln am besten wegschneiden. Dabei sollte beachtet werden, dass abgestorbene Pflanzenteile wie gelbe Blätter keinesfalls abgeschnitten werden. Stattdessen diese vorsichtig herausziehen oder darauf warten, bis die gelben Blätter selbstständig abfallen.

Persönlicher Rat:
Die Orchideen eignen sich hervorragen für Menschen, die das Gießen von Blumen gerne vergessen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um das Last-Minute-Faschingskostüme und wie ihr diese selbst kreieren könnt.

Friedenskonferenz für Syrien – Schritt für Schritt Richtung Frieden?

Seit letztem Mittwoch laufen die Friedensgespräche zwischen der syrischen Opposition und dem Regime unter Mediation der Vereinten Nationen in Genf und Montreux. Die Erwartungen waren von Anfang an von allen beteiligten Seiten gering. Die kurzfristige Einladung Irans durch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon musste dieser unter internationalem Druck wieder zurücknehmen, nachdem die syrische Opposition daraufhin mit einer Absage gedroht hatte. Ein vorzeitiges Zeichen für das Scheitern der Konferenz?

Die Lage in Syrien ist verfahren – die syrischen Rebellen sind in verschiedene Gruppen gesplittet, das Regime unter Staatspräsident Baschar al-Assad ist nur schwerlich bereit, Kompromisse einzugehen. Dass überhaupt beide Konfliktparteien bereit sind, sich an einen gemeinsamen Tisch zu setzen, kann schon als Erfolg bewertet werden. Das bei der ersten Friedenskonferenz im Juni 2012 vereinbarte Ziel, eine Übergangsregierung unter Beteiligung der syrischen Opposition zu bilden, scheint jedoch utopisch.

Am Samstag trafen nun Vertreter beider Parteien zum ersten Mal direkt aufeinander, nachdem der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi zunächst nur einzeln mit den Parteien verhandeln konnte. Wichtigstes Thema soll eine Waffenruhe bei der Stadt Homs sein, die von Rebellen gehalten und von Regierungstruppen belagert wird. Ziel ist es vor allem, den Zugang zur Stadt zu ermöglichen, da dort tausende von Zivilisten auf Hilfsgüter angewiesen sind. Gestern konnte eine erste Einigung erzielt werden – Brahimi erkläre, dass Frauen und Kinder das Zentrum verlassen dürften. Was mit der männlichen Bevölkerung passiert und ob und wie die Vereinbarung umgesetzt wird, bleibt noch unklar.

In Syrien tobt schon seit ungefähr drei Jahren ein Bürgerkrieg, der nach Angaben der UN bereits mindestens hunderttausend Todesopfer forderte. Im Vordergrund der Auseinandersetzungen stand zu Beginn die Demokratisierung des Landes – mit der gewalttätigen Eskalation des Konflikts geriet diese jedoch immer mehr in den Hintergrund. Mittlerweile stehen Kämpfe aus religiösen und ethnischen Gründen im Vordergrund.