Der BVB schlägt zurück

Der FC Bayern München schwächt gezielt die Konkurrenz, indem er  ihr die besten Spieler für viel Geld weg kauft und dann bei sich auf der Bank versauern lässt. So lautet zumindest eine oft genannte Anschuldigung Fußball-Deutschlands an den Bundesliga-Rekordmeister. Nach den Abgängen von Mario Götze, Robert Lewandowski und Mats Hummels (wer hätte es gedacht? – alle zum FC Bayern München), in den vergangenen Jahren, hat die Borussia aus Dortmund nun genug davon, immer ihre besten Spieler zu verlieren. Der BVB schlägt jetzt zurück. Mit der gleichen Marschroute wie die Bayern – sprich die Konkurrenz durch gezielte Transfers schwächen – möchte der deutsche Vizemeister den Abstand zum Rekordmeister aus München wieder ein wenig reduzieren. Und wer bietet sich bei diesem Vorhaben der Schwächung besser als Opfer an als der FCB himself?

Flexibel auf der Auswechselbank

Das dachten sich wohl auch die BVB-Verantwortlichen und suchten fieberhaft nach einem Spieler, den sie sich vom Rekordmeister unter den Nagel reißen konnten. Das Ergebnis: Der auf der Auswechselbank flexibel einsetzbare Sebastian Rode sollte es sein. Bei denen im hohen Bogen herausgeschmissenen BVB-Millionen – laut Face2Face-Informationen soll die Ablösesumme zwischen 15 und 18 Millionen liegen,  konnte weder  der machtlos wirkende FC Bayern, noch  Rode  dem Werben der Dortmunder widerstehen und gaben am vergangenen Montag schließlich nach. „Wie du mir, so ich dir“, lachte sich das Dortmunder Triumvirat, bestehend aus BVB-Trainer Thomas Tuchel, Sportdirekter Michael Zorc und Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Watzke, wie kleine Schuljungen im Kreis stehend ins Fäustchen.

„So ist nun mal das Geschäft“

„Mit Sebastian Rode verlieren wir einen Spieler, der auf der Ersatzbank sowohl auf den Außen, als auch in der Mitte sitzen konnte. Aber was soll man machen, so ist nun mal das Geschäft“, sagte FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit knirschenden Zähnen, während er gerade am deutschen Zoll ordnungsgemäß seine importierte Rolex anmeldete. Auch der designierte Bayern-Präsident, Uli Hoeneß, war sichtlich angefressen: „Ich habe in den vergangenen 18 Monaten gelernt, was es heißt richtig zu sitzen und der Sebastian konnte dies bei uns wie kaum ein anderer“, schnaubte er. Rode freute sich dagegen schon auf „das Abenteuer bei meinem Lieblingsverein seit Kindertagen“ und gönnte sich nach seiner offiziellen Vorstellung erwartungsgemäß noch einen Abstecher an seine Lieblingsstelle – die Ersatzbank. „Durch meine vielen Auswärtsfahrten mit den Bayern habe ich national und international schon sehr viele Ersatzbänke kennengelernt, aber die Dortmunder ist mir in besonders guter Erinnerung geblieben“, lächelte er verträumt, bevor er sich zärtlich, sanft auf eben jene niederlies.

Ungewohnte Position

Weniger Grund zur Freude werden bei Rode aber wohl die Dortmunder Planungen mit seiner Person auslösen. Tuchel und Co. möchten den 25-Jährigen laut mehreren, übereinstimmenden Gerüchten auf einer für ihn in den letzten Jahren ungewohnt gewordenen Position einsetzen: Dem grünen Rasen. Fraglich, ob sich der ehemalige FCB-Star so einfach beugen wird und sein Glück auf dem Spielfeld des Westfalenstadions findet. Eine Kampfansage gegen die gemauschelten Planungen wollte Rode, der in der abgelaufenen Bundesligasaison wettbewerbsübergreifend gerade einmal 583 Minuten bei 17 Einsätzen auf dem Rasen ablieferte, aber noch nicht loslassen: „Ich freue mich auf die neue Herausforderung beim BVB. Wo diese genau stattfindet, wird die Zukunft zeigen“, gab er sich diplomatisch.

Abschiedsgruß aus Evian-les-Bains

Aus dem französischen Kurort Evian-les-Bains, bei dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft derzeit ihr Trainingslager für die anstehende Europameisterschaft abhält, twitterte Nationalspieler und jetziger Ex-Bayern-Kollege, Mario Götze, einen Abschiedsgruß: „Mach es gut Sebastian. Du wirst mir in München sehr fehlen. Ich habe mich immer sehr sicher gefühlt, wenn du links oder rechts neben mir auf der Bank platzgenommen hast! #Ersatzbankbrüder, #WieeinStrich, #Benchbuddys.“   Doch dieser Tweet muss nicht zwingend lebe wohl heißen. Die BVB-Verantwortlichen treiben ihre Planungen unbeirrt  weiter mächtig an und sollen bereits den nächsten FCB-Ergänzungsspieler auf dem Radar haben. Genau: Mario Götze.

Anmerkung der Redaktion: Für alle, die der Satire noch nicht auf die Schliche gekommen sind, sei an dieser Stelle gesagt: Alles nur Spaß. Die Zitate und dargestellten Aktionen sind rein fiktiv und dienen schlicht und ergreifend der Unterhaltung.

Vorschau:  Die brasilianische Metropole Rio de Janeiro befindet sich kurz vor den olympischen Spielen in einer misslichen Lage. Das Gebiet, in dem die Segelwettbewerbe stattfinden sollen, gleicht eher einem Tümpel, darüber hinaus greift auch das Zika Virus immer weiter um sich. Die neuesten Entwicklungen erfahrt ihr nächste Woche hier.

 

 

„Rockstar“ Rosberg und die Stimmungsfrage

Nico Rosberg grinste im grün-weißen Konfettiregen wie ein Schneekönig. Der deutsche Formel 1-Fahrer freute sich sichtlich über seinen Triumph beim Mexiko GP am vergangenen Sonntag. „Ich habe mich da oben wie ein Rockstar gefühlt“, ließ er im Anschluss Journalisten und Fans wissen.

Ein Rockstar, dem jedoch der Sprung auf den Weltmeisterthron in dieser Saison verwährt blieb. Zu stark war sein Teamkollege Lewis Hamilton im direkten Vergleich. Zu stark für das ganze restliche Fahrerfeld sowieso. Kritiker bescheinigen Hamilton im Gegensatz zu Rosberg auch den unbedingten Siegeswillen. Die Konzentration und die Galligkeit alles aus dem ohnehin perfekt konstruierten Mercedes herauszuholen. Eigenschaften, die dem Deutschen in dieser Saison das ein oder andere Mal sicherlich abhanden gingen.

Unvergesslich sein Aussetzer beim USA Grand Prix in Austin, mit dem er sich nicht nur den Sieg, sondern auch seine Restchance auf den Titel verspielte. Dass dieser Eigenfehler immer noch in den Knochen Rosbergs steckt und nach wie vor in seinem Hinterkopf wütet gab der Deutsche unverblümt zu. Der Triumph sei laut dem Wiesbadener eine „große Genugtuung“ gewesen. Auch, weil er zusammen mit dem zweiten deutschen Topfahrer im Feld, Sebastian Vettel, um den Rang um den Rang des Vize-Weltmeisters kämpft. Durch den Ausfall Vettels konnte Rosberg wieder an ihm vorbei auf Position zwei im Gesamtfahrerfeld rasen.

Klar, dass da der Jubel im Autódromo Hermanos Rodriguez besonders ausgelassen ausfiel. Weit über 130 000 Zuschauer füllten die Ränge und verwandelten den Grand Prix zu einer regelrechten Formel 1-Fiesta. Eine Stimmung, die auch Rosberg nicht verborgen blieb. „Die Kulisse war gigantisch“ grinste der Wiesbadener.

Eine Aussage, die sich – aufgrund der unglaublichen Resonanz bei Mitfahrern und Fans – auch Formel 1-Chef Bernie Eccelstone genauer anhören sollte. Der Brite muss sich die Frage stellen, ob er mit seinem bisherigen Vergabe-Kurs immer richtig lag. Fakt ist: In Vergangenheit und Gegenwart standen immer die finanziellen Aspekte im Mittelpunkt. Ist die Antrittsprämie nur hoch genug, dreht der Formel 1-Zirkus seine Runden auch in Russland, Bahrain oder Aserbaidschan. Motorsport-Kultur, Tradition oder Fan-Wünsche spielen bei der Vergabe des Grand Prix genauso eine untergeordnete Rolle wie die aktuelle Menschenrechtssituation in dem jeweiligen Land.

Eccelstone sollte aus dem stimmungsvollen Mexiko GP die richtigen Lehren ziehen und Langweiler wie Bahrain, Russland oder Abu Dhabi in eine Kiste sperren. Dies würde dem Multi-Milliardär zwar kurzfristig Scheich- und oder Diktatoren-Millionen kosten, langfristig jedoch neues Renommee bringen.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr, was es mit Aqua-Biking auf sich hat.

Erlebnis Buchkauf – drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Zum ersten Mal wird am Donnerstag, 17. September der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Das Ziel der Auszeichnung: Sie soll inhabergeführte Geschäfte gegenüber dem Internethandel und den großen Ketten fördern. Mit von der Partie sind auch drei Heidelberger Buchhandlungen.

„Sie müssen nicht in den Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt.“ – Eine Tafel mit diesem Werbeschriftzug des Diogenes Verlags steht vor der kleinen Bücherstube an der Tiefburg in Handschuhsheim.
Neben Hassbeckers Galerie & Buchhandlung und artes liberales ist sie eine von drei Heidelberger Buchhandlungen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert sind.
Er wird in der kommenden Woche in Frankfurt durch Prof. Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, vergeben.
108 Buchhandlungen in ganz Deutschland sind nominiert. Laut der offiziellen Seite des Preises sollen sie alle folgenden Kriterien erfüllen: Sie müssen ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten, sich für die Lese- beziehungsweise Literaturförderung einsetzen, ein besonderes literarisches Sortiment vertreten und ein innovatives Geschäftsmodell haben. Dabei darf ihr durchschnittlicher Jahresumsatz der letzten drei Jahren eine Million Euro nicht überschritten haben. Der Preis ist in drei Kategorien von Gütesiegeln unterteilt, sodass alle 108 prämiert werden können.

Eine freundliche Einladung zum Stöbern (© Bücherstube an der Tiefburg)

Die Bücherstube an der Tiefburg setzt sich vor allem für die Leseförderung bei Grundschulkindern ein und bietet ein äußerst vielfältiges Kulturprogramm. Dieses reicht von einer Kinderlesenacht über ein Gartencafé im Sommer bis hin zu Autorenlesungen und Literaturreisen auf den Spuren verschiedener Schriftsteller.
Seit 1982 gibt es die Bücherstube. Sie ist trotz des zweimaligen Umzuges schon seit langem ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Handschuhsheim. Obwohl sie in 33 Jahren auch um 85 m² gewachsen ist, herrscht hier immer noch eine familiäre Atmosphäre. Im kleinen Hof neben der Buchhandlung befindet sich ein Garten, der teilweise mit Ranken überwachsen ist und mit Cafétischen und Strandkorb bei gutem Wetter dazu einlädt, eine Weile zu verweilen.

„Wir legen besonders großen Wert auf persönliche Beratung und eine enge persönliche Bindung zu unseren Kunden. Es ist wichtig die Kunden zu kennen“, erklärt Regina Kaiser-Götzmann, die Inhaberin der Buchhandlung. Sie findet es gut, dass durch den Preis gezeigt wird, was der Buchhandel leistet. Deshalb hat sie sich für die Bewerbung entschieden.

Die zweite Buchhandlung ist artes liberales am anmutigen Kornmarkt.
Auch sie ist von hier, nicht mehr wegzudenken. Nur aus einem einzigen kleinen Raum bestehend, ist das Sortiment nicht besonders groß, aber sorgfältig ausgewählt. Der

© artes liberales - Buchladen, Heidelberg 2015

Ein Ort zum Schmökern und Verweilen: Die Buchhandlung artes liberales (© artes liberales – Buchladen, Heidelberg 2015)

Schwerpunkt der Buchhandlung liegt auf der Philosophie, aber auch auf mit ihr verbundenen Gebieten wie Dichtung, Künsten und Wissenschaften. Es folgt demnach nicht den aktuellen Bestsellerlisten und Empfehlungen, sondern enthält auch Schriften, die mitunter über 2000 Jahre alt sind. Artes liberales bietet auch ein großes Kulturprogramm und zwar über die zugehörige Organisation artes liberales-universitas. Dazu gehören Kolloquien, Vorträge und Lesungen.
Sehr wichtig ist Clemens Bellut, Inhaber der Buchhandlung, eine einladende Atmosphäre. „Wenn jemand sich den ganzen Tag oder auch nur einige Stunden in den Liegestuhl setzt und ein Buch liest, ist das schon ein großer Gewinn für die Buchhandlung“, erklärt er. Willkommen sei auch immer das persönliche Gespräch. Tatsächlich steht in der Buchhandlung ein Liegestuhl, direkt am Fenster, das weit nach oben geschoben werden kann, sodass man den Eindruck hat, man sitze draußen. Drum herum reichen die Regale bis unter die Decke, doch die großen Fenster sorgen stets für viel Licht.

Hassbeckers Galerie & Buchhandlung in der Haspelgasse ist die dritte der nominierten Heidelberger Buchhandlungen. Inzwischen führt Barbara Schulz die Buchhandlung weiter, die ihr verstorbener Lebensgefährte Egon Hassbecker ursprünglich in Eberbach gegründet hatte.
Die Galerie und die Buchhandlung sind inzwischen untrennbar miteinander verbunden. Das Sortiment wird mit viel persönlichem Interesse ausgewählt und bietet eine große Bandbreite.
Zudem gehört zu der Galerie und der Buchhandlung auch das Museum im Haus Cajeth. Teil des Programms sind unter anderem Lesungen, Buchvorstellungen und natürlich die Ausstellungen des Museums. Sie zeigen Bilder naiver und primitiver Künstler, deren Bilder auch an den Wänden der Buchhandlung zu finden sind. Im ersten Zimmer sind die Wände frei von Regalen geblieben, um Platz für die Bilder zu bieten. Weiter hinten, im verwinkelteren Teil der Buchhandlung, sind die Regale so hoch wie die Räume selbst, das Ambiente erinnert an ein Antiquariat mit heimeliger Atmosphäre.

Wer sich also einmal wieder ein Buch kaufen möchte, sollte in jedem Fall einmal eine der Buchhandlungen ausprobieren. Und wer weiß – vielleicht hat er dann bald ein Buch aus einer der drei besten Buchhandlungen in Deutschland?

Vorschau: Am Freitag den 25. September lest Ihr Vanessas Filmkritik zu Fack ju Göhte 2.

Enorme Qualität und viele Schweden

Am Freitag, 11. September, ist es wieder soweit: Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) startet in ihre 22. Spielzeit. Wer sind die heißen Titelanwärter, wer besitzt Außenseiterchancen? Gelingt es dem Deutschen Meister Adler Mannheim mit Neu-Trainer Greg Ireland den Titel zu verteidigen? Und wie schlagen sich die in der Vorbereitung so starken Kölner Haie mit ihren gleich sechs (!) neuen Schweden? Die Face2Face-Sportredaktion wagt eine Prognose… 

Top-Favorit:
Adler Mannheim: Klar, dass an dieser Stelle der Meister aus Mannheim genannt werden muss. Der Kader blieb nahezu intakt und bekam durch die jüngste Verpflichtung des deutschen NHL-Spielers Marcel Goc nochmals eine zusätzliche Portion Qualität verpasst. Die größte Veränderung gab es hinter der Bande. Meistertrainer Geoff Ward erlag schnell wieder den Verlockungen der NHL. Ein Verlust, der Verein und Fans gleichermaßen hart traf. Die Kurpfälzer entschieden sich mit Greg Ireland für ein eher unbeschriebenes Blatt, aber eines, das die gleiche Spielphilosophie wie sein Vorgänger vertritt.
Fazit: Die Mannschaft strotzt vor Klasse. In Punkto Qualität und Kadertiefe kann den Adlern kaum einer das Wasser reichen. Allerdings birgt der tiefe Kader auch Gefahren. Wenn alle Spieler gesund sind, müssen vier von ihnen auf der Tribüne platznehmen. Das kann schnell zu Unzufriedenheit und Unruhe führen. Ireland möchte diesem Problem mit „ausreichender und ehrlicher Kommunikation“ entgegentreten.

Titelkandidaten:
EHC RB München: Der Etat-Krösus der Liga hat erneut seinen Kader ordentlich umgekrempelt. Das Ziel ist klar: Nach zwei verpassten Play-off-Runden möchte der Brauseklub nach der Meisterschaft greifen. Mit Steven Pinizotto, Nationalspieler Frank Mauer, AHL-Star Keith Aucoin (944 Punkte in 861 Spiele), Frédéric St-Denis und Toni Söderholm haben die Münchner dafür Hochkaräter verpflichtet.
Fazit: Der Kader strotzt für DEL-Verhältnisse nur so vor Qualität. Außerdem kann der Club jederzeit reagieren, wenn die Mannschaft Verstärkung benötigt oder ein Spieler länger ausfällt. Dennoch muss Cheftrainer Don Jackson aus dem zusammengewürfelten Haufen erst einmal eine Einheit formen. Wenn die hochkarätigen Importspieler ihr Gastspiel in München nicht als Urlaub ansehen, ist vieles möglich. 

Kölner Haie: Klotzen statt Kleckern war bei den Kölner Haien in der Sommerpause die Devise. Es wurden sieben neue Ausländer geholt. Sechs davon sind Schweden. Auch der deutsche Nationalspieler Patrick Hager wurde für viel Geld von Vizemeister ERC Ingolstadt verpflichtet. Klar, dass da vom teuersten Kader der Clubgeschichte die Rede ist. Aber wird er die Kölner nach dem letztjährigen verpassen der Playoffs auch wieder in die Nähe der Meisterschaft schießen?
Fazit: Die Mannschaft hat die dringend benötigte Blutauffrischung bekommen. Vor allem im Angriff besitzen die Domstädter eine ungewohnte Tiefe. Allerdings ist auch die Erwatungshaltung riesig. Die Geduld der Fans aufgebraucht. Ein guter Saisonstart muss her, damit die Haie eine erfolgreiche Runde absolvieren.

Hamburg Freezers: Solch ein Verletzungspech wie in der vergangenen Saison soll es in Hamburg nicht mehr geben. Dafür haben die Freezers vor allem im Sturm ordentlich aufgerüstet. Der Königstransfer von Torjäger Marcel Müller ließ die Konkurrenz aufhorchen. Auch die Rückkehr von David Wolf aus Nordamerika (vier NHL-Spiele für die Calgary Flames) sorgte für nicht weniger Aufsehen. Nun besitzen die Freezers zwei deutsche, bullige und dazu noch torgefährliche Stürmer. Damit müssen sich die Hamburger im Angriff vor keinem anderen Team in der Liga verstecken.
Fazit: Die Hamburger verfügen im Angriff über vier torgefährliche Reihen. Bitter allerdings, dass mit Kevin Clark der letztjährige Spieler der DEL, den Verein Richtung Schweiz verlassen hat. Schwachpunkt bleibt nach wie vor die Abwehr. Trotz 154 Gegentoren in der vergangenen Runde, verzichteten die Hamburger auf großartige Verstärkungen. Auch das an für sich starke Torhüterduo Sébastien Caron/Dimitrij Kotschnew wird nicht jünger. Sollte jedoch der Sprung ins Playoff-Halbfinale gelingen, scheint alles möglich.

ERC Ingolstadt: Der Meister und Vizemeister der vergangenen beiden Jahre gehört auch in dieser Saison wieder zum Kreis der Titelkandidaten. Unter den zehn Abgängen musste der ERC allerdings auch Identifikationsfiguren wie Patrick Hager (Kölner Haie) und Christoph Gawlik (Düsseldorfer EG) verkraften. Doch die neu geholten Stürmer Thomas Kubalik und Brian Lebler versprechen von ihrer Statistik her Top-Verpflichtungen zu sein. Auch die Verteidiger-Neuzugänge Brian Salcido und Patrick McNeill bringen ordentlich Offensivkraft mit.
Fazit: Auf dem Papier besitzen die Ingolstadter einen guten Kader. Allerdings muss es sich erst zeigen, wie sie die Abgänge von Hager und Gawlik verkraften und die vermeintlichen Top-Neuzugänge einschlagen werden. Auch der verletzungsbedingte Ausfall von Salcido für die ersten Wochen der neuen Saison wiegt schwer. Sollte allerdings alles nach Plan laufen, ist mit dem ERC zu rechnen.

Wer wird das Rennen um die deutsche Eishockeymeisterschaft machen: Top-Favorit, Titelkandidat, Playoff-Aspirant oder doch ein Außenseiter? Foto: Privat

Wer wird das Rennen um die deutsche Eishockeymeisterschaft machen: Top-Favorit, Titelkandidat, Playoff-Aspirant oder doch ein Außenseiter? Foto: Privat

Play-off-Aspiranten:
Thomas Sabo Ice Tigers: Mit Rob Wilson übernahm ein neuer Trainer das Ruder hinter der Nürnberger Bande. Mit David Steckel, Brandon Segal, Kurtis Foster und Colin Fraser kauften die Ice Tigers nicht nur eine Menge NHL-Erfahrung ein, sondern stärkten gleichzeitig auch das körperliche Element. Bitter: Mit Nummer-eins-Torwart Jochen Reimer fällt ein absoluter Leistungsträger für ein halbes Jahr aus. Die Suche nach einem geeigneten Ersatz läuft.
Fazit: Die Franken besitzen auf dem Papier deutlich mehr Erfahrung als in der vergangenen Runde. Schlagen die prominenten Namen ein, könnte es für Nürnberg dieses Jahr weit gehen. Dies hängt aber auch davon ab, wie sie den Ausfall von Reimer kompensieren können. 

Grizzlys Wolfsburg: Mit neuem Namen versuchen die Wolfsburger ihr überschaubares Image aufzupolieren. Auf dem Eis hat sich ebenfalls etwas getan. Mit Norman Milley, Matt Dzieduszycki und Aleksander Polaczek habe drei ehemalige Leistungsträger den Club verlassen. Die neuen Hoffnungen ruhen nun auf dem schwedischen Neuzugang Daniel Wilding. Doch kann der Stürmer die letztjährige Ladehemmungen im Angriff alleine vergessen machen?
Fazit: Die bereits in der vergangenen Saison gut stehende Defensive wurde mit dem Ex-Berliner James Sharrow nochmals zusätzlich verstärkt. André Reiß und Patrick Seifert verpassen dieser zusätzliche Tiefe. Das Sorgenkind bleibt aber weiterhin der Sturm. Schwer zu sagen, wer dieses Problem auf anhieb lösen soll. Dennoch schaffen es die Grizzlys erneut locker in die Playoffs.

Eisbären Berlin: Der Rekordmeister der DEL hat zwei Seuchenjahre hinter sich. Dennoch verzichteten die Verantwortlichen um Trainer Uwe Krupp und Manager Peter John Lee auf einen großen Umbruch. Wahrscheinlich auch, weil sich der Club die teuren Vertragsauflösungen nicht leisten konnte oder wollte. Dennoch strotzt der in die Jahre gekommene Kader noch vor Meisterspielern.
Fazit: Die deutsche Fraktion gehört in Top-Form weiter zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Sieht man von Constantin Braun und Frank Hördler einmal ab, sucht man nach wahren Führungsspielern in den Reihen der Eisbären allerdings vergeblich. Auch, weil die Ausländer, mit Blick auf die Konkurrenz, nur noch Mittelmaß sind. Einzig Neuzugang Bruno Gervais sticht aus der Importmasse heraus. Für die Playoffs reicht es in diesem Jahr – mehr aber auch nicht.

Düsseldorfer EG: Die DEG stieg in der vergangenen Runde wie der Phönix aus der Asche bis ins Playoff-Halbfinale vor. Und das gelang mit einer größtenteils jungen und unbekümmerten Mannschaft. Dieser Weg wurde nun mit den Neuzugängen etwas verlassen, dafür aber mehr Erfahrung aufgewertet. Reicht diese aus, um den Abgang von DEL-Torhüter des Jahres Tyler Beskorowany und den langzeitverletzten Neuzugang Christoph Gawlik zu kompensieren?
Fazit: Der Abgang von Beskorowany schmerzt. Auf dem Papier hat die DEG allerdings an Qualität hinzugewonnen. Auch die zahlreichen deutschen Talente dürften diese Saison einen weiteren Schritt nach vorne machen. Einige Neuzugänge haben jedoch schon bessere Zeiten erlebt. Fraglich, ob sie an ihre alten Glanzzeiten anknüpfen können.

Iserlohn Roosters: Böse Zungen behaupten, dass kanadische Neuzugänge in Iserlohn neben einem Zweijahresvertrag auch noch gleich einen deutschen Pass in die Hand gedrückt bekommen. Aber in der Tat: Die Roosters führen gleich acht Deutsch-Kanadier, von denen keiner in der Bundesrepublik geboren ist, in ihrem Kader. Und damit haben sie noch keine der elf verfügbaren Ausländerstellen besetzt. Auf dem Eis musste Iserlohn die Abgänge von Sean Sullivan (Hamburg) und Brent Raedeke (Mannheim) verkraften, holten mit Loui Caporusso, Jason Jaspers, Robert Raymond und DEL-Rückkehrer Jean-Philippe Coté aber gleichzeitig Verstärkungen ins Team.
Fazit: Der kanadisch geprägte Stil stoßt bei den Fans im Sauerland auf viel Gegenliebe. Mit Blick auf die Feuerkraft hat der zweitbeste Sturm der zurückliegenden Vorrunde nichts eingebüßt. In der Verteidigung drückt aber nach wie vor der Schlittschuh. Auch die beiden Top-Center Mike York (37) und Jaspers (34) sind bereits in einem gehobenen Alter. Für die Pre-Playoffs reicht es aber allemal.

Außenseiter:
Krefeld Pinguine: Die Pinguine schafften es in der vergangenen Saison, allen Unkenrufen zum Trotz, bis in die Pre-Playoffs. Trotzdem erlebte das Team in der Sommerpause einen Umbruch. In die Jahre gekommene Akteure wie Meyers, Beechey oder Perrault wurden durch jüngere Ausländer ersetzt. In der Verteidigung wie im Tor blieb aber alles beim Alten. Die Krefelder setzen im Sturm ebenfalls auf einen Schweden. Der talentierte Eriksson soll den nach Hamburg abgewanderten Marcel Müller ersetzen.
Fazit: Der deutsche Meister von 2003 scheint zumindest auf dem Papier im Sturm tiefer besetzt. Dennoch gehören die Pinguine rein vom Etat nach wie vor zu den Underdogs der Liga. Somit sind entsprechende Schwachstellen im Kader, die eine Playoff-Teilnahme verhindern könnten, kaum zu verhindern.

Straubing Tigers: Die Hälfte der Mannschaft wurde nach der zurückliegenden Katastrophensaison in die Wüste geschickt. Gleichzeitig wurde der Spieler-Etat erhöht. Somit konnte sich Trainer Larry Mitchell viele Wünsche erfüllen. Mit Colton Jobke, Ryan Bayda, Michael Conolly und Martin Hinterstocker bediente sich der Ex-Augsburg-Coach dabei vor allem von seinem ehemaligen Club. Dies könnte ein Plus sein.
Fazit: Der Angriff ist teilweise prominent und tief besetzt. Die Ausleihe von Jung-Nationalspieler Mirko Höfflin (Adler Mannheim) könnte sich als goldwert erweisen. Die Abwehr ist dagegen eher unterbesetzt und rein körperlich betrachtet zu schmächtig, um effektiv etwas auszurichten. Trainer Mitchell wird der Leuchtturm in der Schlacht sein. Eine Playoff-Teilnahme wird dennoch schwer.   

Augsburger Panther: Alles neu macht der Mai dachten sich wohl auch die Panther und ließen in der Sommerpause keinen Stein auf dem anderen. 15 Neuzugänge stehen 16 Abgänge gegenüber. Mit Mike Steward wurde zudem ein neuer Cheftrainer vom Zweitligisten Bremerhaven verpflichtet. „Iron Mike“, wie der neue Coach genannt wird, soll die Panther wieder in ruhigere Gewässer führen. Helfen sollen dabei die beiden eingebürgerten Arvids Rekis und Ivan Ciernik, als auch das Torhüterduo Deslauriers/Meisner.
Fazit: Steward wird in Augsburg sicherlich für frischen Wind sorgen. Mit Mark Mancari, Drew LeBlanc, Ivan Ciernik und Michael Iggulden besitzen die Panther namhafte Spieler im Sturm, die allesamt allerdings auch schon bessere Zeiten erlebt haben. Die Panther bleiben damit eine (wenn nicht sogar die) große Wundertüte der kommenden Saison.

Schwenninger Wild Wings: Auch die Schwenninger haben einen großen Umbruch hinter sich gebracht. Es wird überwiegend auf die deutsche Karte, zusammen mit erfahrenen Ausländern, gesetzt. Bei gleich sechs verschiedenen Nationen in der Mannschaft wird auch gerne von der „Multi-Kulti-Truppe“ gesprochen. Neu-Trainer Helmut de Raaf muss diese zu einer Einheit formen.
Fazit: Von den Importspielern blieb nur Ashton Rome übrig. Aus Finnland, Tschechien und Schweden kamen im Gegenzug interessante Spieler in den Schwarzwald. Die Altersstruktur scheint zu passen. Allerdings fehlt es dem Team an spielerischer Klasse und dem lebenswichtigen Scoringpotenzial. Die Teilnahme an den Pre-Playoffs wäre bereits ein großer Erfolg.

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel über die neue Trendsportart Headies.

   

 

Wo, was und wie? – Fragen, die sich Einwanderer stellen

Nahezu jedes Ein- oder Auswandern folgt ausschlaggebenden beruflichen oder persönlichen Gründen. Sei es die Chance auf eine vielversprechende Karriere oder die persönliche Entfaltung und Hoffnung auf eine bessere Lebensqualität. Jedoch kommen bei diesem entscheidenden Schritt einige wichtige Fragen auf: Wo muss ich als erstes hin? Was muss ich dabei beachten und wie lange wird es dauern? Face2Face berichtet über die persönlichen Erfahrungen einer erst kürzlich zugewanderten jungen Frau:

Den Entschluss Auszuwandern fasst auch die 21-Jährige Slowakin Stanka (Stanislava) Leštinská. In ihrer Heimat habe sie „Angewandte Ethik und Deutsche Sprache und Literatur“ studiert. Allerdings sei ihr das Lernen der deutschen Sprache schwer gefallen, weswegen sie vor etwas mehr als einem Jahr beschlossen habe die Slowakei zu verlassen. „Ich wollte Geld verdienen und meine deutsche Sprache verbessern.“ Da ihr Heimatland ein Mitglied der EU ist, musste sie nicht viele Vorkehrungen treffen. Als Erstes sei sie zu ihrer Krankenkasse gegangen, um sich eine Auslandsversicherung machen zu lassen. Dort habe sie ein Zertifikat erhalten, das sie für drei Monate in Deutschland versicherte. Nach Ablauf des Quartals habe die 21-Jährige eine neue Versicherungskarte bekommen. Das Einwandern erfolgte ohne Probleme, berichtete Stanka – die sich gleich nach der Ankunft in der kleinen Ortschaft Brensbach registrierte. Nach nur zwei Wochen Aufenthalt fand Stanka bereits Arbeit: „Ich war einmal einkaufen im REWE und da stand, dass sie in der Bäckerei eine Aushilfe suchen. Ich habe meine Bewerbung da gelassen und gleich war ich in Probe und dann haben sie mich genommen. Allerdings habe sie ein Dokument vom Gesundheitsamt benötigt, damit sie die Genehmigung hatte mit Lebensmitteln zu arbeiten.

Glücklich: Stanislava Leštinská ist über ihre Entscheidung nach Deutschland auszuwandern sehr zufrieden. (Foto: privat)

Glücklich: Stanka ist über ihre Entscheidung nach Deutschland ausgewandert zu sein sehr zufrieden. (Foto: Stanislava Leštinská)

Darüber hinaus habe sich Stanka bei der Ausländerbehörde angemeldet und ihren Arbeitsvertrag abgegeben. „Jetzt muss ich alle drei Monate bei der Ausländerbehörde meine Arbeitsbescheinigung schicken.“, was die 21-Jährige ziemlich lästig findet.
Die jetzige Bäckereiverkäuferin sei sowohl mit ihrer Entscheidung als auch mit ihrer Arbeit zufrieden. „Ich bin sehr froh, dass ich so eine nette Arbeitsumgebung habe. Meine Kolleginnen sind ganz nett und mein Chef auch.“ Demnach gibt es aus ihrer Sicht keine nötigen Veränderungen die Deutschland bezüglich Einwanderer treffen müsse. „Deutschland gefällt mir sehr! Die Natur ist hier auch sehr schön. Letztes Wochenende hatte ich die Möglichkeit ein wenig von Bayern zu sehen und da ist es auch sehr schön.“
Das Land würde viele Arbeitsmöglichkeiten bieten und es gebe nette Menschen. Aus diesem Grund wolle auch ihr Bruder diese Chance nutzen. Ihre Familie habe bezüglich ihrer Entscheidung keine Einwände – lediglich die Mutter sei traurig, dass sie ihre Tochter selten sehe. Vor allem weist die 21-Jährige Slowakin anderen Einwanderern darauf hin, dass sie die deutsche Sprache unbedingt können müssen, „weil ohne Sprache sind sie hier verloren.“ Es würde ihrer Meinung nach ausreichen, wenn sie auch nur ein wenig Deutsch reden können. Auf die Frage hin, welche Zukunftspläne sie hat, antwortete Stanka wie folgt: „Ich hatte andere Zukunftspläne, ich wollte normalerweise wieder zurück in die Slowakei fahren und weiter studieren. Vor vier Monaten habe ich aber einen Mann getroffen und jetzt sind wir glücklich zusammen und frisch verlobt.“ Zudem sei Stanka vor drei Monaten nach Höchst gezogen.

Vorschau: Da wir uns bald in der vierten Jahreszeit befinden, folgt hier nächste Woche ein Rezepttipp, wie man Berliner selbst macht.

Allein, aber nicht einsam – von der heilsamen Wirkung des „me, myself and I“

Morgens wach werden, Kaffee aufsetzen, Kühlschrank öffnen, Joghurt herausfischen, Frühstücken – ein Tag, wie er ereignisloser nicht beginnen könnte. Das gilt ganz besonders dann, wenn Schlafzimmerbett und Esstisch nur knappe zwei Meter auseinanderliegen. Seit meinem kürzlichen Umzug in die erste, eigene Wohnung und dem damit einhergehenden Abschied vom WG-Leben befinde ich mich immer häufiger in meiner eigenen Gesellschaft. Und wie ich herausgefunden habe, ist die manchmal Gold wert gegenüber großen Tafelrunden und rauschenden Parties in Großraumdiskotheken.

Habe ich mich damit vom geselligen Herdentier zum Eremiten entwickelt? – mitnichten. Noch immer bin ich tagein, tagaus mehr oder weniger beschäftigt, ob bei der Arbeit oder bei aufregenden Aktivitäten nach Feierabend. Doch wenn ich einmal auf dem Heimweg bin, freue ich mich von Herzen auf die Ruhe nach dem Sturm. Die Tür aufschließen, den Geruch des eigenen Parfums oder des versehentlich liegengelassenen, offenen Müllbeutels die Nase kitzeln lassen und sich dann ganz den eigenen verschrobenen Ritualen widmen: Das kann stundenlanges Anlächeln des eigenen Spiegelbildes oder das Aufreihen des Bücherregalinhalts der Größe oder Farbe nach sein.

Bank

Auf die lange Bank geschoben: Das Zwiegespräch mit dem eigenen Ich (Foto: C.Gartner)

Das klingt alles reichlich danach, als wüsste ich mit mir selbst nichts anzufangen und würde mich daher in selbstgewählte Beschäftigungstherapie begeben. In Wahrheit jedoch empfinde ich solche unsinnigen Aktivitäten als höchst erholsam. Stumpfsinnig, aber irgendwie wahnsinnig entspannend für den Geist. Sind es doch Tätigkeiten, die meine volle Konzentration erfordern, wenn ich ihnen nachgehe, damit beim Duschen nicht etwa Seifenreste unter den Achseln zurückbleiben. Tatsache ist, dass ich es mir erlauben kann, in meinem persönlichen Exil ganz ich selbst zu sein, ohne von Mitbewohnern in flagranti beim Nutella-Löffeln im vollgekleckerten Pyjama erwischt zu werden. Das ist eine neugewonnene Freiheit, derer ich mir zuvor nicht bewusst gewesen bin, zumal sie noch vor einiger Zeit allein finanziell in weiter Ferne lag. Ganz zu schweigen von der Angst vor Konfrontation mit der vermeintlichen Einsamkeit.

Diese Angst ist heutzutage wahrscheinlich mit einer Volkskrankheit vergleichbar. Im Zeitalter von social networking und ständiger Erreichbarkeit scheinen wir den Fokus immer mehr nach außen und immer weniger in unser Inneres hinein zu richten. Öffentliche Präsenz oder mit anderen Worten das Bild, was wir anderen von uns vermitteln möchten, ist in großen Teilen steuerbar. Allein mittels Facebook können wir etwas darstellen, was wir nur allzu gern wären – besonders kreativ, humorvoll oder extravagant zum Beispiel. Uns selbst gegenüber funktioniert das nicht so leicht. Wir können uns nichts vormachen, sondern haben einzig die Wahl zwischen der Akzeptanz dessen, was wir sind oder seiner Verneinung.

Wozu letztere Variante konsekutiv führen würde, ist abzusehen. Wir behaften uns selbst mit Komplexen, weil wir neidisch auf diejenigen sind, denen wir nacheifern, die vermeintlich das haben, wonach wir uns sehnen. Wir wollen uns selbst entkommen, weil wir unzufrieden sind, aber andererseits nicht ausreichend bereit, an uns zu arbeiten und schrittweise das zu eliminieren, was wir für unsere Schwierigkeiten verantwortlich machen. Eben weil wir Angst vor der Konfrontation mit dem Ich haben, das unser größter Kritiker und unser liebster Mensch zugleich ist.

Fischschwarm

In medias res: Wir sind meistens in Gesellschaft – nur nicht immer auch in Bester (Foto: Perlowa)

Tief in uns drinnen nämlich haben wir uns selbst furchtbar gern und scheuen daher, mit diesem Ego ins Gericht zu gehen, es zu hinterfragen und darin herumzuwühlen. Lieber betäuben wir uns mit allem, was uns vor die Flinte läuft – leider gibt es auf dem Gebiet auch menschliche Sedativa, die nur dazu dienen, uns zu bespaßen, uns abzulenken und damit das zu kompensieren, was wir Einsamkeit schimpfen. „Einsamkeit“, das ist streng genommen Definitionssache. Wir sagen, alte Menschen wären einsam, wenn sie niemanden als sich selbst haben, weil ihren Partner und Freunde unter den Händen weggestorben sind und sie eigentlich nur die nächsten sind, die auf dem Sofa den Sensenmann erwarten. Wir halten uns selbst für einsam, wenn wir Single sind, sprich niemanden haben, der sein Leben mit uns teilt. Im Umkehrschluss teilen wir damit aber auch unser Leben mit niemandem, was bedeutet, dass wir uns selbst zur Abwechslung die ungeteilte Aufmerksamkeit schenken können. Wenn wir nur wollen. Wenn wir das Alleinsein als das nehmen, was es oftmals ist: Zeit, um sich zu sammeln, seine Ziele neu zu stecken, zur Ruhe zu kommen, sich auf das zu besinnen, was zählt. Fehler zu überdenken und aus ihnen zu lernen. Und wann könnte man das alles besser als singend unter der Dusche oder beim Sortieren seines Büchersammelsuriums?

„Bist du mein Typ?“ – Beuteschemata im Alltag

„Bist du mein Typ?“. Ein einfacher Fragesatz, der an der Innentür einer Damentoilette meiner Universität prangt. Er gehört zu einem Plakat, das für die Untersuchung unserer Gewebemerkmale – eine sogenannte Typisierung – wirbt. Wer sich typisieren lässt, wird automatisch Teil einer weltweit verfügbaren Spenderkartei und somit auch eventueller Lebensretter für einen Blutkrebspatienten.

Die an sich nicht verkehrte, wenn auch zweifelsohne an fragwürdiger Stelle angebrachte Werbemaßnahme – schließlich möchte ich mich nach dem Klo eigentlich lieber entspannt, als an Krebskrankheiten erinnert fühlen – brachte mich jedoch unweigerlich auch auf einen anderen Gedanken: Ist die Frage nach einem bestimmten Typ, ob nun auf Stammzellen oder Menschen angewandt, nicht ohnehin allgegenwärtig? Entscheidet die Frage nicht a priori, welchen Typ wir an unserer Seite haben?

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Typisch: Schubladendenken, das unseren Alltag durchzieht. (Foto: Perlowa)

Mich selbst ertappe ich ständig beim Nachdenken und Sprechen über „meinen Typ“. Er ist rothaarig, groß und sommersprossig – kurzum: typisch britisch. Das brachte mich nicht nur früh dazu, Bilder von Prinz Harry aus Frauenzeitschriften auszuschneiden und einen Fanclub für Ron Weasley aus Harry Potter zu gründen – immerhin hatte der drei Mitglieder! – sondern auch zu vorschneller Oberflächlichkeit. Rote Haare sind sexy. Andersfarbige (Haare) schlicht nicht mein Typ. Liest sich schwarz auf weiß beinahe wie eine rassistische Aussage; unfair gegenüber potentiellen Kandidaten, deren blond-brünette oder ebenfalls orange Eltern nicht zufällig einen Rotschopf hervorbrachten, ist es ganz obendrein auch noch.

Außerdem kann ja nicht jeder, der rote Haare hat, auch ausschließlich wegen seines Phänotyps ein Schönling sein. Ganz zu schweigen von der Grundannahme, dass jeder Kobold auch zugleich ein toller Mensch ist. Ich bin natürlich schon mit „Redheads“ ausgegangen, manche von ihnen waren sogar groß und hatten zu allem Überfluss tatsächlich auch noch Sommersprossen im Gesicht und am Körper. Langfristig zum Erfolg geführt hat das weder mich noch meine Typen. Auch wenn ich ganz offensichtlich ebenfalls in ihr Beuteschema gepasst haben muss – oder? Woher kann ich schon wissen, ob einer dieser zeitweiligen Abschnittsgefährten nicht möglicherweise eine Art ästhetischen Kompromiss eingegangen ist und es daher ausnahmsweise einer Brünetten mit Locken anstatt der sonst präferierten Blonden Kurzhaarigen gestattete, ihm ins Netz zu gehen?

Und da haben wir es scheinbar: Wenn Fische auf See einem Angler ins Netz gehen, dann geschieht das zufällig. Sie werfen ihren Köder aus und hoffen, dass überhaupt ein Fisch anbeißt. Und auch, wenn sie heimlich auf den waschechten Regenbogenfisch mit seinen schimmernden Schuppen hoffen, ist und bleibt der – anders als im Kinderbuch – auf dem Wasser leider eine Seltenheit. Selbstverständlich bedeutet das – um uns wieder von hohen Gewässern zu distanzieren und den menschlichen Selektionskategorien anzunähern – noch lange nicht, dass alle Männer und Frauen sich verzweifelt auf alles und jeden einlassen, der ihnen gerade vor die Flinte läuft. Vielmehr bedeutet das in den meisten Fällen eine gewisse Flexibilität, die glücklicherweise nicht zuletzt der Persönlichkeit zu verdanken ist. Denn die sollte doch gegenüber optischen Idealbildern immer noch im Vordergrund stehen und über die Frage entscheiden, ob du mein Typ bist oder nicht.

Vorschau: Und es geht schön weiter – mit Kolumnist Sascha und seinen Gedanken zum heutigen Jugend-und Schönheitswahn.

Harpyie- Mythologien im Namen

Die Harpyien aus der griechischen Mythologie hatten den Kopf und den Oberkörper einer hübschen Frau mit lockigem Haar, doch sie hatten große Vogelflügel und kräftige Greiffüße. Sie wurden von Zeus auf Kreta ausgesetzt, um den blinden König Phineus das Essen wegzuschnappen und ihm gerade genug zum Überleben zu lassen. Sie waren gefährlich, schnell wie der Wind und nahezu unverwundbar. Erst als die Argonauten auf Kreta landeten, wurden sie vertrieben.

In der Biologie ist die Harpyie ein großer Greifvogel. Der Entdecker einer Art darf den Namen bestimmen. Und so haben viele Naturforscher von früher sich selbst oder eine geliebte Person in einer Tierart verewigt. Auch im Nachhinein wurden Tiere zum Beispiel dem Entdecker zugeordnet, wie zum Beispiel die Darwinfinken. Und manchmal werden auch mythologische Wesen als Vorbilder für die Tiere genommen, wie etwa beim Seepferdchen oder eben bei der Harpyie.

Mit einem Meter Länge und zwei Meter Flügelspannweite gilt der Vogel, der zu der Familie der Habichtartigen gehört, zu den größten Greifvögeln der Welt. Dies ermöglicht der in Mittel- und Südamerika beheimateten Harpyie größere Beutetiere in den dicht bewachsenen Baumkronen des Regenwaldes zu jagen. Faultiere und Affen fürchten den Vogel, weil er sie direkt aus den Bäumen schnappt. Aber auch andere Vögel, Echsen und Schlangen werden von den kräftigen Krallen und Zehen der Harpyie getötet, zerlegt und ins Nest transportiert. Die bis zu 13 Zentimeter langen Klauen konkurrieren mit den Fängen eines Grizzly Bärs.

Der schwarz, weiß und grau gefiederte Greifvogel nistet in den höchsten Bäumen, wie dem Kapokbaum und dem Mahagonibaum, in Höhen von 25 bis 50 Metern. In den riesigen Hort werden bis zu drei Eier gelegt. Ist das erste Jungtier geschlüpft werden die anderen Eier nicht mehr bebrütet. Nur ein Jungvogel wird alle zwei Jahre aufgezogen. Selbstständig wird er erst nach acht bis zehn Monaten, eine relativ lange Zeit für einen Vogel von den Eltern abhängig zu sein. Mit vier Jahren erreichen die Jungtiere die Geschlechtsreife.

Die geringen Reproduktionsrate und die Rodung ihres Lebensraumes macht die Harpyie zu einer gefährdeten Art. Nur wenn die Zerstörung der Regenwälder unter Kontrolle gebracht wird, kann der Mensch dieser Art das Überleben sichern.

Was die Harpyie in Verbindung gebracht hat mit ihrem mythologischen Namensvettern, war zum Teil ihre Körpergröße. Doch ihr penetrierender Schrei ist ebenfalls ein Merkmal beider Gestalten.

Trotz ihrer Größe ist diese Art sehr unauffällig und Ornithologen und Wissenschaftler betrachten es als eine glückliche Gelegenheit, wenn sie die Harpyie zu Gesicht bekommen.

Vorschau: Nächste Woche geht es an dieser Stelle um die Baumwollindustrie.

Geh Wählen! – Ein Appell bei der Bundestagswahl seine Stimme abzugeben

Deine Stimme zählt: Wer nicht wählt, kann nicht meckern (Foto: Möller)

Deine Stimme zählt: Wer nicht wählt, kann nicht meckern (Grafik: Möller)

KOMMENTAR: Eigentlich bin ich kein Mensch, der anderen vorschreibt, was sie tun sollen. Ich bin vielmehr ein Verfechter von „leben und leben lassen“. Doch wenn es um das Thema Wählen geht, werde ich schnell energisch. Denn es liegt mir am Herzen jedem klar zu machen, wie wichtig es ist, seine Stimme abzugeben. Dabei geht es mir nicht darum eine spezielle Partei zu fördern. Es ist mir egal, ob jemand rechts, links, grün, rot, lila, gelb oder schwarz wählt. Wichtig ist nur, dass er sich Gedanken macht und der Partei, die er für richtig hält, seine Stimme gibt. Denn wählen gehen ist der leichteste Weg, die Geschehnisse in unserem Land zu beeinflussen und zudem die Lebensader jeder Demokratie.In Ländern wie Ägypten, Tunesien und aktuell Syrien kämpfen Menschen mit aller Gewalt – unter Einsatz ihres Lebens – für das Recht auf freie und faire Wahlen und gerade deshalb sollten wir, die wir das Recht bereits besitzen, es auch nutzen.

Ein weiterer Grund zu wählen: Wer es nicht tut, unterstützt damit indirekt auch extreme Parteien am rechten und linken Rand des Spektrums, denn diese profitieren von einer niedrigen Wahlbeteiligung. Zudem empfinde ich – und das ist jetzt ausdrücklich eine persönliche Meinung – Wählen als Bürgerpflicht. Schließlich betrifft Politik betrifft jeden, ob er sich damit beschäftigt oder nicht. Egal ob Mehrwertsteuer, der Bau öffentlicher Gebäude, Umweltpolitik oder Eurokrise – Politik ist überall in unserem Leben und durch unsere Stimme können wir beeinflussen, wie die Dinge laufen. Durch unsere Stimme bestätigen wir bestimmte Politiken oder drücken unsere Unzufriedenheit aus und das in großem Maße, denn schlechte Wahlergebnisse schmerzen Politiker stärker als Demonstrationen vor ihrem Fenster oder böse Briefe in ihrem Briefkasten.

Prominente Unterstützer: Auch Politiker, wie der US-Präsident Barack Obama fordern die Bürger regelmäßig auf, ihre Stimme abzugegen (Foto: Official White House Photo by Pete Souza)

Prominente Unterstützer: Auch Politiker, wie US-Präsident Barack Obama fordern die Bürger regelmäßig auf, ihre Stimme abzugegen (Foto: Official White House Photo by Pete Souza)

Im September ist die nächste Bundestagswahl und noch ist Zeit sich über die Parteien und ihre Inhalte zu informieren. Das muss gar nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Man kann einfach Nachrichten im Fernsehen schauen oder Zeitung lesen oder sich im Internet informieren. Mann muss – und kann – auch nicht alle Parteiprogrammpunkte kennen. Das ist sowieso nicht möglich. Wichtig ist nur sich Gedanken zu machen und am 22. September ein Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen. Wer sonntags keine Lust hat aus dem Haus zu gehen, kann  seine stimme ja auch per Briefwahl abgeben. Eine Sache noch zum Schluss: – und das ist wieder eine persönliche Meinung – Wer nicht wählt, kann sich nachher auch nicht über die Politik beschweren.

Das hier publizierte Kommentar spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Face2Face-Redaktion wider.

Traumberufe, Teil 12: Filmemacher

Viele von uns haben schon hie und da ein Video oder auch einen Kurzfilm gedreht – sei es bei Feierlichkeiten, auf Konzerten oder einfach als private Erinnerung an schöne Zeiten. Manche träumen davon einen erfolgreichen Film zu produzieren à la Hollywood und mit den renommiertesten Schauspielern zusammenzuarbeiten. Der Weg dahin ist allerdings nicht einfach und bedarf einer Menge Arbeit, denn aller Anfang ist bekanntlich schwer.
Welche Möglichkeiten gibt es um aus einem Hobby einen aussichtsreichen Beruf zu machen? Johannes van der Loo ist 23 Jahre alt und ein aufstrebender Filmemacher. In einem Interview mit Face2Face erzählt er über die Aussichten, seine derzeitige Projekte und gibt nützliche Tipps:

Von der Idee zum Projekt: Der angehende Filmemacher Johannes van der Loo (Foto: privat)

Von der Idee zum Projekt: Der angehende Filmemacher Johannes van der Loo (Foto: privat)

Face2Face: Was hat dich dazu bewegt ein Filmemacher zu werden? Und wie es dazu gekommen?
Johannes: Ich habe erst relativ spät angefangen mich für Filme zu interessieren, dass war wohl so mit 16 oder 17. Zu der Zeit habe ich noch viel mit Musik gemacht, aber gewusst, dass ich es nie wirklich beruflich machen möchte und dann habe ich nach Alternativen gesucht. Filme haben mir schon immer gut gefallen, mich inspiriert, vor allem wenn sie einfach perfekt gestimmt sind; also wenn Bild, Ton und Musik im Einklang sind und atemberaubende Szenen und Momente entstehen. Diese, bleiben mir oft noch über den Film hinaus in Erinnerung. Dann habe ich das ganze einfach mal mit einem 14- minütigen LEGO STOP-MOTION (Animation mit einer Legofigur: Dabei werden hunderte von Einzelbilder geschossen, in denen die Figur oder ein Gegenstand um wenige Millimeter bewegt wird Anmerkung J.S.) ausprobiert und nach richtig intensiver Arbeit gemerkt, wie viel Spaß mir das ganze gemacht hat und das es mir auch irgendwie liegt.

Face2Face: Hast du an einer speziellen Ausbildung teilgenommen? Woher hast du dein Know-How?
Johannes: Momentan befinde ich mich noch in einer Ausbildung zum Mediengestalter in Bild und Ton in einer Werbefilmproduktion in München. Ich bin im zweiten Lehrjahr und habe noch ein ganzes Jahr vor mir, indem ich noch sehr viel über professionelle Postproduktion lernen werde. Alles andere habe ich mir selbst beigebracht beispielsweise durch das Internet, durch Kursen und durch das Leben an sich. Dabei nicht zu vergessen ist das sehr zu empfehlende Buch: Filmmaking for Dummies! Allerdings sind das meiner Meinung nach alles nur Orientierungshilfen und keine Vorgaben von wegen: So ist es und nicht anders.

Face2Face: Seit wann machst du das? Und bekommst du Unterstützung?
Johannes: Naja, ich arbeite eigentlich seit 2010 darauf hin. Mit der Ausbildung, welche ich 2011 begonnen habe, wird alles von Monat zu Monat professioneller und geht weiter voran. Auch wenn für ChoesPictures direkt vieles in den Nächten und Wochen zwischen der Ausbildung stattfindet. Unterstützt werde ich auf Abruf meistens von Freunden, Bekannten und Interessierten hinter und vor der Kamera. Danke dafür!

Face2Face: Was genau ist ChoesPictures?
Johannes: ChoesPictures ist von mir 2010 ins Leben gerufen worden. Zurzeit steht es eigentlich nur symbolisch für die Filme die ich gemacht habe – also als Branding einer kleinen Filmproduktion, wie man das halt so macht. Ich wollte die Film schon im Voraus nicht als „Johannes van der Loo Filme“ verkaufen, sondern unter einem unabhängigen Namen. Schließlich stehen hinter den meisten Filmen noch eine Crew und andere Teilnehmer. Also zusammengefasst ist ChoesPictures nur die Marke unter der ich im Augenblick privat Filme entwickle, drehe und fertigstelle. Mit der Hoffnung, dass es nicht ewig unter meiner alleinigen Leitung bleibt, sondern das neue kreative Köpfe gefunden werden, welche Lust auf das Projekt haben. Bin selbst darauf gespannt, wohin sich das Ganze noch entwickeln wird.

Stile: Foto aus dem Kurzfilm "Another Confession" (Foto: ChoesPictures)

Stile: Foto aus dem Kurzfilm „Another Confession“ (Foto: ChoesPictures)

Face2Face: Wie sahen deine Anfänge genau aus? Hast du ein bestimmtes Vorbild oder jemanden der dich inspiriert?
Johannes: Meine Anfänge waren sehr unspektakulär. Vor allem denke ich, dass ich noch am Anfang bin. Und der Moment, indem ich denke „Von jetzt an kann ich nichts mehr über Filme lernen“ wird hoffentlich auch nicht kommen. Das Ganze entfaltet sich immer weiter und neue Ideen und Ansätze werden entstehen, wie zum Beispiel bessere technische Möglichkeiten. Die Entwicklungen passieren sehr schnell und stetig. Da darf man nicht stillstehen, denke ich, sondern immer mitziehen und aktuell bleiben. Um auf die Vorbilder zu kommen, kann ich leider keine Persönlichkeiten nenne, welche mich komplett und mich bewusst geprägt haben. Peter Jackson und Terrence Malick gehören bestimmt irgendwie dazu. Aber im Prinzip inspiriert mich alles irgendwie was ich sehe – sei es eine Werbung, Kino, Fernsehserien, Musik oder die eine besondere Situation im Alltag.

Face2Face: In welcher Entwicklungsphase befindest du dich jetzt?
Johannes: Es geht um Erfahrungen sammeln, tun und machen – so viel es geht! Mein Motto daher: Machen, machen, machen und den Blick in Richtung Weitermachen beibehalten. Somit ist meine derzeitige Entwicklungsphase beim Ausprobieren und seinen eigenen Weg finden, in welcher Filmrichtung man sich vielleicht am wohlsten fühlt. Da gibt es ja einige.

Face2Face: Welche Art von Film drehst du? Wie könnte man deinen Stil am besten beschreiben?
Johannes: Ich selbst würde sagen, ich drehe erstmal das was ansteht und worauf ich Lust habe. Vor allem aber –, da alles was ich derzeit mache in meine Freizeit fällt –, gehört es für mich zur Pflicht. Zum Stil selbst ist meine Einschätzung und auch das was der ein oder andere mir zu den schon vorhandenen Filmen gesagt hat, dass ich versuche natürliche und stilvolle Bilder unter einem künstlerischen Aspekt zu generieren.

Face2Face: Gibt es dabei eine bestimmte Zielgruppe?
Johannes: Nein, momentan ist die Zielgruppe jeder, der sich für das Thema interessiert, die Band oder Darsteller kennt und jeden anderen auch. Ich mache mir keine Gedanken darüber, da ich ja keine Werbung produziere. Vielmehr mache ich das, was mir momentan zuspricht, mir passiert, mich beschäftigt und bewegt oder das wofür ich gefragt werde es zu tun!

Grenzenlose Freiheit als Filmemacher: Uneingeschränkte Kreativität und Selbstverwirklichung (Foto: ChoesPictures)

Grenzenlose Freiheit als Filmemacher: Uneingeschränkte Kreativität und Selbstverwirklichung (Foto: ChoesPictures)

Face2Face: Welche Projekte hast du bereits abgeschlossen und sind gerade noch am Laufen? Welche weiteren Projekte sind in Planung?
Johannes: Es gibt einige abgeschlossene Projekte von mir, welche auf meiner Homepage zu finden sind. Die Projekte, die da ausgestellt sind, sind alle hundertprozentige Handarbeit von mir und meinen verschiedenen Helfern. In Planung und Produktion sind einige Sachen, bin aber für alles offen. Unter anderem mache ich eine Dokumentation für das Theaterevent „Delta Plus“, welches diesen Mai im Wormser Theater stattgefunden hat. Ansonsten mache ich ein paar Sachen für Privatpersonen und auch ein kleines Showreel (Demoaufnahme) für einen unglaublich bayrischen Kabarettisten Michi Marchner. Hinzu kommt noch mein Projekt FLY( Ein für die Postproduktion erstelltes Musikvideo, um Programme kennenzulernen), welches ich letztes Jahr aus Übungszwecken gestartet habe und nur selten im Alltagstrubel angehen kann. Aber nachdem ich mein Ziel Juli/August wohl nicht einhalten kann, denke ich, Ende 2013 muss es fertig sein! Achso und natürlich meine Ausbildung.

Face2Face: Wie sehen die Berufsaussichten aus? Wie lassen sich die Projekte finanzieren?
Johannes: Meine Berufsaussichten sehen ganz gut aus. Bin anpassungsfähig, belastbar und kreativ. Wie es mit der eigenen Produktion aussieht? – Mal schauen! Finanzieren lassen sich die komplett eigenen Projekte nur aus der eigenen Tasche oder man hat das Glück und findet jemanden, der einen für seine Arbeit entlohnt.

Face2Face: Was war dein persönlicher Erfolg? Dein Highlight?
Johannes: Es klingt vielleicht blöd, aber ich kann eigentlich konkret kein direktes persönliches Highlight nennen. Vielmehr möchte ich sagen, dass jeder Film bisher seine Highlights hatte. Allein die Entstehung, was einem immer dazwischen kommt und wie es sich weiter entwickelt. Am Ende sieht man dann das fertige Ergebnis und dann erinnert man sich wieder daran. Bei genauerem Nachdenken ist das mein persönlicher Erfolg. Es macht einfach viel Spaß.

Face2Face: Was wünschst du dir für die Zukunft?
Johannes: Ehrlich? Moment wünsche ich mir, dass ich nicht mehr so viel Zeit damit verschwende über Geld nachzudenken und meine Sachen einfach so machen kann. Außerdem eine glückliche Familie und alles was dazu gehört.

Face2Face: Welche hilfreichen Tipps kannst du für angehende Filmemacher geben?
Johannes: Naja, jeder sollte schnell merken, ob es ihm liegt und Spaß macht. Ohne das geht es nicht, dafür muss man oft vieles vernachlässigen. Ansonsten empfehle ich mein Motto: Machen, machen und machen! Nicht aufgeben, wenn es mal nicht klappt.

Weitere Infos unter:
ChoesPictures und Facebook!

Vorschau: Nächste Woche gibt es an dieser Stelle ein interessantes Video wie man sich einen Haarreif flechtet.


Weitere Serienteile:

Teil 1: Kosmetikerin

Teil 2: Hochschuldozent

Teil 3: Friseurin

Teil 4: Feng-Shui-Beraterin

Teil 5: DJ

Teil 6: Piercerin

Teil 7: Radiologe

Teil 8: Astronom

Teil 9: Action-Painting-Künstler

Teil 10: Theater-Schauspieler

Teil 11: Kneipenbesitzer