Selbst ist die (Karriere-) Frau

Normalerweise bin ich ein sehr sozialer Mensch – ich nehme mir viel Zeit meine Freundschaften zu pflegen und stelle deshalb manchmal die Arbeit hinten an. Was passiert aber, wenn ich mich in verschiedenen Situationen meines Alttags so verhalten würde, wie man es von einer typischen Karrierefrau erwarten würde? Wie reagiert mein Umfeld und wie fühle ich mich selbst dabei? Startschuss für einen Selbstversuch!

Bücher und Definitionen statt Hanabi und Wizard



Als Karrierefrau stürze ich mich in die Arbeit und nehme keine Rücksicht auf mein Privatleben (Foto: M. Boudot)

Es ist Sonntagabend und in unserer WG ist mal wieder ein Spieleabend geplant. Normalerweise spiele ich mit Begeisterung mit, aber heute nehme ich keine Rücksicht auf mein Privatleben, sondern widme mich dem Stoff meines Studiums. Als „Karrierefrau“ steht die Arbeit bei mir nämlich an erster Stelle und Familie und Freunde finden da kaum Platz. Statt Hanabi, Wizard und Siedler zu spielen, versinke ich in meinen Büchern. Blöd nur, dass ich meine Mitbewohner immer wieder lachen höre. Sie scheinen einen spaßigen Abend zu haben – im Gegensatz zu mir. Nach getaner Arbeit bin ich zwar stolz auf meine Produktivität, aber ich gehe doch eher mit schlechterer Laune ins Bett. Am nächsten Morgen frustriert mich meine Abwesenheit am gestrigen Abend sogar noch mehr, denn das Erste, was mir meine Mitbewohner beim Frühstück mitteilen ist: „Du hast echt was verpasst!“

Herausgeputzt für Elyas M’Barek

Mein neues Outfit als Karrierefrau: Bluse, Blazer und Rock (Foto: M. Boudot)

Am Dienstag bin ich mit meinen Mädels im Kino verabredet. Da ich mitten im Selbstversuch stecke, nutze ich die Chance mich mal richtig herauszuputzen – eben wie eine typische Karrierefrau. Also krame ich Rock, Bluse, Blazer und hohe Schuhe aus dem Schrank und mache mich auf den Weg zum Kino. Schon unterwegs fühle ich mich etwas unwohl und werde vor allem von Jugendlichen angestarrt und begutachtet. Im Kino angekommen bekomme ich ein „Was hast du denn heute Abend noch vor?“ von meinen Freundinnen zur Begrüßung – na toll. Ist wohl nicht unbedingt das perfekte Outfit für „Fack ju Göhte“. Dass meine Abendgarderobe ein absoluter Fehlgriff war, wird mir während des Films bewusst. Der Bund vom Rock drückt auf meine Blase, mein Blazer stremmt und meine Schuhe sind auch alles andere als bequem. Das typische Selbstbewusstsein einer Karrierefrau strahle ich an diesem Abend also ganz bestimmt nicht aus.

Tennistraining à la Angelique Kerber

Zielstrebig, diszipliniert und ausdauernd – diese Merkmale einer Karrierefrau habe ich mir für mein Tennistraining am Mittwoch vorgenommen. Zehn Minuten vor Trainingsbeginn komme ich an der Halle an, um pünktlich umgezogen auf dem Platz zu erscheinen – mit vollster Motivation versteht sich. Während des Trainings tänzle ich immer wieder, bleibe nicht stehen und absolviere die Übungen öfter, als es die Trainerin gefordert hat, bis zu ihrem Kommentar „Du musst die Übungen doch garnicht so oft machen.“ Ich habe ihr nichts von meinem Selbstversuch erzählt, weshalb sich die Situation etwas merkwürdig und unangenehm anfühlt. Die Ansprüche an mich selbst habe ich bewusst extrem hochgeschraubt. Dadurch habe ich allerdings oft leichte Fehler gemacht und mich darüber geärgert. Trotzdem habe ich während des Trainings viel Lob von meiner Trainerin bekommen, habe mich am Ende richtig ausgepowert, aber gut gefühlt. Am Tag darauf folgte dann der Muskelkater…

Fazit meines Selbstversuchs

Eigenschaften einer Karrierefrau, wie schicke Kleidung zu tragen, keine Rücksicht auf das Privatleben nehmen oder diszipliniert und zielstrebig zu sein, für kurze Zeit in meinen Alltag zu integrieren, war keine schwere Aufgabe.
Allerdings möchte ich nicht immer auf Unternehmungen mit meinen Freunden verzichten und mich stattdessen in meiner Arbeit verlieren. Ich kann mir nämlich sehr gut vorstellen, dass man sich dadurch schnell einsam fühlt und das wäre nichts für mich.
Auch trage ich lieber bequemere Kleidung, als Rock und Bluse – Karrierefrauen wird nämlich nachgesagt, dass sie diese nicht nur auf der Arbeit, sondern auch in ihrer Freizeit tragen.
Zielstrebig und diszipliniert an etwas heranzugehen finde ich dagegen ein sehr gutes Merkmal. Karrierefrauen sind ja nicht ohne Grund erfolgreich. In Zukunft möchte ich versuchen diese Eigenschaften häufiger in meinen Alttag zu integrieren, ohne mich dabei selbst zu sehr unter Druck zu setzen.

Die Flüchtlingskrise: Ein Update

KOMMENTAR: Mittlerweile ist es November. Die sogenannte Flüchtlingskrise ist schon lange zum innenpolitischen Problem erhoben worden. Offiziell befindet sich diese Krise jetzt in ihrem zweiten Jahr – völlig ungeachtet der Tatsache, dass auch vor 2015 Einwanderung auf diesem Weg stattfand. Zur Erinnerung: Der Krieg in Syrien dauert bereits fünf Jahre an. Bisher wurde angenommen, dass etwa eine 250.000 Menschen dabei ums Leben gekommen sind. Allerdings wurde die Zählung der Opfer Mitte 2014 eingestellt, da zuverlässige Daten nicht zugänglich seien, so der UNHCR. Seit 18 Monaten können die Verluste also nicht einmal mehr erhoben werden. Wissenschaftler des Syrischen Zentrums für Politikforschung gehen bereits von einer Dopplung der Zahl aus.

Es haben zwar über den gefährlichen Seeweg mehr als 171.000 Personen von der Türkei aus die Ägäischen Inseln Griechenlands erreicht. Aber mit den Rekordzahlen des Vorjahres hat das nur noch wenig zu tun. Noch in den ersten beiden Monaten des Jahres kamen ganze Flüchtlingsströme auf den Inseln an. Der Strom aber hat sich seit dem Inkrafttreten des Abkommens zwischen der Türkei und der Europäischen Union vom 20. März 2016 verlagert. Nach Griechenland kommen vor allem Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – knapp die Hälfte sind Syrer.

In Syrien verschlimmert sich die Lage zusehends. So erklärte Stephen O’Brien –UN-Koordinator für humanitäre Hilfe – , vor dem New Yorker UN-Sicherheitsrat, dass dort derzeit 974.080 Menschen in belagerten Städten und Dörfern ausharren. Vor einem halben Jahr sei weniger als die Hälfte betroffen gewesen. Dazu komme noch der Winter. Die Menschen  seien abgeschnitten von Hilfsleistungen. Fassbomben und Chlorgasangriffe kosten nicht nur unzählige Leben, mittlerweile seien auch die letzten verbleibenden Krankenhäuser und zivilen Einrichtungen unter Beschuss genommen. Schuldig sei daran – in der Regel durch Augenzeugen und lautstarke Äußerungen der US-Regierung bekundet – die Syrische Armee samt russischen Verbündeten. Eine Waffenruhe ist nicht in Sicht. Trotzdem sind die Ankunftszahlen seit März massiv abgefallen. Dass die Umsetzung eines politischen Abkommens derart signifikant auf den Flüchtlingsstrom einwirken kann, lässt tief blicken und eröffnet dabei trotzdem Raum für Spekulationen über eine Beteiligung – oder zumindest die Mitwisserschaft – der türkischen Regierung.

Signifikant steigt daraufhin allerdings die Zahl derer, die die Küsten Italiens ansteuern: Knapp 165.000 Personen kamen über das Mittelmeer aus Nigeria, Eritrea und anderen afrikanischen Ländern. Der Ausspruch „Afrika sitzt auf gepackten Koffern“ macht nicht nur die Runde, sondern auch Angst, denn Afrika ist groß und das Boot für viele schon voll.

Schnabeltier und Ameisenigel- Monotremata, die eierlegenden Säugetiere

Wenn wir an Tiere denken, so kennen wir Reptilien und Vögel, die Eier legen und Säugetiere, die ihre Jungen austragen. Ein Blick nach Australien lässt uns bereits komische Wesen entdecken, die ihre Jungtiere in Beuteln herum schleppen. Kängurus, Koalas oder der ausgestorbene Beuteltiger gehören zu den Beuteltieren. Als die ersten Europäer den australischen Kontinent erforschten, waren das bereits kuriose Tiere. Doch die Beschreibungen eines Hybridwesens, eines Maulwurfs mit dem Schwanz eines Bibers und dem Schnabel einer Ente, wurden zuerst als Fälschungen oder Fabeln verworfen. Die Zweifel an der Echtheit des Tieres waren auch George Shaw bekannt, einem Forscher, der Ende des 18. Jahrhunderts die Tierwelt Australiens beschrieb. Noch heute könnte dieses Lebewesen als lebendes Fossil bezeichnet werden.

Kloakentiere

Echnida: Das Schnabeltier (Foto: britta-schwalm/ pixelio-de)

Echnida: Das Schnabeltier (Foto: britta-schwalm/ pixelio-de)

Die Kloakentiere, auch Monotremata, sind eine der ursprünglichsten Säugetiere. Es gibt nur fünf Spezies: Das Schnabeltier und vier Arten Ameisenigel. Alle leben in Australien und Neuguinea. Sie besitzen ein Fell und Milchdrüsen, womit sie ihre Jungen säugen. Doch im Gegensatz zu anderen Säugetieren besitzen sie keinen getrennten Ausscheidungs- und Geschlechtstrakt. Wie Vögel und Echsen haben sie eine Kloake. Monotremata bedeutet Einlochtiere. Ihre Jungen kommen auch nicht lebend auf die Welt, sondern sie legen Eier.
Schnabeltiere sind an das aquatische Leben angepasst, mit einem stromlinienförmigen Körper und Schwimmhäuten an den Füßen. Sie leben in Erdbauten nahe dem Ufer. Die Männchen besitzen einen Giftsporn am Hinterfuß, welcher nur während der Paarungszeit Gift produziert. Sie sind nachtaktive Einzelgänger und ernähren sich von Krabben, Insektenlarven und Würmern, die sie im Wasser schnappen. Elektro- und Mechanorezeptoren erlauben ihnen, unter Wasser kleinste Wellenbewegungen und schwache elektrische Felder zur Orientierung wahrzunehmen.
Der Ameisenigel bekam seinen wissenschaftlichen Namen „Echnida“ von einem mythologischen Monster des antiken Griechenlands, halb Frau halb Schlange. Kurz- und Langschnabeligel besitzen Stacheln, die denen eines Igels ähneln, sie sind jedoch nicht mit ihm verwandt. Auch sie besitzen einen Stachel am Hinterbein, dessen Sekret aber kein Gift enthält und während der Paarungszeit abgesondert wird. Sie sind meist Einzelgänger und ernähren sich von Termiten und Ameisen.

Aktuelle Forschung
Säugetiere haben ein einfaches System, um auf genetischem Wege unterschiedliche Geschlechter zu produzieren. Frauen haben zwei X-Chromosome, Männchen ein X- und ein Y- Chromosom. Schnabeltiere dagegen besitzen 5 Geschlechtschromosome. Männchen haben also X1-X5 und Y1-Y5. Ameisenigelweibchen haben ebenfalls 5 Paare von X Chromosomen. Männchen dagegen fehlt ungewöhnlicher Weise ein fünftes Y Chromosom. 2008 wurde das gesamte Genom des Schnabeltieres veröffentlicht. Eine weitere Studie untersuchte das Spornsekret des Ameisenigels und schloss daraus, dass es wohl eine Rolle in der Kommunikation über Geruch einnimmt.
Als besondere Gruppe innerhalb der Säugetiere spielen die Kloakentiere eine wichtige Rolle, um zu verstehen, wie die Evolution der Säugetiere von Statten ging. Die Zukunft wird zeigen, welche Geheimnisse diese kuriosen Tiere noch für uns bereithalten.

Kartographie des Gehirns – Das Human Connectome Project

Das Gehirn – eine der kompliziertesten Strukturen der Natur. Es ist zu vielem fähig, zu denen selbst heutige Computer nicht fähig sind, wiegt durchschnittlich nur 1,4 kg und verbraucht doch große Teile unseres täglichen Energiebedarfs. Schätzungen zufolge besitzt das Gehirn 100 Milliarden Nervenzellen, deren Nervenbahnen aneinander gereiht 145-mal um die Erde reichen, und zehnmal so viele Gliazellen, die das Stützgewebe des Gehirns bilden. Dank der großen Plastizität und der ständigen Umstrukturierung sowie den Unterschieden zwischen einzelnen Menschen, ist es schwer das Gehirn zu untersuchen. Das Human Connectome Project versucht, alle Daten bezüglich des Gehirns zu sammeln und die neurologische Forschung voran zu treiben.

Das Gehirn - Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de)

Das Gehirn – Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Das Gehirn bei Tieren und der Aufbau unseres Gehirns
Viele Tiere besitzen Ansammlungen von Nervenzellen, die einem Gehirn ähneln oder dessen Funktion haben. Doch anatomisch ist zum Beispiel das Strickleiternervensystem der Insekten und Krebse sehr unterschiedlich zu unserem Gehirn. Besonders das Gehirn eines Krakens oder Tintenfisches steht jedoch in der Komplexität ebenfalls sehr hoch. Das Gehirn, wie wir es kennen, ist allen Wirbeltieren gleich und besteht entwicklungsgeschichtlich aus zuerst drei, dann fünf Teilen: Das Nachhirn verbindet es zum Rückenmark, das Hinterhirn beinhaltet einen Querwulst namens Pons (für Brücke), der Querverbindungen aufweist, und das Kleinhirn, welches für Bewegung und Koordination verantwortlich ist. Zusammen mit dem Mittelhirn bilden diese Strukturen das Stammhirn, welches den stammesgeschichtlich ältesten Teil darstellt und unter anderem für Reflexe und Atmung zuständig ist. In das Zwischenhirn kommen die Nervenbahnen des Auges und es beinhaltet die Hormondrüsen, Zirbeldrüse und Hirnanhangsdrüse. Als Schaltstelle zwischen Nerven- und Hormonsystem reguliert das Zwischenhirn den Schlaf-Wachrythmus, Schmerz- und Temperaturempfinden, Hunger, Durst und den Sexualtrieb. Das in zwei Hälften (Hemisphären) aufgeteilte, stark gefurchte Großhirn ist das Bild, welches in unsere Köpfe springt, wenn wir an Gehirn denken. Es beinhaltet das limbische System, verantwortlich für Instinkte und Emotionen. Die Großhirnrinde, Teil der grauen Substanz, enthält die Nervenzellkerne und die darunterliegende weiße Substanz die Nervenfasern, ein Balken verbindet beide Hemisphären. Das Gehirn ist von drei Hirnhäuten umgeben und schwimmt in der Hirnflüssigkeit.
Einteilung des Großhirns
Das komplexe Großhirn besitzt viele Funktionen. Eine erste Unterteilung findet örtlich statt und vier Hirnlappen sind beschrieben. Dort finden sich wiederum Windungen (Gyrus) und Furchen (Sulcus). 1903 versuchte Neuroanatom Korbinian Brodman das Gehirn zu unterteilen und beschrieb 52 Regionen. Diese beinhalten zum Beispiel den motorischen und primär somatosensorischen Cortex. Das Wernicke Areal ist für das Verstehen von Sprache zuständig, das Broca Areal zur Produktion von Sprache. Hör-, Seh- und Geschmackszentren verarbeiten die jeweiligen Sinneseindrücke. Anhand der gesammelten Bilder des Human Connectome Projects, erstellt durch MRI (Magnetresonanz- Ttomographie) konnte nun eine Publikation das Gehirn weiter einteilen. Die Arbeitsgruppe benennt 180 Areale pro Hemisphäre und sorgt nun für eine noch nie dagewesene detailreiche Kartographierung des Gehirns. Diese kann helfen ein größeres Verständnis über Gehirnentwicklung, verschiedenste Krankheiten und Altern zu bekommen.

Molekularbiologische Revolutionen: von der PCR bis zum CRIPR/Cas Gene Editing

Die Modernisierung verändert unser aller Alltag in einer ungeheuren Geschwindigkeit. Noch vor 40 Jahren waren Computer raumgroß und heute hat jeder ein Gerät in seiner Tasche, kann ohne Probleme auf das Internet zugreifen und somit zur Ansammlung jeglichen Wissens der Menschheit. Und wie im Alltag, so verbessert die Technik auch die Möglichkeiten in der Forschung. Hier sind die drei größten Revolutionen, die die Molekularbiologie in den letzten Jahrzehnten erfahren hat:

Ausstattung in jedem Labor: PCR Maschinen (Foto: Föhr)

Ausstattung in jedem Labor: PCR Maschinen (Foto: Föhr)

PCR
Die Polymerase-Kettenreaktion ist ein Verfahren zur exponentiellen Vervielfältigung (Amplifikation) von DNA. Diese Methode stellte eine Revolution in der Molekularbiologie dar und ist die Grundlage für viele Experimente. Durch die PCR wurden Vaterschaftstests, Entdeckungen von Erbkrankheiten und der genetische Fingerabdruck möglich. Mit der sogenannten Reversen Transkription kann man zusätzlich sehen, welche Gene in welchen Zellen an – oder ausgeschaltet sind. Heutzutage kann mit Hilfe interkalierender fluoreszierender Farbstoffe die Vervielfältigung der DNA direkt beobachtet werden, weshalb diese Technik auch Real-Time PCR heißt.

Genomsequenzierung

Es folgte die Sequenzierung der DNA nach Sanger, bei denen zu sehen war, welche DNA-Basen in welcher Reihenfolge vorhanden waren. Das Human Genome Project setzte sich in den 90er Jahren das Ziel das gesamte Genom des Menschens zu entschlüsseln und alle Gene zu identifizieren. 2001 wurde die vollständige Sequenzierung verkündet. Es fanden sich nur 30 000 Gene, statt der erwarteten 100 000. Gleichzeitig wurde aber auch bekannt, dass das Genom komplexer ist, als bisher vorgestellt.Früher dachte man, dass ein Gen auch ein bestimmtes Protein codiert, doch heute ist klar, dass ein Gen für viele mögliche Variationen eines Proteins codieren kann oder es auch Gene gibt, die für kein Gen codieren, sondern für RNAs, die verschiedenste Aufgaben haben können. Außerdem gibt es viele Wechselwirkungen und Rückkopplungen.  Die Technik verbesserte sich, das Neanderthaler Genom wurde sequenziert und es folgten sehr viele Tiere. Heutzutage haben Folgeprojekte tausende menschliche Genome sequenziert. Anhand all dieser Daten können nun durch den Vergleich Risikofaktoren für Krankheiten entdeckt werden und Rückschlüsse auf die Evolution gezogen werden.

CRIPR/Cas Gene Editing

Durch die PCR wurde auch die Klonierung von Genen möglich. Hier werden Gene von einem Organismus isoliert und in andere Organismen eingepflanzt. Dies unterscheidet sich vom Klonen ganzer Organismen. Durch solche Klonierungen wurde die massenhafte Produktion von Proteinen möglich, die als Arzneistoffe dienen, wie zum Beispiel Insulin. Nun soll eine neue Entdeckung eine weitere Revolution hervorbringen. Mit dem CRIPR/Cas System ist es möglich das Genom von nahezu jedem Organismus mit nie da gewesener Einfachheit zu modifizieren. Das Potential zur Krankheitsbekämpfung ist groß, und erste klinische Tests sollen am Menschen durchgeführt werden. Aber noch größer ist das Potential im Labor zur Erforschung verschiedener Gene. Die Komplexität des Genoms könnte hierdurch nach und nach entschlüsselt werden. Die Zukunft wird zeigen, wie schnell sich die Forschung weiter entwickelt.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um eine neue, detailierte Karte des Gehirns.

Dolly – 20 Jahre danach

Am 5. Juli 1996 wurde Dolly geboren, das erste aus erwachsenen (adulten) Zellen geklontes Säugetier. Das nach Dolly Parton benannte Tier brachte es zum Weltruhm als das Klon Schaf.  Nach 6 Jahren starb die wissenschaftliche Sensation jung an einer Lungenkrankheit. Heute noch heute ist Dolly in einem Museum in Schottland ausgestellt.  Nun sind 20 Jahre seit seiner Geburt vergangen. Was haben wir seither gelernt und wie weit kam die Forschung?

Die Methode des Klonens

Viele Schafe- sind sie geklont? (Foto: Werner / pixelio.de)

Viele Schafe- sind sie geklont? (Foto: Werner / pixelio.de)

In ihrer wissenschaftlichen Publikation in der Fachzeitschrift Nature vom Jahre 1997 beschrieben die schottischen Wissenschaftler vom Roslin Institut in Edinburgh ihr Klonierungsverfahren. Einer Spendermutter werden Eizellen entnommen und deren Zellkern mit dessen genetischen Material wird entfernt. Anschließend wird einem anderen Spendertier, welches geklont werden soll, adulte Zellen entnommen und dort der Zellkern ebenfalls entfernt. Dieser Zellkern wird dann in die Eizelle gebracht und einer Leihmutter zur Austragung eingepflanzt. Damals wurden 277 Eizellen entnommen, woraus 29 Embryonen entstanden, von denen nur einer überlebte. Daraus wurde Dolly. Sie hatte also drei Mütter. Und war damit auch kein hundertprozentiger Klon. Denn die Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zelle, haben ihr eigenes genetisches Material und werden immer von der Mutter durch die Eizelle weitergegeben. Diese stammten also noch von der ersten Spendermutter.

Was kam danach?

Schon nach einigen Jahren zeigte das Tier jedoch viel zu früh  Alterserscheinungen und starb schließlich sehr jung an einer Lungenkrankheit im Alter von sechs Jahren.Viele vermuteten, dass dies Folgeerscheinungen des Klonens waren und sich die genetische Uhr nicht zurückdrehen ließe. Doch Dolly konnte während ihres Lebens auch zwei Kinder auf natürliche Weise zeugen und die verantwortlichen Wissenschaftler sagen, dass der Virus von einem anderen Tier übertragen wurde und der Tod nichts mit dem Klonen zu tun hatte. Und tatsächlich altern Dollys Geschwister, die für eine neue Studie geboren wurden, normal.
Seitdem wurde das Verfahren sehr oft angewendet und viele Säugetiere geklont: Pferde,  Ziegen, Schweine, Mäuse, Kaninchen, Katzen und Hunde wurden alle auf diese Weise ohne Komplikationen geklont. Heutzutage ist jedoch die Hauptanwendung beim Klonen die Unterbringung von genetischen Modifikationen. Transgene Schweine oder Rinder, die zum Beispiel gegen eine Krankheit resistent sind, lassen sich so einfach herstellen . Auch beim Menschen wäre es möglich. Doch ein Nachteil bleibt: die Mehrzahl der Klone stirbt und es braucht viele Eizellen, um einen Erfolg zu haben. Außerdem, so konnte die Forschung nach einiger Zeit später durch dieses Grundlagen wissen zeigen, konnten durch die Zugabe von speziellen Faktoren Stammzellen aus adulten Zellen erzeugt werden (induzierte pluripotente Stammzellen– Nobelpreis in Medizin 2012).

Ethische Bedenken und Klonen eines Menschen

Nachdem das Dogma des Klonens gebrochen war, wurden sofort negative Stimmen laut. Sollte man überhaupt klonen? Es ist unethisch und unsicher, einen Menschen zu klonen. Andererseits könnten damit vielleicht Krankheiten geheilten werden. Kontrovers war der Fall Woo Suk Hwang, ein Südkoreanischer Wissenschaftler und eine Größe im Bereich des Klonens, der damals und noch heute Hunde klonte. 2004 behauptete er, eine menschliche klonierte Embryonenzelllinie erstellt zu haben, anschließend noch elf weitere. Beide Publikationen wurden zurückgezogen, da sie sich als Betrug herausstellten.
Es ist nicht die technische Barriere, die uns davon abhält, Menschen zu klonen, sondern eine moralische. Außerdem ist eine Person nicht nur durch ihr Genom charakterisiert. Es bleibt also dabei: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um neue Methoden der Molekularbiologie.

Abhängigkeit und Sucht- Selbstverschuldung oder Gehirnkrankheit?

Illegale Drogen: Der World Drug Report 2016 (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Illegale Drogen: Der World Drug Report 2016 (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Der World Drug Report 2016 der Vereinten Nationen ist erschienen und besagt, dass 29 Millionen Menschen weltweit an den Folgen illegaler Drogen und deren Bekämpfung leiden und es 207 000 Drogentote gab (alle Daten beziehen sich im Bericht auf 2014). Die Debatten können hiermit befeuert werden, denn der Bericht bezieht sich nur auf illegale Drogen und gerade deren Bekämpfung und die damit entstehende Korruption und Gewalt führt, so einige Stimmen, zu vielen Tötungsdelikten. In Deutschland gibt es seit längerem die Debatte, ob Cannabis legalisiert werden sollte, doch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, ist dagegen. Doch auch die legalen Drogen müssen in Betracht gezogen werden, denn sie verursachen mehr Tote und machen teilweise abhängiger, als viele illegale Drogen. Doch selbst bei Alkohol und Tabak geht es den meisten Konsumenten im Alltag gut und nur wenige sind wirklich süchtig. Doch ab wann macht etwas dann abhängig? Wann wird man süchtig?

Was ist Sucht?

Computerspielsucht: kommt häufiger vor, als man denkt (Foto: Bernd Kasper  / pixelio.de)

Computerspielsucht: kommt häufiger vor, als man denkt (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)

Abhängigkeit ist charakterisiert durch ein zwanghaftes Verlangen nach belohnenden Stimuli, ungeachtet nachteiliger Konsequenzen. Die Sucht tritt durch ein wiederholtes Aussetzen zu diesen Stimuli auf, welche als positiv und begehrenswert wahrgenommen werden und somit auch die Wahrscheinlichkeit eines wiederholten Aussetzens erhöhen. Es gibt eine substanzabhängige Abhängigkeit, bei der  eine Substanz diese positiven Stimuli auslöst. Zu diesen Substanzen gehören die meisten Drogen und der Körper entwickelt eine Toleranz gegenüber diesen Substanzen, sodass man irgendwann für den gleichen Effekt eine höhere Dosis braucht. Es gibt aber auch einen schädlichen Gebrauch von nicht abhängig machenden Substanzen. Diese Abhängigkeit ist eine Zwangsstörung und umfasst den Missbrauch von Arzneimitteln, Antidepressiva oder Steroiden. Auch eine substanzungebundene Abhängigkeit ist möglich und bezieht sich auf Glücksspiel, Computerspiele – und Internetsucht, Sexsucht, Pornographie, Arbeitszwang, Kaufzwang,  Extremsport und sogar exzessives Sporttreiben. Selbst intensive romantische Liebe zeigt die gleichen Symptome. All diesen Beispielen gemeinsam ist eine Störung der Impulskontrolle, bei dem die Kräfte des Verstandes dem Verlangen untergeordnet werden und es können physische und/oder psychologische Absetzerscheinungen bzw. Entzugssymptome auftreten.

Die Rolle des Gehirns

In den letzten Jahrzehnten unterstütze die Forschung die Sicht, dass Abhängigkeit eine Gehirnkrankheit ist. Die charakteristischen, zwanghaften Verhaltensweisen können immer besser zur Neurologie  verknüpft werden. Durch chronische Aussetzung zu einem suchterzeugenden Stimulus, kommt es im Belohnungszentrum des Gehirns zu transskriptionalen und epigenetischen Veränderungen und einer Desensibilisierung der Neuronenschaltkreise, die die Möglichkeit Vergnügen zu empfinden dämpfen und die Motivation senken, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen.

Krankheit oder Wahl Dichotomie

Doch inwieweit ist die Person das Problem? Welche Wahl hat das Individuum, welchen Einfluss und kann man fehlende Selbstkontrolle verantwortlich machen? Es gibt viele Fälle von Süchtigen, die ohne medizinische Behandlung ihrer Sucht Herr werden und es gibt einige Stimmen, die besagen, dass psychosoziale Faktoren und das soziale Umfeld einzelner Personen den größten Faktor ausmachen und somit gar nicht zu einer Sucht führen oder zumindest, so andere, bei der Genesung stark helfen. Sucht ist kein Randproblem der Gesellschaft und ist auch kein eindimensionales Problem, sondern funktioniert auf vielen Leveln. Das Wichtigste ist, dass Süchtigen besser geholfen wird, sie nicht eingesperrt und von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sondern, dass man sich um sie kümmert. Und vielleicht kann die Neurologie durch weitere  Forschungen einen Erfolg beschleunigen.

Ode an den Bart- Was der Bart, evolutionär gesehen, bringt

Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein. Der rostrotkupferbraunbronzene Bart reimt sich nur auf hart und wenn dein Vater keinen Bart trägt, dann hast du zwei Mütter. Nicht nur in der Popkultur taucht der Bart immer öfter auf, der Stolz auf einen stattlichen Bart scheint sich bei vielen Männern breit zu machen. Doch warum hat ein Mann üppiges Gesichtshaar und eine Frau nicht?

Mann mit Bart (Foto: Tim Reckmann  / pixelio.de)

Mann mit Bart (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)

Wie und wieso Bärte?
Der Bart ist ein deutliches äußerliches Merkmal für einen erwachsenen Mann, der die Pubertät durchlaufen und die sexuelle Reife erreicht hat. Schon lange ist klar, dass sich das Gesichtshaar vom Kopfhaar deutlich unterscheidet, sei es in Morphologie oder Aminosäurezusammensetzung. Während Androgene (Hormone, die bei Männern in größeren Mengen vorhanden sind) Haarwachstum stimulieren, so ist die Genetik für die Dicke, Farbe und generelles Vorhandensein der Barthaare verantwortlich. Deshalb kann es sogar sein, dass sich Kopf- und Barthaar in ihrer Farbe unterscheiden und manche Männer mit braunem Kopfhaar haben rötliches Barthaar.

Wirkung auf andere Männer

Männer mit Bärten werden als maskuliner, aggressiver und dominanter betrachtet. Auch mit einem höheren Alter, einem höheren sozialen Status und mehr Verantwortung werden solche Gesichter in Verbindung gebracht. Der Bart bringt also dem Mann etwas im Vergleich zu bartlosen Männern. Doch manche Studien brachten Bärte auch in Verbindung mit geringerer sozialer Reife und dem Fehlen von Konformität, weshalb Personalmanager sich für glattrasierte Gesichter entschieden. Sollte es tatsächlich zu einem Kampf zwischen zwei Männern kommen, so schützen Bärte nicht vor Schlägen, auch wenn diese Theorie einst aufgestellt wurde. Vor UV-Strahlung jedoch können Bärte tatsächlich schützen.

Attraktivität auf Frauen?

Wenn es mit der Genetik zu tun hat, muss der Bartwuchs auch mit dem Fortpflanzungserfolg zusammenhängen. Tragen Männer Bärte, um auf Frauen attraktiver zu wirken? Während einige Studien besagen, dass Frauen auf Bärte stehen, andere den Dreitagebart in den Vordergrund stellen, besagen wiederum manche, dass Frauen glattrasierte Gesichter ansprechender fanden. Manche Frauen betrachteten bärtige Männer auch als bessere Väter. Würde der Bart aber nur auf sexuelle Selektion zurückzuführen sein, müssten Männer mit Bärten mehr Nachkommen zeugen, so hätte nach einiger Zeit der Menschheitsgeschichte jeder Mann einen Bart und möglicherweise hätte sich die Bartlänge als sexuelles Merkmal durchgesetzt, wie das Federkleid des Pfaus. Dies kann also nicht die ganze Erklärung sein. Doch es gibt noch eine Erklärung für die unterschiedlichen Studienergebnisse. Bärte sind besonders verführerisch, wenn sie selten sind. Rasierte Gesichter aber steigern ihre Popularität, wenn haarig zur Norm wird. Deshalb kommt und geht der Trend. Die Bartfrequenz ist verbunden mit Angebot und Nachfrage.

Das Glymphatische System- Reinigung des Gehirns

Das zentrale Nervensystem, bestehend aus unserem Gehirn und Rückenmark, steuert unseren Körper: es koordiniert Bewegungen, reguliert unsere Organe und Hormone und ermöglicht uns die Wahrnehmung aus den Reizen, die unsere Sinnesorgane aufnehmen. Deshalb ist es ganz wichtig auf dieses Steuersystem Acht zu geben. Sind die Gehirnfunktionen gestört, so entstehen lebensgefährliche Krankheiten.

Krankheiten des Gehirns

Das Gehirn - Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Das Gehirn – Schädel im MRT (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Autismus und Schizophrenie sind Krankheiten, die bei der Entwicklung des Gehirns auftreten. Multiple Sklerose ist eine Autoimmunkrankheit, Chorea Huntington ist vererbbar und Enzephalitis entsteht durch Infektionen. Parkinson und Alzheimer gelten als Neurodegenerative Krankheiten. Diese entstehen über lange Zeit durch das Fortschreitende Sterben der Gehirnzellen, Neuronen genannt. Bei all diesen Neurodegenerativen Krankheiten wurde festgestellt, dass die Ansammlung von atypischen Proteinen die Zerstörung der Neuronen induziert. Das Problem ist, so dachte man, dass das Gehirn über kein lymphatisches System verfügt, wie der Rest unseres Körpers, und somit diese Proteine nicht beseitigen kann.

Tunnelsystem gefunden

Doch 2015 wurde von zwei unabhängigen Gruppen von Wissenschaftler das glymphatische System gefunden. Dieses perivaskuläre, also um die Gefäße befindliche, Tunnelsystem, welches von Astrozyten (Zellen mit sternenförmigen Fortsätzen im Gehirn) geformt wird, dient der Müllentsorgung. Dieses hydraulische System pumpt cerebrospinale Flüssigkeit, auch Hirnwasser genannt, in alle Ecken des Gehirns. Dadurch werden Zucker, Fette, Aminosäuren, Wachstumsfaktoren und Neuromodulatoren an alle Stellen des Gehirns gebracht. Die cerebrospinale Flüssigkeit wird hierbei ständig durch spezielle Kanäle mit der Zwischenraumflüssigkeit, welche die Kapillaren umgibt und von der Blut-Hirn-Schranke abgegrenzt wird, ausgetauscht. Hierbei können Abfallprodukte entsorgt werden.

Abfallentsorgung muss sein

Jedes Organ braucht eine Abfallentsorgung und muss neue Nährstoffe geliefert bekommen. Das Gehirn ist besonders aktiv. Wenn das glymphatische System nicht funktioniert, so können sich die Abfallprodukte ansammeln und so neurodegenerative Krankheiten hervorrufen. Doch dies ist natürlich nicht der einzige Grund für solche Krankheiten. Genetische Faktoren, sowie der Funktionsverlust anderer Reparaturmechanismen des Körpers spielen ebenfalls eine Rolle. Das glymphatische System ist besonders im Schlaf aktiv. Dies könnte einer der Gründe für die Notwendigkeit von Schlaf sein. Das Gehirn braucht diesen Zustand, um sich zu regenerieren.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um den evolutionären Hintergrund des männlichen Bartes.

Kiffen für die Gesundheit – Der wissenschaftliche Stand zu Cannabis

Hanky der Dockarbeiter und die Kakerlake rauchen zwei Joints, in ihrem Kopf Weißer Rauch und der Staat erhält eine Zaubersteuer. Es gibt so viele Songs, die sich um die Legalisierung von Hasch drehen. In Deutschland plädieren einige Parteien dafür, es als medizinisches Mittel zu erlauben, wie es auch in einigen Staaten der USA der Fall ist. Ähnlich wie andere psychoaktive Substanzen gibt es einige Studien, die die positive Wirkung von Cannabis aufzeigen. Was ist der momentane Stand?

Allgemeines

Hanfpflanze in einem Hanffeld (Foto: NicoLeHe / pixelio.de)

Hanfpflanze in einem Hanffeld (Foto: NicoLeHe / pixelio.de)

Die Hanfpflanze Cannabis sativa ist eine Kulturpflanze, die schon seit Jahrtausenden vom Menschen genutzt wird. Nicht nur nahrhafte Samen, sondern auch reißfeste lange Fasern können von der Pflanze gewonnen werden. Als Heilpflanze gegen Malaria und Rheuma war sie im alten China und als Schmerzmittel im Antiken Europa bekannt. Daneben wird Hanf auch als halluzinogenes Rauschmittel genutzt. Hierbei gibt es die Blütentrauben, bekannt als Marihuana, und das Harz, bekannt als Haschisch, welche Tetrahydrocannibidol, THC, als hauptsächlich psychoaktive Substanz beinhalten. Das THC hat eine ähnliche Struktur, wie Stoffe, die unser Körper benutzt, die Endocannabinoide, und dockt daher an die gleichen Rezeptoren an. Im Elektroenzephalogram (EEG) kann ein größeres Rauschen beobachtet werden, was die psychoaktiven Effekte erklärt. Die Endocannabinoide und ihre Rezeptoren sind beteiligt an Gehirn- und Nervenaktivitäten, wie das Gedächtnis und Schmerz, aber auch am Metabolismus, Herzfunktionen und dem Immunsystem. Deshalb sind sie in die verschiedensten Krankheiten involviert.

Weil Cannabinnoide und ihre Rezeptoren auch bei der Gehirnentwicklung eine Rolle spielen, sollten Jugendliche, deren Gehirn sich noch fertig entwickelt nicht zu dieser Droge greifen. Eine neue Studie jedoch besagt, dass der gefundene niedrigere IQ bei jugendlichen Cannabiskonsumenten nicht direkt mit der Droge zusammenhängt, sondern mit anderen Faktoren, wie eine unstabile Familiensituation. Trotzdem besteht die Gefahr einer Auswirkung auf die Psyche, sollte Cannabis von jungen Menschen konsumiert werden.

Kann Cannabis Krebs heilen?

Oft wird behauptet, dass Cannabis Krebs heilt. Doch Krebs ist eine Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von komplexen Erkrankungen. Und es gibt eine Vielzahl von Studien zu der Wirkung von Cannabinoiden. So konnte eine erhöhte Menge an THC das Wachstum von Krebszellen verhindern, störte aber auch Blutgefäßzellen, Endocannabinoide halfen ebenfalls das Tumorwachstum zu stoppen. Unter anderen Umständen halfen Cannabinoide allerdings auch den Krebszellen beim Wachsen. Eine weitere Studie besagte, dass unterschiedliche Effekte mit unterschiedlichen Mengen der Rezeptoren zusammenhängen können und auch Resistenz gegen Cannabinoide konnten beobachtet werden. Auch klinische Studien konnten noch keine Beweise dafür erbringen, dass THC gegen Krebs hilfreich ist. Die Zukunft muss in Erfahrung bringen, welches Cannabinoid und in welcher Dosis den besten Effekt bringt. Klar ist, dass eventuelle gesundheitliche Effekte beim Rauchen eines Joints von Marihuana mit Tabak von den negativen Effekten überlagert werden und zur Krebsentstehung beitragen.

Cannabis als Medikament

Doch Cannabis kann bei Vielem hilfreich sein. Schon jetzt gibt es einige zugelassene Medikamente mit Cannabis-verwandten Wirkstoffen, die gegen Übelkeit und Erbrechen und starken Schmerzen bei AIDS und Krebspatienten helfen oder gegen Schmerz und Spastiken bei Patienten mit Multipler Sklerose. Gleiches gilt für entzündlich rheumatoide Erkrankungen, wie Arthritis, Hilfe gegen Schlafstörungen und dem chronischen Müdigkeitssyndrom, Ticks bei Tourette, sowie für Epilepsie. Hinweise auf weiteres therapeutisches Potential gibt es bei Tinitus und Grüner Star (Glaukom), sogar bei Organtransplantaten könnte THC möglicherweise helfen. Für posttraumatische Belastungsstörung konnte man mit medizinisch verschriebenem Marihuana bereits positive Ergebnisse sehen. Uneinig sind die Studien zu Depression und Ängsten. Denn das THC scheint diese wohl eher zu fördern, während das Cannabidol, welches ebenfalls in Cannabis vorhanden ist, den gegenteiligen Effekt zu haben scheint. Bei Psychosen und Schizophrenie gibt es ebenfalls noch keinen Konsensus.

Egal, was man von Cannabis Konsum halten möchte, so ist klar, dass es erhebliches Potential beinhaltet. Weitere Forschung wird uns näher an Lösungen bringen. Manche Ärzte erhoffen sich von Cannabidolen ebenfalls Medikamente für ADHS, Demenz und Alzheimer.

Vorschau: Nächsten Monat geht es um das Reinigungssystem im Gehirn.