Escape – das englische Wort für Notausgang

Uni macht Spaß. Mal davon abgesehen, dass ich das wirklich glaube, hat sich eine Gruppe von Studierende in Mannheim zu Uni Spirit zusammengeschlossen und will Universitätsangehörige mit Gemeinschaftsgefühl und Identifikationsmöglichkeiten zusammenschweißen. Zuletzt etwa mit der Aktion „ Escape the Uni “. Wer jetzt wie Dori denkt: „Hey, das ist doch das englische Wort für Notausgang“, ist schon mal auf der richtigen Spur. Klassischer Weise geht es bei einem „ Escape the Room “ darum, Rätsel zu lösen, und so an einen Schlüssel zu kommen, mit dem ein Entkommen aus dem Raum möglich ist, in dem man eingeschlossen wurde.

Licht ins Dunkel bringen
Notausgang gesucht: beim live escape the room geht es darum, einen abgeschlossenen Raum verlassen zu können (Foto: geralt / pixabay.de)

Notausgang gesucht: beim live escape the room geht es darum, einen abgeschlossenen Raum verlassen zu können (Foto: geralt / pixabay.de)

Identifikation mit der Uni und ihren Angehörigen also, indem es ihr zu entkommen gilt. Gar nicht so abwegig, wie auf den ersten Blick angenommen. Dank einer aufmerksamen Freundin stand also auch ich in einem der präparierte Räume, Tür zu, Licht aus. Das Szenario indes war geradezu Uni-klassisch. „Ihr seid in der Bibliothek eingeschlafen und müsst jetzt versuchen, da irgendwie heraus zu kommen, aber ohne Schlüssel“, hieß es am Anfang, eine Bib-typische Tüte mit Taschenlampe und Schlampermäppchen gab es obendrauf. Dann sollten wir zuerst einmal Licht finden. Dass der Lichtschalter nicht mehr so ganz richtig abgeklebt war, sorgte dann bereit für den ersten Irritationsmoment, denn natürlich hat einer unserer Mannschaft sofort versucht, ob es so einfach geht. Sollte es aber eigentlich nicht. Wir haben also das Licht brav wieder ausgemacht und mit Stehleuchte und Projektor den Raum erhellt.

Was wird gesucht?
Kombiniere. Knifflige Rätsel stehen beim Escape the Room im Mittelpunkt (Foto: Clockedindk / pixabay.de)

Kombiniere. Knifflige Rätsel stehen beim Escape the Room im Mittelpunkt (Foto: Clockedindk / pixabay.de)

Dann ging es, wie früher in Mathe, erst einmal um die Frage, was eigentlich gesucht wird. Ein Name samt den letzten Ziffern einer Telefonnummer, wie ein Zettel am Notizbrett freimütig erzählte. Auch das erste Rätsel war mit einer offensichtlichen Anweisung „Entferne Zitrone, Lebkuchen und Essig“ innerhalb der ersten fünf Minuten gelöst. Dann aber wurde es betont kniffliger. Wir fanden zwar Anweisungen und Hinweise, die gehörten aber nicht zusammen. Und zusätzlich verwirrt waren wir durch das, was vorab am Whiteboard stand und nun im fahlen Licht wieder zu lesen war. Hinweis? Ablenkung? Zufall? Schließlich kamen wir auf zwei offensichtliche Dinge. „Lese“ meint tatsächlich ein Buch und der Rucksack am Projektor gehört keinem von uns.

Wir denken zu komplex
Zusammen sind wir stark. Escape the Room besticht durch Teamarbeit (Foto: Rilsonav / pixabay.de)

Zusammen sind wir stark. Escape the Room besticht durch Teamarbeit (Foto: Rilsonav / pixabay.de)

Mit zwei Ziffern und dem entscheidenden Hinweis für die dritten standen wir dann ganz schön auf dem Schlauch. Warum? Wir dachten schlicht zu kompliziert und versuchten mittels Quersumme und Dechiffriercode auf Ziffer und Name zu kommen. Nachdem wir uns im Kreis gedreht, Handstand gemacht und schließlich durch die verstreichende Zeit in Zugzwang gekommen waren, griffen wir auf den Joker, Walkie-Talkie. „Ihr müsst die Seiten im Buch nachschlagen“, kam der Hinweis und sofort flutschte es wieder. Buchstaben für Zahlen und Punkt vor Strich, die dritte Ziffer hatten wir und standen vor dem letzten Hinweis, mit dem wir den Namen entschlüsseln sollten. „Häh“, durchzog es uns. Auch im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich auf die Lösung wohl nur durch raten gekommen wäre. Erst hat uns ein Missverständnis im falschen Quadrat des Atlanten suchen lassen, die 45 Minuten waren mittlerweile verstrichen, wir durften aber fünf Minuten überziehen. Schließlich ein „Ahh“ beim Mitstreiter, das Hand gezückt und raus aus der vermeintlichen Bibliothek.

Wieder in Freiheit

Ich kannte vorher Escape the Room – Spiele nur vom Computer. Dort sind die Aufgaben meinem Gefühl nach schwieriger, bauen mehr aufeinander auf und sind auch vielfältiger. Vielleicht habe ich deshalb sofort etwas komplexer gedacht und offensichtliche Möglichkeiten erst einmal außen vorgelassen. Andererseits bin ich am Computer auf mich alleine gestellt. Auf die Lösung des Namens wäre ich ohne Team vielleicht gar nicht gekommen. Mit etwas mehr Organisation hätten wir die verschiedenen Aufgaben aber bestimmt schneller lösen können. So standen wir alle vier vor den gleichen Hinweisen und kamen gemeinsam nicht weiter. Auf jeden Fall aber hätte ich Lust, so einen Rätselabend zu wiederholen, gerne mit mehr Zeit, mehr oder schwereren Rätseln. Und da die Veranstaltung nach Bekanntgabe innerhalb von 24 Stunden komplett ausgebucht war, ist meine Chance, dass es wieder mal einen „Escape the Uni“-Abend geben wird gar nicht so schlecht. Und zum Glück gibt es in Deutschland noch weitere Möglichkeiten aus verschlossenen Räumen zu entkommen.