Internetphänomene, Teil 3: „Die virale Philo-Tür“ der Universität Mainz

Eine defekte Tür, die eine eigene Facebook-Seite mit über 11.500 Likes hat. Eine Tür, die durch die Berichterstattung in den Abendnachrichten nationale Bekanntheit erlangt. Eine Tür, deren Reparatur offiziell vom Dekan einer Universität und hunderten Studierenden mit eigener Zeremonie gefeiert wird – all das klingt zunächst absurd.

Schilderwahnsinn an der Uni Mainz: Die Glasscheibe neben der Tür zum Philosophicum wird zum Mitteilungsorgan der Studierenden (Foto: Denzinger)

Schilderwahnsinn an der Uni Mainz: Die Glasscheibe neben der Tür zum Philosophicum wird zum Mitteilungsorgan der Studierenden (Foto: Denzinger)

Doch genau das ereignete sich in den letzten Wochen auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Schauplatz war der Seiteneingang des Universitätsgebäudes „Philosophicum“, der normalerweise mittels Schalter einen barrierefreien Zugang für Rollstuhlfahrer bietet. Jene Tür war jedoch seit Wochen nicht funktionsfähig und vorschriftsgemäß mit dem Schild „Defekt. Techniker ist informiert“ ausgestattet. Die Reparatur ließ jedoch lange auf sich warten. Schließlich stattete die Mainzer Studentin Leona Aleksandrovic die Tür mit einem weiteren Schild aus, auf dem prangte „Techniker auch defekt“. Ihre Aktion fand viele Nachahmer und bald hingen unzählige Schilder mit im Internet gängigen Memes im Eingangsbereich der Bibliothek.

Als Meme fungierte auch Martin Luther King, dessen berühmteste Rede mit den Worten: „I have a dream, that one day the Techniker will repair this door“ zweckentfremdet wurde. Der legasthenische Yoda aus der Science Fiction Saga Star Wars äußert sich „Diese Tür defekt sein vielleicht .. Techniker zum Glück informiert ist“ und auch Bob der Baumeister

Martin Luther King hat einen Traum: Dass die Tür eines Tages repariert wird (Foto: Denzinger)

Martin Luther King hat einen Traum: Dass die Tür eines Tages repariert wird (Foto: Denzinger)

aus der gleichnamigen Kinderserie spricht „I am the Techniker. I can’t fix it.“ Sind diese einige der am leichtesten zu verstehenden Memes, hingen dort viele weitere, die umfassendere Kenntnisse des Meme-Diskurses im Internet erfordern.

Robert Vettel, seinerseits Student der rheinland-pfälzsichen Universität richtete daraufhin eine Facebook-Fanseite für die Tür ein und etablierte den Hashtag #technikeristinformiert, der auf Internetseiten wie Twitter, Instagram, Imgur, Reddit oder auch 9Gag viral wurde. Bald schaffte die Tür den Sprung vom Internet in die Berichterstattung der Fernsehsender Sat1 und ZDF.

Fielen nach ein paar Tagen die ersten Schilder auch den Brandschutzbestimmungen der Universitätsgebäude zum Opfer, so trat dies nur eine zweite Schilderwelle los. Die Tür wurde bald zur Pilgerstätte von Mainzer Studierenden, motivierte aber auch die Universitätsleitung zu einer zeitnahen Reparatur.

Feierliche Wiederveröffnung des Dekanats: Die mit einem roten Band versiegelte Tür (Foto: Denzinger)

Feierliche Wiederveröffnung des Dekanats: Die mit einem roten Band versiegelte Tür (Foto: Denzinger)

Face2Face Redakteurin Melanie Denzinger war live bei der Wiedereröffnung der Tür dabei. „Die Wiedereröffnung war in vielerlei Hinsicht ein karnevaleskes Spektakel“, so Denzinger. Mit Sekt und Orangensaft und in hinteren Reihen auch so manch anderem alkoholischen Getränk eröffnete der Dekan der Uni Mainz am Mittwoch mit einer feierlichen Rede die Tür. Robert Vettel, der die Facebook-Seite „Die virale Philo Tür“ ins Leben gerufen hatte, wurde feierlich ein goldener Schraubenschlüssel mit einer Urkunde überreicht.

Die Tür ist nun wieder voll funktionsfähig. Die Studierenden der Universität Mainz werden jedoch mit einem lachenden und weinenden Auge auf die Reparatur zurückblicken. Der Dekan der Universität versprach jedoch, eine Ausstellung mit den gesammelten Memes auf die Beine stellen zu wollen, die örtliche Vereine wie das Zentrum für selbstbestimmtes Leben e.V. in Mainz unterstützen soll.

Vorschau: Nächste Woche berichtet die FILM&KUNST&KULTUR-Rubrik an dieser Stelle über den „Nachtkonsum“ hinter dem Verkaufstisch – ein Selbstversuch als Trödel-Verkäuferin.

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 Weitere Serienteile:

Teil 1: Memes

Teil 2: My Little Pony: Friendship is Magic

Ihr Ziel: Die Shisha-Weltherrschaft – zwei Jungunternehmer packen aus

Wollen die Weltherrschaft in Sachen Shisha an sich reißen: Rida Karkaba (links) und Toni Udiljak (rechts) mit ihrem Team (Foto: privat)

Wollen die Weltherrschaft in Sachen Shisha an sich reißen: Rida Karkaba (links) und Toni Udiljak (rechts) mit ihrem Team (Foto: privat)

Jugendkultur Shisharauchen“ titelten wir vor etwa einem Jahr auf unserer Website. An diesem Trend scheint sich bis heute wenig geändert zu haben: Viele, vor allem jüngere Menschen schätzen es in gemütlicher Runde – daheim oder in einer der zahlreichen Shishabars in der Umgebung – beisammen zu sitzen, Wasserpfeife zu rauchen und über Gott und die Welt zu quatschen. Zwei jungen Männern war das allein aber nicht genug: Toni Udiljak (24) und Rida Karkaba (28) gründeten im März ein eigenes Unternehmen rund um den Shisha-Bedarf. Über ihren Onlineshop verkaufen sie unter anderem Shishas, Tabak und Mundstücke, aber auch selbstentwickelte Produkte wie den „THS Diamond“, einen Glasaufsatz, der mittels indirekter Hitze das Einatmen von Schadstoffen aus der Kohle vermindert.

Am vergangenen Samstag eröffneten die Jungunternehmer zudem eine Filiale in Sinsheim. Face2Face war für euch vor Ort und hat mit den beiden über ihre größte Leidenschaft, das Shisharauchen, und die Herausforderungen einer Unternehmensgründung gesprochen.

Die Qual der Wahl: Verschiedene Tabaksorten im Shop der Jungunternehmer (Foto: T. Gartner)

Die Qual der Wahl: Verschiedene Tabaksorten im Shop der Jungunternehmer (Foto: T. Gartner)

Es ist 12 Uhr an einem verregneten, grauen Samstag. Nur bei dem Gedanken daran heute noch vor die Tür treten zu müssen, fröstelt man unweigerlich. Im Bett oder vor dem Kamin, eingemummelt in kuschelige Decken, den Duft eines dampfend heißen Kakaos einatmen – an etwas anderes ist an einem Tag wie diesem nicht zu denken. Oder doch? Mitten im tristen Industriegebiet Sinsheims hat eine Handvoll junger Männer beschlossen, den Samstag anders zu verbringen: In gemütlicher Runde sitzen sie in einem Eckhaus mit Glasfassade. Beim Eintreten steigt einem gleich der fruchtige Geruch von Shishatabak in die Nase. An den Wänden des großzügigen, hellen Raumes stapeln sich kunterbunte Tabakboxen – von klassischem Doppelapfel, über Frozen Maracuja bis hin zu Zimt-Kaugummi ist alles dabei. In blitzblanken Glasvitrinen werden Köpfe und Mundstücke präsentiert. Zur Eröffnung des Shops können die Besucher diverse Tabaksorten ausprobieren, was sich die Shishaliebhaber aus der Umgebung natürlich nicht zweimal sagen lassen. Begierig saugen sie an den Schläuchen der Shishas und pusten den duftenden Rauch in die Luft.

„Shisharauchen bedeutet für uns einerseits Entspannung, andererseits das Verlangen die heutigen Standards im Bezug auf das Shisharauchen zu verbessern“, erklären die beiden Jungunternehmer. Da sei es für beide naheliegend gewesen, einen Shop für Shishabedarf zu gründen. Gute Konzepte und Produkte seien die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung, wissen sie. „Das Wichtigste aber ist der Ehrgeiz etwas durchzuziehen, obwohl viele Leute das nicht für gut befinden und einem Steine in den Weg legen“, ist sich Udiljak sicher. Nach dem Boom des Onlineshops durch den Verkaufsstart des „THS Diamond“ im März, möchten die beiden jungen Männer nun mit ihrer Filiale etwas mehr Präsenz zeigen und den Leuten die Möglichkeit geben, die Produkte vor Ort zu testen.

Das Fazit der Eröffnung fällt jedenfalls positiv aus: „Ich schätze mal, es waren um die 100 Besucher da“, berichtet Karkaba. Das läge minimal unter den Erwartungen, sei aber vermutlich auf das schlechte Wetter zurückzuführen, spekuliert er. Zufrieden seien sie dennoch und sehen zuversichtlich in die Zukunft: „Wir wünschen uns natürlich, dass der Shop weiterhin gut besucht ist, dass sich die Kunden hier wohlfühlen und die Beratung sowie Chillzone in Anspruch nehmen.“ Das Ziel auf längere Sicht: „Die Weltherrschaft in Bezug auf Shisha an uns zu reißen“, sagt Udiljak mit einem Augenzwinkern.

Kontakt:
THS Shisha Bedarf Shop:
Langestraße 22
74889 Sinsheim

www.shisha-bedarf.com
info@shisha-bedarf.com


Vorschau:
Nächste Woche geht es im Panorama um das Thema Couchsurfing.