Die Qual der Wahl: Urnengang

Es ist wieder einmal so weit: Wahlen stehen ins Haus, allen voran die Wahl zum Bundestag am 22. September 2013. Alle wahlberechtigten Bürger dürfen ihre Stimme abgeben, um zu entscheiden, wer die nächsten vier Jahre Deutschland lenken soll.

Stimmabgabe zur Bundestagswahl

Die Qual der Wahl: Welcher Partei soll man die Stimme schenken? (©Thomas Siepmann/Pixelio.de)

Doch das ist gar nicht so einfach, wie es scheint – wen soll man jetzt wählen? Manchmal sieht es gar so aus, als ob es fast egal wäre, wer nun am Ende an die Macht kommt. Die Unterschiede zwischen den Parteien sind für Otto Normalverbraucher meistens marginal, und diejenigen Parteien, die sich klar erkennbar von den anderen abheben, sind leider oft auf radikalen Pfaden unterwegs.

Außerdem, Hand aufs Herz: Wer kennt schon das komplette Programm der Partei, für die er stimmt? In der Regel heißt Wahlkampf doch nichts anderes als Werbung mit einer einzelnen Person. Bürgt etwa die Beliebtheit von Angela Merkel für die Kompetenz aller Christdemokraten? Oder ist die gesamte SPD unwählbar, nur weil ihr Kanzlerkandidat sich im letzten Jahr eher als Fettnäpfchenjäger denn als kompetenter Staatsmann profiliert hat? Was hinter den einzelnen Personen steckt, welche Richtung die gewählte Partei als Ganzes konkret und im Detail einschlagen wird, das wissen nur die wenigsten.

Zugegebenermaßen wird es immer schwieriger für die Parteien ein genaues, scharfes Profil anzubieten: Wirtschaftskrisen, internationale Abkommen und Verhandlungen zwingen die Politiker auch im Inland oftmals zu Kompromisslösungen. Was bleibt denn anderes übrig, als eine EU-Vorgabe umzusetzen, wenn diese erste einmal das EU-Parlament passiert hat – es sei denn, man möchte sich isolieren. Beispielhaft ebenso die Situation der US-Politik in den letzten Jahren. Auch wenn Obamas Gegner ihm gerne innenpolitisches Versagen vorwerfen und viele seiner Anhänger von ihm enttäuscht sind, so blieb dem US-Präsidenten wenig übrig als angesichts zahlloser Krisen seine ehrgeizigen Pläne mit Kompromissen und Notlösungen zu verwässern. Politik zwingt eben oft zu Mittelwegen und Halblösungen.

Trotzdem, am Ende entscheidet der Wähler selbst, wonach er sich richtet. Ob er die Sympathie des einzelnen Kanzlerkandidaten oder das Parteiprogramm höher anrechnet oder gar durch Nichtwählen ein Signal setzt – sei es nun bewusst oder unbewusst – das entscheidet jeder Bürger für sich. Nach der Wahl wird sich dann zeigen, in welche Richtung Deutschland gehen wird. Sobald die Stimmen ausgezählt und die Verhältnisse geklärt sind, ist es erst einmal aus mit der direkten Demokratie. Dann dürfen die Parteien untereinander ausmauscheln, wer mit wem oder mit wem schon gleich gar nicht.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe

Fragwürdig: Simbabwes Präsident Mugabe wird häufig Wahlbetrug vorgeworfen (©Al Jazeera via Wikimedia, Creative Commons – Attribution-ShareAlike 2.0 Generic)

Immerhin können wir froh sein, dass wir in einem Land leben, in dem wir alle vier Jahre die Gelegenheit haben, unseren politischen Willen kundzutun. Faire und transparente Wahlen sind mitnichten eine Selbstverständlichkeit, vielmehr ein Geschenk. Ein Blick in Länder wie zum Beispiel Venezuela oder Simbabwe reicht, um zu verstehen, dass wir ein politisches Privileg genießen. Ob wir davon Gebrauch machen oder nicht sei dahingestellt, aber das Bewusstsein für die glückliche Lage, in der wir uns befinden, sollten wir nicht verlieren trotz allen Unmuts über die Politik.

Einziger Wermutstropfen: Direkt nach der Bundestagswahl wird wohl nicht das deutsche Volk als erstes erfahren, wer die neue Mehrheit im deutschen Parlament stellen wird. Schon viel früher wird die NSA herausgefunden haben, wer Deutschland regieren wird, aber das ist wieder eine ganz andere Baustelle.

Vorschau: In der nächsten Kolumne nimmt Eva Erntedank zum Anlass, um über die Bedeutung der Landwirtschaft für unser Leben nachzudenken.