Freiheit auf Solopfaden – Benjamin Boyce im Interview

Benjamin Boyce war in den 1990er Jahren Mitglied der niederländisch-englischen Boygroup Caught in the Act, die sich 1998 trennte. Wie Face2Face berichtete, feierten Caught in the Act an Silvester 2015 ihren Neubeginn, allerdings ohne Benjamin. Er widmet sich ganz seinen Soloprojekten und ist erfolgreich auf seiner „One man, one mission“-Tour unterwegs. Am Freitag, den 30. September, hat Benjamin, der sich mittlerweile in Köln zuhause fühlt, nun endlich seine neue Single „I‘m free“ veröffentlicht. Diese thematisiert seine Vergangenheit, für die er dankbar ist. Aber sie handelt auch davon, dass die Dinge sich weiterentwickeln müssen sowie seinem heutigen Gefühl von Freiheit.

Face2Face: Wie würdest du deine neue Single vom Klang her beschreiben?

Benjamin: Das finde ich ehrlich gesagt sehr schwer zu beschreiben. Eine Mischung aus Pop und House, würde ich sagen. Es gefällt mir. Der Produzent hat gut auf meinen Text gehört und hat die passenden Elemente reingebracht, damit der Song auch wirklich frei und offen klingt. Das höre ich darin. Ein echt schönes Gefühl.

Gut gelaunt: Sänger Benjamin Boyce (Foto: S. Holitzner)

Gut gelaunt: Sänger Benjamin Boyce (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Warum ist „I‘m free“ deiner Meinung nach hörenswert?

Benjamin: Für den einen wegen des Textes, für den anderen vielleicht wegen der schönen Melodie. Aber ich hoffe natürlich am meisten, dass es jedem rundum gefällt und dass andere einfach die Gefühle, die ich dabei habe, auch haben. Vor allem das Gefühl von Freiheit.

Face2Face: Ist bald auch ein neues Album von dir geplant?

Benjamin: Ich hoffe, dass ein neues Album kommen wird. Das ist ein bisschen abhängig davon, wie das jetzt mit der neuen Single weitergeht. Aber wir haben es auf jeden Fall vor.

Face2Face: An welchem Ort würdest du gerne noch einmal auftreten?

Benjamin: Ich finde es immer ganz toll, in Berlin aufzutreten. Berlin verbinde ich immer mit einem sehr schönen Gefühl, denn in Berlin hat der Erfolg damals mit Caught in the Act angefangen. Da haben wir auch „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gedreht, kurz bevor wir zum ersten Mal ganz groß in den Charts rausgekommen sind. Das Erfolgsgefühl ist immer in Berlin. Aber ich freue mich natürlich auch immer sehr in Köln aufzutreten, weil das jetzt meine Heimatstadt ist.

Mehr Informationen zu Benjamin Boyce gibt es auf seiner Facebook-Seite und seiner Homepage.

Auf den Spuren von Harry Potter

Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London: Hogwarts

Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London: Hogwarts

„After all this time?“ „Always.“  Wer diese Zeilen sofort erkennt, ist hier genau richtig! Einer von diesen verkannten Muggels, der eigentlich für Größeres bestimmt war. Hogwarts sollte deine Schule sein, doch das Einzige, was an Hogwarts erinnert, ist die Tatsache, dass man in der Uni nun Professor anstatt Lehrer sagt und dass es auch so genug Menschen gibt, die von ihrem Charakter her Todesser ähneln.
Im Juni geht es also weiter: Ein neues Harry Potter Buch. Keine Fortsetzung, sondern ein Theaterscript. Egal – Grund genug, um für eine kurze Zeit der Muggel-Welt zu entfliehen. Juni ist in diesem Fall auch eine gute Zeit für eine UK-Rundreise. Zwar ist in der Hauptsaison alles noch mal teurer als es sowieso schon ist, aber es erhöht zumindest ein wenig die Chance auf das schier unvorstellbare Phänomen von gutem Wetter in UK.

London calling

Ankunft London Heathrow: Leider nicht mit dem Hogwarts Express, sondern mit dem Flugzeug geht es nach Hogwarts oder zumindest erst einmal nach London.

Bahnhof King’s Cross

Eine (für London-Verhältnisse relativ) preiswerte Unterkunft, das Generator, lässt sich vom Flughafen aus mit der Touristen oyster card einfach erreichen (die oyster card sollte am besten über das Internet, drei Wochen vor Abreise bestellt und nach Hause geschickt werden). Von dort aus lässt sich die erste Harry Potter-Station, der Bahnhof King’s Cross, in einem zehnminütigen Fußweg erreichen. Dort steht Gleis 9 3/4 mit Gepäckwagen, der in der Wand verschwindet, für ein Erinnerungsfoto bereit. Jedoch empfiehlt es sich, den Platz abends aufzusuchen. Dann ist zwar keine Eule mehr im Koffer, aber 12 Pfund mehr in der Tasche, da tagsüber nur ein „professionelles Foto“ möglich ist und dieses eben entlohnt werden möchte. Abends jedoch ist das Gleis frei zugänglich, daher kostenlos und ohne Wartezeit. Es fehlt eben nur die Eule und ein Schal.  Wer aber sein Tourigeld bereits am ersten Harry Potter-Anknüpfungspunkt ausgeben möchte, kann natürlich auch in den daneben gelegenen Touri-Shop verschwinden. Eulen, Zauberstäbe, Schuluniformen – dort gibt es alles für einen authentischen Harry Potter-Auftritt.

 

Auf dem Weg zum Hogwarts Express

Da es trotzt großer Anspannung nicht geklappt hat, mit dem Wagen die Wand zu durchqueren, muss sich der Harry Potter-Fan nun auf anderen Wegen dem Hogwarts Express nähern. Das geht am besten mit einem Ausflug zu der Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London.

Harry Potter Warner Bros. Studio Tour London: Hogwarts Exxpress

30 Minuten von London entfernt, spart man sich viel Geld, wenn man erneut seine oyster Karte benutzt und selbstständig zum Bahnhof Watford Junction fährt und nicht das all inclusive Paket mit Abholung in London bucht. Vom Bahnhof fährt alle 30 Minuten ein Bus von den Studios zum Bahnhof und wieder zurück – kostet zwei Pfund und man wird schon auf der Hinfahrt mit einem Video auf die bevorstehende Zauberwelt eingestimmt. Dort angekommen erwartet einen die Original-Halle Hogwarts, der Hogwarts Express, das Gryffindor-Wohnzimmer und vieles mehr. Die Tickets sind natürlich teuer (40 Pfund), trotzdem begehrt, weshalb es sich empfiehlt, vor Anreise die Tickets übers Internet zu bestellen. Zurück in London sollten zwei weitere Tage für die noch ausstehenden Kulissen eingeplant werden: Die Millennium Bridge (zu Beginn des Films „Harry Potter und der Halbblutprinz“ sieht  man deren Einsturz), London City Hall (das Gebäude ist ebenfalls am Anfang von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ von außen zu sehen) Piccadilly Circus („Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1“: Hermine, Ron und Harry fliehen durch London), Leadenhall Market („Harry Potter und der Stein der Weisen“: Außenaufnahmen der Winkelgasse + Pub zum Tropfenden Kessel), St. Pancras Renaissance Hotel („Harry Potter und der Stein der Weisen“: Außenaufnahmen des Bahnhofeingangs+Kammer des Schreckens ), Claremont Square („Harry Potter und der Orden des Phönix und „Die Heiligtümer des Todes: Teil 1“: Außenaufnahmen des Grimmauldplatzes), Australia House („Harry Potter und der Stein der Weisen“: Innenaufnahmen von Gringotts). Alles ist kostenlos zu besichtigen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen.
Um Harry Potter treu zu bleiben, findet auch dieser Text nun sein vorläufiges Ende. Natürlich gibt es aber einen Teil 2 und Teil 3.
Vorschau: Am Freitag, 01. April wird London verlassen und sich auf den Weg nach Schottland begeben.

 

Schottische Eier – das Küchen-Überraschungs-Ei

Das modebewusste Ei von heute trägt einen Mantel aus Hackfleisch: Schottische Eier beziehungsweise „Scotch Eggs“ heißt der Trend auf dem Laufsteg internationaler Küchen, der bereits 1738 vom Londoner Kaufhaus „Fortnum & Mason“ erfunden wurde. Der Namenszusatz „schottisch“ verweist somit nicht auf die Herkunft des Gerichts, sondern ist als Anspielung auf die schottische Sparsamkeit zu verstehen. Doch auch der deutschen Küche ist die Speise, die sich besonders für den kleinen Hunger unterwegs oder Picknicke eignet, nicht ganz unbekannt: Sie lässt sich mit heimischen Gerichten wie dem falschen Hasen oder Vogelnestern vergleichen.

Überraschend: Die kleinen Kugeln verbergen im Inneren eine große Überraschung (Foto: Onat)

Handlich: Schottische Eier verbergen im Inneren eine Überraschung (Foto: Onat)

Zutaten und Materialien für zehn schottische Eier:

  • 12 Eier
  • 500g gemischtes Hackfleisch
  • eine Zwiebel
  • 12 EL Paniermehl
  • 3 EL Mehl
  • Salz, Pfeffer und mittelscharfen Senf zum Würzen
  • Öl zum Braten
  • Wasser zum Kochen
  • eine Pfanne, ein Topf, ein Messer, vier Schüsseln, ein Schneidebrett

Zubereitung:

1. Zehn Eier in einen Topf geben und so viel Wasser hinzufügen, bis alle Eier damit bedeckt sind. Nun die Eier im Topf hart kochen lassen. Wer weiche Eier bevorzugt, kann den Kochprozess natürlich verkürzen. Anschließend die Eier unter kaltem Wasser abschrecken, schälen und auskühlen lassen.

2. Während die Eier abkühlen, geht es an die Zubereitung der Hülle: Hierfür zunächst die Zwiebel schälen und mit einem Messer fein würfeln. Die Würfel zusammen mit dem Fleisch, drei Esslöffeln Paniermehl und einem Ei verkneten. Alles mit Salz, Pfeffer und etwas mittelscharfem Senf abschmecken und die Eier dünn mit der Fleischzubereitung ummanteln.

3. Nun das letzte Ei in einer Schüssel verquirlen und die umhüllten Eier panieren: Dafür drei Esslöffel Mehl und neun Esslöffel Paniermehl in separate Schüsseln geben. Die Eier erst im Mehl wenden, bevor sie ins Ei getunkt und wieder im Paniermehl gewendet werden. Nur noch Öl in einer hohen Pfanne erhitzen und die schottischen Eier darin goldbraun anbraten. Wem die kleinen Hungerhappen nicht genug sind, kann sie mit Kräutersalat oder -soße veredeln.

Vorschau: Nächste Woche bietet Vanessa ihr Tipps&Tricks-Debüt und verrät, wie Wärme mit Schönheit zusammenhängen kann.

Caught in the Act – wieder vereint nach 17 Jahren

An Silvester 2015 ist für viele ein Traum in Erfüllung gegangen. Caught in the Act, eine der beliebtesten Boygroups der 1990er Jahre, feierten nach 17 Jahren ihr Comeback auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin und präsentierten einen ihrer größten Hits in Neuauflage: „Love is everywhere 2.0“. Allerdings traten Lee Collin Baxter, Eloy de Jong und Bastiaan Ragas nur zu dritt auf. Benjamin Boyce ist nicht mehr dabei, da er sich auf seine Soloprojekte konzentrieren möchte.

Erfolge in den 1990ern

Die niederländisch-englische Boygroup war 1992 gegründet worden und wurde 1994 in Deutschland durch einen Gastauftritt in der Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannt. Mit Hits wie „Love is everywhere“, „Don´t walk away“ und „Baby come back“ waren Caught in the Act in den 1990er Jahren regelmäßig in den deutschen Charts vertreten. Insgesamt verkauften sie über 20 Millionen Platten, für die sie mehrfach Gold und Platin bekamen. Im August 1998 trennte sich die Gruppe.

Wieder vereint: Eloy de Jong, Lee Collin Baxter und Bastiaan Ragas (Foto: Michael Kremer)

Wieder vereint: Eloy de Jong, Lee Collin Baxter und Bastiaan Ragas (Foto: Michael Kremer)

Langes Warten auf eine Wiedervereinigung

Im April 2015 hatten sich alle vier Bandmitglieder in Amsterdam das erste Mal nach der Trennung wiedergesehen. Ein weiteres gemeinsames Treffen fand im August 2015 in Köln statt. Über eine Reunion der Boygroup wurde in dieser Zeit immer wieder spekuliert, bis sie schließlich Mitte Dezember 2015 endlich bekannt gegeben wurde. Lee Collin Baxter, der im letzten Jahr einige Solokonzerte in Deutschland gegeben hat, teilte zu seinen Plänen für 2016 mit: „My priority is Caught in the Act.“

Große Pläne für 2016

Der Auftritt von Caught in the Act auf der Silvesterparty in Berlin war erst der Anfang. Für dieses Jahr ist eine gemeinsame Tour unter dem Namen „The Hit Party 2016“ geplant. Auf der Tour will die Boygroup neben eigenen Hits auch erfolgreiche Songs von anderen Künstlern performen.

Mehr Infos gibt es auf der Facebookseite von Caught in the Act.

Vorschau: Nächsten Samstag berichtet Yasmin über die Grammys 2016.

Lee Collin Baxter – Back in Germany after 17 years

Lee Collin Baxter who was born in 1970 in Liverpool/England is a British actor and singer. Together with Benjamin Boyce, Eloy de Jong and Bastiaan Ragas he was part of the British-Dutch boygroup Caught in the Act. After an appearance in the soap opera ‘Gute Zeiten, schlechte Zeiten’ end of 1994 they became very famous in Germany. They had hits like ‘Love is everywhere’, ‘You know’, ‘Babe’ and ‘Baby come back’. In 1998 Caught in the Act disbanded. The last years Baxter was busy with acting. For example he played the lead role in the film ‘Profile of Fear’ and also sang the title track ‘No one but myself’ which is written by Paul Glaser. Together with Glaser he worked on more songs, but he also writes his own lyrics. Now Baxter started his solocareer in Germany.

Ready for new gigs: Lee Collin Baxter (Photo: Svenja Angstmann for Universe Media Relations)

Ready for new gigs: Lee Collin Baxter (Photo: Svenja Angstmann for Universe Media Relations)

Face2Face: How would you descibe the new sound of your songs?

Baxter: They all sound so different. I think they are all influenced very much by guitar and I hear from fans that my songs are very emotionally touching.

Face2Face: What is your favorite band or singer?

Baxter: Ed Sheeran and Marina and the Diamonds.

Face2Face: Would you like to record a duet with a special singer?

Baxter: Yes, with Ed Sheeran because I like his songs and his lyrics.

Face2Face: Can you tell me about the most wonderful music moment in your life?

Baxter: The first time I saw the clip to my song ‘For what it’s worth’ because it´s a flashback to my time in Caught in the Act. At that time it was released I had no contact with the other boys. I cried.

Face2Face: If you think back and remember the time with Caught in the Act: What has been positive and what has been negative?

Baxter: The positive were the amazing concerts and the travelling around the world. The negative were the very long days, the stress and feeling exhausted for much of the time.

Face2Face: After 17 years you met the other band members of Caught in the Act for the first time in April 2015 in Amsterdam and again in August 2015 in Cologne. How did that make you feel and would you like to have a reunion with Caught in the Act?

Baxter: I was very nervous, but it went so well I became incredibly relieved. It was a very pivotal time in my life, so that is very special to share it with the other three guys. All four of us wanted 100% a reunion, so please keep your fingers crossed.

Happy: Lee Collin Baxter on stage at the ‘Popschlager Total Open Air’ in Oberhausen (Photo: Jenny Strack for Universe Media Relations)

Happy: Lee Collin Baxter on stage at the ‘Popschlager Total Open Air’ in Oberhausen (Photo: Jenny Strack for Universe Media Relations)

Face2Face: On 1st August 2015 you had your first gig in Germany after 17 years at the ‘Popschlager Total Open Air’ in Oberhausen. How you think the performance went and what did it mean to you?

Baxter: Again I was very nervous beforehand, but once I got on the stage it felt like I was home. I was also so grateful to see all the fans who had come to support me. It was an unbelievable beautiful experience.

Face2Face: You own the Arundel Jailhouse in Arundel which is in the South East of the UK. What can you experience there?

Baxter: Theatre, live music, stand up comedy nights, Murder Mystery dinners, ghost tours, paranormal investigations. I´m very proud of it. It´s my baby.

Face2Face: What are your plans for the rest of this year?

Baxter: I´m putting together an album of my songs that I´ve written over the years. Five of them I´ve shared on YouTube, but there are another five new songs that my fans have not heard yet. I´m going to call it ‘Old School’ and I hope to have it ready by Christmas. I also plan to gig and meet and greet a lot more often. October 23 I´ll be with Benjamin Boyce in Dortmund, October 24 I´ll be performing at DIVA in Oberhausen, November 7 I´ll do a meet and greet and a gig in Berlin and I have two Christmas special events in Leipzig on 11th and 12th of December.

You can listen to Lee Collin Baxter´s new songs ‘It is what it is’ and ‘This side of Eden’ on Youtube. You can get more information about him on Facebook or www.leebaxter.de.

Preview: Next week you can read about the Lollapalooza Festival.

Portugal im Februar, Teil 1: Süßer Portwein, der Duft gegrillten Fisches und das Venedig Portugals

Drei gute Freundinnen und ein gemeinsamer Portugal-Urlaub – das klang sofort nach einer verlockenden Idee. Unser kleiner Portugal-Trip sollte in Porto beginnen und uns am Ende unserer Reise nach Lissabon führen.  Auf Grund der Nebensaison blieben wir fast gänzlich vom Touristentrubel verschont und konnten in drei Tagen gemächlich das malerisch an der Douro-Mündung gelegene Porto erkunden.

Eine Kulisse die zum Träumen einlädt - Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Eine atemberaubende Kulisse – Die hiostorische Hafenstadt Porto bei Abenddämmerung (Foto: Mätzke-Hodzic)

Das Stadtbild von Porto ist geprägt von steilen Straßenhängen, in denen sich unzählige pittoreske Wohnhäuser, viele von ihnen leerstehend, aus dem frühen 20. Jahrhundert wiederfinden. Die Fassaden sind vielfach mit mühevoll handgefertigten Keramikfliesen in den unterschiedlichsten Ausführungen verziert. Diese befinden sich auch an Kirchen und anderen Monumenten. Die sogenannten „Azuljeos“ blicken in Portugal auf eine lange Tradition zurück und gelangten ursprünglich durch die Eroberung der Mauren nach Portugal.

Ein letzter Schluck Porwein - dazu ein fantastischer Ausblick auf Porto und den Fluss Douro (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein letzter Schluck Portwein – das Anwesen des traditionsreichen Portweinbetriebs Taylor’s lässt einen ganz schön staunen (Foto: Mätzke-Hodzic)

Auf der anderen Flussseite hat sich eine Vielzahl von Portweinkellereien niedergelassen. Die großformatigen Plakate nennenswerter Portweinhäuser, wie etwa Taylors, Sandeman und Graham, bleiben einem nicht verborgen. Portwein entstand durch den Handel zwischen Großbritannien und Portugal. Die Engländer sollen dem Traubenmost Brandy beigefügt haben, da die Qualität des Weines zu wünschen übrig ließ. Durch diesen wurde der Gärungsprozess gestoppt und der Alkohol in Zucker umgewandelt – Ergebnis war der süßliche Portwein, deren Trauben zumeist aus dem Douro-Tal stammen, durch welchen Porto weltweite Bekanntheit erlangte. Bei Taylors bezahlen wir 5 Euro für eine Weinverkostung inklusive Führung – eine definitiv lohnenswerte Investition. Das beeindruckende Gut befindet sich hoch über der Stadt, hat einen eher nach englischem Stil angelegten Garten und von der Terrasse aus offenbart sich einem die Stadt in ihrer ganzen Pracht. Bei der Führung werden wir in einem düsteren Keller, in dem Dutzende Weinfässer aus Eichholz lagern, von einer Dame, die in einen schwarzen Umhang gehüllt ist und zur wohl beabsichtigten, mystischen Stimmung beiträgt, in die Geheimnisse der Portweinherstellung eingeweiht. Ein einmaliges Erlebnis!

Da kommen Sommergefühle auf: Blauer Himmel und der Atlantik (Foto: Mätzke-Hodzic)

Ein Abstecher zum Fischerdorf Afurada: Dort erwartet uns ein blauer Himmel und die Weite des Atlantiks (Foto: Mätzke-Hodzic)

Wer ein paar Tage in Porto verweilt, sollte einen Tagesauflug in das nahegelegene Fischerdorf Afurada in Erwägung ziehen. Es hat den Ruf, einige leckere Fischrestaurants zu beherbergen. Zudem soll es den Charme eines verschlafenen Dorfes versprühen. Ein kleines Boot, das von einer eher unscheinbaren Stelle ablegt, schippert einen für 3 Euro auf die andere Seite. Dort steigt einem sofort der unwiderstehliche Geruch von gegrilltem Fisch in die Nase.

Waschtag - in Afurada hängen unzählige Wäscheleinen mit frischgewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Waschtag – in Afurada hängen rundherum um eine gemeinschaftliche Waschstelle unzählige Wäscheleinen mit frisch gewaschener Wäsche (Foto: Mätzke-Hodzic)

Dem können wird jedoch (zu Beginn) noch Stand halten, da wir uns einen Eindruck von dem kleinen Dorf verschaffen wollen, in dem tatsächlich, die Zeit etwas langsamer zu ticken scheint. Von weitem sichten wir den Atlantik und lassen uns nach einem kleinen Fußmarsch oberhalb einer Meeresbrandung nieder, von der aus wir fasziniert den brausenden Atlantik und das Spiel der Wellen beobachten. Auf dem Rückweg gibt es dann den wohlverdienten frischen Fisch vom Grill in einem mehrheitlich von Einheimischen besuchten Restaurant. Außerdem werden weitere Speisen, die nicht bestellt wurden, an den Tisch gebracht –  in Portugal ganz gewöhnlich. Es kann freundlich abgelehnt werden. Wer sich aber an die nicht bestellten Speisen hermacht, muss auch bezahlen.

Als nächste Station steuern wir Aveiro, auch das Venedig Portugals genannt, an. Dafür begeben wir uns auf die einstündige Zugfahrt ausgehend von Portos märchenhaften Bahnhof, dessen hohe Eingangshalle mit blauleuchtenden Azulejos verziert ist. Die Landschaft auf dem Weg Richtung Aveiro ist eher karg und die kleinen Örtchen, die wir passieren, scheinen ihre blühenden Jahre hinter sich gelassen zu haben. Zu blühen scheinen dafür, die während der Fahrt immer wieder auftauchenden und hellleuchtenden Orangen- und Zitrusbäume.

Aveiro - auf Grund seiner Kanäle auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro – auf Grund seiner Kanäle und den gondelähnlichen Booten auch Venedig Portugals genannt (Foto: Mätzke-Hodzic)

Aveiro präsentiert sich als kleines, gemütliches Städtchen, durch welches sich Kanäle hindurchschlängeln, auf denen bunt bemalte Flosse unter den Brücken hindurchgleiten. In der Altstadt schmiegen sich farbenfrohe Häuserzeilen eng aneinander. Wir lassen uns im Hostel Rossio nieder, in dem wir in einem 8-Bett-Zimmer, ansonsten alleine, untergebracht sind. (14 Euro pro Person und Nacht) Das Hostel  befindet sich in einem historischen Gebäude, mit knarrenden Holztreppen und ist geräumig und liebevoll eingerichtet.

In Aveiro stürzen wir uns das erste Mal ins Nachtleben. Das „Mercado Negro“, zu Deutsch Schwarzmarkt, stellt eine Art alternatives Kulturzentrum dar, dessen Räumlichkeiten sich gleich über ein ganzes Stockwerk erstrecken. In einem Zimmer mit Theke bestellen wir unsere Getränke und machen es uns sogleich in einem anderen Raum mit schummrigen Licht auf Seconhand Möbeln gemütlich. Nach ein paar Drinks ziehen wir beseelt von diesem Ort weiter und gelangen an einen Platz nahe des Fischmarkts (Mercado do Peixe) im alten Stadtkern, an welchem sich für uns völlig unerwartet, unzählige Grüppchen von Studenten lauthals lachend und unterhaltend, tummeln. Hier wird statt Döner als Mitternachtssnack, „Tripas“ geschlemmt – eine Crepe-ähnliche Spezialität mit verschiedenen Füllungen. Auch wir kommen nicht drum herum, die verlockende Süßspeise zu kosten. Langsam ist für uns nun aber Schlafenszeit –  es gilt unsere Kräfte zu schonen. Denn es warten noch Nazare, Sintra und als krönender Abschluss Lissabon auf uns.

Vorschau: Am 17. März nimmt die Reise-Redaktion Euch mit auf einen Abstecher nach Rom. Seid gespannt!

Neues Jahr – Neue Musik

Das neue Jahr hält nicht nur neue Modetrends, neue Geschichten und neue Lebensentwürfe bereit, sondern auch ganz viel neue Songs und Bands. Eure Face2Face-Musikrubrik hat sich mal umgeschaut und stellt euch diesmal einige Newcomer und noch unbekannte „Alte Hasen“ vor.

Bilderbuch

Es stimmt, der Name lässt eher nicht auf eine Hip-Hop – / Indie-Rock – Band schließen, aber genau diese Art von Musik macht die österreichische Band Bilderbuch. Unbekannte sind sie nicht, immerhin sind sie in ihrer Heimat bereits seit 2005 aktiv im Musikbusiness. Die in Wien lebende Band um Sänger Maurice Ernst überzeugt die Musikwelt Österreichs und räumte zahlreiche Preise in unserem Nachbarland ab. Aber auch eine ganze Reihe deutscher Musiker hören die Platten der Jungs hoch und runter. Ob Farin Urlaub (die Ärzte), die Beatsteaks oder Casper, alle sind sie von der ihrer Musik begeistert. Bei den Beatsteaks spielten sie als Supportakt auf ihrer Tour und auch im Vorprogramm von Casper standen die unkonventionellen Österreicher auf der Bühne.

Nicht nur ihr Sound, sondern auch der Sprechgesang á la Falco (genau, auch er war Österreicher) reißen die Fans mit. Die Texte reichen dabei von Lebensweisheit bis völlig sinnlose Wortaneinanderreihungen. Da die Jungs aus dem Land des Skisports auf Hochdeutsch singen, stehen die Chancen nicht schlecht auch in Deutschland durchzustarten.

Tipp: Die aktuelle Single heißt „OM“ aus dem Album „Schick Schock“.

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört (Foto: V.Wahlig)

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört. (Foto: V.Wahlig)

Manchmal sind selbst wir überrascht, was die deutsche Musikwelt uns Jahr für Jahr für Schätze offenbart. Ähnlich ist es da bei der nächsten Band, die den Hörer in Traumwelten entführt.

Pentatones

Auch hier klingt der Name mal wieder A-typisch für den zugehörigen Sound. Denn hinter den Pentatones verbirgt sich melancholischer Elektro-Pop aus Leipzig. Einige Musikredakteure beschreiben die Songs der Sachsen als animalisch und regelrecht hypnotisierend. In ihrem Song „The Beast“ verpacken sie inhaltlich auch das Tier in uns allen, jedoch unterlegt mit sanften Klängen, die gar mystisch wirken.

Die Face2Face-Musikrubrik ist sich sicher, diese Klänge werden wir 2015 öfter hören. Immerhin wird das Quartett vom Berliner Musikproduzenten Robot Koch produziert, der uns bereits mit Casper, Marteria und OK Kid musikalisch beschenkt hat.

Tipp: Diesen Monat erscheint ihr Album „Ouroboros“ mit der Single „The Beast“.

Rae Morris

Das England nicht nur Tee, London und die Queen zu bieten hat, wissen wir dank musikalischen Größen wie den Beatles schon etwas länger. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Blick 2015 auch wieder in Richtung Grüne Insel geht. Wer in seinem Plattenregal CDs von Florence and The Machine, Luke Sital Singh oder Clean Bandit hat, der kann nun bald eine neue CD dazustellen. Die Rede ist von der aus Blackpool stammenden Rae Morris. Ihre Stimme hörte man erstmals auf dem Album von Clean Bandit. Dieses Jahr macht sich die Engländerin selbstständig. Ende Januar erschien ihr Debütalbum.

Tipp: Das Album „unguarded“ ist voller Pop- und Elektro-Tunes und somit ideal zum Tanzen.

Kwabs

Seinen Namen kennt ihr vielleicht noch nicht, aber seine Stimme ist euch bestimmt schon mal im Radio begegnet. Mit seinem Song „Walk“ macht er eine Ansage an alle, die sich von Äußerlichkeiten leiten lassen. Nicht nur sein Song macht klar, dass man immer sein eigenes Ziel vor Augen haben sollte, auch sein Lebensstil untermauert dies. Er will seine Schwächen zu Stärken machen und dabei ganz gelassen bleiben. Kwabs wird von den Medien als überzeugender Hipster beschrieben, aber er ist mehr. Seinen Sprachfehler (er lispelt) macht er zur Tugend und trifft mit seinen Neo-Soul den aktuellen musikalischen Zeitgeist.

Tipp: Und auch hier könnt ihr euch freuen, das Debütalbum „Wrong Or Right” kommt diesen Monat auf den Markt

Castingshows: Deutschland vs. Großbritannien

Zur Primetime hat man im Fernsehen die Qual der Wahl im großen Angebot der verschiedenen Sender. Immer öfter stößt man dabei auf Castingshows. Der Zuschauer bekommt dort Unterhaltung geboten, die ihn magisch zu fesseln scheint. Ob diese aus talentfreien oder vielversprechenden Auftritten besteht, ist im ersten Moment nicht wirklich wichtig. Doch im Laufe der Zeit ändert sich diese Einstellung, die Zuschauer scheinen langsam an der großen Präsenz von Castingshows zu ermüden.

Stellt man die Casting- und Talent- Shows in Deutschland und Großbritannien einander gegenüber, sieht man im Großen und Ganzen ein einheitliches Prinzip. Die Sendungen sind gleich aufgebaut: Es gibt immer mehrere Jurymitglieder, die selbst Profis sind und bereits das erreicht haben, wovon die Kandidaten noch träumen. Gerade im Musik-Bereich scheinen sich die Macher der Castingshows einig zu sein, dass nicht nur ein Gesangstalent gesucht wird, sondern auch eine Persönlichkeit, die eine Geschichte mitbringt, mit der sich der Zuschauer identifizieren kann.

Wichtig für ein erfolgreiches Format ist in beiden Ländern die Sympathie der Zuschauer mit den Teilnehmern. Dazu zählt einerseits die bereits genannte Identifizierung mit dem Kandidaten, andererseits aber auch Personen, die die Gemüter spalten. So ist das eigentliche Casting ein wichtiger Bestandteil des Wettbewerbs, da hier nicht nur die guten Sänger gezeigt werden, sondern auch Kandidaten, die nicht mit einer ansprechenden Gesangsstimme gesegnet wurden. Der Zuschauer amüsiert sich über die Situation und fühlt sich überlegen – und schaltet in der Woche darauf wieder ein, weil er mehr davon sehen will.

In dieser Hinsicht sind also beide Länder gleich eingestellt. Doch geht es um den eigentlichen Erfolg des Formats und auch der Teilnehmer erkennt man große Unterschiede. Castingshows haben eine lange Tradition im Fernsehen. Und die erfolgreichsten halten sich auch lange. Gerade das Format „The X Factor“, das von dem Briten Simon Cowell 2004 ins Leben gerufen wurde, ist in Großbritannien ein Erfolgsschlager. Jahr für Jahr schaut immer wieder ein Millionenpublikum zu. Doch wie bei allen Castingshows nagt auch an diesem Format der Zahn der Zeit. Die Zuschauerzahlen sinken. Auch wenn es im letzten Jahr mehr als neun Millionen Menschen interessiert hat, wer den „X-Faktor“, also den „Star-Faktor“ hat, sind es rund fünf Millionen weniger als noch im Jahr 2010.

Bleibt man bei dem Beispiel „X Factor“ und schaut nach Deutschland, sieht man keine erfolgreiche Castingshow. Im Gegenteil. Nach drei Staffeln gibt es keine Pläne für eine Fortsetzung der Show, die anfangs noch sehr vielversprechend war. Weitere Castingsendungen haben ein ähnliches Schicksal, denn selbst der Dauerbrenner „Deutschland Sucht Den Superstar“ (DSDS) muss mit dem Verlust von Quoten kämpfen.

Letztendlich gibt es auch deutliche Unterschiede bei dem Erfolg der Künstler. Während in Deutschland der Gewinner der ersten Staffel von „DSDS“, Alexander Klaws, zunächst als Sänger und später als Schauspieler und Musical-Darsteller Erfolge feierte, wurde es bei den „Popstars“-Gewinnern „NoAngels“ nach einem gelungenen Karrierestart ruhig um die Gruppe. Vielleicht lag dies aber auch an der misslungenen Teilnahme beim Eurovision Song Contest 2008, der ein erfolgreiches Comeback verhinderte. Andere Gewinner der vielen Castingshows, die es im deutschen Fernsehen gibt, sind bis heute eher unbekannt. Zwar gab es ein oder zwei, die zunächst eine erfolgreiche Karriere vor sich hatten, doch um sie ist es mittlerweile auch wieder still geworden.

Einst gefeierte Girlgroup: Von den fünf NoAngels sind nur noch Jessica Wahls, Sandy Mölling und Lucy Diakovska (von links) dabei gewesen. (Foto: Robert Maschke)

Einst gefeierte Girlgroup: Von den fünf NoAngels sind nur noch Jessica Wahls, Sandy Mölling und Lucy Diakovska (von links) dabei. (© Robert Maschke)

Anders sieht das in Großbritannien aus. Sieger und auch Teilnehmer, die es nicht bis in die finalen Runden geschafft haben, konnten sich in Großbritannien in den Charts platzieren und haben teilweise auch den Sprung nach Amerika geschafft. Beispiele dafür gibt es genug. Von Leona Lewis, die die dritte Staffel von „The X Factor“ gewonnen hat, bis zu One Direction, die es noch nicht mal in das Finale ihrer Castingshow geschafft hatten und nun umschwärmte Teeniestars sind.

Wie man es dreht und wendet: Castingshows geben den Teilnehmern und auch den Zuschauern Hoffnung. Aber letztendlich sind die Teilnehmer nur so lange aktuell, wie die Castingshow im Fernsehen läuft. Danach ist es ein Kampf der Kandidaten im Haifischbecken der Musikindustrie und um einen Platz in den Gedächtnissen der Menschen. Denn mal ehrlich, wer erinnert sich heute noch an die Siegerin der zweiten Staffel von „DSDS“, Elli Erl?

Vorschau: Nächste Woche stellt Euch Sebastian die Band Rakede vor.

Mit Durchblick und purer Dominanz zum Titel

Hat den vierten Titel fest im Blick: Sebastian Vettel (Foto: Pascal Werth)

Hat den vierten Titel fest im Blick: Sebastian Vettel (Foto: Pascal Werth)

Was für ein Rennen! Pure Dominanz! Das, was uns Sebastian Vettel am vergangenen Sonntag, 22.09.2013, in Singapur gezeigt hat war schlicht und einfach weltmeisterlich. 1600 Lichter und ein beachtliches Feuerwerk am Schluss des Grand Prix beleuchteten die Rennstrecke des einzigen Nachtrennens der Saison. Der Mann mit dem größten Durchblick war an diesem Abend der dreifache Weltmeister aus Heppenheim, der seinen Konkurrenten keine Chance ließ.

Auch wenn die Rahmenbedingungen und die Leistung Vettels erste Sahne waren, muss der Heppenheimer noch auf seine vierte Titelfeier ein wenig warten. Doch mit 60 Punkten Vorsprung auf den Spanier Fernando Alonso kann wohl nur noch eine Pannenserie oder übernatürliche Kräfte den Red-Bull-Piloten vom WM-Thron stoßen. Wann der Dominator auch rechnerisch nicht mehr einzuholen ist, ist nur noch eine Frage der Zeit.

Natürlich ist ein Fahrer in gewissen Maßen nur so gut wie sein Auto – und der Bolide von Sebastian Vettel ist verdammt gut – doch Vettels Teamkollege Mark Weber hat wohlgemerkt die gleichen Vorzüge unter seinem Gesäß sitzen und leistet „nur“ mittelmäßige Arbeit ab.

Kein Wunder also, dass sich die internationale Konkurrenz vor dem 26-Jährigen Deutschen ehrfürchtig verneigt. Während Ferrari in Person von Teamchef Stefano Domenicali bereits die Weiße Fahne auf der eigenen Homepage hisst („Jetzt ist klar, dass wir 99 Prozent unserer Energie auf das Projekt für 2014 konzentrieren werden, weil es genauso kompliziert wie wichtig ist“) überschlägt sich die italienische Presse mit Lob für den alten (und zukünftigen Weltmeister): „Vettel ist unangreifbar und flößt Angst ein. Sein siebter Saisonsieg ist mehr als verdient“, titelt etwa die Gazzeta dello Sport. Und Tuttosport schreibt: „Vettel dominiert das Rennen von Anfang bis zum Ende. Sein Niveau ist einfach höher, als das von Ferrari.“ Auch der Kurier aus Österreich schreibt von einer klaren „Machtdemonstration“ des Deutschen, der „die WM-Lichter ausknipst“.

In den nächsten Wochen geht die Asientour der Formel 1 weiter. Es stehen Stationen in Südkorea (6. Oktober), Japan (13. Oktober) und Indien (27. Oktober) auf dem Programm. Alles Rennen, in denen der Weltmeister, der mit dem Sieg in Singapur seinen 33-Grand-Prix-Sieg feierte und damit erfolgreichster Fahrer der Formel 1 Geschichte ist,  im vergangenen Jahr gewinnen konnte und so den Weg zu seinem WM-Titel ebnete. Eine Wiederholung ist auch in diesem Jahr alles andere als ausgeschlossen. Und dann wird wieder ein Feuerwerk abgebrannt werden – nur für Vettel, nur für den Weltmeister. 

Weitere Pressestimmen:
ITALIEN
Corriere della Sera: „Vettel bringt das übliche, einsame Rennen hinter sich. Red Bull hat jetzt die WM in der Hand. Hoffentlich wird es nicht mehr zu pfiffen gegen einen sehr guten Piloten kommen, der den Verdienst hat, ein erschreckend schnelles Auto zu fahren. Man muss Mut haben, diesen Piloten nicht zu umjubeln, obwohl er gerade Geschichte schreibt.“
ENGLAND
Daily Mail: „Es braucht eine Invasion Nordkoreas in Südkorea, ein Erdbeben in Japan, das Ende des Dengue-Fiebers in Indien, einen Sandsturm in Abu-Dhabi, eine Schießerei in Texas und einen bewaffneten Überfall in Brasilien, um Sebastian Vettel auf dem Weg zum WM-Titel zu stoppen.“
The Guardien: „Nichts kann den Champion stoppen. Sebastian Vettel gewann fast zwangsläufig  den Grand Prix von Singapur und machte einen weiteren Schritt zu seinem vierten Weltmeistertitel. Niemand sonst, so schien es, hatte eine Chance.
FRANKREICH:
L’Equipe: „Nachteule Vettel. Ob Tag oder Nacht, Sebastian Vettel ist immer effektiv. Dies stellte er am Sonntag in Singapur unter Beweis. Vettel allein auf der Welt.
ÖSTERREICH
Kronen Zeitung: „Sebastian Vettel kann sich in der Formel 1 nur noch selbst schlagen. Der Titelverteidiger dominierte am Wochenende in Singapur wie nie zuvor in dieser Saison.

 

Good bye „Traut the Kraut“

In Deutschland erst spät anerkannt, in England eine Legende. Er galt als einer der größten Torhüter aller Zeiten. Nun ist Bert Trautmann im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat Spanien gestorben. Ein Nachruf. 

Es war der 5. Mai 1956 als sich das Leben von Bernhard Carl Trautmann, den alle nur Bert riefen, für immer verändern sollte. Beim FA-Cup-Finale prallte der deutsche Torhüter im Dienste von Manchester City mit Birminghams Stürmer Peter Murphy krachend zusammen. Sein Genick brach. Dennoch spielte er weiter und führte sein Team noch mit zahlreichen Glanzparaden zum Sieg. Der Zeitpunkt, in dem seine Legende geboren wurde.

Dabei war bei seiner Ankunft auf der Insel solch eine Entwicklung zum Heldenstatus alles andere als zu erahnen gewesen. Sieben Jahre zuvor und damit gerade einmal vier Jahre nach Kriegsende, kam er als ehemaliger deutscher Soldat nach Manchester. Die Verpflichtung des deutschen Krauts schlugen meterhohe Wellen. 40.000 Menschen demonstrierten damals gegen diesen Transfer. Zu frisch waren die Wunden, die der Nazi-Terror auf der Insel hinterlassen hatte. Der Junge aus Bremen wurde bei den Spielen von der Tribüne aus regelmäßig bespuckt und wüst beschimpft. Bis eben zu jenem 5. Mai 1956, als er bei einer Flanke in den Fünfmeterraum waghalsig herausstürmte und dabei mit voller Wucht von Murphys Knie getroffen wurde.

„Traut the Kraut“, wie ihn die Presse in Großbritannien taufte, musste diese Geschichte immer wieder erzählen. Dabei redete der deutsche Kriegsgefangene gar nicht so gerne über sich. Er war keiner für das Rampenlicht. Trautmann liebte einfach den Fußball und bewies Mut, wo andere längst einen Rückzieher gemacht hätten.

Doch nicht nur wegen seinen herausragenden sportlichen Fähigkeiten wurde der Norddeutsche ein Held auf der Insel, sondern vor allem auch wegen seinen menschlichen. Er besaß das Talent, Demut zu zeigen. Wenn andere

kritisierten, blieb der Torhüter ganz ruhig, bedankte sich artig und lächelte. So einen Deutschen kannten die Engländer damals nicht. Trautmann tat mehr für das deutsch-englische Verhältnis, als zahlreiche Politiker. 1997 bekam er dafür das Bundesverdienstkreuz. Auch eine Stiftung, die nach ihm benannt wurde und Engländer und Deutsche immer wieder neu zusammenbringen soll, gibt es. Vom DFB bekam der Mann, der in Deutschland relativ lange unbeachtet blieb, die Ehrennadel verliehen und wurde in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

In Manchester ist er dagegen schon lange ein Held für die Ewigkeit. 2007 wurde Trautmann, der zwischen 1949 bis 1964 545-mal für Manchester City auflief, von den Fans zum besten Spieler der City-Geschichte gewählt.

Der Sport kann Menschen über die Grenzen hinaus miteinander verbinden. Bernhard Trautmann bewies, dass dieser Anspruch Realität werden kann. Er war viel mehr als ein Torwart, der mit angebrochenem Genick weiterspielte.

Auszeichnungen im Überblick:

Vorschau: Am 07.08. 2013 erscheint ein Artikel zum bevorstehenden Fußball-Bundesligastart.