Wir sind Anders – Elektrobässe und Wohnzimmeratmosphäre

Ein Muss für alle Elektro- und Deephouse-Fans im Rhein-Main-Gebiet ist die Elektroreihe „Wir sind Anders“. Bekannte Künstler wie Sasha Braemer und Chris Hartwig gaben sich am Samstag den 11. Februar im Ponyhof Darmstadt die Klinke in die Hand. Face2Face war vor Ort.

Zwei Floors, sechs Künstler

Neben den bereits genannten Mainacts legten auf zwei Floors weitere DJs wie Ben Brown, Timo Soriano, Merlin Drüg und Flixx auf. Viele sind bei eingefleischten Fans bekannt, aber auch als Besucher des Stadt.Land.Bass-Festivals erkennt man doch so einige Lieder und DJs wieder.

Wir sind Anders in Darmstadt – Ein Muss für Elektrofans (Foto: L. Holfelder)

Gemütliche Atmosphäre zu hämmernden Elektro-Bässen

Der Ponyhof in Darmstadt bot eine kontrastreiche Atmosphäre zur Musik. Während ein Floor ein typischer Clubraum war, bot der zweite Raum gemütliche Sofas, die an ein Wohnzimmer der Großeltern erinnerten.  Mit einer auf den Beat abgestimmten bunten Lichter- und Visualsshow wurde das alte Interieur wieder modern eingehaucht. Durch die Effekte konnte man sich zur Musik gehen lassen.

Shuffeln gewünscht

Wer sich in der Elektro-Szene auskennt, weiß dass man hier nicht tanzt, sondern shuffelt. Bei diesem Tanzstil kombiniert man Hüpfschritte mit bestimmten Fußbewegungen. Ganz klar versammelten sich die besten Shuffler direkt vor dem DJ-Pult und zeigten ihr Können.

Stimmungsbarometer

Vor Ort trafen wir Lara (21) und Mareike (22), die das erste Mal bei „Wir sind Anders“ waren. Aufmerksam auf die Veranstaltung sind sie über soziale Netzwerke geworden. Vor allem die Location fanden sie „passend und hammer“, leider konnten sie aber nicht alle Künstler sehen und hören, da das Event bis früh in den Morgen ging. Sasha Braemer und Chris Hartwig waren aber ihre Favoriten. Das Shuffeln ging bei ihnen aus Platzgründen leider nicht so gut, „es war einfach zu voll“, erzählt Lara. Trotzdem wollen beide beim nächsten Event wieder dabei sein. Und Mareike fügt hinzu: „So Techno- und Elektroevents passen super in den Ponyhof“.

Format B am 11. März

Die nächste „Wir sind Anders“- Veranstaltung findet am Samstag den 11. März wieder im Ponyhof im Darmstadt statt. Mit dabei sind wieder die gleichen DJs (bis auf Sasha Braemer) sowie Format B als diesmaliger Special-Act. Der Eintritt kostet 15 Euro.

World Club Dome 2016 – Stimmungsbarometer

Am ersten Juni-Wochenende öffnete der größte Club der Welt zum vierten Mal seine Toren. Gemeint ist der „World Club Dome“, der in der Frankfurter Commerzbank Arena Tausende von feierlaunigen Menschen begrüßte. Face2Face hat mit ein paar Besuchern gesprochen.

Warten auf den World Club Dome 2016 - vor dem Einlass treffen wir Mona, Vanessa und Isabell (Foto: L. Holfelder)

Warten auf den World Club Dome 2016 – vor dem Einlass treffen wir Mona, Vanessa und Isabell (v. links) (Foto: L. Holfelder)

3 Tage Frontstage

Direkt am Eingang treffen wir Vanessa (21), Isabell (19) und Mona (20), die das ganze Wochenende auf dem World Club Dome seien werden, also ein 3-Tages-Ticket besitzen. Alle kommen ursprünglich aus Hannover, Isabell studiert aber in Frankfurt. Da der Einlass noch nicht begonnen hat, sitzen alle gemütlich auf dem Boden. Direkt fallen die Frontstage-Armbänder auf und die drei erzählen, dass man dort mehr mitbekommt. „Man sieht den DJ viel besser und das macht schon mehr Laune“. Auf die Frage, welche denn die Lieblings-DJs wären, kommt direkt die Antwort: Hardwell, Steve Aoki und Armin van Buuren. Wichtige Festival-Tipps von Isabell, Vanessa und Mona sind „Wechselklamotten mitbringen und früh genug da sein, damit man nicht in die Menschenmassen kommt“.

Von Kuchen und Pogen

Zwei Tage später, sonntags, treffen wir Vanessa, Isabell und Mona wieder. Diesmal sitzen sie vor dem Sommersby-Zelt auf dem großen Rasen und genießen die sommerlichen Temperaturen, während im Hintergrund harte Elektro- und Technosounds von der Deep House Bühne herüberschallen. Die besten Auftritte waren nach der Meinung der drei bis jetzt bei Steve Aoki und Armin van Buuren. „Gecaked“, also von Steve Aoki mit Kuchen abgeworfen, wurden sie allerdings nicht. Wenigstens haben sie jemanden gesehen, der Torte abbekommen hat. Auch Dimitri Vegas & Like Mike und Robin Schulz fanden die drei gut, wobei Robin Schulz viel zu kurz gespielt hat. Da alle ein Schließfach gemietet haben, gibt es zumindest keine Probleme, in der Menge schwer bepackt zu stehen. Und gerade wenn im Frontstage-Bereich angefangen wird zu pogen, also die Menschen aufeinander zu rennen und wild miteinander tanzen, dann ist es doch am besten, alles was man hat festzuhalten und zu hoffen, dass man nicht in die Menge mit reingezogen wird. Doch trotzdem sind die drei sich sicher, dass sie nächstes Jahr wieder kommen, dann auch wieder Frontstage. Aber einen Verbesserungsvorschlag haben sie: günstigeres Trinkwasser.

Als Promoter viel unterwegs

Während wir auf dem Rasenplatz sitzen, sprechen wir auch mit Moritz (23) und Nico (20). Beide arbeiten als Promoter auf dem Festival, haben aber die Chance gehabt, sich Don Diablo komplett anzuschauen, was sie „richtig cool“ fanden. Auch die anderen Besucher des Festivals beschreiben sie positiv, „ziemlich chillige Leute“, die Spaß haben und gut drauf sind. Zwar sind „nicht alle unser Geschmack, aber mit jedem kann man feiern“, so Moritz.

Die Deep House Bühne vor der Commerzbank Arena war dieses Jahr neu (Foto: L. Holfelder)

Die Deep House Bühne vor der Commerzbank Arena war dieses Jahr neu (Foto: L. Holfelder)

Spontane Tagestickets

Am Abend treten die großen und bekannteren Acts auf und wir sprechen mit Anika (19) und Kristina, (18), die extra für Martin Garrix und Hardwell zwei Stunden gefahren sind. „Aber das war es voll wert“, sagt Anika und erzählt, dass sie die Tickets erst wenige Tage vorher im Internet gekauft haben. Beide sind zum ersten Mal da, sind sich aber sicher, dass sie nächstes Jahr wieder kommen, dann auch drei Tage lang, um das gesamte Festival erleben zu können. Und auch von dem Gesamteindruck sind sie begeistert. „Gar nichts Negatives“ sei ihnen passiert, im Gegenteil, die Leute seien fröhlich und nett, „die House Bühne ist überragend“, so Anika.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Face2Face über das Beatles Museum in den Niederlanden.

Von Hamburg zum Amsterdam Music Festival

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Die TikTak Bühne auf dem Amsterdam Music Festival: Faszinierende Lichteffekte die ihre Besucher beflügelt. (Foto: Güngör)

Jedes Jahr treffen sich Liebhaber und Professionals der elektronischen Tanzmusik zum größten Event Europas, dem Amsterdam Dance Event. Fünf Tage kommen DJs und Produzenten, Labelchefs und Eventmanager zum Gipfeltreffen in die Hauptstadt der Niederlande, um gemeinsam mit den Fans zu feiern. So auch dieses Jahr und das mit vollem Erfolg.

Im Interview mit dem Businessportal Musikmarkt.de sagt der Veranstalter Richard Zijlma: „ … Es ist sehr inspirierend, der Szene beim arbeiten zu sehen.“ und weiter: „[…] wir haben noch keine genauen Zahlen, aber das gesamte Event war fast ausverkauft […].“

Seit ungefähr zehn Jahren findet das Amsterdam Dance Event statt und wächst von Jahr zu Jahr weiter. Mit 20. 000 Besuchern war das Festival in diesem Jahr bereits drei Wochen vor dem Start ausverkauft. Das Amsterdam Music Festival im RAI Theater am Rande der Hauptstadt. Face2Face ist für euch dabei.

Die sechs Stunden Fahrt nach Amsterdam gehen schnell herum. Die Autobahn ist frei und das Parkhaus des RAI Theaters füllt sich nach und nach. Menschen aus ganz Europa versammeln sich, um DJs wie Dimitri Vegas & Like Mike, Dyro und Armin van Buuren gebührend zu feiern.

Punkt 22 Uhr geht es mit Dyro los und vor der Bühne ist es gut gefüllt. Das Bühnenbild ist faszinierend und der Sound in der großen Halle hervorragend. Das Theater ist in drei Bühnen eingeteilt: Die Mainstage, die Sexy by Nature Bühne und die TikTak Bühne mit lokalen und internationalen Künstlern.

Die Stimmung ist ausgelassen und die Leute glücklich, die Getränke, typisch für ein Event dieser Größe, ziemlich teuer, doch im Grunde stört das niemanden. Alle wärmen sich beim ersten Künstler auf, als Vorbereitung für den weiteren Abend.

Kurz vor 23 Uhr kommen die belgischen Superstars Dimitri Vegas & Like Mike auf die Bühne und heizen richtig ein. Alle Hits und Festivalhymnen diesen Jahres werden gespielt und nochmal erlebt und die Menge beginnt zu eskalieren. Moshpits ( Anm. d. Red. Eine Art Pogotanz die üblich bei Konzerten ist.) bilden sich, alle lassen sich in der Musik treiben und die Stimmung steigt konstant weiter.

Der erste Höhepunkt der noch jungen Nacht ist die Verleihung der DJ Mag Top 100 DJ Awards. Den Legendaward bekommt der weltbekannte DJ Tiesto verliehen. Auf Platz zwei kommt der niederländische Weltact Armin van Buuren und der erste Platz des Votings geht an den Produzenten Hardwell, der auch direkt im Anschluss der Verleihung mit seinem Set beginnt.

Alle Feiern ihn, strecken ihre Arme nach ihm aus und bejubeln jeden Track, den er auflegt – hartgesottene Fans können seine Sets sogar in- und auswendig, was den Spaß an der Musik nicht mindert.

Schlag auf Schlag geht der Abend weiter. Das, was man an so großen Elektroevents schnell zu schätzen lernt, ist, dass der Umbau beziehungsweise der Übergang von einem Künstler zum nächsten, nicht so lange dauert, wie zum Beispiel auf Rockkonzerten, wo die Instrumente jedes Mal aufs Neue abgestimmt werden müssen.

Der eigentliche Höhepunkt beginnt mit den ersten Tönen vom Armin van Buuren. Er begrüßt seine Fans, bedankt sich für den zweiten Platz und legt los. Van Buuren macht Trance Musik, eine Form der elektronischen Musik, die einen regelrecht hypnotisiert, welches sehr deutlich durch den Tanz der zuhörenden Menschen wird. Die Musik ist stark und durchströmt den ganzen Körper. Die tanzende Masse ist gefesselt von den schönen Klängen des Sets von Anfang bis zum Schluss.

Die Nacht geht über in den Morgen mit vielen weiteren faszinierenden Künstlern, wie dem ehemaligen Mitglied der Gruppe Swedish House Mafia, Steve Angello oder dem Drum n Bass- Act aus England, Jack Beats, und auch Stars wie Fedde Le Grande.

Vorschau: Und kommenden Samstag findet ihr an dieser Stelle ein Interview mit der Band Vellocet.

Elektronische Zigeunermusik

Electric Gypsy Disco Noise (Album Cover)

Electric Gypsy Disco Noise (Album Cover)

„Secem vene!“ Das ist wohl der ultimative Jugo-Party-Slogan (Anm. d. Red.: Jugo ist die Abkürzung für Jugoslawe) und bedeutet so viel wie: Ich schneide mir die Pulsadern auf! Wenn die Musik so gut ist, dass man sich heftig in Ekstase tanzt und sich sinnbildlich die Pulsadern aufschneiden möchte, dann spricht alles für Balkan-Musik. Auch wenn dieser Slogan für uns ein wenig befremdlich wirken mag – ob auf einer Taufe, einer Hochzeit oder einem Konzert, Balkan-Musik aus Tradition, Rhythmus und Wahnsinn ist aus der Jugo-Nostalgie nicht mehr weg zu denken.

Aber was passiert, wenn ein Vollblut-Jugo an einem DJ-Pult experimentiert? Genau. Es entsteht eine Mischung aus Balkan-Beats, Experimental und Elektro, die ein wenig an elektronische Zigeunermusik erinnert. Und das nennt man dann auch so: „Electro Gypsy Disco Noise“. Dies ist nämlich der Titel des Debütalbums des knapp zwei Meter großen Žarko Jovašević, einem Berliner, dessen Wurzeln im zentralserbischen Städtchen Čačak liegen und der mit fünf weiteren Mitgliedern die Band Mr. Žarko gegründet hat.

Bandfoto by Sina Diehl

Bandfoto by Sina Diehl

Die Bandmitglieder stammen allesamt aus Serbien, Rumänien, Bulgarien und Deutschland, und mit genau dieser Vielfalt haben sie sich bereits in der Berliner Clubszene einen Namen gemacht. Hier wird jeder Auftritt zum kleinen Festival, bei dem das Publikum zu rhythmischen Balkanklängen und -bläsersätzen tobt. In ihren Texten mischen sie Englisch, Spanisch und Serbokroatisch und taufen das Ganze „folcloristical madness“, womit die sechs Wahlberliner auch immer mehr Nicht-Jugos überzeugen.

Insgesamt 13 Tracks haben es auf das Album geschafft, allesamt wuchtig und voller Energie. Die selbst gespielten Instrumente werden mit elektronischen Grooves vollendet, ohne dass auf den authentischen Klang verzichtet wird. In „Un Poquito de la Vida“ fließen viele südamerikanische Elemente ein, der Song eignet sich fabelhaft zum Salsa Tanzen. „Ruža“, „Do not gamble with love“ und „Golden Legs“ erinnern stark an die berauschende Jugo-Musik aus den Balkan-Clubs, in denen man sich heftig in Ekstase tanzen kann.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr in der Musik-Rubrik ein Interview mit der Band Soundition.

Die Kinder der Nacht

Das erste Mal auf ein Dance- und Elektro-Festival zu gehen ist, als würde man eine Dschungelexpedition machen. Man begibt sich in ein unbekanntes, vielleicht auch gefährliches Gebiet, um die Natur und ihre Bewohner zu erforschen. Genau so kann man den Aufenthalt beim Airbeat One Festival in Neustadt-Glewe (bei Hamburg) beschreiben.

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Ein friedlicher Zustand: Das Quietcamping bietet die perfekte Balance zwischen Party und Ruhe (Foto: M.Manz)

Das Airbeat One Festival ist ein Dance Festival, das in drei elektronisch-musikalische Kategorien eingeteilt ist. Der Hauptteil, weswegen ein Drittel der Besucher zum Flugplatz in Neustadt pilgern ist Hardstyle. Im kommerziellen Sinne sind Hardstyle, Jumpstyle und ähnliche musikalische Ableger durch die Band Scooter in Deutschland bekannt geworden. Doch Scooter wirkt neben den Pionieren des Hardstyle wie eine verweichlichte Prinzessin. Die wahren Kenner und DJs stammen aus den Niederlanden, so auch ein kleiner Teil der Besucher. Die zweit-wichtigste elektronisch musikalische Komponente ist die Elektro Musik.

DJs wie Steve Aoki, Dimitiri Vegas & Like Mike, Danny Avila und aus Deutschland Deniz Koyu sind vertreten. Das letzte Drittel ist die Goa Musik. Goa ist eine Mischung aus psychedelischer Entspannungsmusik, hartem Elektro und sogar ein wenig Hardstyle. Es ist düster und farbenfroh zu gleich, die Musik ist mal schnell und mal langsam und lässt die Erde auf eine ruhige Art beben. So vielseitig die Musik auch ist, so ist auch das Publikum auf der Airbeat One. Das Faszinierende an der Elektroszene ist und da ist es egal welchen Stil man bevorzugt: Man wird immer wie ein Mitglied einer großen Familie behandelt. Diese Szene gehört zu den tolerantesten Szenen, die es auf der Welt gibt, denn alle wollen dasselbe – entspannt gemeinsam feiern, die Sorgen vergessen und glücklich sein. Von jung bis alt ist alles vertreten..

Der Campingplatz ist eine riesige Grünfläche, die im Alltag als Flugplatz benutzt wird. Der Bereich ist in zwei Ebenen eingeteilt, das Quietcamping und das normale Camping. Wer nach einer durchzechten Nacht etwas Ruhe sucht, dem sei der ruhige Platz wärmstens empfohlen. Der normale Zeltplatz ähnelt eher einer gigantischen Präparty. Einige Gruppen sind mit Zelten, Bühnen, DJ-Equipment und allem möglichen Schnick Schnack angereist. In diesem Jahr ist sogar ein Besucher dabei, der einen LKW-Anhänger als Partybühne nutzt.

Neben dem ganzen Staub, der in der Hitze aufwirbelt, wird man von allen Seiten mit unterschiedlichster Musik beschallt. Auf der einen Seite ist die Bremer Hardcore Crew, die einen mit merkwürdigem Speedcore beschallt, auf der anderen Seite ist eine Kölner DJ Crew, die gute und laute Elektromusik auflegt und für Stimmung sorgt. Je weiter man sich zum Festivalgelände vorbewegt desto mehr Musik fällt über einen her und umso verwirrter wird man. „24 Stunden Party“ ist das Motto der Gäste und alle sind drei Tage wach. Es ist wie ein Traum.

Das Festivalgelände ist überragend: Ein Riesenrad, Bungee Jumping, drei große Bühnen, ein Zelt – der sogenannte der Maincircus – und eine Chill-Out-Area mit Hängematten und Kissen ausgestattet. Das Problem: Eine Chill-Out-Area zwischen Hardstyle und Goa zu platzieren, ist nicht wirklich hilfreich, wenn man mal wirklich entspannen will, da beide Musikstile schnell und in Momenten der gewünschten Ruhe nur bedrückend sind.

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Faszinierend wie eh und je: Auch 2012 war die Lichtshow auf der Airbeat One einzigartig und passend zur Stimmung (Foto: Offizielles Pressefoto der Airbeat One 2012)

Die Warm Up Party am ersten Festivaltag wird mit ruhigen Beats und einer entspannten Stimmung nach einer langen Fahrt und der glühenden Sonne zu langsam. Man braucht einen gewissen Kick und so wird mitten in der Nacht der Zeltplatz erkundet. Überall feiern die Kinder der Nacht mit strahlenden Gesichtern und einem zufriedenen Lächeln. Bis zwei Uhr morgens geht die erste Party. Während die Tage auf dem Gelände angenehm heiß sind, entpuppen sich die Nächte als eisig und nass. Nur wenige Stunden später geht die Sonne wieder auf und es ist Freitag. 19. Juli auf dem Airbeat One. Das Festival beginnt immer abends ab 18 Uhr, bis dahin versuchen sich die Besucher die Zeit erfolgreich zu vertreiben. Das Gelände ist von einem großen Wald umgeben und so wandern einige ein wenig, um den Schatten und die Kühle zu genießen. Doch das Schönste an Festivals ist, neue Menschen kennen zu lernen und so freundet man sich schnell mit den umliegenden Nachbarn an und verbringt gemeinsam den Tag in der Sonne.

Gegen Abend, als die Sonne untergeht, kommen die ersten DJs. Die Mainstage wirkt wie ein Schloss. Es ist faszinierend von Beginn an so eine einmalige Atmosphäre auf einer Party zu spüren. Kein Gedrängel, kein Gepöbel, keine Aggressionen, es herrscht einfach eine einmalig friedliche Atmosphäre, denn im Grunde wollen alle dasselbe: Party machen. Alle tanzen ausgelassen zu den Beats von Tocadisco. Das musikalische Highlight neben Steve Aoki am Freitag ist definitiv Aka Aka feat Thalstroem – zwei DJs und eine Livetrompete, die zusammen den perfekten Sound erzeugen. Die Feierei geht die ganze Nacht. Die Beine tun einem weh, der Körper ist erschöpft, doch der Geist will mehr. Immer weiter, immer mehr, immer weiter bis die Sonne wieder aufgeht. Ein DJ nach dem anderen kommt, es gibt keine langen Wartezeiten, wie man es von Rockfestivals gewöhnt ist, man tanzt durchgehend und ist einfach zufrieden.

Kaum ein Besucher hat geschlafen auf der Airbeat One, doch es scheint allen gut zu gehen und man verbringt gemeinsam einen weiteren sonnigen Tag, den letzten Tag, die letzte Nacht, Samstag, 20. Juli.

Während einem die Sonne die Haut bräunt, genießt man den sanften Wind und die Musik um einen herum. Die meisten Besucher sagen, so stellen sie sich das Paradies vor. Ab 20 Uhr geht die Party weiter. Moguai legt auf und rockt die Massen, alle springen und toben und feiern. Die Highlights am Samstag sind aber auf jeden Fall Klangkarussell und der junge DJ Danny Avila. Beide DJs sind sehr unterschiedlich. Klangkarussell haben einen sanft von unten nach oben erhoben und Danny Avila hat alle Restenergie mit einem bombastischen Drop nach dem anderen rausgeholt. Ein imposantes Feuerwerk und eine Pyroshow vom Feinsten machen den Abend perfekt. Diese Stimmung bleibt und zieht sich durch die ganze Nacht. Eine weitere Nacht ohne Schlaf.

Vorschau: Kommenden Samstag findet ihr an dieser Stelle einen Nachbericht zum Weltastratag in Hamburg.

 

Mit Musik gegen die ganze Welt rebellieren

Ein Künstler mit dem Drang nach Veränderung: Rustler erschafft Welten.(Foto: NMDK Design und Darko Arts )

„Unterm Strich gibt es auf dieser Welt nur zwei Arten von Menschen. Du hast die Schwätzer und die Macher. Die meisten sind bloß Schwätzer, die können nichts als labern. Aber wenn alles gesagt ist, dann sind es die Macher, die diese Welt verändern. Und wenn sie das tun, verändern sie auch uns.“

Diese Worte stammen vom Tape eines Künstlers aus dem beschaulichen Stuttgart. Es ist die Einleitung in eine durch Musik geschaffene, eigene Welt, die einem die Augen öffnet und in einem satirischen Abschlussdialog endet.

Der Name des Künstlers ist Rustler und nach zwei Jahren harter Arbeit hat er seine Offenbarung herausgebracht. „Das Neuste Testament“ heißt sein Werk.

„Ich will damit ausdrücken, dass eine neue Ära angebrochen ist! Eine Ära, die uns Menschen immer weniger Mensch bleiben lässt, stattdessen darauf abzielt uns im stressüberfluteten Alltag immer mehr wie Maschinen funktionieren zu lassen und sich der Umgebung anzupassen“, erzählt Rustler im Face2Face-Interview, als nach dem Titel gefragt wurde.

„Das Neueste Testament“ ist ein Tape mit einer Länge von 28 Minuten. Es ist ein Stück, das man im gesamten Paket hören und auf sich wirken lassen muss. Uns erwartet kein klassisches HipHop/ Rap Album. Es geht nicht um Sex, Gras und Geld. Die Texte sind sozialkritisch und sprechen sich gegen die Machthaber dieser Welt aus. Unterstrichen werden die Texte von Filmsnippets (Anm. d. Red: Filmsnippets sind Audioausschnitte aus Filme die viele Musiker benutzen um entweder einen roten Faden herzustellen oder um ihre Musik zu untermalen). Rustler beanstandet, dass die Menschen unterdrückt werden, in ihrem Tun, in ihrem Sein. Der Druck auf die Menschen steigt, die ständige Erreichbarkeit macht die Humanität untereinander kaputt.

Im Interview mit Face2Face sagt er unter anderem dazu: „Demnach haben sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse verstärkt verändert und in unflexible Abhängigkeiten zugespitzt. Diese Änderungsprozesse wirken sich damit mehr oder weniger direkt auf unsere Meinungsfreiheit aus. Sei es dem Leistungsdruck geschuldet oder durch den Abbau des Datenschutzes etc. Aber nicht nur Verbote, sondern vor allem falsch vorgelebte Moral- und Wertevorstellungen führen u.a. auch dazu, dass die mediale Verblendung für Regierungen einfach zu gestalten ist, indem man wichtige Informationen bewusst vorenthält oder irreführend in die Öffentlichkeit trägt.“

Das Tape regt einen dazu an sich etwas bewusster mit diesen Situationen auseinander zu setzen. Es zeigt einem eine Lösungsmöglichkeit, einen Weg zu rebellieren, aufzustehen und zu protestieren. Die Musik besteht nicht nur aus typischen HipHop- Beats, sondern auch aus elektronischen Einflüssen – so hört man die Dramatik untermalende Dubsteptöne und auch etwas härteres Drum and Bass ist kurz zu vernehmen. „Das Neueste Testament“ ist ein Kunstwerk in sich.

Und Rustler ist ein Künstler, der die Augen der Menschen mit seinen Texten und seiner Musik öffnen möchte. Am besten beschreibt er das aber immer noch selbst: „So wie auch das Alte oder das Neue Testament einen vergangenen Zeitgeist anprangern und gleichzeitig einen Neuen auszurufen anstrebten, so soll auch dieses Tape dazu beitragen die Menschen offener für unsere aktuellen und täglich präsenten globalen Geschehnisse zu machen und für ein Umdenken zu sensibilisieren. Ich weiß, dass ich allein nur den sterbenden Schwan spielen kann, aber vielleicht kann ich dazu beitragen etwas ins Rollen zu bringen. Vor allem will ich zeigen, dass jeder die Möglichkeit besitzt etwas zu sagen – er muss es nur auch tun.“.

Am besten ihr überzeugt euch selbst von dem genialen Werk des Künstlers. Das Tape „Das Neueste Testament“ findet ihr auf der Künstlerseite auf Facebook.

Vorschau: Und nächste Woche findet ihr an dieser Stelle einen ausgiebigen Bericht über die Elektroszene in Hamburg.

Swing – seine Entwicklung von damals bis heute

Die Dirty Honkers rocken ihr Publikum: Der Electro-Swing-Club vergnügt Heidelberg. (Foto: Offizielle Facebookseite Electro-Swing-Club Rhein-Neckar)

Was gibt es Schöneres als Swingmusik. Als Kinder des späten 20. Jahrhunderts waren wir nicht direkt dabei, als diese Musik entstand und sich schlagartig verbreitete. Lediglich den erneuten Aufschwung im 21. Jahrhundert durften wir miterleben. Doch ist Swing nicht nur eine Musikrichtung, sondern ein ganzer Lebensstil, der von den Jugendlichen der damaligen Zeit beeinflusst und weiter getragen wurde. Musik lässt sich besser hören, wenn man ihre Hintergründe und ihre Geschichte kennt und nachvollziehen kann und so erkunden wir im Folgenden grob die Ära der Swingmusik und Big Bands.

Der Ursprung des Swing liegt im Jazz. Musik entwickelt sich in manchen Jahren ganz selbstständig zu etwas Neuem weiter, manchmal kann man die Entwicklung nachvollziehen und manchmal nicht. In diesem Fall ist die Entwicklung gut dokumentiert.

Wie für viele Musikrichtungen, die wir heute hören, waren auch beim Swing die farbigen Mitbürger und Mitmusiker für dessen wachsende Bekanntschaft verantwortlich. Der Grundgedanke hinter dem Swing war der, dass die Menschen tanzen wollten und das ermöglichte ihnen die Musik. Diese wurde von den Weißen kopiert und verbreitet, woraus eine komplett neue Jugendkultur entstand. Der Charleston, ein Tanzstil zur Swingmusik, wurde geboren und gefeiert. Das kam auch den Musikern zugute, die in einer Zeit zwischen zwei Kriegen und der Weltwirtschaftskrise zurechtkommen mussten:

Dank der Swing-Ära fanden viele arbeitslose Solokünstler und Bands ein neues Zuhause in der BigBand. Eine Big Band besteht aus einer „einfachen“ aber doppelt besetzten Gemeinschaft von Bläsern zusammen mit dem Rest der klassischen Band. Durch den Einfluss der BigBands entwickelte sich in den 1920er Jahren eine ganze Bewegung, die ihren Höhepunkt Mitte der 40er Jahre fand.

Und dann war´s das! – Oder auch nicht, denn von damals bis heute gab es natürlich viele gute Musiker und noch viel mehr gute Musik. Seit 2006 verbreiten sich zunehmend der Segen und gleichzeitig der Fluch Elektromusik. Neben diesem Hype koexistiert jedoch eine heimliche Leidenschaft, die von Musikern, Veranstaltern und Fans wieder aufgearbeitet wurde und zwar die Swingmusik. Sie lebt wieder und wird von den jungen Erwachsenen der heutigen Generation zelebriert. Künstler, wie der DJ und Produzent Alle Farben, haben der Swingmusik etwas Neues angedichtet – und zwar Elektro. Die neue Stilrichtung Elektroswing erblickte das Licht der Musikwelt. Der Grundgedanke dabei: Altes neu aufzubereiten und schmackhaft zu machen – mit großem Erfolg. Aus den DJs entwickelten sich Bands und durch die Bands entstanden Veranstaltungen in ganz Deutschland – auch in der Rhein-Neckar-Region, in dem Fall Mannheim und Heidelberg.

Die Menschen hinter dem Unternehmen Pier 33 aus Mannheim haben die Veranstaltung Elektro-Swing-Club nach Heidelberg gebracht und zusammen mit ihren Partnern den Veranstaltern Kallias verbreiten sie eine neue Kultur und eine eigene kleine Welt in ganz Deutschland. In Berlin, in Frankfurt und sogar in Amsterdam wird diese Musik gefeiert, garniert mit Liveshows von Bands wie Dirty Honkers, Caravan Palace oder auch Pavrov Stelar. Es gibt so viele Namen, die man erwähnen könnte, doch das Schönste an der Musik ist es sie selbst zu entdecken und lieben zu lernen. Beispielsweise durch einen Besuch im Elektro-Swing-Club in Frankfurt am Main.

Die Entwicklung von damals bis heute ist faszinierend und bewundernswert. Der Geist der Jugendbewegung in Form des Swing wurde über die Zeit und über viele verschiedene musikalische Einflüsse zu uns weitergetragen und hat sich verändert, aber nur in einer Hinsicht – er ist noch ein bisschen tanzbarer geworden.

Vorschau: Und kommenden Samstag erwartet euch der Bericht zum Film „Once“.

„Ist schon ganz gemütlich hier“ – Das „Greenville Festival“ feiert sein Debüt

Es ist Freitag, 27. Juli und in Paaren/Glien bei Berlin beginnt etwas Großes: Das „Greenville Festival“ hat seinen Startschuss abgegebe. Face2Face war für euch dabei.

„Deichkind“ am Kochen: Mit einzigartigen Bühnenoutfits faszinierten sie die Besucher (Foto: Heeger)

Teil 1: Begeisterung und Hysterie auf den Bühnen

Von Alissa Bosse

Nachdem das Pariser Trio „We Were Evergreen“ und die Hamburger Rockband „Selig“ unter glühenden Sonnenstrahlen den Festivalauftakt zum „Greenville 2012“ gaben, übernahmen die Berliner Herren von „Bodi Bill“ und hielten in fescher Federbekleidung mit ihrem Set aus clubbigen Indietronic-Songs trotz Sonnentiefstandes und nachlassender Hitze die Menge am Brodeln.

Ein Highlight waren Freitagnacht ohne Zweifel die „Flaming Lips“, die nicht nur durch dynamisch-psychedelischen Indie-Rock und eine einzigartige Lightshow, sondern auch durch riesige bunte Luftballons Bewegung in ihre Fan-Menge brachten.

In traditioneller Müllsack-Kostümierung, ausgestattet mit grell-leuchtenden Pyramiden-Helmen und aufblasbarer Hüpfburg lieferten „Deichkind“ gleich im Anschluss eine extravagante und ausgelassene Bühnenperformance, die durch geplante Reizüberflutung und Feder-Inferno das „Greenville“-Publikum zum Beben brachten. Eine Ladung „Remmi Demmi“ à la Deichkind.

Während „Abby“, „The Kilians“ und „Young Rebel Set“ die Festivalbesucher samstags unter freiem Himmel zum Tanzen motivierten, schlugen die Jungs von „Deep Sea Diver” auf der Indoor-Stage etwas ruhigere Töne an. Mit atmosphärischer Instrumentierung bestehend aus Akustikgitarre, Xylophon und Basssaxophon schufen die vier Jungs in Stücken wie „Beach” oder „Actors” eine träumerisch-melancholische Klangwelt.

Als nächster Act waren „We Invented Paris” zu hören, die mit leidenschaftlichem Songwriting, experimentellen Elektrosounds und Überraschungs-Gitarrensession zwischen den Zuhörern reihenweise neue Fans rekrutierten.

Dass „The Roots“ eine Band der Superlative ist, deren Musikkarriere durch ihre einzigartige Fusion aus Jazz- und Soulklängen, über Funk-, Indie-Pop- und Rockeinschlägen bis hin zu Hip Hop-Beats bestimmt ist, bewiesen Tuba Gooding Jr., Questlove, Rapper Black Thought und Co Samstagnacht. Mit ihrem Aufgebot an fabelhafter Drummer-Performance, Live-Instrumentierung mit orchestralem Charakter und rappender Weltklasse übertraf die amerikanisch „Organic Hip Hop“-Band die Erwartung der Fan-Menge an der Mainstage bereits zu Beginn ihres Auftritts.

Begeisterung, Hysterie und vor alle Verstörung verbreitete die „HGich.T“-Crew on- und off-stage nur kurze Zeit später. In origineller, leicht trashig angehauchter Kostümierung, mit Soundsalven aus New Tek, Goa Techno und konsequenten Hard Trance Sounds bot das Hamburger Musik-Phänomen ein wahnwitziges Konzerterlebnis. Völlig unbeeindruckt vom fallenden Regen und mit wild in der Luft bewegenden Fäusten folgte wenig später das „Scooter“-Publikum den energischen „Hyper Hyper“ Rufen des „Special Guest”. Während die Menge zu „some hardcore techno” durchdrehte, bot „Scooters” Bühnenperformance aus feuerspuckenden tanzende Damen in Miniröcken und in Neonfarben gekleidete „Jumper“ ein flammendes Ende des Festivalsamstags. „Fuck Art Let´s Dance“, „Turbonegro“, „Cro“ und die „Donots“ bestimmten gemeinsam das Nachmittags-Line-up des dritten Festivaltages, während „Iggy and the Stooges“ – die Legende des Rock’n’Roll – den perfekten Ausklang eines wunderbaren „Greenville“-Wochenendes bildeten.

Um es noch einmal kurz zusammen zu fassen: Internationale Headliner, die Grund zum Entgegenfiebern gaben, sowie eine Reihe an sehenswerten Newcomer Bands, die das „Greenville“-Publikum in das vielfältige Festivaltreiben sogen – ein vielversprechendes Konzept, das hoffentlich auch 2013 zahlreiche Festivalbesucher ins brandenburgische Paaren/Glien locken wird.

Gefeiert bis zum Lachanfall: Die Besucher hatten ihren Spaß (Foto: Heeger)

Teil 2: Friedliches Miteinander auf dem Campingplatz

Von Selin Güngör

Das Campingleben ist von Festival zu Festival unterschiedlich. Neben üblichen Highlights wie der Festivalhymne „Die Cantina Band“ sind viele unterschiedliche Persönlichkeiten vertreten. Das „Greenville Festival“ fand dieses Jahr zum ersten Mal statt und man könnte denken, dass der Zeltplatz dementsprechend unorganisiert war. Doch das traf nicht einmal ansatzweise zu. Die Organisatoren haben sich sehr viel Mühe gegeben. So sorgte die bunte Musikmischung beim line up dafür, dass es eine ebenso bunte Mischung im Publikum und auf dem Campinggelände gab. Von den Sanitäranlagen könnte sich so manch ein anderes Festival eine dicke Scheibe abschneiden. Die Duschen waren sauber, es waren keine Gruppenduschen, wie es bei größeren Festivals oft der Fall ist, sondern einzelne Kabinen und teuer war es mit einem Euro auch nicht.

Neben den gefürchteten Dixi Klos gab es fest installierte Toiletten, die man kostenlos aufsuchen konnte, worüber sich vor allem die zahlreichen Frauen sehr freuten. Zum Erstaunen aller gab es auf dem Campinggelände Stände, die nicht nur Bier und kulinarische Köstlichkeiten verkaufen, sondern einen Stand für Campingmaterial, wie zum Beispiel Zelte, Campingstühle, Pavillons und andere elementare Utensilien. Kommen wir zur einzigartig friedlichen Stimmung auf dem „Greenville Festival“. Es wurde getrunken, geraucht, gefeiert, gelacht und neue Bekanntschaften geschlossen. Dank der guten Stimmung und dem dadurch entstehenden Familiengefühl gab es keinen Streit und kein Gezanke. Alles in allem kann man dem „Greenville Festival“ für dieses fulminante und erfolgreiche Debüt gratulieren und auch wenn Berlin nicht gerade um die Ecke ist, jedem empfehlen sich die zweite Sause im kommenden Jahr anzusehen.

Vorschau: Und nächsten Samstag findet ihr hier an dieser Stelle ein Interview mit dem Mannheimer Elektroduo „Syn“.

Berufe und Musik Teil 3: Welcome Home Music

jung, dynamisch und voller Ideen: Stefan Schröer, Chef von "Welcome Home Music" (Foto: Hamsen)

Jung, dynamisch und voller Ideen: Stefan Schröer, Chef von „Welcome Home Music“ (Foto: Hamsen)

Er ist der Mann, der wohl so ziemlich alles kann. Seine musikmedialen Wurzeln hat er in Düsseldorf, doch im Endeffekt hat es ihn nach Berlin gezogen, um von dort das Musikbusiness zu erobern. Die Rede ist von Stefan Schröer, dem Gründer und Chef vom Label „Welcome Home Music“.

Anfänge

Seine ersten Erfahrungen sammelte Schröer als Praktikant beim Label „SideOneDummy records“ in Münster. Dort wurde ihm zum ersten Mal begreiflich, wie das Musikbusiness funktioniert. Im Anschluss machte er beim Toten-Hosen-Label „JKP“ seine Ausbildung als Kaufmann für audiovisuelle Medien.
Bei „JKP“ betreute er Bands und Künstler, wie „In Extremo“, „Fanny Van Dannen“ und „Ohrbooten“.
Bei der „Musikwoche“ sagte er: „Bei JKP habe ich alle Facetten des Musikbusiness mitgenommen und gelernt, was man mit einer Band machen muss, um sie zum Erfolg zu führen.“

Werdegang

Schröer arbeitet gerne viel und so war ihm nach seiner Ausbildung und der erfolgreichen Arbeit bei „JKP“ schnell bewusst, dass es ihn in die Selbstständigkeit treibt. Doch bevor er sich seiner großen Leidenschaft, der Musik widmet, durchquert er noch das harte Verlagswesen in Form der Management- und PR-Agentur „Trashkultur“, bei der er Autoren wie Oliver Uschmann und den ehemaligen „Muffpotter“-Sänger Nagel betreute.
Aus der „Trashkultur“ entwickelte sich letztendlich im Jahre 2011 das Label „Welcome Home Music“.

„Welcome Home Music“

Bei der „Musikwoche“ erzählt Schröer: „Der Ursprungsgedanke von „Welcome Home Music“ war, Vinylalben in Verbindung mit Downloads zu veröffentlichen, CDs gibt es eher selten.“

Die einzige Ausnahme betrifft die Indiebands „The Fog Joggers“ und „Cloudberrys“, die er nach der Gründung seines Labels als erstes unter Vertrag nahm. Er betreut Singer/Songwriter Gregor McEvan und noch einige andere.

Doch Schröer will mit „Welcome Home Music“ nicht nur bei Indie bleiben – wie jedes Unternehmen entwickelt auch er sich weiter. Diese Entwicklung wird in Richtung des elektronischen Musikgenres gehen, da, und das weiß nicht nur Schröer, diese Szene sehr vinylaffin ist

Weitere Projekte

Mit seinem Geschäftspartner und guten Kollegen Malte Schröder beginnt Schröer neben „Welcome Home Music“ noch andere Projekte auf die Beine zu stellen, die sich auf einige Randbereiche im Business spezialisieren: Mit dem Verlag „Heimathafen Medien“ konzentrieren sich die beiden wieder auf die Verlagsarbeit und das mit Erfolg.

Darüber hinaus gründete Schröer im Jahr 2012 die Agentur „frenc“, bei der vom einfachen Brainstorming bis hin zu ganzen Kampagnen alles gemacht wird, was sich die Kunden wünschen.

Außerdem arbeitet Schröer bei Tape tv. Und ist für consulting und label relations zuständig.
Man kann also sagen, dass Schröer ein Arbeitstier aus Leidenschaft, ein Mensch mit Visionen ist, der durch harte Arbeit, viel Disziplin und noch mehr Spaß an der Sache sehr viel erreicht hat.

Weitere Infos bekommt ihr unter:
http://welcome-home-music.eu/

Vorschau: Nächste Woche findet ihr an dieser Stelle ein Interview mit der Band „Jupiter Jones“.

Elektro-magnetische Nacht in Erstauflage – Das „Electro Magnetic Festival“ 2012

Das UNESCO-Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“: Eine außergewöhnliche Kulisse für das „Electro Magnetic Festival“ (Foto: L. Pohlmeyer)

Es ist zwei Uhr morgens, die Nacht immer noch angenehm warm, vor, hinter und neben mir verschwitzte Menschen, die sich schon zur Musik von „Fritz Kalkbrenner“, „Monika Kruse“ oder „Andre Galuzzi“ verausgabt haben. Das Gedränge Richtung Main Stage hält an, die Nacht der elektronischen Musik scheint unendlich – von Erschöpfung keine Spur.

Wie der Titel schon verrät, handelt es sich beim „Electro Magnetic“ um ein Festival der elektronischen Musik. Mehr als 8000 Fans zählte das Festival, das vergangenen Samstag, 7. Juli 2012, seine Premiere in der als Weltkulturerbe ausgezeichneten „Völklinger Hütte“ in der Nähe von Saarbrücken feierte. Die Tickets aus dem Vorverkauf waren nach kürzester Zeit restlos ausverkauft und aus der Menge an Besuchern zu schließen, war auch das Kontingent an Karten an der Tageskasse vermutlich binnen kürzester Zeit erschöpft. Und das zu Recht, denn wohl kaum einer dürfte von dem „Neuling“ unter den Festivals enttäuscht worden sein.

So war bereits das Line-up, das von Top-Acts der elektronischen Musik wie „Digitalism“, „Lexy & K-Paul“, „Fritz Kalkbrenner“, „Turntablerocker“, „Bonaparte“, „Moonbootica“, „Tiefschwarz“, „Matthias Tanzmann“, „The Koletzkis“, „Dominik Eulberg“ und „Karotte“ angeführt wurde mehr als vielversprechend. Von Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen wurde auf fünf verschiedenen Floors aufgelegt und performt, so dass das Festival getreu seinem Titel zum Magneten für Fans elektronischer Musik wurde. Dazu setzten Lichtkünstler mit Illuminationen und Kunstinstallationen das Welturkulturerbe in ein ganz neues Licht. Damit bot das „Electro Magnetic“ ein breites Spektrum an verschiedenen Musik- und Kunstelementen, präsentiert von einer Vielzahl an internationalen, nationalen und regionalen Akteuren. Eine Symbiose die wahres Erfolgspotential hat.

Mit ihren explosiven Sounds lockten beispielsweise die zwei Hamburger Tobias Schmidt und Oliver Kowalski gleich am frühen Abend alle „Moonbootica“-Fans in den „Schattenhof“. Das Beatbauer-Duo, das für seine äußerst tanzbaren Rhythmen bekannt ist, lieferte mit einer Mischung aus House, Breakbeats, Jazz und Funk Elementen einen legendären Auftakt zur Festivalnacht.

Das „Electro Magnetic“ bei Nacht: Eine Kombination aus Electro-Acts und Illumination (Foto: L. Pohlmeyer)

Eines der Highlights der Magnetic Festivalinnovation war ohne Zweifel das DJ-Duo „Lexy & K-Paul“, das nicht viel später auf der Main Stage zu sehen und vor allem zu hören war. Dass die beiden DJs nicht für dezentes Plattenteller- und Reglerbedienen stehen, sondern lieber mit einer Mischung aus Elektro-Bässen und Techno-Rhythmen das Publikum ordentlich in Bewegung bringen, bewiesen sie mit ihrer Performance am „Electro Magnetic“. Mit ihrem unbefangenen „Technoelectro“ brachten sie die Festival-Menge zum brodeln und feierten mit den Fans zu „Ponyboy“, „Trick on me“ und „I gave you my digits“ als gäbe es kein Morgen. Live-Qualität aus der Hauptstadt – vom langweiligen Electro-Act keine Spur. Ebenfalls in Höchstform war die Berliner Elektro-Punk-Band „Bonaparte“ zu erleben, die mit ihrer wechselnden extravaganten Kostümierungen – von Fahrrad fahrendem Pferd bis zur höchst erschöpfenden Trampolinperformance – puren Wahnsinn in Live-Version verbreiteten. Denn statt Gitarre zupfen und ins Mikrofon zu hauchen, zog die „Bonaparte“-Crew lieber ein Tierkostüm über und schickte rockende, praktisch nackte Piraten über die Bühne, die ihre Unterwäsche dem Publikum entgegen schleuderten. Ein fulminantes Ende der fast zwölf Stunden langen Performance verschiedener Künstler auf der Main Stage lieferte das Elektro-House-Duo „Digitalism“. Die zwei Jungs, die für ihre Tracks aus Techno und Indierock bekannt sind und damit zu einem weltweit gefragter Live-Act avancierten, bildeten das perfekte Ende der tobenden Festivalnacht. Denn spätestens hier ließen die Fans nochmal ordentlich die Beine zappeln.

Zu den absoluten Besonderheiten des Festivals zählte vor allem auch der Veranstaltungsort, die „Völklinger Hütte“, ganz in der Nähe von Saarbrücken. Denn wie oft tanzt man schon vor der Kulisse eines UNESCO-Weltkulturerbes die Nacht durch? Durch dunkle Gänge, unter rostigen Rohren entlang und schon lag  links die „Sennheiser Silent Stage“, auf der sich die mit Headphones ausgestatteten Festivalgänger zur Musik bewegten. Nur ein paar Schritte weiter das Schrottgleis, auf dem Drum and Bass-Rhythmen, ebenso wie Dubstep-Beats von Künstlern wie „JarJar“, „Bananas From Outer Space“, „Seki & Minoru“ und „Tiefklang“ aufgelegt wurden. An zerfallenen Fabrikhallen vorbei und bis zur Aussichtsplattform am Hochofen wo Elektro-, House- und Technobeats pulsierten und damit jeden Winkel des Weltkulturerbe zum Vibrieren brachten. Eine außergewöhnliche Verbindung der Extraklasse, die mit modernem Musikgeist neues Leben in das „Alte Eisen“ brachte.

Kurzum: Eine einzigartige Nacht der elektronischen Tanzmusik, die hoffentlich erst der Anfang einer ganz besonderen Festival-Reihe in der „Völklinger Hütte“ ist.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr den ersten Artikel zum Thema „Musik und Berufe“.