Diskoschorle und Nebelmaschinen: Ein Interview mit Reich & Bleich

Es gibt viele DJs in dieser wunderschönen Musikwelt. DJ, das ist der Mann/Frau hinter einem kleinen Dozenten-Pult ähnlichem Aufbau aus technischen Geräten, der die Klasse/Masse zum Zuhören animieren möchte. Ist ein DJ somit etwas wie ein Dozent? Nun ja, so einfach ist es nun doch nicht… Jedoch bearbeiten beide die gleich Zielgruppe, nur zu einer anderen Zeit am Tag!

Ein junger Mann namens Reich & Bleich hat in dieser heterogenen Welt schon mehr erreicht als manch anderer Künstler. Der „11-Million-Man“, von der Face2Face-Redaktion aufgrund der Klickzahl auf eines seiner Videos auf YouTube genannt, überzeugte die Redaktion durch sein aphrodisierendes Set letzten Jahres und machte neugierig auf mehr.

Die Face2Face-Redaktion traf den DJ und wollte mehr über ihn in Erfahrung bringen:

Face2Face-Redaktion: Wie geht´s dir heute?
Reich & Bleich: Bestens danke! Etwas Halsschmerzen, aber die sind verdient.

Face2Face-Redaktion: Es ist schwer über dich etwas herauszufinden? Wer steckt eigentlich hinter Reich & Bleich?
Reich & Bleich: Obwohl viele erstmal annehmen Reich & Bleich müssten zwei Leute sein, ist das ein „Ein-Mann-Projekt“. Da aber selbst auf mittelmäßige quadratische Schokolade anscheinend drei Adjektive passen, hab ich mir das einfach mal rausgenommen. Zu mir selber ist zu sagen, dass ich 23 bin und was ganz besonderes mit Medien studiere.

Junger DJ mit Zukunft: Reich & Bleich (Foto: Farben Froh)

Junger DJ mit Zukunft: Reich & Bleich (Foto: Farben Froh)

Face2Face-Redaktion:  Dein bekanntester Remix „Summertime Sadness“ hat heute über 11 Millionen Views! Wurdest du denn bereits von verschiedenen Labels kontaktiert?
Reich & Bleich: Das witzige ist, dass mich zuerst ein Produzent von Red Bull (die machen ja auch Filme, Events, etc) angeschrieben hat, der den Remix gerne verwenden würde. Problem an der ganzen Sache war, dass er nicht offiziell war – nur geduldet von Lana’s Label (wie ich später erfahren habe). So kam erst dann die Plattenfirma von Lana in’s Spiel mit der ich dann auch wirklich einen Vertrag unterschrieben habe. Von Red Bull habe ich dann nichts mehr gehört. Weitere Labels haben mich aber nicht kontaktiert, aber auch völlig logisch da inoffizielle Remixe immer ein heißes Eisen sind und die ursprünglichen Rechte ja ganz klar bei einem Label liegen. Was mich aber am meisten gefreut hat waren Berichte von Freunden, dass das Lied in einem Zara in Barcelona oder auf der NY Fashionweek während einer Modenschau lief. Das macht es dann nicht so abstrakt wie die 11.000.000 unter dem Video (davon ist die Hälfte sowieso von mir (lacht))

Face2Face-Redaktion: Welche Rolle spielte bei deinen Produktionen dieses „einfach drauf los machen“?
Reich & Bleich: Das ist meiner Meinung nach das absolut wichtigste beim Musik machen. Wenn nicht innerhalb von 10 Minuten die Idee steht, kann es schnell zu einem Projekt werden das sich richtige träge hinzieht. Ich weiß es zwar nicht mehr genau, aber der grobe Mix zum Summertime Sadness Remix stand an einem Tag. Irgendwann merkst du, dass es passt – es macht dann Klick, und es wird zu einem Selbstläufer. Ich mein das Ding ist kein komplexes Meisterwerk – böse Zungen behaupten, dass ich einfach unter das Original ne Bassdrum gelegt habe 😉 – aber es funktioniert einfach. Und besonders EDM mache zumindest ich nicht, damit mir ein Musikliebhaber anerkennend mit seinem Club Mate zuprostet. Das wird immer noch auf der Tanzfläche entschieden.

Face2Face-Redaktion: Wie kamst du zur Musik? Frühkindliche Musikerziehung mit Geige, Klavier und Cello?
Reich & Bleich: Ich komme eigentlich aus der klassischen Ecke. Nicht, dass ich da groß was gerissen hätte (außer der eine Auftritt in der Aula vor Weihnachten mit 12), aber ich habe es nunmal (gottseidank!) gelernt. In der Tat gab es schon frühkindliche Musikerziehung am Klavier und das war auch ohne Zweifel der Grund warum ich später selber Musik gemacht habe.
Ich war auch ein begnadeter Blockflötist! Meistens im fetzigen Duo mit meinem
Zwillingsbruder.
Aber das Wissen ein Klavier zu bedienen nimmt die erste große Hürde selber kreativ zu
werden, weil die Klaviatur heutzutage nunmal die bevorzugte und einfachste Art ist MIDINoten in den Computer zu hacken. Wobei es genauso wichtig ist technikbegeistert zu sein um das volle Potential aus so tollen Programm wie Ableton Live zu kitzeln.

Face2Face-Redaktion: Du hast verschiedene Einflüsse in deiner Musik, die von Mainstream bis hin zu Underground gehen. Welche Einflüsse siehst du in deiner Musik?
Reich & Bleich: Hmm, ich glaube die meisten Einflüsse waren immer temporär. Um 2007 rum war ich zum Beispiel völlig geflashed von dem super kraftvollen Sound von Justice… ich wollte unbedingt auch so klingen. SebastiAn fand ich auch extrem geil damals. Das war auch die Zeit als ich angefangen habe elektronische Musik zu machen. Was mich in letzter Zeit überzeugt hat war „The M Machine“, der neue Sound von „Fox Stevenson“ und „Pep Rash“, die jetzt wahrscheinlich richtig durchstarten werden. Achja und natürlich „Galantis“.. richtig cremig! Man merkt schon ich höre eigentlich alles durcheinander…

Face2Face-Redaktion: Wie würde Reich & Bleich seine Musik in einer Schlagzeile bezeichnen?
Reich & Bleich:Der Geruch von Wodka Bull und Nebelmaschine musikalisch interpretiert“

Face2Face-Redaktion: Ist in der nächsten Zeit mit neuem Material von dir zu erwarten oder legst du demnächst bald wieder auf?
Reich & Bleich: Ja! Bald gibt es endlich neues Material von mir! Ich kann so viel verraten, dass es 4/4 Takt wird mit voraussichtlich zwei Drops und einem Intro. Aber Spaß beiseite, wird es wirklich geben. Habe jetzt wieder endlich mehr Zeit und vor allem Lust was neues zu machen. Genaueres gibt es dann bald auf meiner Facebook Seite.

Face2Face-Redaktion: Was muss man unbedingt wissen, wenn man zu einem Set von Reich & Bleich geht?
Reich & Bleich: Wo es ist.

DANKESCHÖN!

Vorschau: Nächstes Woche gibt es für euch exklusive Informationen unter dem Thema „Artists to watch“.

Spiel das ab, Scotty!

Eine Rakete ist laut Wikipedia.org „ein Flugkörper mit Rückstoßantrieb der während des Betriebs unabhängig von externer Stoffzufuhr ist und daher auch im luftleeren Raum beschleunigen kann“. Würde man diese Beschreibung umändern und beispielsweise eine Band als Rakede (man bemerke den gewollten Unterschied im Namen) bezeichnen, dann muss diese Band in der Lage sein, angefeuert mit der Kraft ihrer Triebwerke den Zuhörer zu packen und mit ihm so hoch zu fliegen, sodass dieser im luftleeren Raum (also in der Konzerthalle) völlig allein von der Musik in seinem eigenen Kosmos autark leben kann.
Nun gibt es rein zufällig eine Band mit dem Namen „Die Rakede“, zu der diese Beschreibung perfekt passt.
Die Jungs, die sich selbst als Triebwerke bezeichnen, schaffen ihren eigenen Sound, der Hip-Hop-, Reagge- und Dubstepelemente und vor allem eine große Portion Überraschung bei jedem Song enthält. Sei es, dass im Stile von Alex Clare ein Lautsprecher-zerreißendes Dubstepelement auf feine Gitarrenakkorde folgt oder dass ein anfänglicher Reagge-Song sich zu einer Sommerhymne zum Tanzen hochschaukelt, die Triebwerke wissen genau, welche Knöpfe sie zur richtigen Stimmungsrichtung drücken müssen. Versucht man den Klang der Band einzuordnen, dann stehe die Rakede im Vorgarten eines Deichkindes, dass fröhlich mit seinen Seeeds spielt. Durch zahlreiche eigene Konzerte, Auftritte auf verschiedenen Festivals und Fernsehshows, stehen die Triebwerke am Rande des Sprungs zu größeren Bekanntheit.

Diese Faktoren reichten auf jeden Fall aus, um sich die Neugier der Musikredaktion von Face2Face zu sicher:

Face2Face: Erst einmal die wichtigste Frage: Wie geht es euch Jungs?
Rakede: Uns geht’s gut, danke der Nachfrage.

Face2Face: Auf der Website eures Labels „Warner Music“ steht, dass 2006 auf einer nächtlichen Zugfahrt von Berlin nach Köln die „Rakede“ gegründet wurde. Wie kam es denn zu der Gründung und war auf dieser Zugfahrt irgendetwas Besonderes?
Rakede: Genau genommen wissen wir es nicht, denn wir waren nicht dabei. Die damaligen Triebwerke 2 und 3 haben den Zugfahrt-Mythos geschaffen und später sich wieder von Bord genommen.
Dazu muss man wissen: Einen Triebwerkposten „besitzt“ man nicht, man erfüllt ihn nur solange man fit genug ist – wie der Kapitän der Nationalelf oder die King’s Singers. Anfang 2013 war das gesamte Schiff in einem ziemlich rostigen Zustand und Triebwerk 1 und (das heutige) Triebwerk 2 haben das Ding mit viel Energie wieder aufpoliert – Das hat bis in dieses Jahr hinein gedauert; eine Neugründung 2014 gewissermaßen.

Musikalische Kosmonauten: 2 Triebwerke der Rakede - Der Rest ist noch nicht gelandet (Foto: Rakede)

Musikalische Kosmonauten: 2 Triebwerke der Rakede – Der Rest ist noch nicht gelandet (Foto: Rakede)

Face2Face: Durch das Tischkonzert eures Songs „Bitte Bitte“ 2013 habt ihr gezeigt, dass ihr auch akustisch sehr stark seid. Habt ihr denn vor noch ein paar Tracks auf diese Art zu remixen? Sprich: Gibt es denn bald weitere kleine Tischkonzerte?
Rakede: Wir haben nicht vor, hauptberufliche Tischklopfer zu werden, so schön das auch war. Aber wir suchen immer nach Neuem – und das nicht nur „unplugged“: Wir werden uns weiter selbst covern, unsere Songs remixen, auflegen, umstricken. Einerseits weil es uns Freude macht, besonders aber, um auf unser Debut-Album aufmerksam zu machen, das wir im November rausbringen und auf das wir uns sehr freuen.

Face2Face: Der Hype zu dem Video war im November 2013 in Medien sehr präsent. Würdet ihr sagen, dass diesen Bekanntheitsschub gut nutzen konntet?
Rakede: Natürlich hat die Aufmerksamkeit uns weitergebracht. Wir hatten ein paar TV-Auftritte und eine gute Handvoll neuer Fans. Andererseits hat das Tischkonzert verhältnismäßig wenig mit unserem Album zu tun und daran hängt unser Herz nun einmal am meisten.
Deshalb hieß und heißt es: Entspannt bleiben. Wir wollten keinen nervösen Verkaufs-Anfall bekommen, in dem wir jedem, der das Tischvideo mag T-Shirts, Buttons und Konzertkarten andrehen wollen. Wer mag, darf das allerdings natürlich tun.
Man kann das gesamte Album auf Soundcloud hören. Vorbestellungen helfen uns sehr, alleine das Reinhören auch schon!

Face2Face: Ihr habt tolle Features auf eurem „Ja…aber was, wenn alles klappt“-Album: Bei „Bitte bitte“ und „Volldampf“ ist Samy Deluxe mit an Bord und bei „St. Tropez“ arbeitet ihr mit Frank Dellé von Seeed. 1. Wie kam es dazu und 2. Wie war denn die Zusammenarbeit?
Rakede: Die Zusammenarbeit mit Samy war ungefähr so, wie man sich das vorstellen würde. Wir haben damals Aufnahmen in seinem Studio gemacht und uns im Zuge dessen immer wieder gegenseitig über die Schulter geschaut. Manchmal ist dabei dann etwas rausgekommen, wie die beiden Features. Die Zusammenarbeit mit Dellé war da eher futuristisch. Wir haben uns tatsächlich nie getroffen. Norbert von Downbeat hat ihm den Song gezeigt und Dellé war so angetan, dass er „ungefragt“ eine Strophe über den Instrumentalteil gesungen hat – Fanden wir gut und haben wir so genommen.

Face2Face: Über euren Sound wurde ja schon viel geschrieben: Ihr habt Pop, Reagge, Hip-Hop und Dubstep-Elemente in euren Songs. Was kann man nun für das Album, das im November 2014 erscheinen wird, erwarten? Bleibt ihr diesem Stil-Mix treu oder erweitert ihr ihn sogar?
Rakede: Wir hatten keine Vision von unserem eigenen Sound. Wir wussten nur, dass wir
alles tun würden, das Beste aus uns raus zu holen. Nur unser Geschmack, der nochmal
breiter gefächert ist als die Einflüsse die man letztlich benennen kann, und unsere handwerklichen Fähigkeiten – wie wir produzieren, welche Instrumente wir spielen – waren formgebend. Insofern kann man nicht von Stil¬treue sprechen. Ich denke, wenn man das Album hört, dann ist ein roter Faden und ein eigenständiger Charakter hörbar, ohne das man nach dem dritten Song schon erahnen kann, wie die nächsten neun klingen werden. Natürlich können auch wir das Rad nicht neu erfinden, klingen wie wir klingen, und sind wie wir sind, aber unsere Grundmotivation ist, ständig besser zu werden in dem was wir tun, und ich glaube das schützt ein wenig davor, uns selbst zu wiederholen, oder sich von vorn herein zu definieren und sich Genre bedingte Grenzen aufzuerlegen.

Face2Face: Diese Frage betrifft nun jeden Einzelnen: Gibt es DIR ein Lied das rückblickend DEINEN Musikgeschmack geprägt hat? So einen All-Time-Favoriten? Und wenn ja, welches Lied ist es und warum?
Rakede: TW1: Es gab da ein paar fette Blitzeinschläge: „We Are the Champions“ von Queen hat mich als 6 jähriger, der zu Hause nur Klassik gewöhnt war komplett geflasht, später dann „Black or White“ von Michael Jackson. Und noch später, als nach Düsternis suchender Teenager „Unforgiven“ von Metallica und überhaupt das ganze Black Album.
TW2: Einen einzelnen Song zu wählen kann ich nicht, davon gibt es zu viele. Wenn es um Alben geht, tu ich mich da leicht: Am meisten geprägt hat mich definitiv Tool¬ – Lateralus. Musik, die einen weiterdenken und reflektieren lässt und nicht nur an der Oberfläche kratzt, sowas mag ich.
TW3: Für mich war „High Way to Hell“ von AC/DC der Song, der sofort nach dem Auftakt des Gitarrenriffs, mein Leben mit 12 Jahren veränderte. Als ich hörte wie der Drummer anfing den Beat zu spielen wurde mir die Funktion von meinem Instrument kristallklar. Die Disziplin mit der er jeden Schlag spielte, so als hätte es vor ihm keinen anderen Drummer auf dieser Welt gegeben, der seine Absicht so deutlich machen wollte und konnte.
TW4: Also ich hätte da eins, weiß zwar nicht in wie fern das meinen Musikgeschmack geprägt hat aber jut…Europe – The Final Countdown. Das war jedenfalls das erste Mal das ich eine Band quasi richtig wahrgenommen hab und ich war total geflasht als ich die im Fernsehen bei Formel Eins live gesehen habe. Ich habe wahrscheinlich meine Eltern auch tierisch genervt wenn ich zum tausendsten Mal die Platte aufgelegt hab und in Fantasieenglisch mitgesungen hab. Da war ich ungefähr 7…

Face2Face: Eure Tour beginnt am 12. September auf dem Soundgarden Festival in Bad Nauheim. Habt ihr eine Art Ritual, dass ihr vor einem Konzert immer durchführt?
Rakede: Ausladen, schleppen, aufbauen! Nein im Ernst, diese automatisierten Abläufe, die einfach dazugehören, haben tatsächlich etwas fokussierendes und gelten für uns schon als Ritual. Direkt vorm Auftritt reicht meistens ein High¬five.

Face2Face: Wie erklärt ihr einem ahnungslosen Vielleicht-Rakede-Konzertbesucher, was euch von anderen Bands abgrenzt und warum er unbedingt mit der Rakede auf einem Konzert mitfliegen muss?
Rakede: Erstmal vorweg, um nicht zu selbstverliebt zu klingen: Es gibt auch andere
gute Bands. Ein Rakedekonzert ist schon was ziemlich eigenes und ich glaube, es gelingt uns gut, Elektronik mit live-Instrumenten auf die Bühne zu bringen. Außerdem – hoffen wir – merkt man uns auch an, dass wir vom ersten bis zum letzten Ton alles selber machen, voll hinter dem stehen was wir tun, und das Glück haben, mit sehr talentierte Musikern auf der Bühne zu stehen.

Face2Face: Was dürfen wir von der Rakede demnächst noch erwarten?
Rakede: Erstmal wird’s wundervolle Musikvideos, ein paar kleine Specials und die Club¬tour im Dezember geben. Musikalisch entwickeln wir uns stetig weiter, viele kleine Ideen schwirren schon rum, die gerade beginnen in ein nächstes Album zu münden.

Vielen Dank! Wenn ihr mehr über die Jungs von Rakede erfahren wollt, dann klickt am besten hier.

Vorschau: Nächstes Mal an dieser Stelle erwartet euch ein Review zum Mixtape „Hardcore“ von Lil Kim!

Für schmucke Spielerfrauen – Fußball trifft Mode

Frauen und Fußball – da wird vielleicht mancher Mann sagen: „Das passt doch nicht zusammen!“ Frau kann daraufhin ab sofort entgegnen: „Weit gefehlt!“ Mit den Schmuckstücken vom Wiesbadener Online-Shop 12te Frau bringen nun die Frauen die Fußballwelt zum Glänzen.

Die Fußballweltmeisterschaft ist nun seit fast einem Monat vorbei und die Bundesliga steckt in den Startlöchern, um in die neue Saison zu starten. Genau der richtige Zeitpunkt um sich Gedanken darüber zu machen, wie man das Thema Fußball ins Alltagsoutfit integrieren kann. Blumenkette in Deutschlandfarbe ist da schon etwas zu auffällig für den Job. Abhilfe für unser modisches Problem schafft nun Christina Germann, die Gründerin von 12te Frau.

Sportlich: Das Logo des Online-Shops zeigt wie es geht (Grafik: 12te Frau.de)

Sportlich: Das Logo des Online-Shops zeigt wie es geht (Grafik: 12te FRAU.de , C. Germann)

„12te Frau ist ein Online-Shop für weibliche Fußballfans mit Style, so beschreibe ich das immer ganz gerne“, erzählt Germann. Die Erklärung zum er Namen des zum Online-Shops ist simple. Während der 12te Mann natürlich immer der männliche Fan ist, ist die 12te Frau das weibliche Gegenstück. „Der Gedanke hinter 12te Frau ist, dass es viele weibliche Fans gibt, rund elf Millionen, die nicht nur während der WM ihr Team anfeuern, sondern auch ins Stadion gehen. Und Frau möchte dann natürlich nicht nur das Männertrikot ein bisschen kleiner tragen“, erklärt Germann die Idee ihres seit Mai existierenden Shops.

Kreativ: Christina Germann, die Gründerin von 12te Frau (Foto: C. Germann)

Kreativ: Christina Germann, die Gründerin von 12te Frau (Foto: Jens Fischesser, 12te FRAU)

Neben Ohrringen, Armbänder und T-Shirts werden in insgesamt acht Kategorien allerlei modische Fan-Ausstattungen bereitgehalten. „Ausgerichtet sind wir tatsächlich auf den weiblichen Fan, aber auch für ihre Liebsten ist was dabei. Für den Nachwuchsspieler, also für Kinder und Babys. Für den Sturmpartner, den Mann an ihrer Seite. Deko für Zuhause gibt es in der Kategorie Heimspiel. Die passende Deko für Unterwegs gibt es in der Kategorie Auswärtsspiel wie zum Beispiel mit einer Grillschürze.“

Im Rahmen der Fashion Week Berlin brachte Germann auch die Stars in 12te Frau-Stimmung. „Unter den 11 Millionen weiblichen Fans sind auch viele Stars, die sich zum Fußball bekennen. Na klar, zur Fußball- WM sind alle Fan. Aber auch erstaunlicherweise sehr, sehr viele neben der WM, die sagen: „Ich stehe zu meinem Verein, gehe ins Stadion“. Deswegen war es sehr leicht im Rahmen der Fashion Week auch Stars zu erreichen, die sagen: „Ich finde das toll, ich mag die Produkte und trag das gerne!“, so Germann zu ihren Erlebnissen auf der Fashion Week.

Neben Sport und Mode möchte Germann aber auch etwas Gutes tun. Vom Erlös des verkauften Produkts geht ein Teil an die Hilfsorganisation Care. „Care ist für mich eine Herzensangelegenheit. Während viele Organisationen Wasser bringen, hilft Care einen Brunnen zu bauen. Also Hilfe zu Selbsthilfe.“

Eins der modischen Highlights des Online-Shops sind zum Beispiel die Armbänder „Deine Farben“. Dahinter steckt die Idee, dass sich der weibliche Fan aus verschieden farbigen Kristall-Armbändern die Farben seines Lieblingsvereins passend zum Outfit zusammenstellen kann. „Wir haben dieses Armband, aber auch viele andere Produkte, in sechs verschiedenen Farben. Mit diesen Farben lassen sich alle Bundesligavereine und auch viele Länder darstellen“.

Stylisch: Auch auf den Ohrringen kann meine seine Liebe zum Verein zeigen (Foto: V.Wahlig)

Stylisch: Mit Ohrringen und Armbändern ist Spielerfrau bestens fürs Stadion gewappnet.  (Foto: V.Wahlig)

Eine weitere Besonderheit des Online-Shops ist die Kategorie Ballkünstler. Hier bekommen Künstler, die Produkte mit Fußballbezug herstellen, die Möglichkeit ihre Produkte vorzustellen. „Ballkünstler ist eine besondere Sparte, da wir diese immer wieder wechseln werden. Zurzeit haben wir Silberringe vom offiziellen Schmuckgestalter vom FC St.Pauli.“ In dieser Kategorie erwarten den Besucher des Shops immer Besonderheiten, die es sonst nicht sooft gibt, erklärt Germann.

Bei so vielen stylischen Schmuckstücken hält jetzt auch endlich der Fußball Einzug in unseren Kleiderschrank – abseits vom zu groß geratenen Männer-Trikot und plumper Deutschlandfarben-Kette. Jetzt muss sich Frau nur noch für einen Verein entscheiden. Oder sich doch lieber gleich sich mit allen sechs Farben eindecken.

 

Jedes Wort hat seine Berechtigung

I'm a barbie girl: Zum Geburtstag schenkt sich Kristina ein Barbie-Shooting. (Foto: Florian Forsbach)

I’m a barbie girl: Zum Geburtstag schenkt sich Kristina ein Barbie-Shooting. (Foto: Florian Forsbach)

Kristina Malyseva ist heute Schauspielerin. Eine Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin und ein Chemiestudium war nichts für die 27-Jährige. Der Spaß fehlte. Sie hat eine zehn Jahre ältere Schwester, Tatjana. Die ist Naturwissenschaftlerin und war das perfektes Kind. Ihre Mutter ist Ingenieurin und dachte sich: „Es hat mit meinem ersten Kind gut geklappt, dann kriege ich noch ein Zweites“. Sie rechnet Kristina hoch an, dass sie es naturwissenschaftlich zumindest versucht hat. Doch, wenn Kristina die Erstgeborene gewesen wäre, hätte ihre Mutter keine weiteren Kinder bekommen. Ein Interview mit der Abtrünnigen über Publikumsnähe, Lebenstitel und Unabhängigkeit.

Face2Face: Wenn dein Leben ein Theaterstück wäre, welchen Titel hätte es?
Kristina: „Ironie des Schicksals“. Das ist ein ganz großartiges Theaterstück und ein Film, der meinem Leben entspricht und meine russischen Wurzeln unterstreicht. Ganz groß!

Face2Face: Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
Kristina: Ich habe mit elf Jahren als Kinderstatist am Theater Freiburg angefangen. Dann folgte mit 13 Jahren die „Young Music Company“ in Hinterzarten bis ich 17 wurde. Ich habe dann eine Ausbildung zur chemisch-technischen Assistentin abgeschlossen und nebenher mein Abitur nachgeholt. Theater war immer mein Hobby. Ich studierte dann Chemie in Basel, aber nach vier Semester brach ich ab, weil ich feststellte, dass die Branche beruflich nichts für mich ist. Ich habe mich in München für ein Regiestudium beworben und eine Zusage bekommen. Das war sehr überraschend für mich. Ich zögerte, denn Regie ist etwas, das verlangt, dass man selbst weiß, was man von seinen Schauspielern fordern kann. Ich wollte zuerst herausfinden, in welcher Haut man als Schauspieler steckt und deshalb habe ich mich für ein Schauspiel-Studium in Freiburg entschieden.

Face2Face: Was liebst du an deinem Beruf?
Kristina: Niemand möchte sich zeigen. Alle fürchten sich, weil die Gesellschaft vorschreibt, wie man zu sein hat und was das Richtige ist, dabei sind wir alle unterschiedlich und reagieren situativ. Jeder Mensch ist sentimental. Jeder trägt alle Emotionen in sich, aber es mangelt an deren Kommunikation. Ich verarbeite im Theater meine Emotionen. Diese Möglichkeit liebe ich an der Schauspielerei.

Bist du dir selbst sicher, wann du spielst und wann nicht? Ja. (Foto: Henrik Iber)

Bist du dir selbst sicher, wann du spielst und wann nicht? Ja. (Foto: Henrik Iber)

Face2Face: Spielst du einen bestimmten Figurentypus immer wieder?
Kristina: Ja, ich werde oft jünger und in verspielten Rollen besetzt. Ich bin kein strenger oder ernster Mensch. Ich lache viel und so nimmt man mich wahr. Ich wirke leicht und unbedarft. Neuem stehe ich grundsätzlich offen gegenüber. Das erleichtert vielen den Umgang mit mir.

Face2Face: Muss man eine Rolle nur denken, und dann geht sie nach außen?
Kristina: Ich bin selbst Mutter, aber eine Mutter zu spielen, erscheint mir beispielsweise schwierig. Grundsätzlich trage ich schon alle Rollen in mir, ganz unabhängig von meinem Alter, aber ich muss die Rolle finden. Das gelingt mir durch Lesen, Fragen stellen, beobachten. Ich möchte herausfinden, wie die Figur fühlt und reagiert. Ich lerne oberflächlich und von Probe zu Probe meinen Text. Regisseure sind der Ansicht, dass jedes Wort seine Berechtigung hat. Diese Berechtigung hat mein Kopf bei den ersten Proben aber noch nicht entdeckt. Aber bis zur Premiere habe ich den Text Wort für Wort gelernt.

Face2Face: Bist du dir selbst immer sicher, wann du spielst und wann nicht?
Kristina: Ja, ich weiß genau, wann ich spiele und wann ich Kristina bin.

Face2Face: Was willst du erreichen mit dem, was du auf der Bühne tust?
Kristina: Das Theater ist das Spiegelbild der Gesellschaft. Ich lege Wert darauf, dass die Botschaft des Stücks ankommt. Wir machen keine Prognosen über die Zukunft und stellen keine Behauptungen über die Vergangenheit auf. Wir befinden uns in der jetzigen Gesellschaft. Das ist der Identifikationsgrund und das Potential. Das Publikum soll sich berührt fühlen, auch schämen und die Angst überwinden, das zu zeigen, was sie fühlen. Das möchte ich mit meinem Spiel mitprovozieren. Ich bin kein Moralapostel, der zeigen will: „Schaut, so schlimm sieht es aus und ihr seid daran Schuld“.

Perspektivwechsel: Kristina bei einem Shooting mit Anzug und Krawatte. (Foto: Henrik Iber)

Perspektivwechsel: Kristina bei einem Shooting mit Anzug und Krawatte. (Foto: Henrik Iber)

Face2Face: Wie spürst du das Publikum?
Kristina: Ich spiele mehrmals im Monat in Freiburgs Innenstadt. Das Projekt heißt: „Livin‘ History“. Diese Straßenerfahrung ist eine große Bereicherung für mich. Die vierte Wand, Bühne und Zuschauer, die da wegfällt, hat mich viel gelehrt: Du interagierst mit dem Publikum und jedes Publikum ist anders. Ich kann nicht meine Show abziehen, die ich 100%ig einstudiert habe. Ich muss mich nach den Menschen richten und das ist jedes Mal anders. Wenn ich mir, in dem was ich spiele, sicher bin, dann hören mir die Leute zu und dann entsteht etwas Wunderherrliches, wenn wir uns gegenseitig hochschaukeln. An dieser Sicherheit mit mir selbst, möchte ich am meisten arbeiten.

Face2Face: Steht am Anfang vor dem Auftritt die Angst, dass du es nicht schaffst?
Kristina: Es bringt mich nicht voran, Angst zu haben. Ich bin von Natur aus skeptisch, aber das heißt nur, dass ich etwas in Frage stelle oder überdenke, das ist nicht negativ. Ich bin niemand, der drei Stunden bevor ein Stück beginnt, noch die Bühne „atmen“ muss, ich komme und verbringe die restliche Zeit mit den Kollegen und bin gut vorbereitet und diese Sicherheit habe ich gerne. Und dann gehe ich raus, und los geht es. Irgendwann erreicht man einen Zustand, in dem alles gut sitzt, sodass man die Möglichkeit hat, sich auszuprobieren und weiterzudenken und über den einstudierten Rahmen hinauszugehen.

Face2Face: Planst du die nächsten Jahre?
Kristina: Ich plane nicht. Ich plane situativ, was ich für die nächste Zeit brauche, weil ich in dieser und jener Produktion stecke. Ich habe das Ziel, dass ich von der Schauspielerei einmal leben kann und glücklich damit bin.

Alle Lieben sind da: Kristina beim Barbie-Shooting mit Hund Finn. (Foto: Florian Forsbach)

Alle Lieben sind da: Kristina beim Barbie-Shooting mit Hund Finn. (Foto: Florian Forsbach)

Face2Face: Du verlässt bald Deutschland.
Kristina: Ja, ich versuche in Amerika in kleinen Kammertheatern zu spielen und baue mir dort wieder ein Netzwerk auf. Mir fällt es leicht, mich selbst gut zu verkaufen, zum Glück macht mir diese Selbstverwaltung großen Spaß. Ich werde eigentlich nichts vermissen, wenn ich jetzt ins Ausland ziehe. Dafür bin ich zu unabhängig; ich habe meine Familie, die mich liebt, aber jeder hat auch sein eigenes Leben. Ich bin gerne unabhängig.

Anmerk. d. Red.:
Als nächstes spielt Kristina, Klara Häberle im Stück Die Kirche bleibt im Dorf
Regie: Uli Grossmann,
Spielstätte: Kaltwasserhof/Münstertal
Datum: ab 17.07.2014.

Vorschau: Wie nutzen junge Menschen heutzutage digitale Medien und: Ist das ständige Aufs-Smartphone-starren schon eine Sucht? Am Dienstag, 1. Juli lest ihr mehr dazu im Panorama.

Geschwister erzählen, Teil V: Wenn zwei zusammen kommen

Sonnige Zeiten: Wenn Zwei zusammen Urlaub machen (Foto: Janitz)

Sonnige Zeiten: Wenn Zwei zusammen Urlaub machen (Foto: Janitz)

Brüder und Schwestern – Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit haben sie viele. Doch bei gemeinsamen Erzählungen hört man manchmal zwei Versionen: Da schwankt das zusammen erlebte Weihnachtsfest von turbulent zu besinnlich, der Nachbarschaftsstreich avanciert von abenteuerlich zu strafbar. Und genau dieses authentische Verhältnis zwischen Geschwistern möchte die Panorama-Redaktion näher beleuchten. Der fünfte Teil der Serie „Geschwister erzählen“ porträtiert die eineiigen Zwillinge Catalena, genannt Lillii und Johanna, genannt Hanna Janitz (beide 18 Jahre alt), die im letzten Sommer Abitur gemacht haben und seitdem arbeiten und reisen – Italien, eine Interrail-Europareise und im Moment eine Südostasientour. Warum der kleine Bruder sich oft gegen die beiden Schwestern behaupten musste, warum Geschwister wissen, wer man ist, und warum Streit nur bei „normalem Geschwisterkram“ aufkommt, lest ihr hier:

Face2Face: Was habt ihr einander zuletzt geschenkt?
Lilli: Zuletzt haben wir uns gegenseitig Bücher geschenkt. Aber schon oft haben wir uns auch schon gleiche oder ähnliche Sachen geschenkt, vermutlich weil wir die Geschenke maßgeblich danach aussuchen, ob sie uns selbst gefallen oder nicht. Zu Weihnachten hätten wir uns fast gegenseitig Astrid Lindgrens Biografie geschenkt, wie wir hinterher festgestellt haben.

Face2Face: Was nervt euch aneinander?
Lilli: In manchen Situationen ist Hanni weniger unternehmungslustig und etwas ängstlich und das nervt mich besonders, wenn ich selbst gerade richtig Lust habe etwas zu machen.
Hanni: Manchmal nervt mich Lillis Chaos und ihre „Bummelei“, besonders wenn wir etwas zusammen vorhaben oder etwas erledigen müssen. Dann habe ich das Gefühl, dass ich alles alleine mache und ihre Arbeit wie selbstverständlich übernehmen muss.

Face2Face: Wie oft seht ihr euch und gibt es etwas, das euch verbindet?
Hanni: Momentan reisen wir zusammen, verbringen also den Großteil des Tages miteinander. Mit 15 waren wir allerdings sechs Monate getrennt in den USA. Nach den ersten paar Wochen haben wir angefangen uns öfter SMS zu schreiben und zu skypen, um ein bisschen den Alltag zu teilen.

Face2Face: Merkt man euch an, wer die Ältere ist?
Hanni: Ich bin acht Minuten älter und gelegentlich die Vernünftigere von uns beiden.
Lilli: Außerdem habe ich Hanni früher beim Zahnarzt immer gerne vorgeschickt – sie war ja schließlich die ,,Große“. Ob das unsere Charaktere erst geprägt hat oder, ob wir uns grundsätzlich so entwickelt hätten, bleibt offen.

Face2Face: Habt ihr ein gemeinsames Hobby?
Lilli: Grundsätzlich haben wir schon immer viel zusammen gemacht, bedingt durch mehrere Umzüge mussten wir zusammenhalten. Außerdem waren wir immer in der gleichen Klasse und hatten denselben Freundeskreis. Als wir noch jünger waren, hatten wir beide Reit- und Klavierunterricht, waren in Basketball und Leichtathletik und haben Tanzen gelernt. Heute gehen wir gerne zusammen joggen und haben noch immer die gleichen Freunde, aber jeder hat auch ein paar ,,eigene“ Hobbys. Abgesehen davon, sind wir auch gerne zusammen unterwegs. Wir verstehen uns und müssen nicht groß diskutieren.

Face2Face: Worüber streitet ihr?
Hanni: Meistens streiten wir uns wegen dummer Kleinigkeiten, vergessen das aber schnell wieder. Da geht es dann regelmäßig um Besitzverhältnisse, also wem was gehört, oder wer jetzt den Müll rausbringen muss. Also ganz normaler Geschwisterkram.

Face2Face: Was kann die eine ganz wunderbar, was die andere gar nicht?
Lilli: Also ich finde ja, dass Hanni ganz wunderbar dekorieren und werkeln kann. Und ich finde es toll, dass sie Diskussionen nicht einfach aus dem Weg geht, so wie ich es oft tue. Außerdem kocht sie immer ganz lecker für mich mit und das ist ziemlich gut, weil mir das Kochen keinen Spaß macht.
Hanni: Lilli kann ziemlich gut zeichnen und malen und ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich ihre Bilder sehe. Außerdem bewundere ich ihre guten Ideen und ihren Sinn für Gestaltung. Meistens habe ich auch das Gefühl, dass sie viel kreativer angezogen ist als ich, weshalb ich mich gelegentlich an ihrem Kleiderschrank bediene.

Erster Schultag: Auch das Lernen wurde geteilt (Foto: Janitz)

Erster Schultag: Auch das Lernen wurde geteilt (Foto: Janitz)

Face2Face: Zu welchen Gelegenheiten habt ihr euch gegen eure Eltern verbündet?
Hanni: Im Streit sind wir eigentlich immer auf einer Seite. Wenn nur einer von uns in einen Streit verwickelt ist, ist der andere nicht automatisch der gleichen Meinung, sondern versucht zu vermitteln. Das heißt, dass wir uns immer ,,verbünden“, obwohl das eigentlich zu krass ausgedrückt ist. Es ist einfach selbstverständlich, dass wir zusammenhalten oder versuchen, dem anderen zu helfen.

Face2Face: Habt ihr noch weitere Geschwister?
Hanni: Wir haben noch einen kleinen Bruder, der uns mit seinen 16 Jahren allerdings schon längst über den Kopf gewachsen ist. Früher haben wir uns oft gestritten und da musste er natürlich immer gleich gegen zwei ankämpfen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass wir das durchaus auch zu unserem Vorteil genutzt haben und es nicht immer ganz fair zuging. Inzwischen sind wir drei aber ein cooles Gespann und machen ziemlich viel Unsinn zusammen.

Face2Face: Was würden eure Eltern über euch sagen, wenn man sie fragte, wie ihr Beiden seid?
Lilli: Unsere Eltern haben uns schon immer viel mehr als wir selbst es tun in zwei unterschiedliche Schubladen gesteckt: Lilli war und ist für sie die Planlose, Verpeilte, Kreative und Hanni eher die Ernsthafte, Verantwortungsbewusste, Zielstrebige, unabhängig davon, was wir eigentlich erreichen.

Face2Face: Welche Themen könnt ihr nur untereinander besprechen?
Hanni: Das sind hauptsächlich Themen, die die Familie oder die engeren Freunde betreffen, weil wir da den gleichen Ausganspunkt und ähnliche Ansichten haben. Außenstehende haben da weniger Durchblick und Verständnis. Dieses Zitat beschreibt es eigentlich ganz gut: „Your siblings are the only persons in the world who know what it’s like to be brought up the way you where.

Vorschau: Nächste Woche präsentiert euch die Panorama Rubrik eine Umfrage bezüglich eurer guten Vorsätze für das neue Jahr 2014 und ob eure Umsetzung denn schon gelungen ist.

Geschwister erzählen, Teil III: Schwesterherz

Zusammen sind sie weniger allein: Die Schwestern Anja und Carina probieren Mützen aus. (Foto: Privat)

Zusammen sind sie weniger allein: Die Schwestern Anja und Carina probieren Mützen aus. (Foto: Privat)

Brüder und Schwestern – Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit haben sie viele. Doch bei gemeinsamen Erzählungen hört man manchmal zwei Versionen: Da schwankt das zusammen erlebte Weihnachtsfest von turbulent zu besinnlich, der Nachbarschaftsstreich avanciert von abenteuerlich zu strafbar. Und genau dieses authentische Verhältnis zwischen Geschwistern möchte die Panorama-Redaktion näher beleuchten. Der dritte Teil der Serie „Geschwister erzählen“ porträtiert Anja (23)  und Carina (20) Rambacher. Die Schwestern haben eine ähnliche Art und können über dieselben Dinge lachen – das verbindet sie, auch wenn die eine in Baden-Baden, die andere in Eppelheim bei Heidelberg wohnt.

Face2Face: Seid ihr Zwillingsschwestern?
Anja: Nein, wir sehen uns zwar sehr ähnlich, aber ich bin 23.
Carina: Und ich bin 20 Jahre alt, aber der Altersunterschied ist kaum zu bemerken. Ich wohne noch daheim bei unseren Eltern. Dass Anja die Ältere ist, bemerke ich persönlich schon, weil ich ihre Erfahrungen mit verschiedenen Dingen nutzen kann und ich die Möglichkeit habe, sie bei Dingen um Hilfe zu bitten, die sie sich vielleicht mehr selbst beibringen musste.

Face2Face: Habt ihr euch ein Zimmer geteilt?
Anja: Ja, schon immer. Wir schlafen seit 20 Jahren im gleichen Zimmer. Eigentlich war es auch nie ein Problem. Wenn wir uns mal angezickt haben, war eben eine im Wohnzimmer und die andere im Kinderzimmer. Und wenn eine von uns mal einen Freund hatte, hat sie mit ihm auf unserer Ausziehcouch im Wohnzimmer geschlafen. Nicht unbedingt optimal – aber ich denke, das hat unsere Bindung zu einander nur gestärkt.
Carina: Durch das Zusammenwohnen haben wir von Anfang an gelernt in den verschiedensten Situationen miteinander umzugehen. Zudem hatten wir den gleichen Rückzugsort und nicht so viel Möglichkeit etwas vor dem anderen zu verbergen. Also teilten wir Dinge miteinander, die man sonst vielleicht nicht erzählt hätte. Ich glaube, dass unser Verhältnis zu einander vielleicht gerade deswegen so stark ist.

Face2Face: Habt ihr heute ein gemeinsames Hobby? Hattet ihr damals eins?
Carina: Wir haben lange Zeit auf hohem Niveau den gleichen Sport betrieben, sind täglich zusammen ins Training gefahren und auch wieder nach Hause. Auf Wettkämpfen konnten wir uns miteinander freuen oder uns gegenseitig trösten. Heute schauen wir uns gerne Filme an und lernen Filmzitate, um sie dem anderen zu einem passenden oder auch unpassenden Zeitpunkt an den Kopf zu werfen.

Face2Face: Wie oft seht ihr euch heute, wie oft telefoniert ihr?
Anja: Eigentlich immer dann, wenn ich am Wochenende zu Hause bin. Wir schauen dann oft gemeinsam Filme, gehen ins Kino oder auch mit gemeinsamen Freunden etwas trinken. Wir telefonieren eigentlich eher selten, chatten mehr via Facebook.

Die kleine Schwester im Arm: Anja und Carina als Kinder (Foto: Privat)

Die kleine Schwester im Arm: Anja und Carina als Kinder (Foto: Privat)

Face2Face: Worüber streitet ihr?
Carina: Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal richtig gestritten haben. Natürlich ist man mal von etwas genervt, aber wir bekommen uns nicht schnell in die Haare.

Face2Face: Habt ihr schon mal beide einen Jungen angehimmelt?
Anja: Also ich wüsste nicht, dass wir mal gemeinsam auf den gleichen Typen gestanden haben. Das waren wenn überhaupt dann nur so Schwärmereien für Filmstars. Und selbst da haben wir dann gemerkt, welche Kerle sie besser findet und welche ich. 

Face2Face: Was bewundert ihr aneinander?
Carina: Ich finde es bewundernswert, wie sie es schafft, egal bei was pünktlich zu sein. Wenn wir zusammen weggehen, hat sie es in dem Punkt oft schwer mit mir. Wenn sie schon ihre Straßenschuhe anhat und bereit zur Abfahrt ist, stehe ich oft noch Barfuß vor dem Spiegel und finde meinen Mascara nicht. Zudem schafft sie es oft mich mit ein paar Worten aufzubauen und zu ermutigen.
Anja: Meine Schwester ist viel disziplinierter, was Sport angeht. Wir haben zwar früher richtig viel Sport gemeinsam gemacht, aber ich bin richtig faul geworden. Ich fange immer mal wieder etwas an, aber wenn mir niemand in den Hintern tritt, bin ich da auch schnell wieder raus. Außerdem ist sie manchmal meine gewissenhafte Stimme, wenn ich darüber nachdenke etwas zu tun, was eigentlich nicht so toll ist. Ich finde es auch faszinierend, was für eine loyale Freundin sie ist.

Face2Face: In welchen Situationen habt ihr euch gegen eure Eltern verbündet?
Anja: Es gab schon Szenen, in denen wir nach Streitereien dann gemeinsam im Zimmer saßen und gegen unsere Eltern gewettert haben. Aber so richtig gegen unsere Eltern verbündet haben wir uns glaube ich nie, oder?
Carina: Ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns schon einmal richtig verbündet haben. Nur bei manchen Diskussionen ist es immer ganz hilfreich einen Mitstreiter auf seiner Seite zu wissen, der nachhilft, wenn einem die Argumente ausgehen.

Face2Face: Was habt ihr euch zuletzt zum Geburtstag und zu Weihnachten geschenkt?
Anja: Ich habe ihr zuletzt zu Weihnachten ein Fotobuch von uns beiden geschenkt – das hat sie zum Weinen gebracht und mich dann auch gleich mit. Ich muss immer mitweinen, wenn ich sowas sehe. Und da sie bald Geburtstag hat, kann ich jetzt natürlich nicht verraten, was sie bekommt.
Carina: Ich habe ihr zu ihrem Geburtstag einen Song geschrieben. Da sie an dem Tag nicht zu Hause war, habe ich ihn im Internet hochgeladen und ihn ihr geschickt. Wir haben, nachdem sie ihn angehört hat, miteinander geschrieben und sie meinte, er hätte sie zum Weinen gebracht – wie das so ist, kamen mir dann auch die Tränen und meiner Mama neben mir gleich mit. Wenn eine heult, heulen beide, so ist das schon immer bei uns.

Face2Face: Was nervt euch aneinander?
Anja: Dass sie IMMER meine Klamotten anzieht, egal wie oft ich ihr sage, dass sie das lassen soll! Und dass sie immer ewig braucht, um sich fertig zu machen. Ich muss immer warten!
Carina: Dass sie mich anstresst, wenn ich nicht pünktlich zur Abfahrt bereit bin. Ehrlich auf die Minute kommt es auch nicht an UND Du ziehst auch gerne MEINE Sachen an oder nimmst eine von meinen Hosen mit zu dir. Dieses Thema wird wohl niemals abgeschlossen sein.

Face2Face: Welche Themen könnt ihr nur untereinander besprechen?
Anja: Zum Beispiel, wenn sich unsere Eltern streiten. Das geht niemanden sonst etwas an. Oder wenn es um die Liebe geht – Carina ist die einzige, der ich wirklich alles erzähle!
Carina: Anja erfährt die Dinge immer als Erste, selbst vor meiner besten Freundin. Wenn es mir schwerfällt etwas auszusprechen, ist das nicht weiter schlimm, weil sie es eigentlich immer bemerkt und dann einfach selbst das Gespräch beginnt. Es gibt keine Tabus zwischen uns.

Vorschau: Nächste Woche haben wir im Panorama ein Interview mit dem Speyrer Model Samantha Stone,  Teilnehmerin bei der Bild Girl Wahl 2013.

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Weitere Serienteile:

Teil I: Geschwister erzählen, Teil I: Unter Brüdern
Teil II: Geschwister erzählen, Teil II: Brüderlein und Schwesterlein

3 Tage + 4 Bühnen + 50 Künstler = Maifeld Derby

Am vergangenen Wochenende hieß es in großen Teilen Deutschlands “Land unter!“ und auch unser sonst so sonnenverwöhnter Südwesten blieb nicht verschont. Doch das schreckte die Festivalbesucher des nun schon dritten Maifeld Derbys auf dem Mannheimer Maimarktgelände nicht ab. Im Gegenteil – die Gummistiefel und Regencapes wurden ausgepackt und dem Sommer, der sich eher anfühlte wie November, wurde gehörig getrotzt. Wo sonst zukünftige Eigenheimbesitzer in der Fertighaussiedlung schlendern und die Mannheimer Oberschicht Hutgrößen beim Pferderennen vergleicht, wurden für drei Tage wieder die Zelte aufgeschlagen, um auf dem kleinen aber feinen Festival zu feiern und zu tanzen. Dass das Festival mittlerweile jedoch seine Wellen auch außerhalb Mannheims gezogen hat, war deutlich an der ansteigenden Besucherzahl zu merken – somit leider auch an diversen Schlangen an Klo, Essenstand oder an der seit diesem Jahr neuen „Derbydollar“ Ausgabe.

Großer Matsch: Der Regen war unser ständiger Begleiter (Foto: face2face)

Großer Matsch: Der Regen war unser ständiger Begleiter (Foto: face2face)

Der ein oder andere Festivalbesucher war am Freitag vorerst verärgert, denn langes Schlangestehen im strömenden Regen erwartete ihn am Einlass. Umso mehr verzauberte der erste Headliner Daughter aus England die Menge im regenfreien Palastzelt und machte die leicht genervte Stimmung wieder wett. Die Frontsängerin Elena Tonra faszinierte mit ihrer zerbrechlichen, einzigartigen Stimme und ihrer zurückhaltend-charmanten Art. Doch nicht nur fürs Publikum, sondern auch für die Veranstalter war Daughter ein ganz besonderer Fang, denn sie hatten sich die aktuell sehr beliebte Band schon seit dem ersten Maifeld Derby als Act gewünscht. Damit bewiesen die Veranstalter wieder mal ihr musikalisches Gespür, denn mit ihrem melancholischen, geheimnisvollen Folk-Rock trafen Daughter mitten ins Herz und waren ein Highlight des dritten Maifeld Derbys.

Ein weiteres Highlight am Freitag waren CocoRosie. Die schon 2003 gegründete Band zweier Schwestern lieferte nicht nur eine beeindruckende Show für die Ohren sondern auch für die Augen ab. Ihre Musik ist kaum in Worte zu fassen, so vielfältig ist sie. CocoRosie kombinieren klassischen Operngesang und kindlichen Fantasiegesang mit elektronischen Klängen und Hip Hop Beats. Zudem spielen die Schwestern noch Instrumente wie Flöte und Harfe. Für die Hip Hop Beats sorgte auf beeindruckende Weise der Livebeatboxer TEX, eine Hip Hop Tänzerin im Tütü untermalte zwischendurch die Show mit Tanzeinlagen. Die Energie der Band übertrug sich schnell auf das Publikum, das sichtlich angetan war.

Auch am weniger verregneten Samstag versammelte sich eine beachtliche Menge im Palastzelt für den Headliner Efterklang. Die Dänen sind ebenfalls Künstler der interessanten musikalischen Mischung, so fanden sich in ihrem Repertoire poppige, rockige und elektronische Einflüsse, natürlich alles mit Liveband. Da der Skandinavier an für sich sehr stilbewusst ist, war es nicht sehr wunderlich, dass Efterklang auch optisch einiges hermachte – mit Fliege und perfekt sitzendem Sakko präsentierte sich die Band dem Mannheimer Publikum. Obwohl alles zu stimmen schien, sprang die Stimmung nicht vollständig auf die Zuhörer über.

Die Jungs aus Landau: Sizarr (Foto: wobbe)

Die Jungs aus Landau: Sizarr (Foto: wobbe)

Bei der Band Sizarr sprang die Stimmung allerdings schon eher auf das Publikum. Die Landauer Jungs, die zurzeit in Mannheim wohnen, hatten auf dem Maifeld Derby ein Heimspiel und überzeugten die Menschen im Palastzelt durch die Lieder ihres Debutalbums Psycho Boy Happy. Man merkte den Künstlern durch ihre Interaktionen mit dem Publikum an, dass auch sie Spaß an dem Konzert hatten.

Aber auch für Literaturfans gab es verschiedene Angebote: So las zum Beispiel MC Rene aus seinem Buch vor. Der Hip Hop-Star aus den 90ern hatte vor drei Jahren sein gesamtes Hab und Gut verkauft und reist seitdem mit einer Bahncard 100 durch Deutschland. Seine Erfahrung aus diesen Reisen und seiner Arbeit in einem Callcenter beschreibt er in dem Buch Alles auf eine Karte.  MC Rene, der mit bürgerlichem Namen René El Khazraje heißt, ließ es sich natürlich auch nicht nehmen kurz für seine Zuhörer zu rappen, was auf große Zustimmung traf.

Gegen Mitternacht wurde es Zeit für Thees Uhlmann, der schon ein alter Hase im Musikbusiness ist. Hausgemachter, deutschsprachiger Indierock mit intelligenten Texten geht eben immer beim Maifeld Derby und so war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Thees Uhlmann, entspannt und ohne Allüren, gab Geschichten aus seinem Alltag zwischen Tour und Spielplatz vom Besten und wirkte so ein bisschen wie der Papa des deutschen Indierocks. Als dann spontan plötzlich Casper für ihr gemeinsames Lied auf der Bühne erschien, war die Menge kaum zu halten. Weil es so schön war blieb Casper noch, er hat ja schließlich auch ein Lied, bei dem Thees Uhlmann mitsingt. Und Bier trinken mit Kumpel Thees geht auch auf der Bühne bestens. Spätestens jetzt war jeder am Tanzen.

Pünktlich zum Sonntag ließ sich auch die Sonne blicken und trocknete die letzten Pfützen aus. Im Palastzelt trat eine zierliche Blondine in Bomberjacke mit der Aufschrift „twisted sister“ auf die Bühne – die von vielen an diesem Wochenende lang erwartete Leslie Clio. Was auf Platte nach Energiebündel klingt, konnte live nicht wirklich überzeugen. Etwas verloren hielt sich die Wahlberlinerin am Mikrofonständer fest und agierte eher verhalten und kaum hörbar mit dem Publikum. Selbst Hits wie „Told you so“ wurden nur mit müdem Applaus belohnt.

Doch nicht nur die Headliner überzeugten. Im Palastzelt sorgen die Österreicher Jungs von Steaming Satellites für Stimmung mit engergiegeladenem Synthie Alternative Rock. Am Sonntag gab es noch eine weitere Überraschung aus Dänemark – When Saints Go Machine. Live funktioniert diese Band sehr gut und bewegt sich zwischen Pop, Rock, Electro und Hip Hop Beats. Auch auf den kleineren Bühnen wie Open Air und dem wunderbaren Parcours d’amour gab es einige Schmuckstücke zu finden wie die exotischen Sea&Air, dem polarisierenden Schlagerboy Dagobert, die träumerischen Immanu El und die rockigen We Were Promised Jetpacks, um nur einige zu nennen.

Den Abschluss am Sonntagabend bildete Sophie Hunger. Die 1983 in Bern geborene Schweizerin spielte mit einer herausragenden Band englische, französische sowie deutsche Lieder. Die Musik war ein Mix aus Klavier, Cello, Schlagzeug, Trompete und E-Gitarre. Die Freude, die die junge Frau beim Musizieren ausstrahlte, sprang schnell auf das Publikum über und alles tanzte und sang mit so gut es ging. Aber auch bei den ruhigen Liedern lauschten die Zuhörer andächtig. Alles in allem war jeder von dieser Frau begeistert. Auch dem männlichen Teil der anwesenden Musikredaktion fiel es schwer, dass Palastzelt ohne Sophie Hunger zu verlassen.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Maifeld Derby ein wunderbares Festival für musikbegeisterte Menschen ist, die sich auch gerne auf eher unbekannte Bands einlassen. Viele der anwesenden Bands waren nicht dem Mainstream angehörend. Dies lässt zeitgleich aber auch einen Spielraum zu, bei dem man sehr viel entdecken kann. Bands, wie zum Beispiel Steaming Satellites und Sophie Hunger, gelten zu den absoluten neuen Lieblingen der Musikredaktion von Face2Face. Nächstes Jahr also gerne wieder!

 Vorschau: Nächsten Samstag gibt esfür euch einen Artikel über das legendäre Rock am Ring.

Geschwister erzählen, Teil II: Brüderlein und Schwesterlein

Zusammen sein: Laura und Elias haben viele gemeinsame Hobbys (Foto: Julia Mungenast)

Zusammen sein: Laura und Elias haben viele gemeinsame Hobbys (Foto: Mungenast)

Brüder und Schwestern – Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit haben sie viele. Doch bei gemeinsamen Erzählungen hört man manchmal zwei Versionen: Da schwankt das zusammen erlebte Weihnachtsfest von turbulent zu besinnlich, der Nachbarschaftsstreich avanciert von abenteuerlich zu strafbar. Und genau dieses authentische Verhältnis zwischen Geschwistern möchte die Panorama-Redaktion näher beleuchten. Der zweite Teil der Serie „Geschwister erzählen“ porträtiert Laura (20) und Elias (18) Stiegeler, die in Karlsruhe vielen gemeinsamen Hobbys nachgehen.

Die Beiden haben noch vier jüngere Brüder. Laura und Elias sind gerade fertig mit ihrem Abitur und wohnen noch zuhause. Laura plant in naher Zukunft eine Weltreise und Elias macht ab September ein Freiwilliges Soziales Jahr im Schwarzwald.

Face2Face: Laura, wie ist es mit fünf Brüdern zuhause?
Laura
: Ganz ehrlich: Nach dem dritten Bruder habe ich geweint. Ich fand es so traurig, dass ich keine Schwester bekommen habe. Aber ich habe ein Mädchen kennen gelernt, das auch fünf Brüder hat und ich habe sie mir als Vorbild genommen. Wenn eine andere Freundin erzählt, wie sie sich mit ihren fünf Schwestern streitet, lache ich nur. Ich habe diesen Streit nicht.

Face2Face: Elias, ist Laura ein Vorbild für dich?
Elias
: In vielen Hinsichten ja, früher aber mehr als heute. Ich bin auf dieselbe Schule gegangen, ich bin schwimmen gegangen, in die Kirche gegangen, weil sie das alles gemacht hat. Heute ist das nicht mehr so.

Face2Face: Hat dich das genervt, dass er dir etwas nachmacht, Laura?
Laura
: Nein, hat es nicht. Ich habe allerdings ein aktuelles Beispiel, das mich nervt, ja: Ich mag die Farbe Grün sehr gerne. Ich habe ein neues Rad in grün. Jetzt kommt der Elias und hat zwei grüne neue Räder. 
Elias
: Ich muss dagegen protestieren, denn ich hatte meine grünen Räder bevor Laura ihr grünes Rad hatte. Zunächst habe ich ein Rad repariert, das einer Freundin gehört. Die Freundin wollte es aber nicht wieder zurück, also habe ich es behalten. Außerdem ist grün einfach eine coole Farbe, das hat nichts mit Laura zu tun. Und, unser Vater liebt auch grün – demnach hast du wohl unseren Vater nachgemacht. 
Laura
: Das wusste ich gar nicht, dass grün seine Lieblingsfarbe ist. Das hat er nie erwähnt.
Elias
: Doch, wenn wir ‚Mensch-ärgere-dich-nicht‘ spielen, nimmt er immer die grünen Männchen. Also muss ich feststellen, dass Laura unserem Vater nachmacht, nicht ich ihr.

Face2Face: Habt ihr beide viel mehr miteinander zu tun, als mit euren Brüdern?
Laura
: Wir machen viel zusammen, wir haben dieselben Hobbys, aber auch weil wir eben schon dasselbe Alter haben, und unsere Geschwister noch zu jung sind. Wir sind oft mit Kollegen vom Schwimmen unterwegs. Wir haben denselben Freundeskreis.
Elias
: Das heißt, es sind eigentlich Freunde in Lauras Alter, aber ich bin trotzdem immer dabei.

Verkleidungsfieber: Laura und Elias an Fasching (Foto: Privat)

Verkleidungsfieber: Laura und Elias an Fasching (Foto: Privat)

 

Face2Face: Wie ist bei euch die Zimmeraufteilung?
Elias
: Ich habe ein Zimmer mit meinem Bruder David und Laura hat ein eigenes Zimmer. 
Laura
: Wir haben aber früher in einem Zimmer gewohnt und uns gestritten, welche Kassetten wir hören. Ich wollte TKKG hören, weil das spannend war, und Elias wollte, weil er noch uncool war, Benjamin Blümchen hören. 
Face2Face
: Wie habt ihr euch geeinigt? 
Elias
: Es war ihr Kassettenrekorder.

Face2Face: Wie tragt ihr Streitereien untereinander aus?
Elias
: (lacht) Wir veranstalten immer eine kleine Olympiade im Garten und der Gewinner hat Recht. Nein, nein, Streitereien haben abgenommen, wir streiten fast gar nicht mehr. Als Laura in der Pubertät war, haben wir mehr gestritten. Ich war nie in der Pubertät, ich habe sie übersprungen.
Laura
: Ich dachte auch, dass ich nie in der Pubertät war, aber mittlerweile denke ich: Oh doch.
Elias
: Manchmal maulen wir uns an, aber das liegt eher an Stimmungsschwankungen und schlechter Laune.  Das legt sich schnell wieder.

Face2Face: Habt ihr mal alle gemeinsam gegen eine Entscheidung eurer Eltern protestiert?
Laura
: Ja! Da ging es um die Wahl des Urlaubsorts: Wir fahren immer mit einer anderen Familie in Urlaub und sie hatten sich Marielyst, eine Stadt in Dänemark, ausgesucht, aber da wollten wir Kinder nicht hin. Woanders wussten wir von einem Haus mit Pool und allem. 
Elias
: Wir sind dann mit Plakaten auf denen ‚Marielyst ist beschissen‘ stand durch die Wohnung gelaufen, haben eine richtige Demo gemacht. 
Laura
: Wir haben aber nur halb gewonnen: Wir sind zwar nicht nach Marielyst gefahren, aber auch nicht in das Haus mit Pool.  

Face2Face: Welche Eigenschaft an deinem Bruder beziehungsweise deiner Schwester bewunderst du? 
Laura
: Elias ist unglaublich offen und kann leicht Menschen ansprechen. Ich lass mich lieber ansprechen.
Elias
: Da muss ich jetzt erst kurz nachdenken. Wenn mich etwas nervt, dann fällt es mir schwer, das zu sagen. Laura kann das, das finde ich toll. Und ich finde gut, dass Laura rot werden kann. Ich würde in manchen Situationen auch gerne zeigen, dass ich mich geschmeichelt fühle.
Laura
: Also, wenn du das von mir haben willst, nimm, ich schäme mich, wenn ich rot werde.

Face2Face: Was nervt euch aneinander?
Elias
: Wir verstehen uns zu gut, als das wir sagen könnten, was wir aneinander nicht mögen.

Vorschau: Nächste Woche haben wir im Panorama einen ganz besonderen Leckerbissen für euch parat: Face2Face-Mitarbeiter Sebastian hat die Anmachtricks von „How I met yout mother“-Playboy Barney Stinson mal genauer unter die Lupe genommen – im Selbstversuch Playbook.

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Weitere Serienteile:

Teil I: Geschwister erzählen, Teil I: Unter Brüdern

Diskriminierung an deutschen Theatern

Theaterschauspielerin: Veronica Naujoks am Stadttheater Freiburg, Foto: Privat

Theaterschauspielerin: Veronica Naujoks am Stadttheater Freiburg, (Foto: privat)

Veronica Naujoks, 24, ist Schauspielerin. Sie wohnt in Berlin und ist Mitglied des Berliner Ensembles  „Label Noir“ , das sich gegen eine klischierte Rollenbesetzung von schwarzen und afro-deutschen Schauspielern einsetzt. Veronica Naujoks spielt derzeit Jim Knopf am Stadttheater Freiburg. Warum hat sie die Klischee-Rolle angenommen?

Face2Face: Du engagierst dich bei einem Schauspiel-Ensemble, das sich dafür einsetzt, dass schwarze Schauspieler nicht für Klischee-Rollen besetzt werden. Welche Erfahrungen hast du mit dem Ensemble gemacht?
Naujoks: Es ist ein Berliner Ensemble, das aus sieben afro-deutschen Schauspielern und weiteren  freien Mitgliedern und Mitarbeitern besteht. Es wurde 2007 von Aicha Diallo gegründet. Damals waren sie nur zu dritt: Das Ziel war, sich darüber auszutauschen, wie es ist, afro-deutsch in Deutschland zu sein. Das Label wurde schnell bekannter. Wir treten mit dem Theaterstück  „Heimat, bittersüße Heimat“ auf, das unsere Leiterin Lara-Sophie Milagro geschrieben hat. Das Stück möchte zeigen: So fühlen sich Afro-Deutsche in Deutschland. Wir haben es geschafft – sogar nach Amerika sind wir jetzt von einer Stiftung eingeladen worden.  Alle schwarzen Schauspieler kennen das Problem nur für Klischee-Rollen besetzt zu werden. Es verändert sich nur sehr langsam etwas. Das zeigt auch die Black-Facing Debatte, die sich aus einer Szene entwickelte in der sich Schauspieler in einem Stück ihre Gesichter schwarz anmalten. Die Kritik daran: Das Bemalen erinnert an das rassistische Blackfacing, das Schwarze verspottet. Auch die Frage, einen schwarzen Schauspieler fest ins bestehende Theater-Ensemble aufzunehmen,  und nicht nur als Gastspieler zu engagieren, stellt sich.

Face2Face: Warum hast du die Klischee-Rolle Jim Knopf angenommen?
Naujoks: Ich nehme nur an, wenn mich das Stück interessiert. Ich finde Jims Rolle super. Es ist mir eine Ehre den Jim zu spielen; aber ich überlege natürlich, ob ich jede Klischee-Rolle annehmen sollte. Es gibt Inszenierungen, die einen schwarzen Schauspieler komisch darstellen, darauf habe ich ehrlich gesagt keine Lust. Ich überlege irgendwann ins Ausland, zum Beispiel nach England zu gehen. Ich war bereits sechs Monate da und habe festgestellt:  Sie sind da weiter. Ich bin in Deutschland verwurzelt und fühle mich hier zuhause, und wenn ich fortgehe, komme ich immer wieder. Aber ich muss schauen, wohin ich schauspielerisch möchte. Und ich habe nicht Schauspiel studiert, um nur Klischee-Rollen zu spielen. Da muss sich etwas ändern.

Face2Face: Bist du schon einmal aufgrund deiner Hautfarbe diskriminiert worden?
Naujoks: Oft wird behauptet, dass das was wir mit  „Label Noir“ auf der Bühne darstellen krass sei, aber ich kenne in der Realität viel krassere Situationen. Ich wurde im Zug angesprochen, als ich mit einem schweren Koffer auf dem Weg von Freiburg zurück nach Berlin war. Ein älterer Herr fragte mich  „Gehen Sie nach Hause?“. Ich bejahte das, als der ältere Herr meinte:  „Zurück nach Afrika.“ Das war ein netter Herr, aber ich musste erst einmal schlucken. Warum nur sollte ich in Afrika wohnen?
Auch am Theater werde ich automatisch für schwarze Rollen ausgesucht. Ich habe bislang fast nur klischeehafte Rollen gespielt; das finde ich sehr schade.

Face2Face: 
Siehst du das Buch Jim Knopf und das Theaterstück heute anders, nachdem die Literatur-Debatte um diskriminierende Begriffe öffentlich wurde?
Naujoks:  Als Kind habe ich Jim Knopf nicht gelesen; aber als das Rollenangebot kam, habe ich mich mit Michael Endes Buch befasst. Ich habe geschluckt, als ich Wörter wie Neger lesen musste. Man muss nicht darüber reden, dass das diskriminierend ist. Hätte man das Thaterstück in Freiburg im Originaltext aufgeführt, hätte ich versucht das mit der Schauspielleitung zu ändern.  Aber natürlich wurden vom Theater Freiburg alle diskriminierenden Begriffe herausgenommen.

Vorschau: Nächste Woche gibt es in unserer Rubrik Kultur die besten Entertainment Websites für euch.

„Es ist fantastisch an solch einem Projekt beteiligt zu sein“

Am Mittwoch, 28. November wird der Speyerer Oberbürgermeister Hansjörg Eger die Postgalerie eröffnen. Nach der Fertigstellung nach etwa vier Jahren fiebern Speyerer und Besucher aus der umliegenden Region der Eröffnung entgegen. Jürgen Ehlen, der Centermanager, war an der Umsetzung des Großprojekts beteiligt. Mit Face2Face sprach Ehlen unter anderem über die Parkplatz-Situation, den besonderen Charme der Postgalerie und das gebotene Programm der Eröffnungsfeier.

Ein Stück Geschichte: die Speyerer Post im Jahr 1921 (Foto: Deobald)

Face2Face: Wie hebt sich die Postgalerie von anderen Shoppingcenter, wie beispielsweise dem Viernheimer Rhein-Neckar-Zentrum oder der Ludwigshafener Rhein-Galerie, ab?
Ehlen: Die einzigartige Kombination aus historischer Außenhülle und modernem Shoppingcenter macht den besonderen Charme der Speyerer Postgalerie aus. Hinzu kommt, dass der Branchen- und Markenmix genau auf die Bedürfnisse der Besucher zugeschnitten ist, was das Bummeln und Shoppen zu einem Erlebnis macht.

Face2Face: Sind Sie gespannt wie die Kunden und Besucher die Postgalerie wahrnehmen werden?
Ehlen: Ja, das sind wir! Wir haben im Vorfeld alles daran gesetzt, um die Erwartungen der Speyerer und Besucher aus der Umgebung zu erfüllen oder sogar noch zu übertreffen.

Verleiht Speyer neuen Glanz: die Speyerer Postgalerie zur Vorweihnachtszeit (Foto: Deobald)

Face2Face: Wie würden Sie den besonderen Charme der Speyerer Postgalerie beschreiben?
Ehlen: In der Postgalerie findet man Shops, die bisher noch nicht in Speyer vertreten waren, wie beispielsweise Hennes&Mauritz, Vero Moda, Jack&Jones, s.Oliver und viele mehr. Auch das kulinarische Angebot bietet für jeden Gaumen genau das Richtige: neben asiatischer Küche, italienischen Gerichten und türkischer Feinkost findet sich ein Donat- und Bagle-Shop.

Face2Face: Kommen wir nun Parkplatz-Situation: Einige Besucher haben sicher Zweifel, dass der Bedarf an umliegenden Parkplätzen gedeckt werden kann – gerade bei Anstürmen in der Vorweihnachtszeit. Wie schätzen Sie diese Bedenken ein?
Ehlen: Die Speyerer Innenstadt bietet rund 3.000 Parkplätze, die den Besuchern der Postgalerie zur Verfügung stehen. Wir verweisen auf die Shuttle-Busse, die im Zehn-Minuten-Takt vom Festplatz- und Technikmuseum-Parkplatz aus zum Postplatz fahren.

Face2Face: Wie fühlt es sich an Teil des eines derartigen Schaffensprozess zu sein?
Ehlen: Es ist eine fantastische Erfahrung, an einem solchen Projekt beteiligt zu sein und zu sehen, wie aus einem historischen Gebäude unter Beibehaltung der denkmalgeschützten Gebäudestruktur ein modernes Einkaufszentrum wird.

Face2Face: Morgen wird die Postgalerie eröffnet. Was erwartet die Besucher bei der Eröffnungsfeier?
Ehlen: Wir bieten jede Menge Musik, Spaß, Give aways und Programm für die ganze Familie, sodass die Eröffnung der Postgalerie zu dem Ereignis in der Region wird.

Vorschau: Face2Face backt für Kinder – nicht verpassen! Am Dienstag, 11. Dezember könnt ihr im Panorama den Nachbericht der Back-Aktion lesen.