eBook-Reader vs. traditionelles Buch – ein Selbstversuch

„Dass du dir noch keinen eBook-Reader angeschafft hast wundert mich, das wäredochperfekt für dich!“ Solche und ähnliche Sätze habe ich mir schon oft anhören müssen. Als leidenschaftliche Leseratte schleppe ich in einen zehntätigen Urlaub gut und gerne mal acht Bücher oder mehr in meinem Koffer mit mir herum. Wenn ich ein gutes Buch entdeckt habe, ist es teilweise am gleichen Tag noch verschlungen. Also, warum nicht auf ein eBook umsteigen, und sich den Platz und das Gepäck sparen?

Trotz bisheriger großer Ablehnung gegenüber den „Konkurrenten des guten alten Buches“ wurde ich langsam doch neugierig: Was ist, wenn an den Lobeshymnen meiner Freunde auf den eBook-Reader doch etwas dran ist? Aufgrund der Tatsache, dass diese immerhin auch alle begeisterte Bücherfans sind, ließ ich mich trotz größter Skepsis auf das Experiment „eBook“ ein.

Lässt sich bequem in jeder Handtasche verstauen: der handliche eBook-Reader von Sony. (Foto: Betz)

Lässt sich bequem in jeder Handtasche verstauen: der handliche eBook-Reader von Sony. (Foto: Betz)

Einmal den Entschluss gefasst, wurde auch direkt eifrig im Internet, ganz nach guter neuer Schule, recherchiert und verglichen. Mit einem „Klick“ landete am Ende das neueste Modell des Sony-Readers (PRS-T3) im Warenkorb und lag zwei Tage später für 130€ auf meinem Tisch. Nach kurzem Laden am Computer konnte es dann auch schon losgehen: Anmelden im eBook-Store, eine Adobe-ID einrichten und anschließend aus der großen Auswahl ein passendes Buch für den „1.Versuch“ auswählen.

Zunächst fiel mir positiv auf, dass der Store wirklich übersichtlich strukturiert ist und man für jeden Lese-Geschmack das richtige Buch findet. Außerdem sind besonders Krimis von eher unbekannten Autoren zu Schnäppchen-Preisen von bereits 0,99€ zu bekommen. Für mich als Thriller und Krimi-Fan ein Traum!

Dennoch entschied ich mich in diesem Fall nach längerem Stöbern in dem großen Angebot für den kürzlich erschienen Roman von Lori Nelson Spielman „Morgen kommt ein neuer Himmel“. Der Bezahlvorgang per Lastschrift erwies sich ebenfalls als ziemlich unkompliziert und kurze Zeit später konnte ich das Buch auch schon „downloaden“.  Jetzt wurde es Ernst: Kann ein eBook mit dem „echten“ Lesegefühl eines richtigen Buches mithalten?

eBook vs. "Klassiker": Wer hat die Nase vorn? (Foto:Betz)

eBook vs. „Klassiker“: Wer hat die Nase vorn? (Foto:Betz)

Mit einer Sonnenbrille und einem Glas Wasser machte ich es mir auf meiner Sonnenliege bequem und begann die erste Seite „aufzuschlagen.“ Nach kurzen „Startschwierigkeiten“, in denen ich mich an die ungewohnte Leichtigkeit und das Format des eBooks gewöhnen musste, hatte ich ziemlich schnell eine passende Haltung und damit auch den Einstieg in den Roman gefunden.

Nach drei Tagen, einem Roman und einigen Lesestunden später kann ich nur sagen:  Das eBook hat mich positiv überrascht! Obwohl ich dachte, mich niemals mit einem elektronischen Buch anfreunden zu können, gelang mir das Lesen auf dem Reader erstaunlich gut. Wenn man richtig in der Story gefangen ist, bemerkt man den Unterschied irgendwann kaum noch. Mir ist es sogar einige Male passiert, dass ich aus Reflex die Seite wie bei einem richtigen Buch umblättern wollte. Weitere Vorteile sind die Wörterbuch-Funktion, mit der man unverständliche Wörter direkt aufgrund der WLAN-Verbindung nachschlagen kann und die Möglichkeit, sich Notizen zu machen.

Mein Fazit: Das kleine Teil ist äußerst handlich und mit seinen Zusatzfunktionen sehr praktisch. An das „veränderte Lesegefühl“ gewöhnt man sich widererwartend nach kurzer Zeit ziemlich gut. Ein kleines „aber“ bleibt dennoch: Trotz der vielen positiven Eigenschaften ist es trotzdem nicht dasselbe, wie ein richtiges Buch. Betrachtet man den eBook-Reader allerdings nicht als Alternative zum Buch sondern als Ergänzung, hat man damit eine gute Wahl getroffen!

 

Vorschau:

Ein Autor unter vielen

Ein Meer an Bücher - ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Ein Meer an Bücher – ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Als Schriftsteller/in hat man es nicht leicht. Mein Name schwimmt in einem Meer voller kleiner Fische mit einigen wenigen Walen. Nein, ich bin kein Wal in diesem Meer, ich bin ein kleiner Fisch. Ein Guppy. Doch zumindest kann ich bereits Veröffentlichungen vorweisen, gewonnene Wettbewerbe, Beiträge in Anthologien, die Herausgabe einer solchen und die Mitarbeit an einem Hörbuch. Viele Autoren aber sehen ihrer ersten Veröffentlichung sehnsüchtig entgegen und verschließen vor Problemen dabei manchmal die Augen.

Ein großes Problem nennt sich Druckkostenzuschussverlage (DKZV). Oft haben sie einen ganz passablen Internetauftritt, werben mit vielen Autoren, die stets nett über den Verlag sprechen. Sie überraschen Neuautoren mit positiven Rückmeldungen und wollen verlegen. Alles. Egal was. Und das lassen sie sich bezahlen, nicht zu billig. Die dafür versprochenen Dienstleistungen, wie Lektorat und Werbung, werden dürftig bis gar nicht gemacht, das Buch mehr schlecht als recht verlegt. Wenige finden das Buch, kaufen und lesen es. Der Autor sitzt auf Kosten und ist entmutigter als vorher. Die beste Devise ist, nie bei einem Verlag zu veröffentlichen, der Geld sehen will.

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Eine besondere Sparte nehmen hier die reinen Dienstleister ein, die tatsächlich für Geld verlegen und klare Preise haben. Für ein paar Euro kann man dort schon ein Buch drucken lassen, oft als sogenanntes „Print on demand“ System. Das heißt, das Buch wird gedruckt, wenn es bestellt wird. Die Werbung ist auch hier oft gering, mehr kann man kaufen, aber das Buch ist bei allen großen Buchhandlungen lieferbar, wird professionell veröffentlicht und die Kosten sind nicht mit denen eines DKZV zu vergleichen. Ich spreche hier aus Erfahrung, mein Gedichtband Seelentropfen wurde beim Dienstleister BOD veröffentlicht. Daneben ist epubli ein Anbieter mit guten Konditionen. Mittlerweile ist auch die Veröffentlichung als elektronisches Buch kein Problem. Diese Methode ist für kleine Projekte, wie eben Lyrik, die nur wenige Verlage übernehmen, Ausgaben von kleineren Dichtergruppen und Selbstverlegern eigentlich eine ganz passable Alternative. Die Bücher sind gelistet, sind bestellbar und den Preis bestimmt man selbst. Wer im Internet selbst gut Werbung macht und eigenständig die gedruckten Ausgaben verkauft, ist ganz gut beraten.

Mittlerweile gibt es aber gerade im elektronischen Bereich auch kostenlose Möglichkeiten. Lektorat und Formatierung muss der Autor dann aber selbst machen. Mitunter gibt es auch negative Berichte zu den Themen Abrechnung und Verfügbarkeit der Dateien. Sehr viele sind aber auch zufrieden und manch ein Zufallserfolg war da schon dabei und machte richtig Geld. Problematisch ist aber, dass der Markt von eher minderwertigen elektronischen Büchern überlaufen ist. Wer selbst veröffentlichen und sich abgrenzen will, hat es nicht leicht. Viel Werbung, Kontakt zu Rezensionsplattformen und ein langer Atem ist nötig. Und manch ein Literaturschatz mag in dem Meer an miesen Büchern auch noch vergraben sein.

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Ein guter Verlag ist für viele Autoren der Traum. Auch für mich. Denn ein guter Verlag heißt nicht nur viel Werbung und einen guten Stand für das Buch, sondern auch eine gute Position, wenn es um künftige Veröffentlichungen geht. Doch in so einen guten Verlag kommt man nicht leicht. Die Lektoren werden von Einsendungen zugeschüttet, das meiste landet ungelesen im Papierkorb, die ersten Seiten der Zusammenfassung, des Exposees, sind entscheidend, wenn überhaupt ein Blick darauf geworfen wird. Hier rein kommt man fast nur durch Literaturagenturen. Doch auch hier muss man gute von schlechten unterscheiden. Ein Tipp: Keine seriöse Agentur verlangt vor der Vermittlung Geld! Doch auch an eine gute Agentur zu kommen, ist nicht leicht. Auch hier stapeln sich die Manuskripte und manche gute Idee gerät einfach in die falschen Hände. Ihr seht, ich bin ein Guppy. Und die Chance, dass ich von einem Wal entdeckt werde, oder wachsen kann, sind gering.

Mit Ausschreibungen kommt man ganz gut in Anthologien und Sammlungen. Die sind aber oft von kleinen Verlagen und beinhalten eben viele kleine Autoren. Die Bücher finanzieren sich, weil jeder Autor ein paar Exemplare kauft und selbst verkauft oder verschenkt. Millionär wird damit keiner. Aber seien wir ehrlich. Nur sehr wenige Guppys können einmal von ihren Büchern leben. Mir reicht es schon, ab und zu wegen meiner Bücher angesprochen zu werden. Manch einer fragt mich auch mal, wann denn das Nächste erscheint. Und eine positive Bewertung eines meiner Bücher verschafft mir immer ein Kribbeln im Bauch. Bei all den Möglichkeiten kann ich noch viel ausprobieren und so oder so ist mir eines klar, ich werde immer schreiben, und so oft es geht auch veröffentlichen.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha, warum er das GPS an seinem Fahrrad so toll findet.

Seelengeliebter und Zersplittert / Malin Wolf

Seelengeliebter

Ich liebte Dich so sehr,
daß unsere Küsse mich schweben ließen,
leichter als eine Wolke.

Ich liebte Dich so sehr,
daß meine Augen schweigend starben,
ertrinkend in ungeweinten Tränen.

Ich liebte Dich so sehr,
daß mein Herz brach als ich ging,
sich verwandelnd in eine Wüste aus Stein.

Nun bist Du tot,
und meine Tränen fließen sanft und leise aus kalten Augen.
Nur einen Hauch des alten Schmerzes spürend,
falle ich immer tiefer in die Unendlichkeit meiner Verzweiflung.

Ich liebe Dich zu sehr…

©m.w.

Zersplittert

in abertausende, winzige Splitter.
Ein Puzzel, das niemand zusammenfügt.
Und doch…
liege ich mit stolz erhobenem Haupt am Boden.
Wissend, daß mich das Leben nicht beugen konnte.
So entscheidet jeder Splitter mit gradem Rücken,
dem Leben verächtlich lachend ins Gesicht zu schlagen.
Abertausendfacher, scharfkantiger Widerstand.
Und endlich…
versenke ich den letzten Splitter lächelnd in meinem Herzen.

©m.w.

 

Malin Wolf: Die Autorin schreibt unter Pseudonym großartige Geschichten, die viel Anklang finden (Grafik: Malin Wolf)

Die Autorin:

Malin Wolf  wurde 1968 in Bremen geboren und war immer viel unterwegs. Als Kellnerin, Visagistin, Propagandistin, Verkäuferin und kaufmännische Angestellte sammelte sie Eindrücke, die sie nun, zurückgezogen von der Welt, in Worte fasst. Sie begann zu schreiben, weil sie mit den Büchern, die sie las, nicht mehr zufrieden war. Jetzt fesselt sie selbst Leser und Kritiker als Independent-Autorin. Um ihr Privatleben von ihrem Schriftstellerdasein zu trennen, schreibt sei unter Pseudonym. Ihr Erstlingswerk „Drachenkrieger” ist ab Ende August als E-Book erhältlich.

Gewinnspiel

Auf Face2Face habt ihr schon jetzt die Möglichkeit exklusiv ein Exemplar des E-Books „Drachenkrieger“ zu gewinnen. Was ihr zum Gewinnen tun müsst: Schreibt bis einschließlich Samstag, 25. August, 23:59 eine Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. In der Mail enthalten sein sollte eurer Vor- und Nachname, euer Alter und natürlich eure Adresse. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen.

Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am Sonntag, 26. August via Mail.
Viel Glück!

 

Verlängerung des „Aoife“-Gewinnspiels

Wir verlängern das Gewinnspiel zu Anja Ollmerts Roman „Aoife“ um zwei Wochen! Das Gewinnspiel endet am Sonntag, 22. Juli um 23:59. Die Gewinner werden am 23. Juli via Mail benachrichtigt.

Was ihr zum Gewinnen tun müsst: Schreibt bis einschließlich Sonntag, 22. Juli, 23:59 eine Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. In der Mail enthalten sein sollte eurer Vor- und Nachname, euer Alter, ob ihr die gedruckte oder elektonische Version des Buchs gewinnen wollt und natürlich eure Adresse. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen.

Heiß / Anja Ollmert – mit Gewinnspiel

Der Stadtteil Wiesdorf duckte sich unter der bleischweren Sommerhitze, während ein winziger Windhauch ein paar bunte Bonbonpapiere über das Pflaster der Fußgängerzone rutschen ließ. Ermattet saßen die Menschen vor den Eiscafés und Kneipen, die mit einer Außenbestuhlung lockten.
Die Wärme schien verantwortlich für die lähmende Stille.
Nichts war lebendig. Kleine Kinder saßen, am Daumen nuckelnd oder leise quengelnd, in ihren Buggys oder auf den Mutterschößen.
Anzugträger mit gelockerten Krawatten, wischten sich mit ihren Stofftaschentüchern die Stirn und nickten der vorbeischleichenden Bedienung ihre Bestellung wortlos zu, ihr Glas kurz von der Tischfläche hebend.
Die Stadt schien im Dornröschenschlaf zu liegen. Niemand machte Anstalten, sich zu unnötigen Bewegungen aufzuschwingen. Die, die noch auf den Beinen waren und wie Aufziehpuppen dem heimischen Feierabend entgegen schlichen, brachten dem Auge des Betrachters Abwechslung. Nie zuvor, schien es, hatte eine Stadt derart unter einer Hitzewelle gelitten.

Eine alte Frau, die bereits bei kühlerer Witterung mit ihrem Übergewicht zu kämpfen hatte, plagte sich mit zwei Einkaufstüten voller Lebensmittel ab. Der Schweiß floss ihr in Rinnsalen über das feiste Gesicht. Dieses wurde abwechselnd rot und blass, wie das Aufleuchten einer Signallampe. Sie blieb nicht stehen, gönnte sich keine Verschnaufpause. Andere Passanten hielten bewusst Abstand. Die Ausdünstungen des Polyesterkleides bei dieser Wetterlage waren unangenehm. Das spiegelte sich in den Blicken der Überholenden.
Die Szene belebte sich, als eine Horde Jungs, ungeachtet der Wärme eine leere Dose zwischen sich hin und her kickend, den verkehrsberuhigten Bereich des Lindenplatzes erreichte.
Die Polyesterkleid-Frau war unter größten Mühen bis zu diesem Platz geschlurft und befand sich unvermittelt auf dem improvisierten Fußballplatz. Die ursprünglich rote Weißblechdose mit geschwungenem, weißem Erfrischungsgetränk-Schriftzug streifte sie versehentlich am linken Arm. Darauf wusste sie nicht zu reagieren und blieb abwartend stehen. Das schien die Spontan-Fußballer anzuspornen, ihr die Dose wieder und wieder zwischen die unsicher voranschreitenden Füße zu schießen. Dass sie die Frau an verschiedenen Körperstellen trafen, erhöhte den Reiz des ausgelassenen Spiels. Es schien, als gäbe es für sie kein Entkommen vor der wilden Horde. Besonders laut grölten die Schützen, wenn sie den fülligen Körper – vornehmlich in Gesichtsnähe – trafen.

Noch gab die Alte keinen Laut von sich, oder setzte sie sich gegen die Angriffe zur Wehr. Dann aber riss der Henkel einer Einkaufstüte. Das Plastik hatte sich zuvor gefährlich in die Länge gezogen und bis zum Zerreißen gespannt. Der Inhalt der Tragetasche ergoss sich auf das Pflaster. Katzenfutterdosen, ein Päckchen Kaffeepulver, dessen Vakuum bei dem Aufprall zischend die Luft ansaugte, Toastbrot und Sonnenblumenmargarine, die bei der Witterung in einen flüssigen Aggregatzustand gewechselt hatte. Ein Apfel kugelte über den Boden und kam meterweit entfernt zum Stillstand, wo die Aufprallstellen umgehend eine bräunliche Farbe annahmen.
Wer zu den Zuschauern gehörte, musste das Gefühl haben, alles spiele sich in Zeitlupe ab. Währenddessen beleuchtete die Sonne die Szene unbarmherzig wie ein Theaterscheinwerfer, der nicht eine Sekunde von der Hauptperson auf der Bühne ablässt.

Es war, als sei die alte Frau hilflos, sich dem ausbrechenden Gelächter ihrer Peiniger zu erwehren, so wie sie zuvor die Angriffe mit Ergebenheit über sich hatte ergehen lassen.
Und doch hatte sich etwas verändert. Ihr Gesichtsausdruck, vorher scheinbar unberührt und aufs Weitergehen konzentriert, verzog sich ins Weinerliche. Es dauerte nicht lange und statt der Schweißtropfen liefen ihr heiße, stumme Tränen über das Gesicht. Während sie niederkniete und ihre Einkäufe zusammenraffte, blickte sie sich suchend um, worin sie diese transportieren sollte. Die Fußballer hatten schnell in dem mageren Pflänzchen eines angebundenen Lindenbaums ein neues Opfer gefunden, das nicht weniger bereitwillig auf sich schießen ließ, als das vorherige.

Die Cafégäste beobachteten das Geschehen bis zu diesem Punkt unbeteiligt, als sich ein kleines Mädchen vom Schoß der Mutter rutschen ließ. Es stapfte auf tapsigen Füßen zu der Alten und streckte ihr seine Kindergartentasche entgegen, die zuvor um seinen babyverspeckten Hals gebaumelt hatte. Die Frau sah aus kniender Haltung zu dem Kind auf und starrte direkt in ein vorsichtiges Lächeln, das auf dem Gesicht des Mädchens ein winziges Kinngrübchen zum Vorschein brachte. Der polyesterne Saum des Frauenkleides rollte sich über den prallen Oberschenkeln erschreckend weit nach oben, ohne dass er daran gehindert wurde. Mit dem Handrücken wischte die Kniende sich die Tränen von den Wangen, die dort hellere Spuren auf der Haut hinterließen und wies kopfschüttelnd auf die Tasche des Mädchens. Konnte oder wollte sie nicht reden?
Da tauchte hinter dem Kind ein älterer Herr auf. Aus seiner Hosentasche zog er eine zerknitterte Plastiktüte hervor und streckte der Alten beide Hände entgegen. Eine hielt den fortgerollten Apfel. Die andere half ihr auf um anschließend die verstreuten Einkäufe in die Tüte zu sammeln. Sie dankte ihm mit einem Kopfnicken und strich dem Kind, das am selben Fleck verweilte, dankbar über das Haar.
Unerwartet kam jetzt Leben in die Zuschauerkulisse.
Vereinzelt hoben sich Hände und klatschten in forderndem, anfeuerndem Rhythmus gegeneinander. Der Applaus zog Kreise und brandete auf wie eine Welle, die Frau, Mann und Kind überspülte.

Fast schienen die drei sich verneigen zu wollen. Die Frau nahm dem Mann die gefüllte Tüte aus den Händen und nickte ihm freundlich zu. Er erwiderte den Gruß, nahm das Kind an die Hand, wandte sich um und ging zu seinem Platz im Eiscafé zurück, nicht ohne das Mädchen zuvor auf dem wartenden Mutterschoß abzuliefern.
Die Alte nahm mit schlurfendem Schritt ihren Weg durch die Passage auf. Und es dauerte nicht lange, da herrschte erneut bleierne Dornröschenruhe über der Innenstadt, hervorgerufen durch hochsommerliche Temperaturen, die alles Leben auszulöschen schienen.

Freut sich gerade über ihren Debütroman: Autorin Anja Ollmert (Foto: Ollmert)

©Anja Ollmert

Die Autorin:

Anja Ollmert wurde 1966 geboren und  schreibt seit einigen Jahren überwiegend Kurzgeschichten, Prosagedichte und spirituelle Texte. Sie lebt mit ihrem Mann im Herzen des Ruhrgebietes und hat drei erwachsene Kinder.
Die Autorin arbeitet ehrenamtlich als geistliche Leiterin des katholischen Frauenverbandes kfd und ist Leiterin eines Kinderchores.
In ihrem Debütroman „Aoife“ verknüpft sie das persönliche Interesse an keltischer Mythologie und christlicher Tradition zu einer Fantasyromanze. Weitere Publikationen sind bereits geplant. Bisher veröffentlicht sind unter anderem:

2012: die Kurzgeschichtensammlung „Wortrausch“ als ebook bei Xinxii

2012: der Roman „Aoife“ im AAVAA Verlag

Aoife: Den Debütroman gibt es bei uns zu gewinnen (Foto: Ollmert)

Verlosung vom Debütroman „Aoife“

Anja Ollmert hat Face2Face exklusiv ein gedrucktes Exemplar und ein ebook ihres Romans „Aoife“ für ein Gewinnspiel bereitgestellt. Natürlich würde sie sich sehr freuen, wenn die jeweiligen Gewinner eine kleine Rezension auf einem Blog oder sonst wie im Internet veröffentlichen können.
Was ihr zum Gewinnen tun müsst: Schreibt bis einschließlich Sonntag, 08. Juli, 23:59 eine Mail an eva-maria.obermann@face2face-magazin.de. In der Mail enthalten sein sollte eurer Vor- und Nachname, euer Alter, ob ihr die gedruckte oder elektonische Version des Buchs gewinnen wollt und natürlich eure Adresse. Mitarbeiter von Face2Face, sowie der Rechtsweg sind von der Verlosung ausgeschlossen.

Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am Montag, 09. Juli via Mail.
Viel Glück!