Do-It-Yourself-Projekt: Fotos als Holzprint

Porträts, Panoramen oder Momentaufnahmen – im Nu lassen sich durch die Linse flüchtige Augenblicke dauerhaft auf Fotos festhalten. So kreativ, wie man dabei mit der Kamera umgeht, lässt sich ebenso mit dem Motiv verfahren: ob nun im Album verwahrt, auf Leinwand gemalt oder als Seife getarnt. Selbst bei der Reproduktion bieten sich außergewöhnliche Möglichkeiten, die Bilder zu verewigen. Daher verrät die Tipps&Tricks-Redaktion, wie sich Fotos ganz einfach als Holzprint auf unterschiedlichste Materialien übertragen lassen.

Benötigte Materialien:

Kinderleicht: Mit nur wenigen Mitteln lassen sich Fotos auf Holz übertragen (Foto: Onat)

  • Holz – alternativ glatte und helle Unterlagen, Größe und Breite spielen dabei keine Rolle
  • Photo Patch Transfermedium aus dem Kreativ-, Hobby- oder Bastel-Bedarf
  • Laser- oder Tintenstrahl-Drucker – alternativ ein horizontal gespiegelt ausgedrucktes Motiv
  • ein Schwamm
  • Wasser

Vorgehen:

  1. Das gewünschte Motiv mit einem Laser- oder Tintenstrahldrucker horizontal gespiegelt ausdrucken. Die Spiegelung lässt sich mit wenigen Klicks in Bildbearbeitungsprogrammen sowie bei Windows Paint bewerkstelligen.
  1. Den fett- und staubfreien Untergrund mit einem Schwamm reichlich mit dem Transfermedium Photo Patch bestreichen. Als Material eignen sich dabei vor allem helle und glatte Oberflächen wie Holz, Glas, Keramik oder Stoff.
  1. Auch das ausgedruckte Bild mit einem Schwamm mit genügend Photo Patch versehen.
  1. Zügig beide Teile aufeinanderlegen, fest andrücken und glattstreichen.
  1. Das Photo Patch anschließend für mindestens eineinhalb Stunden – bestenfalls mehrere Stunden, beispielsweise über Nacht – trocknen lassen.

    Dekorativ: Fotos als Holzprint (Foto: Onat)

  1. Nun mit einem angefeuchteten Schwamm das Papier vorsichtig abrubbeln. Dabei sollten das Motiv und der Schwamm stetig mit Wasser benetzt werden, damit sich lediglich die obere Papierschicht auflöst.
  1. Zum Schluss den Holzprint trocknen lassen und mit einer weiteren Schicht Photo Patch – mit dem Schwamm aufgetragen – wasserfest versiegeln.

Vorschau: Am Sonntag, den 9. April, bietet die Tipps&Tricks-Redaktion Starthilfe für alle, die auf eine vegane Ernährung umstellen möchten.

Herr Leistungsdruck

Ein Gang über den Campus mit Herrn Leistungsdruck.

Der Uni-Klinkerboden klinkert unter unseren Sohlen, ein Banner lädt zu einem Campus-Gespräch mit Harald Schmidt ein, über Medien und Träume. Anmeldung bis übermorgen. Ich tippe automatisiert die Uhrzeit in mein Handy, wohl wissend, dass ich mich nie anmelden werde. Ich bin mir nicht mal mehr sicher, ob ich Harald Schmidt irgendwann mal mochte.

Neben mir reden zwei Mädchen über den ECTS-Transfer von Deutschland nach England. Eine geht nach Brighton studieren. Na dann, viel Glück und Goodbye!

Zwei Veranstaltungseinladungen blinken bei Facebook auf, ich lese den Beschreibungstext nicht, klicke auf: Vielleicht. Wie immer, wenn ich auf Facebook irgendwo eingeladen werde. Ich sage „vielleicht“ und gehe dann nicht hin. Meist will irgendwer, dass ich zu einer Podiumsdiskussion über Verstädterung und Post-Ökofeminismus komme, oder über politischen Veganismus und Sex. Der ganze Kram also, der mir das chronische Gefühl gibt, unengagiert zu sein. Es gäbe so viel, über das man weiter nachdenken könnte, sagt Herr Leistungsdruck. Könnte, sage ich.

Das schlechte Gewissen ist in der Uni zuhause, es beginnt mit den verschmähten Flyerverteilern am Unieingang, geht über nicht gelesene Seminartexte und endet im Bus zum Bahnhof, in dem Kommilitonen Campus-Wissen absorbieren, während ich wie ein erhängter Affe aus dem Busfenster starre.

Seit ich studiere, bin ich sicher: Könnte man Herrn Leistungsdruck sehen, wäre er so ein neoliberaler, selbstzufriedener Bachelor-Student von 21 Jahren. Ein moderner Performer. So ein gelockter Typ, der Medien, Wirtschaft und Philosophie studiert und auf Rollschuhen zwischen Vorlesung, Harald Schmidt und Peace-Performance-AG hin- und herfährt. Ein Typ, bei dem sogar Rollschuhe cool wirken und der der Grund ist, dass Rollschuhe für Männer bald wieder modern sein werden. Wartet es ab.

Herr Leistungsdruck läuft mit aufrechten Schultern und gesunder Uni-Fit-Muskulatur neben mir her und gibt mir das Gefühl ein Schluck Wasser in der Kurve zu sein. Bin ich ja auch.

Er lächelt wie ein junger Marketingassistent und hält mir hintenherum eine Pistole in den Rücken. Er sagt: Hey Mädchen, ich bin dein Berater. Du bist meine Geisel. Alles ist nur zu deinem Besten. You don’t imagine who you could be, if you just work harder girlllll….

Er macht mir verständlich, dass er möchte, dass ich mich anpreise, dass ich die Welt überzeuge von meinem Können. Von meiner geilen Wettbewerbsfähigkeit. Meinen Hard-Skills. Meinen Softskills. Meinen starken Synapsen. Meiner Sozialkompetenz. Meinem Egoismus. Meinem Liebreiz. Meiner Attraktivität, meiner Weiblichkeit. Meiner Männlichkeit, meiner Androgynität, und meiner Fähigkeit die Beckenbodenmuskulatur anzuspannen und die Zähne aufeinanderzubeißen, bis es leise quietscht.

Herr Leistungsdruck liest die Campus-Aushänge sorgfältig und zeigt auf fast alles drauf. Überall soll ich hin. Hat der ne Macke? Ein Plakat lädt mich zur Karrieremesse für junge SozialwissenschaftlerInnen ein. Das Plakat ist sepia und verspricht eine angegilbte Zukunft, die aussieht wie die Vergangenheit meiner Großmutter. Na danke. Ein anderes Plakat rühmt sich, eine Lösung für die Wohnungsknappheit zu haben, indem es mir ein Studentenzimmer für 380 Euro in einem neuen Gebäudekomplex anbietet, weil nur dort das Studentenleben richtig losgeht. Ich will aber, dass es endet denke ich mir. „Gemütliches Lernen“ steht da. Von ihrem Küchentisch aus lachen zwei hellhaarige Studentinnen mir entgegen. Die eine isst einen Apfel, die andere markiert einen Text. Es ist ihr erstes Shooting. Sie sind jetzt Models. Die haben bestimmt keine Probleme mit dem gemütlichen Lernen, nur mit dem Denken, denke ich mir gehässig.

Die riesige Wand mit den Plakaten verschwimmt vor meinen Augen. Wohnungsanzeigen, Tandem-Kurse, Skifreizeiten, Nebenjobs, Sex-Anfragen. „Jonglage. Trainieren sie ihr Gleichgewicht.“ Herr Leistungsdruck ist übermotiviert, will dass ich alles besuche. Zeigt wahllos in die Menge der Anzeigen, wie eine Maschine, die kaputt gegangen ist und surrt dabei bedenklich. Seine Drähte sind kurzgeschlossen, er hat sich selbst aufgehängt. Eine kleine Explosion, ein Seufzen und dann geht er aus. Für ein paar Stunden. Endlich. Er sieht fast niedlich aus, wenn er so inaktiv am Boden liegt. Leider habe ich aber keine Zeit auf ihn zu warten. Baby, ich muss weg. Ich muss mich selbst optimieren gehen!

Gefallene Helden?

Sportler sind Helden – das ist die weitverbreitete Meinung. Doch sobald der vermeintliche Superathlet mit einer positiven Dopingprobe konfrontiert ist, bröckelt das Bild des Siegers und übrig bleibt ein geächteter Verbrecher, der alle hinter das Licht geführt hat. So einen Menschen kann man doch nicht mehr als Vorbild ansehen. Oder etwa doch?

Hohe Erwartungen: Im Sport ist der Druck auf die Athleten enorm, immer bessere Erbenisse zu erzielen.

Hohe Erwartungen: Im Sport ist der Druck auf die Athleten enorm, immer bessere Erbenisse zu erzielen. (©Hans-Peter Reichartz/Pixelio.de)

Nehmen wir einmal das Beispiel Lance Armstrong. Siebenfacher Sieger der Tour de France in den Jahren 1999 bis 2005. Im Nachhinein wurden ihm aber alle Siege aberkannt, die Ermittler konnten ihm Doping bei allen seinen Erfolgen nachweisen. Kann ich – selbst begeisterter Radfahrer – den Doper Armstrong noch als Idol haben?

Trotz Dopings bleibt bei erfolgreichen Sportlern noch ein ganzer Blumenstrauß an positiven Charaktereigenschaften übrig, die durchaus nachahmenswert sind. Bleiben wir beim Fall Armstrong. Auch wenn er gedopt hat, so ändert das nichts an seiner grundlegenden Persönlichkeit. Die war in seiner Zeit als aktiver Radsportler geprägt von grenzenlosem Ehrgeiz, einem Drang zum Perfektionismus und einer Bereitschaft, unvorstellbar viel für sein Ziel zu arbeiten. Sind diese Eigenschaften etwa schlecht? Wohl kaum. Das einzige Problem ist vielmehr, dass Armstrongs Drang nach Perfektion ihn bis zum Missbrauch von verbotenen Substanzen getrieben hat. Doch von diesem Abdriften ins Extreme einmal absehen, bleibt eine leidenschaftliche Einstellung zum Sport, die einen Radfahrer wie mich enorm anspornt, wenn das Training wieder unerträglich mühsam ist.

Außerdem dürfen wir eines nicht vergessen, wenn wir Sportler verurteilen: In den meisten Fällen nutzen Sportler ihren Ruhm, um Gutes zu tun – und sei es eine PR-Aktion, am Ende profitiert die Gesellschaft. Im Fall Armstrong ist es so, dass er seine Berühmtheit direkt in seine wohltätige Organisation „Livestrong” einbrachte. Diese Institution kümmert sich um die Belange von Krebspatienten und unterstützt sie und ihre Familien im Kampf gegen den Tumor – die Idee dazu kam durch Armstrongs eigene Krebserkrankung. Doping hin, Doping her: Wenn am Ende etwas Gutes für die Gemeinschaft steht, dann dürfen wir doch den Sportler nicht als übelsten Schurken aller Zeiten abstempeln. Also ich trage nach wie vor mein gelbes Livestrong-Armband und daran wird sich nichts ändern.

Vielschichtig: Beim Doping im Sport geht es um mehr als nur Rekorde, so auch um viel Geld.

Vielschichtig: Beim Doping im Sport geht es um mehr als nur Rekorde, so auch um viel Geld. (©querschnitt/Pixleio.de)

Wenn wir schon so viel über Doping sprechen, dann lohnt sich auch ein etwas differenzierterer Blick auf das Problem: Warum dopen Sportler eigentlich? In der Regel sind die Athleten selbst nicht allein für den Gebrauch verbotener Substanzen verantwortlich. Vielmehr sind sie gleichzeitig Opfer eines kranken und korrupten Systems, das sich Hochleistungssport schimpft. Dort vermischen sich überzogene Ansprüche von Medien und Fans, Druck von den Sponsoren und Teams sowie die finanzielle Abhängigkeit vom Beruf als Sportler. Wer nicht gewinnt, der ist schnell weg vom Fenster und hat Probleme im gesamten Leben. Also müssen Siege her, und am Ende ist jedes Mittel recht. Ich wage es nicht, mit dem Finger auf die Sportler zu zeigen, wenn sie des Dopings überführt sind. Ich weiß nicht, ob ich unter solch einem Druck nicht genauso handeln würde.

Insbesondere im Fall Armstrong muss ich persönlich auch zugeben, dass mir das Thema Doping mehr oder minder egal ist. Klar sehe ich die Problematik und ich weiß, dass es besser wäre, wenn nie jemand dopen würde. Doch trotzdem spornt es mich im Training immer wieder an, wenn ich mir vorstelle, wie toll es wäre, so zu fahren wie die Profis. Dann geht es gleich ein bisschen schneller bergauf. Ganz ohne verbotene Substanzen.

Und darum geht es doch bei Vorbildern: Sie sollen Kraft und Mut geben, sollen anspornen. Das geht auch, wenn sie gedopt haben, denn am Ende sind die gefallenen Helden nur noch menschlicher. Immerhin ist niemand perfekt, nicht einmal große Vorbilder.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Eva über die Bretter, die die Welt bedeuten – sie widmet ihre Kolumne ganz dem Theater.

Alles muss „perfekt“ sein

Hoch hinaus: Der Wunsch nach Verbesserung treibt uns immer weiter voran (©Marianne J/Pixelio.de)

Das Verlangen nach Fortschritt, Verbesserung und Entwicklung ist wesentlich für den Menschen. Erst das Streben macht ihn zu dem, was er ist; nur durch das Bemühen, voranzuschreiten, können wir heute so leben, wie wir leben, mit allen technischen Möglichkeiten.

Streben ist etwas Gutes, etwas Lobenswertes. Wer es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Leben effektiver und einfacher zu gestalten, der verdient Respekt und Anerkennung. – Doch was, wenn das Streben nach Verbesserung das ganze Leben eines Menschen unterwandert? Was, wenn alles „perfekt“ sein soll?

Der viel gelobte Drang zum Besserwerden kann auch in Perfektionismus ausarten und Züge einer Sucht annehmen. Niemals zufrieden zu sein mit dem Status quo, immer weiter zu wollen, das kann enorm belasten, für Ruhe und Erholung ist kein Platz mehr übrig. Ganz wichtig: Perfektionismus kann überall im Alltag auftreten, nicht nur im Berufsleben.

Nehmen wir zum Beispiel den Sport. Das olympische Motto „Citius, altius, fortius“, das im Deutschen zu „Schneller, höher, weiter“ wird, enthält schon die Quintessenz. Wer im Sport Erfolg haben will, muss sich fortwährend verbessern, Stagnation bedeutet Verlieren. Und wer meint, nur Olympioniken und Profi-Sportler unter Vertrag seien anfällig für krankhaftes Streben, der sei eines Besseren belehrt. Auch im Hobbysport wollen viele immer höhere Leistungen erbringen. Oft liegen die Ergebnisse bei den sogenannten „Jedermännern“ fast auf Profi-Niveau. Um das zu erreichen, optimieren die Freizeit-Sportler fortwährend ihr Training, feilen an ihrer Ernährung, planen die Regeneration nach dem Wettkampf. Alles wird dokumentiert und analysiert, um das nächste Mal noch besser zu sein – ganz wie bei den Profis. Dabei kann jedoch auch die Lebensqualität leiden und es besteht die Gefahr, dass man gerade durch den Drang, besser sein zu wollen, schlechter wird – das nennt man dann Übertrainings-Syndrom.

Selbst im Alltag kann der Perfektionismus zuschlagen. Ganz banal: Putzen und Ordnung sind ja super. Wer will schon in einem Messie-Haushalt leben? Doch auch hier kann das Verlangen nach mehr Sauberkeit in einen zwanghaften Trieb umschlagen. Was früher noch Hygiene war, wird dann zur Desinfektion. Die Wohnung muss regelrecht steril sein, kein Staubkorn darf zu sehen sein. Oh, und wehe, wenn nicht aufgeräumt ist. Ein Buch, das einfach so herumliegt, ist das Schlimmste, muss sofort wieder ins Regal sortiert werden. Für den perfekten Haushalt wird immer mehr Energie aufgewendet, immer mehr Zeit geopfert. Diese Zeit fehlt dann an anderer Stelle im Leben, vor allem wenn es mal ums Abschalten geht.

Unter Zeitdruck: Immer mehr in immer weniger Zeit – das scheint der heitige Lebensstandard zu sein (©Pascal Werth)

Auch eine Form des Perfektionismus: Zeitmanagement. Dieses moderne Übel soll uns helfen in 24 Stunden das Pensum von 48 Stunden zu erledigen. Dafür braucht es aber kontinuierlich Optimierung, einen ausgeklügelten Plan. Der kann zum Beispiel so aussehen: Aufstehen um 6.00 Uhr, dann 30 Minuten Frühstück, ab in die Arbeit; Mittagspause zum Sport nutzen, kurz einen Imbiss herunter schlingen, wieder arbeiten; dann nach Feierabend noch den Haushalt schmeißen, sich mit Freunden treffen; am besten zwischendurch noch ehrenamtlich tätig sein oder für den gebrechlichen Nachbarn einkaufen gehen; und trotzdem noch ein Buch lesen, sich über die Nachrichten informieren und ganz nebenbei entspannen, bis es um 23.00 Uhr ins Bett geht. Doch vielleicht geht auch noch ein Kurs an der Volkshochschule, wenn man etwas früher aufsteht, dann die Mittagspause um 10 Minuten verkürzt, hier ein bisschen straffen, da ein wenig optimieren. – Worauf ich hinaus will: Auch das akkurate Planen des Tagesablaufs, das jede Sekunde ausnutzt, ist eine Spielform des Perfektionismus und kann einem das Leben verderben.

Denn: Der Wunsch nach Fortschritt hat uns sicher viele Annehmlichkeiten beschert. Aber das stete Verbessern und Optimieren kann auch zur Last werden und ein lebenswertes Leben schier unmöglich machen. Ohne Streben ist der Mensch wie ein lebendiger Toter, doch er kann sich auch zu Tode streben. Dafür aber ist das Leben einfach viel zu schade.

Vorschau: Nächsten Mittwoch liefert Eva euch Fakten rund um das Thema Schwangerschaft und geht auf Vorurteile ein, die jungen Menschen dabei begegnen.

Was man verspricht, sollte man halten!

Eine der ersten Regeln, die jedes Kind schon früh lernen muss, lautet: Was man verspricht, sollte man halten. Auch der europäische Sorgenstaat Griechenland sollte seinen Versprechungen zu Reformen und Sparprogrammen nun endlich Taten folgen lassen. Wo viel geredet und versprochen wird, bleiben Ergebnisse aus und die Wirtschaftslage verschlechtert sich weiter. Denn es kostet immer Zeit bis Reformen in die Tat umgesetzt werden und auch ihre beabsichtigte Wirkung zeigen. Und Zeit haben die Krisenländer sicher nicht im Überfluss. Rezessionsprognosen wurden bereits nach oben korrigiert.

Der Druck auf Griechenland wächst. Bei seinem ersten Besuch seit Langem ermahnte der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso den griechischen Staatschef Antonis Samaras, die Reformen endgültig auf den Weg zu bringen. Er hingegen wolle sich dafür einsetzen, dass kritische Stimmen, die das Scheitern der Griechen propagieren, verstummen. Solche Aussagen, wie die des deutschen Wirtschaftsministers Philipp Rösler, trügen nicht zur Problemlösung bei. Doch das Finanzministerium weiß selbst, dass es mit den Bedingungen für die bereits erhaltenen zwei Hilfspakete im Verzug ist. Viele staatliche Unternehmen haben immer noch nicht, wie vereinbart, Gehälter gekürzt und Zuschüsse gestrichen. Als Grund für den Verzug wird der lange Wahlkampf vorgeschoben, der eine Regierungspause bedeutet habe.

Die aktuell diskutierten Sparreformen sollen die außergewöhnlich hohen Renten derjenigen Pensionäre kürzen, die über 2.200 Euro pro Monat erhalten. Dies würde zum einen frühere Hochverdiener treffen, aber zum anderen auch Menschen, die freiwillig in ihrem Arbeitsleben mehr in die Rentenkasse eingezahlt haben, um später im Alter gut versorgt zu sein. Außerdem sollen Menschen, die unverhältnismäßig oft einen Arzt aufsuchen, zur Kasse gebeten werden. Einige staatliche Behörden und Organisationen sollen abgeschafft werden, um den Staatsausgaben zu senken.

Nun heißt es Dampf machen: die Maßnahmen müssen von der Koalitionsregierung beraten und der Troika (Face2Face berichtete) vorgelegt werden. Nur so kann Griechenland in Zukunft auf Geld aus den Hilfsprogrammen hoffen. Sicher ist jedoch, dass das Antasten lang bestehender Privilegien, wie monetäre Zuschüsse an staatliche Angestellte, für Unmut sorgen wird. Dies wird die bestehenden sozialen Spannungen und Proteste weiter verschärfen. Dennoch: leere Versprechungen, wie bisher, können die Probleme der Griechen sicher nicht lösen.