Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

„Wir sind freundlich begrüßt worden – von Menschen, Frauen und Kindern.“

Und wieder ein Jahr, das mit großen Schritten dem Ende entgegenschreitet. Auch in der Sportwelt hat sich 2014 einiges ereignet. Große Triumphe, bittere Niederlagen, Drehbuchreife Dramen und unzählige Sprüche, die diese Ereignisse mit dem gewissen Etwas gewürzt haben.

Das Jahr 2014 war noch recht jung, da fanden im russischen Sotschi die Olympischen Winterspiele statt. Überschattet von den politischen Verhältnissen vor Ort standen die Spiele von Beginn an in der Kritik. Schön, dass die deutschen Sportler mit ihren Mannschaftsoutfit ein inoffizielles Statement abgaben: „Lieber bunter Vogel als graue Maus – die Bunte Republik Deutschland lässt grüßen“, sagte Chef de Mission Michael Vesper nach der Eröffnungsfeier.

Aus rein sportlicher Sicht waren vor allem die (voraussehbaren) milden Witterung ein Graus. Kein Wunder, dass sich die Sportlerinnen und Sportler recht dünn für eine Winterolympiade anzogen. „Ich war so dünn wie möglich angezogen. Ich trug dieses nur, weil ich überhaupt etwas anhaben musste.“(Die norwegische Langläuferin Marit Björgen nach dem 10-Kilometer-Klassikrennen über die Wärme in Krasnaja Poljana) Aber nicht nur das Wetter, auch die Strecken oder Abfahrten hatte es in sich. Gut, dass die österreichische Skirennfahrerin Michaela Kirchgasser nicht so viel an ihrem Körper trug, als sie nach der Abfahrtsstrecke in der Super-Kombination bibberte: „Zwischendrin, glaub‘ ich, ist doch ein bisschen was in die Hose gegangen – nee, aber das ist schon heftig.“

Klar, dass da die deutsche Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger bei so vielen intimen Einblicken Ihrer Kolleginnen, im Bett klare Grenzen setzt und betont: „Mein Schlitten schläft nicht bei mir im Bett. Der hat seine eigene Decke.“ Rodler-Kollegin Tatjana Iwanowa hatte nach den Kommentaren genug gehört und antwortet auf den Vorschlag eines Frauen-Doppelsitzers mit ernster Stimme: „Das wäre zu viel. Zwei Mädels in einem Raum gibt Chaos. Wenn zwei Mädels auf einem Schlitten säßen, würde sie sich gegenseitig die Augen auskratzen.“

Einer der prägendsten Triumphe der Olympiade war aus deutscher Sicht sicherlich der Sieg beim Teamwettbewerb der Skispringer. Bundestrainer Werner Schuster war vor dem Springen für alle Eventualitäten gewappnet und verriet den anwesenden Pressevertretern: „Ich hätte bei einem Misserfolg drei Argumente parat, warum es nicht geklappt hat. Die habe ich wieder in die Schublade getan und nehme sie das nächste Mal mit.“ Das nächste Mal könnte indes schon der Auftakt zur Vierschanzentournee sein. Dort hatten die deutschen Springer nämlich wirklich einen Misserfolg zu verbuchen…

Nach dem Winter kommt der Frühling und dann, ja dann kommt endlich der Monat, auf den die meisten Einwohner in Deutschland gewartet haben: Der Sommer. Und mit ihm auch die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren. Wie es Ex-Fußballer Andreas Möller trotz seiner fragwürdigen Geographiekenntnisse „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“, indes geschafft hatte, sich ordnungsgemäß in Brasilien einzufinden, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben.

Auch was sich DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock mit dem Satz „Wir sind freundlich aufgenommen worden – von Menschen, Frauen und Kindern“ wirklich gedacht hat, ist noch nicht ganz geklärt. Die deutsche Nationalmannschaft jedenfalls marschierte als Gruppenerster souverän ins Achtelfinale und bekam es dort mit dem großen Außenseiter Algerien zu tun. Der Respekt des Gegners war vor dem Duell riesig. Algeriens Nationaltrainer Vahid Halilhodzic ließ deshalb auch auf der Pressekonferenz verlauten: „Wenn Deutschland fünf Möglichkeiten bekommt, erzielen sie sechs Tore.“ Dass die Partie alles andere als glatt für die deutsche Elf verlief und der Sieg erst nach Verlängerung eingefahren werden konnte, sorgte für einige offene Fragen bei den Journalisten. Fragen, die der deutsche Verteidiger Per Mertesacker so gar nicht nachvollziehen konnte und dem ZDF-Reporter Boris Büchler die schon legendären Sätze entgegnete: „Wat woll’n Sie jetzt von mir?“, „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist irgendwie eine Karnevalstruppe?“, „Ich lege mich jetzt erstmal für drei Tage in die Eistonne“, „Ich verstehe die ganze Fragerei nicht.“

Nach Algerien war vor Frankreich für die DFB-Elf. Das Spiel wurde 1:0 gewonnen. Die Hitze am späteren Finalspielort in Rio war aber unerträglich. Klar, dass da Thomas Müller mit einem Spruch um die Ecke kam und dem Kaktus huldigte: „Es war schon wie in einer Grillbude. Da merkt man erst mal, was für ein faszinierendes Gebilde ein Kaktus ist, da nicht einzugehen.“ Der Brasilianische Superstar Neymar gab sich, angesprochen auf sein Talent, nicht ganz so bescheiden. Vor dem Viertelfinalspiel gegen Kolumbien ließ er verlauten: „Klar habe ich eine Gabe. Aber ich nehme das Training als Spiel. Und das Spiel gehe ich an, als ob Krieg ist.“ Das Ende vom Lied: Dem Brasilianer wurde der dritte Lendenwirbel im Rücken gebrochen und die WM war für ihn damit gelaufen.

Beim Halbfinale Brasilien gegen Deutschland, sorgten die Deutschen mit einem 7:1-Erfolg für eine Geschichtsträchtige Partie. Doch die DFB-Elf feierte diesen Triumph nicht überschwänglich und tröstete die geschlagenen Brasilianer noch nach dem Abpfiff auf dem Rasen. Der Spruch von Nationalspieler Toni Kroos: „Weltmeister ist noch niemand im Halbfinale geworden“, steht sinnbildlich für den Charakter der deutschen Mannschaft. Der Sportartikelhersteller Adidas gab sich da schon eher optimistisch. Mit dem Werbespruch „Nur noch kurze Zeit erhältlich – Deutschland-Trikot mit 3 Sternen,“ sprachen sie vielen deutschen Fans aus der Seele.

Dass das Endspiel dann an Spannung kaum zu überbieten war, ist bekannt. Einer, der sich während dem Turnier mit spannenden wie engen Spielen auskannte war Arjen Robben, der nach dem dritten gedrehten Spiel der Niederländer in die Kamera lächelte: „Ich glaube, die Kardiologen in Holland sind sehr glücklich mit uns.“ Dass sein Nationalmannschaftskollege Nigel de Jong herausstellte, „Ich finde eine fantastische Grätsche, mit der ich einen Treffer verhindere, viel geiler als ein Tor oder eine Vorlage“, ist vielleicht auch ein Grund, warum die Holländer ab dem Viertelfinale kein Tor mehr erzielen sollten.

Treffen wie er wollte konnte auch in diesem Jahr wieder der deutsche Basketball-Superstar Dirk Nowitzki. Als er erst vor kurzem durch seine 14 Punkten über die Los Angeles Lakers auf den achten Platz der ewigen NBA-Scorerwertung kletterte, sagte der 36-Jährige mit seinem typischen Humor: „Ich bin einfach nur glücklich, dass ich Teamkollegen habe, die mich in die richtige Position bringen. Auch wenn ich schon etwas älter bin.“ Den Druck spürt Nowitzki, der in seiner Karriere bereits alles erreicht hat, bestimmt nicht mehr so sehr. Obwohl, den haben die Holländer, insbesondere Klaas Jan Huntelaar, beim Spiel gegen Mexiko auch nicht gespürt. „Der Druck war weg“, sagte er nachdem er vor seiner Einwechslung gegen Mexiko nochmals auf Toilette musste und danach per Strafstoß das 2:1-Siegtor für Oranje erzielte…

Vorschau: Die Darts WM in London ist im vollen Gange. Doch wer holt sich den Titel?

U-21 will zeigen, was in ihnen steckt

Als Bayern-Kapitän Philipp Lahm den DFB-Pokal in den Berliner Nachthimmel stemmte, beziehungsweise als der mexikanische Unparteiische Paul Delgadillo die Partie zwischen den USA und Deutschland abpfiff, war die Fußballsaison für die deutschen Fans offiziell beendet. Und was nun? Langeweile? Tagelanges Regenwetter ohne Aufsicht auf 22 Spieler, die einem Ball hinterher jagen? 

Nein! Denn just an diesem Mittwoch beginnt in Israel die Fußball U-21-Europameisterschaft. Mit dabei auch die deutsche Mannschaft. Nach dem souveränen Titelgewinn 2009 mit Spielern wie Mesut Özil, Manuel Neuer und Co und der peinlichen Nicht-Qualifikation 2011 möchte die jetzige DFB-Auswahl zeigen, was in ihnen steckt. „Wir wollen zeigen, dass die U-21 nach 2009 wieder da ist“, sagte Kapitän Lewis Holtby selbstbewusst. Auf dem England-Legionär der Tottenham Hotspurs wird die Hauptlast liegen, ist er doch einer der wenigen, die bereits bei der A-Nationalmannschaft Länderspielluft schnappen durften. „Ich will das Team zum Titel führen“, machte der Blondschopf aus seinen Zielen dann auch kein Geheimnis. 

Die Umstände dafür stehen nicht schlecht: Am Sonntagabend kam die Mannschaft von DFB-Trainer Rainer Adrion in ihrem Quartier, am Hafen von Tel Aviv, an. Eine Unterkunft, in der die Deutschen bereits im März eine Woche lang logierten und sich mit der Umgebung vertraut machten. Auch die nah gelegenen Trainingsplätze weißen internationale Klasse auf. Einer erfolgreichen Vorbereitung steht also nichts mehr im Wege. 

Kopfzerbrechen könnte höchstens die schwierige Gruppenphase mit sich bringen. In der Gruppe B gilt es mit Spanien, Niederlande und Russland drei starke Mannschaften aus dem Weg zu räumen. Die Niederlande setzt gleich auf zwölf Spieler mit A-Erfahrung im Kader. Die Spanier und Russen bringen sogar richtige Prominenz mit: Während Russland mit Alan Dsagojew (ZSKA Moskau) den dreifachen Torschützen der Herren-EM 2012 in seinen Reihe aufbieten kann, haben die Spanier Toptalent Isco (FC Malaga) und Torhüter David de Gea (Manchester United) dabei.  Holtby bleibt dagegen gelassen. Für den 22-Jährigen ist das der unausweichliche Weg, wenn man den Titel gewinnen möchte. Die DFB-Elf ist heiß auf diese EM: „Es gibt nichts schöneres als Holland zu schlagen. Sofort gegen den Erzrivalen, das ist fantastisch“, strahlt der Regisseur mit Blick auf die Auftaktbegegnung gegen die Niederlande (Donnerstag, der 06. Juni, ab 20:15 Uhr auf Kabel 1). 

Trotz der verletzungsbedingten Ausfällen von Jan Kirchhoff (Mainz 05) Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt) und Tolgay Arslan (Hamburger SV) sieht U-21-Trainer Adrion seinen Kader für die EM gut gerüstet. Dabei schöpft der Übungsleiter nicht einmal aus dem Vollen. Julian Draxler, André Schürrle, Ilkay Gündogan, Toni Kroos und Mario Götze (beide verletzt) wären alle noch für die U-21 spielberechtigt. „Ich bin zuversichtlich, dass ich das richtige Aufgebot nominiert habe. Es steht eine Mixtur aus erfahrenen U-21-Spielern und aufstrebenden Talenten, Bundesliga-Stammkräften und Nachwuchshoffnungen mit spannendem Potenzial dar“, ist Adrion von seiner Mannschaft überzeugt. Lasst die Spiele beginnen! 

Der deutsche U-21-Kader: 

Tor: Oliver Baumann (SC Freiburg), Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen) und Timo Horn (1. FC Köln)
Abwehr: Tony Jantschke (Borussia Mönchengladbach), Sead Kolasinac (FC Schalke 04), Matthias Ginter, Oliver Sorg ( beide SC Freiburg), Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart), Stefan Thesker (TSG Hoffenheim), Lasse Sobiech (SpVgg Greuther Fürth), Shkodran Mustafi (Samdoria Genua)
Mittelfeld: Patrick Funk (FV St. Pauli), Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach), Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim), Emre Can (FC Bayern München), Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt), Christoph Moritz (FC Schalke 04), Lewis Holtby (Tottenham Hotspurs), Christian Clemens (1. FC Köln)Angriff: Pierre-Michel Lasogga (Hertha BSC), Peniel Mlapa (Borussia Mönchengladbach), Sebastian Polter (1. FC Nürnberg), Kevin Volland (TSG Hoffenheim) 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel über das Klettern auf Englisch.   

Die Suche nach den Nationalspielern

Stell dir vor es ist Länderspiel und kein Star kommt hin. So oder so ähnlich muss sich Fußball-Nationaltrainer Joachim Löw vor der kommenden Länderspielreise in die USA fühlen. Wenn die DFB-Elf am Mittwoch, 22. Mai, ihren Trip nach Nordamerika startet, werden dem Bundestrainer nicht weniger als 17 Nationalspieler fehlen. Das Champions-League Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, das Pokalfinale zwischen München und dem VfB Stuttgart, die U-21-EM in Israel, die Bundesliga-Relegation und die spanische Liga reißen ein großes Loch in den Kader des 53-Jährigen. 

Mit Marco Reus, Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Mario Götze, Marcel Schmelzer und Sven Bender fehlen sechs Spieler von Borussia Dortmund. Genauso viele werden es beim Finalgegner aus München sein. Die beiden Real-Stars Sami Khedira und Mesut Özil sind noch bis zum 1. Juni in der spanischen Liga aktiv. Torjäger Miroslav Klose spielt mit Lazio Rom um den italienischen Pokal (26. Mai) und auf die U-21-Spieler wie Patrick Hermann (Gladbach), Sebastian Rode (Frankfurt) oder Lewis Holtby (Tottenham) will Löw wegen der Vorbereitung auf die Europameisterschaft nicht zurückgreifen. Da auch mit Serdar Tasci, George Niedermeier oder Christian Gentner mögliche Kandidaten vom VfB Stuttgart aufgrund des Pokalfinales (1. Juni) ausfallen und auch hinter Lukas Podolski (FC Arsenal London) ein dickes Fragezeichen steht, verkommen die beiden TEST-Länderspiele gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (2. Juni) zur Farce. 

Wen also nominieren? Laut dem „Kicker“ sollen Sydney Sam und Philipp Wollscheid (beide Bayer Leverkusen) vor ihrem Länderspieldebüt stehen. Kurios, dass auch die bereits aussortierten Andreas Beck (Hoffenheim), Aaron Hunt (Bremen) und Dennis Aogo (Hamburg) vor ihrem Comeback stehen sollen. Auch der bereits 30-Jährige und damit im Grunde genommen perspektivlose Alexander Meier (Frankfurt) soll Löw auf den letzten Seiten seines Notizbüchleins gefunden haben. Lückenbüßer, die eine Reise retten sollen, die schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist.

Von Schalke dürften Roman Neustädter, Benedikt Höwedes und Julian Draxler nominiert werden. Per Mertesacker (FC Arsenla London), Lars Bender und André Schürrle (beide Leverkusen) sind gesetzt. Dennoch wir die Steigerung der Beliebtheit und des Ansehens der Nationalmannschaft, von Beginn an das einzige Ziel dieses „Promotion-Trips“, ohne die Stars an Bord, nicht zu erfüllen sein. 

Immerhin war zuletzt spekuliert worden, dass Löw die Dortmunder-Spieler nachkommen lässt. Ein Tropfen auf den heißen Stein? So oder so stehen zwei neue Höhepunkte in der Reihe „Unsinnige Länderspiele“ an. Ach ja, auf Deutschlands erfolgreichsten Torjäger Stefan Kießling will Löw im Übrigen auch verzichten… 

Ähnlich spektakuläre Rumpfkader: 

  • Beim Confederations Cup 1999 nominierte Bundestrainer Erich Ribbeck nach zahlreichen Absagen die Profis Heiko Gerber, Ronald Maul, Mustafa Dogan und Michael Preetz. Nach einer 0:4-Pleite gegen Brasilien und der 0:2-Niederlga gegen die USA durfte die DFB-Mannschaft bereits nach der Vorrunde die Koffer packen.
  • Unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann standen bei der Asien-Reise 2004 Spieler wie Marco Engelhardt und Thomas Brdaric in der Startelf. 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Kommentar über den Profisport in Deutschland

Zwischen Teamgeistdebatte und Knotenlöser

Anpfiff in einen positiven Stimmungsumbruch? Nach dem 4:4 gegen Schweden ist Abwarten angesagt  (© Rike / pixelio.de)

Anpfiff in einen positiven Stimmungsumbruch? Nach dem 4:4 gegen Schweden ist Abwarten angesagt (© Rike / pixelio.de)

Was musste man in den vergangenen Tagen, wenn es um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ging, nicht alles lesen. Von einer Teamgeistdebatte, Hoeneß-Kritik bis hin zu einer Abwehr-Diskussion war alles dabei. Die harmonische Welt der DFB-Auswahl hatte kleine Risse bekommen. Zu Recht? 

Nach dem überraschenden EM-Halbfinalaus vor dreieinhalb Monaten fiel die Nationalmannschaft in ein Spiel- und Stimmungstief. Nach der 1:3-Niederlage gegen Argentinien folgte ein durchschnittliches Qualifikationsspiel gegen die Faröer-Inseln und ein katastrophales gegen Österreich. Als Mittelfeldmotor Bastian Schweinsteiger dann auch noch mit dem Vorwurf „die Stimmung in der Nationalmannsc haft war während der Europameisterschaft nicht die beste“ um die Ecke kam, war der mediale Wirbel fast unausweichlich. 

Doch die Mannschaft gab auf sportliche Weise die richtige Antwort. Der beeindruckende 6:1-Kantersieg gegen Irland kam einem Knotenlöser gleich – die angespannte Lage scheint sich seitdem ein wenig beruhigt zu haben. Um nicht erneut in eine Negativdiskussion zu geraten, legte Bundestrainer Joachim Löw sofort den Focus auf die schwere Aufgabe gegen Schweden.

Auch Marco Reus, der beim Kantersieg in Dublin der überragende Mann auf dem Platz war, richtete bei der Pressekonferenz den Blick wider nach vorne: „Das war wieder der Fußball, den man von Deutschland kennt. Wir werden gegen Schweden mit einer breiten Brust antreten“, gab der Dortmunder die Richtung vor. 

Kapitän Philipp Lahm blies ins selbe Horn: Man hat gesehen, dass wir sehr, sehr kreativ Fußballspielen und so einen Gegner wie Irland auseinandernehmen können. Aber jetzt zählt nur noch Schweden, wir sind sehr fokussiert.“ 

Fokussiert war die Mannschaft auch – leider aber nur 60 Minuten. Eine Stunde lang, spielte die DFB-Elf teilweise Fußball von einem anderen Stern. Keiner hätte mehr nach dem Treffer zum 4:0 von Mesut Özil noch einen Pfifferling auf die schwedische Mannschaft gegeben. Doch was danach passierte wird man in allen Geschichtsbücher nach lesen können. Noch nie gab die deutsche Mannschaft einen 4:0-Vorsprung aus der Hand und noch nie bekamen die Deutschen vier Tore innerhalb von 30 Minuten. Das der Treffer zum 4:4 durch Elm in der allerletzten Spielminute fiel (90. +3) passt ins Bild. 

Zum Knotenlöser kam es somit nur teilweise. Die Kritiker werden jetzt wieder mehr Wasser auf ihre Mühlen bekommen. Der erneute mediale Wirbel wird nicht lange auf sich warten lassen.