Grömitz und Kühlungsborn – zwei Ostseebäder mit Flair

Der Sommer hat begonnen. Bei einem erfrischenden Radler sitze ich mit ein paar Freundinnen am Rhein und genieße das Rauschen des Wassers, das Zwitschern der Vögel und die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Kein Wunder, dass wir da im Gespräch auch auf das Thema Urlaub kommen. „Ich fliege mit meinem Freund in die USA. Wir bleiben vier Wochen“, sagt eine meiner Freundinnen enthusiastisch. „Ich habe noch nichts gebucht, aber wahrscheinlich fliegen wir nach Mallorca oder nach Sizilien“, wird von anderer Seite berichtet. War ja klar. Da kann ich mit meinem Urlaubsziel mal wieder nicht mithalten. Im nächsten Moment wird mir die Frage gestellt, die ich schon erwartet hatte: „Und wohin fährst du in Sommerurlaub?“ „Nach Kühlungsborn oder nach Grömitz“, antworte ich und blicke – wie zu erwarten war – in fragende Gesichter: „Wo liegt das denn? Das habe ich ja noch nie gehört. Ist das noch in Deutschland?“ Die nächste halbe Stunde verbringe ich damit, meinen Freundinnen zu erklären, dass man manchmal gar nicht weit wegfahren muss und auch Deutschland wunderschöne Ecken zu bieten hat, an denen man einen perfekten Sommerurlaub verbringen kann. So zum Beispiel im Ostseebad Grömitz.

Seebad mit langer Tradition

Grömitz liegt am Nordrand der Lübecker Bucht in Ostholstein und hat rund 7.800 Einwohner. Die Hansestadt Lübeck ist nur etwa 50 Kilometer entfernt. Als Erholungsort hat Grömitz eine lange Tradition, denn es ist schon seit 1813 Seebad, also ein Kurort am Meer. Besonders schön sind der über acht Kilometer lange Sandstrand und das saubere Meerwasser. Wenn die Temperaturen stimmen, kann man natürlich in der Ostsee schwimmen. Ansonsten eignet sich der weite Sandstrand aber auch gut für ausgedehnte Spaziergänge, die stets von einem beruhigenden Wellenrauschen begleitet werden. Dank des weitläufigen Strandes verteilen sich die Einwohner und Touristen in Grömitz ganz gut und für jeden ist ausreichend Platz vorhanden. Auch an die Erholung des „besten Freundes des Menschen“ ist gedacht, denn es gibt extra einen Hundestrand, an dem sich die Vierbeiner austoben können.

Absolut sehenswert: Der Jachthafen in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Erholung nicht nur am Strand

Wer keine Lust auf Strand hat, kann sich in Grömitz auch gut anderweitig beschäftigen. So gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, einen Kurpark, einen Golfplatz, einen kleinen Zoo und einen sehenswerten Jachthafen mit empfehlenswerten Fischrestaurants. Die meisten Restaurants und Cafés befinden sich an der drei Kilometer langen Strandpromenade. Ausgiebige Spaziergänge mit Blick aufs Meer sorgen da ebenfalls für Entspannung. Und zwischendrin kann man dann ganz gemütlich in ein Eiscafé oder in einen der vielen kleinen Strandläden zum Stöbern einkehren.

Einfach mal abtauchen

Beeindruckend: Die 398 Meter lange Seebrücke in Grömitz (Foto: S. Holitzner)

Besonderes Highlight in Grömitz ist die 398 Meter lange Seebrücke. Dabei handelt es sich um die längste Seebrücke Schleswig-Holsteins. Wenn man auf ihr entlang läuft, ist man dem Meer ganz nah und hört unter den Holzbrettern der Brücke, wie die Wellen brechen. Bei klarer Sicht hat man von der Seebrücke aus einen tollen Blick auf umliegende Städte und Ortschaften sowie das weite Meer. Insbesondere abends ist es schön, von der Seebrücke aus den Sonnenuntergang zu beobachten. Wer nicht nur die Aussicht über Wasser, sondern auch unter Wasser genießen möchte, kann in die Tauchgondel, die sich seit 2009 am Ende der Grömitzer Seebrücke befindet, steigen. 30 Besucher können gleichzeitig mit ihr abtauchen. Sie bekommen dann einen 3D-Film über die Ostsee gezeigt und können bei guter Sicht den Meeresboden und einige Meeresbewohner erkennen. Wer als Urlauber das Glück hat und Ende August das Strandbad besucht, kann an „Ostsee in Flammen“ teilnehmen. Das ist ein beeindruckendes, mit Musik untermaltes Feuerwerk, das direkt von der Seebrücke aus gestartet wird und so die Ostsee und den Grömitzer Strand erleuchtet. Wenn man dann in Meeresnähe steht, kann man sogar sehen, wie sich das Feuerwerk im Wasser spiegelt.

Lichterspektakel: „Ostsee in Flammen“ (Foto: S. Holitzner)

Wasser marsch!

Leider gibt es immer mal wieder Sommerurlaube, in denen das Wetter nicht mitspielt oder die Temperaturen einfach zu niedrig sind, um im Meer zu schwimmen. In Grömitz kann man in so einem Fall trotzdem in Meerwasser baden. Im Schwimmbad „Grömitzer Welle“ gibt es nämlich aufbereitetes Seewasser in den Schwimmbecken. Außerdem gibt es ein Wellenbad: Alle 30 Minuten werden so am Anfang des Beckens kleine Wellen und am tieferen Ende des Beckens bis zu ein Meter hohe Wellen erzeugt, sodass man sich fast wie im richtigen Meer fühlt.

Von West nach Ost

Ebenfalls eine Reise wert ist das Ostseebad Kühlungsborn. Es liegt an der Küste der Mecklenburger Bucht und hat circa 8.900 Einwohner. Die Hansestadt Rostock ist nur rund 30 Kilometer entfernt. Im Gegensatz zu Grömitz ist Kühlungsborn erst seit 1996 offiziell Seebad. Kühlungsborn besteht aus den zwei Stadtteilen West und Ost, die durch einen 133 Hektar großen Stadtwald verbunden sind. Wer nicht durch den Wald gehen möchte, kann auch einfach am langen Sandstrand entlanglaufen und gelangt so ebenfalls zum jeweils anderen Stadtteil. Auch in Kühlungsborn ist das Meerwasser sehr sauber, sodass man sich bei heißen Temperaturen ideal mit einem Bad in der Ostsee abkühlen kann. Hundestrände gibt es hier ebenfalls. Von der 240 Meter langen Seebrücke, die sich im Stadtteil Ost befindet, hat man einen schönen Ausblick. Sie ist die erste Seebrücke, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern vollendet wurde (1991). Eine fast vier Kilometer lange Strandpromenade verbindet die beiden Stadtteile Ost und West und eignet sich gut für Spaziergänge mit Blick aufs Meer.

Entspannung am Meer: Kühlungsborn-Ost (Foto: S. Holitzner)

Kühlungsborn für Touristen

Viele schöne alte Villen aus der Gründerzeit prägen das Stadtbild von Kühlungsborn. Kühlungsborn-Ost ist der für Touristen vermutlich ein bisschen attraktivere Stadtteil. Abgesehen von der Seebrücke sind dort verschiedene größere Einkaufsmöglichkeiten, viele Cafés und Restaurants. Außerdem befindet sich dort ein Jachthafen. Ebenfalls beginnt in Kühlungsborn-Ost die Steilküste mit Blick auf die Ostsee. Gut ausgeschilderte Wanderwege ins nah gelegene Heiligendamm starten hier. International bekannt geworden ist dieser kleine Ort, als dort im Juni 2007 der G8-Gipfel stattgefunden hat.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Nostalgie pur: Eine Fahrt mit Dampflok „Molli“ (Foto: S. Holitzner)

In Kühlungsborn-Ost wird zudem Geschichte lebendig. Dort steht noch ein Original-Grenzbeobachtungsturm aus der Zeit der DDR. Von 1971 bis 1990 waren mehrere solcher Türme entlang der Ostseeküste aufgestellt, um die Seegrenze der DDR im Auge zu behalten und Republikflüchtlinge, die über die Ostsee aus der DDR fliehen wollten, zu erspähen. Rund um den Grenzbeobachtungsturm in Kühlungsborn können sich Besucher über das Grenzsystem und das Schicksal von Menschen, die versucht haben, aus der DDR zu fliehen, informieren. Außerdem kann der Turm besichtigt werden. Lohnenswert ist in Kühlungsborn auch eine Fahrt mit dem „Molli“. Das ist eine Dampflok, die auf einer rund 15 Kilometer langen Strecke zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan fährt. Für diese Strecke, die teilweise mitten durch die Natur führt, benötigt „Molli“ rund 40 Minuten, denn er ist mit einer maximalen Geschwindigkeit von 40 km/h unterwegs. Bei einer Kurzreise mit dem „Molli“ lernen Fahrgäste sehenswerte Ecken der einzelnen Orte kennen, die sie so vielleicht gar nicht wahrgenommen hätten.

25 Songs zum 3. Oktober

1990 war es nach über 40 Jahren Trennung soweit. Aus DDR und BRD wurde wieder eins. Familien, die von der Mauer zwischen Ost und West getrennt wurden, konnten sich bereits 1989 in Arme schließen. Aber erst ein Jahr später wurde die Zusammenführung auch offiziell besiegelt. Am heutigen Tag der deutschen Einheit wollen wir für euch einen Blick auf Songs werfen, die aus den letzten 25 Jahren stammen oder diese beeinflusst haben. Und mit euch die ein oder andere Erinnerung teilen.

Andreas Bourani – Ein Hoch auf uns

In unserer doch recht jungen Redaktion ist vor allem ein Lied besonders hängen geblieben. Und auf gewisse Weise hängt der Erfolg auch mit dem Jahr 1990 zusammen. „Auf uns“ wurde 2014 zu der Fußballhymne. Unsere Jungs holten sich den Weltmeistertitel und mit Bouranis deutschem Gute-Laune-Lied kochte die Stimmung aus dem Jahr 1990 wieder hoch, denn gewannen unsere Fußballer die WM in Italien.

„Andreas Bourani mit „Ein Hoch auf uns“ war das Lied zur Fußballweltmeisterschaft 2014 und ist für mich mit positiven Erinnerungen an eine tolle Zeit verbunden.“ (Lea, Face2Face-Redaktion)

Scorpions   -Wind of change

Das Lied der deutschen Band Scorpions ist bezeichnend für den Fall der Mauer. Noch heute ist Wind of change ein Lied, das viele Gefühle weckt. Der Wechsel, den die Rockmusiker besingen, war kein leichter, aber in 25 Jahren hat sich viel getan. In Ost, in West aber eben und vor allem als Einheit aus beidem.

„ Auch heute habe ich noch Gänsehaut, wenn ich das Lied höre und sehe, was in den letzten 25 Jahren aus Deutschland hervorgegangen ist!“ (Peter, Ost-Berliner)

Die Prinzen – Deutschland

Die Jungs aus Leipzig haben 2001 ihr Heimatland besungen. Dabei sind Autos, Frauen und auch der Stolz Deutscher zu sein Themen des Songs. Wie es typisch für die Prinzen ist, ist Song natürlich auch mit einem Augenzwingern geschrieben. Aber dennoch „Das alles ist Deutschland, das alles sind wir.“

„Kritisch aber gut, so wie die Prinzen!“ (Nina, Face2Face-Redaktion)

Nena – 99 Luftballons

Nena ist DIE deutsche Stimme. Zugegebener Weise ist sie das schon seit mehr als 25 Jahren, aber ihr Song 99 Luftballons begleitet bis heute Generationen und die Botschaft für Frieden ist immer aktuell.

„Immer schön zu hören, vor allem im Ausland. Da kennen das Lied nämlich viele. Auch wenn es bereits 1983 geschrieben wurde, gehört es trotzdem irgendwie in die Top 25 der letzten Jahre.“ (Julia, Studentin aus Mainz)

Regler hochgeschoben: Hier ist unser Ranking zum Tag der deutschen Einheit.

Regler hochgeschoben: Hier ist unser Ranking zum Tag der deutschen Einheit. (V.Wahlig)

Green day -Wake me up when September ends

Der Song hat nicht direkt etwas mit der deutschen Geschichte seit 1990 zu tun, aber mit dem Irakkrieg und Bilder die uns in Deutschland nicht kalt gelassen haben.

„Das Musikvideo des Songs erzählt eine Geschichte, die viele Familien auch in Deutschland 2005 erlebt haben.“ (Anna, Studentin aus Frankfurt)

Die Ärzte – Schrei nach Liebe

Dass ein Song aus dem Jahr 1993 im Jahr 2015 nochmal in die Charts schießt, hätten die meisten wahrscheinlich nicht gedacht. Deutschland hat aktuell mit der Flüchtlingskrise zu kämpfen. Viele Menschen flüchten vor Krieg, kommen nach Deutschland und erhoffen sich nun sicher zu sein. Die meisten Deutschen heißen die Menschen aus dem Ausland herzlich willkommen, dennoch gibt es aber auch das Gegenteil. Flüchtlingsunterkünfte werden in Brand gesetzt. Die „Aktion Arschloch“ will sich dies nicht gefallen lassen und kontert mit dem Song der Ärzte.

„Fremdenhass ist immer blöd. Schön ist das ein 22 Jahres altes Lied nie die Botschaft verliert und mit so viel Power durch die Medien geht.“ (Dennis, Musikstudent aus Hamburg)

Fettes Brot – Jein

Die Jungs der 90er aus dem hohen Norden sind in unserem Ranking natürlich auch mit dabei. 1996 erschien ihr Song Jein, der irgendwie typisch nordisch klingt und aus der deutschen Hip-Hop Geschichte nicht weg zu denken ist. Und nicht zuletzt gehört dieses Kofferwort zwischen Ja und Nein auch zur deutschen Kultur.

„Soll ich es wirklich machen oder lass ich´s lieber sein? Jein.“(Refrain des Songs)

Scooter– Hyper Hyper 

Scooter ist eine ganz besondere musikalische Geschichte. International erfolgreich, arbeitet die Band seit 1993 zusammen und hat in dieser Zeit mehr als 30 Millionen Plattenträger verkauft. Ihre elektronische Musik ist vor allem auf der Love Parade gespielt worden und mit ihrem Song Hyper Hyper werden sie auch heute noch auf Partys gespielt

„Hyper! Hyper! Sit there, be good, bye-bye!” (Lyrics des Songs)

Die Fantastischen Vier – Die Da!

Die vier Stuttgarter Musiker sind mit ihrem Deutschrap in der ganzen Nation beliebt. Mit viel Witz und Charme rappen die Jungs seit fast 30 Jahren die Bühne und haben mit ihrem Song „Die Da!“ spätestens 1994 die Herzen aller erobert:

„Fanta 4 ist typisch Stuttgart, aber vor allem sind sie Aushängeschild für guten und bodenständigen Rap/ Hip Hop aus Deutschland.“ (Julian, Musiker aus Stuttgart)

Oli P.- Flugzeuge im Bauch

Dass ein Künstler sich selbst von Platz 1 der Charts ablöst ist eher selten. So war es aber 1999 bei Oli P. Der Sänger und Schauspieler coverte den Song „Flugzeuge im Bauch“ von Herbert Grönemayer aus dem Jahr 1985 und machte damit das Liebeslied zum internationalen Erfolg. Sieben Wochen war der Song an der Spitze der Charts und wird auch heute noch auf jeder 90er Jahre Party zum Besten gegeben.

„Flugzeuge im Bauch ist in beiden Versionen einfach schön. Doch Oli P. ist halt der Liebling der Mädels, da er als Schauspieler bei GZSZ die Mädchenherzen eroberte.“ (Sabrina, Face2Face-Redaktion)

Die anderen 15 Songs unseres Rankings findet hier auf unserer Facebook-Like Seite. Werft mal einen Blick drauf.

Habt ihr eine Geschichte zu einem der Songs? Dann schreibt sie uns doch einfach auf Facebook.

Das gesamte Face2Face-Team wünscht euch heute einen schönen Tag der deutschen Einheit!

 

Mehr als nur Geschichte: Das DDR-Museum in Berlin

Das Leben in der ehemaligen DDR: Insbesondere für die jüngere Generation ist dies schwer greifbar, obwohl der Fall der Mauer gerade mal 26 Jahren zurückliegt. Wie genau lebte es sich in der DDR? Welche Produkte waren typisch? Wie sah eine klassische Wohnung im Plattenbau aus? Auf diesen Fragen und vielen mehr hat das DDR-Museum in Berlin die passenden Antworten parat. Das Ziel ist es in die Welt der ehemaligen DDR einzutauchen, zu begreifen, was es bedeutete in der DDR zu leben und zu arbeiten.

Das Konzept geht auf: Das Museum setzt auf Interaktivität . Kein durchgängiges, schnödes Lesen von Texttafeln oder eine Aneinanderreihung von Kurzfilmen. Die Abwechslung, die das Museum bietet, macht einen Besuch sowohl für Kinder als auch für Erwachsene interessant und lohnenswert.

Du hast Lust dir eine originalgetreue Wohnung anzuschauen, wie sie tausendfach in der DDR vorkam? Dank einer Nachbildung ist dies möglich. Küche, Bad, Wohnzimmer: Sogar der Fernseher mit DDR-Fernsehprogrammen läuft, sodass man sich gemütlich auf die dunkelbraune Couch setzen und das Ambiente auf sich wirken lassen kann.
Auch das Betreten eines Trabant ist möglich. Der „Trabbi“ ist wohl der meist gefahrene Kleinwagen der DDR und daher ein echtes Kultauto. Wenn du mehr über den Kleidungsstil erfahren möchtest, dann öffne doch einfach den Kleiderschrank und schau selbst nach, was gerne getragen wurde und welche Stoffe beliebt waren.
Wo hat die Bevölkerung der DDR Urlaub gemacht? War dies überhaupt möglich? Wie sah der Alltag in der DDR aus? Was hatte es mit der weit verbreiteten FFK-Kultur auf sich? All diese Fragen werden dir im Museum spielerisch, doch trotzdem informativ, beantwortet.
Empfehlenswert ist ein vorheriger Ticketkauf. Du musst dich zwar schon auf einen Tag und eine Uhrzeit festlegen, jedoch vermeidest du damit lange Wartezeiten. Das Museum ist bei Touristen aus aller Welt sehr beliebt, sodass man im Grunde immer mit einer längeren Schlange rechnen muss. Wenn du jedoch das Ticket schon vorab kaufst, hast du aufgrund eines separaten Eingangs direkten Eintritt ins Museum.

Das Museum liegt direkt vis-à-vis zum Berliner Dom. Mit Straßenbahn und Bus fährst du bis „Spandauer Straße/Marienkirche“, mit der S-Bahn bis „Hackescher Markt“. Der Eintritt kostet für Erwachsene 6 Euro, für Kinder und Ermäßigte sogar nur 4 Euro.

Vorschau: Nächste Woche entführen wir euch nach Brügge in Belgien.

Als Nutella und Smarties noch etwas Besonderes waren – Erinnerungen aus der Kindheit in der DDR

Heute baden wir in ihm, ohne dass es uns bewusst ist. Jedenfalls kommt es einem so vor, wenn man den Luxus von heute mit dem zu DDR-Zeiten vergleicht. Die 35-jährige Stefanie Abel ist in einer Zeit aufgewachsen, in der kaum einer ein Auto besaß und einem das Urlaubsziel vorgeschrieben wurde. Wie es trotz Mauer möglich war, an Süßigkeiten zu kommen, die nur dem Westen vorbehalten waren, erzählt uns die heutige Call-Center-Agentin und Mutter eines Sohnes im Interview:

Face2Face: Wo hast du damals gewohnt?
Stefanie: Ich habe im heutigen Landkreis Oberhavel, in Gransee gewohnt. Es war ein sehr schönes Anwesen. Das Haus hatte sieben Zimmer und unser Garten war etwa 5.000 Quadratmeter groß – mit vielen Obstbäumen darauf. Wir haben Kartoffeln, Spargel, Erdbeeren und Gurken angebaut. Natürlich hatten wir auch ein Gewächshaus für Tomaten und Paprika. Es war sehr schön.

Face2Face: Wie war das Leben dort und welche Erinnerungen hast du an die Zeit?
Stefanie: Meine Eltern waren beide berufstätig. Mein Vater hatte immer Arbeit in unserer Werkstatt, in der er selbst kleine Traktoren zusammenbaute. Ich durfte dabei helfen und habe das Handwerken nie abgelegt. In der Schule war es schön, wir hatten eine tolle Musiklehrerin und ich lernte Russisch. Ich hatte sehr viele Freunde, wir waren ja eine große, alteingesessene Familie und jeder kannte jeden.

Face2Face: Gab es Verbote? Wenn ja, welche? Was konnte man tun, um sie zu umgehen?
Stefanie: Die Verbote hat man in unserer Familie nicht beachtet. Wir bekamen Pakete mit Nutella und Smarties von meiner Oma aus Westberlin. Meine Geschwister hörten die Musik, die man auch im Westen hörte, aber auch Rockbands aus der DDR, wie zum Beispiel die Phudys und Karat. Sie lasen sogar ab und zu die Bravo.

Face2Face: Konntet ihr Urlaub machen? Wohin ist man damals gefahren? Hast du Erinnerungen daran?
Stefanie: In den Urlaub durften wir an die Ostsee fahren, mit drei Jahren war ich am Balaton – ein Plattensee in Westungarn.

Face2Face: Wann und wie bist du in den Westen gezogen? Wie hast du dich gefühlt, als du deine Heimat verlassen hast?
Stefanie: Am 24. Juli 1989 mussten wir die DDR laut Genehmigung des Ausreiseantrags verlassen haben. Wir fuhren mit dem Zug über Helmstedt nach Gießen ins Aufnahmelager. Das war sehr überfüllt – wir mussten sogar eine Nacht auf dem Gang schlafen.

Face2Face: Welche schlimmen Erlebnisse aus der DDR-Zeit wirst du nie vergessen?
Stefanie: Das schlimmste Erlebnis war der Abschied von meinen Freunden und den Verwandten, bevor wir ausreisten – alle weinten bitterlich. Ich war elf Jahre alt und wusste, wovon gesprochen wird, wenn es hieß, wir ziehen in den Westen. Ich wusste aber auch, dass ich alles dafür aufgeben muss. Alle Sachen wurden verkauft, meine Schallplatten, der größte Teil meines Spielzeugs. Daran denke ich noch heute. Meinen Eltern wurde der Verkaufspreis für unser Haus vorgeschrieben, statt 129.000, durften sie nur 119.000 Mark verlangen.

Face2Face: Was war früher besser als heute?
Stefanie: Es war besser, dass man den Arzt und die Schulsachen nicht bezahlen musste. Es gab nicht viele Autos, so konnte man in Ruhe mit dem Fahrrad auf der Straße fahren.

Face2Face: Welches Verhältnis hattest du damals zum Westen Deutschlands? Wie ist es heute? Spielt es überhaupt eine Rolle für dich?
Stefanie: Mein Verhältnis zum Westen war ausgeglichen, meine Oma wohnte ja in Westberlin, sowie viele Verwandte in Westdeutschland. Heute freue ich mich, wenn ich in die Heimat fahre.

Face2Face: Was vermisst du aus dieser Zeit?
Stefanie: Vor allem vermisse ich das Zusammensein mit der Familie. Meine älteste Schwester entschied sich damals, kurz vor der Ausreise, in der DDR bei ihrem Freund zu bleiben. Das war schrecklich, denn wir wussten nicht, ob oder wann wir sie wiedersehen.

Face2Face: Bist du froh, dass sich die Zeiten geändert haben?
Stefanie: Ich bin froh darüber, dass man niemanden mehr fragen muss, ob man wegfahren darf – wohin auch immer.

Face2Face: Was verbindest du mit der DDR und was wolltest du schon immer mal loswerden?
Stefanie: Es war nicht alles schlecht im Osten und trotzdem bin ich froh, dass wir ein Land sind. Ich verbinde mit der DDR, dass ich mich als Kind sehr wohl dort fühlte. Wir hatten alles, was man sich wünschen konnte. Gut, dass es heute noch Knusperflocken gibt.

Vorschau: Im nächsten Panorama-Artikel berichten wir über alternative Wohnformen, wie es das Schloss Tempelhof ermöglicht.

„Ich liebe Berlin“ – ein Interview mit Jungschauspielerin Peri Baumeister

Nur mit dem Nötigsten bepackt quartieren sich drei Moskauer Immigranten im Sommer 1990 in einem Ostberliner Wohnheim ein und fühlen sich schon bald heimisch. Andrej (Christian Friedel) träumt vom großen Reichtum, Mischa (Friedrich Mücke) von einer glanzvollen Musikkarriere, nur Wladimir (Matthias Schweighöfer) hat noch nicht seine Berufung gefunden. Dieser trifft plötzlich auf die ebenfalls aus Russland stammende Tänzerin Olga (Peri Baumeister) – die schönste Frau, die er je gesehen hat. Bald darauf kommt ihm die zündende Idee, die Tanzveranstaltung „Russendisko“ auf die Beine zu stellen. Am Donnerstag, 29. März startete der gleichnamige Film in den deutschen Kinos.
Schauspielerin Peri Baumeister nahm sich Zeit um mit Face2Face unter anderem über Klischees, die Arbeit mit Matthias Schweighöfer und ihre Liebe zu Berlin zu sprechen.

Face2Face: Mit welchen Gefühlen und Erwartungen sind Sie zum Casting von „Russendisko“ gekommen?
Baumeister: Damals war ich noch auf der Schauspielschule und hatte keine große Hoffnung darauf, die Rolle zu bekommen. Da es mein zweites Casting überhaupt war, war ich sehr aufgeregt. Es war dann aber überraschend entspannt und hat mir viel Spaß gemacht.

Interessiert sich auch abseits des Films „Russendisko“ für Theaterstücke von Tschechows: die Berliner Schaupielerin Peri Baumeister alias Olga Kaminer (Foto: Pressephoto/blackrabbit-pr.com)


Face2Face:
Was war für Sie das Ausschlaggebende diese Rolle anzunehmen?
Baumeister: Das Drehbuch hat mich fasziniert und die Zeit der 1990er Jahre in Berlin hat mich gereizt. Ein weiterer Grund war an der Seite von talentierten Schauspielkollegen zu arbeiten.

Face2Face: Was haben Sie bei der Zusammenarbeit mit Matthias Schweighöfer gelernt?
Baumeister: Er ist ein sehr erfahrener Schauspieler. Mir hat es geholfen mit jemandem zu spielen, der sich so gekonnt und selbstbewusst vor der Kamera bewegt.

Face2Face: Im Film haben Sie mehre Kuss-Szenen mit ihm. Wie unterscheidet sich ein professioneller Filmkuss von einem gewöhnlichen Kuss?
Baumeister: Für mich ist das Arbeit. Man muss sich auf sehr viele Dinge konzentrieren beim Drehen, besonders bei einer Kuss-Szene. Diese Szenen sind für alle am Set immer anstrengend.

Face2Face: Schweighöfer ist bekannt für seine fröhlich-lässige Art. Gab es am Set auch Unstimmigkeiten?
Baumeister: Nein, ganz im Gegenteil, die Jungs um Matthias haben immer für Stimmung gesorgt. Was ich toll finde, denn man musste den ganzen Tag ein gewisses Level an Konzentration aufrechterhalten. Es wurde viel rumgealbert abseits des Sets – dadurch ist man nie in diese sogenannten Energielöcher gefallen.

Face2Face: Wie haben Sie die Dreharbeiten zu den Tanzszenen empfunden?
Baumeister: Das hat mir am meisten Spaß gemacht und ich fand es großartig diese Choreographie zu lernen. Eigentlich ist die Szene wesentlich länger gewesen und es hat mich einige Stunden Unterricht gekostet.

Face2Face: Haben Sie sich, um sich vorzubereiten, verstärkt mit der russischen Kultur beschäftigt und das Buch von Wladimir Kaminer, auf dem die Story beruht, gelesen?
Baumeister: Nicht nur „Russendisko“ sondern noch drei weitere Bücher von ihm. Außerdem habe ich mich mit der echten Olga Kaminer mehrmals unterhalten. Ich war in der Vorbereitungszeit auf alles Russische fixiert, habe russische Filme geguckt, russische Musik gehört und bin auch in die Berliner Russendisko „Café Burger“ gegangen. Zusätzlich habe ich Unterricht bei meinem Sprechlehrer genommen, der sich ausschließlich mit russischem Akzent mit mir unterhalten hat.

Face2Face: „Russendisko“ ist ein Berliner Großstadtmärchen, das von Freiheit, Heimat, Liebe und den ganz großen Träume handelt. Was verbinden Sie mit Berlin?
Baumeister: In erster Linie Heimat. Ich bin hier geboren, meine Familie lebt hier und ich liebe Berlin. Manchmal tut es auch gut woanders zu sein, aber eigentlich nur weil es dann so schön ist wieder nach Hause zu kommen. Berlin bietet einfach viele Möglichkeiten und hat abgesehen davon einen ganz besonderen Charme.

Face2Face: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Regisseur und Hollywood-Legende Arthur Cohn empfunden?
Baumeister: Wunderbar. Wir haben uns von Anfang an ausgesprochen gut verstanden. Er ist ein echter Gentleman und ich habe bereits am ersten Drehtag Pralinen und Blumen geschenkt bekommen.

Face2Face: Schauen Sie privat auch Filme oder Serien?
Baumeister: Klar, schaue ich Filme und wenn ich krank bin, verfalle ich hin und wieder auch mal meiner Serien-Sucht.

Face2Face: „Russendisko“ behandelt viele russische Klischees. Was halten Sie von deutschen beziehungsweise generell von Klischees?
Baumeister: Ich finde Klischees können etwas Humorvolles haben, aber auch verallgemeinern. Wenn ein Klischee dem Besonderen keinen Platz lässt und nicht angemessen verändert wird oder Dinge reduziert und banal macht, ist das natürlich weniger schön. Man muss gut mit ihnen umgehen können – Kaminer kann das.

Face2Face: Interessieren Sie sich durch die Dreharbeiten mehr für die russische Kultur?
Baumeister: Mir ist diese Kultur nicht völlig fremd. Ich lese gerne russische Literatur, vor allem aber Theaterstücke. Stücke von Tschechows gehören absolut zu meinen liebsten.
Das heißt nicht, dass ich behaupten kann, ich würde mich wahnsinnig gut auskennen, aber es hat mich schon immer angezogen.

Face2Face: Welche Eigenschaften bewundern Sie an Ihre Filmfigur Olga?
Baumeister: Sie ist eine temperamentvolle starke Frau, die weiß, was sie will. Ich habe sie immer als bodenständig und geerdet empfunden, aber auch als jemanden, der sich mit viel Freude, Mut und Offenheit dem Leben stellt.
Ich glaube nicht, dass sie angstfrei ist, denn das ist niemand. Aber sie ist nicht ängstlich und nimmt wie es kommt und vertraut dem Leben. Das ist etwas, was ich toll finde.

Face2Face: Noch ist es nicht spruchreif, aber würde es Sie gerne einmal eine Rolle für eine Hollywood-Produktion annehmen?
Baumeister: Natürlich. Immer her damit.

Vorschau: Nächsten Dienstag berichtet Face2Face-Mitarbeiter Johannes im Panorama über seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Shisha-Kultur.

„Die Studenten müssen ihre Bedürfnisse mehr zum Ausdruck bringen!“ – ein Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei Gregor Gysi

Am Donnerstag, 15. März, sprachen bei der Veranstaltung „Wie funktioniert soziale Bildungspolitik?“ Julien Ferrat, Landesgeschäftsführer der Hochschulgruppe „Die Linke.SDS“ sowie Sarah Hermes, Kreissprecherin der „Linksjugend“, vor rund 500 Mannheimer Studenten. Auf Einladung der Hochschulgruppe machte der Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei Gregor Gysi die Studierenden auf die Missstände in der Bildungspolitik aufmerksam. Gysi ist ein immer wieder gern gesehener Talkshow-Gast bei politischen Sendungen, wie beispielsweise „hart aber fair“ oder „Günther Jauch“.

Gysi nahm sich nach seiner Rede in der Mannheimer Universität Zeit, um mit Face2Face unter anderem über Rebellion, Missstände in unserem Schulsystem und soziale Ausgrenzung zu sprechen.

Sprach vor 500 Studenten der Mannheimer Universität: der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gregor Gysi (Foto: Pitsch)

Face2Face: Gerade in Ihrer Rede haben Sie bemängelt, dass die Studierenden zu wenig rebellieren. Wieso glauben Sie das?
Gysi: Weil die Zustände zunehmend ungerechter werden und das Studium zunehmend verschult wird. Die Möglichkeit für Studenten zu einer vernünftigen Allgemeinbildung verringert sich, sie werden in die ökonomische Abhängigkeit gedrängt. Universitäre Bildung ist entscheidend, um später sein Leben einschließlich Beruf zu meistern. Die 1968er-Studentengeneration hätten sich dass nicht bieten lassen. Heute hat eine andere Disziplinierung stattgefunden – was ich nicht in Ordnung finde.

Face2Face: Wie weit war es Ihnen möglich, zur Zeit der DDR zu rebellieren?
Gysi: Durch die diktatorischen Verhältnisse in der DDR war eine Rebellion nur sehr begrenzt möglich, aber es war schon einiges los. Natürlich habe auch ich ein wenig rebelliert, das führte zu Auseinandersetzungen an meiner Fakultät.

Face2Face: Wie sieht Ihr Vorschlag aus, die Studiengebühren abzuschaffen?
Gysi: Wenn man es geschafft hätte, dass alle Studenten auf die Straße gegangen wären und gesagt hätten wir gehen erst wieder in die Uni wenn die Studiengebühren abgeschafft werden – wären sie jetzt schon abgeschafft worden. Das Problem ist heute, dass nicht alle auf die Straße gehen und sich äußeren. Die Studenten müssen mehr ihr Bedürfnisse zum Ausdruck bringen!

Face2Face: Was schlagen Sie vor, um dem vorzubeugen?
Gysi: Mein Vorschlag wäre ein zeitlich begrenztes Stipendium. Ich würde dabei aber immer schauen, dass den Studenten genügend Zeit bleibt für einen Besuch des Theaters oder der Oper. Vielleicht möchte man die Zeit auch nutzen, um selbst Theater zu spielen. Ich denke dabei auch daran sich aus Interesse andere Vorlesungen anzusehen, die nicht unmittelbar etwas mit dem eigenen Studiengang zu tun haben.

Face2Face: Was kritisieren Sie am neo-liberalen Zeitgeist?
Gysi: Am neo-liberalen Zeitgeist in der Bildung ist zu bemängeln, dass die Unis zunehmend verschult werden. Hinzu kommen die schlechteren Berufsaussichten für ein abgeschlossenes Bachelor-Studium im Vergleich zu einem Masterabsolventen. Für jeden zukünftigen Bachelor-Absolventen muss es möglich sein, einen Platz für einen Masterstudiengang zu bekommen, um später bessere Job-Aussichten zu haben. Ökonomisch werden die Studierenden zu sehr unter Druck gesetzt, indem du ihnen ein Darlehen, gibst was sie später wieder zurückzahlen müssen. Ich wünsche mir, dass die Abhängigkeit von Eltern aufgehoben wird. Ist man nun mit dem achtzehnten Lebensjahr volljährig und kann über seinen Lebensweg entscheiden oder nicht?

Face2Face: Wie stehen Sie zu den Anti-„Acta“-Demonstrationen und der „Occupy“-Bewegungen?
Gysi: Diese Bewegungen sehe ich positiv. Das ist ein Beginn von gesellschaftlichen Bewegungen. Ich kann sagen an welchem Punkt ich das fest mache: die Studiengebühren. Ich finde den Widerstand insgesamt zu gering – besonders der Eltern. Ich hätte mir das ganze rebellischer gewünscht, um allen klar zu machen das lassen wir uns nicht bieten. Wir haben eine unterschiedliche Struktur. Es gibt Länder die Studiengebühren haben und Länder die Studiengebühr frei sind. Das hat die Schwierigkeit erhöht für Leute aus ärmeren Schichten einen geeigneten Studienplatz zu finden. Ich bin gegen eine soziale Ausgrenzung.

Äußerte sich im Interview besorgt über die Missstände in der Bildungspolitik: der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gregor Gysi (Foto: Pitsch)

Face2Face: Im Bundesland Bayern fallen beispielsweise Studiengebühren von über 750 Euro an.
Gysi: Das ist eine Unverschämtheit. Für meine Tochter könnte ich diesen Betrag bezahlen und wenn ich dies dann bezahlte hat das wieder etwas Elitäres. Da sind Studierende aus anderen sozialen Schichten gar nicht mehr dabei, genau das will ich nicht.

Face2Face: Wie sieht Ihr Masterplan aus, um dem entgegen zu wirken?
Gysi: Ich möchte nicht die soziale Ausgrenzung mit der wir es hier zu tun haben. Stattdessen würde ich ein Stipendium einführen, dass elternunabhängig ist. Das würde ein Leben in Würde, aber nicht im Übermaß garantieren. Somit müssten die Studenten nebenher keine Nebenjobs machen. Im Gegenzug würde ich dann aber Studienzeiten festlegen. In der Freizeit muss es auch möglich sein ins Theater oder in die Oper zu gehen.

Face2Face: Wie war die Situation zur Zeit der DDR?
Gysi: In der DDR hattest du entsprechend deiner Qualifikation ein Recht auf Arbeit. Wenn man aber vor hatte Archäologie zu studieren, war das nicht einfach. Wenn  jedes Jahr zwanzig Archäologen ausgebildet worden wären, hätten ihnen keine Arbeit als Archäologen geboten werden können – also wurden jedes Jahr nur zwei Archäologen ausgebildet. Dadurch wurde der Kampf einen Studienplatz für diesen Studiengang zu bekommen zur eigentlichen Herausforderung – das will ich auch nicht. Ich möchte dann lieber, dass man die Möglichkeit hat, dass zu studieren, was den persönlichen Interessen entspricht. Nach Abschluss des Studiums muss man dann aber dafür kämpfen, den entsprechenden Job, entsprechend der Qualifikation zu finden.

Face2Face: Wie stehen Sie den Bachelor- und Master-Studiengängen gegenüber?
Gysi: Mir wird das zu sehr verschult, das ist so als ob man die Schule fortsetzt. Ein Studium ist eigentlich etwas ganz anderes. Beispielsweise an einer Technischen Hochschule in Berlin sehe ich unter welchem Druck die Bachelorabsolventen stehen –  da würde ich gerne Druck wegnehmen.
Zum Leitwesen der Studenten kommt kein richtiges Studentenleben mehr auf. Das schöne an der Uni ist auch das ich woanders hingehen kann, indem ich mir eine Vorlesung griechische Geschichte anhöre, obwohl ich eigentlich Jura studiere. Diese Möglichkeiten sollten nach wie vor erhalten bleiben.

Face2Face: In Ihrer Rede haben Sie kurz die Missstände in der Bildungspolitik angedeutet. Wie schlagen Sie vor das Schulsystem zu verändern?
Gysi: Mich ärgert es, dass unser Schulsystem immer noch so organisiert ist wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – da können wir noch viel von anderen Ländern lernen. Es gibt Kinder, die ihren Durchbruch erst viel später in der siebten oder achten Klasse haben. Wieso trennt man Kinder nach der vierten Klasse? Die vierte Klasse ist ein schlechter Zeitpunkt. Nach dem Ende der Grundschule kann man nach Begabungen und Fähigkeiten überhaupt noch nicht entscheiden, zum Leidwesen der Kinder. Wenn man das als Gemeinschaftsschule organisierte bis zum Abitur mit Spezialisierungen. Es muss auch möglich sein, die Schule zu wechseln.

Face2Face: Sie haben ebenfalls eine Gemeinschaftsschule bis zum Abitur besucht.
Gysi:  Genau wie der Bundespräsident Joachim Gauck und die Bundeskanzlerin Angela Merkel, habe auch ich eine Gemeinschaftsschule bis zur 8., später bis zur 10. Klasse besucht – und wie man sehen kann ist aus uns etwas  geworden.

Das Interview wurde geführt von Jean-Claude Jenowein und Melanie Denzinger.

Die grüne Zitadelle in Magdeburg

Bei meinem ersten Besuch in Magdeburg hatte ich vor allem zwei Gedanken im Kopf: ehemalige-DDR und zerstört im dreißig-jährigen Krieg. Und so begann ich dann auch alles, was ich sah einzuordnen: DDR in Form von Hochhäusern. DDR in Form von sozialistischem Klassizismus. Der Marktplatz mit dem Till Eulenspiegel-Brunnen. Das Reiterstandbild Otto des 1. Und das Otto von Guericke Denkmal. Doch ein Gebäude passte nicht hinein: Friedensreich Hundertwasser hat hier eines seiner letzten Projekte fertiggestellt. Das Gebäude erinnert der Größe nach wirklich an einen Festungsblock, an eine Zitadelle. Doch die Architektur spricht eine andere Sprache: Kein Fenster gleicht dem anderen, kein Boden ist gerade und die unterschiedlichsten Säulen stützen das Gebäude nach oben. Eigentlich hätte jeder Bewohner das Recht im Umkreis seines Fensters die Wände neu zu bemalen, aber bis jetzt hat sich das noch keiner getraut. Jedoch erfüllen die Bewohner eine andere Besonderheit dieses Hauses mit viel Pflichtbewusstsein: Da jeder von ihnen der Natur einen Baum schuldet, der ihr durch den Bau der Zitadelle genommen wurde, gilt es die Veranden und Balkone mit kleinen grünen Wuschelköpfen und Kletterpflanzen zu begrünen. Daher auch der Name „grüne Zitadelle“, was auch durch das begrünte Dach ersichtlich wird. Ein besonderes Highlight dieses Hauses ist noch – außer das etwas teurere Privileg zu haben in ihm zu wohnen – die Möglichkeit sich im höchsten Turm im obersten Zimmer standesamtlich trauen zu lassen. Wer dann ein paar Jahre später immer noch an diesem Haus hängt, braucht nicht einmal seine Kinder hinaus zu schicken, denn es gibt auch einen Kindergarten. Nun aber zurück zum Anfangsparadoxon: Warum ist die grüne Zitadelle pink? Nebenan steht ein großes Bankgebäude. Erbaut aus einem seltenen blauen Marmor, soll es die Bank natürlich in ein elegantes Licht stellen. Doch laut Hundertwasser: „…wird das blau erblassen, sobald die Sonne zum Vorschein kommt und mein Gebäude erstrahlen.“