Wir sind Anders – Elektrobässe und Wohnzimmeratmosphäre

Ein Muss für alle Elektro- und Deephouse-Fans im Rhein-Main-Gebiet ist die Elektroreihe „Wir sind Anders“. Bekannte Künstler wie Sasha Braemer und Chris Hartwig gaben sich am Samstag den 11. Februar im Ponyhof Darmstadt die Klinke in die Hand. Face2Face war vor Ort.

Zwei Floors, sechs Künstler

Neben den bereits genannten Mainacts legten auf zwei Floors weitere DJs wie Ben Brown, Timo Soriano, Merlin Drüg und Flixx auf. Viele sind bei eingefleischten Fans bekannt, aber auch als Besucher des Stadt.Land.Bass-Festivals erkennt man doch so einige Lieder und DJs wieder.

Wir sind Anders in Darmstadt – Ein Muss für Elektrofans (Foto: L. Holfelder)

Gemütliche Atmosphäre zu hämmernden Elektro-Bässen

Der Ponyhof in Darmstadt bot eine kontrastreiche Atmosphäre zur Musik. Während ein Floor ein typischer Clubraum war, bot der zweite Raum gemütliche Sofas, die an ein Wohnzimmer der Großeltern erinnerten.  Mit einer auf den Beat abgestimmten bunten Lichter- und Visualsshow wurde das alte Interieur wieder modern eingehaucht. Durch die Effekte konnte man sich zur Musik gehen lassen.

Shuffeln gewünscht

Wer sich in der Elektro-Szene auskennt, weiß dass man hier nicht tanzt, sondern shuffelt. Bei diesem Tanzstil kombiniert man Hüpfschritte mit bestimmten Fußbewegungen. Ganz klar versammelten sich die besten Shuffler direkt vor dem DJ-Pult und zeigten ihr Können.

Stimmungsbarometer

Vor Ort trafen wir Lara (21) und Mareike (22), die das erste Mal bei „Wir sind Anders“ waren. Aufmerksam auf die Veranstaltung sind sie über soziale Netzwerke geworden. Vor allem die Location fanden sie „passend und hammer“, leider konnten sie aber nicht alle Künstler sehen und hören, da das Event bis früh in den Morgen ging. Sasha Braemer und Chris Hartwig waren aber ihre Favoriten. Das Shuffeln ging bei ihnen aus Platzgründen leider nicht so gut, „es war einfach zu voll“, erzählt Lara. Trotzdem wollen beide beim nächsten Event wieder dabei sein. Und Mareike fügt hinzu: „So Techno- und Elektroevents passen super in den Ponyhof“.

Format B am 11. März

Die nächste „Wir sind Anders“- Veranstaltung findet am Samstag den 11. März wieder im Ponyhof im Darmstadt statt. Mit dabei sind wieder die gleichen DJs (bis auf Sasha Braemer) sowie Format B als diesmaliger Special-Act. Der Eintritt kostet 15 Euro.

Wer landet wie wo?

High Noon am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga. Während sich der FC Bayern München bereits am vergangenen Wochenende seine vierte deutsche Meisterschaft in Folge sichern konnte, wird am 34. Spieltag noch um den Ligaverbleib und die Teilnahme am internationalen Wettbewerb gekämpft. Wer wie der Liga erhalten bleibt, beziehungsweise sich für den internationalen Wettbewerb qualifiziert, rechnet die Face2Face-Sportredaktion vor.

Die Abstiegskandidaten: 

Frankfurt (Platz 15, 36 Punkte, 34:51 Tore)
Die Eintracht ist mit einem Sieg oder Unentschieden in Bremen als Tabellenfünzehnter gerettet. Verlieren die Hessen, müssen sie wohl in die Relegation gegen den Drittplatzierten der zweiten Liga (1. FC Nürnberg). Um sogar noch auf Platz 17 abzustürzen und damit direkt abzusteigen, müsste Frankfurt hoch verlieren oder der VfB Stuttgart hoch in Wolfsburg gewinnen.

SV Werder Bremen (Platz 16, 35 Punkte, 49:65 Tore)
Bremen ist mit einem Sieg gegen Frankfurt sicher als Tabellenfünzehnter gerettet. Verlieren die Norddeutschen, steigen sie bei einem Stuttgarter Sieg in Wolfsburg direkt ab. Holt Bremen gegen Frankfurt einen Punkt, muss Werder wohl in die Relegation. Es sei denn, Stuttgart siegt hoch in Wolfsburg. Auch bei einer Niederlage geht es in die Relegation, wenn Stuttgart nicht gewinnt.

VfB Stuttgart (Platz 17, 33 Punkte, 49:72 Tore)
Für den VfB ist nur noch die Relegation drin. Dafür muss er selbst in Wolfsburg gewinnen und Bremen gegen Frankfurt verlieren. Gewinnt Werder oder spielen Frankfurt und Bremen unentschieden, wird der VfB aufgrund der miesen Tordifferenz nur durch einen Kantersieg in Wolfsburg noch 16.

Die „Internationalen“: 

Qualifiziert für das internationale Geschäft sind bereits alle hier folgenden Mannschaften. Es geht am letzten Spieltag lediglich noch um die Platzierungen vier bis sieben.

Borussia Mönchengladbach (Platz 4, 52 Punkte, 65:50 Tore)
Mönchengladbach ist der vierte Rang nur noch rechnerisch zu nehmen. Bereits mit einem Punktgewinn in Darmstadt hat die Borussia Platz vier, der zu den Champions League-Qualifikationsspielen berechtigt, sicher. Die Fohlen-Elf könnte sich aufgrund ihres formidablen Torverhältnisses sogar eine Niederlage erlauben, solange Mainz 05 keinen Kantersieg gegen Berlin einfährt.

FSV Mainz 05 (Platz 5, 49 Punkte, 46:42 Tore)
Der FSV hat mit einem Sieg den fünften Platz verteidigt. Bei einem Unentschieden gegen Hertha BSC könnte Mainz noch auf den sechsten Rang abrutschen, vorausgesetzt der FC Schalke 04 gelingt ein Auswärtssieg in Hoffenheim. Bei einer Niederlage und einem gleichzeitigen Sieg oder Unentschieden von Schalke landet Mainz sogar auf dem siebten Platz.

Hertha BSC (Platz 6, 49 Punkte, 42:42 Tore)
Die Hertha benötigt einen Sieg, um an Mainz vorbei auf Platz fünf zu springen. Bei einem Unentschieden haben sie Platz sechs nur sicher, wenn Schalke ebenfalls höchstens nur Unentschieden spielt. Sollte Berlin verlieren, rutschen sie bereits bei einem Punktgewinn von Schalke auf den siebten Platz ab. Selbst bei einer Schalker Niederlage droht den „Hauptstädtern“ Platz sieben, vorausgesetzt allerdings sie verlieren in der Differenz zwei Tore höher als Schalke.

FC Schalke 04 (Platz 7, 49 Punkte, 47:48 Tore)
Die Elf aus Gelsenkirchen hat nur noch mit einem Sieg Chancen auf Platz fünf zu springen. Spielen die Schalker Unentschieden ist maximal nur noch Platz sechs drin. Bei einer Niederlage könnten sie ebenfalls noch auf Platz sechs springen, vorausgesetzt aber, dass Hertha BSC in der Differenz mit zwei Toren höher verliert, als die Schalker.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr, ob der Shishakonsum das Sporttreiben genauso beeinträchtigt wie das Rauchen von Zigaretten.

Multimedialer Auftritt bei der mediale*2012

Inspiriert von den Studentenprojekten: Caro Lobig bei der mediale*2012 (Foto: Krebs)
Inspiriert von den Studentenprojekten: Caro Lobig bei der mediale*2012 (Foto: Krebs)

HIER KOMMT IHR ZUM AUDIO-INTERVIEW ZUR mediale*2012

Jedes Jahr präsentieren die Studenten der Hochschule Darmstadt ihre besten Semester- und Abschlussprojekte auf der mediale*, der Werkschau der Hochschule in der Darmstädter Centralstation.

Diese besteht aus einer großen Ausstellung mit Exponaten, den Filmnächten mit von den Studierenden produzierten Filmen, Workshops und Vorträgen.

Jannicke Ostoicke, Mitleiterin der Organisation der mediale*2012 erzählt Face2Face, was es auf der mediale* in diesem Jahr zu entdecken gibt.

Aktiv bei der Werkschau der Hochschule Darmstadt: Jannicke Ostoicke bei der mediale*2011 (Foto: privat)
Aktiv bei der Werkschau der Hochschule Darmstadt: Jannicke Ostoicke bei der mediale*2011 (Foto: privat)

Ein Rundgang durch die Gehege des Vivarium Darmstadt

Vier Hektar Fläche, 150 verschiedene Arten und insgesamt 1500 exotische und einheimische Tiere: Das ist das Vivarium in Darmstadt. Vögel, Affen, Fische und Reptilien sind unter anderem Tierarten, die in den naturnah gestalteten Gehegen, Terrarien und Aquarien des Darmstädter Zoos einen Platz gefunden haben.

Von der Aldabra-Riesenschildkröte über den stark bedrohten Affen, den Schopfmakaken, bis hin zum Kriechtier Zwerggürtelschweif sind die außergewöhnlichsten aller Tierarten in dem 1956 gegründeten Zoo vertreten.

Ein Waldkauz bei der Beutebeobachtung: Für die Tier im Vivarium gilt - je ausgefallener, desto besser (Foto: Lobig)

Ein Waldkauz bei der Beutebeobachtung: Für die Tier im Vivarium gilt - je ausgefallener, desto besser (Foto: Lobig)

Auf die Zucht dieser besonderen und teilweise vom Aussterben bedrohten Tierarten ist das Vivarium natürlich stolz. Sehr beliebt bei den Besuchern sind das begehbare Känguru-Gehege und der Streichelzoo mit afrikanischen Zwergziegen.

Die Online-Journalismus-Studenten Chris Heeb, Feri Nguyen und Tom Neubert haben im Winter 2011 mit der Kamera einen Rundgang durch den Darmstädter Zoo gemacht und dabei einen außergewöhnlichen Besucher, ein frierendes Känguru und einige Exoten im Reptilienhaus gefunden.

Video zum Vivarium Darmstadt

Ein Abend mit Culcha Candela

„Die Botschaft in unseren Songs steckt zwischen den Zeilen“

„Das ist das beste Album aller Zeiten“, sagt Itchy schon vorab zu dem Radiomoderator. Angst vor der Hörprobe in Darmstadt, bei der am Montag, 14.November um die fünfzig Jugendliche die Songs aus dem Album exklusiv elf Tage vor der Veröffentlichung hören durften, hatten die Berliner Bandkollegen also nicht. Auch Face2Face durfte mit den Künstlern über ihre Musik, die neue Tour und die Zusammenarbeit mit anderen Musikern sprechen.

Face2Face: Wie kam es dazu, dass sich euer Musikstil von eher chilligen Reggae-Songs zu solchen elektronischeren Partyliedern entwickelt hat?
Culcha Candela:Das ist eine exzellente Frage. Die wollen wir alle beantworten. Also eigentlich haben wir gar keinen festen Musikstil, wir werden von den Leuten nur immer in die Schublade „Reggae“ geschoben. Wir wollten schon immer unsere eigene Musik machen, Stile und Sprachen mischen. Das ist seit dem ersten Album unser wahres Programm. Die ersten Jahre haben wir in der Reggae-Branche sehr viel Erfolg gehabt, das stimmt. Aber je nachdem, worauf wir Lust hatten, hat sich unser Genre von Album zu Album verändert. Wir wollten immer alle Stile zusammenbringen, Reggae, Dancehall, Hip Hop, Pop, Rock. Das ist die einzige Konstante, die wir immer verfolgt haben.

Ein gemütlicher Abend mit drei Stars aus der Musikbranche: Itchy, Reedoo und Chino nehmen sich Zeit zum Erzählen mit den Fans (Foto: Poensgen)

Ein gemütlicher Abend mit drei Stars aus der Musikbranche: Itchy, Reedoo und Chino nehmen sich Zeit zum Erzählen mit den Fans (Foto: Poensgen)

Man muss aber auch klassische Dancehall-Tunes wie „Hamma“ sehen, der glaube ich der einzige Reggae-Dancehall Titel ist, der sich in Deutschland bisher so oft verkauft hat.
Wer Fan von Reggae und Dancehall ist, für den ist das neue Album absolut perfekt.

Face2Face: Ihr habt den Song „Mehr Gewicht“, indem es um den Schlankheitswahn in Deutschland geht, zusammen mit der Band Luxuslärm aufgenommen. Wie kam es dazu und was haltet ihr von den Musikern?
Culcha Candela: Ich finde, Gini, die Frontsängerin, ist eine der krassesten weiblichen Stimmen Deutschlands. Ich stehe auf diesen kratzigen Gesang a la Pink. Die Band hat den Vorschlag für das Feature gemacht, wir haben sofort zugesagt. Leider kam es noch nicht zu einem Live-Auftritt zusammen. Wir finden es aber natürlich toll, mehr mit anderen Künstlern zusammen zu arbeiten und uns da weiter zu entwickeln.

Face2Face: Verratet ihr ein bisschen was zu eurer neuen Tour?

Culcha Candela in Heppenheim bei der letzten Tour: In Uniformen und mit fester Choreopgraphie (Foto: Lobig)

Culcha Candela in Heppenheim bei der letzten Tour: In Uniformen und mit fester Choreopgraphie (Foto: Lobig)


Culcha Candela: Wir werden natürlich andere, neue Lieder spielen, aber auch ein paar Evergreens. Wir werden auch wieder irgendwelche Sachen anhaben, denn wir wollen ja nicht von der Musik ablenken. Ich kann dir sagen, dass es auf jeden Fall Überraschungen geben wird, wir werden aufstocken.
Mehr können wir noch gar nicht sagen, weil wir es selbst noch nicht wissen. In den nächsten Monaten arbeiten wir an unserem Set und der Choreographie und überlegen uns gemeinsam die Details.

Das Album heißt „Flätrate“, ebenso der erste Song, bei dem die drei der sechs Künstler bei der Vorhörung am Montag, 14.November schon ordentlich mit grooven. „So hat man uns bisher glaube ich noch nie gehört“, sagt Itchy, nachdem der erste sehr poppig-punkige Titel abgespielt wurde. Sein absoluter Lieblingstrack von dem Album sei aber „Wildes Ding“. Der Inhalt: Party und Frauen. Er selbst steht eher auf die Rockerbräute, im Gegenteil zu dem DJ Chino, der eher eine „Reggaemaus“ bevorzugt. Reedoo hat keinen festen Frauentyp, glaubt aber, dass „Gegensätze sich anziehen“.

Haben Spaß und beantworten jede Frage: Die Band ist alles andere als abgehoben (Foto: Poensgen)

Haben Spaß und beantworten jede Frage: Die Band ist alles andere als abgehoben (Foto: Poensgen)

„Du machst meine Hardware ganz weich mit deinem Megaherz“: Besonders gut kam auch der vierte Song, „Megaherz“, an. Dieser Song sei die Art der Band, ein Liebeslied auf eine coolere und modernere Art und Weise zu verkaufen.

Ansonsten ist auf dem Album für jeden Musikgeschmack etwas dabei: Culcha Candela erntet auch für den chilligen Titel „Millionäre“, den Song mit Reggae-Rhythmus „Big fat smile“, den sehr positiven Song „Dieses Gefühl“ und die nachdenkliche Nummer „Morgen fliegen“ viel Begeisterung von Seiten der ersten Zuhörer des Albums.
„Peinlich ist uns keiner der Songs, wir haben alle lieb, denn diese Musik hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind“, erzählt Reedoo.

Ein Fan fragt, ob die Berliner nicht einmal auf dem Schlossgrabenfest in Darmstadt spielen könnten: „Wir kriegen viele Anfragen und würden eine solche auch gerne annehmen. Am liebsten spielen wir nämlich live. Aber da müssen die Organisatoren des Schlossgrabenfests auf unsere Agentur erst einmal zukommen, dann können wir entscheiden“, antwortet Itchy.
Entgegen der Meinung einiger Kritiker hält die Band auch das aktuelle Album für kritisch, auch wenn es darin viel um oberflächliche Themen wie Party, Sex und Frauen geht. „Man muss nur zwischen den Zeilen lesen. Die Songs sind natürlich lockerer als beispielsweise die in dem Album ‚Schöne neue Welt’. Doch da wurde von den Fans zu viel Ernsthaftigkeit kritisiert“, so Itchy.

Auch zu der aktuellen Diskussion um Bushidos Bambi für Integration hat Itchy etwas zu sagen: „Eigentlich ist Bushido zu unwichtig für mich, als dass ich über ihn reden will. Aber ich muss einfach sagen, dass diese Preisverleihung ein sehr schlechtes Zeichen für die Öffentlichkeit ist. Streetworker und Sozialarbeiter beispielsweise arbeiten Tag für Tag an der Integration, aber eine solche menschenverachtende Kreatur wird dafür ausgezeichnet. Dann soll doch bitte auch Thilo Sarrazin einen Bambi bekommen.“

Vorschau: Nächsten Samstag erwartet euch an dieser Stelle eine Winterplaylist. Ihr dürft gespannt sein!

Mit Tieren an seiner Seite, nicht zwischen den Zähnen

„Bei dem Quatsch mache ich nicht mit“

Vegetarier-Serie Teil 3

Einige Tierarten werden heutzutage nur noch zum Verzehr gezüchtet – und das unter Lebensbedingungen, gegen die Tierschützer seit jeher kämpfen. Tierliebe, eine bewusste Ernährung, manchmal sogar Kostengründe: Das sind oft die Ursachen dafür, dass Menschen sich für ein Leben ohne Fleisch, für ein Leben als Vegetarier, entscheiden. Face2Face fragt nach, wodurch sie zum Vegetarismus kamen und wie sie nun ihr Leben gestalten.

Andreas Pollierer (31) aus Darmstadt ist seit achtzehn Jahren Vegetarier mit einer besonderen Regel: Ab und zu, wenn er weiß, dass das Tier gut gehalten wurde, isst er auch mal einen Happen Fleisch.

Face2Face: Wie kamst du dazu, Vegetarier zu werden und wann?
Andreas Pollierer: Als ich dreizehn war, also 1993, wurde ich Vegetarier nachdem ich einige Tiertransport- und Massenhaltungsfilme gesehen habe. Damals habe ich mir gedacht: Bei dem Quatsch mache ich nicht mit. Nicht von einem Tag auf den anderen, aber relativ schnell habe ich dann aufgehört Fleisch zu essen.

Face2Face: Was ist dein Beweggrund dafür gewesen?
Pollierer: Hauptsächlich war es das Entsetzen über die Methoden der Produktion, die mich zu dieser Umstellung gebracht haben. Aber natürlich taten mir auch die Tiere als Lebewesen irgendwie leid.

Face2Face: Würden Tiere artgerechter gehalten werden vor der Schlachtung, würdest du dann Fleisch essen?
Pollierer: Alle fünf Jahre kommt so was in der Art mal vor, ja. Wenn ich ganz genau weiß, wo das Tier herkommt und dass es ein artgerechtes Leben hatte, kann ich es auch mal essen.
Das war mal eine große Ausnahme, als ich ein Spanferkel mit gegessen habe, da es vom Bauernhof nebenan kam und ich es quasi persönlich gekannt habe.

Face2Face: Was hat sich seither für dich verändert? Fühlst du dich besser?
Pollierer: Ich esse weiterhin Fisch, weil ich die tierischen Eiweiße für sehr wichtig für die Ernährung halte. Außerdem habe ich für mich entschieden, dass ich nur das Tier esse, dass ich auch selbst schlachten würde – Fisch gehört da dazu. Für mich bedeutet es keine Einschränkung oder Verzicht, kein Fleisch zu essen.

Macht als weitgehender Vegetarier seine eigenen Regeln: Student Andreas Pollierer (Foto: Schäfer)

Macht als weitgehender Vegetarier seine eigenen Regeln: Student Andreas Pollierer (Foto: Schäfer)

Face2Face: „Vegetarier essen Tieren das Essen weg“: Provokante Sprüche wie dieser – was sagst du dazu?
Pollierer: Der Spruch ist nicht provokant, sondern dumm und falsch.
Deswegen ärgere ich mich auch nicht darüber. Es gäbe nämlich kein Hungerproblem auf der Welt, wenn alle vegetarisch leben würden. In den Dritte – Welt – Ländern haben Menschen zum Beispiel kein Getreide, da es als Tierfutter nach Europa exportiert wird.

Face2Face: Was würdest du dir in Bezug auf den Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft wünschen?
Pollierer: Die Leute sollten bewusster essen. Der Trend geht glücklicherweise schon dahin, beispielsweise achten viele Menschen auf Bio-Siegel. Außerdem ist es ja schon mal ein Etappensieg, dass in Deutschland keine Eier aus Käfighaltung mehr verkauft werden. Das haben die Menschen selbst bewirkt, da sie dieses Produkt nicht mehr genügend gekauft haben.
Ich wünsche mir, dass dieser Trend so weiter geht und die Menschen weniger und bewusster Fleisch essen.

Face2Face: Wie stehst du selbst zu Tieren?
Pollierer: In meiner Kindheit habe ich immer mit Haustieren zusammen gelebt. Wir hatten Hunde, Katzen, Hamster, Fische und in der Nachbarschaft Pferde.
Gerade habe ich keine Zeit mehr, mich um ein Tier zu kümmern. Aber ich schätze alle Lebewesen, und bin sogar dem Fisch in meinem Sushi dankbar, während ich ihn esse.
Ich kann ein Tier eher essen, wenn es noch nicht bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet wurde.

Face2Face: Wie ernährt man sich ohne Fleisch? Dein Lieblingsrezept?
Pollierer: Ich liebe Sushi, deswegen esse ich darin auch Thunfisch. Das ist wirklich die einzige Ausnahme, bei der ich gegen meine Prinzipien verstoße. Die Produktion von Thunfisch ist nämlich nicht gerade artgerecht.
Außerdem esse ich gerne Kartoffelauflauf mit verschiedenem Gemüse wie Karotten, Zucchini und Erbsen. Für mich bedeutet ein Leben ohne Fleisch keinen Verzicht.

Bisherige Teile der Vegetarier-Serie:

Susanne aus Dudenhofen
Tanja aus Speyer
Johanna aus Darmstadt

Vorschau: Am nächsten Donnerstag lest ihr über die Geschichte eines Pferdes, das in letzter Sekunde wieder das Vertrauen zu Menschen gewinnen konnte.