Pestizide – Fluch oder Segen?

Der Frühling steht vor der Tür. Die warmen Temperaturen und das frische Grün kündigen den Sommer an. Doch das sommerliche Hochgefühl bekommt beim Spazierengehen vielleicht einen kleinen Dämpfer: frisch gedüngte Felder stören die Idylle. Doch nicht nur mit Gülle versuchen die Landwirte ihre Erträg zu steigern. Vogelscheuchen, Vogelschrecken und Co. reichen nicht aus, um vor Ernteausfällen zu schützen. Auch Pflanzenschutzmittel, so genannte Pestizide, kommen jetzt wieder zum Einsatz.

Natürliches Pestizid: Der Marienkäfer frisst die schädlichen Blattläuse (© Petra Pollmann/ pixelio)

Schon im alten Ägypten mussten die Menschen um ihre Ernte und somit ihre Existenz fürchten. Die Heuschreckenplagen fanden sogar ihren Platz in der Bibel. Ein weiteres historisches Beispiel ist die Kartoffelfäule im 19. Jahrhundert, die Irland heimsuchte und damals viele Iren auf der Flucht vor dem Hungertod nach Amerika trieb.

Erste zusätzliche Hilfsmittel auf chemischer Ebene waren Stoffe in metallhaltigen Verbindungen wie Kupfer, Blei und Quecksilber – alles Metalle, die heute als gesundheitsschädlich oder -bedenklich gelten. In kleinen Konzentrationen ist Kupfer für Mikroorganismen schon hochtoxisch. Für Wirbeltiere sind diese Kupfermengen noch unbedenklich, im Gegensatz zu Blei. Reines Blei ist für den Menschen nicht schädlich, kommt es jedoch in Bleiverbindungen vor und reichert sich im Körper an, kann es zu einer Bleivergiftung mit schweren Folgen kommen.

Doch das kann in Deutschland nur in Ausnahmefällen passieren. Die „Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel“ regelt hier genauestens welche Stoffe in welchen Mengen zum Pflanzenschutz eingesetzt werden dürfen.

Was genau sind Pflanzenschutzmittel? Es handelt sich dabei um meist chemische Stoffe, die für das Wachstum einer Pflanze schädliche und lästige Lebewesen töten oder sie an ihrer Vermehrung und Keimung hindern sollen. Der Oberbegriff Pestizide kann noch in Bakterizide (gegen Bakterien), Fungizide (gegen Pilze), Viruzide (gegen Viren) und Herbizide (gegen Unkräuter) unterteil werden. Pflanzenschutzmittel enthalten keine Düngemittel, die das eigentliche Wachstum der Nutzpflanze fördern. Sie sollen nur die Bedingungen, unter denen das landwirtschaftliche Produkt wächst, optimieren und vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen.

Trotz Testauflagen, welche mit dem Grad der Unbedenklichkeit zugelassen werden, kann es vorkommen, dass Jahre später ihre starke Toxizität auf die weiter Umwelt bekannt wird. Das bekannteste Beispiel ist das Dichlordiphenyltrichlorethan, besser bekannt als DDT.

Gesundes Wachstum: Ein Maisfeld ohne Befall und Schädlinge (© Peter Smola/ pixelio)

Ab 1942 war es das am häufigsten verwendete Insektizid weltweit, da die Herstellungskosten und die Giftigkeit für Säugetiere gering waren. Wegen der hohen Toxizität gegen die Malariamücke, auch Anophelesmücke genannt, wurde DDT ab Mitte der 1950er auch im Kampf gegen Malaria benutzt. Die „World Health Organisation“, kurz WHO, setzte DDT flächendeckend in Malariagebieten ein. Massenweise wurde es an Hauswände gesprüht – anfangs mit großem Erfolg.

Ende der 60er war die Malariamücke in Europa so gut wie ausgerottet, doch in tropischen Ländern stiegen die Malariaerkrankungen wieder – das Insekt hatte eine Resistenz gegen das DDT entwickelt.

Auch stellte sich heraus, dass sich DDT nicht zersetzt und in der Umwelt anreichert. In großen Mengen ist es in die Nahrungskette eingegangen und hat sich auf dem ganzen Globus verteilt. Die am häufigsten zu beobachtende Folge ist, dass die Schalen von Vogeleiern so dünn sind, dass sie vor dem Schlüpfen schon zerbersten. Weitere Folgen sind bisher unabsehbar, da das DDT innerhalb von zehn Jahren nur etwa 50 Prozent seiner Wirkung verliert.

So kann man nur hoffen, dass die boomende Chemieindustrie zusätzlich noch weitere Testverfahren entwickelt, um solche Auswirkungen in Zukunft früher abschätzen zu können.

Vorschau: Nächsten Donnerstag veröffentlicht Caro einen Artikel zur Tierostheopathie in Ludwigshafen.