Die Niederlande – Fahrradland Nummer eins?

Fahrradfahren ist für viele ein Hobby oder eine günstige, gesunde und umweltfreundliche Methode, um von einem Ort zu einem anderen zu kommen. Auch im Urlaub nutzen immer mehr dieses Fortbewegungsmittel, um möglichst viel von der Landschaft oder der entsprechenden Stadt zu sehen. Doch lässt sich eigentlich herausfinden, welches Land sich am besten für einen Urlaub mit Rad eignet oder Fahrradfahrern im Allgemeinen das Leben erleichtert?

Fahrradfreundliche Urlaubsländer

Der 1983 gegründete Europäische Radfahrer-Verband, kurz ECF, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Radfahren in Europa zu fördern. Dieser hat insgesamt fünf Kriterien aufgestellt, die ein Land als besonders fahrradfreundlich kennzeichnen: Fahrradnutzung (täglicher Gebrauch des Rads als Transportmittel), Sicherheit, Fahrradtourismus (Anzahl der Fahrradtouren im Land durch Touristen), Mitglieder in einem Fahrradverband und Größe des Marktes (verkaufte Fahrräder pro Jahr). Beim „ECF Cycling Barometer“, einer 2015 durchgeführten Untersuchung für EU-Länder, kam heraus, dass Luxemburg und Malta am meisten Sicherheit für Fahrradfahrer bieten. Genutzt wird das Rad hingegen am häufigsten in den Niederlanden. Der Fahrradtourismus ist in Finnland am stärksten, jedoch findet der größte Absatz dieses Fortbewegungsmittels in Slowenien statt. In Dänemark sind allerdings die meisten Menschen Mitglied in einem Fahrradverband. Die Gesamtauswertung hat schließlich ergeben, dass Dänemark, die Niederlande und Schweden die drei fahrradfreundlichsten Länder sind.

Fietsen in den Niederlanden

Es sind trotzdem die Niederlande, die am ehesten mit dem Fahrradfahren (Niederländisch: Fietsen) in Verbindung gebracht werden und sich sicherlich durch noch mehr als die vom ECF festgelegten Kriterien als Fahrradland auszeichnen. So gibt es zum Beispiel sehr gut ausgebaute Fahrradwege. Radfahrer können die Niederlande auf insgesamt über 30.000 Kilometer langen beschilderten Fahrradrouten erkunden. Hinzu kommt, dass Fahrradfahren in einem flachen Land – wie den Niederlanden – auch ohne große Anstrengung möglich ist. Interessant ist ebenfalls, dass in den Niederlanden etwa 22 Millionen Fahrräder existieren – und das bei nur ca. 17,1 Millionen Einwohnern.

Typisch Niederlande: Fahrräder an jeder Ecke (Foto: S. Holitzner)

Fahrradstadt Amsterdam

Insbesondere Amsterdam ist wohl DIE Fahrradstadt der Niederlande. Allein dort gibt es rund 800.000 Fahrräder. Die Stadt verfügt über 400 Kilometer Fahrradwege. Aufgrund der Bauweise und den vielen engen Straßen und Grachten kommt man in der Innenstadt nur schlecht mit dem Auto voran. Wer nicht mit dem Boot fährt oder zu Fuß geht, nimmt da am besten das Fahrrad. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass 40% der gesamten Fortbewegung in dieser Stadt auf dem Rad erfolgt. Fahrräder haben daher in der Stadt so gut wie immer Vorrang, was gerade bei Touristen, die zu Fuß unterwegs sind, immer wieder für Verwirrung sorgt oder sogar zu kleineren Zusammenstößen führt. Seit Juni 2016 hat Amsterdam – als erste Stadt der Welt – sogar einen Fahrradbürgermeister bzw. eine Fahrradbürgermeisterin. Aktuell übt Anna Luten dieses Amt ehrenamtlich aus. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Als „Stimme der Fahrradfahrer im Rathaus“ ist es die Aufgabe der Fahrradbürgermeisterin, sich bei der Gemeinde dafür einzusetzen, das Fahrradfahren in Amsterdam zu verbessern und international dafür zu werben.

Fahrradparkhäuser lösen das Problem

Ungewöhnliches Parkhaus: Die „Fietsflat“ in Amsterdam (Foto: S. Holitzner)

Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, braucht auch einen geeigneten Abstellplatz. Bei der großen Anzahl an Fahrrädern mangelt es aber oft an sicheren Möglichkeiten. Die Niederländer haben dafür die perfekte Lösung gefunden: Fahrradparkhäuser. In Amsterdam gibt es beispielsweise die sogenannte „Fietsflat“ (zu Deutsch: Fahrradwohnung), die 2001 eröffnet wurde. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Amsterdam Centraal, dem Hauptbahnhof der Stadt. Die drei Stockwerke des überirdischen Parkhauses bieten Platz für 2.500 Fahrräder. In der Nähe des Hinterausgangs des Bahnhofes ist der Fahrradparkplatz „Fietspont“ gelegen. Dort können rund 400 Fahrräder auf einem alten Schiff abgestellt werden.

Das größte Fahrradparkhaus der Welt

In Utrecht entsteht derzeit – nach einem Entwurf von Ector Hoogstad Architecten – das größte Fahrradparkhaus der Welt. Bereits im Juli 2014 wurde mit dem Bau begonnen. Am 7. August 2017 wurde ein Teil der neuen, überwachten Fahrradtiefgarage bereits eröffnet. Sie befindet sich an der Jaarbeurskant bei der Centraal Station, dem Hauptbahnhof von Utrecht. Momentan können Pendler und Besucher dort rund 6.000 Fahrräder unterstellen. Bis Ende 2017 sollen dort 7.500 Fahrräder Platz finden. Über eine App und Schilder in der Stadt bekommen Nutzer freie Stellplätze angezeigt. Um zu diesen zu gelangen, ist es sogar erlaubt, in der Tiefgarage Fahrrad zu fahren. Kosten für die Unterstellung fallen erst nach einem Tag an. Die Plätze sind nummeriert und farblich markiert. Pro Platz können zwei Fahrräder abgestellt werden: eins stehend und eins darüber hängend. Ende 2018 – nach Fertigstellung des Bauprojekts – soll das Fahrradparkhaus auf drei Stockwerken Platz für ca. 12.500 „Fietsen“ bieten.

Mit dem Fahrrad zum Hit

Die Liebe zum Fahrradfahren geht in den Niederlanden sogar soweit, dass ganze Lieder diesem Thema gewidmet werden. So handelt zum Beispiel der Song „Bagagedrager“ (zu Deutsch: Gepäckträger) der niederländischen Rapper Gers Pardoel und Sef davon, dass ein männlicher Protagonist gemeinsam mit seiner Traumfrau auf seinem neuen Fahrrad die Gegend erkundet und überlegt, wohin er zusammen mit ihr fahren kann. Dabei wird das Fahrrad als einzig wahres Fortbewegungsmittel, mit dem Frauen beeindruckt werden können, angepriesen. Das Lied wurde 2011 veröffentlicht und entwickelte sich zu einem großen Hit in den Niederlanden und Belgien. So erreichte der Song Platz zwei der niederländischen und Platz drei der belgischen Singlecharts.

Freiheit auf Solopfaden – Benjamin Boyce im Interview

Benjamin Boyce war in den 1990er Jahren Mitglied der niederländisch-englischen Boygroup Caught in the Act, die sich 1998 trennte. Wie Face2Face berichtete, feierten Caught in the Act an Silvester 2015 ihren Neubeginn, allerdings ohne Benjamin. Er widmet sich ganz seinen Soloprojekten und ist erfolgreich auf seiner „One man, one mission“-Tour unterwegs. Am Freitag, den 30. September, hat Benjamin, der sich mittlerweile in Köln zuhause fühlt, nun endlich seine neue Single „I‘m free“ veröffentlicht. Diese thematisiert seine Vergangenheit, für die er dankbar ist. Aber sie handelt auch davon, dass die Dinge sich weiterentwickeln müssen sowie seinem heutigen Gefühl von Freiheit.

Face2Face: Wie würdest du deine neue Single vom Klang her beschreiben?

Benjamin: Das finde ich ehrlich gesagt sehr schwer zu beschreiben. Eine Mischung aus Pop und House, würde ich sagen. Es gefällt mir. Der Produzent hat gut auf meinen Text gehört und hat die passenden Elemente reingebracht, damit der Song auch wirklich frei und offen klingt. Das höre ich darin. Ein echt schönes Gefühl.

Gut gelaunt: Sänger Benjamin Boyce (Foto: S. Holitzner)

Gut gelaunt: Sänger Benjamin Boyce (Foto: S. Holitzner)

Face2Face: Warum ist „I‘m free“ deiner Meinung nach hörenswert?

Benjamin: Für den einen wegen des Textes, für den anderen vielleicht wegen der schönen Melodie. Aber ich hoffe natürlich am meisten, dass es jedem rundum gefällt und dass andere einfach die Gefühle, die ich dabei habe, auch haben. Vor allem das Gefühl von Freiheit.

Face2Face: Ist bald auch ein neues Album von dir geplant?

Benjamin: Ich hoffe, dass ein neues Album kommen wird. Das ist ein bisschen abhängig davon, wie das jetzt mit der neuen Single weitergeht. Aber wir haben es auf jeden Fall vor.

Face2Face: An welchem Ort würdest du gerne noch einmal auftreten?

Benjamin: Ich finde es immer ganz toll, in Berlin aufzutreten. Berlin verbinde ich immer mit einem sehr schönen Gefühl, denn in Berlin hat der Erfolg damals mit Caught in the Act angefangen. Da haben wir auch „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gedreht, kurz bevor wir zum ersten Mal ganz groß in den Charts rausgekommen sind. Das Erfolgsgefühl ist immer in Berlin. Aber ich freue mich natürlich auch immer sehr in Köln aufzutreten, weil das jetzt meine Heimatstadt ist.

Mehr Informationen zu Benjamin Boyce gibt es auf seiner Facebook-Seite und seiner Homepage.

Keywest – Irlands bodenständige Chartstürmer

Im Dubliner Stadtviertel Temple Bar sammelt sich am frühen Abend eine Menschenmenge. Sie tanzen begeistert und klatschen im Takt der nicht überhörbaren Musik. Das Viertel ist bekannt für seine Kultur-Institutionen und das heitere Nachtleben. Doch was sich hier abspielt ist besonders: Die irischen Chartstürmer Keywest geben ein Konzert auf Irlands Straßen!

Die junge Band arbeitet hart für ihren Erfolg

Die Band Keywest gründete sich 2009 in Dublin. Zunächst traten die beiden Gründer Andrew Glover und Andrew Kavanagh in Irlands Straßen und Pubs auf, um an Bekanntheit zu gewinnen. Ihren Namen gaben sie sich nach einem Gig in Florida. 2011 kamen Harry Sullivan, Sam Marder und James Lock zu Keywest. Noch heute sind die Jungs musikalisch in dieser Konstellation unterwegs.

Musikalisch: der Gitarrist Andrew Glover in Dublin (Foto: Teschner)

Musikalisch: der Gitarrist Andrew Glover in Dublin (Foto: Teschner)

Die Erfolge können sich sehen lassen

Nach Auftritten an Universitäten und im Radio spielte Keywest als Vorband für den Sänger Paolo Nutini. Im Jahre 2012 erschien ihr Debütalbum „The Message“. Anschließend spielten sie ihre erste ausverkaufte Tour. 2015 schoss ihr Album „Joyland“ direkt auf Platz eins der irischen Charts.

Sie bleiben ihren Wurzeln treu

Trotz ihres Erfolgs musizieren die fünf Jungs immer noch auf Irlands Straßen. Dort spielen sie derzeit Songs aus ihrem Nummer eins Album und verkaufen es für 10 Euro vor Ort an ihre Fans. Carina, 24, aus Deutschland, steht bei dem Straßenkonzert ganz vorne: „ Eigentlich war es Zufall, dass ich auf die britisch-irische Band aufmerksam wurde. Während eines Shoppingausflugs in der Dubliner Innenstadt baute Keywest gerade ihre Instrumente auf und testete den Sound. Es macht Spaß, zuzuhören, mitzusingen und zu tanzen. Keywest ist aber vor allem eins: bodenständig.“ Die Herzen der Fans hat die Band auf jeden Fall erobert.

Irlands Chartstürmer erleben

Für alle, die gerne mal eine Reise nach Irland unternehmen möchten, sei der Halt in der Dubliner Grafton Street auf jeden Fall geraten. Dort könnt ihr die vielfältige Kultur Irlands bestaunen und wenn ihr Glück habt, spielt vielleicht gerade die britisch-irische Pop-Rock-Band. Für alle unter euch, die sich einen Eindruck von den bodenständigen Jungs machen wollen, schaut doch mal auf deren Seite vorbei.

Vorschau: Nächste Woche präsentiert euch die Musik-Redaktion eine sonnige Sommer-Playlist.

 

Zu jeder EM gehört ein Song – EM-Hits im Überblick

Morgen steigt das große Finale der Europameisterschaft. Grund genug für uns nochmal einen musikalischen Rückblick auf das Fußballevent zu werfen. Wir stellen euch die Hits der diesjährigen EM vor und schauen wie erfolgreich diese waren.

Der offizielle EM Song made in France

Der französische DJ schlecht hin hat den offiziellen Song zur Europameisterschaft in seiner Heimat beigesteuert. Die Rede ist von David Guetta, der sich für seinen Song Zara Larsson geschnappt hat. „This one’s for you“ ertönt vor jedem Spiel und hat durchaus Ohrwurm-Potenzial. Bereits in der ersten Woche der EM setzte sich der Song an die Spitze der Charts. Zurzeit ist der Song auf Platz 3 der deutschen Charts. David Guetta ist eben ein Erfolgs-DJ, deshalb ist die gute Platzierung auch nicht verwunderlich.

Der ZDF-Hit made in Germany

Gute Sounds, guter Text und ein sympathisches Gesicht zum Song: Dies scheint bei den Liedern, die sich das ZDF für ihre Berichterstattung aussucht, ausschlaggebend zu sein. So ist das auch in diesem Jahr mit dem deutschsprachigen Song „Wir sind groß“ von Mark Forster. Der ist zusätzlich für die Jugendradiowellen der öffentlich-rechtlichen als Reporter in Frankreich unterwegs und berichtet von seinen Erlebnissen in Frankreich. Zwar ist der Song kein klassischer Fußballhit, dennoch hat er mit seinem Song in diesem Jahr alles richtig gemacht. Der Song, der sich prima zum Mitsingen eignet, hält sich seit 11 Wochen in den deutschen Charts und hat sich in der letzen EM-Woche direkt hinter David Guetta auf Platz 4 der Charts positioniert.

Der Mannschaftssong

Der offizielle Song für „La Mannschaft“ stammt von dem deutschen Erfolgs-DJ Felix Jähn und der deutschen Musikgröße Herbert Grönemeyer. Ihren Song „Jeder für Jeden“ hat sich die ARD als Musik für die Berichterstattung ausgesucht. Im Musikvideo des ungleichen Musikerpaares sind die Fußballer der Nationalmannschaft zu sehen und haben damit bereits vor Beginn der EM gezeigt, dass sie zusammen halten. Trotz netter Botschaft konnte sich der Song aber nicht wirklich gegen den Gute-Laune Song von Kollege Mark Forster durchsetzen. In den Top 10 der deutschen Charts sind die beiden Deutschen nämlich in der letzten EM-Woche nicht mehr vertreten. Vielleicht war die Kombi aus Jähn und Grönemeyer doch ein bisschen zu experimentell?!

Der umgeschriebene Hit

Ein weiterer Hit, den ihr mit Sicherheit schon aus dem Radio kennt ist der Song „80 Millionen“ von Max Giesinger. Passend für die EM hat der 27-jährige aus der Nähe von Karlsruhe seinen Superhit mit passenden Anfeuerungsparolen umgeschrieben und hat mit seinem Song somit gleich zweimal einen Ohrwurm geliefert.

Vorschau: Nächste Woche stellen wir euch den Musiker Key West vor

Sommersongs – Coversongs

Auch in diesem Sommer horchen wir auf, wenn wir das Radio anschalten. Denn die Songs, die da laufen kommen uns doch irgendwie bekannt vor. Und in der Tat sind diesen Sommer mehr Coversongs denn je im Radio zuhören. Wir stellen euch drei Coversongs und die Originale, die dahinter stecken vor.

Sommerlich: passend zur Sonne braucht man auch den richtigen Sound (V.Wahlig)

Sommerlich: passend zur Sonne braucht man auch den richtigen Sound (V.Wahlig)

Song No.1: Supergirl

Ja, entweder man wünscht sich so eins oder man wäre gern eins – ein Supergirl. Erstmals besungen hat es die deutsche Band Reamon im Jahr 2000. Frontmann Rea Garvay, bekannt aus The Voice, wurde mit diesem Hit zum Popstar. Genau 15 Jahre später ist der Song wieder zu hören. Diesmal von einer jungen Dame gesungen, die eins dieser Supergirls zu scheinen ist. Die 22-jährige Anna Naklab veröffentlichte mit Alle Farben und Younotus den Song als powervolle Coverversion. In Österreich erreichte der Song sogar Platz 1 und ist somit erfolgreicher als das Original.

Song No.2: Sugar

Einen süßen Sommer kann man ja immer gebrauchen. Umso schöner, dass DJ Robin Schulz uns den Song Sugar beschert hat. Mit eingängigen Tunes bringt er diesen Sommer zusammen mit dem kanadischen Singer-Songwriter Francesco Yates den Song „Suga Suga“ aus dem Jahr 2003 zurück in die Charts. Baby Bash, ein amerikanischer Rapper, verbuchte mit seinen Song einen seiner größten Erfolge. Der deutsche DJ Schulz scheint aber ein wirkliches goldenes Händchen in Sachen Musik zu haben. Seine Version „Sugar“ erreichte in Österreich und Deutschland direkt Platz 1 und ist somit erfolgreicher als das Original.

Song No.3 Show me love

Zum Sommer gehört auch die Liebe und die kann man bei den heißen Temperaturen gerne auch mal besingen und zeigen. Robin S. tat dies bereits 1993 mit ihrem Song „Show me love“. Sam Feldt macht den 90er Hit tauglich für 2015. Sein Song ist Dauerplayer im Radio. Bis jetzt kann man noch nicht ganz sagen, welcher Song erfolgreicher ist. Das Original der amerikanischen Popsängerin hielt sich in Deutschland über 20 Wochen in den Charts.

Noch nicht genug von Coversongs? Dann werft doch auch einen Blick auf unseren Artikel „Coversongs – You are to good to be true“.

Neues Jahr – Neue Musik

Das neue Jahr hält nicht nur neue Modetrends, neue Geschichten und neue Lebensentwürfe bereit, sondern auch ganz viel neue Songs und Bands. Eure Face2Face-Musikrubrik hat sich mal umgeschaut und stellt euch diesmal einige Newcomer und noch unbekannte „Alte Hasen“ vor.

Bilderbuch

Es stimmt, der Name lässt eher nicht auf eine Hip-Hop – / Indie-Rock – Band schließen, aber genau diese Art von Musik macht die österreichische Band Bilderbuch. Unbekannte sind sie nicht, immerhin sind sie in ihrer Heimat bereits seit 2005 aktiv im Musikbusiness. Die in Wien lebende Band um Sänger Maurice Ernst überzeugt die Musikwelt Österreichs und räumte zahlreiche Preise in unserem Nachbarland ab. Aber auch eine ganze Reihe deutscher Musiker hören die Platten der Jungs hoch und runter. Ob Farin Urlaub (die Ärzte), die Beatsteaks oder Casper, alle sind sie von der ihrer Musik begeistert. Bei den Beatsteaks spielten sie als Supportakt auf ihrer Tour und auch im Vorprogramm von Casper standen die unkonventionellen Österreicher auf der Bühne.

Nicht nur ihr Sound, sondern auch der Sprechgesang á la Falco (genau, auch er war Österreicher) reißen die Fans mit. Die Texte reichen dabei von Lebensweisheit bis völlig sinnlose Wortaneinanderreihungen. Da die Jungs aus dem Land des Skisports auf Hochdeutsch singen, stehen die Chancen nicht schlecht auch in Deutschland durchzustarten.

Tipp: Die aktuelle Single heißt „OM“ aus dem Album „Schick Schock“.

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört (Foto: V.Wahlig)

Kopfhörer auf und die neusten Alben durchgehört. (Foto: V.Wahlig)

Manchmal sind selbst wir überrascht, was die deutsche Musikwelt uns Jahr für Jahr für Schätze offenbart. Ähnlich ist es da bei der nächsten Band, die den Hörer in Traumwelten entführt.

Pentatones

Auch hier klingt der Name mal wieder A-typisch für den zugehörigen Sound. Denn hinter den Pentatones verbirgt sich melancholischer Elektro-Pop aus Leipzig. Einige Musikredakteure beschreiben die Songs der Sachsen als animalisch und regelrecht hypnotisierend. In ihrem Song „The Beast“ verpacken sie inhaltlich auch das Tier in uns allen, jedoch unterlegt mit sanften Klängen, die gar mystisch wirken.

Die Face2Face-Musikrubrik ist sich sicher, diese Klänge werden wir 2015 öfter hören. Immerhin wird das Quartett vom Berliner Musikproduzenten Robot Koch produziert, der uns bereits mit Casper, Marteria und OK Kid musikalisch beschenkt hat.

Tipp: Diesen Monat erscheint ihr Album „Ouroboros“ mit der Single „The Beast“.

Rae Morris

Das England nicht nur Tee, London und die Queen zu bieten hat, wissen wir dank musikalischen Größen wie den Beatles schon etwas länger. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Blick 2015 auch wieder in Richtung Grüne Insel geht. Wer in seinem Plattenregal CDs von Florence and The Machine, Luke Sital Singh oder Clean Bandit hat, der kann nun bald eine neue CD dazustellen. Die Rede ist von der aus Blackpool stammenden Rae Morris. Ihre Stimme hörte man erstmals auf dem Album von Clean Bandit. Dieses Jahr macht sich die Engländerin selbstständig. Ende Januar erschien ihr Debütalbum.

Tipp: Das Album „unguarded“ ist voller Pop- und Elektro-Tunes und somit ideal zum Tanzen.

Kwabs

Seinen Namen kennt ihr vielleicht noch nicht, aber seine Stimme ist euch bestimmt schon mal im Radio begegnet. Mit seinem Song „Walk“ macht er eine Ansage an alle, die sich von Äußerlichkeiten leiten lassen. Nicht nur sein Song macht klar, dass man immer sein eigenes Ziel vor Augen haben sollte, auch sein Lebensstil untermauert dies. Er will seine Schwächen zu Stärken machen und dabei ganz gelassen bleiben. Kwabs wird von den Medien als überzeugender Hipster beschrieben, aber er ist mehr. Seinen Sprachfehler (er lispelt) macht er zur Tugend und trifft mit seinen Neo-Soul den aktuellen musikalischen Zeitgeist.

Tipp: Und auch hier könnt ihr euch freuen, das Debütalbum „Wrong Or Right” kommt diesen Monat auf den Markt

Mainstream – Musik ohne Message?

Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Eintönig: Vor allem im Radio läuft Mainstream-Musik. (Foto: V.Wahlig)

Das ist ja mal wieder voll Mainstream, das neueste Lied in den Charts!“ – diesen Satz habt ihr bestimmt schon mal gehört, wenn ihr gerade beschwingt einen aktuellen Song im Radio gehört habt. Aber was ist eigentlich Mainstream und was soll daran so schlecht sein?

Unter Mainstream (zu Deutsch: Hauptstrom) versteht man den Geschmack, der einem Großteil der Gesellschaft gefällt. Aber bedeutet dies, dass Musik die von einer breiten Masse gehört wird, dann auch inhaltsleer ist?

Die meisten Lieder in den aktuellen Charts drehen sich um Liebe, Tanzen oder Party. Hinzu kommt noch eine Brise von Gute-Laune-Klängen und fertig ist der Song. So singt uns Pharrell Williams gut gelaunt ein „Happy“ (zu Deutsch: glücklich) entgegen und Miley Cyrus scheint nur mit ihrer halbnackten Performance auf einer Abrissbirne noch schockieren zu können. Muss man dann die Frage nach inhaltsleerer Mainstream-Musik klar mit einem Ja beantworten? Ist Gesellschaftskritik in Mainstream-Musik ein Tabuthema?! Ist das Ziel der Musiker wirklich nur schnell reich und berühmt zu werden? Müssen wir uns fragen, ob wir als Hörer lieber die inhaltsleeren Gute-Laune-Lieder kaufen und ob uns der Style des Musikers wichtiger ist, als der Text des Liedes?

Es wäre zu schnell geurteilt, wenn man behauptet, dass die Lieder in den Charts fern von Gesellschaftskritik sind. Unser Anspruch an politischer Beteiligung nimmt zu und so äußern sich auch viele Musiker in ihren Songs zu aktuellen Themen wie Gewalt oder Homophobie. Natürlich handelt nicht jedes Lied in den Charts von solch schwerer Kost. Doch es werden eben auch Gefühle zu den meist diskutierten Themen von Musikern in ihren Songs verarbeitet.

Bestes Beispiel ist der momentan bekannte und erfolgreiche Rapper Mackelmore zusammen mit seinem Produzenten Ryan Lewis. Mit dem Song „Same Love“ (2012) äußerte er sich öffentlich zum Thema Homophobie. „Same Love“ erschien während eines Volksentscheids in Washington zur Legalisierung der Homo-Ehe. Zudem ist Mackelmore ein Beispiel dafür, dass man mit kritischen Liedern die breite Masse für sich gewinnen kann. In 17 verschiedenen Charts konnte sich der Song über mehrere Wochen halten. Außerdem erhielt der Song einen VMA (MTV Video Music Award) für das beste Video mit einer sozialen Botschaft. Nach diesem Preis stieg „Same Love“ nochmals in den Charts auf, da immer mehr Leute den Song kauften.

Mackelmore ist keineswegs ein Einzelfall in der Mainstream-Musik. Pink griff 2006 mit ihrem Song „Dear Mr. President“ den damaligen Präsidenten der USA – George W. Bush an und landete damit in Europa und Kanada Chartplatzierungen. Aber auch deutsche Musiker stehen ihren amerikanischen Kollegen in nichts nach. Xavier Naidoo ist einer von ihnen. Er singt über Ungerechtigkeit, Ausländerfeindlichkeit oder Drogenmissbrauch und ist dabei einer der erfolgreichsten Musiker, der auch die breite Masse für sich begeistern kann.

Schlussendlich lässt sich also sagen, dass Mainstreammusik zwar hauptsächlich gute Laune und Liebe in den Fokus stellt. Aber sie kann eben auch gesellschaftskritisch sein und den Hörer auffordern, über diese Kritik nachzudenken.

Vorschau:     Nächsten Samstag gibt es einen Ausgeh-Tipp für das Rhein-Main-Gebiet.

Die Kommerzialisierung der Musik am Beispiel „Culcha Candela“

Mit ihrem Song „Hamma!“ schossen „Culcha Candela“ im August 2007 auf Platz eins der deutschen Single-Charts, wo sie sich ganze 52 Wochen halten konnten. Eine Erfolgsgeschichte wie sie im Buche steht: Aus dem Nichts in die Charts.

 Aus dem Nichts? – Nicht wirklich. Denn tatsächlich besteht die Formation bereits seit 2001 und hat bis zum deutschlandweiten Erfolg mit „Hamma!“ schon zwei Alben – 2001: „Unión verdadera“ und 2005 „Next generation“ – veröffentlicht. Von denen wissen allerdings die wenigsten. Und eine Unión verdadera (zu Deutsch: authentische Gemeinschaft) war „Culcha Candela“ auch bis etwa 2007. Eine bunte Mischung ethnischer Herkünfte, unter anderem Polen, Kolumbien und Deutschland, Songs in mindestens drei verschiedenen Sprachen – eine Band, für die Gesellschaftskritik kein Tabuthema war. Die Betonung liegt auf WAR. Hier einmal ein aussagekräftiger Vergleich:

Textausschnitt aus „Augen auf“ (keine Chartplazierung; Album: Unión verdadera, 2004):
Mächtig whack ist der fact und noch nicht einmal legit,
dass der Chef von dieser nation nicht mehr power hat als shit.
Macht er mit ist er der Spielball von den ganzen Lobbyisten
Und hat keine schöne Aussicht, sondern eine von den tristen.
Terroristen, schwarze Listen alle sind jetzt plötzlich gleich,
Doch sie sind es wirklich erst im gelobten Himmelsreich.
Streich die ein Prozent der Leute die die halbe Welt besitzen
Und du hast noch neunundneunzig auf dem Rest der Scheiße sitzen.

Zum Vergleich ein Auszug aus „Ey DJ“
(Platz 7 in den deutschen Single-Charts; Album: Culcha Candela, 2007):

Oh Mami, wie du Dich bewegst.
Von hinten sieht´s aus, als wenn Du viel bewegst,
meine Blicke wandern von Backe zu Backe,
wenn ich mich entscheiden müsste würde ich beide nehmen,
meinen Quadrizeps dehnen und dann richtig abgehen.
Gib mir Vibration, ich will dein ***** zittern sehen
Ey Stop! Wofür wirst Du bezahlt? DJ, dreh die Platte rückwärts, spiel den Shit nochmal!

Und? Was aufgefallen? Wahrscheinlich würde selbst ein blinder mit Krückstock den Unterschied erkennen (ohne jemanden diskriminieren zu wollen). Hier stehen sich Sinn und Unsinn frontal gegenüber. Anscheinend wurde in Beispiel zwei versucht den Inhalt des Liedes, sowie das Sprachniveau an die breite Masse der Zuhörer anzupassen. Nicht nur, weil der Text insgesamt wenig aussagekräftig ist, sondern auch weil fremdsprachliche Begriffe, sowie Fachausdrücke beinahe völlig vermieden wurden. Dieses Phänomen kennt man im Journalismus nur zu gut: Ja keine ausländischen Wörter oder komplizierten Fachjargon verwenden, sonst fühlt sich der Leser in seinem Intellekt angegriffen.

 2009 machte es dann den Eindruck als würde die Band geläutert zu ihren ursprünglichen, musikalischen Wurzeln zurückkehren. In ihrem Song „Schöne neue Welt“ (Platz 12 in den deutschen Single-Charts) setzen sie sich ironisch-satirisch mit Themen wie Klimawandel, Überwachungsstaat und Schönheitswahn auseinander. Aber sind wir doch mal ehrlich: Leute, die sich von einem „Ey DJ“-Text ansprechen lassen, werden die Ironie in Aussagen wie „Jeder sagt es: Klima ist ’ne Riesenkatastrophe, doch bald brauchen wir nur noch Bikini und ’ne Badehose“ Wohl kaum durchschauen.