Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

Wer landet wie wo?

High Noon am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga. Während sich der FC Bayern München bereits am vergangenen Wochenende seine vierte deutsche Meisterschaft in Folge sichern konnte, wird am 34. Spieltag noch um den Ligaverbleib und die Teilnahme am internationalen Wettbewerb gekämpft. Wer wie der Liga erhalten bleibt, beziehungsweise sich für den internationalen Wettbewerb qualifiziert, rechnet die Face2Face-Sportredaktion vor.

Die Abstiegskandidaten: 

Frankfurt (Platz 15, 36 Punkte, 34:51 Tore)
Die Eintracht ist mit einem Sieg oder Unentschieden in Bremen als Tabellenfünzehnter gerettet. Verlieren die Hessen, müssen sie wohl in die Relegation gegen den Drittplatzierten der zweiten Liga (1. FC Nürnberg). Um sogar noch auf Platz 17 abzustürzen und damit direkt abzusteigen, müsste Frankfurt hoch verlieren oder der VfB Stuttgart hoch in Wolfsburg gewinnen.

SV Werder Bremen (Platz 16, 35 Punkte, 49:65 Tore)
Bremen ist mit einem Sieg gegen Frankfurt sicher als Tabellenfünzehnter gerettet. Verlieren die Norddeutschen, steigen sie bei einem Stuttgarter Sieg in Wolfsburg direkt ab. Holt Bremen gegen Frankfurt einen Punkt, muss Werder wohl in die Relegation. Es sei denn, Stuttgart siegt hoch in Wolfsburg. Auch bei einer Niederlage geht es in die Relegation, wenn Stuttgart nicht gewinnt.

VfB Stuttgart (Platz 17, 33 Punkte, 49:72 Tore)
Für den VfB ist nur noch die Relegation drin. Dafür muss er selbst in Wolfsburg gewinnen und Bremen gegen Frankfurt verlieren. Gewinnt Werder oder spielen Frankfurt und Bremen unentschieden, wird der VfB aufgrund der miesen Tordifferenz nur durch einen Kantersieg in Wolfsburg noch 16.

Die „Internationalen“: 

Qualifiziert für das internationale Geschäft sind bereits alle hier folgenden Mannschaften. Es geht am letzten Spieltag lediglich noch um die Platzierungen vier bis sieben.

Borussia Mönchengladbach (Platz 4, 52 Punkte, 65:50 Tore)
Mönchengladbach ist der vierte Rang nur noch rechnerisch zu nehmen. Bereits mit einem Punktgewinn in Darmstadt hat die Borussia Platz vier, der zu den Champions League-Qualifikationsspielen berechtigt, sicher. Die Fohlen-Elf könnte sich aufgrund ihres formidablen Torverhältnisses sogar eine Niederlage erlauben, solange Mainz 05 keinen Kantersieg gegen Berlin einfährt.

FSV Mainz 05 (Platz 5, 49 Punkte, 46:42 Tore)
Der FSV hat mit einem Sieg den fünften Platz verteidigt. Bei einem Unentschieden gegen Hertha BSC könnte Mainz noch auf den sechsten Rang abrutschen, vorausgesetzt der FC Schalke 04 gelingt ein Auswärtssieg in Hoffenheim. Bei einer Niederlage und einem gleichzeitigen Sieg oder Unentschieden von Schalke landet Mainz sogar auf dem siebten Platz.

Hertha BSC (Platz 6, 49 Punkte, 42:42 Tore)
Die Hertha benötigt einen Sieg, um an Mainz vorbei auf Platz fünf zu springen. Bei einem Unentschieden haben sie Platz sechs nur sicher, wenn Schalke ebenfalls höchstens nur Unentschieden spielt. Sollte Berlin verlieren, rutschen sie bereits bei einem Punktgewinn von Schalke auf den siebten Platz ab. Selbst bei einer Schalker Niederlage droht den „Hauptstädtern“ Platz sieben, vorausgesetzt allerdings sie verlieren in der Differenz zwei Tore höher als Schalke.

FC Schalke 04 (Platz 7, 49 Punkte, 47:48 Tore)
Die Elf aus Gelsenkirchen hat nur noch mit einem Sieg Chancen auf Platz fünf zu springen. Spielen die Schalker Unentschieden ist maximal nur noch Platz sechs drin. Bei einer Niederlage könnten sie ebenfalls noch auf Platz sechs springen, vorausgesetzt aber, dass Hertha BSC in der Differenz mit zwei Toren höher verliert, als die Schalker.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr, ob der Shishakonsum das Sporttreiben genauso beeinträchtigt wie das Rauchen von Zigaretten.

Mission Titelverteidigung: gescheitert

Das war’s mit Pep Guardiolas großem Traum von der Titelverteidigung. In einem Spiel, das vor Vorspannung nur so strotzte, das sowohl von den Spielern von Real Madrid als auch vom FC Bayern heiß erwartet wurde, sprach das Ergebnis eine eindeutige Sprache. 0:4 endete die Partie in der Münchener Allianz-Arena, zwei Mal Sergio Ramos und zwei Mal Cristiano „CR7“ Ronaldo waren die Torschützen.

Große Worte waren im Vorfeld gesprochen worden, Karl-Heinz Rummenigge hatte von der„Hölle für Real Madrid“ gesprochen, der Kommentator des Spiels, das im ZDF übertragen wurde, fand: „Sogar in der Art, wie Robben seinen Kaugummi kaut, kann man sehen, wie motiviert diese Bayern sind.“

Und das spürte man in den ersten Minuten auch ganz deutlich, die Bayern hatten deutlich mehr Ballbesitz, viel spielte sich in den jeweiligen 16-Meter-Räumen ab.

Die Allianz-Arena sollte gestern zum großen Bayern-Triumph aufleuchten - doch Real Madrid war gnadenlos (Foto:  Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de)

Die Allianz-Arena sollte gestern zum großen Bayern-Triumph aufleuchten – doch Real Madrid war gnadenlos (Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de)

Zum ersten Abschluss kam jedoch Sergio Ramos. Nach einer Ecke, geschossen von Modric, konnte er sich vor dem Bayern-Tor völlig frei kämpfen – und köpft zum 0:1. Ein Standard war es auch, der zum 0:2 führte – wieder durch Ramos. Nach einem Foul von Bayerns Dante kommt es zum Strafstoß in Tornähe. Diesmalist es die Kombi Di Maria und Ramos. Di Maria schießt, Ramos bekommt den Fuß dazwischen und Manuel Neuer kann den Ball nur noch hinter sich im Netz wackeln sehen.

Auch Real-Diva Cristiano Ronaldo bekommt seinen Auftritt. Nach einem Passfehler der Bayern im Madrider Torraum schalteten die Spanier blitzschnell um –  und binnen weniger Sekunden stand Ronaldo alleine vor Neuer. Dass dieser dem Weltfußballer 2013 wenig entgegen zu setzen hatte, soll ihm allerdings nicht negativ ausgelegt werden.

Neuer wurde zum 11. Feldspieler, stand zum Teil weit draußen vor dem Tor. Und verhinderte womöglich durch sein beherztes und frühzeitiges Eingreifen ein noch deutlicheres Ergebnis.

Und dann war es noch einmal Ronaldo. In der 90. Minute – wieder eine Standardsituation. Der Weltfußballer lief zum Freistoß an, zog ab und der Ball fliegt flach unter der Bayern-Mauer erneut in das Bayern-Tor. Damit hat er den bisherigen Rekord von Lionel Messi von 14 Toren in der Champions League geknackt.

Klar ist: Die Konzentration der Bayern liegt jetzt klar auf dem Finale des DFB-Pokals am 17. Mai in Berlin. Gegner: Borussia Dortmund. Und die Mannschaft von Jürgen Klopp dürfte aus dem Spiel der Bayern gestern auch etwas Motivation gezogen haben, hatten sie doch Real Madrid im Rückspiel daheim mit 2:0 besiegt. Doch wie heißt es so schön: Der Pokal hat seine eigenen Regeln.

Rooney und ein Bier

Dass sich Pep Guardiola bereits bestens beim FC Bayern München eingewöhnt hat, brachte der 43-Jährige vor der vergangenen Partie beim FC Augsburg zum Ausdruck: „Die Bundesliga ist für uns beendet. Wir haben die Liga gewonnen“, machte der Spanier, nicht ohne die scheinbar nötige Bayern-Arroganz, deutlich, dass es für den Rekordmeister nur noch zwei Prioritäten gibt: Die Champions League und den DFB Pokal. 

Vor allem erst Genanntes genießt beim FCB besondere Aufmerksamkeit. Der Titelverteidiger möchte die Champions League verteidigen. Es wäre die erste Titelverteidigung seit Gründung dieses Wettbewerbes 1992. 

Guardiola weiß, dass die Bewertung seiner ersten Saison bei den Bayern überwiegend an der Königsklasse gemessen wird. Dort steht der FC Bayern momentan im Viertelfinale – genauer gesagt im Viertelfinal-Rückspiel. Gegner ist Manchester United. Der Rekordchampion von der Insel steckt im heimischen Ligaalltag in der Krise, wird sich nächste Saison wahrscheinlich nicht für die Champions League qualifizieren können. Dennoch zeigt United, dass es international mithalten kann. Im Achtelfinale egalisierte Wayne Rooney und Co. eine 0:2-Hinspielniederlage bei Panathinaikos Athen und ermauerte sich im Hinspiel gegen den FC Bayern ein beachtenswertes 1:1-Unentschieden.

Grundsätzlich stehen die Bayern vor dem heutigen Rückspiel (20.45 Uhr / Live auf ZDF) nicht unter Druck. Ein erzieltes Auswärtstor kann goldwert sein. Allerdings wissen die Münchener auch, dass solch ein 1:1-Unentschieden trügerisch sein kann. Dementsprechend wollen sie gegen die defensiv auftretenden Gäste aus Manchester auch auf Angriff spielen. FCB-Kapitän Philipp Lahm forderte deswegen auch vor der Partie: „Wir müssen die Nerven bewahren, wir wollen nicht abwarten. Wir wollen so spielen, wie wir immer spielen. Mit viel Ballbesitz, dann im richtigen Moment attackieren“, machte Lahm deutlich, in welche Richtung die Partie verlaufen soll. Einer, der bei der Umsetzung dieser Forderung nicht helfen kann ist FCB-Akteur Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldregisseur sah in Manchester nach einem vermeintlichen Foul an Wayne Rooney die Gelb-Rote Karte und ist damit für das Rückspiel gesperrt. „Nicht nur das Fehlen von Bastian Schweinsteiger belastet uns, wir haben nicht so die große Auswahl, die wir sonst haben. Am Ende der Saison braucht man jeden Spieler“, verweißt Lahm auf die momentane Verletzungsmisere des Rekordmeisters. Neben Schweinsteiger werden den Münchenern auch Javi Martinez (gesperrt), Thiago und Xherdan Shaqiri (beide verletzt) definitiv fehlen. Dafür dürfte der Rest der Meisterschaftstruppe aber gut ausgeruht in diese Begegnung gehen. Lahm Franck Ribèry und Arjen Robben bekamen von Cheftrainer Guardiola am vergangenen Wochenende gegen den FC Augsburg komplett frei. Die Stammkräfte Dante, Rafinha, Jerome Boateng, Mario Götze, Thomas Müller und David Alaba saßen nur auf der Bank.

Einer, der den Bayern besonders gefährlich werden könnte, ist der bereits angesprochenen Wayne Rooney. „Er ist sehr gefährlich, wir müssen ihn immer im Auge behalten“, warnte Dante vor dem Sturmtank. Der Einsatz des englischen Nationalspielers steht aber bis zuletzt auf der Kippe. Wenn es nach Guardiola geht, wird die United-Legende am heutigen Abend aber zu 100 Prozent in der Münchener Allianz-Arena auflaufen. „Er wird spielen, zu 100 Prozent. Große Spieler spielen in großen Spielen. Ich wette um ein großes Bier, dass er spielen wird“, sagte Guardiola und ergänzte: „Es hängt von uns ab, ob wir weiterkommen. Von Details, von unserer Leidenschaft, von unserem Willen. Das Gute ist: Wir kennen jetzt Manchester United, wir wissen jetzt, was diesen Verein auszeichnet. Wenn jeder Spieler von uns sagt, wir werden das schaffen, dann schaffen wir das.“

Alle deutschen Teams im Achtelfinale – Bayern-Siegserie gerissen

Nach einer glänzenden Serie von  fünf Spielen und fünf Siegen in Folge, ist die Siegesserie des FC Bayern München gerissen. Gegen Manchester City verspielte das Team um Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm im letzten Vorrundenspiel der UEFA Champions League einen 2:0-Vorsprung vor heimischem Publikum.

Dabei war nach 12 Minuten eigentlich schon alles klar. Thomas Müller und Mario Götze hatten mit zwei schnellen Toren das heimische Publikum sicher wirken lassen. Doch durch Nachlässigkeiten im Spielablauf handelten sich die Bayern drei Tore ein. Das erste wurde noch als verschmerzbar hingenommen. Der Foulelfmeter, der zum zweiten Tor führte, war jedoch nicht unbedingt einer eindeutigen Situation geschuldet. Doch für den dritten Gegentreffer gab es keine Entschuldigung: Durch einen schweren Abwehrfehler von Jérome Boateng konnte Milner einnetzen.

Durch einen weiteren Treffer hätte Manchester City die Führung in der Gruppe übernehmen können, das 2:3 langte dem FC Bayern jedoch, um als Gruppensieger in die K.O.-Runde einzuziehen. Der FC Bayer Leverkusen machte durch einen 0:1-Sieg gegen Real Sociedad den Einzug ins Achtelfinale der Champions League perfekt. In einer schwachen Partie schafft es Toprak, nach einem Eckball, den Ball ins Tor zu befördern. Die Mannschaft von Leverkusen hatte sich gegen das Team aus San Sebastian in der zweiten Halbzeit noch fünf weitere große Torchancen erarbeiten können, scheiterte aber an der eigenen Ungenauigkeit.

Die BVB-Flagge weht wieder hoch: Die Borussen schafften wie Leverkusen, Schalke und Bayern den Einzug ins Achtelfinale (Foto: Erich Westendarp / pixelio.de)

Die BVB-Flagge weht wieder hoch: Die Borussen schafften wie Leverkusen, Schalke und Bayern den Einzug ins Achtelfinale (Foto: Erich Westendarp / pixelio.de)

Am letzten Spieltag der Gruppenphase schafften es auch die anderen deutschen Teams, ins Achtelfinale einzuziehen. Der FC Schalke besiegte den FC Basel klar mit 2:0. Borussia Dortmund lieferte sich ein spannendes Duell gegen das Gegnerteam aus Marseille. Nach einem klaren Hinspiel, das 3:0 für den BVB ausgegangen war, taten sich die Borussen schwer, ein ähnlich hohes Ergebnis einzuspielen.

Marseille, die bisher in der Champions League Saison noch ohne Sieg geblieben waren, versuchten alles, um sich nicht völlig glanzlos zu verabschieden. Nach einem sehr frühen Tor von BVB-Stürmer Robert Lewandowski (4. Minute) patzte Borussen-Torwart Roman Weidenfeller nur zehn Minuten später und Diawara köpfte zum 1:1. Mit diesem Ergebnis wäre Dortmund beim gleichzeitigen Unentschieden von Neapel gegen Arsenal London immer noch sicher weiter gewesen. In der 73. Minute machte dort allerdings Gonzalo Higuain das 1:0 für Neapel – damit war der BVB für schreckliche 13 Minuten raus aus der Champions League. Als Finalteilnehmer des Vorjahrs besonders bitter. Doch in der 86. Minute erlöste Kevin Großkreutz das Dortmunder Team und zimmerte den Ball zum 2:1 ins Netz von Marseille-Keeper Mandanda.

Die Auslosung, welche Teams im Achtelfinale aufeinander treffen, findet am Montag, 16.12. statt.

Die Suche nach den Nationalspielern

Stell dir vor es ist Länderspiel und kein Star kommt hin. So oder so ähnlich muss sich Fußball-Nationaltrainer Joachim Löw vor der kommenden Länderspielreise in die USA fühlen. Wenn die DFB-Elf am Mittwoch, 22. Mai, ihren Trip nach Nordamerika startet, werden dem Bundestrainer nicht weniger als 17 Nationalspieler fehlen. Das Champions-League Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, das Pokalfinale zwischen München und dem VfB Stuttgart, die U-21-EM in Israel, die Bundesliga-Relegation und die spanische Liga reißen ein großes Loch in den Kader des 53-Jährigen. 

Mit Marco Reus, Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Mario Götze, Marcel Schmelzer und Sven Bender fehlen sechs Spieler von Borussia Dortmund. Genauso viele werden es beim Finalgegner aus München sein. Die beiden Real-Stars Sami Khedira und Mesut Özil sind noch bis zum 1. Juni in der spanischen Liga aktiv. Torjäger Miroslav Klose spielt mit Lazio Rom um den italienischen Pokal (26. Mai) und auf die U-21-Spieler wie Patrick Hermann (Gladbach), Sebastian Rode (Frankfurt) oder Lewis Holtby (Tottenham) will Löw wegen der Vorbereitung auf die Europameisterschaft nicht zurückgreifen. Da auch mit Serdar Tasci, George Niedermeier oder Christian Gentner mögliche Kandidaten vom VfB Stuttgart aufgrund des Pokalfinales (1. Juni) ausfallen und auch hinter Lukas Podolski (FC Arsenal London) ein dickes Fragezeichen steht, verkommen die beiden TEST-Länderspiele gegen Ecuador (29. Mai) und die USA (2. Juni) zur Farce. 

Wen also nominieren? Laut dem „Kicker“ sollen Sydney Sam und Philipp Wollscheid (beide Bayer Leverkusen) vor ihrem Länderspieldebüt stehen. Kurios, dass auch die bereits aussortierten Andreas Beck (Hoffenheim), Aaron Hunt (Bremen) und Dennis Aogo (Hamburg) vor ihrem Comeback stehen sollen. Auch der bereits 30-Jährige und damit im Grunde genommen perspektivlose Alexander Meier (Frankfurt) soll Löw auf den letzten Seiten seines Notizbüchleins gefunden haben. Lückenbüßer, die eine Reise retten sollen, die schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist.

Von Schalke dürften Roman Neustädter, Benedikt Höwedes und Julian Draxler nominiert werden. Per Mertesacker (FC Arsenla London), Lars Bender und André Schürrle (beide Leverkusen) sind gesetzt. Dennoch wir die Steigerung der Beliebtheit und des Ansehens der Nationalmannschaft, von Beginn an das einzige Ziel dieses „Promotion-Trips“, ohne die Stars an Bord, nicht zu erfüllen sein. 

Immerhin war zuletzt spekuliert worden, dass Löw die Dortmunder-Spieler nachkommen lässt. Ein Tropfen auf den heißen Stein? So oder so stehen zwei neue Höhepunkte in der Reihe „Unsinnige Länderspiele“ an. Ach ja, auf Deutschlands erfolgreichsten Torjäger Stefan Kießling will Löw im Übrigen auch verzichten… 

Ähnlich spektakuläre Rumpfkader: 

  • Beim Confederations Cup 1999 nominierte Bundestrainer Erich Ribbeck nach zahlreichen Absagen die Profis Heiko Gerber, Ronald Maul, Mustafa Dogan und Michael Preetz. Nach einer 0:4-Pleite gegen Brasilien und der 0:2-Niederlga gegen die USA durfte die DFB-Mannschaft bereits nach der Vorrunde die Koffer packen.
  • Unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann standen bei der Asien-Reise 2004 Spieler wie Marco Engelhardt und Thomas Brdaric in der Startelf. 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Kommentar über den Profisport in Deutschland

Mit Dirigent Ribéry zum Triple?

Frank Ribéry gab mit dem Megafon den Takt vor, FCB-Trainer Jupp Heynkes wagte immerhin ein kleines Tänzchen und der Brasilianer Dante rannte wie von der Tarantel gestochen mit einer Meisterschale aus Pappe über den Frankfurter Rasen.

Der FC Bayern München feierte frühzeitig die Deutsche Meisterschaft. Bereits nach 14 Spieltagen waren sie Herbstmeister, genau 14 Spieltage später setzten sich die Bayern die Krone auf – so früh, wie noch kein anderer Verein in der 50-jährigen Bundesligageschichte. Die Erleichterung war den Verantwortlichen deutlich anzusehen. Zwar war der Titelgewinn in dieser Saison nur eine Frage nach dem genauen Spieltag, doch der Gewinn der Schale stand für viel mehr, als die 23. Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Der deutsche Rekordmeister hat sich nach zwei titellosen Jahren gegen seinen direkten Konkurrenten Borussia Dortmund durchgesetzt. So konnte sich auch FCB-Präsident Ulli Hoeneß einen Seitenhieb gegen den entthronten Meister nicht verkneifen: „Unsere Antwort war eindeutig. Damit muss Dortmund leben“, sagte der Bayern-Boss.

Jeder, der die Verantwortlichen rund um Hoeneß kennt weiß aber, dass die Meisterschaft erst der Anfang gewesen sein soll. Die Münchner verfolgen in dieser Spielzeit nur ein Saisonziel: Das Triple. Die drei zweiten Plätze aus der vergangenen Saison steckte bei den Bayern noch lange in den Köpfen. Gleichzeitig nutzte der FCB diese Rückschläge aber auch, um aus ihnen die richtigen Schlüsse und eine riesige Motivation zu ziehen. Mit einem in der Breite klar verbesserten Kader – rückblickend zeigt der 40 Millionen Euro-Transfer von Javier Martinez, wie nervös man eigentlich vor der Punkterunde an der Säbener Straße war – steuert die Mannschaft Richtung Triple. „Wir haben erst die erste Etappe erfolgreich abgeschlossen. Jetzt wollen wir unsere Arbeit zu Ende bringen. Ich traue der Mannschaft alles zu“, unterstrich Heynkes den Anspruch und das Selbstverständnis der Münchner.

Kein Wunder also, dass die Feierlichkeiten am vergangenen Samstag recht überschaubar ausfielen. „Mittwoch ist zu wichtig“, gab Ribéry zu Protokoll und spielte damit auf das heutige Champions League Viertelfinalrückspiel bei Juventus Turin an. Heute Turin, nächste Woche DFB-Pokal Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg. Wochen der Wahrheit, in denen der Grundstein für das Triple und das Vergessen für die Champions League-Finalniederlage gegen den FC Chelsea gelegt werden kann.

Um den Kopf für diese richtungweisenden Wochen frei zu bekommen, gab Heynkes seinen Schützlingen einen Tag frei. Die Superstars Ribéry und Arjen Robben dachten erst gar nicht ans Ausruhen und absolvierten eine kurze Sprinteinheit. Dante erklärt das wie folgt: „Es gibt keinen Spieler, der jetzt schon zufrieden ist.“

Der Fokus auf den Erfolg ist beim FC Bayern München ungebrochen. Sollte die Mannschaft es schaffen in den entscheidenden Momenten bis an ihre Leistungsgrenze zu gehen, ist ihr durchaus der Gewinn aller drei Titel zu zutrauen. Und wer weiß, vielleicht gibt Dirigent Frank Ribéry am Samstag, dem 25. Mai, auf dem Rasen des Wembley-Stadion, dem Ort des diesjährigen Champions League-Finale, wieder den Takt nach einem Titelgewinn vor…

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel über die Faszination des Triathlon auf Englisch.

Die Zeit, in der Helden geboren werden

„Was für eine Gruppe!“, werden nicht wenige aufmerksame Fußballfans bei der Auslosung zur Champions League-Gruppenphase in Monte Carlo gedacht haben. Der deutsche Meister Borussia Dortmund bekam mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam echte Schwergewichte zugeteilt. Das ist hart!

BVB-Trainer Jürgen Klopp nahm die Nachricht von der Hammergruppe eher gelassen hin: „Wir haben nicht das Gefühl, mit ihnen konkurrieren zu müssen im Sinne, wer ist schöner, wer ist größer, wer ist teurer? Sondern wir wollen an diesem Tag ihr unangenehmster Gegner sein.“

Geschäftführer Hans-Joachim Watzke gab sich euphorisch: „In einer solchen Gruppe werden Helden geboren.“ Vor allem die Fans in gelb-schwarz hoffen, dass diese Worte auch wirklich wahr werden. Nachdem die Westfalen vor einem Jahr als Gruppenschlusslicht sang- und klanglos ausgeschieden sind, wird es nun Zeit für den Doublegewinner nicht nur in der Liga, sondern auch international auf sich aufmerksam zu machen.

Beim Revier-Nachbar Schalke 04 kommt es zum Wiedersehen mit „Prinz Poldi“. Die „Knappen“ bekommen es mit dem FC Arsenal London, dem Klub der deutschen Nationalspieler Per Mertesacker und Lukas Podolski, sowie dem grieschichen Meister Olympiakos Piräus zu  tu. Außerdem wurde den Königsblauen noch Frankreichs Überraschungsmeister SC Montpellier zugelost.

Schalke-Trainer Huub Stevens sah in der Auslosung gute Chancen auf ein Weiterkommen: „In der Champions League gibt es keine leichten Gegner. Wir treffen auf den französischen und den grieschichen Meister. Dazu kommt Arsenal, eine absolute Topmannschaft, gegen die wir vor einigen Jahren bereits einmal in der Champions League gespielt haben.“

Der FC Bayern München, der in Lostopf eins gesetzt war, bekam die vergleichsweise leichteste Gruppe zugelost. Mit Gegner wie dem FC Valencia, gegen den der FCB das Champions League-Finale 2001 gewonnen hatte, dem OSC Lille, so wie BATE Borissow aus Weißrussland, sollte das Erreichen des Achtelfinales reine Formsache sein.

Die Bayern-Verantwortlichen sehen das ähnlich. „Das ist ein mittelschweres Los. Unsere Zielstellung ist klar: Wir wollen in die nächste Runde und zwar als Erster“, bezog der neue starke Mann der Münchner, Matthias Sammer, klar Stellung.

Doch egal ob Hammergruppe oder machbare Arbeitssiege – fest steht, dass für alle deutschen Vertreter Fußball-Festtage und Millionen-Einnahmen vor der Tür stehen. Jeder Teilnehmer hat bereits das erhöhte Startgeld von 8,6 Millionen Euro (Vorjahr: 7,2 Mio.) sicher. Dazu kommen die Leistungsprämien: 500 000 Euro (Vorjahr 400 000) für ein Unentschieden und eine Millionen Euro (Vorjahr 800 000) für einen Sieg. Die Zeit der Helden kann beginnen. 

Quelle O-Töne: Sport1 

Vorschau:  Nächste Woche erscheint ein Artikel zum WM-Start der Freiwasserschwimmer/innen.