Lesen zwischen Spaß und Pflicht

Ich gestehe, der Jahreswechsel war bei mir eher unspektakulär. Mit meiner Tochter mit Orangensaft auf dem Sofa, während der Große mit seinem Papa Wunderkerzen im Garten abgebrannt hat und der Kleinste alles verschlafen konnte. Doch als Buchbloggerin bedeutet der Jahreswechsel immer wieder einiges an tatsächlichem Neuen. Denn mit jedem Silvester gibt es neue „Lese-Challenges“, die neue „Challengeseiten“ brauchen und mein Lesejahr zumindest abstecken.

Blogger und Deutsch

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Grundidee: Gemeinsam lesen (Foto: LubosHouska / pixabay.de)

Dabei finde ich das Wort Lese-Challenge  einfach grausig. Auf meinem Blog heißt der Überbegriff darum schlicht „Leseaufgaben“. Und auch das ist noch nicht wirklich genial. Denn „Lese-Challenges“ gibt es in allerlei Formen und Ausprägungen. Die Grundidee ist die, dass die Leser gemeinsam Büchern lesen und als kleiner Ansporn wird ermittelt, wer am schnellsten war oder die meisten Bücher gelesen hat. Initiiert werden die Challenges auch meist von Bloggern, ab und an aber auch von Verlagen selbst, oder aber in Zusammenarbeit. Vor allem geht es mir dabei um die Gemeinschaft. Sehen, was die anderen zu den Vorgaben gelesen haben oder feststellen, dass die gleichen Bücher gelesen wurden. Und auch das Stöbern in den Rezensionen der mitlesenden Blogger. Manche dieser Herausforderungen sind sehr frei, andere eher eng gefasst. Manchmal liest es sich in ganzen Gruppen „gegen“ andere, wie bei der „Human-Vampire-Magic-Challenge“.  Die gelesenen Bücher der Mitmachenden werden hier addiert und mit denen der anderen Gruppen verglichen. Auch das erzeugt eine Art von Gemeinschaftsgefühl. Im Grunde eine Art großer Buchclub, bei dem entweder nur Themen oder auch die einzelnen Bücher von den Veranstaltern vorgegeben werden. Dann wird über das Gelesene in verschiedenen Gruppen gesprochen oder auch nur auf Blogs rezensiert und kommentiert.

Macht das noch Spaß?
Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Macht das noch Spaß? Was wenn es beim Lesen nur noch um Quantität geht? (Foto: moritz320)

Gerade zu Beginn 2017 habe ich einige Buchblogger gefunden, die sich gegen die Aufgaben wehren. Nicht etwa, weil sie nicht gerne lesen, sondern weil ihnen der Leistungsgedanke dahinter missfällt. Das kann ich durchaus verstehen. Ich habe schon erlebt, dass Leser über 20 Bücher im Monat lesen oder es zumindest behaupten. Je nach Lebenslage ist das auch machbar – aber oft sind drei bis  sechs Bücher einfach eher machbar. Vor allem, wenn nicht nur eine „Lese-Challenge“ angegangen wird oder eben noch andere Bücher auf dem Stapel ungelesener Bücher warten. Das Belohnen  der „Fleißigsten“ mit Buchgewinnen oder ähnlichem sehe ich also kritisch. Nach der Buchmesse letztes Jahr riefen  ein paar Blogger eine Buchmesseblues-Challenge ins Leben. Da hat dann jedes gelesene Buch Lose gebracht und am Schluss wurden zwei Mitlesende gezogen. Das System fand ich viel besser, denn auch wer nur ein Buch zu den Themen lesen kann, hat doch mitgemacht und sollte die gleiche Chance bekommen, wie der Dauerleser schlechthin.

Aufgaben und Listen
Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Die Aufgabe? Bücher der BartBroAuthors lesen (Foto: Obermann)

Mittlerweile bin ich selbst dazu übergegangen, mich zu beschränken. Viele Ideen sind toll, aber wenn ich meine Auswahlmöglichkeiten durch so viele Aufgaben immer mehr erweitere, schaffe ich das nicht, was ich mir eigentlich erhoffe: Etwas mehr Struktur in meiner Bücherauswahl. Denn es gibt so viele gute Bücher, dass ich manchmal dastehe und einfach nicht weiß, was ich als nächstes lesen soll. Mein Kleiderschrank macht mir wesentlich weniger Probleme . Wenn ich dann aber auch die Monatsaufgabe der „Motto-Challenge“ von Weltenwanderer   schaue, fällt mir die Auswahl leichter. Oder ich orientiere mich etwas fachlicher mit der „Frauen-Lese-Challenge“ von Wortlichter. Die passt mir sehr gut, weil ich hier das Lesen für die Dissertation mit dem Blog verbinden kann. Toll finde ich aber auch Leselisten. Die „Bücherkultur-Challenge“ beispielsweise führt Klassiker (auch moderne). Die „100-Books-Bloggeredition“ ist ähnlich gestrickt und stellt sehr gute Bücher vor. Besonders freue ich mich 2017 meine eigene Liste eingeführt zu haben. Die der BartBroAuthors, zu denen ich mich seit Dezember 2016 zählen darf. Hier finde ich gerade junge, noch weniger bekannte Autoren und auf die werfen Blogger immer gerne ein Auge. Ich finde es sehr toll, durch meine kleine „Challenge“ auch weniger bekannte Bücher und Autoren auf den Plan zu rufen. Denn auch dabei geht es bei „Lese-Challenges“  immer wieder: Neues entdecken und tolle Bücher lesen.

Do-It-Yourself-Projekt: Origami-Herz-Lesezeichen

Gefaltet: Origami-Herz-Lesezeichen verschönern das Lesen (Foto: Onat)

Gefaltet: Origami-Herz-Lesezeichen verschönern das Lesen (Foto: Onat)

Ob für Verwandte, Freunde oder Verliebte gedacht – ein Origami-Herz-Lesezeichen dürfte das Herzblatt eines jeden Lesefreundes sein, da es Eselsohren ein stilvolles Ende bereitet. Es lässt sich nicht nur – auch als Laie der asiatischen Papierfaltkunst – blitzschnell und einfach in wenigen Schritten herstellen, sondern verschönert zudem jedes Buch. Daher eignet sich das romantische Lesezeichen sowohl für die heimische Lektüre als auch als Geschenk für Buchstabenfans jeden Alters.

Materialien:

  • quadratisches Papier, Größe nach Belieben
  • nach Bedarf eine Schere und ein Klebestreifen

Anleitung:

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 1 (Foto: Onat)

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 1 (Foto: Onat)

1. Für das Origami-Herz-Lesezeichen wird quadratisches Papier benötigt, welches aus Origami- und Washi-Papier, aber auch aus normalen sowie bunten Blättern oder Geschenkpapier gewonnen werden kann. Zunächst das Blatt einmal von oben nach unten falten. Wer mag, kann dieses an der Faltstelle durchschneiden, um zwei Lesezeichen herzustellen. Ob zerteilt oder am Stück gelassen – das entstandene Rechteck wird erneut von rechts nach links bis zur Hälfte gefaltet.

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 2 (Foto: Onat)

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 2 (Foto: Onat)

2. Nun das Papier von der rechten zur linken Seite bis zur Mitte falten und wieder öffnen, sodass die Faltstelle gut sichtbar ist. Entlang dieser Stelle werden nämlich die rechte und die linke Hälfte diagonal nach oben gefaltet.

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 3 (Foto: Onat)

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 2 (Foto: Onat)

3. Das Blatt wenden, sodass die dreieckige Lasche, die beim Origami-Herz-Lesezeichen später an die Buchseite gesteckt wird, nach vorne zeigt. Das Stück oberhalb dieser Lasche bis zur Mitte falten und wieder öffnen. Anhand der neu entstandenen Faltlinie wird dasselbe Stück erneut bis zur Mitte gefaltet und geschlossen gehalten.

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 4 (Foto: Onat)

Origami-Herz-Lesezeichen: Schritt 4 (Foto: Onat)

4. Oben die inneren und äußeren Ecken zu kleinen Dreiecken einfalten, um das Herz abzurunden. An dieser Stelle braucht das Origami-Herz-Lesezeichen nur ein letztes Mal gewendet werden, um sogleich an eine Buchseite geheftet werden zu können. Wer die beiden Hälften des Herzes fixieren möchte, kann vor dem Wenden noch einen kleinen Klebestreifen anbringen.

Azing Moltmaker – fasziniert von den Beatles

Was haben Mottenkugeln mit den Beatles zu tun? Azing Moltmaker weiß es. Er hat in Alkmaar in den Niederlanden ein ganzes Museum rund um die Beatles gegründet (wir berichteten letzten Monat). Er ist aber nicht nur der Inhaber des Museums, sondern publiziert auch regelmäßig Bücher über die Beatles. Wir haben mit ihm über seine persönlichen Highlights im Beatles-Museum und seine Bücher gesprochen.

Face2Face: Warum sind Sie so begeistert von den Beatles?

Moltmaker: Weil mich vor allem ihre Musik fasziniert. Es ist eine Band, die nur Hits hatte und sich doch immer verändert hat. Jede Platte war anders und hatte trotzdem dieselbe hohe Qualität. Es ist das Gesamtbild der Beatles-Geschichte, das so interessant ist.

Face2Face: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Beatles-Museum zu gründen?

Moltmaker: Ich habe erst mit einem eigenen Fanclub begonnen, weil ich von einem anderen Fanclub abgewiesen wurde. Weil der Fanclub allein nicht genug Geld einbrachte, um Magazine drucken zu lassen, habe ich 1979 mit einem kleinen Beatles-Laden angefangen. Am 6. Juni 1981 begann ich dann mit einem Beatles-Museum.

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist Ihr persönliches Lieblingsstück im Beatles-Museum und warum?

Moltmaker: Ich besitze tausende Objekte. Mehr als 2.500 LPs, 2.000 Singles, 1.000 Beatles-Bücher, 500 Stunden an Bildaufnahmen, 3.500 CDs und 100 Vitrinen voll mit Merchandising. Aber es gibt eine sehr außergewöhnliche Plattenhülle, die sehr viel Geld wert ist. Davon habe ich fünf Stück. Sie ist bekannt unter dem Namen „Butcher-Cover“.

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist das seltenste Stück im Beatles-Museum?

Moltmaker: Das sind die Gitarren und die Kleidungsstücke, die ich von den Beatles bekommen habe. Außerdem die Goldenen Schallplatten, Platin-Schallplatten sowie Plattenverträge.

Face2Face: Was ist das kurioseste Stück in der Sammlung?

Moltmaker: Zweifellos sind das die Beatles-Mottenkugeln. Das ist echt das absurdeste Beatles-Produkt, das ich je gesehen habe.

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Haben Sie mal einen der Beatles persönlich getroffen?

Moltmaker: Ja, in den 1980ern habe ich Paul McCartney bei einem TV-Programm getroffen. Er hat damals auch eine Platte für mich signiert.

Face2Face: Sie schreiben regelmäßig Bücher über die Beatles. Wie kam es dazu und was für Bücher sind das genau?

Moltmaker: Ich habe 68 Bücher geschrieben. Einige im Auftrag für Verlage, aber die meisten habe ich selbst bei meinem eigenen Verlag herausgebracht. Die Fanclub-Magazine hatten eine begrenzte Seitenanzahl und weil ich die Geschichten gut schreiben wollte, brauchte ich mehr Seiten und daher waren Bücher der logische Schritt. Ich schreibe Discographien, Themenbücher und Nachschlagwerke über die Beatles. Momentan arbeite ich an drei neuen Büchern, die Ende des Jahres erscheinen sollen.

Mehr Infos zum Beatles-Museum in Alkmaar findet ihr HIER.

Erlebnis Buchkauf – drei preisverdächtige Heidelberger Buchhandlungen

Zum ersten Mal wird am Donnerstag, 17. September der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Das Ziel der Auszeichnung: Sie soll inhabergeführte Geschäfte gegenüber dem Internethandel und den großen Ketten fördern. Mit von der Partie sind auch drei Heidelberger Buchhandlungen.

„Sie müssen nicht in den Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt.“ – Eine Tafel mit diesem Werbeschriftzug des Diogenes Verlags steht vor der kleinen Bücherstube an der Tiefburg in Handschuhsheim.
Neben Hassbeckers Galerie & Buchhandlung und artes liberales ist sie eine von drei Heidelberger Buchhandlungen, die für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert sind.
Er wird in der kommenden Woche in Frankfurt durch Prof. Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien, vergeben.
108 Buchhandlungen in ganz Deutschland sind nominiert. Laut der offiziellen Seite des Preises sollen sie alle folgenden Kriterien erfüllen: Sie müssen ein kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten, sich für die Lese- beziehungsweise Literaturförderung einsetzen, ein besonderes literarisches Sortiment vertreten und ein innovatives Geschäftsmodell haben. Dabei darf ihr durchschnittlicher Jahresumsatz der letzten drei Jahren eine Million Euro nicht überschritten haben. Der Preis ist in drei Kategorien von Gütesiegeln unterteilt, sodass alle 108 prämiert werden können.

Eine freundliche Einladung zum Stöbern (© Bücherstube an der Tiefburg)

Die Bücherstube an der Tiefburg setzt sich vor allem für die Leseförderung bei Grundschulkindern ein und bietet ein äußerst vielfältiges Kulturprogramm. Dieses reicht von einer Kinderlesenacht über ein Gartencafé im Sommer bis hin zu Autorenlesungen und Literaturreisen auf den Spuren verschiedener Schriftsteller.
Seit 1982 gibt es die Bücherstube. Sie ist trotz des zweimaligen Umzuges schon seit langem ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Handschuhsheim. Obwohl sie in 33 Jahren auch um 85 m² gewachsen ist, herrscht hier immer noch eine familiäre Atmosphäre. Im kleinen Hof neben der Buchhandlung befindet sich ein Garten, der teilweise mit Ranken überwachsen ist und mit Cafétischen und Strandkorb bei gutem Wetter dazu einlädt, eine Weile zu verweilen.

„Wir legen besonders großen Wert auf persönliche Beratung und eine enge persönliche Bindung zu unseren Kunden. Es ist wichtig die Kunden zu kennen“, erklärt Regina Kaiser-Götzmann, die Inhaberin der Buchhandlung. Sie findet es gut, dass durch den Preis gezeigt wird, was der Buchhandel leistet. Deshalb hat sie sich für die Bewerbung entschieden.

Die zweite Buchhandlung ist artes liberales am anmutigen Kornmarkt.
Auch sie ist von hier, nicht mehr wegzudenken. Nur aus einem einzigen kleinen Raum bestehend, ist das Sortiment nicht besonders groß, aber sorgfältig ausgewählt. Der

© artes liberales - Buchladen, Heidelberg 2015

Ein Ort zum Schmökern und Verweilen: Die Buchhandlung artes liberales (© artes liberales – Buchladen, Heidelberg 2015)

Schwerpunkt der Buchhandlung liegt auf der Philosophie, aber auch auf mit ihr verbundenen Gebieten wie Dichtung, Künsten und Wissenschaften. Es folgt demnach nicht den aktuellen Bestsellerlisten und Empfehlungen, sondern enthält auch Schriften, die mitunter über 2000 Jahre alt sind. Artes liberales bietet auch ein großes Kulturprogramm und zwar über die zugehörige Organisation artes liberales-universitas. Dazu gehören Kolloquien, Vorträge und Lesungen.
Sehr wichtig ist Clemens Bellut, Inhaber der Buchhandlung, eine einladende Atmosphäre. „Wenn jemand sich den ganzen Tag oder auch nur einige Stunden in den Liegestuhl setzt und ein Buch liest, ist das schon ein großer Gewinn für die Buchhandlung“, erklärt er. Willkommen sei auch immer das persönliche Gespräch. Tatsächlich steht in der Buchhandlung ein Liegestuhl, direkt am Fenster, das weit nach oben geschoben werden kann, sodass man den Eindruck hat, man sitze draußen. Drum herum reichen die Regale bis unter die Decke, doch die großen Fenster sorgen stets für viel Licht.

Hassbeckers Galerie & Buchhandlung in der Haspelgasse ist die dritte der nominierten Heidelberger Buchhandlungen. Inzwischen führt Barbara Schulz die Buchhandlung weiter, die ihr verstorbener Lebensgefährte Egon Hassbecker ursprünglich in Eberbach gegründet hatte.
Die Galerie und die Buchhandlung sind inzwischen untrennbar miteinander verbunden. Das Sortiment wird mit viel persönlichem Interesse ausgewählt und bietet eine große Bandbreite.
Zudem gehört zu der Galerie und der Buchhandlung auch das Museum im Haus Cajeth. Teil des Programms sind unter anderem Lesungen, Buchvorstellungen und natürlich die Ausstellungen des Museums. Sie zeigen Bilder naiver und primitiver Künstler, deren Bilder auch an den Wänden der Buchhandlung zu finden sind. Im ersten Zimmer sind die Wände frei von Regalen geblieben, um Platz für die Bilder zu bieten. Weiter hinten, im verwinkelteren Teil der Buchhandlung, sind die Regale so hoch wie die Räume selbst, das Ambiente erinnert an ein Antiquariat mit heimeliger Atmosphäre.

Wer sich also einmal wieder ein Buch kaufen möchte, sollte in jedem Fall einmal eine der Buchhandlungen ausprobieren. Und wer weiß – vielleicht hat er dann bald ein Buch aus einer der drei besten Buchhandlungen in Deutschland?

Vorschau: Am Freitag den 25. September lest Ihr Vanessas Filmkritik zu Fack ju Göhte 2.

Leipziger Buchmesse 2015 – ein Resümee

Leipziger Buchmesse 2015 (Foto: Frances Teuchert)

Großer Ansturm: An allen vier Messetagen auf der Leipziger Buchmesse 2015 (Foto: Teuchert)

 

Die Leipziger Messe gehört zu den zehn führenden deutschen Messegesellschaften und den Top 50 weltweit. Als einer der ältesten Messeplätze der Welt feiert sie 2015 das Jubiläum „850 Jahre Leipziger Messen“.

Zur Leipziger Buchmesse und Europas größten Lesefest „Leipzig liest“ strömten in diesem Jahr 251.000 Besucher (2014: 237.000), davon waren 186.000 Besucher (2014: 175.000) auf dem Leipziger Messegelände.

 

Dieses Jahr kamen 251.000 Besucher auf die Leipziger Buchmesse. (Foto: Frances Teuchert)

Besucherrekord: Dieses Jahr kamen 251.000 Besucher auf die Leipziger Buchmesse (Foto: Teuchert)

 

Von Donnerstag 12. März bis Sonntag 15. März wurden insgesamt über 3.200 Veranstaltungen an 410 verschiedenen Leseorten angeboten. „In Leipzig wird Literatur zum Gemeinschaftserlebnis“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse.

 

Leipzig liest (Foto: Frances Teuchert)

Europas größtes Lesefest: Leipzig liest (Foto: Teuchert)

 

Der Preis der Leipziger Buchmesse ging dieses Jahr an Jan Wagner, Philipp Ther und Mirjam Pressler.

„Dieser Preis ist ein Gedicht“ titelte eine Tageszeitung nach der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik an den Lyriker Jan Wagner für sein Werk „Regentonnenvariationen“.

Erstmals in der Geschichte des Preises der Leipziger Buchmesse wurde der Preis für einen Lyrikband vergeben. Der Preis in der Kategorie Sachbuch ging an Philipp Ther für sein Buch „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa“. Mit dem Preis in der Kategorie Übersetzung zeichnete die siebenköpfige Jury Mirjam Pressler für die Übersetzung von Amos Oz jüngstem Buch „Judas“ aus.

 

Israel - Deutschland

Israel – Deutschland Messeschwerpunkt: Israel – Deutschland 50 Jahre (Foto: Teuchert)

Der diesjährige Fokus der Buchmesse lag dabei auf dem Thema: „1965 bis 2015 – Deutschland – Israel“. Bereits seit 50 Jahren bestehen deutsch-israelische diplomatische Beziehungen. 40 Autoren beider Länder kamen bei 74 Veranstaltungen zu Wort. Die Leipziger Buchmesse wie auch die Stadt Leipzig unterstützten das vielfältige Programm. Der Botschafter des Staates Israel in Deutschland – Yakov Hadas-Handelsman, sagte: „Der kulturelle Austausch ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Beziehung zwischen Israel und Deutschland. Die Buchmesse hat dies bewiesen.“ Die israelische Literatur und somit auch die israelische Kultur konnte auf diese Weise den Menschen ein Stück weit näher gebracht werden.

 

 

Manga Comic Convention

Manga Comic Convention: 93.000 Besucher tauchten in die fantasievolle Welt der Manga, Comic, Anime und Cosplay ein (Foto: Teuchert)

 

Besonders erfreulich war es neben den 2.263 Ausstellern auch viele Jugendliche und Kinder auf der Buchmesse zu sehen. Hingegen aller Prognosen Bücher wären inzwischen out und die heutige Generation würde sich für Bücher nicht mehr interessieren. Insgesamt wurden 93.000 junge Besucher gezählt, 4.000 Besucher mehr als noch im Vorjahr.

In Halle 1 fand zum zweiten Mal die Manga-Comic-Convention statt. Sie präsentierte eine fantasievolle Welt zwischen Manga, Comic, Anime und Cosplay. Zeichner wie Chaco Abeno, Takeshi Obata oder Tatsuya Ihara und Mayu Sakai oder Vicki und Bob Scott lockten das Publikum ebenso wie Serban Cristescu und Miguel Díaz Vizoso in Scharen nach Leipzig. Erstmals öffnete auch ein eigener Gamesroom, wo Besucher an 15 Konsolen die neuesten Spiele testen konnten.

 

Manga Fans (Foto: Frances Teuchert)

Kreativ: Manga Fans auf der Buchmesse in Leipzig (Foto: Teuchert)

Dimitrios Charistes, CROSS CULT ℅ AMIGO GRAFIK GbR, aus Ludwigsburg: „Wir wollen Comics verstärkt in den Buchhandel bringen und sind deshalb auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Das Konzept funktioniert gut. Hinzu kommt, dass sich Comics mittlerweile als Mainstream in Deutschland etablieren. Mit Angeboten für die Altersgruppe von 4 bis 80 Jahren begleiten unsere Produkte die Kunden im besten Fall durch das gesamte Leben. Die thematische Bandbreite ist dabei sehr groß – reicht von historisch bis hin zu gesellschaftskritisch – und umfasst die Bereiche Science Fiction, Fantasy, Horror, Kids sowie Humor.

Starkes Interesse besteht bei den Lesern an einer E-Book-Flatrate, dies bestätigte auch Veronika von Bredow, PR-Managerin, skoobe, aus München: „Wir beobachten, dass das E-Book immer mehr seinen festen Platz bei den Lesefreunden gefunden hat und keinesfalls das gedruckte Buch verdrängt. Unsere Kunden lesen klassische und digitale Bücher. Das hat auch die Leipziger Buchmesse gezeigt. Die Besucher des Standes waren sehr interessiert an unserer E-Book-Flatrate. Vor allem die Funktionsweise und die Nutzungsbedingungen wurden nachgefragt.“

Die Buchbranche begegnet der Digitalisierung optimistisch und zuversichtlich. So wurden beispielsweise Gutscheine für den Kauf des E-Readers tolino shine oder tolino vision 2 an die Besucher verteilt.

Wer im nächsten Jahr zur Leipziger Buchmesse gehen möchte, kann vom 17. bis 20. März 2016 vorbeischauen.

Ein Autor unter vielen

Ein Meer an Bücher - ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Ein Meer an Bücher – ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Als Schriftsteller/in hat man es nicht leicht. Mein Name schwimmt in einem Meer voller kleiner Fische mit einigen wenigen Walen. Nein, ich bin kein Wal in diesem Meer, ich bin ein kleiner Fisch. Ein Guppy. Doch zumindest kann ich bereits Veröffentlichungen vorweisen, gewonnene Wettbewerbe, Beiträge in Anthologien, die Herausgabe einer solchen und die Mitarbeit an einem Hörbuch. Viele Autoren aber sehen ihrer ersten Veröffentlichung sehnsüchtig entgegen und verschließen vor Problemen dabei manchmal die Augen.

Ein großes Problem nennt sich Druckkostenzuschussverlage (DKZV). Oft haben sie einen ganz passablen Internetauftritt, werben mit vielen Autoren, die stets nett über den Verlag sprechen. Sie überraschen Neuautoren mit positiven Rückmeldungen und wollen verlegen. Alles. Egal was. Und das lassen sie sich bezahlen, nicht zu billig. Die dafür versprochenen Dienstleistungen, wie Lektorat und Werbung, werden dürftig bis gar nicht gemacht, das Buch mehr schlecht als recht verlegt. Wenige finden das Buch, kaufen und lesen es. Der Autor sitzt auf Kosten und ist entmutigter als vorher. Die beste Devise ist, nie bei einem Verlag zu veröffentlichen, der Geld sehen will.

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Eine besondere Sparte nehmen hier die reinen Dienstleister ein, die tatsächlich für Geld verlegen und klare Preise haben. Für ein paar Euro kann man dort schon ein Buch drucken lassen, oft als sogenanntes „Print on demand“ System. Das heißt, das Buch wird gedruckt, wenn es bestellt wird. Die Werbung ist auch hier oft gering, mehr kann man kaufen, aber das Buch ist bei allen großen Buchhandlungen lieferbar, wird professionell veröffentlicht und die Kosten sind nicht mit denen eines DKZV zu vergleichen. Ich spreche hier aus Erfahrung, mein Gedichtband Seelentropfen wurde beim Dienstleister BOD veröffentlicht. Daneben ist epubli ein Anbieter mit guten Konditionen. Mittlerweile ist auch die Veröffentlichung als elektronisches Buch kein Problem. Diese Methode ist für kleine Projekte, wie eben Lyrik, die nur wenige Verlage übernehmen, Ausgaben von kleineren Dichtergruppen und Selbstverlegern eigentlich eine ganz passable Alternative. Die Bücher sind gelistet, sind bestellbar und den Preis bestimmt man selbst. Wer im Internet selbst gut Werbung macht und eigenständig die gedruckten Ausgaben verkauft, ist ganz gut beraten.

Mittlerweile gibt es aber gerade im elektronischen Bereich auch kostenlose Möglichkeiten. Lektorat und Formatierung muss der Autor dann aber selbst machen. Mitunter gibt es auch negative Berichte zu den Themen Abrechnung und Verfügbarkeit der Dateien. Sehr viele sind aber auch zufrieden und manch ein Zufallserfolg war da schon dabei und machte richtig Geld. Problematisch ist aber, dass der Markt von eher minderwertigen elektronischen Büchern überlaufen ist. Wer selbst veröffentlichen und sich abgrenzen will, hat es nicht leicht. Viel Werbung, Kontakt zu Rezensionsplattformen und ein langer Atem ist nötig. Und manch ein Literaturschatz mag in dem Meer an miesen Büchern auch noch vergraben sein.

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Ein guter Verlag ist für viele Autoren der Traum. Auch für mich. Denn ein guter Verlag heißt nicht nur viel Werbung und einen guten Stand für das Buch, sondern auch eine gute Position, wenn es um künftige Veröffentlichungen geht. Doch in so einen guten Verlag kommt man nicht leicht. Die Lektoren werden von Einsendungen zugeschüttet, das meiste landet ungelesen im Papierkorb, die ersten Seiten der Zusammenfassung, des Exposees, sind entscheidend, wenn überhaupt ein Blick darauf geworfen wird. Hier rein kommt man fast nur durch Literaturagenturen. Doch auch hier muss man gute von schlechten unterscheiden. Ein Tipp: Keine seriöse Agentur verlangt vor der Vermittlung Geld! Doch auch an eine gute Agentur zu kommen, ist nicht leicht. Auch hier stapeln sich die Manuskripte und manche gute Idee gerät einfach in die falschen Hände. Ihr seht, ich bin ein Guppy. Und die Chance, dass ich von einem Wal entdeckt werde, oder wachsen kann, sind gering.

Mit Ausschreibungen kommt man ganz gut in Anthologien und Sammlungen. Die sind aber oft von kleinen Verlagen und beinhalten eben viele kleine Autoren. Die Bücher finanzieren sich, weil jeder Autor ein paar Exemplare kauft und selbst verkauft oder verschenkt. Millionär wird damit keiner. Aber seien wir ehrlich. Nur sehr wenige Guppys können einmal von ihren Büchern leben. Mir reicht es schon, ab und zu wegen meiner Bücher angesprochen zu werden. Manch einer fragt mich auch mal, wann denn das Nächste erscheint. Und eine positive Bewertung eines meiner Bücher verschafft mir immer ein Kribbeln im Bauch. Bei all den Möglichkeiten kann ich noch viel ausprobieren und so oder so ist mir eines klar, ich werde immer schreiben, und so oft es geht auch veröffentlichen.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha, warum er das GPS an seinem Fahrrad so toll findet.

Welttag des Buches

Grund zum Feiern: Der Welttag des Buches (Logo frei von Blogger schenken Lesefreude)

Grund zum Feiern: Der Welttag des Buches (Logo frei von Blogger schenken Lesefreude)

Mittlerweile hat sogar (Pi) einen eigenen Tag, an dem dieses mathematische Wunder gefeiert wird, wen wundert es, wenn auch das Buch einen sogenannten Welttag bekommt. Auch wenn ich es fraglich finde, die Tage irgendwelchen Dinge zu widmen, nun sogar mehreren Dingen pro Tag, weil es so viel mehr Dinge, als Tage gibt, gibt es auch immer mal wieder schöne Aktionen zu diesen Tagen, die sich lohnen. So gibt es zum Welttag des Buches am 23.04.2014 die Kampagne „Blogger schenken Lesefreude“.

Unter „Blogger schenken Lesefreude“ sammeln sich engagierte Blogger, deren Internettagebücher gar nicht zwangsläufig etwa mit Literatur zu tun haben müssen. Jeder Blog verschenkt, besser gesagt verlost am Welttag des Buches ein oder mehrere Bücher. Dabei kommen nicht nur die unterschiedlichsten Bücherfreunde und ihre Blogs zusammen, sondern natürlich auch die unterschiedlichsten Bücher. Auch ich selbst habe mich entschieden, dieses Jahr mitzumachen. „2013 nahmen über 1000 Blogs teil und es erschienen Artikel im “Bücher Magazin”, im Boersenblatt, im Buchmarkt sowie auf vielen Blogs“, wissen die Initiatorinnen Christina und Dagmar auf ihrer Internetseite zu berichten.

Nun könnt ihr fragen: Warum das Ganze? Klar – Welttag des Buches – das hat schon irgendwas mit Büchern zu tun. Aber warum nicht selbst kaufen, sondern auch noch verlosen? Auf der einen Seite kommt das natürlich den Blogs zu gute, die sich über viele neue Besucher freuen können. Viel wichtiger finde ich aber, den Punkt, den auch die Initiatorinnen ansprechen: „Am Welttag des Buches möchten wir unsere Lese-Begeisterung in die Welt hinaustragen und andere damit anstecken.“ Denn Lesen ist wichtig in unserer Gesellschaft. Es bildet, es ist Entspannung und Kommunikationsmittel, es kann begeistern und Diskussionen anregen.

Keine Leseratte? Der Welttag des Buches will auch neue Leser begeistern (©Bernd Kaspar / pixelio.de)

Keine Leseratte? Der Welttag des Buches will auch neue Leser begeistern (©Bernd Kaspar / pixelio.de)

Und obwohl es viele Menschen gibt, die täglich lesen, in Zügen, im Bett, auf dem Sofa oder auf der Arbeit, gibt es viele Menschen, die freiwillig kein Buch anrühren. Mein bester Freund aus dem Deutsch-Leistungskurs war so einer. Er las nur widerstrebend die Texte für die Schule und nie etwas darüber hinaus. Meine Oma hat in ihrem Leben noch nichts anderes als ein Kochbuch in die Handgenommen – von meinen Büchern vielleicht abgesehen. Ganz anders meine andere Oma, deren Bücherregal mir noch heute eine Welt mit ungeahnten Möglichkeiten eröffnet. Mein Bruder wieder hat etwa vier Bücher zu hause, die alle ich ihm geschenkt habe – mit möglichst vielen Bilder und lustigen Sprüchen.

Niemand soll natürlich zum Lesen gedrängt werden, doch manch einer hat es einfach noch nicht richtig ausprobiert oder findet einfach keine Zeit zum Lesen, geschweige denn zum Aussuchen des Richtigen Lesestoffs unter all den Angeboten. Ein gelostes Buch aber, ein gewonnenes, hat die Mystik eines Erfolgs, etwas Besonderes, bei dem man nur gewinnen kann.

Wie lange die unterschiedlichen Verlosungen von „Blogger schenken Lesefreunde“ dauern, ist den jeweiligen Seiten überlassen. Bei mir haben die Leser eine Woche Zeit, mitzumachen. Manch ein Verloser wird auch eine kleine Aufgabe stellen, so dass die potentiellen Gewinner sich nicht gänzlich auf ihr Glück verlassen können. Über 600 Blogs sind bereits angemeldet und noch kann jeder mitmachen, der will. Jeder, der will, kann übrigens auch bei den Verlosungen mitmachen. Die Teilnehmerliste gibt es auf der Seite der Aktion und dann heißt es am 23.04.2014, sich durch die Blogs zu klicken und auszusuchen, welche Bücher denn gefallen könnten. Von meiner Seite aus schon einmal viel Spaß und einen schönen Welttag des Buches.

Vorschau: Nächste Woche sagt uns Sascha hier seine Meinung zur Hyper-Mobilitäts-Gesellschaft.

Schon gelesen – mit jedem Buch eine Herausforderung

Ein Stück meines SuB - Stapel ungelesener Bücher (Foto: Obermann)

Ein Stück meines SuB – Stapel ungelesener Bücher (Foto: Obermann)

Ich bin das, was man gemeinhin als Bücherwurm bezeichnet. Wir selbst nennen uns lieber bibliophil. Das vermeidet die Verwechslung mit einem Insekt und klingt auch gleich viel schöner. Außerdem sagt bibliophil aus, dass Bücher eben nicht nur gefressen werden, wie das Bild des Bücherwurms es mit sich bringt, sondern dass Bücher geliebt werden. Und obwohl meine Leidenschaft für Bücher mir seit langem bekannt ist, habe ich sie schändlich vernachlässigt. Zwischen Windeln wechseln, Recherchen und Artikel schreiben habe ich meine Abende nach erfolgreichem ins Bett bringen der Kinder nicht etwa mit einem guten Buch verbracht, sondern mit Fernsehen. Meist waren das noch nicht mal gute Filme sondern schlechte Wiederholungen von noch schlechteren Serien.

Einmal durchs Regal: Jeden Monat neue Aufgaben (© Sari von Saris Bücherwelt)

Einmal durchs Regal: Jeden Monat neue Aufgaben (© Sari von Saris Bücherwelt)

Das sollte sich ändern. Ich wollte zurück zum Buch. Darum habe ich mich nach so genannten Lesechallenges umgesehen und eine gefunden, die mir bietet, was ich wollte. Die Herausforderungen werden monatlich ein Jahr lang von den Initiatoren veröffentlicht und müssen dann von den Teilnehmern erfüllt werden. Die Aufgabe kann sein, einen Krimi zu lesen oder einen Liebesroman, ein Buch mit rotem Einband oder eines mit nur einem Wort im Titel. Ich habe mich für „Einmal durchs Regal“ entschieden. Da gibt es jeden Monat eine Hauptaufgabe und zwei Nebenaufgaben. Alle Bücher müssen mindestens 200 Seiten haben. Zusätzlich gelesenes kann auch angerechnet werden. Einzige Voraussetzung: Ich muss auf meinem Blog eine Seite für die Aufgaben erstellen und dort wenigstens ein Kurzfazit einstellen oder den Link zu meiner Rezension hinterlegen. Zusätzlich gibt es zur Organisation eine Facebookgruppe. Monatlich zählen die zwei Initiatorinnen die Punkte zusammen, die es fürs Lesen und Rezensieren gibt.

Genug Lesestoff? Mein Regal ist gut gefüllt (Foto: Obermann)

Genug Lesestoff? Mein Regal ist gut gefüllt (Foto: Obermann)

Für meine Leseabende habe ich so ganz neuen Antrieb bekommen. Immerhin will ich ja die Herausforderungen, die ich angenommen habe, auch erfüllen. Auch wenn das heißt, dass ich in eher ungeliebten Genres neue Wege bestreiten muss. Immerhin kann ich so auch Neues kennenlernen und auch Bücher, die mir nicht so gefallen, können noch ihre Überraschungen bereit halten. So war der Liebesroman, den ich im Januar lesen sollte mit „Verdammt, er liebt mich“ ganz gut besetzt. Mal ganz abgesehen von den Genres, die mir ohnehin gefallen. Mit den Rezensionsexemplaren für „Blogg dein Buch“ und etwaige Verlage sowie den Büchern, die ich für die Uni lesen muss, komme ich ohnehin auf einen beträchtlichen Stapel an Lesestoff.

Immerhin gibt es von den Initiatorinnen Sasija und Michelle auch etwas zu gewinnen, einmal nach der Hälfte und dann noch einmal zum Ende des Jahres. Manche haben zum Auftakt auch schon gut vorgelegt, mit über 1000 Seiten pro Buch. So viel kam bei mir noch nicht zusammen. Aber auf das Jahr bleibt abzusehen, wie viel Seiten am Ende gelesen sind und wer auf halber Strecke liegen bleibt. So oder so habe ich schon jetzt so viel Lesevergnügen gehabt wie schon lange nicht mehr. Etwa durch die „Pan-Trilogie“, die ich für den Januar angefangen und vor lauter Begeisterung schon zu Ende gebracht habe, oder Terry Pratchetts „Mort“, das für die Freunde der Scheibenwelt schon fast ein Klassiker ist. Ihr seht, ich bin da ganz in meinem Element und das wird wohl nicht meine letzte Herausforderung bleiben.

Vorschau: Sascha frägt sich nächste Woche, ob immer alles neu sein muss, oder nicht auch mal gebrauchtes reicht.

Analphabetismus – wie viel Lesenkönnen reicht

Von klein auf: frühe Förderung kann Analphabetismus verhindern (Foto: Obermann)

Von klein auf: frühe Förderung kann Analphabetismus verhindern (Foto: Obermann)

Ich liebe es, zu lesen. Meine Bücherregale quillen über und zum Gute-Nacht-Ritual meiner Kinder gehört, dass ich ihnen vorlese. Meine Mutter macht mir dabei manchmal den Vorwurf, ich lese zu schnell, doch mein Sohn kommt ohne Probleme mit. Wenn dagegen mein Schwiegervater zum Buch greift, graut es mir. Monoton geht es da zur Sache. Noch schlimmer wird es bei meiner Großmutter, die mitunter manches Wort zweimal lesen muss. In solchen Momenten denke ich an meine Mitschülerin aus dem Abitur. Meine Mitschülerin hatte es ohne Probleme bis zur dreizehnten Klasse geschafft. Sie war nicht dumm und hatte ganz gute Noten. Doch wehe, sie musste vorlesen. Aus einem fünf Zeilen Absatz wurde da der metaphorische Mount Everest. Wort für Wort ging es da voran, stockend und langsam, ohne Zusammenhang und manchmal auch ohne Sinn. Das Abitur hat sie geschafft, aber ich wette fast, dass sie ihren Kindern nur selten etwas vorlesen wird.

Im Oktober erst habe ich erfahren, Menschen wie meine Mitschülerin gibt es mehr, als ich dachte. „Jeder sechste Erwachsene kann nur lesen wie ein Zehnjähriger“ stand da in den Überschriften der Zeitungen. Dabei bezogen die sich auf den aktuellen Pisa-Test für Erwachsene, kurz PIAAC, der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). 16 bis 65 Jahre waren die Teilnehmer der EU-Studie, die eben auch auf Leseverständnis getestet wurden. 17,5 Prozent der Erwachsenen Deutschlands können demnach gerade mal auf Grundschulniveau lesen und schreiben. Das reicht, um Texte Wörtchenweise vorzulesen, um einfache Aufgabenblätter und Einkaufszettel zu lesen, um Kurznachrichten zu schreiben. Es sind Menschen, die unter den Tisch fallen, weil sie eben noch keine Analphabeten sind, aber dennoch beim Lesen und Schreiben auf der Strecke bleiben.

Fremde Welten? Noch immer können viele Deutsche nicht richtig lesen und schreiben (Foto: T.Gartner)

Fremde Welten? Noch immer können viele Deutsche nicht richtig lesen und schreiben (Foto: T.Gartner)

Dabei ist der Begriff ‚Analphabetismus‘ dehnbar. Laut dem Landesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. wird zwischen jenen unterschieden, die nie Lesen oder Schreiben gelernt haben (primärer Analphabetismus) und denen, die Kenntnisse zwar einst erworben hatten, sie aber wieder vergessen haben (sekundärer Analphabetismus). Darüber hinaus gibt es den funktionalen Analphabetismus. „Innerhalb der entwickelten Industriestaaten mit ihren hohen Anforderungen an die Beherrschung der Schriftsprache müssen auch jene Personen als funktionale Analphabeten gelten, die über begrenzte Lese- und Schreibkenntnisse verfügen“ heißt es auf der Seite des Landesverbandes. In puncto Lesen würde meine Mitschülerin aus dem Abitur demnach durchaus in die Sparte Analphabetismus fallen, Schreiben konnte sie dagegen ohne Probleme.

Wenn schon meine leseschwache Mitschülerin das Abitur schaffen konnte, ist es wenig verwunderlich, wenn Analphabeten, die wesentlich schlechter  lesen und schreiben können, auch ihren Abschluss machen. Die Süddeutsche berichtete vor Kurzem von einem 25-Jährigen, der ohne jegliche Lese- und Schreibkenntnisse den Hauptschulabschluss schaffte. 2011 zeigte die LEO-Studie, die Literarität von Erwachsenen untersucht hat, dass 7,5 Millionen Deutsche funktionale Analphabeten sind, davon haben 300.000 Menschen keinerlei Lese- und Schreibkenntnisse. 300.000 Menschen, die kein Buch lesen können, keine Beipackzettel, keine Einkaufslisten, keine Rezepte oder Straßennamen. Der Landesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. bietet auf seiner Internetseite die Funktion, Absätze auch vorlesen zu lassen, so dass Betroffene dort auch ohne lesen zu können an Informationen kommen, sofern sie jemanden finden, der ihnen die Internetadresse eingibt.

Einfach Losschreiben? Analphabetismus ist noch immer weit verbreitet (©Rainer Sturm/ pixelio.de)

Einfach Losschreiben? Analphabetismus ist noch immer weit verbreitet (©Rainer Sturm/ pixelio.de)

Diese aktuellen Studien zeigen aber auch, dass Analphabetismus zwar öfter in bildungsfernen Schichten und bei älteren Generationen auftritt, als bei jungen, bildungsnahen Menschen. Doch auch dort tritt er auf. Vielleicht nur ansatzweise wie bei meiner Mitschülerin aus dem Abitur oder auch primär, wie bei dem jungen Mann, den die Süddeutsche in ihrem Artikel vorstellt. Hilfe anzubieten ist mindestens so schwer, wie zuzugeben, dass man Hilfe braucht. Niemand gibt gerne zu, dass er nicht lesen kann, aber jemandem vorzuwerfen, er könne es nicht, das würde mir zumindest auch schwer fallen. Gerade in meiner vom Lesen und Schreiben geprägten Welt scheint es wie ein Sakrileg jemandem so etwas zu unterstellen.

Um die Zahl der deutschen Analphabeten zu verringern, muss sich also mehr verändern, als dass nur die Analphabeten sich bekennen. Jeder muss hellhörig werden und Hilfe ermöglichen. Lese- und Schreibkurse werden an Volkshochschulen und vom Landesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. regelmäßig angeboten. Dabei geht es nicht darum, einen zum Vielleser auszubilden, sondern zu helfen, dass jeder sich auch in der uns umgebenden Schriftwelt zurechtfindet. Es geht nicht darum, jemanden bloßzustellen, denn dass jemand durchs System rutscht und am Ende nicht lesen und schreiben kann, kann viele Schuldige haben. Es geht darum, dass wir unser Lesenkönnen nicht so selbstverständlich nehmen und darum auch aufmerksamer werden, wenn jemand eben da Defizite zeigt. Ein bisschen mehr aufeinander achten, damit andere im Notfall auch auf einen selbst achten können.

Vorschau: Nächste Woche erklärt euch Alexandra, was sich hinter dem Begriff „Lookism“ versteckt.

Buchrezension: „Der Klub der Ungeliebten“ Dennis Stephan präsentiert sein Debut

Über den Dächern Berlins: Adam und Coralie (Foto: Dennis Stephan)

Über den Dächern Berlins: Adam und Coralie (Foto: Dennis Stephan)

In einer Welt, in der Papier, Gliedmaßen gerodeter Bäume ist, in der eine Haustürklingel ihre Stimme verlieren kann, in der sich staubige Bilderrahmen in verzweifelter Schräglage an der Wand festkrallen – dies ist die Welt von Adam und Coralie. Zwei junge Menschen von 21 Jahren, die in der Großstadt Berlin ein Leben führen, das sich jeder Realitätsfanatiker und Pessimist nur schwer vorstellen möchte. Die Welt von Coralie und Adam beschäftigt sich nicht mit Bösem oder Schlechtem. Verzweiflung, Leiden und Sehnsucht empfinden die jungen Erwachsenen dennoch. Denn eine entscheidende Sache in ihrem Leben fehlt noch: die Liebe.

Um diese Sehnsucht dreht es sich in Dennis Stephans Debut „Der Klub der Ungeliebten“. Solange diese Liebe zu einem ebenbürtigen Partner nicht existiert, sind die Freunde unglücklich. Dabei gehen Adam und Coralie, die auch Cousine und Cousin sind, anders mit ihrer Einsamkeit um: Adam flüchtet sich in Tagträume, Coralie in unzählige, fremde Betten. Da hilft auch die Weisheit der befreundeten, alten Madame Porzellan, die im selben Haus wie Adam und Coralie lebt, nicht. Denn sie weiß, dass „der kleine Prinz [hat] sein Herz bereits an einen anderen verschenkt. Sie [Coralie] ist Teil von ihm, wie die Vögel, die ihm Schlaflieder singen und die winzigen Narben an seinem Körper, aber ihr wird nie seine ganze Liebe gehören.“

Aufgewühlte Wolken über uns, zerbombter Boden zu unseren Füßen

Adam, ein Philosophiestudent, möchte für ihn wichtige Fragen, während des Semsters klären: „Wie sieht ein Gefühl aus? Wieso verlieben wir uns?“ Er ist romantisch, und nicht ohne Humor; neckt seine Cousine, macht sich über deren Männergeschichten lustig und missbilligt sie.
Er hat sich in einen Kellner verliebt.  Er denkt viel an ihn. Er denkt nur noch an ihn, dessen Namen er erst einmal nicht herausfinden kann.

In meinem Kopf spulen sich Bilder von welkenden Katzenbabys in überwässerten Übertöpfen ab

Coralie ist eine junge Frau, die eine gewalttätige Kindheit erlebt hat, die unbekümmert auftritt, aber in stillen Momenten ängstlich und nachdenklich spricht. Sie scheut sich nicht mit Madame Porzellan über Sex zu sprechen oder Ex-Freunde mit Schlafmittel abzuwehren. Nur für ihren Cousin Adam ist sie immer da und traut sich sogar den süßen Kollegen des Kellners nach dessen Namen zu fragen.

Die einzelnen Kapitel sind übertitelt mit den Namen der Protagonisten, wobei Madame Porzellan keine eigenen Seiten zugedacht werden, was ein bisschen schade ist, denn diese alte, zeitweilig verwirrte Frau könnte einen spannenden Gegensatz zu Coralie und Adam und deren postpupertären Eskapaden darlegen, indem sie konkret entwirrt, was die beiden umtreibt.

Cover des Buchs „Klub der Ungeliebten“: Dennis Stephan wählt ein Berlin-Panorama (Foto: Aufnahme Alexander Voss/Abdruckrechte durch den Incubus Verlag)

Cover des Buchs „Klub der Ungeliebten“: Dennis Stephan wählt ein Berlin-Panorama (Foto: Aufnahme Alexander Voss/Abdruckrechte durch den Incubus Verlag)

Geschrieben hat all das Dennis Stephan. Der 24-jährige Berliner hat sein erstes Buch in der vergangenen Woche herausgebracht. Das Cover schmückt ein, in Wolken getauchtes Panorama Berlins. Das 240 Seiten starke Buch liest sich kurzweilig, unterhaltsam und poetisch. Wenige Wendungen geraten allzu übertrieben: „Die Welt gerät aus dem Gleichgewicht“, „eine Geschichte, die mir vertrauter vorkommt, als mein eigener Name“, um zwei Beispiele zu nennen.

Besonders kreativ zeigt sich Stephan im Erfinden von poetischen Darstellungen: „Während die blätternde Fassade im Winter einen fast ebenso toten Eindruck macht wie ihre kahle Umgebung, krallt sich im Sommer sattgrüne Jungfernrebe in die zerfressenen, stuckverzierten Gesimse.“ Auch Sätze zum Schmunzeln sind immer wieder dabei: „Unter seinen Achseln schlürft der Stoff des T-Shirts gierig an seinem Schweiß.“

Warum der Titel des Buchs „Klub der Ungeliebten“ heißt oder warum die Rechtschreibreform eigentlich vor nichts Halt gemacht hat (Anm. d. Red. siehe Schreibung des Wortes „Klub“), bleibt offen: Denn sowohl Madame Porzellan, als auch Adam und Coralie werden offensichtlich geliebt. Die Freunde, seit der Kindheit unzertrennlich, hängen ständig zusammen, und die alte Dame erhält regelmäßig Besuch der beiden. Es ist die Art der Liebe, auf die der Titel anspielen muss. Denn freundschaftliche Liebe oder die der Familie ist unvergleichlich zu jener, die sie sich ersehenen. Und Coralie weiß auch: „Irgendwo heißt es doch, […] dass man ein Niemand ist, bevor es jemand gibt, der einen liebt. Manchmal habe ich Angst, aus mir könnte niemals ein Jemand werden.“

Es ist ein Buch für Romantiker, für Fantasten, für Sprachliebhaber – aber auf jeden Fall für alle, die auf der Suche nach Liebe sind.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr in der FilmKunstKultur-Rubrik über das Projekt „Unbreakable“.