Internetphänomene, Teil 2: My Little Pony: Friendship is Magic

Spätestens seit Spongebob Schwammkopf, der gelbe, quallenfischende und immer-fröhliche Burgerbrater aus Bikini Bottom, 2002 ins Deutsche Fernsehen kam, wurde mehr und mehr klar, dass augenscheinliche Kinderserien auch außerhalb der eigentlichen Zielgruppe großen Zuspruch finden. Anfangs vielleicht mit schiefen Blicken und reichlich Stirnrunzeln bedacht, können sich Spongebob-Sympathisanten älterer Semester mittlerweile zurücklehnen und die Kultfigur über die Mattscheibe hüpfen sehen, ohne dass an deren geistiger Unversehrtheit gezweifelt wird.

Jedoch kam seit Ende 2010 mit der Fortsetzung der Zeichentrickserie My little Pony aus den 80ern ein neuer Kult auf. My Little Pony: Friendship is Magic heißt die Neuauflage der mittlerweile 61 Episoden umfassenden Fernsehsendung.
In der ersten Folge lernen wir die Protagonistin Twilight Sparkle und ihren Freund den Babydrachen Spike kennen, die von ihrer Lehrerin, Prinzessin Celestia, beauftragt werden, wahre Freundschaften zu knüpfen. So lernen sie die Ponys Applejack, Pinkie Pie, Rainbow Dash, Fluttershy und Rarity kennen und sie bestreiten fortan gemeinsam viele Abenteuer. Zusammen bilden die Ponys zudem die sechs Elements of Harmony: Magie, Treue, Ehrlichkeit, Lachen, Großzügigkeit und Freundlichkeit.

Richtet sich die Serie eigentlich an junge Mädchen, ist es umso verwunderlicher, dass My Little Pony: Friendship is Magic eine überwiegend männliche Fangemeinde in den Mittzwanzigern und älter für sich begeistern kann. Diese nennen sich selbst Bronies, eine Zusammensetzung aus dem englischen Wörtern Bro, für Bruder und dem Plural des Wortes Pony. Den Ursprung hat dieses Internetphänomen, wie auch viele andere, auf dem englischsprachigen Imageboard 4chan.
Ein anonymer Internetuser und bekennender Bronie äußert sich wie folgt zu der sich primär aufdrängenden Frage, wieso My Little Pony, so beliebt bei Erwachsenen ist: „Die Serie ist witzig, kreativ und hat meistens ein sehr gutes Drehbuch. Ganz zu schweigen von den Filmanspielungen, die gerade für die erwachsene Generation äußerst unterhaltsam sind.“
Diese hier dargestellte Sympathie äußert sich vor allem im Internet. So wurden Internetplattformen wie Equestriadaily.com oder Everypony.com geschaffen, in der fanfiction und fanart veröffentlicht werden. Letztere Seite greift ein wichtiges Faktum der Bronie-Gemeinde auf: Das Wort everybody wird durch everypony ersetzt, somebody durch somepony und anybody durch anypony. Auch auf Youtube kursieren Videos, die die farbenfrohen Ponys thematisieren, wie zum Beispiel ein Cover von Katy Perrys Lied California Girls: Equestria Girls.

Doch die Bronies präsentieren sich nicht nur ausschließlich im Internet. So fand im Sommer 2011 in New York zum ersten Mal die BronyCon statt, eine Fanmesse mit über 4000 Besuchern. Dokumentarfilmer haben dies zum Anlass genommen, und haben den 90-minütigen Film Bronies: The Extremely Unexpected Adult Fans of My Little Pony, gedreht.
Auch die Deutschen zeigen sich von dem Ponywahn nicht unbeeindruckt. Bei der Berliner Piratenpartei ist es möglich, einen Antrag auf Ponytime zu stellen und es so zu ermöglichen, eine 20-minütige Pause einzulegen, die man damit verbringt, gemeinsam eine geeignete Folge der Serie zu schauen.
Der Fraktionschef der Piraten, Andreas Baum, begründet dies mit der Aussage, die Serie hätte ein konfliktlösendes Potenzial und erinnere an wichtige Werte wie Freundschaft und Vertrauen. Zu erwähnen gilt jedoch, dass die Ponytime bisher erst zwei Mal in Anspruch genommen wurde, denn Ponytime müsse, laut Baum, mit Bedacht eingesetzt werden und darf nicht überdosiert werden.

Dass Erwachsene gerne Serien schauen, die eher auf jüngeres Publikum ausgerichtet sind, ist, wie viele andere Beispiele belegen, also keinesfalls neu. Was sich jedoch geändert hat, ist die umfassende Online-Community, die sich mit diesen Serien auseinandersetzt – und vielleicht ist auch einmal bei euch in den heimischen Gefilden Bedarf nach einer kreativen und humorvollen Ponytime.

 Internetphänomene, Teil 1: Memes