Stehen die Olympischen Spiele auf der Kippe?

Wenige Wochen vor dem Start der Olympischen Spiele macht das diesjährige Austragungsland Brasilien immer wieder durch schlechte Nachrichten von sich reden. Mittlerweile häufen sich gesundheitliche Risiken, Bauverzögerungen und Raubüberfälle in der Olympiastadt und es stellt sich die Frage, ob die Olympischen Spiele dieses Jahr verschoben oder möglicher Weise gar abgesagt werden müssen.

Der Austragungsort der Segelwettkämpfe? Eine Mülldeponie

Beim Gedanken an Brasilien assoziiert man augenblicklich den feinen, weißen Sandstrand der Copacabana, das glasklare Wasser.

Trügt der Anblick der Copacabana? (Foto: Astrid Götze-Happe/pixelio.de)

Trügt der Anblick der Copacabana? (Foto: Astrid Götze-Happe/pixelio.de)

Doch die Bilder der Guanabara-Bucht, dem Austragungsort der Segelwettkämpfe, zeigen exakt das Gegenteil: Die Bucht ist schon fast ein Tümpel voll von Bakterien, Viren und Müll. Zwar wurde bereits mit der Entsorgung der Abfälle begonnen, doch ist es weiterhin fraglich in wie weit das Problem bis zum Startschuss der Rennen beseitigt werden kann und ob die Keime nicht sogar krankheitsgefährdend für die Teilnehmer sein könnten.

Gefahr einer Zika-Pandemie?

Auch wenn das größte Risiko weiterhin für ungeborene Kinder besteht, kann der in Südamerika verbreitete Zika-Virus ebenso auf Sportler und Zuschauer übertragen werden.  Schwangere sollten unbedingt von einer Reise zu den Olympischen Spielen absehen. Ob durch die Besucher und Teilnehmer aus aller Welt nun eine Gefahr einer Pandemie bestünde, prüft die World Health Organisation (WHO) nun. Da bereits auf allen Kontinenten Fälle von Zika bekannt sind, geht man nicht davon aus, dass die Olympischen Spiele Hauptverursacher der schnellen Ausbreitung werden.

 Politische Aufruhre sorgen für Proteste

Nachdem zuerst die Präsidentin Dilma Rousseff aus ihrem Amt enthoben wurde und das Land nun von einer Übergangsregierung geleitet wird, werden die Proteste auf den Straßen des Landes nicht weniger. Korruption und böswilliges Absetzen der Amtsinhaberin werfen die Demonstranten den jetzigen Machthabern vor. Drei Prozent der Baugelder von Olympischen Sportstätten soll in die Taschen der Politiker geflossen sein, doch gerade diese Bauvorhaben erweisen sich als weiteres Problem.

Bauverzögerung bei Olympia-Velodrom

Die Austragungsstätte der Bahnradrennen ist wenige Wochen vor den Sommerspielen noch nicht fertig gestellt. Ähnlich sieht es beim U-Bahn-Netz aus, das das einfache Erreichen der Sportstätten für die Zuschauer ermöglichen soll. Und schließlich wurde diesen Montag der Bau des Beachvolleyballstadions an der Strandmeile Copacabana gestoppt. Eine fehlende Umweltgenehmigung ist die Ursache, die aber schnellst möglich eingeholt werden soll. Außerdem muss man sich dann auch mit den bereits vorhandenen Schäden eines zu hohen Wellenganges beschäftigen.

Auch für die Sportler ist es eine brisante Situation

Doch nicht nur Angst vor Krankheiten bestehen für die Sportler im südamerikanischen Land. Beispielsweise wurde das spanische Segel-Duo auf offener Straße überfallen, blieb jedoch unversehrt. So viel Glück hatte die brasilianische Sportschützin Anna Paula Cotta nicht. Ihr wurde bei einem Angriff in den Kopf geschossen, ihr Zustand sei weiterhin kritisch. Die Regierung reagiert auf die stark zunehmenden Angriffe auf Passanten und hat bereits alle zur Verfügung stehenden Soldaten für den Zeitraum der Sommerspiele geordert.

Austragung weiterhin fraglich

Noch gibt es keine offizielle Bestätigung, dass eine Absage der diesjährigen Spiele in Betracht gezogen wird. Doch wenn die WHO den Zika-Virus als zu großes gesundheitliches Risiko einstuft, Sportstätten weiterhin nicht fertiggestellt werden können und Rio zu gefährlich für Zuschauer und begeisterte Fans bleibt, muss ernsthaft über den Abbruch der Spiele nachgedacht werden.

Karneval der Kulturen – „Andere Länder, andere Sitten“

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Gehört für die Deutschen zum Karneval dazu: Konfetti, Luftschlangen, Verkleidungen und „Faschingskrapfen“ (Foto: Alexandra H./ pixelio.de)

Der Startschuss für die „jecke Zeit“ ist bereits am 11.11 um 11:11 Uhr gefallen und seitdem sind schon einige Prunk- und Kappensitzungen abgehalten worden. Das große „Finale“ der Karnevalszeit steht uns jedoch jetzt erst kurz bevor. Ein besonderes Highlight stellen dabei selbstverständlich die Rosenmontagszüge in den Fastnachtshochburgen Mainz und Köln dar, doch auch in anderen Teilen Deutschlands wird sich verkleidet, mit Kamellen geworfen und ausgelassen auf der Straße gefeiert. Doch während sich auch hierzulange die Bräuche teilweiße schon stark unterscheiden – so ist die in Köln traditionelle „Nubbelverbrennung“ am Karnevalsdienstag im Süden Deutschlands weitestgehend unbekannt – ist es noch interessanter, sich passend zur 5. Jahreszeit einmal den Karneval in anderen Kulturen anzuschauen. Klar, jeder hat schon einmal vom berühmten brasilianischen Karneval mit den farbenprächtigen Umzügen und seinen freizügigen Samba-Tänzerinnen und Tänzern gehört, doch wie sieht es aus mit den Traditionen in Russland, den USA oder unserem Nachbarn, der Schweiz?

Die „Butterwoche“ in Russland: Pfannkuchen, Volksmusik und sportliche Wettkämpfe

Karneval wird in Russland „Maslenitsa“ genannt, was so viel heißt wie „Butterwoche“. Und tatsächlich war es früher üblich, dass an diesen Tagen vorwiegend Nahrungsmittel aus Milch verzehrt wurden. Auch heute ist es noch üblich an Karneval heiße Pfannkuchen, traditionell mit Honig, Kaviar und Wodka, zu verzehren. Dabei wird zu russischer Volksmusik getanzt und sich in sportlichen Wettkämpfen gemessen, wie beispielsweise dem Hochklettern an Holzpfählen. Ähnlich wie die bereits angesprochene Nubbelverbrennung in Köln bildet auch in Russland das Anstecken der sogenannten „Maslenitsa-Puppe“ den Höhepunkt der Veranstaltung – sie soll den Winter vertreiben und das Frühjahr einläuten.

Bunte Paraden in New Orleans – Der „Mardi Gras“

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Ob „Mardi Gras“, Fasching oder Karneval: Gefeiert wird in der 5. Jahreszeit beinahe überall auf der Welt. (Foto: Timo Klostermeier/ pixelio.de)

Der Name „Mardi Gras“ für den Karneval in den USA kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt „fetter Dienstag“. Seinen Ursprung hat diese Bedeutung im Religiösen: Früher hat man kurz vor Beginn der Fastenzeit darauf geachtet, nochmals besonders fett- und reichhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen – die sogenannte „Woche der sieben fetten Tage“. Der letzte Tag vor Aschermittwoch war demnach der „Fette Dienstag“, also „Mardi Gras“. Inzwischen werden alle Veranstaltungen zwischen dem 11.11 und dem Aschermittwoch so bezeichnet – und besonders New Orleans ist für seinen ausgelassenen „Mardi Gras“ bekannt. Die Paraden, die um diese Zeit durch die Straßen ziehen, sind von unterschiedlichsten kulturellen und musikalischen Eindrücken geprägt und sind so vielfältig wie ihre Besucher. Traditionell werden statt Süßigkeiten Perlenketten und Münzen aus Plastik von den Wägen geworfen. Gegessen wird der „Königskuchen“ (King Cake), angereicht mit Kaffee, Zimt, Beeren und Sahne – häufig eingefärbt in den Farben des „Mardi Gras“: violett, grün und gold.

Ein Umzug vor Sonnenaufgang – der düstere Karneval in Basel

Während sich der Karneval in den meisten Teilen der Welt tagsüber mit lauter Musik und bunten Kostümen abspielt, bildet in Basel der sogenannte „Morgestraich“ den Auftakt der Karnevalszeit – und das nicht nur am Montag nach Aschermittwoch, sondern auch um vier Uhr morgens! Zu diesem Zeitpunkt wird in der ganzen Stadt die Straßenbeleuchtung abgestellt, das einzige Licht kommt noch von den Laternen der sogenannten „Fastnachtscliquen“. Diese Gruppen von maskierten Pfeifern und Trommlern ziehen dann durch die Straßen von Basel und sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Das Spektakel geht 72 Stunden, innnerhalb derer die meisten Kneipen und Wirtschaften durchgehend geöffnet haben. Dort wird gefeiert und traditionelle Fastnachtsspeisen, wie zum Beispiel Mehlsuppe oder „Käsewähe“ (Käsekuchen) gegessen.

…. Und noch ein Tipp zum Schluss:

Wie man sieht, gibt es die unterschiedlichsten Wege und Traditionen, wie man Karneval verbringen kann, doch eines ist fast überall gleich: Die Menschen kommen zusammen, um ausgelassen zu feiern und das Leben zu genießen. Solltet ihr Lust bekommen haben, auch innerhalb Deutschlands mal ein Fest der etwas anderen Art zu feiern, würde ich den „Karneval der Kulturen“ in Berlin empfehlen – auch hier treffen die unterschiedlichsten Musik- und Lebensstile zusammen, um eine einzigartig vielfältige Parade zusammen zu stellen.

Danke Miro!

Sein Markenzeichen wird Miroslav Klose für alle Zeit begleiten: Der Salto. Der Fußball-Weltmeister macht nach 137 Länderspielen und beeindruckenden 71 Toren Schluss im Nationaltrikot. Er wird, ebenso wie Kapitän Philipp Lahm, nicht mehr für Deutschland auflaufen.

Im Gegensatz zum DFB-Rücktritt des erst 30 Jahre alten Münchners Lahm, kam Kloses Abschied nicht unerwartet. Bei dem mittlerweile 36-jährigen Torjäger zeichnete sich schon seit längerer Zeit ein Karriereende auf internationaler Bühne ab. Ganz sicher konnte man sich bei dem gebürtigen Polen aber nie sein. Der Grund: Der Mittelstürmer profitiert in seinem fortgeschrittenen Alter immer noch von seiner unglaublichen Fitness und Verlässlichkeit. Ein Kämpfer, der nur sehr, sehr langsam müde wird. Das sieht auch Bundestrainer Joachim Löw so, der sich auf der Homepage des Deutschen Fußballbundes (DFB) zitieren lässt: „Auf Miro Klose ist und war immer Verlass, sein Wort gilt. Das war auch bei der WM in Brasilien so, ich wusste, Miro wird topfit sein, wenn es darauf ankommt.“ Danke Miro!

Mit seinen zwei Turniertoren am Zuckerhut war er mit insgesamt 16 Treffern zum WM-Rekordtorschützen aufgestiegen. Der Brasilianer Ronaldo hat mit 15 Toren das Nachsehen. Somit tritt Klose auf dem Höhepunkt seiner Karriere ab. Nach Platz zwei in Japan und Südkorea 2002, sowie den dritten Rängen bei den Titelkämpfen 2006 und 2010, ist ihm bei der Weltmeisterschaft in Brasilien endlich der große Wurf gelungen. Mit dem WM-Titel setzte sich einer der größten Stürmer in der Geschichte des nationalen und internationalen Fußballs die Krone auf und beglückte gleichzeitig eine ganze Nation. Danke Miro!

Nun ist also Schluss – gut 13 Jahre nach seinem ersten Spiel für die deutsche Nationalmannschaft hängt Klose die Länderspielschuhe an den berühmt berüchtigten Nagel. Noch eine Saison bei seinem italienischen Verein Lazio Rom und das war’s dann. Entdeckt wurde der im pfälzischen Kusel aufgewachsene und bei Blaubach-Diedelkopf fußballspielende Klose von keinem geringeren als Otto Rehagel. Jene Trainerlegende zog ihn von den damaligen Amateuren des 1. FC Kaiserslautern zu den Profis und formte ihn zum Nationalspieler. Sein erstes Länderspiel bestritt er beim 2:1-Sieg gegen Albanien in Leverkusen (24. März 2001). Und der just in der 72. Minute eingewechselte, damalige Lauterer erzielte den Siegtreffer – natürlich mit dem Kopf. Typisch Klose: Nach einer Hereingabe flog der Ball etwa auf Grasnabenhöhe auf den am langen Pfosten lauernden Klose zu. Statt das Spielgerät mit dem Fuß über die Linie zu schieben, ging der damals 22-Jährige auf die Knie und drückte den Ball mit dem Kopf ins Tor. Ein besonderer Treffer für einen besonderen Spieler, und doch eben so typisch Miroslav Klose. Danke Miro!

Dass der Torjäger aber nicht nur für seine Besonderheiten auf, sondern auch neben dem Platz übermäßig geschätzt wird, spürt man in jeder Ecke der Bundesrepublik. So passen die Worte, die Löw zum Rücktritt Kloses gewählt hat, wohl am besten: „Seine fußballerischen Qualitäten wie seine Kopfballstärke, seine Strafraumpräsenz, sein Spielverständnis und sein nimmermüder Einsatz suchen weltweit ihresgleichen. Und dennoch habe ich bislang kaum einen Spieler erlebt, der mehr für Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Professionalität, Verlässlichkeit und Teamgeist steht.“ Danke Miro!

Mit seinem Jubel-Salto wurde er bei der Weltmeisterschaft 2002 auf dem ganzen Globus bekannt. Einen solchen versuchte er auch noch einmal nach seinem wichtigen Ausgleichstreffer zum 2:2 im diesjährigen WM-Gruppenspiel gegen Ghana. Es wird sein letzter im deutschen Trikot bleiben. Welch Sinnbild, das dieser für den alternden Klose etwas missglückte. Nicht nur wegen seiner zahlreichen Saltos reißt der klassische Mittelstürmer, wie es sonst kaum noch einen auf der Welt gibt, eine riesige Lücke. Danke Miro!

Weitere Reaktionen zu Kloses Rücktritt:

Oliver Bierhoff (Nationalmannschafts-Manager): „Es ist eine merkwürdige Vorstellung, dass Miro künftig nicht mehr bei der Nationalmannschaft sein wird. Mit seiner Einstellung, mit seinem Einsatz, mit seinem Charakter und seinen sportlichen Qualitäten war und ist Miro auf und neben dem Platz ein Musterprofi und ein Vorbild an Professionalität und Menschlichkeit.“

Mario Götze (Nationalmannschaftskollege): „Danke Miro! Deine Zahlen sprechen für sich, aber als Typ bist du noch bemerkenswerter! Danke!“

Lukas Podolski (Nationalmannschaftskollege): „Respekt Miro und danke für die tollen Jahre. Du hast deinen Platz in der Liste der Legenden. Vor dir kann man nur den Hut ziehen.“

Mesut Özil (Nationalmannschaftskollege): „Danke für deine Tore, Miro. Du bist schon jetzt eine Legende!

Das Italienspiel mit Biss – Was von der WM hängen geblieben ist

Fast jeder hierzu Lande hat die Fußballweltmeisterschaft verfolgt und viele auch die Berichterstattung, die ARD, ZDF und viele anderen Programme anlässlich der Weltmeisterschaft ausstrahlten. Eine Frage nach der WM ist sicherlich, welche Entwicklungen sich in Brasilien jetzt vollziehen werden. Eine andere ist, was uns in Deutschland noch über den Sieg der deutschen Nationalmannschaft hinaus in Erinnerung geblieben ist. Face2Face hat sich dafür einmal für euch umgehört.

„Korruption, Unnötige Stadien, Veruntreuung von Geldern, Proteste der Bevölkerung, Indigene Völker werden vertrieben….“, das alles hat Deniza Haxhijaj (24) neben den Fußballspielen von Brasilien erfahren. Alles negative Begleiterscheinungen der WM oder Kritikunkte, die schon vorher in Brasilien existierten, aber von den Medien anlässlich der Weltmeisterschaft in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt wurden. Nach Brasilien hinreisen würde Deniza trotzdem gerne einmal. Auch viele „brasilianische“ Produkte, die neu auf den Markt kamen (zum Beispiel Chips „Brasilien-Style)“ sind ihr in Erinnerung geblieben.

Nicht nur zur WM beliebt: Amerikanisches Essen (Foto: Neufeldt)

Nicht nur zur WM beliebt: Amerikanisches Essen (Foto: Neufeldt)

Patrik Walker (24) hat sich beim Essen eher an Ländern orientiert, die Gegner der deutschen Nationalmannschaft waren. So gab es bei ihm beim Frankreich und USA-Spiel landestypische Gerichte: „Die amerikanischen Burger waren toll (deutlich besser als die diverser Fast-Food-Ketten), die französische Zwiebelsuppe scheint nicht so gut angekommen zu sein, vermutlich habe ich zu viel Weißwein genommen und nicht alle notwendigen Gewürze waren verfügbar.“, berichtet Patrik. „ Ich würde beides wieder kochen, allein schon weil ich gerne mit Rezepten experimentiere.“, fügt der Vierundzwanzigjährige an. Nach Brasilien reisen würde er auch einmal gerne, allerdings existieren da noch einige Länder, die weiter oben auf seiner Liste stehen.

Gedanken darüber, ob die Unruhen während der Weltmeisterschaft ein Grund für ihn sind, nicht nach Brasilien zu reisen, hat sich auch Tim Schuhmacher (23) gemacht. Zum Ergebnis gekommen ist er, dass ihn das nicht abschreckt und dass er auch größtenteils gut den Unmut der Brasilianer nachvollziehen kann, über horrende Summen, die in den Stadienbau seitens der Regierung und FIFA investiert wurden. Ansonsten hat Tim sein Auto zwar selber nicht mit Deutschlandfahnen für die WM geschmückt, aber ihm ist aufgefallen, dass immer noch Leute 3 Wochen nach dem Ende der Weltmeisterschaft beflaggt herumfahren.

Immer noch da? Fanüberbleibsel von der WM (Foto: Homolka)

Immer noch da? Fanüberbleibsel von der WM (Foto: Homolka)

Einer von diesen Leuten könnte Sebastian Lauer (28) sein, denn sein Toyota fährt noch immer in voller Montur durch die Gegend und wird es wahrscheinlich noch eine ganze Zeit: „Eine Spielerin aus meiner Volleyballmannschaft hat gesagt, ich muss das jetzt vier weitere Jahre dran lassen – vorausgesetzt mein Auto hält noch so lange“, spekuliert Sebastian. Auch die schwarz-rot- goldene Christus Statue in Sao Paulo ist ihm eindrucksvoll in Erinnerung geblieben. Dorthin zu reisen könnte er sich ebenfalls vorstellen, allerdings müsste dazu noch ein geeigneter Sponsor gefunden werden.

Nicht nur bemalt hat sich Katharina Homolka (54) für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft, auch Gerichte in schwarz-rot-gold wurden serviert: „Brombeeren, Erdbeeren und Ananas sowie die Gemüsevariante: Schwarze Oliven, Tomate und Käse“, gab es und als besonderes Highlight: „Gebackene Trikots, mit grünem Zuckerguss gefärbt und in Schokolade die Nummer 1 auf dem Rücken.“ Hängen geblieben ist Katharina vor allem „Die Anfangsspiele, in denen die Favoriten verloren haben, das Italienspiel mit Biss, die Deutschlandspiele. Und von Brasilien schöne Bilder vom Strand in Rio, aber auch die Demos der Menschen aus den Favelas.“

Es bleibt also insgesamt ein gemischtes Bild von der Fußballweltmeisterschaft und Austragungsort in unseren Köpfen. Mit durchaus nachdenklichen Aspekten, einer großen Fankultur, vielen neu entdeckten Speisen und vielleicht dem Ein oder Anderem, der bald einmal nach Brasilien reisen wird.

Vorschau: Am Dienstag, 19. August geht es weiter in der Reiserubrik mit einem Beitrag über Cinque Terre.

Und dann kam Götze

AUS, AUS, AUS – DEUTSCHLAND ist WELTMEISTER! Mit dem 1:0-Finalsieg über Argentinien sicherte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den vierten Weltmeistertitel in ihrer Geschichte. Face2Face fasst für euch alle wichtigen sportlichen Ereignisse, Fakten und Geschichten der vergangenen 32 Tage zusammen. 

BEZWINGER DES KONTINENTS: Das wichtigste Faktum zuerst: Mit dem Erringen des vierten Weltmeistertitels ist Deutschland das erste europäische Land überhaupt, das einen Fußballtriumph auf dem amerikanischen Kontinent feiern konnte. 

FANS: Was für eine Stimmung, was für ein Fest! In vollen Stadien machten die Fans aus Südamerika die WM zu einem einmaligen Erlebnis. Die Straßen von Rio bis Sao Paulo waren stimmgewaltig, schrill und farbenfroh. Da machten auch die Gäste aus Europa gerne mit. 

JAMES: Vor der Weltmeisterschaft nur wirklichen Insidern ein Begriff, kennt den jungen Mann aus Kolumbien mittlerweile die ganze Fußball-Welt. Atemberaubend sein Tor gegen Uruguay, bei dem er den Ball zunächst mit der Brust annahm, um ihn dann aus der Drehung unter der Latte zu versenken. 

TRETER: Weniger erfreulich waren dagegen die Großzahl an Fouls, die alle Zuschauer im Stadion und vor dem Fernseher miterleben mussten. Ausgerechnet im künstlerischen Brasilien feierten die Klopper und Meister der Blutgrätsche ihr Comeback. „Höhepunkt“ der Treterei war das Viertelfinalspiel zwischen Brasilien und Kolumbien. In diesem wurden insgesamt 54 (!) Fouls gezählt, aber nur vier Verwarnungen in Form einer Karte verteilt. Prominentestes Opfer: Neymar, der sich nach einem brutalen und nicht geahndeten Foul von Zuniga einen Wirbelbruch zugezogen hatte. 

TORLINIENTECHNIK & SCHAUM : Drin oder nicht drin? Das ist beim Fußball eine oft gestellte Frage. Auch wenn die neue Technik nur beim Spiel zwischen Frankreich und Honduras wirklich auf dem Prüfstand stand – sie hat ihre Reifeprüfung bestanden. Genauso wie das viel diskutierte und parodierte neue Schiedsrichterutensil – der Freistoßschaum. 

KEINE HYMNE: Stichwort Frankreich gegen Honduras. In der Gruppenbegegnung hatte die Stadionregie scheinbar so große Tonprobleme, dass die jeweilige Hymne der beiden Länder erst gar nicht abgespielt wurde. Frankreich kam auch ohne „Warmsingen“ zurecht und entschied die Begegnung letztlich mit 3:0 für sich. 

SUAREZ:  Ups I did it again. Der Uruguayer Luis Suarez hat es schon wieder getan. Der Ex-Liverpoolspieler und jetzige Akteur des FC Barcelona biss sich bei der WM regelrecht in seinen Gegenspieler Giorgi Chiellini fest. Nicht seine erste Beisattacke: Bereits in der Vergangenheit ist der Stürmer bei seinen Clubs durch Bisse gegen seine Gegenspieler aufgefallen. Die Strafe folgte auf dem Fuß. Vier Monate Sperre bekam er für seine Bissfestigkeit aufgebrummt.

TRIKOTTAUSCH: Nicht schön, aber selten. In der Vorrundenpartie zwischen Kroatien und Kamerun legten der Kroate Ivan Rakitic und Kameruns M’Bia einen Trikottausch der anderen Sorte hin: Da bereits alle Leibchen vergriffen waren, tauschten die beiden ehemaligen Kollegen des FC Sevilla einfach ihre Hosen. 

Noch etwas nackt auf der Brust: Das Deutschland-Trikot mit (nur) drei Sternen (FOTO: Privat)

Noch etwas nackt auf der Brust: Das Deutschland-Trikot mit (nur) drei Sternen (FOTO: Privat)

MANU DER LIBERO: Manuel Neuer hat bei der abgelaufenen Weltmeisterschaft abermals unterstrichen, dass er momentan der beste Torwart der Welt ist. Und das nicht nur, weil er wie kein anderer Bälle halten kann, sondern auch, weil er als Spieler auf dem Feld eine ordentliche Rolle spielen würde. In der Achtelfinalpartie gegen Algerien hat Neuer das eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als er nicht nur einmal den Ball vor einem heranstürmenden Algerier klärte. „Manu der Libero“ beherrschte danach die Schlagzeilen in der ganzen Republik. Der „Goldene Handschuh“ für den besten Torwarts des Turniers war die logische Konsequenz. 

ASIEN: Null Siege, kein Team in der K.o.-Runde. Asien ist der Verlierer-Kontinent des Turniers. Wer geglaubt hatte, Klima und Spielstil würden Mannschaften wir Südkorea und Japan entgegenkommen, irrte sich gewaltig. 

THOMAS MÜLLER: Was wäre die WM aus deutscher Sicht ohne die Tor- und Spaßkanone Thomas Müller. Dass der 25-Jährige nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb fast immer die richtigen Töne trifft, zeigten nicht zuletzt seine locker leichten und damit sympathischen Interviews. Beispiel gefällig? Auf die Frage einer kolumbianischen Journalisten nach der entgangenen Torjägerkanone antwortete er lautstark in bayrischem Dialekt: „Des interessiert mi ois ned, der Scheißdregg, Weltmeister samma – den Pott hamma. Den Scheißdregg „Goidna Schua“ konnst da hinda d’Ohrn schmiern.“ Kollege Bastian Schweinsteiger neben ihm lachte sich halb tot. 

GOLDENER BALL: Mit dem goldenen Ball wird der beste Spieler der Weltmeisterschaft ausgezeichnet. Bei diesem Turnier wurde das begehrte Objekt an Argentiniens Lionel Messi übergeben. Ein schwacher Trostpreis für den niedergeschlagenen Wunderknaben. Besonders bitter: Die Ehrung war keineswegs unumstritten. Der „Floh“, wie er von seinen Teamkollegen liebevoll gerufen wird, hat seine Mannschaft zwar mit vier geschossen Toren alleine durch die Vorrunde getragen, danach kam von Messi aber bis auf eine Vorlage nichts mehr Zählbares heraus. Selbst Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona übte Kritik an der Übergabe: „Er wurde mit etwas ausgezeichnet, was er nicht verdient hatte“, zürnte er. 

SALTO KLOSE: Mit seinen nun 16-WM-Toren ist Miroslav Klose endgültig im Fußball-Olymp angekommen. Auch wenn sein jahrelanges Jubelmarkenzeichen, der Salto, bei seinem 15. Treffer gegen Ghana etwas daneben ging, seinen Triumph nimmt ihn keiner mehr. Übrigens: Mit 24 Einsätzen hat Klose nach Lothar Matthäus (25) die meisten WM-Spiele aller deutschen Nationalspieler vorzuweisen. 

113. MINUTE: Und dann kam Götze. Eine Zahl, die einigen Fußballfans wohl noch lange mit der siegbringenden Aktion gegen Argentinien in Erinnerung bleiben wird. Ein Schuss für die Ewigkeit, ein Schuss, der dem Deutschen Fußballbund (DFB) den vierten Stern brachte. Und knapp sieben Minuten später wurde die Partie abgepfiffen: Aus, aus, aus – Deutschland ist Weltmeister.

Die Weltmeisterschaftsverblendung

KOMMENTAR: Ein ganzes Land ist im Ausnahmezustand: die Fußball-Weltmeisterschaft findet dieses Jahr in Brasilien – auf dem Rücken der Einheimischen – statt, die sich von ihrer Regierung verkauft fühlen. Bereits im Vorfeld der Spiele kam es deshalb zu Massenprotesten. Es muss die Frage gestellt werden, wie viel eine solche Weltmeisterschaft „im eigenen Land“ der Bevölkerung und wie viel sie eigentlich den Investoren einbringt. Viel wird aus dem zerrütteten Land berichtet – auch kritische Stimmen dringen an die Öffentlichkeit. Dennoch wird für den Zeitraum von knapp einem Monat bis zum Finalspiel die rosarote Fußballbrille aufgesetzt und jegliche national- oder globalpolitische Entwicklung weggelächelt. Während sich die ISIS-Front zu einer Armee entwickelt und Teile des Nahen Ostens unter seine Kontrolle bringt, wird in derselben Woche ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen und China ringt mit seinen Anrainerstaaten um Territorialhoheit. Die vorhandenen Konflikte schwelen weiter an, so dass das Fass überzulaufen droht – aber nicht, während alle friedlich im Fußball vereint zu sein scheinen. So lange muss der Krieg warten: Er wird zwar nicht real ausgesetzt, aber aus den Köpfen getilgt.

Beinahe die ganze Nacht hindurch kann der geneigte Fußballfan sich die technisch-aufgerüsteten – etwa durch die langerwertete Torlinientechnik optimierten – Weltmeisterschaftsspiele verfolgen – denn schließlich wird bei jedem Spiel Geschichte geschrieben: „Das früheste Tor dieser WM schießt…“, „der höchste Spielausgang dieser WM“ und andere Fakten werden jedes Mal aufs Neue generiert. Die Statistiken werden also mit neuem Material gespeist, während das Weltgeschehen im Abseits steht, in der Tagesschau beinahe schon grotesk vermischt: Gibt es Krieg zwischen Israel und den Palästinensern, denen die Entführung dreier Jugendlicher angelastet wird? Seit Tagen sucht ein enormes Militäraufgebot nach den Jungen. Es wurden bereits 80 Verdächtige festgenommen, während der Hass weiter geschürt wird. Der nächste Beitrag beschäftigt sich dann – wie zu erwarten war – mit dem Spielausgang oder –Zwischenstand. Diese Ambivalenzen zu ordnen erscheint angesichts der Informationsflut beinahe unmöglich. Balotelli schießt ein Tor für Italien, Christiano Ronaldo hat Kniebeschwerden, die deutsche Nationalelf trainiert fleißig – der Stolz der Nationen trifft sich auf dem Rasen, der dieser Tage die Welt bedeutet. So viel, dass alles neben dieser Fußball-Weltmeisterschaft zu einer Kleinigkeit verkommt.

Nichts regt sich hierzulande, abgesehen von dem Höhlenforscher, der gerade den WM-Auftakt aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas im Riesending-Schacht des Unterbergs.

Zwischen Wahn und Sinn: die Weltmeisterschaft

Der Ball ist rund - An Weisheit mangelt es den Fußballwahnsinnigen nie, schon gar nicht zur Weltmeisterschaft (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Der Ball ist rund – An Weisheit mangelt es den Fußballwahnsinnigen nie, schon gar nicht zur Weltmeisterschaft (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Oh weh! Wir sind alle hoffnungslos verloren. In den nächsten Wochen werden Züge zu spät kommen, Schulstunden werden ausfallen und das Grillfleisch im Supermarkt zur hochgesuchten Mangelware. Die WM steht vor der Tür. Und mir ihr kommen Autokorsos, die Tote wecken könnten, brasilianische Schokoriegel und ein Farbenmeer aus Schwarz-Rot-Gold. Wahnsinnig, wahnsinnig sind wir alle und am wahnsinnigsten sind die, die meinen, unbeteiligt davon zu kommen.
Auf meinem Esstisch türmen sich die Fußball-WM-Sammelkarten, meine Tochter mischt sie jeden Tag, wirft sie durch die Luft und tunkt sie in ihre Essen, wenn sie satt ist. Meine Tochter ist eins und, ohne es zu wissen, schon Teil des grassierenden WM-Fiebers. Auch den Spielplan, den ich mir im Wohnzimmer vorsorglich zurecht gelegt habe, zerpflückt sie regelmäßig und ich falte ihn artig wieder zusammen. Ja, ich bin es, die meine Familie mit den Namen der Spieler und den Terminen der Spiele vertraut macht, immerhin will ich auch diesmal wieder einen lyrischen Kommentar zu den deutschen Spielen auf meiner Facebookseite bieten. Doch ich fiebere auch wirklich mit, wenn Klose aufs Tor zustürmt, Schweinsteiger die Vorlage liefert und Neuer hinten die Schussrichtungen der Gegner vorhersagen kann.
Schuld daran ist mein Vater, dessen „Tor“-Rufe mich schon als Kind nachts aus dem Schlaf gerissen haben. Mein Mann dagegen lächelt gütig, wenn ich rechtzeitig zum Startschuss vor dem Fernseher sitzen will. Er zuckt mit den Schultern. Fußball, na und? Schön finde ich das, denn wie die meisten Pseudo-Fußball-Verrückten sind mir Bundesligaspiele ziemlich egal. Den leichten Patriotismus von Weltmeisterschafts-Länderspielen aber, finde ich gut und gesund. Immerhin hat sich vor der WM in Deutschland 2006 kaum jemand getraut, eine deutsche Fahne in seinem Garten zu hissen. Heute schmückt das gute Stück Autospiegel, Hauswände und Wangen.

Ausstaffiert? Die Wochen der Weltmeisterschaft dominieren die Aussicht in Deutschland (©Timo Klostermeier / pixelio.de)

Ausstaffiert? Die Wochen der Weltmeisterschaft dominieren die Aussicht in Deutschland (©Timo Klostermeier / pixelio.de)

Wie immer treiben wir Deutsche es bunt, bunter, am buntesten. Das Gastgeberland Brasilien bietet für den „normalen“ Deutschen, für den das Internet Neuland ist und Snowden so ein komischer Amerikaner, genug Fernländisches und Exotisches, um mit dem Vuvuzelawahn der WM in Südafrika mithalten zu können. Wann immer es um die anstehende WM geht, sehen wir halbnackte Tänzerinnen, bekommen geschärftes Grillfleisch und mit exotischen Früchten versehene Schokolade vorgesetzt. Als wären ballrunde Mini-Würstchen und Schokolinsen in den Farben der Deutschlandfahne nicht schon ein Wink mit dem Zaunpfahl. Mensch, Leute, es ist WM. Habt ihr wirklich gedacht, ihr kommt drum rum?
Mal ehrlich. Wer glaubt schon daran, die Ergebnisse des Turniers nicht brühwarm von Arbeitskollegen, Kommilitonen, dem Nachbarn am Gartenzaun oder der Autokarawane, die hupend durch die Straßen fährt, mitgeteilt zu bekommen. Froh sein kann, wessen Nachbar vom letzten Feuerwerk nicht noch ein paar Knaller aufgehoben hat, um eventuellen Torschüssen zu huldigen. Und all denen, die jetzt schon sagen, sie wollen nicht, aber auch gar nichts von der WM zu hören bekommen, rate ich sämtliche Nachrichtenplattformen und soziale Netzwerke in den nächsten Wochen zu meiden. Am besten ihr versteckt euch mit einer „Nichts-sehen-nichts-hören“-Brille im Bett und wartet, bis die Welt das WM-Fieber ausgeschwitzt hat.

Öffentliches Zusehen? Eintauchen in das Meer von Zuschauern zur Weltmeisterschaft(©Steffen Kowalski/ pixelio.de)

Öffentliches Zusehen? Eintauchen in das Meer von Zuschauern zur Weltmeisterschaft (©Steffen Kowalski/ pixelio.de)

Nein, schön ist das nicht mehr. Öffentliches Fußballgucken kann aber auch amüsant sein. Die Bilder aus den Nachrichten, wenn tausende Menschen mit offenen Mäulern auf die Leinwandstarren, gemeinsam die Arme nach oben werfen oder sie enttäuscht wieder fallen lassen zeigen: wir sind Hühner auf der Stange, Lemminge auf den Weg in den Abgrund. Die Diskussionen um den Austragungsort Brasilien sind nicht vom Tisch, aber doch weit im Hintergrund. Und mal ehrlich, das ist nicht in Ordnung, das ist Mist, es ist weder fair noch gerecht, was in Brasilien vor sich geht. Die unwürdigen Baubedingungen der WM-Stadien sind bereits vergessen, die Proteste gegen miese Bezahlung und miese Behandlung sind Bilder von Menschen, die das Medienaufgebot auszunutzen scheinen. Pustekuchen. Die Brasilianer protestieren immerhin nicht erst seit gestern. Und von unserem hohen Ross einer Nation, die gerade den Mindestlohn einführt, ist schnell ein mitleidiger Blick in Richtung Südamerika geworfen.
Ein bitterer Nachgeschmack, den die Weltmeisterschaft uns bietet. Und doch ist es mit ihm, wie mit der WM selbst. Wir können nicht nicht darauf reagieren, denn selbst die, die die Proteste eiskalt ignorieren zeigen nur ihre Ignoranz. Wir sind Wahnsinnige, Fußballwahnsinnige, die bereit sind, wegzuschauen, um hinschauen zu können. Mit Würstchen in Ballformat und kleinen Gummi-Fahnen als Nascherei. Wer gewinnt, wollt ihr jetzt noch wissen? Auf keinen Fall die brasilianische Bevölkerung, die diversen Anbieter der WM-tauglichen Produktpaletten auf jeden Fall, und der Wahnsinn sowieso. Denn eines wissen wir alle: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Vorschau: Nächste Woche erklärt Sascha euch hier, warum manche Sportler trotz Doping-Verstößen noch Vorbilder für ihn sind.

Der vorweltmeisterschaftliche Kulturcheck – Zahlen, Fakten und Besonderheiten des Gastgeberlandes Brasilien

Die unzähligen Deutschland- Fan-Artikel, die bereits seit einigen Wochen die Regale der Supermärkte füllen und von Trikots über Hüte, Fahnen und Hawaiketten bis hin zu schwarz-rot-goldenen Cola-Krachern, reichen, deuten es schon überdeutlich an: Am Donnerstag, den 12.Juni 2014 ist es nach fast genau vier Jahren wieder soweit: Die 20. Fußball-Weltmeisterschaft der Männer steht bevor. Dort kämpfen 32 Mannschaften in insgesamt 64 Spielen um den ehrenvollen Titel. Das diesjährige Gastgeberland ist Brasilien – Face2Face hat sich den Austräger des Fußball-Spektakel einmal genauer angeschaut und euch die wichtigsten Zahlen, Fakten und die ein oder andere Besonderheit  von Brasilien zusammen gestellt. So seid ihr passend zum Anpfiff bestens über den Gastgeber informiert.

Die Föderative Republik Brasilien, so der offizielle Name des Landes, liegt in Südamerika und ist mit circa 195 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat des Kontinents. In dem ungefähr 8.5000.000 km² großen Land vereinen sich zahlreiche Naturwunder, wie beispielsweise die Iguacu-Wasserfälle, der Amazonasstrom oder der riesige Regenwald. Ist von der großartigen Tier- und Pflanzenwelt Brasiliens die Rede, kommen Besucher meist nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. „Eine unglaubliche Blütenpracht, die Vielzahl der Tiere, die dort leben und das Wunder des Regenwalds haben mich sehr fasziniert. Man muss das mal mit eigenen Augen gesehen haben, um zu begreifen, wovon ich spreche“, berichtet beispielsweise eine zufriedene Rucksack-Touristin, die ein halbes Jahr in Brasilien verbracht hat, über die artenreichste Fauna der Welt.

Weiterhin sehenswert sind neben der unbelassenen Natur selbstverständlich auch die Städte der Republik. Neben Salvador, Belém , Sao Paulo und der in den 1960er Jahren von dem Architekten Oscar Niemeyer neu errichteten Hauptstadt Brasilia läd selbstverständlich besonders Rio de Janeiro zu einem Besuch des Zuckerhuts oder den Corcovado mit der 30 Meter hohen Christus-Figur ein.

Ein absolutes Highlight ist hier selbstverständlich der weltberühmt- und ebenso berüchtigte- Karneval! Ist man zur Faschings-Zeit im Land, sollte man sich dieses einzigartige Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen und bestaunen, wie die berühmtesten Samba-Schulen des Landes mit prunkvollen Kostümen, Wagen und ebenso eindrucksvollen Tanzeinlagen und Show-Darbietungen zeigen, was sie können.

Nirgends lässt sich die Lebensfreude der Brasilianer deutlicher zeigen als am Beispiel des Karnevals. Musik und Tanz gehört für sie zum Leben einfach dazu. Samba, Lambada, Bossa-Nova, und Pagode sind nur eine der wenigen Tänze, die in dem südamerikanischen Land mit den heißen Rythmen entstanden sind. Man könnte sagen, das Tanzen und Singen liegt den Brasilianern im Blut und sie verstehen, wie man das Leben genießt. Außerdem ist das brasilianische Volk aufgrund der verschiedenen kulturellen Strömungen von indianischer, afrikanischer und japanischer Richtung aufregend vielfältig und aufgeschlossen.

Der Face2Face-Kulturcheck zeigt also: Brasilien hat auch außerhalb der Stadien einiges zu bieten und mit ihrer fröhlichen, lebensfreudigen Art begrüßen die Brasilianer die 32 Anwärter auf den Titel gerne in ihrem Land. Die Weltmeisterschaft kann also kommen!

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier etwas über die Reihe „Theater der Welt“ in Mannheim und das „Hotel Shabby Shabby“

 

Frankfurter Buchmesse 2013

Der Deutsche Buchpreis wird Ende Oktober verliehen – in jedem Jahr ist dies auch der Zeitraum, in dem die Frankfurter Buchmesse stattfindet. Für Erstbesucher ist dieses Event trotz intensiver Vorbereitung, was man denn unbedingt ansehen möchte, eine Wucht.

Unzählige Verlage stellen ihre Werke vor, es gibt Live-Talks mit Literaturkritikern und Autoren, Poetry Slams, Vorlesungen, Führungen … Die Planung? Wird bei diesem riesigen Angebot schnell über den Haufen geworfen. Bei dem vorherrschenden Überangebot bräuchte man mindestens drei Tage, um sich alles komplett mit der Aufmerksamkeit, die die Aussteller und Autoren verdient hätten, anzuschauen.

Die Messe ist nach Hallen aufgeteilt. Diese wiederum in Stockwerke. Aufgrund von Zeitmangel war es mir leider nicht möglich, jede Halle zu besuchen. In Halle 4.1 hatten viele unabhängige Verlage die Möglichkeit, die Werke ihrer Autoren auszustellen. Die meisten dieser Kleinverlage hatten sich auf bestimmte Themengebiete spezialisiert. So fanden sich zum Beispiel bei einem Verlag nur Bücher von weiblichen Autoren, die über Frauengeschichten schrieben. Andere Verlage wiederum boten Bildbände von außergewöhnlichen Tattoos an, auch zu sehen waren rein wissenschaftliche Verlage, die sich mit der deutschen Geschichte befassten.

Außerdem gab es wie im letzten Jahr einige Ausstellungsstücke aus dem Gutenberg-Museum aus Mainz zu bestaunen. Ein in mittelalterlicher Kluft gekleideter Herr erklärte die Funktion einer Buchpresse, außerdem hatte man die Möglichkeit, mit Farbrollen selbst etwas herzustellen.

In Halle 4.0 präsentierten viele verschiedene Hersteller ihre E-Reader-Modelle. Die Prognose einer Besucherin am Stand von Sony war jedoch: „Ich glaube, diese E-Reader werden gebundene Bücher niemals komplett ablösen. Dieses Gefühl, ein neues Buch zum ersten Mal in die Hand zu nehmen, die Seiten durchzublättern und den Geruch von Abenteuern zu riechen, ist nicht zu vergleichen.“ Außerdem gab es in dieser Halle vor allem die Möglichkeit, den Verlagshandel voran zu treiben. Viele Anbieter stellten ihre Autorenprogramme vor.

Die beliebteste Halle war wohl Nummer 3.0. Hier stellten die meisten Großverlage ihre aktuell veröffentlichten Werke vor. Heyne, Carlsen, Fischer, Langenscheidt und viele mehr, vor allem Kinder- und Jugendbücher wurden hier gezeigt. Auch verschiedene Comic-Verlage präsentierten Neuausgaben.

Das Gastland der diesjährigen Buchmesse war Brasilien. In einigen Lesungen wurde über die aktuelle politische Situation in Brasilien gesprochen. Ein besonderes Highlight waren fast 30 aufgespannte Hängematten, auf denen die Besucher die Möglichkeit hatten, sich kurz zu entspannen und dabei brasilianische Volkslieder über Kopfhörer zu hören, die parallel auf einem Monitor übersetzt wurden.

Das Fazit am Ende des Messetages: schmerzende Füße, eine Tasche voller Give-Aways – und der Vorsatz, in nächster Zeit viel zu viele Bücher zu kaufen.

Vorschau: Nächste Woche erscheint eine Buchrezension zur Neuerscheinung „Der Klub der Ungeliebten“

MEINE MEINUNG ÜBER…

Die Proteste beim Confederations Cup. Sie kamen genauso heftig wie unerwartet: Die – zum Teil- mit Gewalt belasteten sozialen Proteste. Die Empörung war groß: Während das Geld für Bildung und Gesundheitssystem an allen Ecken und Enden fehlt, wird die kommende Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zur teuersten der Geschichte. Die FIFA, die Korruption im eigenen Land, die überteuerten Stadien und Ticketpreise. Das war und ist den Einwohnern Brasiliens ein großer Dorn im Auge. 

Diese Demos rund um die brasilianischen Arenen sollten die Sportfunktionäre des gesamten Globus als ernsthaften Warnschuss ansehen. Die meisten Menschen haben längst durchschaut, dass Fußball-WM und Olympische Spiele primär nur noch ausgerichtet werden, um die Taschen von FIFA und IOC ordentlich mit Geld zu füllen. Eine Tatsache, die allen Liebhabern des Sports böse aufstoßen dürfte. In Brasilien ahnt man mittlerweile, welch übles Spiel hier gespielt wird. Trotz des zweifellosen wirtschaftlichen Aufschwungs, den das Land durch die WM erhalten wird, bleiben die großen Gegensätze zwischen Arm und Reich unverändert. Ein Blick nach Südafrika, Austragungsland der WM 2010, genügt, um in die Zukunft zu schauen: Schöne, aber verstaubte, da leerstehende, Stadien und eine nach wie vor katastrophale Sozialstruktur prägen das Bild.

Den Sport, den viele Menschen auf dieser Erde so sehr lieben, ist zu einer lieblosen Gelddruckmaschinerie gemacht worden. Rücksicht auf die Belange der Bevölkerung oder der Athleten? Uninteressant! Solange Neureiche, Despoten und Scheichs viel Geld investieren, scheint für die FIFA und ihren zum Teil korrupten Geschäftspartnern die Sonne. 

Das förderlichste Beispiel hierfür ist die skandalöse Vergabe der WM 2022 nach Katar. Die Titelkämpfe werden in neun Jahren in einem Land, das ungefähr der Fläche Berlins entspricht und mit keinerlei Fußballkultur ausgestattet ist, stattfinden. Das im katarischen Sommer das Thermometer gut gerne bis auf 50 Grad Celsius steigen kann, setzt dem Ganzen die Krone auf. 

Brasilien hat zwar nun so viel Fußballkultur, dass es für zwei Weltmeisterschaften reichen würde, doch was dem von Korruptionen geprägte Land fehlt, ist ein organisatorischer Durchblick. 

Bezeichnend: Während dem Confed-Cup waren fehlende Infrastrukturen im Transportwesen, schöne und funktionsfähige (aber keinesfalls fertige Stadien) und schlechte Hotels (sogar) für die Mannschaften an der Tagesordnung. Brasilien – ein überfordertes Land. Die Proteste – fast unausweichlich. 

Die FIFA erwischten diese Proteste auf dem falschen Fuß: Ein klarer Schlag ins Gesicht für ihre PR-Arbeit. Die Machenschaften der FIFA: Ein blutiger Stich in das Herz des Sports. 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein neuer Artikel über unsere Outdoor-Serie.