Angesagte Modetrends für den Frühling 2017

Ganz schön blumig: Auch als Modetrend 2017 gern gesehen (Foto: Face2Face)

Ganz schön blumig: Auch als Modetrend 2017 gern gesehen (Foto: Face2Face)

Wir haben zwar noch Winter und sind gerade erst ins neue Jahr gerutscht, doch echte Trendsetter denken schon jetzt an den Frühling.

Was uns in Sachen Mode erwartet? Einfach weiterlesen!

Back to the 80s

Die 80er Jahre sind nicht nur musiktechnisch beliebt – auch in der Mode feiern sie ihr großes Comeback. Viele Designer berufen sich auf die Retro-Farbkombination Schwarz-Pink. Aber auch Lackleder und schwarzer Samt sind auf den Laufstegen zu finden. Wer einst die Blazer der Mutter zu Fasching angezogen hat, kann sie nun ungeniert im Alltag tragen, denn Schulterpolster sind auch wieder in. Die 80er waren rebellisch und genauso sind auch die coolen Shirts, die im Frühjahr angesagt sind. Ob feministisch, politisch oder provokativ – plakative Slogans auf den T-Shirts dürfen keinesfalls fehlen.

Blumiger Trend

Wir freuen uns auf farbenfrohe Blumenwiesen im Frühling, über die wir spazieren gehen können. Auch in der Modewelt wird es bunt: Butterblumengelb, Himmelblau und Grasgrün sind neue Trendfarben für den Frühling 2017. Aber auch sanfte Farben wie Sandtöne oder Nude zählen dazu. Blumig wird es allerdings auf jeden Fall! Denn florale Prints gehören zu den angesagten Modetrends im Frühjahr.

Bitte anschnallen!

Einer der wichtigsten Trends fürs Frühjahr sind Taillengürtel. Sie betonen die goldene Mitte und waren überall in New York, Mailand und Paris auf den Laufstegen zu sehen. Toll am Trend ist, dass dabei Geld gespart werden kann. Statt einen teuren Ledergürtel neu zu kaufen, wickelt man jetzt gleich mehrere normale, schmalere Gürtel um die Taille. Und um gleich zwei Trends zu kombinieren, peppt ein derber Ledergürtel das süße Blumenkleid super auf!

Drinnen wie draußen

Dieses Frühjahr ist nichts für Stubenhocker. Outdoor-inspirierte Mode ist der Trend schlechthin. Getragen werden Anoraks mit Kapuzen und Tunnelzügen. Beliebtes Material: Nylon. Auch sportliche Trenchcoats sind wieder in. Große Marken wie Prada, Alexander Wang oder Valentino setzen auf Cargo-Taschen an Hosen und Röcken.

Aus alt mach neu

Geblieben sind Trends wie XXL-Ärmel oder Carmenblusen. Oberteile und Jacken, deren Ärmel so lang sind, dass die Hände darin verschwinden, sind im Frühling 2017 weiterhin gern gesehen. Auch die geliebten schulterfreien Kleider können nochmal getragen werden.

Was die Schuhe betrifft, gibt es nur kleine Veränderungen. Die Trendfarbe bei den Sneakern ist Rosa. Gleich bleibt der Metallic-Trend und auch weiße Sneaker bleiben weiterhin in.

Während wir also warten, bis die ersten bunten Blumen blühen und die Vögel anfangen zu zwitschern, können wir in aller Ruhe die modischen Vorbereitungen treffen, um für den Frühling gewappnet zu sein!

 

Apfelrosen in Blätterteig – ein blühender Gaumenschmaus

Ein Blumenstrauß der etwas anderen Art: Apfelrosen in Blätterteig duften mindestens genauso süß wie ihre pflanzlichen Artgenossen, bieten aber zudem neben dem Duftgenuss einen blühenden Gaumenschmaus. Ob als Dessert oder zum Kaffeekranz serviert – das kulinarische Kunstwerk eignet sich für jeden Anlass und verspricht auch Küchenlaien ein dornenfreies Backvergnügen.

Zutaten und Materialien für circa 12 Apfelrosen:

Ein Hingucker: Apfelrosen verschönern jede Kaffeerunde (Foto: Onat)

Ein Hingucker: Apfelrosen verschönern jede Kaffeerunde (Foto: Onat)

  • eine Packung Blätterteig, tiefgefroren oder aus dem Kühlregal
  • drei bis vier Äpfel
  • ein Liter Wasser
  • etwas Zucker
  • zwei Esslöffel Zitronensaft
  • etwas Zimt, nach Belieben weitere Gewürze
  • nach Belieben etwas Konfitüre oder Puderzucker
  • zwei Töpfe, ein Löffel, ein Messer, eine Schüssel
  • ein Küchentuch, ein Nudelholz, ein Muffin-Blech oder -Formen

Zubereitung:

1. Zunächst muss der Guss hergestellt werden, in welchem die Äpfel für die spätere Verarbeitung einweichen können. Hierfür ein Liter Wasser, zwei Esslöffel Zucker, zwei Esslöffel Zitronensaft und etwas Zimt in einen Topf geben.

2. Nun die Äpfel halbieren und das Kerngehäuse entfernen. Die Hälften jeweils in dünne Scheiben schneiden und in den Wasserguss geben. Alles miteinander auf dem Herd für wenige Minuten aufkochen, bis die Äpfel weich geworden sind.

3. Anschließend das Wasser abgießen und die Apfelscheiben auf einem Küchentuch auskühlen sowie trocknen lassen.

4. Derweil den Blätterteig ausrollen und mit Zimt und Zucker bestreuen. Wer mag, kann mit weiteren Gewürzen oder etwas Konfitüre den Geschmack verfeinern. Nun den Teig der Länge nach in etwa fünf Zentimeter breite Streifen schneiden.

5. Die Apfelscheiben leicht überlappend und der Breite nach – mit der Schalenseite nach oben – auf die obere Hälfte der Teigstreifen legen. Die untere Blätterteig-Hälfte über die Äpfel legen und alles fest zusammenrollen, sodass kleine Rosen daraus entstehen.

6. Die Apfelrosen müssen anschließend im Ofen bei 180 Grad Celsius Umluft etwa eine halbe Stunde lang goldbraun gebacken werden. Am einfachsten geht dies, indem man sie auf ein gefettetes Muffin-Blech bzw. -Formen setzt.

7. Parallel kann dabei die Konfitüre im Wasserbad verflüssigt werden, die den Rosen den letzten Glanz verleihen soll: Hierfür etwas Wasser in einem Topf zum Kochen bringen. Die Konfitüre in eine Schüssel geben und über dem Wasser glasieren lassen. Für gelbe Rosen eignen sich vor allem helle Marmeladen-Sorten wie Aprikose oder Orange, für rote wiederum Erdbeer- oder Himbeer-Konfitüre.

8. Nur noch die ausgebackenen Apfelrosen aus dem Ofen nehmen, mit der Konfitüre bestreichen und auskühlen lassen. Wer mag, kann auch ganz auf die Konfitüre verzichten und die Apfelrosen mit Puderzucker bestäuben.

Tipps für einen winterfesten Balkon

Der Herbst ist in vollem Gange: Die Blätter verfärben sich, der Wind heult, das Wetter wird unbeständig und es kühlt ab. Sogar der erste Frost ist schon in Sichtweite. Es wird Zeit, sich warm einzupacken und auf den Balkon zu begeben. Denn dieser muss noch winterfest gemacht werden. Wie ihr das ganz einfach schafft, verraten wir euch heute.

Winterfest machen lohnt sich: Damit die Planzen auch nächstes Jahr wieder schön blühen (Foto: Möller)

Winterfest machen lohnt sich: Damit die Planzen auch nächstes Jahr wieder schön blühen (Foto: Möller)

Pflanzen einpacken

Damit sie vor Frost und Kälte geschützt sind, sollten Pflanzenkübel in Folie eingepackt werden. Das gilt vor allem bei Keramiktöpfen, die im Winter schnell springen können. Jedoch sollten diese nicht zu früh ummantelt werden, denn sonst droht Staunässe – der Tod jeder Pflanze. Zudem ist es wichtig, die Pflanzen mithilfe von Holzblöcken oder Ähnlichem einige Zentimeter hochzustellen. Das hat zweierlei Gründe: Zum einen kann sich so der Frost nicht vom Terrassenboden direkt auf die Wurzeln übertragen; Zum anderen ist so das Abflussloch unter dem Kübel besser vor dem Zufrieren geschützt, was ebenfalls gegen die gefährliche Staunässe hilft.

Balkonmöbel schützen

Wenn die Balkonmöbel im Winter draußen stehen, werden sie durch das Wetter stark strapaziert und verlieren meist ihr schönes Aussehen. Deswegen lohnt es sich, die Balkonmöbel frühzeitig zu schützen. Das geht entweder indem man sie in den Keller bringt oder – wenn dort kein Platz ist – sie mithilfe einer festen Plane samt starkem Band einpackt.

Auch an den Wasserhahn denken

Ganz wichtig vor dem ersten Frost ist es auch den Außen-Wasserhahn abzudrehen. Sonst kann das Wasser in der Leitung gefrieren und diese zum Platzen bringen. Auch andere Wasserquellen wie Springbrunnen oder gefüllte Gießkannen sollten geleert werden.

Ein kleiner Tipp zum Abschluss

Wer im Winter das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden will, kann auf seinem Balkon ein Vogelhäuschen aufbauen. Dann hat man den ganzen Winter Spaß an den lustigen Gesellen und hilft diesen zugleich durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

 

Vorschau: Nächste Woche verraten wir euch, wie ihr aus bunten Blättern herbstliche Windlichter basteln könnt.

„Mein kleiner grüner Kaktus …“

Augenweide: Blumen machen Freude, sofern sie denn gedeihen.

Augenweide: Blumen machen Freude, sofern sie denn gedeihen. (©BettinaF/Pixelio.de)

So mancher schwärmt von hübschen Blumen in der Wohnung, auf dem Balkon oder im Garten. Ein Stock Rosen, eine Orchidee, Geranien – was die Natur eben so hergibt. Für begeisterte Hobby-Gärtner, wie zum Beispiel unsere Kolumnistin Eva, ist Gartenarbeit Entspannung pur.

Ich hätte auch gerne die eine oder andere Pflanze in meiner Wohnung oder auf meinem Balkon – vergebens. Dabei habe ich schon viel ausprobiert. Viel gießen, weniger gießen. Vielleicht etwas Dünger oder umtopfen. Alle Mühen sind umsonst, nach spätestens einer Woche schaut jede Pflanze bei mir aus wie welker Kopfsalat.

Mein Hauptproblem: Das Fenster, wo ich ein herrlich großes Bord für viele Blumen zur Verfügung hätte, liegt gen Süden. Im Winter ist das richtig toll, durch die Südlage spare ich jede Menge Heizung. Sobald die Sonne scheint, habe ich 20 Grad im Zimmer, während draußen Schnee liegt und Eiszapfen von den Dachrinnen hängen – und das ohne zu heizen! Doch im Sommer ist es alles andere als lustig. Die intensive Mittagssonne brennt mir einfach jede Pflanze weg. Das einzige, was bei mir überlebt, ist mein alter Wüstenkaktus, der fühlt sich wie zu Hause.

Auf meinem Balkon ist es nicht besser. Auch er liegt in Richtung Süden und ist komplett in der Fassade versenkt, ganz in Manier eines alten Plattenbaus. Kein kühlender Wind sorgt da für Erfrischung. Als Ergebnis kann ich mich an heißen Hochsommer-Tagen über eine kostenlose Sauna freuen: 40 bis 45 Grad sind dann im Handumdrehen erreicht. Wenn ich mich an heißen Tagen eine halbe Stunde auf dem Balkon rösten lasse, kommen mir die 27 Grad in der Wohnung wie ein Kühlschrank vor.

Außerdem gibt es ein weiteres Problem, das für alle Balkonpflanzen den baldigen Tod bedeutet. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie kommen von den umliegenden Bäumen immer irgendwelche Käfer oder Wanzen zu mir herüber. An sich stört mich das Ungeziefer nicht. Im Zweifelsfall schnappe ich mir eine alte Tageszeitung und lasse meiner Wut freien Lauf. Doch kaum eine Pflanze mag diese blöden Krabbeltiere, zumal sich diese Parasiten in der Erde meiner Blumen häuslich einrichten und anfangen zu brüten. Selbst eine fleischfressende Pflanze, die ich mir als Abwehr zugelegt hatte, konnte nichts ändern. Die Kamikaze-Käfer in meiner Gegend wurden nicht gefressen. Sie haben sich einfach in die Erde der Venusfliegenfalle eingegraben und sie wie meine Tomaten von unten zerfressen.

So bleibt mir nichts anderes, als auf Pflanzen auf dem Balkon zu verzichten. Denn bei aller Liebe für Grünes: Wenn das Ungeziefer jede Blume in eine welke Gurke verwandelt, spare ich mir den Stress. Was mein Wohnzimmer betrifft, dort steht nun schon seit mehreren Jahren ganz zufrieden mein Wüstenkaktus. Er hat schon eine stattliche Höhe erreicht und ich hoffe, er bleibt mir noch lange erhalten. Immerhin hält er die Mittagssonne ohne Murren aus und er steckt es auch ganz gelassen weg, wenn ich zwei Wochen lang vergesse, ihn zu gießen.

Hart im Nehmen: Mein lieber Kaktus.

Hart im Nehmen: Mein lieber Kaktus (Foto: Resch)

Grün ist grün. Ob nun Kaktee oder eine zierliche Blume, das macht für mich keinen großen Unterschied. Zweimal im Jahr blüht mein lieber Wüstenkaktus sogar, dann schmücken drei rote Blüten mein verbranntes Fensterbrett. Sollte mich trotzdem die Lust auf sattes Grün überkommen, gehe ich eben in den nächstgelegenen Park oder Wald. Denn Gott sei Dank ist München eine unglaublich grüne Stadt mit erstaunlich vielen Pflanzen und Grünflächen. So kann ich mein Pech als Hobby-Gärtner ganz gut verkraften.

Vorschau: Jeder hegt Wünsche und Träume. Eva zeigt nächste Woche hier, dass Träumen und Wünschen dabei oft wichtiger ist als die Erfüllung.

Von Blumen, Azteken und Matrosen – die Sommertrends 2014

Jedes Jahr hat seine Sommerhits, seine Sommerlieben und auch seine Sommertrends.

Letztes Jahr war beispielsweise das Jahr der knallig bunten Chinos.

Auch dieses Jahr haben sich drei Trends für die warme bis heiße Jahreszeit herauskristallisiert, die ich euch heute vorstellen möchte.

Als erstes sind es die Blumenmuster, welche mehr und mehr von verschiedenen Designern in ihren Kollektionen genutzt werden.

Ob Shirts, Shorts, Hosen, Schals oder gar Jacken. Dieses Jahr ist im Bereich Männermode das Thema Blumen überall vertreten. Aufmerksame Beobachter haben den Trend kommen sehen, da er letzten Sommer in der Damenmode sehr etabliert war und der Erfolg bei den Damen meist zur Folge hat, dass der Trend auch bei den Männern über kurz oder lang folgt.

Ein weiterer Trend sind die sogenannten Azteken- oder Ethno-Muster.

Hier sind wir aktuell noch in der Phase, in der hauptsächlich Frauen in den Genuss dieser ausgefallenen Muster und Farbkombinationen kommen.

Der Charme Mittelamerikas vermittelt gerade im Sommer das Gefühl von Lebensfreude und Leichtigkeit. Leider gibt es nur wenige Modehäuser, die den Trend bereits für uns Männer entdeckt haben, somit solltet ihr zugreifen, wenn ihr eines der angesagten Teile vor die Linse bekommt.

Der dritte Trend ist einer, der besonders mich sehr freut.

sommerlich: Tanktop in Matrosen Look mit Anker Motiv

sommerlich: Tanktop in Matrosen Look mit Anker Motiv

Marine Muster und nautische Motive sind eins der „Must Haves“ diesen Sommer!

Ob Anker, Schiff, Hai oder Matrosin, jedes dieser Motive macht sich diesen Sommer gut auf einem Shirt. Aber die Querstreifen im typischen Marine Look sind ein echter Blickfang, wenn man sie denn figurtechnisch tragen kann. Aufgrund des optischen Empfinden, können Querstreifen den Träger schnell breiter oder dicker wirken lassen. Hier sind die Modehäuser auch bereits aufgesprungen, sodass jeder sein passendes neues Lieblingskleidungsstück finden sollte.

Und als abschließenden Tipp meinerseits kann ich euch nur sagen, dass auch der Griff zum Tanktop in einem der angesprochenen Stile ein guter ist.

Das sogenannte Muscleshirt, welches Jahre lang als Kleidungsstück für Proleten verschrien war, hat sich in den letzten Jahren gut in der Gesellschaft etabliert, sodass man sich ohne Bedenken in Strandbars oder anderen Sommerlocations damit blicken lassen kann. Mit dem richtigen Körperbau bekommt man die Blicke der Damenwelt dann gratis dazu.

Vorschau:

Mein kleiner Garten

Frühlingshaft. Eine schöne Blumenwiese sorgt für eine tolle Atmosphäre im Garten (Foto: Obermann)

Frühlingshaft. Eine schöne Blumenwiese sorgt für eine tolle Atmosphäre im Garten (Foto: Obermann)

Ein Heim ohne Garten wäre für mich nur ein halbes. Aber ich will gleich Entwarnung geben. Ich bin keine von denen, die stundenlang mit der Nagelschere den Rasen trimmen und jedes Kräutlein, das abseits anfängt zu wachsen sofort ausreist. Mit Mühe und Not schaffe ich es zwischen Studium, Arbeit und Kindern die alten Sonnenblumen rauszumachen und Büschel von Löwenzahn, die meine Erdbeeren einengen, zumindest oberflächlich auszureißen. Und doch gehört ein kleiner Garten für mich zum perfekten Heim dazu.

Vielleicht liegt es daran, dass ich schon so aufgewachsen bin. Meine Mutter schickte mich des Öfteren hinaus in unsere kleinen Beete (viel war es wirklich nicht) mit dem Auftrag dieses oder jenes Gewürzkraut mit hineinzubringen. Nach zehn Minuten wagte ich mich wieder in die Küche wagte – mit leeren Händen – und fragte zerknirscht, wie denn Liebstöckel aussehe oder ob das, was ich gefunden hatte, auch wirklich Oregano war. Das ist auch wirklich nicht immer so leicht. Erst kürzlich haben sowohl meine Mutter als auch ich, den Kerbel aus meinem Garten für Petersilie gehalten. Kann passieren, geschmeckt hat es trotzdem.

Reift heran: die grüne Tomate wird bald in der Sonne rot (Foto: Obermann)

Reift heran: die grüne Tomate wird bald in der Sonne rot (Foto: Obermann)

Frische Gartenkräuter sind für mich schon beinahe essentiell. Besonders im Sommer, wenn es fast jeden Tag Salat gibt. Keine Gewürzmischung bringt die Aromen hervor, wie frisch geschnittene Kräuter, und ich kann sie bequem nach meinem Geschmack mischen. Oder selbst eingelegtes Grillfleisch, marinierter Schafskäse, würziges Brot, alles bekommt mit frischen Kräutern eben genau das: Frische.

Genauso wichtig aber sind mir Obst und Gemüse. Viel braucht es da nicht, sodass ich glücklich werde. Ein paar Salatpflanzen, von denen ich meine Blätter nach Gebrauch abzupfen kann, Kohlrabi für die Kinder, Tomaten, die in der Sonne süß geworden sind. Und erst die Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren: ein Traum für Kinder und alle, die Obst mögen. Die reifen Früchte einfach abzupfen und aus Mangel an Spritzmittel können sie einfach so in den Mund gestopft werden, noch warm von der Sonne. Frischer geht es nicht mehr. Und wer so etwas mal probiert hat, weiß, leckerer geht es auch nicht.

Wenn mein Ertrag zum Naschen reicht, ist mir das schon genug. Ich will ja keine Früchte auf dem Markt verkaufen und zum Marmeladekochen kauf ich schon mal etwas dazu oder ernte eben noch bei meinen Großmüttern, die beide große und volle Gärten haben. Aber ich arbeite etwas in und mit der Natur und bekomme tatsächlich etwas zurück. Selbst die blühenden Blumen meiner Frühlingswiese erfüllen mich mit tiefer Zufriedenheit, denn wegen mir sind diese Blumen dort und strahlen in die Welt hinaus. Schön ist auch, dass meine Kinder lernen, dass unser Essen von der Erde kommt, dass es nicht vom Himmel fällt oder im Supermarkt in den Regalen wächst, sondern dass Arbeit dahinter steckt, Geduld und Zeit. Aber auch, wie wetterabhängig die Pflanzen sind, wie ein Sturm die Hälfte der noch unreifen Früchte abschlagen kann, oder Schnecken die Salatblätter zerfressen.

Junger Hüpfer? Durch den Garten können auch Große immer noch etwas lernen (Foto: Obermann)

Junger Hüpfer? Durch den Garten können auch Große immer noch etwas lernen (Foto: Obermann)

Warum ist mir das so wichtig? Das ist einfach erklärt. Wir sind billige Preise gewohnt, wir wollen keinen Euro für einen Kopfsalat bezahlen, kaufen billigere Erdbeeren in billigeren Geschäften, statt im Gemüsegeschäft nebenan, wo das Ganze eben etwas teurer ist. Und ich bin da skeptisch. Wenn so viel Arbeit dahinter steckt, dann ist die Sache auch ihr Geld wert. Eigentlich bezahle ich lieber ein bisschen mehr und weiß, woher mein Gemüse kommt, weiß, dass die Arbeiter auch tatsächlich mehr als einen Hungerlohn bekommen. Bei der aktuellen Diskussion um Mindestlohn wird klar, dass vieles nicht so billig bleiben kann, wie es noch ist, dass wir aber eigentlich auch kein Recht haben, das zu verlangen, wenn dabei die Arbeiter und Bauern auf der Strecke bleiben.

Aus meinem kleinen Garten kann ich somit immer noch viel lernen und meine Kinder ebenso. An einem sonnigen Tag kann ich einmal richtig arbeiten und mich am nächsten auf die Wiese legen und einfach nur freuen, dass dieses kleine Stückchen Natur sozusagen auf meinem Mist gewachsen ist. Und das finde ich einfach nur schön.

Vorschau: Sascha erklärt hier nächste Woche, warum das Gedächtnis in den unpassensten Momenten versagt und wir vergesslich werden.

Flower Power – wie Blumen länger blühen

„Blumen, Kinder eines Tages, glänzen frisch und welken doch“ schreibt der Dichter Heinrich Christian Boie in seinem Gedicht Rosen. Auch als Vanitas-Motiv stehen Blumen wegen ihrer kurzen Lebensdauer für Vergänglichkeit. Dennoch gibt es Methoden, die die Blütenpracht – sei sie selbst gepflückt oder als Strauß gekauft – länger erhalten und die kleine Dosis Natur für daheim nicht zur Eintagsfliege machen. Damit Blume und Besitzer nicht gleich den Kopf hängen lassen, bringen folgende fünf Tipps die Pflanzen zum Er- statt zum Verblühen.

Lebenswichtig: Das richtige Wasser bestimmt über die Dauer der Blumen (© günther gumhold / pixelio.de)

Lebenswichtig: Das richtige Wasser bestimmt über die Dauer der Blumen (© günther gumhold / pixelio.de)

1. Das Wasser – Kalt- und Warmduscher:
Ob nun viel oder wenig Wasser, Kaltes oder Warmes – daran scheiden sich die Geister. Dies hängt jedoch von der Beschaffenheit der Blumen ab: Haben sie einen holzigen Stiel wie Rosen, benötigen sie viel Wasser. Blüten mit weichen Stielen wie Tulpen wiederum benötigen nur wenig Flüssigkeit. Bei den meisten Artgenossen reicht dafür eine gut gefüllte Vase aus. Tulpen sind auch die einzigen Blumen, die bei eiskaltem Wasser länger halten – sonst sollte man mit lauwarmem Wasser vorlieb nehmen. Wichtig ist vor allem, dass das Wasser sauber ist, damit sich durch den Schmutz keine Bakterien bilden. Um sicher zu gehen, kann man das Wasser erst abkochen und auskühlen lassen, ehe sich die Blumen dazu gesellen.

2. Das Anschneiden – Schnitt für Schnitt zum Erfolg:
Dass Blumen immer schräg angeschnitten werden sollen, schadet zwar keiner Sorte, ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn Pflanzen mit weichen Stielen können auch gerade abgeschnitten werden. Grundlegend ist dabei, dass die Blumen täglich frisch angeschnitten werden – vor allem, wenn sie, wie beim Transport, auf Wasser verzichten mussten. Der Schnitt sollte stets mit einem scharfen Messer getätigt werden. Scheren können den Blumenstiel quetschen, sodass Wasserkanäle verstopfen und die Blume nicht mit ausreichend Wasser versorgen. Durch die Quetschungen kann zudem ein Zellsaft austreten, der das Ausbreiten der Bakterien fördert.

Blühend schön: Auch von Blumen kann man länger etwas haben (© Joujou / pixelio.de)

Blühend schön: Auch von Blumen kann man länger etwas haben (© Joujou / pixelio.de)

Auch die unteren Blätter sollten entfernt werden. Ragen sie nämlich ins Wasser hinein, faulen sie und erzeugen dadurch weiter Bakterien. Außerdem nehmen sie dem Blütenkopf das nötige Wasser, da der Stiel die Flüssigkeit von unten nach oben aufsagt. Die tiefer gelegenen Blätter werden somit eher mit Wasser versorgt als die Blüte. Ein kleiner Ritz in Längsrichtung unterhalb des Kopfes wiederum verhindert das Wachsen und somit das Welken der Pflanze. Auch bereits hängende Blumen können so wieder aufgerichtet werden.

3. Die Lagerung – kein klassisches Stillleben:
Hier gilt dasselbe wie beim Wasser: „Sauber und rein, so muss es sein“. Daher sollte die Vase gut abgeputzt werden, ehe sie benutzt wird. Als Standort eignen sich vor allem Plätze ohne Zugluft und geringer direkter Sonneneinstrahlung. Auch die Nähe von Obst oder Gemüse sollte gemieden werden, da diese das Reifegas Ethylen produzieren, was die Blumen schneller zum Welken bringt.

Das Frischhaltepulver, das in der Floristik verwendet und bei Sträußen beigegeben wird, verlängert die Blütezeit um zehn Prozent. Das Granulat sollte erst im Wasser aufgelöst werden, bevor man die Blumen hinein gibt. Es enthält Wirk- und Nährstoffe wie Zucker für den Energievorrat, Hormone zur Beseitigung schädlicher Stoffwechselvorgänge und antibakterielle Substanzen wie Kupfer oder Aluminium zur Fäulnisbekämpfung. Hausmittel können dabei eine kostengünstige Alternative darstellen, die denselben Effekt erzielen.

Spritzig: Einige Tropfen Zitronensaft können viel bewirken (© Martin Müller / pixelio.de)

Spritzig: Einige Tropfen Zitronensaft können viel bewirken (© Martin Müller / pixelio.de)

4. Hausmittel – Gift und Lebenselixier:
Da die Frischhaltemittel einen hohen Glukoseanteil enthalten, kann man diese durch eine kleine Prise Zucker ersetzen. Überzuckert man das Wasser jedoch, fördert das die Entstehung der Bakterien. Kupfermünzen hingegen unterdrücken das bakterielle Wachstum. Dass sie Kupfer an das Wasser abgeben und so die Blume mit Mineralien versorgen, ist jedoch nur ein Gerücht. Auch ein Bleichmittel kann die Bildung von Bakterien hemmen. Da die bunte Blütenpracht dadurch jedoch verblasst, sollte es nur bei hellen Blumen angewandt werden.

Eine ähnliche Wirkung erzielen auch ein Schuss Essig oder Zitronensaft mit sich. Dadurch wird der pH-Wert des Wassers gesenkt, sodass sich Bakterien schwerer vermehren können. Außerdem macht der Saft das kalkhaltige Wasser besser verträglich für die Pflanze. Spülmittel wiederum verringert die Oberflächenspannung des Wassers, sodass die Pflanze die Flüssigkeit leichter aufnehmen kann. Hierbei sollte man jedoch nur eine Fingerspitze Spülmittel ins Wasser geben, da es sonst giftig für die Blume wirkt. Außerdem kann eine Kopfschmerztablette Pflanzen mit Blättern länger frisch halten, blattlose jedoch nicht.

5. Die letzte Rettung – eine Sintflut:
Blumen, die ihre besten Tage bereits hinter sich haben, können mit einem Bad in der Wanne wiederbelebt werden. Hierfür diese bei lauwarmem Wasser für einige Zeit schwimmen lassen. Die Pflanzen fest in Zeitungspapier einzuwickeln; neu anzuschneiden und dabei tief ins Wasser zu stellen, kann ebenfalls ihrer Erholung dienen. Wollen sie jedoch partout nicht erneut erblühen, kann man sie trocknen lassen und aufbewahren. Schließlich sind sie – anders als ihre künstlichen Konkurrenten – nicht für die Ewigkeit gedacht.

Vorschau: Nächste Woche erwarten euch Tipps für einen erholsamen Schlaf.

Tipps zur Pflege von Orchideen

Orchideen – auch Orchidaceae genannt – gehören mit bis zu 30.000 Arten zu den größten Pflanzenfamilien. Die anmutige Pflanze hat in ihrer bisherigen Kulturgeschichte einige Verwendungen gefunden, zum Beispiel als Aphrodisiakum, Heilmittel, Dekoration oder auch im Aberglauben. Demnach lässt sich die Kulturgeschichte der Orchidee bis zu 5000 v. Chr. zurückverfolgen. Aufgrund ihrer Schönheit wird die Orchidee auch als „Königin der Blumen“ angesehen. In der chinesischen Gartenkunst symbolisiert sie Liebe, Schönheit oder auch ein junges Mädchen.

Wunderschön: Die Blüten der Orchidee (Foto: Sharifi)

Wunderschön: Die Blüten der Orchidee (Foto: Sharifi)

Einige wenige Orchideenarten werden auch als Nutzpflanze gebraucht wie zum Beispiel für die Gewinnung von Gewürzvanille, Aromatisierung für Tee und als Duftmittel für Parfüm und Tabak. Damit ihre Schönheit dauerhaft erhalten bleibt, hat Face2Face die wichtigsten Pflegetipps zusammengefasst:

1. Während die Mehrheit aller Pflanzen viel Wasser benötigt und demnach häufig gegossen werden müssen, gilt bei der Orchidee die Faustregel: Weniger ist mehr!
Da diese Pflanzenart tropisches Klima gewohnt ist, genügt es ihr in ein oder zwei Wochen einmal gegossen zu werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich kein überschüssiges Wasser im Topf befindet. Vorsicht: Zu viel Wasser lässt die Wurzeln verfaulen und die Pflanze verstirbt.

Knospen: Neue Knospen erfreuen jeden Pflanzenhalter (Foto: Sharifi)

Knospen: Neue Knospen erfreuen jeden Pflanzenhalter (Foto: Sharifi)

2. Der bestgeeignete Ort für Orchideen ist die Fensterbank einer Ost- oder Nordwestseite. Zwar soll es hell sein, aber die Pflanze nicht einer direkten Sonneneinstrahlung aussetzen. Wenn sich dies nicht vermeiden lässt, dann sollte mindestens eine Gardine als Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung gegeben sein.

3. Die tropische Pflanze reagiert auf große Temperaturschwankungen negativ, ebenso auf Zugluft – da sie sehr sensibel und tropisches Klima gewohnt ist.

4. Nach einer gewissen Zeit können sich Luftwurzeln bilden, diese sollten keinesfalls abgeschnitten werden, denn auch diese Orchideenwurzeln sind sehr empfindlich. Aus ästhetischen Gründen kann die Luftwurzeln in den Topf gedrängt werden.

5. Nicht mehr als einmal pro Monat düngen mit speziellem Orchideendünger.

6. Verfaulte Wurzeln am besten wegschneiden. Dabei sollte beachtet werden, dass abgestorbene Pflanzenteile wie gelbe Blätter keinesfalls abgeschnitten werden. Stattdessen diese vorsichtig herausziehen oder darauf warten, bis die gelben Blätter selbstständig abfallen.

Persönlicher Rat:
Die Orchideen eignen sich hervorragen für Menschen, die das Gießen von Blumen gerne vergessen.

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um das Last-Minute-Faschingskostüme und wie ihr diese selbst kreieren könnt.

Long live Lanvin! Geschichte und Zukunft eines Luxus-Labels

Ein Jubiläum jagt derzeit das Nächste: Gerade noch feierten wir Geburtstag mit Topmodel Kate Moss und nun ist es Lanvin – ein Modehaus, dem man seine 125 Jahre ebenso wenig ansieht wie Kate ihre frischgebackenen 40. Wie sich das dienstälteste französische Unternehmen bis heute so mädchenhaft jung gehalten hat und auf welche Weise Gründerin Jeanne Lanvin ihre große Liebe unsterblich gemacht hat, erzählt Face2Face in einer kleinen Hommage an das Label pünktlich zum runden Geburtstag.

L’amour et Lanvin

Uns wird früh beigebracht, dass auch noch so tiefe Gefühle vergänglich, ja dass wir es vor allem selbst sind, die nicht ewig währen. Müsste uns demnach die junge Jeanne-Marie Lanvin – 1867 in Paris geboren – nicht vom Glauben abfallen lassen? Schließlich hat die mit sechzehn Jahren als Hutmacherin gestartete Modedesignerin uns gelehrt, auf welche Liebe es im Leben tatsächlich ankommt – in ihrem kamen und gingen schließlich einige Männer, während die Verbindung zu ihrer Tochter Marguerite bis zum Schluss derart vertraut und herzlich blieb, dass sie ihr sogar das Lanvin-Imperium nach ihrem Tode übergab.  Es scheint, dass Familie und Fashion Trends durchaus miteinander vereinbar sind. So nähte Lanvin noch lange bevor der bloße Nachname zu einem Synonym für Haute Couture erklärt wurde, zunächst für ihre einzige Tochter und ihre geliebte Schwester. Bereits zur damaligen Zeit markierten die locker sitzenden Schnitte, die bunte Farbauswahl und nicht zuletzt das aufwendig gestaltete Handwerk aus drapierten, luftigen Stoffen an ihren Kleidern einen geradezu nahtlosen Übergang zwischen mädchen-und damenhaftem Understatement . Romantische Zierde vermengte sich mit zuvor kaum dagewesener Beinfreiheit und einer für das 19. Jahrhundert gar revolutionären Kürze des Rocks. Tüll, Spitze, florale Elemente – bis heute typische Elemente einer jeden Lanvin-Kollektion.

L’amour et la mode

Ihren glänzenden Auftritt legte zum einen die Machart ihrer Mode und zum anderen die Person der Modeschöpferin selbst hin, betrachten wir einmal das in die Geschichte des Hauses Lanvin eingegangene Logo aus 1907. Jeanne-Marie selbst ziert es, nebst ihrer Tochter, einander bei den Händen haltend. Sie sind scheinbar in einen Partnerlook gehüllt, präsentieren sich auf der Schwarzweißfotografie beide in schimmerndem, Lackleder ähnelndem Stoff. Einzig die Kopfbedeckungen unterscheiden sich in ihrer Opulenz und dem Grad der Verspieltheit. Vielleicht lässt uns dies auch bereits einen „Schimmer“ davon haben, in welche Richtung sich Lanvin mit der Zeit wohl weiterentwickeln würde: In aktuellen Lancierungen und Vorgriffen auf den kommenden Sommer ist zwar – von den Accessoires einmal abgesehen – nicht alles Gold, was glänzt, doch sorgt dafür ein auffällig glänzend-futuristischer Farbrausch bei den Damen für eine garantiert extravagante Alltags-und Abendgarderobe.

Bei den Männern hingegen setzt das seit 2001 zentral aus Taiwan geführte Unternehmen auf sportlich-eleganten Purismus, vorwiegend in den Un-Farben Schwarz und Weiß. Blazer und Bundfaltenhosen aus Stoff zählen hier zu den Evergreens. An warmen Sommertagen bleiben die Herren bei Lanvin zudem cool mithilfe von extra kurzen Shorts aus Wollstoff, die gerade das Nötigste bedecken und an den Waden viel Platz für lange, schwarze oder grauschwarze Anzugsocken schaffen. Doch selbst dieser klassische Chic wird bisweilen durchbrochen von Farbakzenten, ob nun in Form von knalligen Hemden in Magenta oder farblich abgestimmten Zweiteilern im altbekannten „Lanvin-Blau“.

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Erschwinglicher Luxus: H&M hat es möglich gemacht (Foto: Perlowa)

L’amour et l’argent

Wer es nun kaum erwarten kann, den nächsten Shop zu plündern, sobald das Monatsgehalt eingetroffen ist, sollte darauf vorbereitet sein, dass Eines davon für Lanvin vermutlich nicht reicht. Das könnte einerseits am Suchtpotential liegen, das von den qualitativ hochwertigen und nicht zuletzt ästhetisch ansprechenden Teilen ohne Zweifel ausgeht, andererseits jedoch schlicht an der Tatsache, dass Qualität ihren Preis hat – das gilt auch für Produkte von Lanvin, für Pieces und Düfte gleichermaßen.

Grund zur Freude für etwas sparsamere Luxus-Anhängerinnen war da eindeutig die Kooperation mit H&M in 2010, die ein bisschen Lanvin an die Stange und damit einen Hauch von Haute Couture an die Frau gebracht hat. Im Unterschied zur vereinzelt anzutreffenden Riesenschleife – unter dem israelischen Designer Alber Elbaz seit 2001 stets mit Bedacht als Markenzeichen eingesetzt – setzt Lanvin für H&M auf das Motto „Mehr ist mehr“, gestaltet Cocktail-Kleider wie Knallbonbons und übersät Shirts mit einem Mix aus Tüll, Applikationen und Aufdruck.

Lanvin ist, Traditionen aus über zwei Jahrhunderten zum Trotz, also noch immer für eine Überraschung gut. Dieses Sich-Immer-Wieder-Neu-Erfinden bei gleichbleibender Attitüde muss schon während der Anfänge in Paris Teil des Erfolgsrezepts gewesen sein. Bleibt nur noch, dem Label die besten Wünsche für die nächsten 125 Jahre mit auf den Weg zu geben. Hoch lebe der Luxus! Hoch lebe Lanvin!

Vorschau: In der nächsten Woche fragen wir uns, was es eigentlich mit dem Hype um Model Cara Delevingne auf sich hat.

Das Prinzip Öffnung – wie viel Freiheit erträgt die Liebe?

„Ich will frei sein / frei wie ein Stern,der Himmel steht“, tönen die Goldkehlchen von Xavier Naidoo und „Glashaus“-Leadsängerin Cassandra Steen in ihrer Selbstverständlichkeit. Fast so, als wäre diese sogenannte Freiheit das erklärte und sogleich höchste Ziel eines jeden Menschen. Beinahe, als gäbe es nichts erstrebenswerteres als das. Ich frage mich ernsthaft, wie die beiden sich das in der Praxis wohl vorstellen.

Schließlich ist das mit der absoluten Freiheit ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Einerseits wünscht sie sich jeder in gewisser Weise – sonst würde es vermutlich weit weniger junge Leute auf Reisen ins Ausland verschlagen und der besagte Song wäre wohl kaum mit derart goßer Begeisterung rezipiert worden – andererseits jedoch geht mit der Idee, sich selbst und andere von sich frei zu machen auch immer ein gigantischer Kompromiss einher. Ich denke da an niemand geringeren als meinen letzten Mehr-oder-minder-Freund zurück, als dieser mir den Vorschlag unterbreitete, unsere Hin-und-wieder-Beziehung auf eine ganz neue Ebene zu bringen und damit offener zu gestalten.

Schätzungsweise versprach er sich von dieser äußerst zeitgemäßen Alternative vor allem Eines: Freiheit. Damit ist jedoch keineswegs bloß die offensichtliche Freiheit, namentlich die Polygamie, gemeint. Hinter dem „Prinzip Öffnung“ steckt nämlich noch weit mehr als das. Zunächst einmal untersagt es mir, all die Dinge zu tun, zu sagen oder auch nur zu denken, die typischerweise einer Beziehung zugeschrieben werden. So hatte ich mir jedes Mal auf die Zunge zu beißen, wenn ich ihn in vollgekleckerten Jogginghosen in der Universität traf. Das Prinzip Öffnung entmündigte mich insoweit, als dass es mir die Rechtsgrundlage für Kritik entzog – schließlich sind nur feste Freundinnen befugt, für ihr Gegenüber die Style-Polizei zu spielen und bei Regelverstoß Sanktionen anzudrohen („Ich lasse mich mit dir nirgendwo mehr blicken, wenn du weiterhin außerhalb deiner Wohnzimmercouch keine vernünftigen Hosen trägst! Ach ja, und Sex bekommst du dann auch keinen mehr.“)

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Propagiert die uneingeschränkte Freiheit: Der deutsche R’n’B-Sänger Xavier Naidoo (Foto: Laljak)

Formulieren wir meinen persönlichen Präzedenzfall allerdings einmal nicht ex negativo, so haben wir es eigentlich doch mit einem richtigen Glückspilz zu tun. Hier hat sich jemand das Prinzip Öffnung beispielhaft zunutze machen können, sich eine rechtsfreie Zone geschaffen, in der ihm mehr als nur Beinfreiheit zusteht. Er kann sich melden, sooft oder so selten es ihm beliebt, schließlich darf niemand am anderen Ende der Leitung sitzen und über seine telefonischen An-und Abmeldungen Strichliste führen. Es erfordert seinerseits keiner besonderen „Investitionen“, im finanziellen wie im ideellen Sinn. Beinahe ist es so, als hätte das Prinzip Öffnung jede noch so kleine aufmerksame Geste, jeden widerwilligen Theaterbesuch und jedes Kaffeekränzchen mit versteinertem Lächeln und den angereisten Schwiegereltern einfach aus dem Programm verbannt.

Nun, wo man sämtliche vermeintliche Störfaktoren ausgemerzt hat, sollte doch als Essenz des selbst geschaffenen Weder-Fisch-noch-Fleisch-Verhältnisses pure Glückseligkeit übrig geblieben sein? Dem Namen nach haben wir es so immerhin mit keinem widerspenstigen Fisch zu tun, der uns, seinem glitschigen Naturell entsprechend, aus den Händen entflutscht. Allerdings hält das Prinzip Öffnung leider ebenso wenig Fleisch bereit, an dessen Substanz wir uns in guten wie in schlechten Tagen festhalten können, mag es manchmal auch von etwas zäher und knorpeliger Konsistenz sein.

So bleibt das Gefühl zurück, Xavier wie auch Cassandra könnten mir und dem Produkt meiner erprobten Freiheit unter Umständen die Kehrseite der Medaille vorenthalten haben – ich fühle mich um eine Beziehung betrogen. Doch vor allem haben sie mir mit ihrem musikalischen Populismus die Freiheit genommen, mich von vorneherein gegen das Prinzip Öffnung zu entscheiden. In dem Wissen, dass ich kein Vegetarier bin, möchte ich mir nämlich doch ganz gern die Optionen, mal Fisch und mal Fleisch sein zu dürfen, fürs Erste offenhalten.

Vorschau: Pünktlich zum Winteranfang lesen wir nächste Woche an dieser Stelle Saschas Hasstirade auf Schnee und Eis.