Do-It-Yourself-Projekt: Fotos als Holzprint

Porträts, Panoramen oder Momentaufnahmen – im Nu lassen sich durch die Linse flüchtige Augenblicke dauerhaft auf Fotos festhalten. So kreativ, wie man dabei mit der Kamera umgeht, lässt sich ebenso mit dem Motiv verfahren: ob nun im Album verwahrt, auf Leinwand gemalt oder als Seife getarnt. Selbst bei der Reproduktion bieten sich außergewöhnliche Möglichkeiten, die Bilder zu verewigen. Daher verrät die Tipps&Tricks-Redaktion, wie sich Fotos ganz einfach als Holzprint auf unterschiedlichste Materialien übertragen lassen.

Benötigte Materialien:

Kinderleicht: Mit nur wenigen Mitteln lassen sich Fotos auf Holz übertragen (Foto: Onat)

  • Holz – alternativ glatte und helle Unterlagen, Größe und Breite spielen dabei keine Rolle
  • Photo Patch Transfermedium aus dem Kreativ-, Hobby- oder Bastel-Bedarf
  • Laser- oder Tintenstrahl-Drucker – alternativ ein horizontal gespiegelt ausgedrucktes Motiv
  • ein Schwamm
  • Wasser

Vorgehen:

  1. Das gewünschte Motiv mit einem Laser- oder Tintenstrahldrucker horizontal gespiegelt ausdrucken. Die Spiegelung lässt sich mit wenigen Klicks in Bildbearbeitungsprogrammen sowie bei Windows Paint bewerkstelligen.
  1. Den fett- und staubfreien Untergrund mit einem Schwamm reichlich mit dem Transfermedium Photo Patch bestreichen. Als Material eignen sich dabei vor allem helle und glatte Oberflächen wie Holz, Glas, Keramik oder Stoff.
  1. Auch das ausgedruckte Bild mit einem Schwamm mit genügend Photo Patch versehen.
  1. Zügig beide Teile aufeinanderlegen, fest andrücken und glattstreichen.
  1. Das Photo Patch anschließend für mindestens eineinhalb Stunden – bestenfalls mehrere Stunden, beispielsweise über Nacht – trocknen lassen.

    Dekorativ: Fotos als Holzprint (Foto: Onat)

  1. Nun mit einem angefeuchteten Schwamm das Papier vorsichtig abrubbeln. Dabei sollten das Motiv und der Schwamm stetig mit Wasser benetzt werden, damit sich lediglich die obere Papierschicht auflöst.
  1. Zum Schluss den Holzprint trocknen lassen und mit einer weiteren Schicht Photo Patch – mit dem Schwamm aufgetragen – wasserfest versiegeln.

Vorschau: Am Sonntag, den 9. April, bietet die Tipps&Tricks-Redaktion Starthilfe für alle, die auf eine vegane Ernährung umstellen möchten.

Do-It-Yourself-Projekt: Dufte Motive mit Foto-Seife

Fotos versprühen einen besonderen Zauber: Sie lassen vergangene Zeiten wieder lebendig werden, konservieren und archivieren die Vergangenheit – ganz gleich, ob es sich um Urlaubsbilder, bedeutungsgeladene Momentaufnahmen oder spontane Schnappschüsse handelt. Dabei lassen sich die abgelichteten Erinnerungen in Form von Foto-Seife nicht nur kreativ, sondern buchstäblich „hautnah“ miterleben. Der Gang ins Badezimmer wird so zum Besuch einer ganz besonderen Galerie, die sich mit allen Sinnen erfassen lässt.

Benötigte Materialien:

Waschecht: Foto-Seife (Foto: Onat)

Waschecht: Foto-Seife (Foto: Onat)

  • transparente Rohseife – im Bastelladen erhältlich
  • Duftöl oder Parfüm
  • Fotos auf Fotopapier oder Bilder auf transparenter Folie
  • Silikonformen oder aufgeschnittene Tetrapaks und Plastikbecher
  • Wasser zum Kochen
  • ein Topf, eine Schüssel, ein Messer und ein Schneebesen

Vorgehen:

1. Für die Foto-Seife die transparente Rohseife – je nach benötigter Menge – mit einem Messer würfeln und in eine Schüssel geben. Wasser in einen Topf geben und auf mittlerer Hitze erwärmen. Die Schüssel darauflegen und die Seife über dem Wasserbad zum Schmelzen bringen.

2. Wenn die Seife flüssig geworden ist, nach Belieben Duftöl oder Parfüm für den Geruch hinzufügen und mit einem Schneebesen verrühren. Wer etwas Farbe mit ins Spiel bringen möchte, kann auch Lebensmittelfarbe hinzufügen. Zu großzügig sollte man mit der Dosierung jedoch nicht sein, da die Motive sonst nicht gut zu erkennen sind.

3. Die Flüssigkeit nun zur Hälfte in die Silikonformen beziehungsweise in die Tetrapaks oder Plastikbecher gießen und aushärten lassen. Während sich Tetrapaks für eckige Seifen eignen, erhält man durch Plastikbecher runde Formen. Der Härte-Vorgang wiederum lässt sich im Kühlschrank beschleunigen.

4. Wenn die Seife fester geworden ist, das Foto oder die bedruckte Folie darauf platzieren. Die übrige Seife erneut über dem Wasserbad schmelzen und in die Form gießen. Nur noch alles an der Luft oder im Kühlschrank abkühlen lassen und die fertige Foto-Seife vorsichtig aus der Form lösen.

Tipp: Auch getrocknete Blätter, Blüten, Kaffeebohnen und Zitrusfrüchte-Scheiben lassen sich – in Seife gegossen – waschecht verewigen.

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier einen Erfahrungsbericht zur Saftkur im Selbsttest.

Urlaub der ewig hält – das könnt ihr mit euren Urlaubsbildern machen

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Immer ist er zu schnell vorbei und am Ende schaut man sehnsuchtsvoll auf die Bilder und wünscht sich in die freie Zeit zurück. Doch schnell kommt der Alltag wieder und die Bilder landen in der Fotokiste oder lagern auf der Festplatte. Doch mit diesen drei Tipps könnt ihr die Urlaubsbilder in euren Alltag integrieren.

Urlaub im Auge: Mit schönen Bildern erlebt man die schöne Zeit wieder (Quelle: Möller)

Urlaub im Auge: Mit schönen Bildern erlebt man die schöne Zeit wieder (Quelle: Möller)

1: Klassisch – Album, Aufstellen, Aufhängen

Ganz altmodisch könnt ihr euch natürlich eure besten Bilder in einem Rahmen setzen und aufstellen oder aufhängen lassen. So seht ihr die Urlaubserinnerung jeden Tag. Auch ein Fotoalbum ist heutzutage sehr beliebt. Hier könnt ihr jederzeit durch das Umblättern die tolle Zeit wieder aufleben lassen. Besonders schön werden solche Alben, wenn ihr nicht nur Fotos, sondern auch Eintrittskarten, Muscheln, Flyer oder ausländische Münzen mit einklebt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

2: Digital – Bewegt, Background

Wollt ihr eure Bilder immer bei euch haben? Dann helfen euch diese digitalen Kniffe. Arbeitet ihr zum Beispiel viel am Rechner, könnt ihr die Einstellungen so ändern, dass euer Hintergrund zu einer Urlaubserinnerung wird. Auf Wunsch der Bildschirm sogar in einem festgelegten Zeitintervall die Bilder. Alternativ könnt ihr euch einen digitalen Bilderrahmen kaufen, der eure Urlaubserinnerungen zeigt.

3: Selbstgemacht – Kreativ, Kunterbunt, Künstlerisch

Wollt ihr aus eurem Urlaubsbild etwas ganz besonderes und individuelles machen? Alles was ihr dafür braucht ist etwas künstlerisches Talent. Einfach euer Lieblingsurlaubsbild auf eine Leinwand – die es unter anderem im Künstlerbedarfsladen zu kaufen gibt – übertragen und ausmalen. Noch ein Tipp für nicht-hundertprozentige-Picassos: Etwas einfacher wird es, wenn ihr das Bild groß ausdruckt und auf die Leinwand paust.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier wie ihr aus euren Bildern Foto-Seifen herstellen könnt.

 

Die Kunst ist für mich das Tor zur Freiheit

Berlin-Mitte, in der Nähe des Gendarmenmarkts und der Spreeinsel. Hier lebt und arbeitet die erfolgreiche Künstlerin Kristina Sretkova. Am 10. Juli 1984 wurde sie in Stockholm geboren, wo sie auch die ersten fünf Jahre ihres Lebens verbrachte. Ihre Eltern stammen beide aus Bulgarien. Aufgewachsen ist sie international. Bereits seit 2000 lebt sie in Deutschland. Ihr Abitur legte sie im Leistungskurs Kunst im bekannten Internatsgymnasium Schloss Torgelow ab. Danach absolvierte sie ihr Studium zur Diplom-Mediendesignerin an der Rheinischen Fachhochschule in Köln. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Berlin und hat als Künstlerin Ausstellungen auf der ganzen Welt.

Die Kunst ist Kristinas große Leidenschaft, egal in welcher Form. Sie malt mit Herz und Seele. Zur Malerei kam sie schon in ihrer Kindheit. Dabei bevorzugt sie keinen bestimmten Stil und experimentiert viel mit Farbkombinationen. „Malen ist für mich gleichzeitig Meditation und Kreieren“, sagt die 30-Jährige. „Das lässt sich schwer in Worte fassen. Ich glaube, in diesem Sinne ist jeder Mensch ein Künstler.“

Foto: © Kristina Sretkova

Die Kunst ist Kristinas große Leidenschaft.      Foto: © Kristina Sretkova

Kristina Sretkova hatte das große Glück bei bekannten Malern aus verschiedenen Generationen unterrichtet zu werden. Sie lernte während ihres Mediendesign-Studiums an in Köln lernte sie den im Jahr 2010 verstorbenen Maler und Fotografen Sigmar Polke kennen. Seine Malerei wird dem postmodernen Realismus zuzuordnen. Mehr als 400 Arbeiten hatte er Zeit seines Lebens geschaffen. Kristina lässt sich von verschiedenen Künstlern inspirieren. Auch der französische Maler Claude Monet, einer der bedeutendsten Maler des Impressionismus, zählt zu ihren Vorbildern.

Über ihre eigenen Werke sagt sie: „Es kommt alles von innen, als ob ich das schon in einem früheren Leben gemacht hätte.“ Sie erweitert ihre Kunst und experimentiert dabei viel mit Farbkombinationen. Viele Besucher ihrer Ausstellungen sind der Meinung, dass ihre Bilder lebendig wirken und eine sehr spezielle Aura besitzen. Dabei sucht sie sich keine bestimmten Motive aus. „Alles ist eine Frage der Inspiration und der Offenbarung des Geistes“, sagt die junge Künstlerin. Sie möchte dem Betrachter ihrer Bilder Freude, Glauben, Dankbarkeit, Optimismus und die Fähigkeit zu Lieben vermitteln. „Was mich immer wieder fasziniert ist, dass sich viele junge Leute und Kinder von meiner Kunst angesprochen fühlen“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und fährt fort: „Das beeindruckt mich am meisten!“

Ihre Arbeiten zeigte sie das erste Mal bei einer Gemeinschaftsausstellung in Sofia im Jahr 2009. Nur zwei Jahre später erhielt sie unter 600 Künstlern den ersten Preis für „Abstrakte Malerei“ in Moskau. Kurz darauf hatte sie die Ehre ihre erste Soloausstellung in New York haben zu dürfen. Ihre Werke werden inzwischen weltweit verkauft. Ihre Erfolge sind beeindruckend, doch die Künstlerin wirkt nach wie vor sehr bodenständig und weiß, dass dieser Erfolg nicht nur mit viel Glück, sondern auch mit sehr viel Arbeit und Fleiß verbunden ist. Sie arbeitet sehr konsequent und zielstrebig an ihren Arbeiten. Es gehört neben Kreativität und Talent auch sehr viel Planung und Koordination dazu Ausstellungen weltweit zu organisieren. Sie sagt, sie sei ein Workaholic. Womit sie wohl recht hat, wenn man einen Blick auf ihren straffen Zeitplan wirft: 20 Kunstausstellungen pro Jahr und das weltweit.

Foto: Kristina Sretkova

Kristina Sretkova liebt ihren Beruf. Foto © Kristina Sretkova

Ihre Bilder müssen dafür immer rechtzeitig fertig sein. Sie werden sicher verpackt und in die jeweilige Stadt der Ausstellung verschickt. Flyer und Broschüren müssen erstellt werden und auch vor Ort muss alles organisiert sein. Vor einer Ausstellung hat sie gar keine Freizeit. Urlaub muss sie Monate im Voraus planen.

Kristina lehnt sich in ihrem braunen Pullover an die Wand, streicht sich eine ihrer langen, braunen Strähnen aus dem Gesicht und lächelt. Sie nimmt ihre linke Hand, legt sie wie selbstverständlich auf ihr Herz und sagt mit sanftmütiger Stimme: „Während ich male, fokussiere ich mich auf meine innere Welt und höre dabei auf meine innere Stimme, indem ich meine Intuition, Rhythmus, Intelligenz und Inspiration einsetze. Somit projiziere ich mein inneres Licht auf die Leinwand“, Kristina Sretkova. Sie deutet stolz mit ihrer rechten Hand auf ihr Bild „Elevating III“. „Das Licht sollte hier zum Bild hineinstrahlen und dann wieder herausleuchten.“

Foto: Kristina Sretkova

Kristina vor ihrem Werk „Elevating III“.  Foto © Kristina Sretkova

Dr. Sylke Wunderlich, freiberufliche Kunsthistorikerin und Designwissenschaftlerin, kennt die Berliner Künstlerin. „Kristina malt verschiedene Stufen von Lichtern, tiefe Gewässer und lodernde Feuer. Sie nutzt dabei die Kraft der Elemente und die primären Stärken der Natur. Ihre Bilder spiegeln einerseits sinnliche Momente, aber bringen auch starke Widersprüche zum Ausdruck.“ All das erzielt sie durch verschiedene Farben und Formen. Sie sei spontan, intuitiv und voller Kreativität. Ihre Werke seien spannend und leidenschaftlich, erzählt die Kunsthistorikerin weiter. „Und alles ist voll von starken Emotionen – direkt aus dem Herzen. Sie bringt so ihre künstlerische Freiheit zum Ausdruck“, sagt die 56-jährige gebürtige Leipzigerin über Kristinas Werke.

Website der Künstlerin: http://www.kristina-sretkova.com

Die „world of imaging“- Eintauchen in das Reich der Fotografie auf der „Photokina“ in Köln

Alle zwei Jahre wird das Messegelände in Köln zum internationalen Hotspot rund um
das Bild und bringt Industrie, Handel, professionelle Anwender und fotobegeiste rte Endverbraucher an einen Ort: Auf die „Photokina“. Als  Leitmesse in der „world of imaging“ bestimmt sie die Branche maßgeblich mit und bezeichnet sich nicht
ohne Grund im Schlussbericht der diesjährigen Ausstellung als „Messe mit Signalwirkung“. Welche innovativen Entwicklungen und Neuvorstellungen uns im Bereich der Fotografie demnächst erwarten können, hat si
ch Face2Face einmal genauer angeschaut.

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Versucht sich von der Konkurrenz abzuheben: der japanische Kamerahersteller Canon (Foto:Betz)

Ob Profi-Ausrüstung für die wertvolle Spiegelreflexkamera, Informationen über die neuesten technischen Entwicklungen im Bereich des Fotoprints oder die Vorstellung der Highlights in der Action-Cam-Szene.  In elf Hallen mit insgesamt über 1000 Ausstellern wird auf der „Photokina“ für jeden etwas geboten.

Bei einem so breiten Angebot an Möglichkeiten, bleibt nichts anderes übrig, als sich schon vorab einen kurzen Überblick über die anwesenden Unternehmen und das Programm zu verschaffen. Dank der übersichtlichen Internetseite und der App für das mobile Endgerät kein Problem! Ein Blick auf die Kategorie „Events“ verrät mir schon, dass ich mich unbedingt in der „photokina action zone“ näher umsehen möchte und außerdem interessiert an dem 3D-Drucker, der 360°- Fotografie und analogen Kameras bin. Des Weiteren laden die „Haifische“ Canon und Nikon mit ihren beeindruckend aufgebauten Ausstellungsflächen zum Ausprobieren der vielen verschiedenen Kameras ein.

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Lädt den Besucher zu ein bisschen „Fotospaß“ ein: Das „Mirror House“ (Foto: Betz)

Da sich Canon in einer der ersten Hallen befindet, starte ich meine Erkundungstour durch die „world of imaging“ bei dem japanischen Unternehmen. Entsprechend ihrer Marktstellung wird dem Besucher auch einiges geboten: Neben unzähligen Kameras, von kompakter Digitalkamera bis hochauflösender DSLR, werden auf der Bühne verschiedene Vorträge und Live-Shootings mit Erklärungen vorgestellt. Außerdem laden die Stationen „Mirror House“ und „Be A Gladiator“ den Besucher zu ein bisschen „Fotospaß“ ein, indem sie durch eine Spiegeltechnik so aussehen, als würden sie eine Hauswand hochklettern könnten (siehe Foto) oder ihr Gesicht auf den Körper eines Gladiators gesetzt wird.

Während sich die nächsten beiden Hallen hauptsächlich mit Equipment für den Berufsfotografen beschäftigen, steht Halle 4 ganz unter dem Motto „Produkte für den Endverbraucher“. Hier treffe ich auf die Firma „mysocialdiary“, die Fotobücher aus Facebook-Chroniken erstellt, kann mir kostenlos eine Handyhülle von „MeinDesign“ erstellen lassen und bekomme ein frischgedrucktes Foto, auf dem ich mit einer täuschend echten Version der „Queen“ zu sehen bin.  Des Weiteren begeistern mich die Angebote der Polaroid- und analogen Kameras, die wieder schwer im Trend sind.

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Sind wieder „voll angesagt“: analoge Kameras (Foto:Betz)

Nachdem ich diese Halle verlassen habe, ist auch schon so viel Zeit vergangen, dass ich es nur noch in die „photokina action zone“ schaffe, um mich von den neuen Techniken der Action-Cams überzeugen zu lassen. Hier bekommt man die Möglichkeit, die Kameras wortwörtlich „in action“ zu testen: Fotos schießen während man in einer Kugel sitzt, die in die Luft geschossen wird oder Aufnahmen während des Bullriding– die „Photokina“ macht’s möglich!

Für den 3D-Drucker und die 360°- Kameras hat meine Zeit nach den vielen Eindrücken leider nicht mehr gereicht – das macht aber nichts, sondern ist nur ein Grund mehr, vom 20.-25. September 2016 wieder nach Köln zu kommen!

Vorschau: Nächste Woche erscheint hier ein Bericht über Jace Rashid – Schauspieler, Model, Multitalent.

Malen kann jeder!?

Malen kann jeder. Das weiß schon mein Sohn. Doch er hat in seinen fast fünf Jahren auch schon gelernt, dass malen nicht immer malen ist. „Ich kritzel immer nur“, sagt er dann enttäuscht und lässt Stifte und Pinsel fallen. Frustrierend. Nicht nur für Fünfjährige. Auch mancher Erwachsene fühlt sich überfordert, wenn es ums Selbstmalen geht. Ein Strichmännchen bei den Montagsmalern geht gerade noch, wenn es dann aber komplizierter wird, oder gar eine Leinwand gefüllt werden soll, gibt es großes Zögern. Und Neid auf alle, die scheinbar mühelos Farbe auf Keilrahmen klatschen oder riesige Zeichenblöcke füllen.

Ich selbst male gern hin und wieder ein Acrylbild oder versuche mit dem Bleistift etwas malerisch festzuhalten. Mit viel Selbstkritik und der Hoffnung, dass letztendlich doch noch Übung den Meister macht. Wäre doch schön. Mein Mann dagegen schaut lieber zu. Nicht unbedingt mir, sondern einem anderen, der gar nicht mehr lebt, im Fernsehhimmel aber lebendigt bleibt. Bob Ross, den ich vorher nicht kannte. Und ich war erstaunt mit welcher Leichtigkeit der Kerl Landschaft über Landschaft mit Ölfarben geradezu hinzauberte. Jeder Pinselstrich saß, jeder Farbklecks hatte einen Grund. Und über allem schwebte der Leitsatz „We don’t make mistakes, we have happy accidents“. Noch heute schwirrt er durch das spätabendliche Programm eines Drittsenders und erklärt wie leicht es doch ist zu malen, denn malen kann jeder.

Das wollte ich am eigenen Leibe erfahren. Und nicht nur ich, auch mein Mann, der sich immer für wenig künstlerisch hält, sollte ausprobieren so zu malen, wie sein Kunstidol. Kurzerhand habe ich ihm also zu unserer Hochzeit einen Bob-Ross-Malkurs geschenkt. Und im letzten Dezember haben wir den Gutschein eingelöst, den Versuch gewagt und losgemalt.

Noch kein Meisterstück? Der Perfektionist kann immer an sich arbeiten (Foto: Obermann)

Farbe, Leinwand, Pinsel, alles war da, was die Sache ungemein vereinfachte. Immerhin mussten wir die teuren Öl-Farbtuben nicht selbst kaufen, sondern konnten nutzen, was da war. Da die Kurse generell in kleinem Kreis stattfanden, mussten wir auch nicht fürchten auf Gutgeübte zu treffen, die uns beschämend an die Wand malten. Nur wir zwei und die Kursleiterin in einem gemütlichen Räumchen bei Worms. Gut, womöglich war auch Bob Ross’s Geist anwesend, ausschließen kann ich es nicht.

Die erste Aufgabe bestand darin, sich eine Vorlage auszusuchen. Wir blätterten in den Heften mit Bildern des Künstlers, machten gegenseitig Vorschläge und fanden schließlich auch zwei unterschiedliche Landschaften, an denen wir uns probieren wollten. „Das packt ihr“, beruhige und die Leiterin. Bevor wir loslegen konnten, mussten wir die Leinwand dann noch mit einem Trocknungsverzögerer einpinseln. Gleichmäßig, nicht zu dick, keine Stelle vergessen. „Seid vorsichtig. Einmal kamen wir aus der Pause und das ganze Bild war runtergeflossen“, wurden wir gewarnt und wurden unsicher. Von wegen happy accidents.

Endlich ging es los. Zuerst der bunte Hintergrund, der Himmel und die Gewässer. Das sah noch sehr abstrakt aus. Dann wurde es schwieriger. Die Kursleiterin zeigte an einer Probeleinwand die Techniken, mit denen wir die Wolken an den Himmel bekamen und später die Tannenbäume vor den Schatten. Im Prinzip muss dabei von hinten nach vorne gemalt werden. Erst der Hintergrund, dann die Schatten, die eigentliche Objekte, schließlich die Lichteffekte. Und was im Fernseher bei Bob Ross noch ganz einfach aussah wurde trotz sich widerholender Technik ganz schön schwer. Allein die Tannenbäume brauchten mehr Zeit, als wir je gedacht hätten und wir waren froh, dass es am Ende nicht so viele waren, die wir zu malen brauchten.

Ein Tag Arbeit: Erstaunlich schnell mit der richtigen Technik (Foto: Obermann)

„Wagerecht halten“, „Nur tupfen“, „Zu viel Farbe“, „Zu wenig Druck“, „Mehr Platz lassen“, „Dichter“, „Frische Farbe“, … die warnenden und helfenden Worte der Kursleiterin begleiteten uns. Immerhin wollten wir trotz aller glücklicher Unfälle ja zwei ansehnliche Bilder mit heimbringen. Den ganzen Tag standen wir vor den Staffeleien und klatschten Ölfarbe an die Leinwand. Eine Mittagspause mit Essen im nahegelegenen Restaurant war eingeplant und am Ende waren wir alle geschafft. Bob Ross Techniken bestechen durch eigentlich einfache Handgriffe, die sich wiederholen. Kritikpunkt mag sein, dass es eben so technisiert ist. Das lässt dem ein oder anderen wenig Raum für individuelle Pinselstriche. Und genaue Vorlagen lassen immer etwas das Gefühl von Malen-nach-Zahlen zurück. Auch für mich war es eine Umstellung, denn mit Acrylfarben male ich eigentlich lieber Abstrakter und intuitiv, nicht so planend und technisch. Mein Mann dagegen liebt klare Vorgaben und Linien. „Meine Wolken sehen viel zu geometrisch aus“, meckerte er schon beim Malen. Aber er blieb dabei und war am Ende stolz wie Oskar.

Unsere Ergebnisse können sich sehen lassen. Am Ende sahen sie gar nicht so abgemalt vom Original aus, sondern wirklich wie ganz eigene Landschaften, mit eigenen Stimmungen, die dann vielleicht doch nur wir so haben malen können. Mein perfektionistischer Mann ist mit seinem zwar nicht ganz zufrieden, plant aber schon den nächsten Malkurs. Es gibt ja noch so viele Landschaften. Und irgendwann klappt es dann auch mit den Tannenbäumen. Eins jeden Fall haben wir gelernt. Malen kann jeder – und mit der richtigen Technik sogar ziemlich gut.

Vorschau: Alexandra lüftet nächste Woche die Symptomatik des Wochenendpendlers.

„Fotografieren bedeutet für mich ein Stück Freiheit“

Ljubas aktuelles Lieblingfoto: Lisa-Marie (Foto: Gonchar)

Mit ihren großen, dunklen Augen, einem Blick, der intensiver nicht sein könnte, blickt Lisa-Marie in die Kamera. Ihr heller Körper wird umschmeichelt von einem zart-violetten Seidentuch. Auf dem natürlich-braunen Haar liegt ein sommerlicher Glanz. Ein schönes Mädchen wie Lisa-Marie ist die eine, unbestreitbar wichtige Zutat für ein gelungenes Foto – den übrigen Part übernimmt Ljuba Gonchar, Kulturantrophologie-Studentin und Hobbyfotografin. Mit Face2Face sprach die 23-Jährige über ihre Leidenschaft fürs Fotografieren, ihre liebsten Shooting-Orte und vieles mehr.

Face2Face: Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ljuba: Alles fing damit an, dass ich selbst bei einem Bekannten als Model vor der Kamera stand. Ich war unglaublich fasziniert von den damals entstandenen Bildern und dem gesamten Prozess. Außerdem habe ich mir zum ersten Mal selbst auf Bildern gefallen. Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich selbst etwas Kreatives machen wollte. Da ich weder besonders gut zeichnen, noch malen kann, habe ich angefangen mit einer ganz einfachen Digicam Selbstportraits von mir zu machen und mit simplen Programmen Filter drüber laufen zu lassen. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass eine einfache Kamera nicht mehr ausreicht und dass es viel spannender ist, andere Menschen zu fotografieren. Bis ich endlich das Geld für das nötigste Equipment zusammengespart hatte, sind knapp zwei Jahre vergangen.

Gut getroffen: Annabelle (Foto: Gonchar)

Face2Face: Welche Programme verwendest du zum Bearbeiten der Bilder? Gibt es welche, mit denen du schlechte Erfahrungen gemacht hast? Welche kannst du weiterempfehlen?
Ljuba: Angefangen hatte ich mit „Photoshop“ und habe zunächst nur Bahnhof verstanden. Dann habe ich mir „Gimp“ installiert. „Gimp“ ist ein kostenloses und freies Bildbearbeitungsprogramm. Selbstverständlich hat es nicht ansatzweise die Funktionen, die „Photoshop“ mit sich bringt, aber für eine Freeware (Anm. d. Red.: eine Freeware ist ein vom Urheber kostenlos zur Verfügung gestelltes Programm) ist „Gimp“ in meinen Augen eine ziemlich gute Alternative zu einem teuren Programm. Außerdem habe ich mir diverse Tutorials dazu im Internet gesucht und Fotografen aus meinem Freundeskreis ausgefragt. So ähnlich habe ich es auch mit „Lightroom“ gemacht. „Lightroom“ ist das Hauptprogramm, das ich zum Bearbeiten meiner Bilder verwende und ich kann es jedem wärmstens empfehlen. Als Student bekommt man sogar eine vergünstigte Version.

Face2Face: Hast du ein Lieblingsfoto? Und wenn ja, was gefällt dir daran besonders gut?
Ljuba: Das ist eine unglaublich schwierige Frage! Mein Lieblingsfoto ändert sich ständig von Shooting zu Shooting. Somit ist immer das neueste Bild mein liebstes, sonst würde ich es wohl weder bearbeiten, noch veröffentlichen wollen. Da mein letztes Shooting mit Lisa-Marie war, ist dieses Bild hier mein aktueller Liebling. Ich mag an diesem Bild insbesondere Lisas Natürlichkeit und ihre Sommersprossen.

Macht auch als Model eine gute Figur: Hobby-Fotografin Ljuba Gonchar (Foto: Magdans)

Face2Face: Was bedeutet das Fotografieren für dich?
Ljuba: Ganz banal? Alles. Irgendwie verstehe ich das als ein Stück Freiheit. Ich kann ständig neue Sachen ausprobieren und immer mehr dazu lernen. Außerdem trifft man so auf viele, sehr interessante und tolle Menschen, die ich ohne die Fotografie gar nicht kennen würde. Ich glaube, jeder der fotografiert, fängt irgendwann an, alltägliche Dinge ganz anders wahrzunehmen. Man hat irgendwie einen detaillierten Blick für seine Umwelt bekommen, erfreut sich sprichwörtlich an kleinen Dingen und versucht dann, sie fest zu halten. Ganz ehrlich habe ich lange Zeit nach etwas gesucht, dass mich absolut interessiert, erfüllt und meine Zeit raubt. Daraus ist dann die Leidenschaft zur Fotografie entstanden.

Face2Face: Wo fotografierst du am liebsten? Und wieso gerade dort?
Ljuba: Am liebsten fotografiere ich draußen in der Natur. Zunächst finde ich es immer spannend, ein schönes Plätzchen zu suchen. Am besten eins, das nicht an einer stark befahrenen Straße oder direkt im Wohngebiet liegt, um eine ruhige und entspannte Atmosphäre ohne unnötige Beobachter zu haben. Durch die Suche habe ich schon Plätze entdeckt, die mir ohne die Fotografie gar nicht aufgefallen wären. So etwas meinte ich vorhin mit dem detaillierten Blick. Außerdem fotografiere ich gern draußen, weil man einerseits so schön mit dem Licht spielen kann, was manchmal eine große Herausforderung ist und weil man gefühlt viel mehr Möglichkeiten hat, als in einem Raum. In geschlossenen Räumen fotografiere ich jedoch auch gerne, nur muss der Raum groß und vor allem hell sein, da ich keinen Blitz, sondern stets das vorhandene Licht nutze und nutzen will.

Die Liebe zur Fotografie: Model Julia drückt sie bildlich aus (Foto: Gonchar)

Face2Face: Was möchtest du mit deiner Fotografie erreichen? Was sind deine Zukunftspläne?
Ljuba: Ich will mich weiterentwickeln. Dazu muss ich gefühlt noch eine Tonne Tutorials schauen, viel, viel, viel mehr fotografieren und mir noch so einiges an Equipment zulegen. Außerdem bastele ich momentan noch an meinem Blog, der hoffentlich irgendwann bald fertig sein wird. Davon abgesehen denke ich, dass schon sehr viel erreicht ist, wenn sich die Menschen auf meinen Bilder selbst gefallen. Das ist das größte Kompliment und eines der wichtigsten Dauerziele weiterhin.

Info:
Für ihre persönlichen Projekte und die Erweiterung ihres Portfolios ist Ljuba immer auf der Suche nach neuen, faszinierenden Gesichtern. „Man muss weder perfekte Maße noch die ideale Modelgröße haben“, sagt sie, „bewerbt euch einfach mit ein paar Bildern – Portrait und Ganzkörperaufnahmen – bei mir per E-Mail.“ Die Bilder sollten möglichst natürlich gehalten sein, ohne übermäßiges Makeup.

Kontakt:
E-Mail: Ljuba.gonchar@googlemail.com
Homepage (im Aufbau): ljubagonchar.blogspot.de

Vorschau: Am Dienstag, 3. Juli, erwartet euch hier ein Interview mit Sternekoch Frank Buchholz.

Tiere, Bilder, Emotionen

Harte Hörner, weicher Kern: Auch Ziegen sind manchmal gerne beste Freunde des Menschen (Foto: Lobig)

Harte Hörner, weicher Kern: Auch Ziegen sind manchmal gerne beste Freunde des Menschen (Foto: Lobig)

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein Blick reicht als Aussage oft schon aus – das gilt auch bei Tieren. Jedes einzelne, selbst wenn es kein typischer bester Freund des Menschen ist, zeichnet einen eigenen Charakter aus. Fotos, die diesen zeigen, sind erst besondere Fotos. Immer wieder fällt Fotografen auf, dass die außergewöhnlichsten Bilder durch Zufall und in der Bewegung entstehen. Darum gibt es heute eine Fotogalerie der witzigsten, besondersten und ausdrucksstarksten Bilder von den verschiedensten Tieren zu sehen.

Höhenflug: So sieht es aus, wenn zwei junge Pferde zusammen frei laufen dürfen

Höhenflug: So sieht es aus, wenn zwei junge Pferde zusammen frei laufen dürfen (Foto: Lobig)

Motzig: Verschiedene Tiere, verschiedene Charaktere, verschiedene Launen

Motzig: Verschiedene Tiere, verschiedene Charaktere, verschiedene Launen (Foto: Lobig)

Menschlich: Manchmal könnten sich auch Katzen einfach nur an den Kopf fassen

Menschlich: Manchmal könnten sich auch Katzen einfach nur an den Kopf fassen (Foto: Lobig)

Edel: Erst in der Bewegung sind die Tiere besonders fotogen

Edel: Erst in der Bewegung sind die Tiere besonders fotogen (Foto: Lobig)

Gelenkig: Große Tiere werden, was ihre Körperbeherrschung angeht, oft unterschätzt

Gelenkig: Große Tiere werden, was ihre Körperbeherrschung angeht, oft unterschätzt (Foto: Lobig)

Faszinierend: Auch ein Waldkauz (Eule) trägt Charakterzüge, die man an seinem Ausdruck ablesen kann

Faszinierend: Auch ein Waldkauz (Eule) trägt Charakterzüge, die man an seinem Ausdruck ablesen kann (Foto: Lobig)

Ja, ich altere

Es passiert mir immer öfter. Ich merke, dass ich alt werde. Nicht, weil ich Falten hätte, oder Rheuma, graue Haare. Erscheinungen, die ich zwar kenne, aber nicht unbedingt von mir persönlich. Auch der Ernst des Lebens hat mich noch nicht so wirklich eingeholt. Als Studentin bleiben manche Sorgen einfach fern. Mein Sohn hält mich eher jung, als dass er alt machte. Ohne Reue Zeichentrickfilme, Kinderbücher und mit Wasserfarben klatschen, Kinderlieder trällern und Seifenblasen machen. Nein, das klingt nicht nach alt.

Wer hat den Größten? Digitale Kuchenschlachten machen nicht dick, dafür aber alt (Foto: Obermann)

Was mich erschrickt, eigentlich lächerlich, wenn ich bedenke, dass selbiger Schritt von mir für nächstes Jahr schon lange geplant ist, ist das Heiraten. Präzise: Wenn alte Schulfreunde, Leute von denen ich ewig nichts gehört habe, heiraten. Am Wochenende hatten wir besuch. Zwischen Partywok und „Megamind“ erzählt er uns, ohne mit der Wimper zu zucken, dass eine Bekannte kürzlich geheiratet hat und nun ein Kind erwartet. Das saß. Und es war nicht die erste unheimliche Begegnung in Weiß und Tüll. Schon vor einigen Jahren erfuhren wir, dass ein guter Freund beschlossen hatte, spontan zu heiraten. Wir jedenfalls wussten von nichts und glaubten der Computer wäre kaputt. Der zeigte nämlich ungetrübt beim Facebook-Status „verheiratet“ an. Einfach so, von einem Tag auf den anderen.
Facebook scheint überhaupt der große Hit zu sein, wenn es darum geht, vom Ringtausch zu prahlen. Die Fotos im Profil werden in sepiafarbene Hochzeitsbilder vom teuren Fotografen ersetzt, nach und nach, damit es auch alle erfahren und keiner sich den gestellten Liebesbilden entziehen kann, werden auch die übrigen Hochglanzabzüge digitalisiert und in einem oder mehreren Alben der Internetgemeinde vorgeführt. Ganz schlaue richten für Standesamt und Kirche verschiedene Ordner ein, die dann noch in professionell und selbst geschossen unterteilt werden wollen. Irgendwas wird da auf jeden Fall geschossen, womöglich ja der Twitter-Vogel. Denn Hochzeitswahnsinnige dieser Tage haben ja nicht nur Facebook, sondern mindestens noch Twitter, wenn nicht sogar schon Google+.

Selbige Rüschenliebhaber melden dann auch immer wieder, wie schön alles gewesen sei, die Torte, die Gäste, das Wetter und überhaupt. Hochzeitswettkampf 2.0. Endlich habe ich den ultimativen Grund für Facebook gefunden. Es geht nicht mehr darum, Frauen Noten für ihr Aussehen zu geben, sondern um ganze Vermählungen. Warum noch Einladungen verschicken, wenn alle Welt im Netz teilhaben kann an perfekt sitzenden Frisuren, makellosen Bildern und der Liebe, die durchs World Wide Web schwebt. Kommen bei euch da etwa leise Zweifel an der Perfektion?
Und dann gibt es noch die absoluten Facebook-mit-Hochzeit-überschwemm-Finalistinnen. Die kommen mit den Hochzeitsbildern nicht erst nach der Trauung. Nein, warum auch? Schon Monate vorher geben sie täglich Statusmeldungen ab, wie weit die Planung vorangeht. Eine alte Freundin hatte sogar eine eigene Hochzeits-Website eingerichtet mit Kennenlerngeschichte, Trauzeugenvorstellung, Menuplan. Und das, bevor der Termin offiziell angemeldet war. Jeden Mittag gab es denn Ich-heirate-Countdown mit zwei Zahlen, damit auch wirklich keinem entgehen konnte, wann sie und ihr Liebster sich vor Staat und Kirche das Ja-Wort geben wollten.

Hier kommt die Braut: Das Online-Wettrennen um das schönste Brautkleid hat längst begonnen (Foto: Beutler)

Ja, ich bin auch eine Frau. Ja, ich will auch heiraten. Ja, ich freue mich auch darauf. Aber dem großen Rest der Welt wird das egal sein, warum muss ich ihn dann bis aufs Blut damit konfrontieren? Ich warte nur darauf, bis eine der Spezialistinnen Bilder der Geburt ihres ersten Kindes hochlädt. Oder gleich ein Video. Erklärt es mir, ich brenne darauf: Muss das sein? Ein Bild, dagegen sag ich nichts. Zwei, drei Meldungen, wenn der große Tag vor der Tür steht, meinetwegen. Wir wollen ja schließlich nur einmal heiraten und es ist toll, wunderbar, romantisch, was weiß ich. Aber irgendwie, irgendwo und irgendwann reicht es doch wirklich. Denn dann bekomme ich zumindest das Gefühl, dass alle Welt um mich herum heiratet. Der eine, die andere, die auch noch, die schon wieder oder immer noch, der jetzt auch.
Tja, und dann, dann fühle ich mich alt. Wenn Leute, mit denen ich im Sandkasten gesessen habe plötzlich einen anderen Nachnamen haben. Wenn Freundinnen und Freunde sich auf ewig binden. Wenn auf einmal überall so viele, wichtige Entscheidungen getroffen und Fragen mit „Ja“ beantwortet werden. Das ist der Ernst, ernster wird’s nicht, das macht uns alle auf einen Schlag erwachsen. Nicht nur erwachsen, auch vernünftig und nachdenklich, planend und berechnend. Und irgendwie eben auch alt. Daran kann ich schlecht was ändern und das ist noch viel schlimmer, denn für Falten gibt es Cremé, für Haare Tönung. Alt werden wir trotzdem, jeden Tag ein bisschen mehr. Woran merkt ihr, dass ihr alt werdet?

Vorschau: Nächste Woche berichtet Lea, wie es ist, wenn ihr einfach alles über den Kopf wächst.