Ohne Karriere? Ohne uns!

Ich weiß noch, wie mein Großvater vor mir stand, der Blick mehr sorgenvoll, als abwertend, der Mund ein bisschen spöttisch. „Das geht doch nicht, dass eine Frau Kinder hat und arbeitet. Du musst dich entscheiden!“ Ich war keine 16 und von meiner Entscheidung, ob ich Kinder haben möchte oder arbeiten oder beides oder gar nichts, meilenweit entfernt. Als ich mit 20 auf seinem Sofa saß und ihm offenbarte, dass ich schwanger war – mitten im Studium, aus einer Arbeiterfamilie stammend – ignorierte mein Opa die Frage seiner Frau, ob der Vater des Ungeborenen denn mein Ehemann würde (Spoiler: mittlerweile ist er es , aber es hat noch ein paar Jahre gedauert) und fragte stattdessen „Und was wird aus deinem Studium?“ Denn auch wenn mein Opa wusste, dass die Welt für mich einfacher gewesen wäre, wenn ich nur eines gewollt hätte, oder zumindest nicht alles auf einmal, wollte er unter allen Umständen, dass ich seine Worte von damals Lügen strafte.

Der Sinn des Lebens

Kind, Karriere, Küchenfee: Vor allem auf Frauen wächst der Druck, alles auf einmal zu sein (Foto: geralt / pixabay.de)

Mein Großvater ärgerte sich gern über die Welt und ihre Kleinigkeiten, aber er wollte, dass sie eine bessere wurde. Ich war sein einziges Enkelkind, das studiert hat – meinen Abschluss hat er nicht mehr erlebt. Er hat dabei nie von Karriere gesprochen, immer nur von arbeiten. Heute könnten wir uns gemeinsam aufregen. Kind und Karriere, die zwei Ks, die durch die Küche zur perfekten Trias werden. Und weil Karriere einen besseren Ruf als Küche hat, ist der Weg der Frau dorthin nicht leichter, aber angesehener, während die Küche für den Mann oft ein sagenumwobener Raum voll Nahrungsmittel in ihren Rohzuständen, dem brummenden Zauberkasten, der Geschirr saubermacht, und der Quelle kühler Getränke wird. Ja, ich übertreibe. Ja, ich meine es wirklich so. Karriere, das ist das neue Nirwana, der Weg der Erlösung, die vollkommene Erfüllung unseres Lebenssinns.

Karrieredämon

Der Dämon mit der Aktentasche: Karriere ist das neue Nirwana (Foto: StockSnap / pixabay.de)

So ein gequirlter Schwachsinn. Seien wir mal ehrlich: Ein großer Teil aller Arbeitnehmer steht morgens auf, reibt sich die geschwollenen Augenlider, trinkt einen Muntermacher und schleppt sich zu einer Arbeit, die ihn nicht erfüllt. Ob Karriere oder nicht. Manager leiden genauso oft am gefürchteten „Burn-out“ wie Lehrer, Berühmtheiten, Köche, Ärzte, Supermarktangestellte. Warum? Weil wir den Hals nicht voll bekommen können! Karriere machen heißt nicht, an eine Spitze gelangen, sondern immer weiter nach oben zu streben. Nicht nur eine gute Stellung haben, sondern auch gute Arbeit leisten. Mittelmäßigkeit scheint der Tod jedes Lebenssinns zu sein. Ich sehe da nur zwei Probleme: Menschen arbeiten unterschiedlich, haben unterschiedliche Stärken und darum auch unterschiedliche Mittelmäßigkeiten. Und niemand kann ständig 100 Prozent geben, nicht nur, weil er dann bald nur noch 0 Prozent Leistung hat, sondern auch, weil sonst seine Auslastung zur Norm wird. Zur Mitte, die es zu übertrumpfen gilt. Karriere, dieses toll klingende Wort, dem alle gerecht werden sollen, ist ein Dämon mit Aktenkoffer.

Die grauen Herren

Immer alles gebe? Wer immer auf 100% fährt, kommt schnell ans Ende seiner Kräfte (Foto: geralt / pixabay.de)

Mich dünkt, Michael Ende hat für Momo nicht umsonst die grauen Herren mit Zigarre und Aktenkoffer versehen. Auch wenn heute die Zigarre gegen einen Weizengrassmoothie ausgetauscht werden kann, bleibt die Botschaft bestehen. Wer immer mehr will, hat am Ende nichts mehr. Darum sehe ich auch den Begriff „Quality Time“ sehr zwiegespalten. Es ist toll und absolut wichtig, sich bewusst Zeit für sich selbst und die Familie, egal in welcher Form, zu nehmen. Das füttert unseren Akku, bringt uns zum Lachen, zum Lieben, zum Leben. Ein Schaumbad, ein Spaziergang, ein Tag im Garten und es geht uns besser. Da kommt der leise Zweifel in mir hoch, warum dann dieser Karrieretrieb, der uns so auslaugt, so viel wichtiger sein soll. Ja, es gibt Menschen, die das Glück haben, zu lieben, was sie tun. Ich liebe es zu schreiben, also gehöre ich definitiv dazu. Wenn ich damit jetzt noch meinen Lebensunterhalt bezahlen kann, ist meine Welt perfekt. Und wie teuer mein Lebensunterhalt ist, hängt von mir ab. Minimalismus ist längst Teil unseres Lebens geworden. Wir besinnen uns auf eine Umgebung, die mehr von uns hat, anstatt einfach nur „Mehr“. Warum darf das für unsere Arbeit nicht auch gelten? Egal, ob an der Kasse, auf dem Bau, beim Haareschneiden, an der Tafel oder im Büro. Weniger – und ja, das meine ich ernst – ist auch da mehr.

Grün vor Neid? Warum wir dieser Eigenschaft schleunigst den Laufpass geben sollten

Grün vor Neid - aber haben wir wirklich Gründe neidisch zu sein? (Foto: uschi dreiucker  / pixelio.de)

Grün vor Neid – aber haben wir wirklich Gründe auf andere neidisch zu sein? (Foto: uschi dreiucker / pixelio.de)

Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Eigenschaft Neid erst mit dem Älterwerden einstellt. Vielleicht romantisiere ich das Kind sein aber auch zu sehr. Sogleich fällt mir nämlich ein, dass ich mich mit Freundinnen im Kindesalter in die Haare bekam, mit ihnen raufte, wenn es sich etwa um die Aufteilung von Süßigkeiten drehte und jemand ungefragt diese schon früher anrührte, als abgemacht. Ist Neid eine ganz gewöhnliche, menschliche Eigenschaft? Bei längerem Überlegen fällt mir noch eine weitere Kindheitsanekdote ein: Früher war ich neidisch auf die beeindruckende Überraschungsei-Figurensammlung einer guten Freundin, die schon damals aus seltenen sowie begehrten Elefanten und „Hippos“ bestand. Was dazu führte, dass ich gelegentlich unauffällig eine Figur mitgehen ließ. Ja, noch heute schäme ich mich dafür in Grund und Boden.

Jeder will das größte Stück vom Kuchen: Das scheint sich auch mit dem erwachsen werden nicht zu ändern. Vielmehr weitet sich dieser Neid oft auf andere Lebensbereiche aus (Foto: Gabi Eder  / pixelio.de)

Jeder will das größte Stück vom Kuchen: Das scheint sich auch mit dem erwachsen werden nicht zu ändern. Vielmehr weitet sich dieser Neid oft auf andere Lebensbereiche aus (Foto: Gabi Eder / pixelio.de)

Ist es normal, dass wir auf den Teller des anderen rüber lugen, in der Befürchtung, der Sitznachbar, könne mehr vom leckeren Essen auf den Teller geschaufelt haben? Geht es euch auch manchmal so, dass ihr neidisch seid, wenn das Weihnachtsgeschenk der Geschwister viel besser ausgefallen ist und deren Geschmack getroffen hat? Neid – das bedeutet, dass wir Besitztümer, die sich nicht nur auf das Materielle begrenzen müssen, anderen Menschen nicht gönnen, oder aber uns an Ihre Stelle wünschen. Mit dem Älterwerden, habe ich festgestellt, dass das neidisch sein auch vor dem eigenen Freundeskreis nicht Halt macht. Und das ist etwas, was ich unmöglich akzeptieren kann. Ich würde mich als Menschen bezeichnen, der sich von Herzen für andere freut. Es macht mich gleichermaßen glücklich und stolz, wenn Freunde mir von Erfolgen berichten, sich einen langersehnten Wunsch erfüllen, oder für kontinuierlichen Fleiß belohnt werden und eine verdiente Praktikumsstelle erhalten. Aber ich will mich nicht als Heilige rühmen. Auch in mir macht sich ab und an der Neid breit. Wenn ich Menschen begegne und völlig davon geblendet bin, was diese in ihrem Leben bereits alles erreicht haben, erweckt das auch in mir bisweilen den abscheulichen Neid zum Leben. Plötzlich plustert er sich auf wie noch was. Langsam spüre wie er sich in mir ausbreitet und fast ganz Besitz von mir zu ergreifen scheint.

Lernen wir neidisch zu sein? Ich für meinen Teil  verabscheue es, wenn ich Menschen schon im Gesicht ablesen kann, dass sie auf etwas neidisch sind. Gespielte Freude, ein unbeholfenes, in die breite gezogenes Grinsen, das mehr einer Clownsgrimasse als einem ehrlichgemeinten Lächeln ähnelt – so könnt ihr den Neid garantiert sofort entlarven.  Neid – das ist eine Eigenschaft, die schleunigst aus der Welt verdammt werden muss. Sie beschwört nämlich nur Schlechtes herauf und macht selbst den hübschesten Menschen unsagbar hässlich.

Erfolg macht andere neidisch: Aber wieso gönnen wir Menschen ihren Erfolg oftmals nicht? (Foto: I-vista  / pixelio.de)

Erfolg macht andere neidisch: Aber wieso gönnen wir Menschen ihren Erfolg,  der viel Fleiß und Mühe abverlangt hat, oftmals nicht? (Foto: I-vista / pixelio.de)

Kein Wunder, dass im Christentum Neid eine schlechte Tugend ist und sogar eine der sieben Todsünden darstellt. Und auch im Islam wird Neid als etwas angesehen, dass es zu  überwinden gilt. Jener Miesepeter scheint wohl auch in direkter Verbindung mit dem Egoismus zu stehen. Darum geht es doch im Kern? Wir wollen unentwegt, dass sich alles um uns dreht. Und ja, in dieser Gesellschaft, werden wir zu egoistischen Wesen herangezogen, die nur auf ihr eigenes Wohl aus sind. Ich habe mir eine gute Taktik überlegt, wie ich den Neid, übers Ohr legen kann. Treffe ich Menschen, die ich bewundere, nennen wir das Kind ruhig beim Name, beneide, halte ich mir immer vor Augen, dass diese einen ganz anderen Lebensweg als ich eingeschlagen haben, durch andere Umstände, dorthin gelangten, wo sie heute stehen. Neidisch zu sein, ist bei genauerem Überlegen völlig unsinnig. Nie im Leben nämlich, werde ich wie diese Person sein, die vor mir steht. In meinem Leben haben sich andere Dinge ereignet, die mich an andere Stationen gebracht haben. Wir sollten nicht immer von uns aus gehen und immer sofort alles auf uns beziehen. Womit wir wieder beim Egoismus angelangt wären. Scheint ganz so als seien der Neid und der Egoismus alte Bekannte. Ich habe mir angewöhnt, Menschen zunächst einmal anzuhören und dabei nicht sofort irgendwelche Rückschlüsse auf mich zu ziehen. Das hilft. Und tut zudem Freundschaften gut und fördert neue Bekanntschaften. Deshalb sollten wir alle dem Neid den Laufpass geben. So kann zumindest ich mich viel besser auf Menschen einlassen, mich an Konversation erfreuen, etwas Nützliches daraus ziehen und am Ende vielleicht sogar motiviert und angespornt aus dieser hervorgehen.

Vorschau: Eva verrät nächstes Mal, warum wir öfter mal zum Stift greifen und Briefe schreiben sollten.

Die Sache mit dem Doktor oder warum ich promovieren will

Warum Promovieren? Darum eben! (©S.Hofschlaeger / pixlio.de)

Warum Promovieren? Darum eben! (©S.Hofschlaeger / pixlio.de)

Mit dem Masterzeugnis in der Tasche wandere ich erst einmal zum Kopierer. Ich will mich aber nicht für irgendwelche Arbeitsstellen bewerben, nein, mein Plan ist es, erst einmal zu promovieren. Sobald ich das aber erzähle heißt es erst einmal: „Warum?“ Dicht gefolgt von „Jetzt?“ und „Was willst du später damit machen?“

Ja, es mag sich für manche etwas verrück anhören, wenn eine Mutter, die gerade erst ihr drittes Kind bekommen hat, sich nicht ein bis drei Jahre nur um eben dieses kümmert, sondern gleich wieder loslegen will. Auch in einer Zeit, in der Kindertagesstätten für Einjährige deutschlandweit zu finden sind und Väter ebenso Elternzeit nehmen können, wie Mütter. Doch das bin ich gewohnt, immerhin bin ich auch 2013, als meine Tochter geboren wurde, nach dem Mutterschutz wieder arbeiten und studieren gegangen. Mit Kind. Zum Glück kein Problem für meinen Arbeitsalltag. Und so konnte ich es auch schaffen in fünf Semestern meinen Master zu machen und zwei Kinder zu bekommen – vier Semester sind die Regel. Warum sollte ich also nicht jetzt promovieren?

Tatsache ist auch, was ich an der Uni bisher gemacht habe, macht mir großen Spaß. Das Analysieren von Texten, das Erarbeiten von Zusammenhängen, das liegt mir. „Du arbeitet ja nur theoretisch“, meinte mein bester Freund einmal kopfschüttelnd, aber für mich sieht die Sache anders aus. Ich finde, ich arbeite nur praktisch, am Objekt meiner Arbeit, dem Text. Am liebsten würde ich mein Leben lang nichts anderes machen, als so zu arbeiten. Davon abgesehen, dass zu promovieren und weiterhin an der Uni zu arbeiten mir eine gewissen Flexibilität gibt, die andere Berufe nicht haben und die ich als Mutter gut gebrauchen kann.

Promovieren an der Uni: Einen Versuch wert (©Birgit Winter / pixelio.de)

Promovieren an der Uni: Einen Versuch wert (©Birgit Winter / pixelio.de)

Aber, um das tun zu können, muss ich erst einmal promovieren und dann versuchen, weiter zu machen, was erstens finanziell problematisch wird (wenig Lohn) und auch logistisch kompliziert werden kann. Ein Grund es von vorneherein nicht wenigstens zu versuchen ist das aber nicht. Mein bester Freund – genau der, der findet, ich arbeite nur theoretisch – wollte sein Leben lang Fluglotse werden. Er schwärmte immer davon und traute sich nach dem Abitur dann doch nicht, sich zu bewerben, sondern studierte erst einmal etwas ganz anders. Kaum hatte er seinen Abschluss in der Tasche aber, wagte er den Versuch. Nein, er ist kein Fluglotse geworden, aber er arbeitet heute in einem ähnlichen Bereich am Flughafen und ist überglücklich, doch noch gewagt zu haben, seinen Traum wahr werden zu lassen.

Nur Theorie? Ansichtssache (©Bernd Kasper / pixelio.de)

Nur Theorie? Ansichtssache (©Bernd Kasper / pixelio.de)

Ich werde vielleicht nie Professorin, Bestsellerautorin oder gewinne den Pulitzer-Preis, aber das hindert mich nicht daran, weiter an mir zu arbeiten, mein Bestes zu geben und es immer wieder zu versuchen. Was wäre ich für eine Mutter, wenn ich das nicht meinem Kind vorleben könnte, was ich mir von ihm auch wünsche? Darum, darum jetzt und darum ist es nicht wichtig, heute zu wissen, was ich morgen damit machen will. Denn dann werde ich immer noch sagen können, ich bin meinem Weg gefolgt und bereue es nicht. Immerhin gibt ein Sprichwort, das auf Marc Twain zurückgeht, der gesagt hat: „In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke.“

Vorschau: Nächste Woche nimmt sich Anna für euch die Yoga-Klischees vor.

Schule aus?!

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Nie wieder Schule? Eine der größten Lebenslügen (©Dieter Schütz / pixelio.de)

Ich weiß noch, es gab diese Zeit, da jubelten wir „nie wieder Schule“ und ließen die Tore der Bildungsstätte, an der wir unseren Abschluss gemacht hatten, hinter uns. „Nie wieder Schule“ – ein Satz, den jeder mal sagt, eine der größten Lebenslügen schlechthin. Denn nicht nur diejenigen, die eine Lehre beginnen und zur Berufsschule (aha) gehen, sind das Bildungswesen noch lange nicht los. Studenten können ihre Schule gerne Universität nennen, in Zeiten von Bachelor und Master ist das Studium dermaßen verschult, dass kaum eine Wimper mehr zucken wird, wenn die Uni „Schule“ genannt wird. Immerhin passiert es mir oft genug, dass mir von älteren Mitbürgern gesagt wird „Ah, sie gehen noch auf die Schul?!“, wenn ich von meinem Studium erzähle.

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Der Beruf des Lehrers: Eine Schulzeit, die kein Ende kennt (©knipseline / pixelio.de)

Ganz böse hat es aber die getroffen, die aus unerfindlichen Gründen beschlossen haben, Lehrer zu werden. Lehrer? Also ehrlich. In einer Gesellschaft, in der ein Bundeskanzler Lehrer einst mit faulen Säcken verglich und die Gemeinschaft glaubt, ein Lehrer hätte ja schön viel Freizeit und würde Noten würfeln. Noch dazu mit einer Bezahlung, die immer weniger gesichert ist, denn Verbeamtungen werden in nahezu allen Bundesländern zurückgefahren. Lehrer werden angestellt, zu den Sommerferien entlassen und mit etwas Glück danach wieder an der gleichen Schule eingestellt. Vielleicht aber auch nicht.

Mein Mann ist Lehrer. Mehr kann ich eigentlich schon gar nicht sagen, denn viel mehr darf ich nicht wissen, um Schule und Staat zu schützen. Tut mir Leid, hier gibt es keine witzigen Geschichten über Schüler zu lesen, die ihren Namen nicht richtig schreiben können oder Kollegen, die Angst haben, ihre Klassen zu betreten. Aber darum soll es hier auch nicht gehen. Stilblüten kann jeder überall sammeln. Aber einen Lehrer zum Ehemann zu haben ist mitunter keine leichte Aufgabe, vom Lehrersein ganz zu schweigen. Um mal die gängigsten Klischees abzuarbeiten:

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Lehrer und Klischees: Nicht nur in der Schule ein Thema (©Stefan Bayer / pixelio.de)

Um einst ist Feierabend? Pustekuchen. Dann folgen Besprechungen, Konferenzen, Vorbereitungen, Korrekturen, Elterngespräche, Elternemails (am liebsten so gegen 20:00). Ein Lehrer hat nie Feierabend. Er fängt übrigens auch oft vor der eigentlichen Arbeitszeit an. Vertretungsplan erstellen, Material besorgen, Kopien machen und dann noch vor der nervigen Kollegin, die jede Sekunde Zuspätkommen gleich im Direktorat vorträgt, im Klassenzimmer sein.

Mindestens sechs Wochen Ferien? Pustekuchen. Nachbereitungen, Vorbereitungen, neues Material sichten, Stundenplan erstellen, allzeit abrufbereit sein, gegebenenfalls Ferienprüfungen. Was unter der Woche gilt, gilt auch an Wochenenden und zu Ferienzeiten, Feierabend ist ein Gerücht. Da wird manch Lehrer auch schon mal für die Ferienwoche gesperrt, sprich, hat eben keine Freizeit, sondern Anwesenheit an der Schule.

Dass Lehrer bei diesem Aufwand nicht faul sein können, sollte klar sein. Dass ein Normalsterblicher bei diesem Druck und Arbeitsaufwand schnell die Grenzen des Möglichen erreicht, auch. Wie mein Mann es da schafft, noch mit etwas Elan und Engagement jeden Morgen zur Schule zu fahren, ist mir ein Rätsel. Und ehrlich: Als Schüler hat er mit Sicherheit nicht so viel für die Schule getan.

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Erster Schultag: Davon erleben viele mehrere (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Schüler, das ist seit einer Woche auch unser Ältester, was unsere zukünftige Ferienplanung so ziemlich in die Schranken weist. Denn jetzt müssen wir uns nicht nur an die Ferienzeiten eines Bundeslandes halten, sondern haben gleich zwei Jahrespläne, aus denen wir so schnell nicht mehr herauskommen. Und wo mein Mann erschöpft um vier nah Hause kommt und mit einem müden Lächeln nach einer Kaffeepause im Arbeitszimmer verschwindet, hole ich das Schulkind um 12 von der Schule oder um 14 Uhr von der Betreuung ab, er strahlt, macht mit Begeisterung seine Hausaufgaben (dauern momentan noch keine 10 Minuten) und erzählt immer wieder, wie schön die Schule ist. Nie wieder Schule? Pustekuchen! Wer Kinder hat wird früher oder später wieder Fuß in diese Einrichtung setzten müssen, der er abgeschworen hat, wird sich mit Lehrern und anderen Eltern rumärgern. Und bei all dem bin ich vor allem eines: neidisch. So als Erstklässler war der Ernst des Lebens doch wirklich gemütlich.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha hier, wie es so ist, ohne Taktgefühl durchs Leben zu tänzeln.

„Ein Leben ohne Kreativität kann ich mir nicht vorstellen“

Hat Spaß am Kreativsein: Tanja alias Tilla (Foto: Tilla)

Hat Spaß am Kreativsein: Tanja alias Tilla (Foto: Tilla)

Lachen, shoppen, Freunde treffen – ganz normale Hobbies einer gewöhnlichen, jungen Frau. Doch Tanja Weber alias Tilla will mehr: Ihre Kreativität ausleben und damit Geld verdienen. Eigentlich ist die 22-jährige Speyrerin angehende Erzieherin, doch seit Kurzem präsentiert sie in Tillas Kreativstübchen, einer Seite auf Facebook, ihre kreativen Ideen. Face2Face sprach mit ihr über Erfolgserlebnisse, negative Kritik und die Zukunft ihres Projekts.

Face2Face: Was genau ist Tillas Kreativstübchen? Was gibt es dort zu entdecken?
Tilla: Tillas Kreativstübchen besteht zurzeit noch aus einer Gefällt mir-Seite bei Facebook, auf der ich alle meine kreativen Werke mit der Welt teile.
Zu sehen gibt es dort momentan mehrere Alben: Kreatives zur Osterzeit – in diesem Album zeige ich, was man aus gekochten Eiern und ein bisschen Farbe alles zaubern kann. Dann gibt es das Album „Hmmm…lecker!“, in dem ich meine Leidenschaft – das Herstellen und dekorative Anrichten von Lebensmitteln – ausleben kann, sowie das Weihnachtskarten-Album, in dem es Fotos der von mir gebastelten Karten zu sehen gibt. „Kreatives Nageldesign“ zeige ich im gleichnamigen Album. In „Allerlei Spielerei“ findet man beispielsweiße eine Collage, die ich für meine Großeltern zur goldenen Hochzeit gestaltet habe. „Die Freude am Fotografieren♥“ erklärt sich eigentlich von selbst.
Als Model mit tollen Haaren steht mir meine Schwester im Fotoalbum „Frisurenzauber“ zur Verfügung. Dort können meine Fans immer mal wieder neue Frisuren bestaunen. Auch Gewinnspiele veranstalte ich regelmäßig. Die Gewinne gibt´s auch immer in Form von Fotos. Gutscheine und andere Präsente findet man unter „Geschenkideen“.
Ziel und Idee des Ganzen ist es, mein Können zu präsentieren und auch Muster auszustellen. Weitere Alben werden folgen!

Face2Face: Wann und wie kamst du auf die Idee das Kreativstübchen zu gründen?
Tilla: Die Idee besteht eigentlich schon etwas länger, aber der Mut hat mir bisher gefehlt, weil ich nicht wusste, ob es die Leute überhaupt interessiert. Auf die Idee selbst hat mich meine große Schwester gebracht und ich bin ihr auch sehr dankbar, dass sie mich dabei so unterstützt. Wegen eines Krankenscheins saß ich dann zu Hause und wusste nicht so richtig, was ich mit mir anfangen sollte und wie vom Blitz getroffen kam die Entscheidung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um Tillas Kreativstübchen ins Leben zu rufen. Und seit dem 2. September 2013 gibt es mich nun mit meiner Gefällt mir-Seite Facebook.

Mit viel Liebe zum Detail: Einige von Tillas selbst gestalteten Karten (Foto: Tilla)

Mit viel Liebe zum Detail: Einige von Tillas selbst gestalteten Karten (Foto: Tilla)

Face2Face: Dein „richtiger“ Name ist Tanja. Wieso nennst du dich Tilla?
Tilla: Der Grund dafür ist eine ganz lustige Geschichte, die sich vor mehr als zehn Jahren abspielte. Mein kleiner Bruder las im Kindergarten ein Buch, in dem es um eine Oma namens Tilla ging. Als er dann nach Hause kam, sagte er: „Tanja, ich nenn´ dich ab jetzt Tilla, weil du genauso kreativ bist, wie die Oma aus dem Buch, das wir heute gelesen haben, und weil es mit dir nie langweilig wird, weil du immer so tolle Ideen hast!“
Das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben und als dann die Idee kam mit meiner Kreativität in die Öffentlichkeit zu gehen, war klar, dass der Name Tilla eine Rolle spielen muss.

Face2Face: Was war dein bisher größtes Erfolgserlebnis mit deinem Kreativstübchen?
Tilla: Dass ich innerhalb einer Woche schon 100 Likes hatte – damit habe ich absolut nicht gerechnet! Am Anfang habe ich mich gefreut, als es zehn waren und schneller als ich gucken konnte waren es 50, kurz danach dann 100. Einfach ein überwältigendes Gefühl! Mittlerweile sind es 118 Likes!

Face2Face: Hast du bisher auch schon negative Kritik bekommen? Wie gehst du mir Kritik um?
Tilla: Zum Glück ist mir das bis jetzt noch erspart geblieben! Aber so was kann jederzeit kommen und solange es auch konstruktive Kritik ist, werde ich mir diese zu Herzen nehmen und versuchen mich zu verbessern.

Face2Face: Wie wichtig, glaubst du, ist Youtube für dein Projekt?
Tilla: Geplant ist auf jeden Fall, dass Tillas Kreativstübchen auch in den nächsten Tagen auf Youtube zu finden sein wird! Dort soll es dann Do it yourself-Videos, Basteltipps aber auch Tutorials für Frisuren und das Zubereiten und dekorative Anrichten von Lebensmittel geben. Der Sinn und Zweck des Ganzen ist es, dass die Zuschauer mich beim kreativen Arbeiten begleiten können und nicht immer nur die fertigen Werke in Form von Fotos vor die Nase geknallt bekommen! So kann ich vielleicht den ein anderen dazu animieren, die Bastelsachen mal wieder aus dem Schrank zu kramen oder seine kreative Ader zu entdecken.

Bei der Arbeit: Tilla bastelt was das Zeug hält (Foto: Tilla)

Bei der Arbeit: Tilla bastelt was das Zeug hält (Foto: Tilla)

Face2Face: Was bedeutete dir das Basteln und die Kreativität im Allgemeinen?
Tilla: Ich könnte mir ein Leben ohne Basteln beziehungsweise ohne Kreativität gar nicht mehr vorstellen – es gehört zu meinem Leben wie mein Freund und meine Familie. Dabei kann ich einfach auch mal abschalten. Es ist für mich eine gute Möglichkeit runter zu kommen und den Alltag hinter mir zu lassen. Das Schöne daran sind auch immer die strahlenden Gesichter der Menschen, die etwas von mir Gebasteltes geschenkt bekommen.

Face2Face: Kannst du dir vorstellen, mit deinem Kreativstübchen Geld zu verdienen?
Tilla: Wünschenswert wäre das schon, aber dafür meinen Job aufzugeben könnte ich mir nicht vorstellen. Da ich im Kindergarten arbeite, ist das Basteln auch immer in meinem Job vertreten und ich liebe meine Arbeit zudem über alles.
Dennoch ist es ein Ziel von mir, mir mit meinem Kreativstübchen etwas dazu zuverdienen. Wer etwas individuell Gestaltetes haben möchte, kann mich einfach kontaktieren, um alles abzusprechen. So gut wie nichts im kreativen Bereich ist bei mir unmöglich (lacht).

Face2Face: Welchen Tipp hast du für unsere Leser parat, wenn sie ihre Kreativität ausleben wollen?
Tilla: Solange es von Herzen kommt und es Spaß macht, sollte man es ausleben! Und wenn man dann noch jemanden hat, der hinter einem steht und einen unterstützt, dann ist man auf einem sehr guten Weg das Beste daraus zu machen!

Für weitere Fragen, Tipps und Ratschläge könnt ihr Tilla ganz einfach kontaktieren:
Facebook: www.facebook.com/tillagoeskreativ
E-mail: tillaskreativstuebchen@gmail.com

Vorschau: Kommenden Dienstag verrät euch die Panorama-Redaktion, was alles beachtet werden muss, damit die Hochzeit tatsächlich der schönste Tag im Leben wird.

Gewinnspiel: Face2Face meets Tillas Kreativstübchen

Gewinnt mit Face2Face und Tillas Kreativstübchen einen Adventskalender zum Selbstfüllen. Was ihr dafür tun müsst: Liked bis einschließlich Dienstag, 22. Oktober 2013, 23.59 Uhr Tillas Kreativstübchen auf Facebook, sucht euren Lieblingssatz aus dem oben stehenden Interview heraus und postet ihn an Tillas Pinnwand. WICHTIG: Kein Satz darf doppelt gepostet werden, ansonsten wird der Teilnehmer vom Gewinnspiel ausgeschlossen. Der Gewinner wird am Freitag, 25. Oktober 2013 via Facebook benachrichtigt und erhält seinen Gewinn nach Herausgabe seiner Adresse per Post.

Nutzungsbedingungen

§ 1 Gewinnspiel
(1) Das Gewinnspiel wird von der Online-Zeitschrift Face2Face durchgeführt.

 § 2 Teilnahme
(1) Teilnahmeberechtigt sind alle Spielerinnen und Spieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
(2) Eine Person nimmt am Gewinnspiel teil, indem sie die Facebook-Seite von Tillas Kreativstübchen liked sowie einen Satz aus obigem Interview an Tillas Pinnwand postet, der dort noch nicht von einem anderen Teilnehmer gepostet wurde.
(3) Zur Teilnahme am Gewinnspiel ist unbedingt erforderlich, dass sämtliche Personenangaben der Wahrheit entsprechen. Andernfalls kann ein Ausschluss gemäß § 3 (3) erfolgen.
(4) Mitarbeitern von Face2Face ist es nicht gestattet beim Gewinnspiel teilzunehmen. Ihre Einsendungen können beim Gewinnspiel nicht berücksichtigt werden.

§ 3 Ausschluss vom Gewinnspiel
(1) Bei einem Verstoß gegen diese Teilnahmebedingungen behält sich die Online-Zeitschrift Face2Face das Recht vor, Personen vom Gewinnspiel dauerhaft auszuschließen.
(2) Ausgeschlossen werden auch Personen, die sich unerlaubter Hilfsmittel bedienen oder sich anderweitig durch Manipulation Vorteile verschaffen. Gegebenenfalls können in diesen Fällen auch nachträglich Gewinne aberkannt und zurückgefordert werden.
(3) Wer unwahre Personenangaben macht, kann des Weiteren vom Gewinnspiel ausgeschlossen werden.
(4) Nach Ablauf des Gewinnspielzeitraums können keine weiteren Einsendungen berücksichtigt werden und werden somit gelöscht.
(5) Bei mehrmaliger Einsendung findet ein Ausschluss vom Gewinnspiel statt.

§ 4 Durchführung und Abwicklung
(1) Die Gewinner werden von Face2Face am Tag der Bekanntgabe per Facebook über ihren Gewinn informiert. Kann der Gewinner auch beim zweiten Kontaktversuch nicht erreicht werden, wird der Gewinn erneut zwischen den übrigen Teilnehmer ausgelost.
(2) Eine Barauszahlung der Gewinne oder eines etwaigen Gewinnersatzes ist in keinem Falle möglich.
(3) Der Anspruch auf den Gewinn oder Gewinnersatz kann nicht abgetreten werden.
(4) Ist es aus zuvor nicht vorhersehbaren Gründen nicht möglich, dass das Meet&Greet, Konzert oder die Veranstaltung durchgeführt werden kann, hat der Gewinner in diesem Fall keinerlei Anspruch auf Ersatz.
(5) Ist aus zuvor nicht vorhersehbaren sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich den Besuch im Backstagebereich durchzuführen, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

§ 5 Datenschutz
(1) Durch die Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich der Teilnehmer ausdrücklich damit einverstanden, dass Face2Face die dazu erforderlichen Daten für die Dauer des Gewinnspiels speichern darf. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per Widerruf unter der im Impressum angegebenen E-Mail-Adresse die Einwilligung in die Speicherung aufzuheben und somit von der Teilnahme zurückzutreten.
(2) Die Teilnehmer erklären sich dazu bereit, dass im Falle eines Gewinnes die Namen öffentlich bekannt gegeben werden, beispielsweise über soziale Netzwerke oder die offizielle Homepage von Face2Face.
(3) Face2Face verpflichtet sich, die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes zu beachten und das Fernmeldegeheimnis zu wahren.

§ 6 Sonstiges
(1) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
(2) Es ist ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland anwendbar.
(3) Sollten einzelne dieser Bestimmungen ungültig sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Nutzungsbedingungen hiervon unberührt.

 

Traumberufe, Teil 12: Filmemacher

Viele von uns haben schon hie und da ein Video oder auch einen Kurzfilm gedreht – sei es bei Feierlichkeiten, auf Konzerten oder einfach als private Erinnerung an schöne Zeiten. Manche träumen davon einen erfolgreichen Film zu produzieren à la Hollywood und mit den renommiertesten Schauspielern zusammenzuarbeiten. Der Weg dahin ist allerdings nicht einfach und bedarf einer Menge Arbeit, denn aller Anfang ist bekanntlich schwer.
Welche Möglichkeiten gibt es um aus einem Hobby einen aussichtsreichen Beruf zu machen? Johannes van der Loo ist 23 Jahre alt und ein aufstrebender Filmemacher. In einem Interview mit Face2Face erzählt er über die Aussichten, seine derzeitige Projekte und gibt nützliche Tipps:

Von der Idee zum Projekt: Der angehende Filmemacher Johannes van der Loo (Foto: privat)

Von der Idee zum Projekt: Der angehende Filmemacher Johannes van der Loo (Foto: privat)

Face2Face: Was hat dich dazu bewegt ein Filmemacher zu werden? Und wie es dazu gekommen?
Johannes: Ich habe erst relativ spät angefangen mich für Filme zu interessieren, dass war wohl so mit 16 oder 17. Zu der Zeit habe ich noch viel mit Musik gemacht, aber gewusst, dass ich es nie wirklich beruflich machen möchte und dann habe ich nach Alternativen gesucht. Filme haben mir schon immer gut gefallen, mich inspiriert, vor allem wenn sie einfach perfekt gestimmt sind; also wenn Bild, Ton und Musik im Einklang sind und atemberaubende Szenen und Momente entstehen. Diese, bleiben mir oft noch über den Film hinaus in Erinnerung. Dann habe ich das ganze einfach mal mit einem 14- minütigen LEGO STOP-MOTION (Animation mit einer Legofigur: Dabei werden hunderte von Einzelbilder geschossen, in denen die Figur oder ein Gegenstand um wenige Millimeter bewegt wird Anmerkung J.S.) ausprobiert und nach richtig intensiver Arbeit gemerkt, wie viel Spaß mir das ganze gemacht hat und das es mir auch irgendwie liegt.

Face2Face: Hast du an einer speziellen Ausbildung teilgenommen? Woher hast du dein Know-How?
Johannes: Momentan befinde ich mich noch in einer Ausbildung zum Mediengestalter in Bild und Ton in einer Werbefilmproduktion in München. Ich bin im zweiten Lehrjahr und habe noch ein ganzes Jahr vor mir, indem ich noch sehr viel über professionelle Postproduktion lernen werde. Alles andere habe ich mir selbst beigebracht beispielsweise durch das Internet, durch Kursen und durch das Leben an sich. Dabei nicht zu vergessen ist das sehr zu empfehlende Buch: Filmmaking for Dummies! Allerdings sind das meiner Meinung nach alles nur Orientierungshilfen und keine Vorgaben von wegen: So ist es und nicht anders.

Face2Face: Seit wann machst du das? Und bekommst du Unterstützung?
Johannes: Naja, ich arbeite eigentlich seit 2010 darauf hin. Mit der Ausbildung, welche ich 2011 begonnen habe, wird alles von Monat zu Monat professioneller und geht weiter voran. Auch wenn für ChoesPictures direkt vieles in den Nächten und Wochen zwischen der Ausbildung stattfindet. Unterstützt werde ich auf Abruf meistens von Freunden, Bekannten und Interessierten hinter und vor der Kamera. Danke dafür!

Face2Face: Was genau ist ChoesPictures?
Johannes: ChoesPictures ist von mir 2010 ins Leben gerufen worden. Zurzeit steht es eigentlich nur symbolisch für die Filme die ich gemacht habe – also als Branding einer kleinen Filmproduktion, wie man das halt so macht. Ich wollte die Film schon im Voraus nicht als „Johannes van der Loo Filme“ verkaufen, sondern unter einem unabhängigen Namen. Schließlich stehen hinter den meisten Filmen noch eine Crew und andere Teilnehmer. Also zusammengefasst ist ChoesPictures nur die Marke unter der ich im Augenblick privat Filme entwickle, drehe und fertigstelle. Mit der Hoffnung, dass es nicht ewig unter meiner alleinigen Leitung bleibt, sondern das neue kreative Köpfe gefunden werden, welche Lust auf das Projekt haben. Bin selbst darauf gespannt, wohin sich das Ganze noch entwickeln wird.

Stile: Foto aus dem Kurzfilm "Another Confession" (Foto: ChoesPictures)

Stile: Foto aus dem Kurzfilm „Another Confession“ (Foto: ChoesPictures)

Face2Face: Wie sahen deine Anfänge genau aus? Hast du ein bestimmtes Vorbild oder jemanden der dich inspiriert?
Johannes: Meine Anfänge waren sehr unspektakulär. Vor allem denke ich, dass ich noch am Anfang bin. Und der Moment, indem ich denke „Von jetzt an kann ich nichts mehr über Filme lernen“ wird hoffentlich auch nicht kommen. Das Ganze entfaltet sich immer weiter und neue Ideen und Ansätze werden entstehen, wie zum Beispiel bessere technische Möglichkeiten. Die Entwicklungen passieren sehr schnell und stetig. Da darf man nicht stillstehen, denke ich, sondern immer mitziehen und aktuell bleiben. Um auf die Vorbilder zu kommen, kann ich leider keine Persönlichkeiten nenne, welche mich komplett und mich bewusst geprägt haben. Peter Jackson und Terrence Malick gehören bestimmt irgendwie dazu. Aber im Prinzip inspiriert mich alles irgendwie was ich sehe – sei es eine Werbung, Kino, Fernsehserien, Musik oder die eine besondere Situation im Alltag.

Face2Face: In welcher Entwicklungsphase befindest du dich jetzt?
Johannes: Es geht um Erfahrungen sammeln, tun und machen – so viel es geht! Mein Motto daher: Machen, machen, machen und den Blick in Richtung Weitermachen beibehalten. Somit ist meine derzeitige Entwicklungsphase beim Ausprobieren und seinen eigenen Weg finden, in welcher Filmrichtung man sich vielleicht am wohlsten fühlt. Da gibt es ja einige.

Face2Face: Welche Art von Film drehst du? Wie könnte man deinen Stil am besten beschreiben?
Johannes: Ich selbst würde sagen, ich drehe erstmal das was ansteht und worauf ich Lust habe. Vor allem aber –, da alles was ich derzeit mache in meine Freizeit fällt –, gehört es für mich zur Pflicht. Zum Stil selbst ist meine Einschätzung und auch das was der ein oder andere mir zu den schon vorhandenen Filmen gesagt hat, dass ich versuche natürliche und stilvolle Bilder unter einem künstlerischen Aspekt zu generieren.

Face2Face: Gibt es dabei eine bestimmte Zielgruppe?
Johannes: Nein, momentan ist die Zielgruppe jeder, der sich für das Thema interessiert, die Band oder Darsteller kennt und jeden anderen auch. Ich mache mir keine Gedanken darüber, da ich ja keine Werbung produziere. Vielmehr mache ich das, was mir momentan zuspricht, mir passiert, mich beschäftigt und bewegt oder das wofür ich gefragt werde es zu tun!

Grenzenlose Freiheit als Filmemacher: Uneingeschränkte Kreativität und Selbstverwirklichung (Foto: ChoesPictures)

Grenzenlose Freiheit als Filmemacher: Uneingeschränkte Kreativität und Selbstverwirklichung (Foto: ChoesPictures)

Face2Face: Welche Projekte hast du bereits abgeschlossen und sind gerade noch am Laufen? Welche weiteren Projekte sind in Planung?
Johannes: Es gibt einige abgeschlossene Projekte von mir, welche auf meiner Homepage zu finden sind. Die Projekte, die da ausgestellt sind, sind alle hundertprozentige Handarbeit von mir und meinen verschiedenen Helfern. In Planung und Produktion sind einige Sachen, bin aber für alles offen. Unter anderem mache ich eine Dokumentation für das Theaterevent „Delta Plus“, welches diesen Mai im Wormser Theater stattgefunden hat. Ansonsten mache ich ein paar Sachen für Privatpersonen und auch ein kleines Showreel (Demoaufnahme) für einen unglaublich bayrischen Kabarettisten Michi Marchner. Hinzu kommt noch mein Projekt FLY( Ein für die Postproduktion erstelltes Musikvideo, um Programme kennenzulernen), welches ich letztes Jahr aus Übungszwecken gestartet habe und nur selten im Alltagstrubel angehen kann. Aber nachdem ich mein Ziel Juli/August wohl nicht einhalten kann, denke ich, Ende 2013 muss es fertig sein! Achso und natürlich meine Ausbildung.

Face2Face: Wie sehen die Berufsaussichten aus? Wie lassen sich die Projekte finanzieren?
Johannes: Meine Berufsaussichten sehen ganz gut aus. Bin anpassungsfähig, belastbar und kreativ. Wie es mit der eigenen Produktion aussieht? – Mal schauen! Finanzieren lassen sich die komplett eigenen Projekte nur aus der eigenen Tasche oder man hat das Glück und findet jemanden, der einen für seine Arbeit entlohnt.

Face2Face: Was war dein persönlicher Erfolg? Dein Highlight?
Johannes: Es klingt vielleicht blöd, aber ich kann eigentlich konkret kein direktes persönliches Highlight nennen. Vielmehr möchte ich sagen, dass jeder Film bisher seine Highlights hatte. Allein die Entstehung, was einem immer dazwischen kommt und wie es sich weiter entwickelt. Am Ende sieht man dann das fertige Ergebnis und dann erinnert man sich wieder daran. Bei genauerem Nachdenken ist das mein persönlicher Erfolg. Es macht einfach viel Spaß.

Face2Face: Was wünschst du dir für die Zukunft?
Johannes: Ehrlich? Moment wünsche ich mir, dass ich nicht mehr so viel Zeit damit verschwende über Geld nachzudenken und meine Sachen einfach so machen kann. Außerdem eine glückliche Familie und alles was dazu gehört.

Face2Face: Welche hilfreichen Tipps kannst du für angehende Filmemacher geben?
Johannes: Naja, jeder sollte schnell merken, ob es ihm liegt und Spaß macht. Ohne das geht es nicht, dafür muss man oft vieles vernachlässigen. Ansonsten empfehle ich mein Motto: Machen, machen und machen! Nicht aufgeben, wenn es mal nicht klappt.

Weitere Infos unter:
ChoesPictures und Facebook!

Vorschau: Nächste Woche gibt es an dieser Stelle ein interessantes Video wie man sich einen Haarreif flechtet.


Weitere Serienteile:

Teil 1: Kosmetikerin

Teil 2: Hochschuldozent

Teil 3: Friseurin

Teil 4: Feng-Shui-Beraterin

Teil 5: DJ

Teil 6: Piercerin

Teil 7: Radiologe

Teil 8: Astronom

Teil 9: Action-Painting-Künstler

Teil 10: Theater-Schauspieler

Teil 11: Kneipenbesitzer

Business Styleguide für Sie

Vor allem Studentinnen, die ein Praktikum machen oder ins Berufsleben starten, stellt sich die Frage, was sie nun zu welchem Anlass tragen sollen, was beachtet werden muss und welche Fauxpas vermieden werden sollten. Um mit einem guten Gefühl ins Berufsleben zu starten reicht es, ein paar Stil-Regeln zu beachten.

Die wahrscheinlich wichtigsten Basics für berufstätige Frauen sind Blusen. Erstere sollten gut sitzen und farblich gedeckt gestaltet sein. Neben den klassisch-einfarbigen Blusen sind auch gestreifte und leicht karierte Blusen für den Berufsalltag angemessen. Auch schön sind feine Polo-Shirts, Schluppenblusen aus Seide oder T-Shirts mit moderatem Ausschnitt. Wichtig ist immer, dass die Schultern vom Oberteil bedeckt werden, alles andere wirkt schnell anrüchig.

Blazer sind vor allem bei Geschäftsterminen Pflicht und können im Frühling und Herbst eine dünne Jacke ersetzen. Die Farben schwarz, dunkelblau, beige, braun und grau gehen immer, weiß nur im Frühling und Sommer. In weniger konservativen Branchen wie zum Beispiel dem Medien- und Marketingbereich können auch Blazer in pink, hellblau oder grasgrün getragen werden, allerdings sollte der Rest des Outfits dann sehr schlicht gestaltet sein. Alternativ bringen auch leichte Strickwesten über Blusen oder Twin-Sets (Anm. d. Red: Strickwesten mit passenden T-Shirts oder Tops) Abwechslung in die tägliche Job-Garderobe.

Auf Schals und Tücher wird im Job eher verzichtet. Wer zu Halsschmerzen neigt oder im Winter etwas um den Hals tragen will, entscheidet sich deshalb für Rollkragen-Pullover.

Wichtig ist auch ein gut sitzendes Beinkleid: Stoff-Hosen in der Farbe des Blazers komplettieren das Business-Dress zu einem stimmigen Bild. „Gut sitzend“ bedeutet, dass die Hose nicht auf Hüfthöhe aufhört und bei der kleinsten Bewegung den Slip freigibt. Außerdem sollte sie auf Absatzhöhe abschließen. Sowohl zu weite als auch zu enge Hosen sollten vermieden werden.

Röcke und Kleider stellen, vor allem im Sommer, eine charmante Alternative zu Hosen dar. Für beide gilt, dass das Rockende maximal eine Handbreit über dem Knie endet. Schick sind Falten- und A-Linien-Modelle bei Röcken und Kleidern.

Als Jacken eignen sich im Frühjahr und Herbst beigefarbene Trenchcoats und dünne Mäntel. Im Winter leisten schwarze oder graue Wollmäntel oder Daunenjacken gute Dienste.

Viele Frauen hassen sie, trotzdem sind sie in Büro-Berufen unumgänglich: die Seidenstrümpfe. Gehasst werden sie dafür, dass sie unbequem sein sollen und dauernd Laufmaschen bekommen. Trotzdem bewirken die hautfarbenen Seidenschläuche kleine Wunder: Sie lassen Äderchen und leichte blaue Flecken verschwinden, sodass die Beinoberfläche ebenmäßiger wirkt. Stärkere blaue Flecken kann man mit Concealer oder Camouflage-Make-Up bekämpfen. Außerdem vermeidet man mit den Strümpfen schwitzende, in den Schuhen rutschende Füße und Blasenbildung.Vorsorglich sollte man immer ein zweites Paar Strümpfe in der Tasche oder im Schreibtisch griffbereit halten.

Heimtückisch sind weiße Blusen, T-Shirts und die weiße Anzugshose, die man im Sommer gerne trägt, erkennt man doch oft schon von Weitem, welche Farbe die Unterwäsche hat. Da weiße Blusen allerdings zur Grundgarderobe der Business-Dame gehören, hilft folgender Tipp: Hautfarbene, gut sitzende Unterwäsche zeichnet sich überhaupt nicht ab und trägt dadurch zum Wohlbefinden bei. Im Job ist es sehr wichtig, dass Slip und BH optimal passen- die Bequemlichkeit und nicht die Attraktivität steht hier im Vordergrund.

Den Knackpunkt eines Business-Outfits stellen gerade für Berufseinsteigerinnen oftmals die Schuhe dar: Der Absatz sollte nicht zu hoch sein, zwischen 3 und 5 cm sind optimal. Flache Ballerinas wirken oft zu mädchenhaft, weswegen man sich wenigstens für eine kleine Erhöhung der Sohle entscheiden sollte. Ein absolutes No-Go sind Schuhe mit Plateau-Absatz. Diese wirken schnell billig und unpassend. Ähnliches gilt auch für Peep-Toes. Während Pumps, Stiefeletten und Ankle-Boots immer und überall gehen, sollte man als Praktikantin oder Berufseinsteigerin anfangs auf Stiefel, Sandalen und Sandaletten verzichten und sich – sobald man ein gewisses Gespür für den individuellen Dress-Code des Unternehmens hat – am Stil der Kolleginnen orientieren.

Bei Schuhen gilt mehr als bei der Kleidung der Grundsatz „Qualität statt Quantität“. Es lohnt sich, in zeitlose, klassische Modelle aus hochwertigen Materialien und mit guter Verarbeitung zu investieren. Schöne Lederpumps in gedeckten Farben wie schwarz, grau und beige können beispielsweise in Kombination mit einer passenden Tasche, ein eher günstigeres Outfit aufwerten und passen zu fast allen Farbzusammenstellungen.

Die Handtasche – beste Freundin der Frau – fällt im Arbeitsalltag am besten etwas überdimensioniert aus, da sie neben den kleinen Helfern wie Make-Up-Täschchen, Ersatz-Strumpfhose, Blasenpflastern, Kopfschmerztabletten und Deo oft auch Transportmittel für Aktenmappen oder sogar den Laptop darstellt. Alternativ können die genannten Kleinigkeiten, die das Leben einer Frau erleichtern, auch im Schreibtisch deponiert werden. Der große Shopper kann dann durch ein kleineres Exemplar und eine schicke Laptoptasche getauscht werden. Wie auch bei den Schuhen sollte auch bei der Handtasche eher auf Qualität statt Quantität gesetzt werden. Schön ist, wenn die Tasche Stil und Farbe der Schuhe aufgreifen.

Bei Accessoires gilt die Faustregel ,,nie mehr als sieben Stücke“, wobei ein Paar Ohrringe und eine Brille jeweils als zwei Teile zählen. Auch der Gürtel fällt unter die sieben Stücke. Des Weiteren sollte Schmuck eher dezent ausfallen, beispielsweise ein paar Perlenstecker, eine zarte Goldkette oder ein feiner Ring. Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, als würde man sich hinter dem Schmuck verstecken. Auch sollte dieser die Persönlichkeit unterstreichen, nicht aber dazu dienen, sich zu verkleiden.

Ein gepflegtes Äußeres stellt darüber hinaus die halbe Miete dar: Hetzt man von einem Termin zum anderen, vom klimatisierten Besprechungsraum in das überhitzte Großraumbüro und auf dem Weg zum Auto vielleicht auch noch durch den Regen, ist die Frisur oftmals schnell zerstört. Abhilfe schaffen simple Hochsteckfrisuren, Haarknoten oder Pferdeschwänze, die nicht nur ein zerrupftes Aussehen vermeiden, sondern auch die Haare aus dem Gesicht halten und somit für gesteigerte Konzentration sorgen. Colorierte Haare sollten regelmäßig nachgefärbt werden, da nichts ungepflegter wirkt als ein zentimeterlanger Ansatz

Das Make-Up wird schlicht gehalten: In der Regel reicht eine getönte Tagescreme, ein wenig Rouge und Wimperntusche. Neigt man zu fettiger Haut, kann ein wenig Puder auf den glänzenden Stellen Wunder bewirken. In der Handtasche sollte immer auch ein Lipgloss zu finden sein, der nach dem Essen, vor Besprechungen und bei trockenen Lippen durch Heizungs- und Klimaanlagenluft eingesetzt wird. Lippenstifte und Lidschatten in zu auffälligen, dunklen Farben sollten vermieden werden

Auch wenn Tattoos und Piercings nach und nach immer gesellschaftsfähiger werden, so sollte doch vermieden werden, diese im Job all zu offen zu tragen: Piercings im Gesicht sind in den meisten Berufen unerwünscht und müssen herausgenommen werden. Tattoos sollte man nach Möglichkeit bedecken, zum Beispiel mit einer breiten Uhr am Handgelenk oder langen Hosen am Knöchel. Fühlt man sich dadurch dann doch zu eingeschränkt in seiner Persönlichkeit, sollte man auf seinen Chef zugehen: Immer mehr Führungspersonen akzeptieren Körperschmuck nach Absprache.

Eine Ausnahme des starren Business-Dress-Code ist der sogenannte Casual Friday, der mittlerweile in den meisten großen Unternehmen praktiziert wird. Freitags werden Stoffhosen durch Jeans, Blazer durch Strickwesten und Pumps durch Ballerinas ersetzt.

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier einen Business Styleguide für Ihn.

 

Die Freiheit zu wählen – Konfliktberatung für ungewollt Schwangere

Nicht immer eine gute Nachricht: schwanger (© TiM Caspary/pixelio.de)

Schwanger – und dann? Wenn der Gedanke an ein Baby einem den Angstschweiß ins Gesicht treten lässt. Weil die Berufsausbildung noch lange nicht fertig ist. Weil das Geld nicht reicht um die Kinder, die schon da sind, zu versorgen. Weil mit der Geburt und der Schwangerschaft Beruf oder Beziehung elementar gefährdet werden. Viele Gründe gibt es, die ungewollt Schwangere verfolgen, wenn diese über eine entscheidende Sache nachdenken. Leben oder nicht. Kind oder Abtreibung.

Manchen Frauen ist der Gedanke an eine ungewollte Schwangerschaft so furchtbar und , oft mit ihrer momentanen Situation verbunden, sodass sie nicht wissen wohin. Die familiäre und berufliche Situation ist hier oft entscheidend. Immer wieder kommen sie zu dem Schluss, dass sie – jetzt – kein Kind wollen. Das statistische Bundesamt spricht für 2011 von 108.867 Schwangerschaftsabbrüchen. Mehr als die Hälfte der abtreibenden Frauen hatte bereits ein Kind. Die große Mehrheit der Abbrüche geschah, ohne dass es einen medizinischen oder kriminologischen Grund dafür gab. Die Gründe lagen in anderen Bereichen.

Jede Frau, die ihr Kind nicht bekommen will, denkt gut darüber nach. Ausschlaggebend ist oft, wie viel Unterstützung sie aus ihrem Umfeld bekommt. Die Entscheidung wird nicht nur im Stillen gefällt, denn vor einer Abtreibung muss jede Schwangere mehrere Beratungsgespräche führen mit amtlichen Stellen, die auf die Konfliktberatung während der Schwangerschaft eingestellt sind. Zu den Beratungsstellen in Deutschland gehört auch beispielsweise der „Pro Femina e. V.“ Auch online kann die Schwangere dort erste Informationen erfragen und Termine ausmachen. Mit dem „Projekt 1000plus“ hat „Pro Femina e.V.“ ein Netzwerk geschaffen, in dem mehrere Beratungsstellen zusammenarbeiten, um mehr Frauen in Konfliktsituationen beistehen zu können.

Freie Wahl? Sich für das Kind zu entscheiden ist nicht immer leicht (© Bettina-Stolze/poxelio.de)

Ziel der Beratung ist es natürlich nicht, die Schwangere zum Abbruch zu bewegen. Wer aber meint, dort würden Frauen zur Schwangerschaft und Geburt regelrecht überredet und gezwungen, ist genauso auf dem Holzweg. Zwar verbuchen diese Beratungsstellen es als Erfolg, wenn eine Schwangere ihr Kind nicht abtreiben lässt, sie drängen es ihr aber nicht auf. „1000plus heißt 1000 und mehr Schwangeren helfen, um ihnen in ihrer Not eine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu bieten“, schreibt die Organisation auf ihrer Internetseite. Perspektive heißt in diesem Moment, Möglichkeiten aufzeigen. Wo können Schwangere, Mütter und Familien Geld beantragen, wie können sie ihren neuen Alltag regeln. „In einem Schwangerschaftskonflikt, bei dem die Frau nur die eine „Lösung“ Abtreibung sieht, hat sie keine Freiheit. Ohne Wahl gibt es keine Freiheit. Gemeinsam an einer echten, alternativen Lösung arbeiten, schafft andere, neue Perspektiven und stellt Wahlfreiheit her“, heißt es weiter.

Ein weiterer Vorteil der Vernetzung ist der, dass die Schwangeren sich „online“ austauschen können. In verschiedenen Foren können sie sich ihre Sorgen von der Seele schreiben und bekommen Antwort von Frauen, denen es genauso geht, und von Betreuerinnen, die Lösungswege aufzeigen können. Wer sich dann dank der neuen Perspektiven für sein Kind entscheidet, wird nicht plötzlich allein gelassen. Die Beratungsstellen versuchen, die gesamte Schwangerschaft hindurch und darüber hinaus mit den Müttern Kontakt zu halten. Sie helfen bei der Wohnungssuche, organisieren größere Autos, geben Vorschüsse, wenn der Job erst mal wegfällt. Natürlich können auch diese Stellen keine Wunder vollbringen, doch sie können den Müttern helfen, die nicht prinzipiell kein Kind wollen, sondern Gründe sehen, keines bekommen zu können. Auf der Seite von „1000plus“ werden regelmäßig anonymisierte Schreiben von Frauen veröffentlicht, denen die Beratungsstelle helfen konnte und die nun glücklich mit ihrem Kind sind.

Das Thema Abtreibung ist nach wie vor ein sehr prekäres. Es wird nicht viel darüber gesprochen, kaum eine Frau erzählt, dass sie abgetrieben hat. Oft wird ein Schwangerschaftsabbruch jungen Mädchen nachgesagt, die „nicht aufgepasst haben“ oder Frauen, die „in jedes Bett hüpfen“. Die Ignoranz, dass Gründe weit über Alter und Anzahl der Sexualpartner hinaus eine Schwangere zur Verzweiflung bringen können und sie keinen anderen Ausweg sieht, ist meiner Meinung nach erschreckend. Jede Frau sollte die freie Wahl haben, darüber zu entscheiden, ob sie ihr Kind bekommt oder nicht. Das gilt für alle, die sich dagegen entscheiden und deswegen mit schiefen Blicken angesehen werden. Und es gilt für die, die äußeren Umständen trotzen müssen, um sich dafür zu entscheiden. Beratungsstellen wie „Pro Femina e.V.“ und Netzwerke wie „1000plus“ leisten für alle diese Frauen eine wichtige Arbeit. Darum ist es nur gerecht, wenn sie ab und an dafür gewürdigt werden, wie „Pro Femina e. V.“ Der Verein erhielt vor einem Jahr den Stiftungspreis der STIFTUNG „JA ZUM LEBEN“.

 Vorschau: Nächste Woche geht es hier um „Müllkultur“ und wie wir damit leben.

 

„Wer einmal auf der Bühne war, kommt immer wieder!“

Die Gesichter hinter Evergreen Entertainment (v.l.): Boris Dilger und Dominik Läufer (Foto: Evergreen Entertainment)

Nicht nur die Biersorte „Kilkenny“, eine größere Whiskeyauswahl und die charakteristischen dunklen Möbel gehören zu jedem Irish Pub: Auch die Karaoke-Abende, die in den meisten Kneipen veranstaltet werden, sind nicht mehr wegzudenken. Aber wer steht eigentlich hinter diesen Veranstaltungen? Face2Face spricht mit zwei „KJs“ (Anm. d. Red.: Ein „KJ“ ist ein DJ für Karaoke), Boris Dilger (27) und Dominik Läufer (30) von „Evergreen Entertainment“, einem Karaoke-Unternehmen aus Mannheim.

Face2Face: Karaoke-DJ ist ein ziemlich abgefahrener Beruf. Wie kamt ihr dazu?
Boris: Ich habe meine ersten Erfahrungen im Ausland gemacht. Ich war vor einigen Jahren von der Bundeswehr aus in Sarajewo stationiert worden. Als eines Abends ein Entertainer ausfiel, fragte man mich, ob ich einspringen könne. Das hat so gut funktioniert, dass ich dort dann ein Jahr lang meine Feierabende als Unterhalter verbracht habe.
Dominik: Ich bin seit 2005 in der Branche und habe unter anderem drei Jahre lang in einer Karaokebar in Nürnberg moderiert. Meine Entertainertätigkeit in Mannheim habe ich im April 2008 angetreten. Ich war damals als Subunternehmer für einen Karaokeveranstalter tätig, dadurch habe ich letzten November Boris kennengelernt. Wir haben uns damals öfters gegenseitig auf Karaokeveranstaltungen besucht.
Boris: Der Chef der Karaokefirma fragte mich damals, ob ich einsteigen will. Aufgrund interner Differenzen haben wir uns dann letzten Mai selbstständig gemacht und „Evergreen Entertainment“ gegründet.

Face2Face: Lässt sich davon leben?
Boris: Im ersten Jahr ist das schwierig, es muss viel investiert werden. Vor allem die Ausrüstung ist kostspielig. Demnächst wollen wir allerdings Bilanz ziehen, um festzustellen, wo genau wir stehen. Spätestens Ende nächsten Jahres dann wollen wir unseren Traum realisieren und von „Evergreen Entertainment“ leben können.

Face2Face: Was unterscheidet einen KJ von einem „normalen“ DJ?
Dominik: Wir müssen nicht nur musikalisch präsent sein, sondern auch aktiv auf das Publikum reagieren. Während ein DJ sich auf einen ganz eigenen Stil spezialisiert, müssen wir alle Sparten der Musik abdecken. Es kommt vor, dass Leute uns nach den Namen von Liedern fragen, die sie singen wollen – die müssen wir dann anhand von Melodie oder Textzeilen erkennen können.
Die größte Herausforderung für einen KJ ist es aber, ein Gespür für die Gäste zu entwickeln. Wir stellen auf Veranstaltungen Formulare bereit, auf denen die Leute ihre Gesangswünsche eintragen können, und wir müssen dann irgendwie schauen, dass die Lieder und Musikstile eine gewisse Reihenfolge beibehalten.
Boris: Die Stärke der meisten Sänger liegt in Schmusesongs und Balladen. Da kommt es schon einmal vor, dass zehn Leute hintereinander einen langsamen Song singen wollen. Wir müssen die Stimmungen dabei abschätzen, um das Publikum in den Pausen eventuell wieder hochzubringen. Es ist ja eine Karaoke-Party, keine Karaoke-Beerdigung.

Face2Face: Was ist der Reiz an Karaoke?
Dominik: Man kann abends einfach mal abschalten. Die Musik funktioniert für mich als Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag. Spaß am Singen und an der Musik treiben mich auf die Bühne.
Boris: Man merkt immer, wenn jemand das erste Mal auf der Bühne steht – da zittert das Mikrofon. Aber wer einmal auf der Bühne war, kommt immer wieder. Ein Karaoke-Virus, sozusagen.

KJs und Fans in Aktion: Ein Samstagabend im "Fitzgerald's" (Foto: Evergreen Entertainment)

Face2Face: Gibt es Dinge, die euch bei euren Auftritten stören?
Dominik: Klar, es gibt No-Gos. Leute ausbuhen geht überhaupt nicht. Karaoke funktioniert nur ohne Bewertung. Wir versuchen immer, negative Atmosphäre mit unserer Moderation und Musikeinspielern zu lösen.
Gerade letzte Woche haben wir das erste Mal einen Gast von der Bühne verwiesen. Er hielt es für nötig, den Pub, das Publikum und die generelle Stimmung als „scheiße“ zu bezeichnen. Der wurde dann zu recht ausgebuht und dann freundlich herausgebeten.

Face2Face: Habt ihr Fans?
Boris: Ja. Es gibt Leute, die uns schon besucht haben, als wir noch bei der anderen Karaokefirma unter Vertrag standen. Die kommen regelmäßig ins „Murphys“ oder ins „Fitzgeralds“ (Anm. d. Red.: Gemeint sind zwei Irish Pubs in Mannheim, in denen „Evergreen Entertainment“ regelmäßig auftritt). Da bilden sich dann sogar Freundschaften.

Face2Face: Nehmt ihr privat noch an Karaokeabenden teil, oder geht der Spaß daran durch die Arbeit als Moderator verloren?
Boris: Klar, wir sehen uns unheimlich gerne die Konkurrenz an, das inspiriert uns. Der musikalische Fruchtsalat, der da jeden Abend gespielt wird, lässt es nie langweilig werden, das ist jede Woche interessant. Ich habe keine Bedenken, dass uns der Spaß verloren geht.

Face2Face: Karaoke ist nicht gerade ein Volkssport. Was denkt ihr, wie sich die Branche in den nächsten Jahren entwickelt?
Boris: Der Hype wird überschwappen! In Irland, Südamerika und vor allem auch im asiatischen Raum ist die Begeisterung für Karaoke riesig – da zahlt man sogar Geld, um zu singen.
Karaoke wurde ja bereits in den 70er-Jahren erfunden, und in einigen Ländern geht die Begeisterung daran langsam verloren, auch, wenn sie mehrere Jahre angehalten hat. Aber wir stehen hier gerade vor einem Boom. Und solange der Zug rollt, sollte man natürlich nicht abspringen.

Shows (wöchentlich):
Donnerstag, ab 21.30, „Murphy’s Law“ (direkt am Hauptbahnhof Mannheim)
Samstag, ab 21.00, „Fitzgerald’s“ (Mannheim, U5 13)

Vorschau: Am Dienstag, 6. Dezember erscheint im Panorama das nächste Rätsel des Monats. Viel Spaß beim Mitraten! Ein Weihnachtsspecial erwartet euch eine Woche später, am Dienstag, 13. Dezember. Hierbei werden fünf Face2Face-Mitarbeiter von ihren diesjährigen Weihnachtsplänen berichten. Holt euch Inspiration und lernt das Team hinter den Artikeln besser kennen!

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Die Fragen stellten Melanie Denzinger und Johannes Glaser.

Traumberufe, Teil 4: Feng-Shui-Beraterin

Diplom Feng-Shui-Beraterin – klingt nach Traumberuf vor allem für junge Frauen. Und das ist es auch, findet zumindest die 24-jährige Eva Steiner.

 „Der Umgang mit Menschen, denen ich durch mein Know-How Unterstützung geben kann, ist wunderbar“, erklärt sie die Leidenschaft zu ihrem Beruf, „es erfüllt mich, wenn ich sehe, dass ich helfen konnte und dass das vom Kunden erhoffte Ziel mit vollster Zufriedenheit erreicht wurde.“

Bei ihrer Berufswahl wurde Steiner durch ihre Mutter inspiriert: „Sie ist seit vielen Jahren Feng Shui-Beraterin und bildet auch Feng-Shui-Berater aus.“ Sie habe sich schlichtweg von der Begeisterung ihrer Mutter für den Beruf anstecken lassen, gesteht die junge Frau.

In einer halbjährigen Intensiv-Ausbildung unter den strengen Augen ihrer Mutter habe sie so schließlich den Abschluss zur Diplom Feng-Shui-Beraterin erreicht, berichtet Steiner stolz. „Nach dieser Ausbildung ist es wichtig, sofort in die Praxis einzusteigen. Wenn noch kein Auftrag vorliegt, kann man als frisch gebackene Feng-Shui-Beraterin zuerst einmal Verwandten oder Freunden beraten – das ist sehr lehrreich“, erzählt Steiner.

Aber was genau versteht man eigentlich unter Feng Shui? „Wörtlich bedeutet „Feng“ Wind und „Shui“ Wasser. Wind und Wasser haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf unser Leben und unsere Umwelt. Feng Shui kann die Wirkungen von Yin, also weiblicher Energie und Yang, das ist die männliche Energie, ausgleichen, so dass Harmonie entsteht“, erläutert Steiner die Begrifflichkeiten. „Ich würde sagen, dass die Umgebung der Menschen – sowohl beruflich als auch privat – durch Feng Shui positive Energien erhält, so dass Gesundheit, Glück, Wohlstand und Erfolg verstärkt werden“, fügt sie an.

Konzentriert: Feng-Shui-Beraterin Eva Steiner beim Durchführen von Berechnungen (Foto: privat)

Als Feng Shui Beraterin benötige man ein gutes Einfühlungsvermögen, um bestehende Energien zu orten und gezielt zum Wohle des Kunden einzusetzen. Aber auch ein wenig Übung kann nicht schaden, wie Steiner erklärt: „Man kann zum Beispiel fremde Grundrisse aus Zeitschriften zur Hand nehmen und anhand dieser Grundrisse fiktive Berechnungen und Auswertungen vornehmen. Ebenfalls kann man mit der Rute beziehungsweise dem Pendel nach Draußen gehen, um Wasseradern oder sonstige geopatische Störfelder im Umfeld zu finden.“

Wie sieht nun also ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag einer Feng Shui Beraterin aus? „Wenn ich einen Auftrag erhalte, fahre ich zum Kunden hin, um über die Details zu sprechen. Ich benötige einen maßstabsgerechten Plan sowie einige Informationen, wie zum Beispiel Geburtsdaten, Einzugsdatum und so weiter. Mit dem Feng Shui-Kompass messe ich an einer definierten Stelle die Gradzahl, um dem Grundstück beziehungsweise dem Haus oder der Praxis ein entsprechendes Element zuordnen zu können. Vor Ort gehe ich mit der Rute durch die Räume und über das Grundstück, um geopatische Störfelder finden zu können“, berichtet Steiner. Danach fahre sie nach Hause, um am Schreibtisch diverse Berechnungen durchzuführen, beispielsweise über die sogenannten „Fliegenden Sterne“, die Auskunft über den Verbleib von Wasser geben können. „So entsteht allmählich ein Plan, in dem unter anderem Farb- und Möblierungsvorschläge eingezeichnet werden. Außerdem werden die Kreuzpunkte der Curry- und Hartmann-Linien ermittelt – auf diesen sollte weder geschlafen noch gearbeitet werden“, weiß die 24-Jährige. Sobald schließlich alle Unterlagen schriftlich vorliegen, treffe sie sich wieder mit dem Kunden, stelle die Beratung mündlich vor und überreiche die Pläne.

Und das Ergebnis: „Ein Feng Shui-Raum fühlt sich harmonisch an und man fühlt sich sicher und geborgen. Dort kann man Energie tanken, anstelle Energien zu verlieren. Der Geist und die Kreativität werden angeregt und die Menschen sind in der Regel gesund und erfolgreich.“

Sich ohne professionelle Beratung nach den Regeln des Feng Shui einzurichten, sei oftmals wenig erfolgreich, so Steiner. „Für gutes Feng Shui ist es notwendig, Berechnungen durchzuführen und diese Berechnungen auszuwerten. Das geben Bücher oft nicht her.“

Eine spezifische Ziel- und Altersgruppe habe die Feng-Shui-Beratung nicht, meint Steiner. „In der Regel wünschen sich Menschen eine Beratung, wenn neu gebaut oder renoviert wird, wenn Krankheiten in der Familie auftauchen, die Unfallhäufigkeit zunimmt oder wenn Geschäfte nicht gut laufen oder besser laufen sollten“, fügt sie hinzu.

Das schönste an ihrem Beruf sei das positive Feedback nach getaner Arbeit: „Wenn dich Kunden loben, indem sie sagen, dass sich die Atmosphäre in ihrem Haus so anfühlt als wären sie im Urlaub oder dass die Geschäfte in ihrer Praxis oder ihrem Unternehmen besser laufen als erwartet, ist das ein unbeschreiblich tolles Gefühl.“

Vorschau: Nächsten Sonntag verrät euch Gülcin wie man Cake Pops macht – das sind Lollys, die aus Kuchen bestehen. Ihr dürft gespannt sein!