Ode an den Bart- Was der Bart, evolutionär gesehen, bringt

Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein. Der rostrotkupferbraunbronzene Bart reimt sich nur auf hart und wenn dein Vater keinen Bart trägt, dann hast du zwei Mütter. Nicht nur in der Popkultur taucht der Bart immer öfter auf, der Stolz auf einen stattlichen Bart scheint sich bei vielen Männern breit zu machen. Doch warum hat ein Mann üppiges Gesichtshaar und eine Frau nicht?

Mann mit Bart (Foto: Tim Reckmann  / pixelio.de)

Mann mit Bart (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)

Wie und wieso Bärte?
Der Bart ist ein deutliches äußerliches Merkmal für einen erwachsenen Mann, der die Pubertät durchlaufen und die sexuelle Reife erreicht hat. Schon lange ist klar, dass sich das Gesichtshaar vom Kopfhaar deutlich unterscheidet, sei es in Morphologie oder Aminosäurezusammensetzung. Während Androgene (Hormone, die bei Männern in größeren Mengen vorhanden sind) Haarwachstum stimulieren, so ist die Genetik für die Dicke, Farbe und generelles Vorhandensein der Barthaare verantwortlich. Deshalb kann es sogar sein, dass sich Kopf- und Barthaar in ihrer Farbe unterscheiden und manche Männer mit braunem Kopfhaar haben rötliches Barthaar.

Wirkung auf andere Männer

Männer mit Bärten werden als maskuliner, aggressiver und dominanter betrachtet. Auch mit einem höheren Alter, einem höheren sozialen Status und mehr Verantwortung werden solche Gesichter in Verbindung gebracht. Der Bart bringt also dem Mann etwas im Vergleich zu bartlosen Männern. Doch manche Studien brachten Bärte auch in Verbindung mit geringerer sozialer Reife und dem Fehlen von Konformität, weshalb Personalmanager sich für glattrasierte Gesichter entschieden. Sollte es tatsächlich zu einem Kampf zwischen zwei Männern kommen, so schützen Bärte nicht vor Schlägen, auch wenn diese Theorie einst aufgestellt wurde. Vor UV-Strahlung jedoch können Bärte tatsächlich schützen.

Attraktivität auf Frauen?

Wenn es mit der Genetik zu tun hat, muss der Bartwuchs auch mit dem Fortpflanzungserfolg zusammenhängen. Tragen Männer Bärte, um auf Frauen attraktiver zu wirken? Während einige Studien besagen, dass Frauen auf Bärte stehen, andere den Dreitagebart in den Vordergrund stellen, besagen wiederum manche, dass Frauen glattrasierte Gesichter ansprechender fanden. Manche Frauen betrachteten bärtige Männer auch als bessere Väter. Würde der Bart aber nur auf sexuelle Selektion zurückzuführen sein, müssten Männer mit Bärten mehr Nachkommen zeugen, so hätte nach einiger Zeit der Menschheitsgeschichte jeder Mann einen Bart und möglicherweise hätte sich die Bartlänge als sexuelles Merkmal durchgesetzt, wie das Federkleid des Pfaus. Dies kann also nicht die ganze Erklärung sein. Doch es gibt noch eine Erklärung für die unterschiedlichen Studienergebnisse. Bärte sind besonders verführerisch, wenn sie selten sind. Rasierte Gesichter aber steigern ihre Popularität, wenn haarig zur Norm wird. Deshalb kommt und geht der Trend. Die Bartfrequenz ist verbunden mit Angebot und Nachfrage.

Gesunde Eitelkeit? – Wo fängt der Wahnsinn an

Natürlich bin ich eitel. Wer nicht? Ich freue mich, wenn ich auf einem Foto gut getroffen bin und zwinkere meinem Spiegelbild zu, wenn ich mir gerade mal selbst gefalle. Mein Kleiderschrank frustriert mich mindestens ebenso oft, wie meine Haarbürste. Meiner Tochter sage ich immer wieder wie wunderschön ihr kugelrundes Kleinkinderbäuchlein ist und über meinen Mann lächle ich, wenn er seine dicke Mütze anzieht, weil die Haare einfach nicht so wollen wie er. Wir alle sind eitel, gerade dann, wenn wir es nicht sein wollen.

Der Blick der anderen

Die Blicke der Anderen: Manchmal wird Eitelkeit von uns verlangt (© Rosel Eckstein / pixelio.de)

Die Blicke der Anderen: Manchmal wird Eitelkeit von uns verlangt (© Rosel Eckstein / pixelio.de)

Auf dem heimischen Sofa dagegen darf Kleidung und Frisur gerne leger sein. Sobald ich aber raus muss fühle ich mich unter Druck. In einer Woche startet mein erstes Seminar und ich werde eine gewisse Repräsentationspflicht haben. Kleider machen Leute, das wissen wir Germanisten sehr gut. An meinem Gymnasium hat ein Deutschlehrer seine Klasse einmal dazu gebracht, in Anzug und Abendkleid zur Schule zu kommen. Ein voller Erfolg. Alle haben gestaunt, gefragt, große Augen gemacht. Wir Menschen sind visuelle Geschöpfe, wir glauben, was wir sehen. Darum setzt uns der Blick der anderen auch so unter Druck. Nur weil mir mein Spiegelbild heute gefällt, heißt das nicht, dass die Menschen in der Öffentlichkeit das gleiche sagen. Und dann? Am Ende wird mein Lieblingspulli seines tiefen Ausschnitts wegen unpassend und meine rote Hose zum schreienden Etwas. Dabei wollte ich mich doch nur wohlfühlen.

Mehr, als wir sehen

Nicht gesellschaftsfähig? Eitelkeit ist auch eine Bürde (©JörgBrinckheger / pixelio.de)

Nicht gesellschaftsfähig? Eitelkeit ist auch eine Bürde (©JörgBrinckheger / pixelio.de)

Tatsächlich bin ich wohl eher der Typ, der als graue Maus durchgeht. Schmuck und viel Schminke ist in meinem Alltag mit kleinen Kindern einfach zu unpraktisch, nur für in die KiTa reich mir auch die Jogginghose und irgendwo habe ich immer einen Fleck, denn eine Kinderhand hingeklatscht hat. Meinen Kopf vergrabe ich in Büchern und Mode war noch nie mein Thema. Erst kürzlich habe ich mich mit meiner Mutter unterhalten, dass ich oft das Gefühl habe, nicht so recht gesellschaftsfähig zu sein, weil ich bei solchen Themen einfach nicht mitkomme und außen vor bleibe. Berufskrankheit könnte ich mir vorhalten. Doch dann frage ich mich wieder, ob ich nicht auch den auf den ersten Blick eitlen einfach Falsches unterstelle. Am Ende sind wir doch alle mehr, als wir sehen und sehen lassen. Hinter Schminke kann Unsicherheit verborgen sein, der Spaß am Bemalen oder einfach viel gendertypische Konditionierung.

Eitel und gesund?

Gesunde Eitelkeit: Manchmal hat auch Mode ihr Gutes (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Gesunde Eitelkeit: Manchmal hat auch Mode ihr Gutes (© Tim Reckmann / pixelio.de)

Mit etwas Abstand betrachtet bin ich wesentlich gelassener was die Blicke der anderen angeht. Mein Äußeres macht weder mich aus noch spiegelt es mein Inneres. Und viele Faktoren lassen sich eben nicht so einfach pauschalisieren. Dass eine tägliche Dusche gesund ist beispielsweise, würde mancher Hautarzt eher verneinen – Haut und Haare leiden unter den Mittelchen, die wir ihnen zumuten. Auch Schminke ist kein Pflegeprogramm. Von der Bequemlichkeit mancher Kleidungsstücke ganz zu schweigen. Wenn aber unser Drumherum fürs Äußere uns am Ende nicht nur unter Druck setzt, sondern eben eigentlich auch konträr dem Bild vom gesunden, gepflegten Menschen ist, ist es Zeit etwas zu ändern. Erst gerade habe ich von einer englischen Studie gelesen, die Bartträgern einen positiven Effekt attestiert. Durch ihren Bart hätten sie quasi ein natürliches Antibiotikum, dass sie vor Erkrankungen schützt. Ein Lob auf die Hipster, die den Bart wieder modern gemacht haben.

Vorschau: In zwei Wochen blicke ich auf #regrettingmotherhood zurück.

Männer frönt dem Wildwuchs: der aktuelle Trend zum Vollbart

Vollbart, Rauschebart oder Hommage an Bergsteiger Reinhold Messner. Wie auch immer man ihn nun nennen mag, der Trend des „bärtigen Mannes“ ist derzeit allgegenwertig.

Ob als Model auf den Laufstegen, Besucher in der Front-Row einer Fashion Week oder auf den Straßen diverser Modemetropolen: der Mann von heute trägt wieder Bart. Die Rede ist hier aber nicht von einem dezenten Drei-Tage-Bart – vielmehr könnte man bei diesem Exemplar von einem Wochen-, ja sogar Monats-Bart sprechen. Das haarige Accessoire muss vor allem eins sein: dicht und lang, sodass dessen Träger aussieht, als sei er geradewegs aus einem Erdloch gekrochen.

Die Vermutung liegt nahe, die Männerwelt möchte nach Jahren voller  Glattrasur,  akkurat gezupfter Augenbrauen und tiefen V-Ausschnitten nun endlich wieder ihre Männlichkeit demonstrieren. Zudem gibt es in der immer androgyner werdenden Modewelt kaum noch ein Kleidungsstück, welches einzig und allein dem starken Geschlecht vorbehalten ist. Boyfriend-Blazer, -Jeans oder –Shirts – die Frauenmode bedient sich seit Jahren aus dem Kleiderschrank der Männer, während für diese hingegen bereits Handtaschen und Röcke auf Laufstegen gesichtet worden sind. Es wäre daher nicht weiter verwunderlich, wenn Männer das Bedürfnis hätten gegen die immer weiblicher werdende Männermode zu rebellieren und dafür gezielt auf Rasierer zu verzichten.

Doch was mag man, beziehungsweise Frau, denn nun vom aktuellen Wildwuchs-Trend halten? Ein gepflegter (!) Bartwuchs kann am richtigen Träger sicherlich äußerst lässig und maskulin wirken. Doch muss es denn gleich ein mehrere Zentimeter langer Räuberbart sein, in welchem sich ungehindert sämtliche Krümel festsetzen?

Fest steht überdies: Bart-Boys sind sicherlich nett anzuschauen – sie zu küssen stellt dagegen eine Herausforderung dar.

Trotz wundgescheuertem Kinn bleibt dennoch zu sagen: der Trend zu mehr Männlichkeit und weniger Milchbubigesicht ist grundsätzlich zu befürworten. Nach dem Jahrzehnt des metrosexuellen Mannes sehnen wir Frauen – und anscheinend auch Männer – uns nun wieder nach mehr Maskulinität.

Also Jungs, legt den Rasierer für ein paar Tage beiseite und frönt dem Wildwuchs!

Vorschau: Nächste Woche erwartet euch ein weiteres Interview – dieses Mal mit Bloggerin Cloudy vom „Cloud44“-Blog.