Die Ära Obama – Ein Abschied

Es vergeht aktuell kein Tag, der uns nicht daran erinnert. Am 08. November 2016, einem Dienstag, will Amerika einen neuen Präsidenten wählen. Demokraten oder Republikaner, Clinton oder Trump – der doch Sanders? Während die Vorstellung eines amerikanischen Präsidenten mit miesem Toupet und noch mieseren Vorstellungen mir eine Gänsehaut verschafft, blicke ich jetzt schon etwas wehmütig auf die Ära Obama zurück.

Die Handschrift des Präsidenten

Starker Auftritt: Obama begeisterte die ganze Welt (Foto: pixabay)

Starker Auftritt: Obama begeisterte die ganze Welt (Foto: pixabay)

Am Anfang waren wie alle euphorisch. Nach Busch nicht nur ein Demokrat, sondern auch noch ein Schwarzer – ein Umstand der Barrak Hussein Obama ohnehin einen Platz den Geschichtsbüchern dieser Welt gesichert hätte. Bei anhaltender Kritik wegen Diskriminierung und Gewalt gegen Menschen mit einer anderen Hautfarbe als „weiß“ war Obama das Aushängeschild eines modernen Amerikas: offen, tolerant, charismatisch. Der Präsident sang auf Youtube, witzelte mit der Presse und meldete sich bei Twitter an. Alles ein voller Erfolg und relativ wenig politisch. Doch Obama kann auch Politik. Mit einer regelrechten Revolution des amerikanischen Gesundheitssystems setzte er sich durch und musste prompt Rückschläge einstecken. Sein Versuch, die Waffengesetzte zu verschärfen, dagegen wurde immer wieder abgeblockt.

Vorsicht vor dem Charisma

Obama hat Charisma - Vorsichtig (Foto: Pixabay)

Obama hat Charisma – Vorsichtig (Foto: Pixabay)

Also ist er doch eigentlich einer von den Guten, oder? Verbessert das Gesundheitssystem, will Waffennutzung stärker beschneiden, eigentlich klingt das doch alles sehr gut. Aber auch wenn Obama den Amerikanern mehr gebracht hat, als sie wissen, steckt hinter dem charismatischen Lächeln auch ein Mann, der Guantanamo schließen lassen wollte – es aber weiter geöffnet lässt. Ein Mann, der Amerika stärken will, indem er mit der EU TTIP durchbringen will. Ein Mann, dessen Land in der Flüchtlingskrise kritischer Beobachter wird und selbst nur wenige Menschen aufnimmt. Ein Politiker für sein Land eben.

Es kann nur schlechter werden

Zimmer frei: Wer kommt nach Obama ins Weiße Haus? (Foto: Pixabay)

Zimmer frei: Wer kommt nach Obama ins Weiße Haus? (Foto: Pixabay)

Wehmütig bin ich nach diesen zwei Amtszeiten vor allem deswegen, weil die Zukunft aus meiner Perspektive düster ist. Selbst wenn ich den Amerikanern nicht zutraue, Trump tatsächlich zum wahnsinnigen Despoten erheben zu wollen, wird er wohl zur Wahl des Präsidenten antreten. Und auch wenn ich hoffe, dass die Demokraten die Wahl für sich entscheiden, sind Clinton und Sanders nicht gerade die modernen, offenen und toleranten Nachfolger, die ich mir für Obama gewünscht hätte. Weil Obama mehr ist, als ein Präsident. Ein Phänomen, eine Ära, nach deren Ende die Frage, ob Amerika – dieses Land, das immer noch so viel in der Welt bewegt – den eingeschlagenen Weg weitergehen wird, im Raum steht.

Vorschau:  In zwei Wochen berichte ich euch vom Blick aus dem Festwagen.

Wulff-Affäre, FDP am Boden, Raab versucht Polit-Talk: Die Wirtschaft&Politik-Redaktion blickt zurück

Nun ist die Welt am 21.12.2012 also doch nicht untergegangen. Keine Meteoritenschauer, keine Sonneneruption, keine Zombie-Apokalypse. Stattdessen bot sich Deutschland ein geradezu lächerlich warmes Weihnachten – in München sollen die Thermometer an Heiligabend auf bis zu 20 Grad Celsius geklettert sein. Vom typischen Dezemberwetter keine Spur. Doch bevor das Jahr zu Ende geht, wollen wir noch einmal zurückblicken auf einige Ereignisse des politischen Geschehens, über die Face2Face berichtet hat. Was ist passiert und was hat sich seit unseren Berichten getan?

Großen Unmut erregte Ende 2011 und Anfang 2012 die Kredit- und Medienaffäre um Bundespräsidenten Christian Wulff. Der höchste Mann im Staat hatte Öffentlichkeit und Medien gegen sich aufgebracht, als er versuchte, eine Berichterstattung in der BILD über seine Privatkredite zu verhindern. Monatelang hielt sich Wulff bedeckt, trat dann aber schließlich Mitte Februar zurück, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover seine Immunität aufgehoben hatte. Inzwischen hat Joachim Gauck als gemeinsamer Kandidat von SPD, CDU/ CSU, FDP und den Grünen das Präsidentenamt eingenommen. Nach seinem Rücktritt erregte Wulff erneut die Gemüter, als bekannt wurde, dass er trotz frühzeitigem Ausscheiden aus dem Amt einen hohen Ehrensold – über 200.000 Euro jährlich – erhalten werde. Dieser Ehrensold wurde schließlich auch abgesegnet.

Großes Sorgenkind der deutschen Politik war 2012 vor allem die schwächelnde FDP unter Philipp Rösler. Nach der Bundestagswahl 2009 verloren die Liberalen stetig an Rückhalt in der Bevölkerung. Unter Rösler dümpelt die Partei in aktuellen Umfragen bei weniger als fünf Prozentpunkten Zuspruch. Verliert die FDP 2013 weiterhin Landtagswahlen, darf mit einem Rücktritt Röslers gerechnet werden. Auch der erneute Einzug in den Bundestag der Freidemokraten ist in diesem Jahr alles andere als gesichert. Kurz vor Jahresende machte der Parteichef nun auch noch einmal negative Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass neben CDU-Umweltminister Peter Altmaier auch Philip Rösler Parteimitglieder mit Beförderungen bedachten – um die Schafe vor einer möglichen Wahlniederlage ins Trockene zu bringen, munkeln die Medien in diesen Tagen.

Auch die Piratenpartei hat kein besonders gutes Jahr hinter sich. Die Jungpartei präsentierte sich als durch und durch zerstritten, 2013 wollen die Piraten in den Bundestag einziehen, doch ob dieses Anliegen gelingt, bleibt abzuwarten. Mit Inhalten haben die Polit-Einsteiger bisher kaum geglänzt.

Politische Inhalte wollte stattdessen Pro7-Flagschiff Stefan Raab liefern. In seiner neuen Show Absolute Mehrheit – Meinung muss sich wieder lohnen trat er in Konkurrenz zu einer breiten Palette politischer Talkshows im deutschen Fernsehen. Mit einem neuen Konzept sollten Gameshow und Polit-Talk miteinander vereint werden. Die Kritiken waren verhalten, man störte sich an Raabs flachem Herumgeblödel, dem generellen Trash-Niveau der Sendung und der Zeitgestaltung – so wurde den Werbeblocks und einem Gewinnspiel so dermaßen viel Raum gegeben, dass die Diskussionen davon nachhaltig gestört wurden. Im Februar lädt Raab zum zweiten Mal zur Debatte.

Weltweite Aufmerksamkeit erregte die Inhaftierung dreier Mitglieder der russischen Künstlergruppe Pussy Riot. Die drei verhafteten Frauen hatten einen Gottesdienst mit einem Punk-Gebet gestört und sich dabei angeblich auch ablehnend gegen Staatschef Wladimir Putin ausgesprochen. Zwei der drei Frauen wurden inzwischen zu zwei Jahren Straflager verurteilt, eine dritte erhielt in einem Berufungsverfahren schließlich eine Bewährungsstrafe.

Während Kim Jong-un in den letzten Tagen des Jahres 2011 den Posten an der Staatsspitze von Nordkorea seines kurz zuvor verstorbenen Vaters Kim Jong-il einnahm, trat 2012 Nicolas Sarkozy sein Amt als französischer Staatspräsident an Francois Hollande ab. Barack Obama hingegen wurde Anfang November diesen Jahres als Präsident der Vereinigten Staaten im Amt bestätigt.

Wiederwahlen stehen nun auch im kommenden Jahr in Deutschland an. In aktuellen Umfragen führt die CDU mit 41 Prozent der Befragtenstimmen, gefolgt von der SPD mit 27 Prozent und den Grünen mit 13 Prozent. Die Linke liegt nach starken Einbußen nur noch bei acht Prozent der Stimmen, die FDP und die Piraten scheitern mit jeweils vier und drei Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Ob es einen Führungswechsel an der Staatsspitze geben wird, wird wohl im Wahlkampf entschieden werden.

Vorschau: Die Auswertung der Sektsteuer-Umfrage mit interessanten Ergebnissen und spannenden Hintergründen lest ihr nächsten Montag an dieser Stelle.

Wahlkampf auf allen Fronten – Die Medienschlacht in den USA

Wahlkampf in den USA geht üblicherweise einher mit Konfettiregen – frenetischen Parteianhängern, die das Konterfei des politischen Gegners gern mal mit Hitlerbärtchen verzieren – und der obligatorischen Diskussion um Abtreibung.
Debattiert wird reichlich und das mit möglichst wenig konkreten Inhalten. Sowohl Obama als auch Romney versuchen sich derzeit als Kandidaten der Mittelschicht zu verkaufen, während der jeweils andere als die fleischgewordene Korrumpierung der Gesellschaft portraitiert wird.

Doch der Wahlkampf findet längst nicht mehr nur in den Parteizentralen statt, sondern vor allem medial. Ob Zeitungen, Radio oder Fernsehen – Meinungsmache gehört zum Alltagsgeschäft. Am schillerndsten flimmern dabei Moderatoren des Fox News Channels über die heimischen Bildschirme: die Herren meist staatstragend mit graumeliertem Haar und Anzug – die Frauen mit Glitzerlipgloss in roten oder blauen Kostümchen, weil sich das auf HD-Bildschirmen so gut macht.

Zwar schreibt sich Fox das Credo „Fair And Balanced“ auf die Fahnen, der Sender gilt dennoch als Sprachrohr der Republikanischen Partei. Fox umgeht den Vorwurf der Parteinahme, indem der Sender darauf verweist, dass sein Programm in sogenannte harte Nachrichten und Meinungssendungen – die wohlgemerkt zur besten Sendezeit laufen – aufgeteilt ist. Die harten Nachrichten seien selbstverständlich objektiv und was die persönliche Meinung eines Moderators sei, wisse der Zuschauer durchaus zu unterscheiden. Zudem seien alle anderen Sender liberal eingestellt und würden wohlwollend über die Demokratische Partei berichten. Dementsprechend sei Fox der einzig wirklich ausgewogene Sender, der beide Parteien ausreichend repräsentiert, ließ einst Medienmogul Rupert Murdoch, zu dessen Sendergruppe Fox News gehört, verlauten.

Und schaut man sich die Medienlandschaft an, lässt sich dieses Argument nicht ganz von der Hand weisen. Der Sender MSNBC hat beispielsweise überwiegend liberale Kommentatoren im Programm wie Rachel Maddow, die sich als eine der ersten TV-Persönlichkeiten öffentlich zu ihrer Homosexualität bekannte. Auch bei Comedy Central flimmern mit der „Daily Show“ und dem „Colbert Report“ gleich zwei liberale Satiresendungen über den Bildschirm. Bei ABC diskutieren mittags die Ladys von „The View“ über das tägliche Politikgeschehen, auch hier sind die Damen mit liberalen Ansichten in der Mehrheit. Abends übernimmt auf ABC dann der liberale Satiriker Bill Maher das Programm mit seiner Late-Night-Show. Selbst bei CNN, wo sich die Anzahl liberaler und konservativer Kommentatoren noch die Waage hält, scheuen die Moderatoren nicht mehr davor zurück, Gäste mit allzu kruden konservativen Ansichten zurechtzuweisen.

Hat Murdoch also Recht? Ist Fox nur das konservative Element, das eine ansonsten liberale Medienwelt braucht?
Murdochs These ist vielmehr als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung anzusehen. Seit der Gründung 1996 hat der frühere Stratege der Republikanischen Partei Roger Ailes die Senderführung bei Fox News inne. Und sein Erfolgsrezept, bestehend aus zwei einfachen Grundregeln, funktioniert bis heute: Nachrichten müssen nicht nur informativ sein, sondern einen Unterhaltungswert bieten. Und Meinung bringt Quote: Seit nunmehr zehn Jahren ist Fox News mit Abstand der meistgesehene Nachrichtensender der USA.

Zum Vergleich: CNN sendet bereits seit 1980 und hat die größte Nachrichteninfrastruktur mit Korrespondenten und Niederlassungen auf der ganzen Welt. Trotzdem ist der Sender quotenmäßig am weitesten abgeschlagen. Studien zeigen, dass die regelmäßigen Zuschauer von Fox News hingegen am schlechtesten über das politische Alltagsgeschehen Bescheid wissen, sogar schlechter als die Befragten, die angaben, überhaupt keine Nachrichten zu schauen. Doch der kommerzielle Erfolg von Fox News scheint das zu legitimieren und immer mehr Sender springen auf den Quotenzug auf.

Bei der Wahl am 06. November  entscheidet sich also nicht nur welche politische Partei, sondern auch welches ideologische Lager triumphiert. Wer hat es in den vergangen vier Jahren geschafft, seine Inhalte besser zu verkaufen? Sollte Mitt Romney als Wahlsieger hervorgehen, wird das auch den Tenor der Medien verändern. Rachel Maddow wird nicht mehr die Rolle der Verteidigerin, sondern die der Anklägerin übernehmen. Die Fox-News-Crew wird wie schon zur Amtszeit von George Bush postulieren, dass jetzt  nicht die Zeit ist, Kritik zu üben, sondern sich geschlossen hinter dem Präsidenten zu versammeln. Alles andere sei schließlich unamerikanisch – ein Vorwurf den man in konservativen Kreisen nicht gerne auf sich sitzen lässt. Es sei denn der Wahlsieger heißt erneut Barrack Hussein Obama…Das wäre seit langer Zeit tatsächlich die erste große Niederlage für Fox News.

Vorschau:  Nächste Woche gibt es hier die Buchkritik und ein Gewinnspiel zu „Die Herren von Winterfell“ von Geroge R. R. Martin