Tierrecht in C-Dur – vegane Musik national und international

Taktvoll: Vegane Musik regt zum Nachdenken an (© Fabian Fellmann / pixelio.de)

Mit Thomas D, Jared Leto, Janet Jackson und Bryan Adams ist die Liste der veganen und gleichzeitig hochkarätigen Interpreten – sowohl national als auch international – lang und breit gefächert. Denn immer mehr Musiker, die sich auf diese Weise ernähren, bekennen sich auch durch ihre Musik dazu. Während einige Künstler mit radikalen Bekenntnissen die Fangemeinde spalten, gründen andere wiederum gleich ein ganzes Restaurant.

Vegan essen im Restaurant von Moby

So zum Beispiel der US-amerikanische Sänger und DJ Moby, der 1999 in Deutschland mit seinem Song „Why does my heart feel so bad?“ große Bekanntheit erlangte. Seit der Eröffnung im November 2015 betreibt der Musiker, der sich für Tierrechte engagiert, das vegane Restaurant „Little Pine“ in Los Angeles. Moby hatte nicht nur bei der Einrichtung, sondern auch bei der Menüauswahl ein Wörtchen mitzureden. Die Gerichte haben mediterrane Einflüsse, die verwendeten Lebensmittel sind vegan und stammen ausschließlich aus ökologischem Anbau. Moby wuchs mit Hunden und Katzen auf. Aus Liebe zu seinen Tieren entschied er sich 1985 im Alter von 19 Jahren dafür, Vegetarier zu werden. Aufgrund der miserablen Zustände in vielen kommerziellen Farmen ernährt er sich seit 1987 vegan. Im Rolling Stone Magazine schrieb Moby über seine Beweggründe für die vegane Ernährung: „Simply so that I could eat and live in accordance with my beliefs that animals have their own lives, that they´re entitled to their own lives and that contributing to animal suffering is something that I don´t want to be a part of.“ (zu Deutsch: „Einfach, damit ich in Übereinstimmung mit meiner Überzeugung, dass Tiere ihr eigenes Leben haben, dass sie ein Recht auf ein eigenes Leben haben, essen und leben konnte, und dass der Beitrag zum Leiden von Tieren etwas ist, von dem ich kein Teil sein möchte.“)

Die Avocado-Farm von Jason Mraz

Auch der US-amerikanische Sänger Jason Mraz isst hauptsächlich vegan. Zu seinen bekanntesten Songs zählen „I´m yours“, „I won´t give up“, „Love someone“ und das gemeinsame Duett „Lucky“ mit Sängerin Colbie Caillat. Dass der Musiker inzwischen veganes Essen bevorzugt, hat mit den Rolling Stones zu tun. Als Mraz vor ein paar Jahren Supportact bei ein paar Konzerten der Band war, beeindruckte ihn deren mittlerweile gesunde Lebensweise nachhaltig und veranlasste ihn wenig später dazu, seine eigene Ernährung umzustellen. Seitdem ist er nicht nur Veganer, sondern betreibt auch eine eigene große Avocado-Farm in der Nähe von San Diego, Kalifornien. Wie wichtig ihm die Wertschätzung der Erde und der ökologische und idealerweise eigene Anbau von Lebensmitteln ist, könnt ihr in seinem Song „Back to the earth“ aus seinem Album „Yes!“ (2014) hören: „Cause my home is where my food is grown.“

Veganismus als Konzept der Band Deadlock

Veganismus: Musik- und Lebensstil zugleich (Foto: T. Gartner)

Auch auf nationalen Bühnen treten immer mehr Interpreten in Erscheinung, die Veganismus nicht nur leben, sondern mit in ihre Musik einfließen lassen. So führen alle fünf Köpfe der 1997 gegründeten Melodic-Death-Metal-Band Deadlock nicht nur einen veganen Lebensstil: Auf ihrem 2008 erschienenen Album „Manifesto“ prangern sie in Liedern wie „The Brave / Agony Applause“, „Deathrace“, „Slaughter’s Palace“ und „Seal Slayer“ die Massentierhaltung und das Töten von Tieren an. Das Album „Bizarro World“, das den Musikern 2011 erstmals eine Chart-Platzierung bescherte, erinnert namentlich nicht zufällig an die Comicfigur Bizarro. Vielmehr seien nach dem Bassisten John Gahlert in einem Interview mit dem Magazin Metal Hammer vielerlei Parallelen zwischen der fiktiven Figurenwelt und der Gegenwart erkennbar: „Es geht darum, wie verdreht vieles auf der Welt ist. Die meisten Leute fressen einfach, was ihnen vorgeworfen wird. Würden sie weiterdenken, würde so manches Lügengebilde schnell einstürzen“. Als Motivation sich auch musikalisch mit den Rechten der Tiere auseinanderzusetzen, gab Gahlert in einem Interview mit dem Magazin All About The Rock an, die Fans zum bewussteren Konsum anregen zu wollen.

Offene Provokation durch Samsas Traum

Das deutschsprachige Musikprojekt Samsas Traum, das 1996 von Alexander Kaschte ins Leben gerufen wurde, bekannte sich durch morbide Plakate für die Tierschutzorganisation PETA mit Motiven der Selbstverstümmelung und Überschriften wie „Fleisch ist (Selbst) Mord“ zum veganen Lebensstil. Die plakative Kritik steht dabei konträr zur eigenen musikalischen Entwicklung, in der sich die Band mit lyrischen und anspruchsvollen Texten einer breiten Themenpalette widmet. Bereits der Bandname, der auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ referiert, deutet den literarischen Bezug an. Außerhalb der Musik äußert sich der Bandgründer weniger poetisch denn radikal gegen den Konsum tierischer Güter, indem er in einem Interview mit dem Zillo-Magazin Vegetarier mit Fleischessern auf eine Ebene stellt: „Vegetarier sind Mörder. […] Sie befriedigen ihr Gewissen durch den Verzicht auf Fleisch, konsumieren aber weiterhin Produkte […], die ebenfalls auf den Tod der zur Gewinnung ausgenutzten Tiere hinauslaufen“. Auch Fans werden fundamental zu veganer Ernährung aufgerufen – nicht nur, indem Kaschte auf Konzerten Veganismus-Bücher verkauft und kritische Ansprachen auf DVDs und Hörspiele presst. Kontroverse Diskussionen löste er unter anderem durch die Diffamierung von Fleischkonsumenten auch innerhalb der Fangemeinde aus. So finden sich in „Vegan oder tot“ auf dem 2007 veröffentlichten Akustikalbum „Wenn schwarzer Regen“ bewusst provokante und provozierende Worte: „Ich weiß, dass alles andere als dass Ich esse unnormal, widernatürlich und krank ist und mich anekelt. […]  Ich habe kein Mitleid für Menschen, die an einem Herzinfarkt sterben. Ich habe kein Mitleid für Menschen, die übergewichtig sind.“

KAFKAS machen Punkrock für Tier und Mensch

Kafkas gründeten sich 1995 in Fulda und vertreiben bis heute ihre Alben im hauseigenen Label. In ihren Texten setzen sie sich mit Themen wie Tierrecht und -schutz auseinander, engagieren sich aber auch außerhalb der Musik für Tier- und Umwelt-Organisationen. Inspiration für einige der Lieder bietet dabei das Schwein Paula, das als Mitbewohnerin des Sängers Marcus Kafka betitelt wird. In einem Interview mit Veggy-Post gab dieser an, sowohl als Plattform für „weniger massenkompatible Themen“ zu dienen als auch Anstoß zum Nachdenken zu geben. Mit den Songs „Ich tanze nackt in meinem Zimmer“ und „Für immer“ erreichte die Band größere Bekanntheit, erhielt schließlich für „Klatscht in die Hände“ 2010 Platz 1 der MTV-Charts im Bereich Rockzone. Musikalisch erhebt die Band dabei nicht den moralischen Zeigefinger und befasst sich vielmehr mit subtileren Klängen und viel Eigenironie mit den ernsten Themen der Gesellschaft. Während das Lied „Vegetarier können nicht tanzen“ auf der „Superrocker“-EP aus dem Jahre 2004 humorvoll mit stereotypen Vorwürfen Vegetariern gegenüber spielt, die „immer bleich [sind], denn die essen ja kein Fleisch“, tritt die Kritik in „Non-Human-Justice“ auf der 1996 veröffentlichten „Serotonin“-CD schonungslos zutage: „Your steak on the table, you close your eyes. You ignore. The law is still on your side. But I think it´s time now for a change to stop killing defenceless life.“

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit von Sabrina Holitzner und Gülcin Onat.
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Musik aus den Niederlanden – The Common Linnets und Dotan

Flandern und die Niederlande waren in diesem Jahr gemeinsamer Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Doch nicht nur die Literatur aus den Niederlanden wird hierzulande immer beliebter, sondern auch die Musik. Grund genug, einen genaueren Blick auf eine niederländische Band und auf einen niederländischen Sänger zu werfen, die auch das deutsche Publikum mit ihrer Musik begeistern.

Der „Eurovision Song Contest“ als Sprungbrett

Ganz in ihrem Element: Ilse DeLange und JB Meijers von der Band The Common Linnets (Foto: S. Holitzner)

Ganz in ihrem Element: Ilse DeLange und JB Meijers von der Band The Common Linnets (Foto: S. Holitzner)

Seit ihrer Teilnahme im Mai 2014 für Niederlande am „Eurovision Song Contest“ – kurz ESC genannt – kennen viele in Deutschland die Band The Common Linnets. Beim ESC erreichten sie mit ihrem Song „Calm After The Storm“ den zweiten Platz. Die Single schaffte es bis auf den dritten Platz der deutschen Charts und wurde im September 2015 zudem mit Platin ausgezeichnet. Auch ihr im Mai 2014 veröffentlichtes Debütalbum „The Common Linnets“ war hierzulande äußerst erfolgreich. Die im Herbst 2015 erschienene zweite Platte „II“ konnte an diesen Erfolg anknüpfen. Auf „II“ ist die musikalische Weiterentwicklung von The Common Linnets deutlich zu hören. Großartige Songtexte und beeindruckende Instrumentierungen zeichnen das Album aus. Einen weiteren Hit hatten The Common Linnets Ende letzten Jahres zusammen mit der Band The BossHoss: Gemeinsam nahmen sie eine neue und musikalisch überzeugende Version des Dolly Parton-Klassikers „Jolene“ auf. Im November 2016 sind The Common Linnets wieder live auf großer Deutschlandtour zu erleben.

„Home“ auch in Deutschland

Sänger Dotan war in den Niederlanden schon erfolgreich, bevor er in Deutschland mit seiner Musik ebenfalls auf begeisterte Resonanz stieß.

Mit Spaß dabei: Sänger Dotan (Foto: S. Holitzner)

Mit Spaß dabei: Sänger Dotan (Foto: S. Holitzner)

Seine Platte „7 Layers“ ist in seiner Heimat bereits Dotans zweite Albumveröffent-lichung und erschien dort Anfang 2014. Hier musste man bis Mai 2015 auf das Werk warten. Zuvor brachte Dotan seine Singleauskopplung „Home“ heraus, die es unter anderem in die Top-Ten-Liste der deutschen iTunes-Charts geschafft hat. Ende letzten Jahres konnte der Sänger das Publikum auch live auf seiner Deutschlandtour überzeugen.

The Common Linnets und Dotan sind nur zwei Beispiele dafür, dass es in den Niederlanden großartige Künstler gibt, die auch international mit ihrer Musik begeistern können. Da bleibt nur zu hoffen, dass es weitere niederländische Musiker schaffen, sich in der Musiklandschaft Deutschlands zu etablieren.

Von der Bühne ins TV – AnnenMayKantereit

Wer zum Ersten Mal die rauchige Stimme von Frontmann Henning May hört, hat das Bild einer verruchten Bar und literweise Whisky vor sich. Die nachdenklichen Texte der Indie-Rocker lassen Männer mit jahrzehntelanger Lebenserfahrung hinter den Songs erwarten. Doch die Kölner der Rockband AnnenMayKantereit sind gerade in den Zwanzigern. Im kommenden Frühjahr stellen sie auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten im beliebten TV-Format „Tatort“ unter Beweis.

Von den Straßen Kölns

 Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit gründeten AnnenMayKantereit 2011. Anfang  spielten sie auf den Kölner Straßen, wobei sie hier den Bassisten Lars Lötgering kennen lernten. Seit 2014 ist er nicht mehr Mitglied der Band, sein Nachfolger ist Malte Huck.

Steiler Aufstieg im Musikbusiness

2013 erschien das erste Album der vier Jungs, das teilweise während ihrer Auftritte auf den Kölner Straßen aufgenommen wurde. Danach folgten eine Deutschland-Tour und einige Auftritte auf Festivals, wie „Open Flair“ und dem „Hurricane Festival“.

Sie kamen in Berührung mit einigen deutschen Bekanntheiten: So waren sie Vorband von den Beatsteaks, Support von Clueso während seiner Tour und performten bei „Circus HalliGalli“.

May, der für seine raue Stimme bekannt ist, sang bei KIZs Nummer „Hurra die Welt geht unter“ den Refrain.

Gastautritt beim „Tatort“

Die Erfolgswelle für die Band scheint nicht abzuebben: So sind sie im Frühjahr 2017 mit Wotan Wilke Möhring vor der Kamera zu sehen. Die Dreharbeiten für den „Tatort – Böser Boden“ laufen bereits.

Lasst euch das auf jeden Fall nicht entgehen, wenn sich die Jungs neben Revolverheld und DJ Tomekk in die Musiker-Gastauftritte beim „Tatort“ einreihen.

Vorschau: Nächste Woche stellen wir euch niederländische Musiker vor, die in Deutschland bekannt sind oder es werden wollen.

 

Mehr als eine Band – mit Hanne Kah im Studio

Folk mit Einflüssen aus Country, Pop und Rock – das ist die Musikrichtung, die die Band Hanne Kah spielt. In gemütlicher Runde sprach Face2Face mit der aufstrebenden Band aus Mainz, die nach der Frontsängerin Hanne benannt ist. Für uns unterbrachen sie ihre Aufnahmen für ihr erstes Studioalbum, das noch in diesem Jahr herauskommen wird.

Besuch im Studio. Die Band - Mitglieder Niklas Quernheim, Hanne Kah und Patrick Jost (von links) (Foto: V. Wahlig)

Besuch im Studio. Die Band-Mitglieder Niklas Quernheim, Hanne Kah und Patrick Jost (von links) (Foto: V. Wahlig)

Hanne Kah und Band

Zusammengefunden hat die Gruppe um Sängerin Hanne Kah, Gitarrist Patrick Jost, Schlagzeuger Malte Schmidt und Bassist Niklas Quernheim vor etwa sieben Jahren, als Hanne und Patrick sich entschlossen, eine Band zu gründen. Nach zwei Jahren kam der Schlagzeuger Malte dazu. Das jüngste Mitglied der Band – Niklas – ist erst seit knapp sechs Monaten dabei.

Ein Besuch im Studio

Unser Interviewort, das Studio, ist in den letzten Wochen zur Heimat der jungen Band geworden. Für das kommende Album wird hier viel geprobt und aufgenommen. Dabei kommt man um den sogenannten „Studiokoller“ nicht rum. Dann fehlt die Kreativität und Pausen sind angesagt. „Aber das Schöne ist“, so sagt Hanne, „ein Lied beim Wachsen zu erleben“. Und das beginnt bereits beim Schreiben. Hanne schreibt zunächst alleine, bezieht aber die Band ein, so dass das Endprodukt schließlich von allen gemeinsam ist.

Frontfrau, Sängerin und Namensgeberin der Band, Hanne Kah (Foto: V. Wahlig)

Frontfrau, Sängerin und Namensgeberin der Band, Hanne Kah (Foto: V. Wahlig)

Ein aufregender Sommer 2016

Der Titel des Albums ist noch geheim, fest steht aber, dass es im Sommer veröffentlicht wird. Der Sommer steht jedoch nicht nur für ein Album, die Band tourt auch noch durch Europa, Länder wie Großbritannien und Spanien sind dabei. Die Frage, mit welchen drei Worten man das Album umschreiben könnte, stellt sich doch als schwieriger heraus als angenommen. Schließlich finden sich mehr als drei Worte: „Viel Herz, persönlich, eingängig, neue Erfahrungen“, mit dem Ausdruck „Boah“ stimmen aber alle überein. Einordnen kann man die Musik „ein bisschen mit dem Grundsound von Tracy Chapman, vermischt mit Adele, James Bay, einfach den neuen Künstlern“, sagt Hanne.

Andreas Bourani, Axel Prahl und Judith Holofernes

Die Band, die sich mittlerweile als viel mehr als eine Band sieht, hat auch schon mit einigen bekannten Sängern zusammen gespielt. So standen sie mit Andreas Bourani, Axel Prahl und Judith Holofernes und vielen anderen auf der Bühne. Der größte Wunsch wäre jedoch, einmal mit Hannes Idol Brandi Carleil auf der Bühne auftreten zu dürfen.

Ein kleines Abschlusskonzert

Zum Abschluss gab es für Face2Face eine spontane Aufführung ihres Lieds Cards. Wer jetzt Interesse bekommen hat, kann sich bis Sommer gedulden oder aber auf die offizielle Seite der Band schauen.

Vorschau: Nächste Woche berichtet Face2Face über das neue Collab-Album „Collegrove“ von 2 Chainz und Lil Wayne.

Ausblicke auf den Festivalsommer – Preview der Festivals „Rock am Ring“ und „Rock im Park“

Weihnachten und Silvester liegen inzwischen hinter uns und mit dem grauen, regnerischen Wetter hat nun vielleicht schon bei dem ein oder anderen der Winterblues eingesetzt. Doch während wir aktuell noch in den dicken Wollpullis und einer kleinen Winterdepression stecken, lohnt sich jetzt schon ein Blick auf den kommenden Festivalsommer mit einem Preview der Highlights „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ vom 03.-05. Juni 2016 – denn Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude!

Dieses Jahr konnten die Veranstalter die Bands „Red Hot Chili Peppers“, „Black Sabbath“, „Volbeat“ und „Tenacious D“ als Headliner für „Rock im Park“ und „Rock am Ring“ begeistern. Besonders die Zusage des Rock-Duos Kyle Gass und Jack Black wird ihre Fans freuen – denn Tenacious D spielen die einzigen Festivalauftritte 2016 in Deutschland bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ und machen diesen Headliner damit besonders interessant!

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Locken jedes Jahr tausende Besucher an: Die Bands auf den Bühnen der Festivalzwillinge. (Bild: http://www.rock-am-ring.com/media)

Doch auch abseits der be-kanntesten Bands haben die „Festival-Zwillinge“ dieses Jahr einiges zu bieten: Nachdem sich in den letzten Jahren immer mehr Musikstile hinzugesellt haben, steht dieses Jahr der „Rock“ auf dem Ring und im Park mit den Bands „Amon Amarth“, „Billy Talent“, „Bring Me The Horizon“, „Bullet For My Valentine“, „Disturbed“ oder auch „Heaven Shall Burn“, „Korn“ und „Panic! At The Disco“ wieder mehr im Vorder-grund. Dennoch bleibt das Gesamt-programm vielschichtig und abwechslungsreich – sodass so gut wie jeder Festival-Freund in Nürnberg oder Mendig auf seine Kosten kommen sollte. Für die richtige Mischung und die fetten Beats sorgen dabei unter anderem „Alligatoah“, „Fettes Brot“, „Frittenbude“ und „SDP“.

Bands wie „The 1975“, „Biffy Clyro“ und „Of Mice and Men“ runden das vielschichtige Gesamtprogramm ab. Außerdem gibt es noch zahlreiche weitere interessante Bands zu entdecken, das gesamte Line-Up könnt ihr euch hier nochmal anschauen.

Die Zusammenstellung der verschiedenen Bands und Künstler scheint mit dem besten Vorverkaufsstart seit Beginn der Festivals und bereits über 110.000 verkauften Tickets zu überzeugen. Sollte das auch bei euch der Fall sein, seid also lieber schnell – aktuell sind die Karten noch in der 2. Preisstufe für 195 € zu bekommen. Face2Face wird selbstverständlich ebenfalls vor Ort sein und anschließend über eines der Highlights des diesjährigen Festivalsommers berichten.

Von Pazifikinseln, Weltuntergang, mangelnder Mainstreamkonformität und Selbstfindung – Ein Interview mit der Band Traversay

Im Jahre 2010 gründeten der Pianist Niklas Blumenthaler (21), Sänger und Gitarrist Simon Lindner (22) und Schlagzeuger Johannes Lindner (21), die Band Traversay. 2013 veröffentlichten sie ihre erste EP, mit dem pragmatischen Namen #EP. Seitdem spielten sie zahlreiche Gigs in der Metropolenregion Rhein-Neckar und haben sich mit ihrem Wechsel aus harten Gitarrenriffs und melodischen Klavierpassagen mittlerweile eine passable Fangemeinde aufgebaut. In ein spezifisches Genre lässt sich die Band nur schwer einordnen, jedoch kommt die Bezeichnung Progressive Rock der Musik noch am nähesten.Face2Face sprach mit zwei der drei Bandmitglieder über ihre Bandgeschichte und nahe Zukunft.

Face2Face: Traversay ist nicht nur der Name eurer Band, sondern auch die Bezeichnung für eine Inselgruppe im Südpazifik. Aus welchem Grund habt ihr diese unbewohnten Inseln für eure Namensgebung herangezogen?

Das Cover der ersten CD der Band Traversay: #EP (Foto: Traversay)

Das Cover der ersten CD der Band Traversay: #EP (Foto: Traversay)

Simon: Wie es so häufig vorkommt, haben wir zuerst unsere Band gegründet und uns dann auf Namenssuche gemacht. Wir hatten 40 oder 50 Namensvorschläge, die aber alle nicht unseren Vorstellungen entsprachen. In einer Bar beim Blick auf die Weltkarte haben wir dann entschieden, dass unsere Band jetzt Traversay heißt. Diese unbewohnten Inseln erschienen uns ideal, denn sie werden mit nichts anderem verbunden, als dass sie jetzt auch noch Namensgeber für unsere Band sind.

 Face2Face: Womit verbringt ihr eure Zeit, wenn ihr nicht gerade auf der Bühne steht oder an neuen Songs tüftelt?

Niklas: Ich studiere Lehramt an Gymnasien für die Fächer Mathe und Politik an der Universität Mannheim. Simon studiert Medizin und Johannes Realschullehramt für die Fächer Mathe, Physik und Musik. Nimmt man Studium und Musik zusammen, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. Natürlich haben wir dennoch vielseitige Interessen, wie Sport treiben, Freunde treffen und was man eben so macht, dem gehen wir natürlich auch nach. Unser großes gemeinsames Hobby ist aber tatsächlich die Musik.

Face2Face: Die Gründe der Zusammenkunft von vielen Bands reichen über zufällige Begegnungen bis hin zu langen Sandkastenfreundschaften. Dass Johannes und Simon verwandt sind, kann man ja zumindest erahnen. Wie genau habt ihr drei nun zueinandergefunden?

Verkörpern die Band Traversay: Niklas Blumenthaler, Johannes Lindner und Simon Lindner (von links nach rechts) (Foto: Traversay)

Verkörpern die Band Traversay: Niklas Blumenthaler, Johannes Lindner und Simon Lindner (von links nach rechts) (Foto: Traversay)

Simon: Meine Freundin ist Niklas‘ Krabbelgruppenfreundin, irgendwann hat sie Niklas mal ins Schwimmbad mitgenommen und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Umso mehr hat es uns gefreut zu merken, dass wir die gleiche Musik hören und idealerweise auch noch verschiedene Instrumente spielen.

Face2Face: Schon 2011, nur knapp zwei Jahre nach eurer Gründung, habt ihr den 1. Platz beim Newcomer-Festival des Café Central in Weinheim belegt und seitdem auch viele Gigs gespielt. Bei welchen Leuten kommt eure Musik an?

Niklas: Es ist auffallend, dass eher männliche als weibliche Personen auf unsere Musik stehen. Dadurch, dass wir etwas anspruchsvollere Musik machen, sprechen wir auch Leute an, die nicht die typischen Radiohörer sind. Traversay lässt sich wohl eher abseits des Mainstreams ansiedeln, weshalb diese Art von Musik vielleicht keine Massen anspricht.

Face2Face: Eure Songs erinnern mitunter an Radiohead und Muse. Welche Künstler haben euch beeinflusst oder inspiriert?

Simon: Gerade am Anfang hatten wir tatsächlich eine Phase, in der wir exzessiv Muse und Radiohead gehört haben, was wohl auch Einfluss in unsere Musik gefunden hat. Mittlerweile haben sich die Einflüsse erweitert, Muse und Radiohead nahmen aber in der Anfangszeit auf jeden Fall eine vorrangige Stellung ein. Inzwischen sind wir freier von direkten Einflüssen, ganz lassen sich diese wohl aber nie vermeiden.

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Über den Dächern Mannheims: Die Band Traversay (Foto: ChrisArtography)

Niklas: Dazu muss noch gesagt werden, dass es keine Band gibt, der wir nachgeeifert haben und uns gedacht haben „wir wollen so wie sie sein“. Zwar wäre es wohl einfacher sich eine Band als Ideal zu nehmen, aber wir haben schon immer versucht, unseren eigenen Stil zu finden. Mittlerweile ist uns das auch ganz gut gelungen.

Face2Face: Hört man sich beispielsweise den Track „Omega“ an, kann man sagen, dass eure Musik doch sehr sphärisch ist. Wie finden Musik und Lyrics bei euch zueinander?

Niklas: Wir versuchen, viele Dinge thematisch umzusetzen. Der Song Omega mit seinen Chören soll eine gewisse Endzeit und Weltuntergangsstimmung rüberbringen. Bei dem Lied Redeption dachte ich persönlich an den arabischen Frühling, aber das kommt bei jedem vielleicht anders rüber.

Bei den Lied Mirror 7 haben wir uns mathematisch mit der Zahl sieben auseinandergesetzt. Das Lied ist in sieben Teile aufgeteilt, besteht aus 7 Takten und das ganze Stück ist im 7/8 Takt geschrieben. Außerdem lässt sich das Stück inhaltlich in der Mitte spiegeln, zum Beispiel sind Anfang und Ende gleich. Das sind ein paar Spielereien, die uns wirklich Spaß gemacht haben.

Simon: Der Fokus liegt bei uns auf jeden Fall auf der Musik und nicht auf den Texten. Wir machen die Musik, um der Musik willen und nichts anderes. Wir wollen kein autobiographisches Material in unsere Texte mit einbringen. Vielmehr interessieren uns gesellschaftsrelevante aber auch abstrakte Themen, unter denen sich jeder etwas Eigenes vorstellen kann.

Face2Face: Schaut man sich eure Besetzung an, so seid ihr mit drei Mitgliedern und mit Gitarre, Schlagzeug und Keyboard doch spärlich besetzt. Viele Musikergeister scheiden sich in dieser Hinsicht, aber vermisst ihr manchmal einen Bassisten unter euren Reihen?

Im Rampenlicht: Traversay bei ihrer EP-Release im Peer23 in Mannheim (Foto: ChrisArtography)

Im Rampenlicht: Traversay bei ihrer EP-Release im Peer23 in Mannheim (Foto: ChrisArtography)

Niklas: Wir hatten schon zwei Anläufe, in denen wir einen Bassisten für uns gewinnen wollten, bisher hat es aber menschlich einfach nicht gepasst. Wir wollen jemanden finden, der sich perfekt in unser Team einspielt, und lassen uns dafür auch Zeit. Nachdem wir so lange Zeit ohne Bass unterwegs waren, ist es zudem schwer, sich aus diesem eingespielten Team herauszubewegen.

Face2Face: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Gebt uns doch einen kurzen Ausblick!

Niklas: Im Herbst haben wir vor, eine neue Single und ein dazugehöriges Video rausbringen. Wir wollen uns neu erfinden, vielleicht mit einem komplett neuen Auftreten, sowohl medial als auch unser Bühnenauftritt. Wir gehen sogar so weit, dass wir unseren Bandnamen infrage stellen.

Simon: Kurz und knapp kann man sagen: Wir sind im Begriff, alles zu hinterfragen: Unsere Besetzung, unseren Auftritt und unseren Namen. Wir wollen unser Songwriting als Grundlage für diesen Prozess nehmen und von dem ausgehend Veränderungen durchführen. Erstmal sind jetzt keine neuen Konzerte geplant. Wir wollen uns auf eine Sache konzentrieren, das heißt, im Moment liegt der Fokus auf dem Songwriting. Erst danach können weitere Schritte eingeleitet werden.

Wem dieser Artikel nun Lust auf mehr gemacht hat, kann sich auf Bandcamp einige Lieder von Traversay aufhören. Hier geht es außerdem zur Facebook-Seite der Band.

Aber dem nicht genug. Ihr habt bis zum 03.05. die einmalige Möglichkeit, eines von 2 Traversay-Paketen zu gewinnen. Dieses enthält nicht nur die EP der Band, sondern auch ein Poster mit Unterschriften aller Bandmitglieder. Schreibt dazu eine Email mit eurem Namen und warum ihr das Paket gerne gewinnen würdet an nadine.schwalb(at)face2face-magazin.de.

Elektronische Zigeunermusik

Electric Gypsy Disco Noise (Album Cover)

Electric Gypsy Disco Noise (Album Cover)

„Secem vene!“ Das ist wohl der ultimative Jugo-Party-Slogan (Anm. d. Red.: Jugo ist die Abkürzung für Jugoslawe) und bedeutet so viel wie: Ich schneide mir die Pulsadern auf! Wenn die Musik so gut ist, dass man sich heftig in Ekstase tanzt und sich sinnbildlich die Pulsadern aufschneiden möchte, dann spricht alles für Balkan-Musik. Auch wenn dieser Slogan für uns ein wenig befremdlich wirken mag – ob auf einer Taufe, einer Hochzeit oder einem Konzert, Balkan-Musik aus Tradition, Rhythmus und Wahnsinn ist aus der Jugo-Nostalgie nicht mehr weg zu denken.

Aber was passiert, wenn ein Vollblut-Jugo an einem DJ-Pult experimentiert? Genau. Es entsteht eine Mischung aus Balkan-Beats, Experimental und Elektro, die ein wenig an elektronische Zigeunermusik erinnert. Und das nennt man dann auch so: „Electro Gypsy Disco Noise“. Dies ist nämlich der Titel des Debütalbums des knapp zwei Meter großen Žarko Jovašević, einem Berliner, dessen Wurzeln im zentralserbischen Städtchen Čačak liegen und der mit fünf weiteren Mitgliedern die Band Mr. Žarko gegründet hat.

Bandfoto by Sina Diehl

Bandfoto by Sina Diehl

Die Bandmitglieder stammen allesamt aus Serbien, Rumänien, Bulgarien und Deutschland, und mit genau dieser Vielfalt haben sie sich bereits in der Berliner Clubszene einen Namen gemacht. Hier wird jeder Auftritt zum kleinen Festival, bei dem das Publikum zu rhythmischen Balkanklängen und -bläsersätzen tobt. In ihren Texten mischen sie Englisch, Spanisch und Serbokroatisch und taufen das Ganze „folcloristical madness“, womit die sechs Wahlberliner auch immer mehr Nicht-Jugos überzeugen.

Insgesamt 13 Tracks haben es auf das Album geschafft, allesamt wuchtig und voller Energie. Die selbst gespielten Instrumente werden mit elektronischen Grooves vollendet, ohne dass auf den authentischen Klang verzichtet wird. In „Un Poquito de la Vida“ fließen viele südamerikanische Elemente ein, der Song eignet sich fabelhaft zum Salsa Tanzen. „Ruža“, „Do not gamble with love“ und „Golden Legs“ erinnern stark an die berauschende Jugo-Musik aus den Balkan-Clubs, in denen man sich heftig in Ekstase tanzen kann.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr in der Musik-Rubrik ein Interview mit der Band Soundition.

Ein neuer Deutschpoet- Interview mit Tim Ferrand

Authentisch und simpel: so klingt Tim Ferrands Musik. (Foto: Tim Ferrand Facebook)

Die Melancholie von Philipp Poisel, die guten Texte von Bosse und der Charme von Clueso- es scheint als hätte Tim Ferrand aus Mannheim den perfekten Mix für sich entdeckt. Der Singer-Songwriter vereint das Beste der erfolgreichsten Deutschpoeten und ist gerade deshalb so vielseitig und interessant. Doch jegliche Vergleiche sind eigentlich etwas vorschnell, denn was Ferrand eigentlich ausmacht, ist seine Individualität. In seinen Songs kann sich wohl jedermann wiederfinden, denn Ferrand schreibt nicht nur über Dinge wie Liebe und Sehnsucht sondern auch über die eigene Planlosigkeit und eingebildete Kommilitonen. Unsere Face2Face Autorin Johanna Wobbe traf den Sänger und Songwriter zum persönlichen Interview:

Face2Face:Wie lange machst du schon Musik und wie bist zu dazu gekommen?
Tim Ferrand:Ich habe mit zwölf angefangen eigene Texte zu schreiben und mit 15 habe ich dann mit dem Musik machen begonnen. Ein Freund aus der Schulzeit, der schon Musiker war, hat mir etwas vorgespielt auf der Gitarre und das hat mich so fasziniert, dass ich mit ihm am nächsten Tag zum Musikladen gegangen bin und mir eine E-Gitarre mit Verstärker gekauft habe. Dann habe ich aber Privatunterricht genommen, weil man alleine doch nicht so gut klarkommt.

Face2Face:Worum ging es in diesen ersten Texten?
Ferrand:Um Liebe, um Sehnsüchte aber auch um persönliche Zweifel und Dinge aus dem Leben, die einem auffallen und beschäftigen. Es ging aber auch um Gefühle, die jeder Mensch schonmal erlebt hat und womit sich jeder identifizieren kann.

Face2Face:Beschreibe unseren Lesern in deinen eigenen Worten deine Musik.
Ferrand:Die Musik soll es schaffen, in der Gesamtheit trotz den teilweise traurigen, kritischen Texten, Optimismus vermitteln. Der Hörer soll danach positiv in die Zukunft blicken. Die Musik kann die Leute natürlich zum Weinen bringen aber später dann eben auch zum Lachen.

Face2Face:Wie schreibst du deine Songs? Was kommt zuerst, Melodie oder Text?
Ferrand:In den meisten Fällen steht zuerst die Gitarren Linie und danach der Text. Ich finde, dass sich der Text an der Stimmung der Melodie orientieren muss. Zu einer fröhlichen Melodie kann man schlecht eine Ballade schreiben. Es muss also eine Symbiose ergeben. Es kommt aber auch vor, dass zuerst ein Text da ist und man gezielt versucht, dazu eine Melodie zu finden.

Face2Face:Wer oder was inspiriert dich und wieviel Tim Ferrand steckt in deinen Songs?
Ferrand:Fast alles ist ehrliche, authentische Musik. Meistens sind es Dinge, die ich erlebt oder beobachtet habe oder die mich beschäftigen. Inspiration sind eindeutig die Menschen. Mehr braucht man eigentlich nicht, um Musik zu machen. Man braucht die Menschen und ihre Emotionen.  Ich glaube, dass meine Musik auch nur so funktioniert, weil ich genau so da rangehe.

Face2Face:Du warst vor einiger Zeit für ein Auslandssemester in Paris. Hast du dort das savoir-vivre der Franzosen gelernt? Was hast du von dort mitgenommen?
Ferrand:Die Zeit war sicherlich die Beste in meinem Leben. Das savoir vivre habe ich auf jeden Fall mitgenommen, weil die Franzosen lebensfroher und entspannter sind. Man lernt dort auch das Leben intensiver zu genießen, egal ob es ums Feiern, ums Essen oder um Kunst und Kultur geht. Es ist alles allgegenwärtiger, präsenter. Aber das liegt natürlich auch an der Stadt, da das Angebot so groß ist, dass man gar keine andere Wahl hat, als das mitzumachen. Man verfällt in eine Art Trance, weil man andauernd andere Events hat. Es ist also unumgänglich.

War schon Vorband für Auletta: Tim Ferrand (Foto: Wobbe)

Face2Face:Du hattest bereits eine Band, „Sunday“, bei der du auch Sänger warst. Warum ist es auseinander gegangen?
Ferrand:Wir kamen alle aus anderen Städten und haben studiert oder gearbeitet. Letztlich ist es dann aufgrund der Entfernung auseinander gegangen. Wir hatten einfach keine Zeit mehr und dann ist alles eingeschlafen. Und mein Paris Aufenthalt hat natürlich den Kontakt auch etwas behindert.

Face2Face:Da du aus Mannheim kommst, läge es doch nahe, an der Popakademie zu studieren. Warum nicht?
Ferrand:Ich hab mich damit schon mehrmals befasst und ich denke, dass es mich vielleicht weitergebracht hätte aber gerade bei Singer-Songwriter finde ich, dass man das ganze spontan und einfach halten sollte. Bei der Popakademie wird ja viel Theorie gemacht und es werden einem Werkzeuge geliefert, wie man Songs schreibt, dabei will ich es eigentlich gar nicht perfekt haben. Aber generell finde ich die Popakademie eine gute Sache, gerade für die Stadt Mannheim.

Face2Face:Viele Musiker und Künstler zieht es ja regelrecht schlagartig nach Berlin oder Hamburg. Käme das für dich in Frage? Wenn ja, welche Stadt und warum?
Ferrand:Berlin ist mehr so das Mekka für elektronische Musik, was ich auch durchaus interessant finde, da ich elektronische Musik auch selbst mag. Aber wenn ich mich zwischen den Städten entscheiden müsste, dann wäre es auf jeden Fall Hamburg, weil da noch viel mehr Musik selbst gemacht wird und die Live Szene noch ausgeprägter ist.

Face2Face:Wie stehst du zu den Social Media, die immer intensiver von der Musikbranche verwendet werden?
Ferrand:Sicherlich eine ganz gute Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen und Termine etc. bekannt zu geben. Trotzdem ist es bestimmt nicht die Lieblingsbeschäftigung eines Musikers, sich damit auseinanderzusetzen. Wenn ich die Wahl hätte, dass es wieder zugeht wie zu „Alten Zeiten“ dann würde ich mich dafür entscheiden!

Face2Face:Was ist für die Zukunft geplant?
Ferrand:Als nächstes steht ein Fotoshooting an, hoffentlich entsteht dann auch eine Homepage zu meinem Solo Projekt. Wenn das alles steht will ich auch verstärkt an das Song schreiben und ans live auftreten gehen. Und dann auch irgendwann mehr Songs aufnehmen.

Kontakt: www.facebook.com/timferrand

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier ein Portrait von Greenchair.

Unser Gewinnspiel läuft außerdem immer noch, zu finden ist es hier.

„Zum Live-spielen wäre ich mir selbst zu unsicher“ – Sänger Florian Pühs im Interview

Sehr lässig: Sänger Florian Pühs aus Berlin(Foto:offizielles Pressefoto)

Sie haben die Indiepunk-Szene mit ihrem schrillen und einzigartigen Sound bezaubert, waren „very Berlin“ und haben sich am Ende doch anderen Projekten gewidmet. Florian Pühs, Sänger der nicht mehr existierenden Band „Herpés“, erzählt im Interview von den Anfängen der Gruppe, dem Umzug nach Berlin und seinen neuen Projekten.

Face2Face: Wie hast du zur Musik gefunden?
Pühs: Also mit 13 beziehungsweise 14 bin ich viel Skateboard gefahren, dadurch bin ich zum Punk gekommen. Ich hab damals in einem kleinen Kaff in Nordrheinwestfalen gelebt und in der nächsten Stadt gab es eine sehr vitale Punkszene und da war es normal, dass man in einer Band spielt. Das hat mich damals so mit gezogen.

Face2Face: Hast du dann auch ein Instrument gespielt oder warst du doch eher der Sänger?
Pühs:
Ich war ganz lange nur der Sänger, aber mittlerweile kann ich auf Instrumenten Lieder schreiben. Zum live spielen, wäre ich mir selbst zu unsicher. Ich könnte es zwar schon, aber die Qualität, die ich von meinen Bandkollegen erwarte, könnte ich selbst nicht bringen (lacht).

Face2Face: Wie und wann hast du dann angefangen professionell Musik zu machen?
Pühs: 
Angefangen professionell Musik zu machen habe ich mit 16, eben damals in der Punkszene und „Herpés“ waren damals auch so. Einfach eine Punkband, ein Projekt, an dem wir Spaß hatten. Richtig professionell wurde es dann als „Tapete Records“,unsere Plattenfirma,uns gefragt hat, ob wir was für sie beziehungsweise mit ihnen machen wollen.

Face2Face: Wie hast du die Arbeit und auch das Schreiben der Songs am ersten Album empfunden?
Pühs: 
Die Arbeiten am ersten Album waren ziemlich cool. Anna , meine Freundin, und ich haben ziemlich viel bei uns zu Hause, alleine geschrieben, wir haben damals noch zusammengewohnt, und wir hatten ein Keyboard, eine Gitarre und ein Bass daheim rumstehen und haben fast 70 % unseres Albums in unserem Schlafzimmer produziert (lacht).  Die ganze Arbeit – das Schreiben, das Aufnehmen, das war alles cool und wahrscheinlich war das auch der schönste Release in meinem Leben, den ich hatte.

Face2Face: Ihr wart ja mit „Herpés“ in der Punkszene bekannt. Kam es vor, dass die Szene euch Vorwürfe gemacht hat, weil ihr im Grunde Kommerz geworden seid?
Pühs:
Nein gar nicht, also in der Szene nicht. Okay, ich gebe zu ein paar Freunde von mir haben sich am Anfang ein bisschen darüber lustig gemacht, also nur die, die aus den Zeiten geblieben sind. Aber die Leute von ganz früher sind ja auch mittlerweile ein bisschen älter geworden und ich denke sie konnten das ein wenig nachvollziehen. Daher gab es in der Hinsicht nie wirklich Probleme.

Face2Face: Du hast erzählt, dass du ursprünglich aus Nordrheinwestfalen kommst. Was hat dich nach Berlin getrieben?
Pühs:
Naja, ich bin damals noch zur Schule gegangen und nach der Schule ist meine Freundin nach Paris gezogen und ich war mehr oder weniger alleine in der Einöde und da war mir klar, okay ich muss weg, in eine große, belebte Stadt. Damals hab ich mich bei Zivildienststellen beworben und es hat gleich geklappt und somit bin ich dann nach Berlin gezogen.

Das neue Projekt: Die Band "Ecke Schönhauser"(Foto:offizielles Pressefoto)

Face2Face: Die Band „Herpés“ gibt es ja nicht mehr. Wie geht es musikalisch für dich weiter?
Pühs:
Ich habe jetzt zwei kleinere Projekte, einmal „Ecke Schönhauser“, da bringen wir eine EP raus ( seit Oktober 2011 erhältlich). Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, ich mache das mit meinem Mitbewohner. Und dann bin ich noch in einer Hardcoreband der alten Zeiten wegen, aber alles in allem sind das eher Sachen, die ich mehr so nebenbei mache, eher privat aber mit viel Spaß dahinter.

Face2Face: Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Pühs:
Meine Wünsche und Ziele sind in erster Linie, dass ich mit meinem neuen Job zurechtkomme, dass ich einfach das, was ich mir da vorgenommen habe, erfülle, vielleicht noch ein bis zwei EPs zu veröffentlichen und noch eine kleinere Tour mit einer der Bands zu spielen und glücklich und gesund mit meiner neuen Nichte und meinem Neffen Weihnachten zu feiern.

 

Vorschau:  Und nächste Woche an dieser Stelle erzählen wir euch wie „Schluck den Druck“ am Samstag, 4. Februar, Mannheim  gerockt haben.


„Zu schnell vorbei“ – „Clueso“ und Band in Mannheim

Schon beim Anblick des imposanten Rosengartens in Mannheim am Freitag, 21. Oktober kann man unschwer erkennen, dass hier nur die richtig Großen auftreten. Hier spielten schon „AC/DC“, „Eric Clapton“ und „Udo Lindenberg“. Wer etwas seitlich um die Ecke schaut, sieht eine Karawane von roten Bussen mit „Ich bin fürs Rollen“-Aufschrift. Die eingefleischten „Clueso“-Fans wissen natürlich, dass es sich dabei um einen Songtitel handelt. Der kleine, zierliche Erfurter, der eigentlich Thomas Hübner heißt, ist genau dort angekommen: bei den ganz Großen.

Immer Vollgas geben: "Clueso" live (Foto: Zughafen)

Vor einem guten Jahrzehnt sprang er noch rappend in Baggy Pants durch die Gegend und glaubte nur halbherzig an eine Karriere als Hip-Hopper. Doch die Zeit hat ihn verändert. Nicht nur ihn, sondern auch seinen Musikstil. Wer sich chronologisch durch die „Clueso“-Alben hört, wird selbst Teil dieses Wandels. Von Hip Hop über Reggae zu Jazz bis hin zu Rockpop und Indie vermischt „Clueso“ alles, was ihn irgendwie begeistert und bewegt. Das außergewöhnliche an ihm ist, dass er dies alles sehr glaubwürdig und mit Herzblut tut. „Clueso“ ist ein Ausnahmekünstler, der sich in scheinbar jeder Musikrichtung zu Hause fühlt.

Das merkt man umso mehr, wenn man den Rosengarten betritt und sich die „Clueso“-Fans anschaut: So ziemlich jede Altersklasse und jede soziale Gruppe ist vertreten: Teenies, deren Eltern, Pärchen, Hip Hopper, Studentinnen mit Jutebeutel und sogar der ein oder andere Reggae-Fan mit Dreadlocks. Sie alle finden Zugang zu „Cluesos“ Musik.

Dass der Einundreißigjährige Vollblutmusiker ist, merkt man allein an der Tatsache, dass er Teil des „Zughafens“ ist. In dieser Talentschmiede in Erfurt treffen und tauschen sich junge Musiker aus, nehmen Songs zusammen auf und inspirieren sich gegenseitig. So auch Singer-Songwriter „Max Prosa“, der mit seinen 21 Jahren bereits Vorband bei der diesjährigen „Clueso“-Tour ist. Er begeistert das Publikum mit seinem ganz eigenen Charme.

Die Spannung steigt und „Clueso“ zeigt auch bei diesem Auftritt seinen Perfektionismus: nach nur zehnminütiger Umbaupause legen er und seine Band auch schon los.

Begeistern die Massen: "Clueso" und Band (Foto:Zughafen)

Die Band auf die Bühne und macht auch gleich Stimmung. Ganz in schwarz kommt ein fröhlicher „Clueso“ hinterher gesprungen und fängt an zu singen. Ab diesem Moment hat er seine Fans bereits voll im Bann. Alle tanzen, singen mit und klatschen. Der Kontakt zum Publikum ist „Clueso“ seit je her sehr wichtig. Immer wieder erkundigt sich der Erfurter nach dem Wohlbefinden seiner Zuhörer, fordert sie zum Mitsingen auf oder erzählt Geschichten aus seinem Leben auf Tour. Ohne Zweifel ist die talentierte Band ein sehr wichtiger Faktor für den Erfurter. Ohne das Zusammenspiel der verschiedenen Musiker wäre „Clueso“ wohl sicherlich nicht so erfolgreich und so experimientierfreudig. Die Band trägt einen Großteil seines Programms und unterstüzt ihn merklich. Genau das ist es, was ein „Clueso“ und Band Konzert so einzigartig macht. Hier steht nicht nur der Musiker sondern auch die Band im Mittelpunkt.

„Clueso“ spielt nicht nur die Songs seines aktuellen Albums „An und für sich“, sondern gibt zur Begeisterung vieler Fans auch einige sehr alte Songs wie „Wart mal“ zum Besten. Klassiker wie „Gewinner“ oder „Mitnehm“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Sehr beeindruckend ist allerdings die Lightshow. Auf einer großen Leinwand werden passend zu jedem Song verschiedene Videosequenzen oder Projektionen gezeigt. Mal läuft ein Musikvideo von „Clueso“, mal leuchtet ein endloser Sternenhimmel und mal läuft man zusammen mit „Clueso“ durch einen herbstlichen Wald. Doch „Clueso“ setzt noch einen drauf und hat eine zusätzliche durchsichtige Leinwand vor der Bühne installiert, auf die ebenfalls Videosequenzen projiziert werden. Das Konzert wird so zum wahren Erlebnis für Auge und Ohr.

Begeisterung: Die Band bedankte sich vielmals (Foto:Zughafen)

Volle zwei Stunden geben „Clueso“ und seine Band sich die Ehre und verwöhnen das Mannheimer Publikum. Zum Schluss gibt es einen tosenden Applaus und Schlangen am Merchandising-Stand. Fazit: Wer „Clueso“ noch nie live gesehen hat, sollte das schleunigst ändern!

Vorschau: Nächste Woche könnt ihr hier das “Emil Bulls”-Interview lesen.