Azing Moltmaker – fasziniert von den Beatles

Was haben Mottenkugeln mit den Beatles zu tun? Azing Moltmaker weiß es. Er hat in Alkmaar in den Niederlanden ein ganzes Museum rund um die Beatles gegründet (wir berichteten letzten Monat). Er ist aber nicht nur der Inhaber des Museums, sondern publiziert auch regelmäßig Bücher über die Beatles. Wir haben mit ihm über seine persönlichen Highlights im Beatles-Museum und seine Bücher gesprochen.

Face2Face: Warum sind Sie so begeistert von den Beatles?

Moltmaker: Weil mich vor allem ihre Musik fasziniert. Es ist eine Band, die nur Hits hatte und sich doch immer verändert hat. Jede Platte war anders und hatte trotzdem dieselbe hohe Qualität. Es ist das Gesamtbild der Beatles-Geschichte, das so interessant ist.

Face2Face: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Beatles-Museum zu gründen?

Moltmaker: Ich habe erst mit einem eigenen Fanclub begonnen, weil ich von einem anderen Fanclub abgewiesen wurde. Weil der Fanclub allein nicht genug Geld einbrachte, um Magazine drucken zu lassen, habe ich 1979 mit einem kleinen Beatles-Laden angefangen. Am 6. Juni 1981 begann ich dann mit einem Beatles-Museum.

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Außergewöhnlich: Azing Moltmaker und die „Butcher-Cover“ im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist Ihr persönliches Lieblingsstück im Beatles-Museum und warum?

Moltmaker: Ich besitze tausende Objekte. Mehr als 2.500 LPs, 2.000 Singles, 1.000 Beatles-Bücher, 500 Stunden an Bildaufnahmen, 3.500 CDs und 100 Vitrinen voll mit Merchandising. Aber es gibt eine sehr außergewöhnliche Plattenhülle, die sehr viel Geld wert ist. Davon habe ich fünf Stück. Sie ist bekannt unter dem Namen „Butcher-Cover“.

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Seltenheit: Azing Moltmaker und die Gitarre von George Harrison aus den 1950er Jahren im Beatles-Museum in Alkmaar (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Was ist das seltenste Stück im Beatles-Museum?

Moltmaker: Das sind die Gitarren und die Kleidungsstücke, die ich von den Beatles bekommen habe. Außerdem die Goldenen Schallplatten, Platin-Schallplatten sowie Plattenverträge.

Face2Face: Was ist das kurioseste Stück in der Sammlung?

Moltmaker: Zweifellos sind das die Beatles-Mottenkugeln. Das ist echt das absurdeste Beatles-Produkt, das ich je gesehen habe.

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Kurios: Mottenkugeln, auf deren Verpackung die Köpfe der Beatles aufgedruckt sind (Foto: Beatles-Museum Alkmaar/Niederlande)

Face2Face: Haben Sie mal einen der Beatles persönlich getroffen?

Moltmaker: Ja, in den 1980ern habe ich Paul McCartney bei einem TV-Programm getroffen. Er hat damals auch eine Platte für mich signiert.

Face2Face: Sie schreiben regelmäßig Bücher über die Beatles. Wie kam es dazu und was für Bücher sind das genau?

Moltmaker: Ich habe 68 Bücher geschrieben. Einige im Auftrag für Verlage, aber die meisten habe ich selbst bei meinem eigenen Verlag herausgebracht. Die Fanclub-Magazine hatten eine begrenzte Seitenanzahl und weil ich die Geschichten gut schreiben wollte, brauchte ich mehr Seiten und daher waren Bücher der logische Schritt. Ich schreibe Discographien, Themenbücher und Nachschlagwerke über die Beatles. Momentan arbeite ich an drei neuen Büchern, die Ende des Jahres erscheinen sollen.

Mehr Infos zum Beatles-Museum in Alkmaar findet ihr HIER.

Ein Autor unter vielen

Ein Meer an Bücher - ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Ein Meer an Bücher – ein Meer an Autoren (Foto: Obermann)

Als Schriftsteller/in hat man es nicht leicht. Mein Name schwimmt in einem Meer voller kleiner Fische mit einigen wenigen Walen. Nein, ich bin kein Wal in diesem Meer, ich bin ein kleiner Fisch. Ein Guppy. Doch zumindest kann ich bereits Veröffentlichungen vorweisen, gewonnene Wettbewerbe, Beiträge in Anthologien, die Herausgabe einer solchen und die Mitarbeit an einem Hörbuch. Viele Autoren aber sehen ihrer ersten Veröffentlichung sehnsüchtig entgegen und verschließen vor Problemen dabei manchmal die Augen.

Ein großes Problem nennt sich Druckkostenzuschussverlage (DKZV). Oft haben sie einen ganz passablen Internetauftritt, werben mit vielen Autoren, die stets nett über den Verlag sprechen. Sie überraschen Neuautoren mit positiven Rückmeldungen und wollen verlegen. Alles. Egal was. Und das lassen sie sich bezahlen, nicht zu billig. Die dafür versprochenen Dienstleistungen, wie Lektorat und Werbung, werden dürftig bis gar nicht gemacht, das Buch mehr schlecht als recht verlegt. Wenige finden das Buch, kaufen und lesen es. Der Autor sitzt auf Kosten und ist entmutigter als vorher. Die beste Devise ist, nie bei einem Verlag zu veröffentlichen, der Geld sehen will.

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Erstwerk: Mein Gedichtband (Foto: Obermann)

Eine besondere Sparte nehmen hier die reinen Dienstleister ein, die tatsächlich für Geld verlegen und klare Preise haben. Für ein paar Euro kann man dort schon ein Buch drucken lassen, oft als sogenanntes „Print on demand“ System. Das heißt, das Buch wird gedruckt, wenn es bestellt wird. Die Werbung ist auch hier oft gering, mehr kann man kaufen, aber das Buch ist bei allen großen Buchhandlungen lieferbar, wird professionell veröffentlicht und die Kosten sind nicht mit denen eines DKZV zu vergleichen. Ich spreche hier aus Erfahrung, mein Gedichtband Seelentropfen wurde beim Dienstleister BOD veröffentlicht. Daneben ist epubli ein Anbieter mit guten Konditionen. Mittlerweile ist auch die Veröffentlichung als elektronisches Buch kein Problem. Diese Methode ist für kleine Projekte, wie eben Lyrik, die nur wenige Verlage übernehmen, Ausgaben von kleineren Dichtergruppen und Selbstverlegern eigentlich eine ganz passable Alternative. Die Bücher sind gelistet, sind bestellbar und den Preis bestimmt man selbst. Wer im Internet selbst gut Werbung macht und eigenständig die gedruckten Ausgaben verkauft, ist ganz gut beraten.

Mittlerweile gibt es aber gerade im elektronischen Bereich auch kostenlose Möglichkeiten. Lektorat und Formatierung muss der Autor dann aber selbst machen. Mitunter gibt es auch negative Berichte zu den Themen Abrechnung und Verfügbarkeit der Dateien. Sehr viele sind aber auch zufrieden und manch ein Zufallserfolg war da schon dabei und machte richtig Geld. Problematisch ist aber, dass der Markt von eher minderwertigen elektronischen Büchern überlaufen ist. Wer selbst veröffentlichen und sich abgrenzen will, hat es nicht leicht. Viel Werbung, Kontakt zu Rezensionsplattformen und ein langer Atem ist nötig. Und manch ein Literaturschatz mag in dem Meer an miesen Büchern auch noch vergraben sein.

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Weiterschreiben: Viele Möglichkeiten, viele Fragen, aber am Anfang steht das Wort (© Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Ein guter Verlag ist für viele Autoren der Traum. Auch für mich. Denn ein guter Verlag heißt nicht nur viel Werbung und einen guten Stand für das Buch, sondern auch eine gute Position, wenn es um künftige Veröffentlichungen geht. Doch in so einen guten Verlag kommt man nicht leicht. Die Lektoren werden von Einsendungen zugeschüttet, das meiste landet ungelesen im Papierkorb, die ersten Seiten der Zusammenfassung, des Exposees, sind entscheidend, wenn überhaupt ein Blick darauf geworfen wird. Hier rein kommt man fast nur durch Literaturagenturen. Doch auch hier muss man gute von schlechten unterscheiden. Ein Tipp: Keine seriöse Agentur verlangt vor der Vermittlung Geld! Doch auch an eine gute Agentur zu kommen, ist nicht leicht. Auch hier stapeln sich die Manuskripte und manche gute Idee gerät einfach in die falschen Hände. Ihr seht, ich bin ein Guppy. Und die Chance, dass ich von einem Wal entdeckt werde, oder wachsen kann, sind gering.

Mit Ausschreibungen kommt man ganz gut in Anthologien und Sammlungen. Die sind aber oft von kleinen Verlagen und beinhalten eben viele kleine Autoren. Die Bücher finanzieren sich, weil jeder Autor ein paar Exemplare kauft und selbst verkauft oder verschenkt. Millionär wird damit keiner. Aber seien wir ehrlich. Nur sehr wenige Guppys können einmal von ihren Büchern leben. Mir reicht es schon, ab und zu wegen meiner Bücher angesprochen zu werden. Manch einer fragt mich auch mal, wann denn das Nächste erscheint. Und eine positive Bewertung eines meiner Bücher verschafft mir immer ein Kribbeln im Bauch. Bei all den Möglichkeiten kann ich noch viel ausprobieren und so oder so ist mir eines klar, ich werde immer schreiben, und so oft es geht auch veröffentlichen.

Vorschau: Nächste Woche erzählt euch Sascha, warum er das GPS an seinem Fahrrad so toll findet.

Incredible-Leseprobe von Claudi Gallo

Gegenwartsroman: Incredibile (Foto:Gallo)

Gegenwartsroman: Incredibile (Foto:Gallo)

Leseprobe aus »Incredibile«

Paldwin ging auf die andere Straßenseite, die zu den Thermen der Agrippa führte, betrat den Platz vor dem Pantheon, mischte sich unter die Leute, genoss die Atmosphäre und sah sich suchend um. Er sah nur viele Menschen in kleinen Gruppen, die staunend das mächtige Bauwerk betrachteten. Andere aßen und tranken an kleinen Ständen.

 Langsam schlenderte er auf eine schmale Gasse zu und blieb an der Ecke stehen. Von hier aus konnte er alles gut übersehen. In diesem Moment wurde sein Blick auf zwei junge Frauen mit einer kapuzenartigen Kopfbedeckung gelenkt, die gerade aus einer Seitenstraße kommend auftauchten. Bei einer von ihnen schaute vorwitzig eine rote Haarsträhne hervor. Ungläubig rieb er sich die Augen und sah wie gebannt zu ihnen hinüber. Die Eine trug einen Beutel in der Hand … und er erkannte, dass es seiner war.

Beide schienen es eilig zu haben. Durch den schnellen Schritt der Jüngeren war die Kapuze nach hinten gerutscht, sodass ihr Haar nun voll sichtbar wurde. Es war jenes Mädchen, das seine Gedanken dann und wann durcheinanderbrachte.

Ihre Begleiterin entfernte sich.

Nun stand die Rothaarige allein am Rande des Platzes, blickte sich um, und Paldwin sah, wie sie ihre Kapuze wieder ins Gesicht hineinzog.

Diesen Augenblick nutzend, ging er langsam auf sie zu. Sein Herz klopfte vor Aufregung bis zum Hals. »Nun los, du musst sie ansprechen!«, flüsterte er sich Mut machend zu.

Das Mädchen hatte ihn inzwischen entdeckt und schaute erwartungsvoll. Ihre Augen forderten ihn auf, den ersten Schritt zu tun, etwas zu sagen. Doch er starrte nur.

Der Rotschopf sagte etwas mit verkrampftem Lächeln, was er nicht verstand. Seine Gedanken überschlugen sich. Die Stimme versagte ihm. Kein Wort kam über seine Lippen. Nicht einmal ein Hallo. Sein Brustkorb hob und senkte sich, das Herz pochte bis zum Hals, und sein Atem raste. Stumm nur blickte er sie an. Dabei hatte er so gehofft, sie wiederzusehen.

Alles um ihn herum war vergessen, das Geschehen bedeutungslos geworden. Ein Wirrwarr von verschwommenen Bildern füllte seinen Kopf, und er hatte so viele Fragen, zu viele davon. Womit beginnen? Er wusste es nicht, wusste nicht, wie er anfangen sollte.

Er hatte keinen Blick für die vielen Wallfahrer und den Mann mit verschränkten Armen am Ende des Marktes in seiner schwarzen Tracht, einem Geistlichen, der Raben gleich hin und her trippelte und ihn beobachtete – längere Zeit schon.

Paldwin starrte nur das Mädchen an.

Sie brach ihren ganzen Mut zusammennehmend das Schweigen und reichte ihm den Wanderbeutel.

»Bitte! Paldwin. Du hast ihn in der Herberge vergessen!«

Wie automatisch griff er zu. Noch immer sprachlos.

»Wer? – Was?«

Sie blickte in seine erregten Augen, wollte ihn ermutigen. »Paldwin …«

»Wir können weitergehen!« Die Begleiterin war zurückgekehrt und hatte in ihrem Eifer nicht bemerkt, dass sie die zaghaft beginnende Unterhaltung verhindert hatte. »Wir können weitergehen, wir haben noch viel zu erledigen«, plapperte sie los und zog die Erstarrte mit sich fort, dass sie dem Burschen nur einen verzweifelten Blick zukommen lassen konnte.

Paldwin war so durcheinander, dass er nur ein leises »danke!« herausbrachte, sich umdrehte und völlig verwirrt davonstolperte.

© Claudio Gallo

Der Autor

Der nächste Band ist schon geschrieben: Autor Claudio Gallo

Der nächste Band ist schon geschrieben: Autor Claudio Gallo (Foto:Gallo)

Klaus Gockel, in Halberstadt geboren, lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Hamburg. Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung absolvierte er eine pädagogische Ausbildung und legte das Lehrerdiplom für deutsche Sprache ab. In diesem Beruf arbeitete er viele Jahre, unter anderem auch in Rom. Aus der Liebe zur Kunst beschäftigt er sich seit 30 Jahren mit Collagen auf der Grundlage von Aphorismen. Erste Veröffentlichung von Collagen 2000. (»Philosophie einmal anders.«)

»Incredibile« ist sein erster Roman unter dem Pseudonym Claudio Gallo. Mit »Impossibile« setzt er die Trilogie seiner fantastischen Geschichte fort. »Importante« erscheint in wenigen Wochen.

 

Von der Idee zum Artikel

Täglich erscheinen auf Face2Face Artikel zu den unterschiedlichsten Themen. Wo aber kommen diese Texte her? Wie entstehen sie? Und vor allem: Was unterscheidet einen Face2Face-Artikel von einem Blogeintrag? Wir möchten unsere Arbeitsweise für euch offenlegen und so Transparenz schaffen.

Steht am Anfang jedes Artikels: Eine Idee (© Benjamin Thorn / pixelio.de)

Am Anfang jedes Artikels steht eine Idee. Diese Idee ist zu Anfang vielleicht nur ein Geistesblitz – ein Thema, das den Autor selbst bewegt. Vielleicht ist er fasziniert von einer Person oder einem Ereignis. Möglicherweise macht ihn aber auch etwas wütend oder traurig. Mit „Autor“ ist in dem Fall einer der knapp 40 Journalisten gemeint, die auf ehrenamtlicher Basis für Face2Face tätig sind. Kein Mitarbeiter ist über 30 Jahre alt, so haben sie die Möglichkeit, sich optimal in die Face2Face-Zielgruppe – junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren – hineinzuversetzen, ihre Vorlieben, Sehnsüchte und Probleme zu erkennen und authentisch zu beschreiben.

In Teamarbeit werden dann die Themen in der jeweiligen Redaktion abgesprochen und eingeplant. Die sorgfältige Planung der Veröffentlichungen macht es uns möglich, euch bereits eine Woche vorher über das Thema des anstehenden Artikels zu informieren und Abwechslung zwischen Textsorten und Themen zu schaffen.

Ist die Idee im Kopf des Autors und durch den Dialog in der jeweiligen Redaktion zu einem konkreten Plan herangereift, geht es an die Recherche. Hierfür werden je nach Thema Veranstaltungen besucht, Personen kontaktiert und zum Interview gebeten sowie Informationen aus den Medien durchforstet. Im Gegensatz zu größeren und bekannteren Online-Magazinen beziehen und veröffentlichen wir keine ausformulierten Texte von Nachrichtenagenturen. Unsere Artikel sind individuell und dementsprechend nur auf unserer Website in genau diesem Wortlaut zu finden.

Wie aber kommen wir als noch recht unbekanntes Online-Magazin an so prominente Interviewpartner wie taff-Moderator Daniel Aminati, Schauspieler Matthias Schweighöfer oder Erotikmodel Micaela Schäfer? Die Antwort lautet: Professionelles Auftreten, Hartnäckigkeit und natürlich auch eine Prise Glück. Wer zum Beispiel das „Vergnügen“ hat, während eines Interviewdrehs im Rahmen eines Praktikums den Regenschirm über „kicker“-Herausgeber Rainer Holzschuh zu halten, kann recht sicher sein, dass er dem Herrn doch wenigstens insoweit im Gedächtnis bleibt, als dass dieser die Interviewanfrage ein paar Tage später bejaht.

Das Handwerkszeug eines Journalisten: Stifte und Papier (© Lupo / pixelio.de)

Sind alle für den Artikel notwendigen Informationen gesammelt, geht es ans Schreiben. Es wird getippt, gebrainstormt, gestrichen, nochmal alles umgeworfen, neu formuliert, bis am Ende der fertige Artikel dabei herauskommt. Bevor er jedoch mit schönen Bildern illustriert auf Face2Face erscheint, wird er von einem unserer Lektoren korrigiert. Rechtschreibung, Grammatik, Formulierungen und Logik werden dabei beachtet, um so eine möglichst fehlerfreie Veröffentlichung zu garantieren. Die hohe Artikelqualität wie auch die Zuverlässigkeit der Erscheinung – täglich um 12 Uhr geht mindestens ein Artikel online – unterscheidet Face2Face von diversen Blogs im Internet. Auf der anderen Seite haben die oftmals sehr persönlich gehaltenen Internet-Tagebücher aber auch Vorbildfunktion für den einen oder anderen Artikel auf Face2Face. Mit redaktionsinternen Umfragen und subjektiven Darstellungsformen wie Kommentaren oder Kolumnen folgt die Redaktion dem Trend, den die Blogger setzen.

Und nun? Es ist Punkt 12 Uhr. Ein Artikel erscheint. Heute ist es ein Beitrag über die Arbeitsweise der Face2Face-Mitarbeiter und die Entstehung eines Artikels. Und für morgen hat das Redaktionsteam wieder Texte vorbereitet, sorgfältig recherchiert und eine Idee zu Papier gebracht, um euch, liebe Leser, zu informieren und zu unterhalten.

Mehr über die Entstehung von Face2Face und das Konzept lest ihr HIER.

Vorschau: Und nächste Woche im Panorama: Vorlesungen für alle und zum Nulltarif – wie das Internet die Bildung revolutioniert.

 

Lesetipps für kalte Wintertage – die Lieblingsbücher der FilmKunstKultur-Redaktion

Von links: Vanessa Betz, Nadine Schwalb, Mirja Schmidt und Annika Wagner (Fotos: Privat)

Von links: Vanessa Betz, Nadine Schwalb, Mirja Schmidt und Annika Wagner (Fotos: Privat)

Um ein paar der hier aufgeführten Bücher in Geschenkpapier eingewickelt unter den Weihnachtsbaum zu legen, ist es jetzt zu spät. Dennoch verraten euch die Mädels der FilmKunstKultur-Rubrik, welche Werke sie zu ihren Lieblingsbüchern zählen und gerne weiterempfehlen.

Eines der absoluten Lieblingsbücher von Vanessa Betz (21) ist der Roman Am Ende des Schweigens von Charlotte Link. Vanessa hat bereits einige Bücher der deutschen Autorin gelesen und istbegeistert von ihrem außergewöhnlichen Schreibstil. Besonders der Überraschungseffekt und die Spannung, die einen bis zur letzten Seite fesselt, macht „Am Ende des Schweigens“ zu einem ihrer Favoriten. Das Buch erzählt eine tiefgreifende Geschichte über drei befreundete Ehepaare, die seit Jahren ihren Urlaub in dem gemeinsamen Ferienhaus in Stanbury verbringen. Doch die scheinbare Harmonie zwischen den Freunden und auch zwischen der Ehepartner trügt – das Anwesen in Stanbury wird zum Schauplatz eines grausamen Verbrechens, woraufhin endlich das jahrelange Schweigen gebrochen wird und die Wahrheit ans Licht kommt. „Wer gerne spannende Erzählungen mit psychologischer Raffinesse liest und eine Liebe für Geschichten mit dunklen Familiengeheimnissen hat, dem wird dieses Buch sicher gut gefallen! Perfekt für die grauen Wintertage!“, empfiehlt Vanessa.

Sie habe kein Lieblingsbuch, sondern eine Lieblingsreihe , so Mirja Schmitt (36). Die acht aufeinanderfolgenden Bände des Turm-Zyklus  seien zu Recht das Lebenswerk des Horrorautors Stephen King. „Das Epos ist eine gekonnte Mischung aus Fantasy, Horror und Western“, so die 36-Jährige. Fantasy- und Horrorfreunde sollten diese Reihe also nicht links liegen lassen.

Empfehlenswert: Der Außenseiter von Sadie Jones. (Foto: Schwalb)

Sich auf ein Lieblingsbuch festzulegen fällt der Leiterin der FilmKunstKultur-Redaktion Nadine Schwalb (20) sehr schwer, jedoch hat sie mit Freuden Sadie Jones‘ Debütroman der Außenseiter gelesen, in dem die Autorin die Leser in ein England der Nachkriegszeit entführt. In der Kleinstadt Waterford lebt der 10-jährige Lewis. Er wird einem wildfremden Mann vorgestellt, der all die Jahre im Krieg war – seinem Vater. Kurz darauf wird er Zeuge des tragischen Todes seiner Mutter. Das Trauma, das er erleidet und das Unverständnis, mit dem ihm begegnet wird, machen ihn zum Außenseiter. Aufgrund einer kriminellen Handlung muss er zwei Jahre ins Gefängnis. Als er als 17-Jähriger wieder nach Hause zurückkommt und auf einen Neuanfang hofft, bleibt ihm dieser jedoch verwehrt. Jones schildert wortgewandt die ergreifende Geschichte eines Heranwachsenden, dessen Hilferuf nicht erhört wird und der sich daraufhin in einen Strudel aus Alkoholismus und Selbstverletzung stürzt. „Ich konnte nicht nur mit dem Protagonisten mitfiebern, das Buch hat mir auch einige Gedankenanstöße gegeben“, so die Face2Face-Mitarbeiterin.

Lesenswert: Die englische Version der Bücherdiebin. (Foto: Wagner)

Annika Wagner (25) empfiehlt: Die Bücherdiebin: Ein Buch wie ein Schlag in die Magengrube: Der australische Autor Markus Zusak erzählt die Geschichte der kleinen Liesel Meminger, die gemeinsam mit ihren Zieheltern Hans und Rosa Hubermann versucht die Armut, den Hunger und die Angst, die der Zweite Weltkrieg mit sich bringt, zu überstehen. Dabei beschreibt Zusak den Alltag in der Himmelstraße in Molching, einem Vorort von München so bestechend ehrlich, wie sonst nur die eigenen Großeltern vom Krieg erzählen können. Trotz der düsteren Umstände ist die Geschichte voll Herz und liebenswerter Charaktere, deren Schicksale den Leser nicht mehr loslassen. „Die Bücherdiebin ist eben nicht nur eine Erzählung von Krieg und Zerstörung, sondern von der Magie der Worte und Geschichten“, findet Wagner.

Vorschau: Im neuen Jahr erfahrt ihr von Vanessa etwas zum Thema „Gute Vorsätze für das neue Jahr“.

 

 

Aussergewöhnlich gewöhnlich / Christoph Gross

Zeitlose Modernität… Filmregisseure…

Stets befinde ich mich
Gleichzeitig in zwei Welten.

Ich befinde mich immer
An einem Ort, wo
Ich Angst haben
Muss, unversehens in
Den Boden einzubrechen:
Vom Boden verschluckt
Zu werden… „Himmelshünen“…
Ich befinde mich immer
In einer unwirklichen,
In einer magischen Welt. –
Das Schicksal dieser Welt
Liegt in meinen Händen;
Ich bin diese Welt!

Ich befinde mich gegenwärtig
In einer schrecklichen,
In einer gleissenden Welt,
„Himmelshünen“… Satanisch gleissend
Ich befinde mich gegenwärtig
In einer Welt
Aus Stahl und Beton.
– Es fängt an zu
Regnen, während ich mit
Meinen Sorgen, von denen
(Leider) viele asphaltglatt sind,
Mich verliere in
Einem grossstädtischen Gedränge… Hier
Kennt man keine wirklichen
Unterschiede zwischen Menschen, bloss
Unterschiedliche Qualifikationen: was
Durchaus traurig ist… Hier
Scheint es keine
Echten Gesichter (mehr)
Zu geben, sondern nur
(Noch) Masken: was
Durchaus krank ist!

© Christoph Gross

Der Autor:

Vielseitig: der junge Autor Christoph Gross (Foto: Gross)

Christoph Gross wurde 1980 in Müntschemier im Berner Seeland geboren. Schon früh zeigte sich seine philosophische und künstlerische Ader. Neben dem Schreiben und Malen arbeitet er hauptberuflich als Pfleger in einem Altenheim. Sein bisher größtes literarisches Projekt ist ein Fantasy-Kinder-Roman, viele seiner Gedichte und Kurzgeschichten sind bereits in Anthologien veröffentlicht. Veröffentlichungen unter anderem:

2007 – die Kurzgeschichten „Die Rückkehr“ und „Die Augen des Klingsor“ in der Jahresanthologie „Collection deutscher Erzähler“ im R.G. Fischer Verlag
2008 – der Artikel „US-amerikanische Terrorismusunterstützung und Arroganz“ von Henryk M. Broder unter dem Titel „Antiamerikanismus aus Schweizer Sicht“ auf der Website www.achgut.com
2009 – das Gedicht „Vor neunzig Jahren“ im Faltblatt „Lyrische Saiten“ im Verlag Edition Wendepunkt ISBN 3-935841-07-8
2010 – das Gedicht „In einer zerschnittenen Nacht“ in der Berliner Literaturzeitschrift „Wortspiegel
2011 – die Gedichte „Älter als Babylon“, „Kleine, seufzende Ruine“ und „Ödes Elementarteilchen“ auf www.lyrik.ch
2012 – der Gedichtband „Maschinen-Gedichte“ im Mauer Verlag.

Wie man das Grauen schafft: Interview mit dem Krimiautor Arno Strobel

Henning Mankell, Joy Fielding, Stephen King – internationale Krimiautoren, die jeder kennt und deren Bücher weltweit gelesen werden. Doch auch deutsche Autoren, unter ihnen der Saarländer Arno Strobel, brauchen sich nicht zu verstecken und erfreuen sich einer immer größer werdenden Fangemeinde.
Der 1962 in Saarlouis geborene Krimiautor feiert mit seinen Büchern unglaubliche Erfolge im In- und Ausland. So wird beispielsweise ein türkischer Verlag „Der Trakt“, „Das Wesen“ und „Das Skript“ in den kommenden Monaten veröffentlichen. Auf eine faszinierende Art und Weise schafft Strobel es, die Leser seiner Psychothriller bis zur letzten Seite zu fesseln und in Spannung zu versetzen. Über seine Tätigkeit als Autor und den Krimi im Allgemeinen hat er Face2Face Interessantes im Interview erzählt.        

Face2Face: Da es keinen „klassischen Weg“ gibt, Autor zu werden, zunächst die Frage an Sie, wie sie überhaupt zum Schreiben gekommen sind.
Strobel:
Meine ersten Erfahrungen mit dem Schreiben und dem Veröffentlichen von Geschichten durfte ich schon mit 13 sammeln. Es war die klassische Situation: Die Sommerferien waren zu Ende, und wir sollten als Hausaufgabe den Aufsatz “Mein schönstes Ferienerlebnis” schreiben. Dabei beging meine Lehrerin allerdings den Fehler, uns zuzugestehen, dass wir die Geschichte auch erfinden durften.
Das führte dazu, dass mein Ferienerlebnis sich am Amazonas abspielte, zwischen gefährlichen, wilden Tieren und Wilderern, die ich auf 15 handgeschriebenen Seiten natürlich allesamt listenreich zur Strecke brachte. Das fand die Lehrerin wohl so außergewöhnlich, dass sie den Aufsatz an die regionale Zeitung schickte, wo er auch tatsächlich abgedruckt wurde.
Danach herrschte lange Zeit Stille in Bezug auf das Schreiben. Erst mit Ende dreißig – damals entstanden die ersten Schreibforen im Internet – packte es mich, und ich startete meine ersten Gehversuche in Sachen  Kurzgeschichten. Gleich die allererste davon wurde für eine Anthologie genommen, und als sich danach immer wieder Redakteure von Zeitschriften und Herausgeber von Anthologien für meine Texte interessierten, stellte ich mir die Frage, ob ich denn auch einen Roman schreiben konnte. Nach fünf oder sechs ambitionierten Versuchen, die allesamt spätestens nach Seite drei starben, schaffte ich es dann schließlich, so weit zu kommen, dass an einen Abbruch nicht mehr zu denken war, weil dann die ganze Arbeit für die Katz‘ gewesen wäre.

Face2Face: Wieso entschieden Sie sich schließlich für das Krimi-Genre?
Strobel: Ich denke, die Faszination beim Schreiben ebenso wie beim Lesen von Krimis und Thrillern basiert auf dem Wissen, ganz schreckliche Dinge aus einer sicheren Distanz zu “erleben”, mit der Gewissheit, anschließend selbst unversehrt aus der Geschichte wieder herauszukommen. Beim Schreiben wird dieser Effekt noch dadurch verstärkt, dass ich als Autor gefahrlos Dinge aus meiner dunkelsten Fantasie virtuell “ausleben” kann.

Face2Face: Wie kann man sich Ihre Vorgehensweise beim Schreiben eines neuen Krimis vorstellen? Wissen Sie zu Beginn des Schreibens schon die gesamte Handlung, inklusive aller wichtigen Details?

Strobel: Oh nein. Am Anfang steht nur eine Grundidee, meist geboren aus einer alltäglichen Begebenheit, die ich beobachtet habe und zu der ich mir die Frage stellte: „Was wäre, wenn jetzt dies oder das passieren würde?“  Zum Beispiel stand bei „Der Trakt“ über allem die Frage: Was wäre, wenn man einer Mutter erzählen würde, sie hätte gar kein Kind. Wenn JEDER ihr das erzählen würde.Dazu überlege ich mir dann eine ganz grobe Story. Hier: Frau erwacht aus Koma, ab dem Moment ist alles anders.Niemand glaubt, dass sie einen Sohn hat, selbst ihr Mann nicht,  und mehr noch, niemand scheint sie zu erkennen. Nun überlege ich mir einen Anfang, der die LeserInnen möglichst schnell packt und in die Geschichte hineinzieht. Ebenso wichtig ist das Ende, also wie löse ich das Ganze auf? Nun habe ich also eine Idee, eine Start- und eine Ziellinie. Ich stelle die ersten Protagonisten an der Ziellinie auf, lasse sie loslaufen und schreibe ihnen einfach hinterher.  Manchmal verlaufen sie sich im Eifer, dann muss ich einen Teil löschen und an einem vorherigen Punkt wieder neu beginnen. Manchmal ergeben sich dadurch aber auch neue Perspektiven, und die Geschichte bekommt Wendungen, mit denen ich vorher selbst nicht gerechnet habe.

Face2Face: Und wie war es bei „Das Wesen“? Die Geschichte spielt schließlich auf zwei Zeitebenen. Haben Sie jede für sich geschrieben oder beide zeitgleich?
Strobel: Beides. Die ersten Kapitel habe ich so geschrieben, wie sie im Buch stehen, die Zeitebene mit fast jedem Kapitel wechselnd. Dann aber habe ich mich dazu entschieden, zuerst den vergangenen Fall komplett zu schreiben, und dann die Gegenwart dazwischen einzuschieben. 

Face2Face: Woher nehmen Sie die Inspiration für den Stoff Ihrer Bücher?
Strobel: Wie oben schon beschrieben, aus alltäglichen Begebenheiten. Um beim Beispiel „Der Trakt“ zu bleiben:  Wir hatten an einem Sonntagnachmittag Besuch von einer Freundin meiner Frau. Sie kam mit ihrem damals fünfjährigen Sohn, der an diesem Tag, nennen wir es einmal „etwas anstrengend“ war. Das ging so weit, dass seine Mutter irgendwann die Augen verdrehte und seufzte: „Ich stelle mir jetzt einfach mal für fünf Minuten vor, ich hätte gar keinen Sohn.“ In diesem Moment stellte ich mir die Frage, wie sie wohl reagieren würde, wenn alle anderen ihr sagen würden, sie hätte keinen Sohn. Ich dachte mir, das müsse für eine Mutter das absolute Grauen sein. Stoff für einen Thriller!


Face2Face:
Was macht für Sie einen richtig guten Krimi aus?
Strobel: Die Autorin/Der Autor muss mich von der ersten Seite in das Buch hineinziehen und es schaffen, dass ich unbedingt wissen möchte, wie es weiter geht. Einen guten Krimi oder Thriller lese ich nicht, wenn ich gerade die Zeit dazu habe, sondern ich schaffe mir die Zeit, schnell weiterlesen zu können, weil ich wissen muss, wie es weiter geht. Wenn ich dann vom Ende noch überrascht werde, ist es perfekt. Das versuche ich natürlich auch selbst beim Schreiben entsprechend umzusetzen.

Face2Face: Könnten Sie sich denn auch eine Verfilmung Ihrer Bücher vorstellen? Wenn ja, welches würde Sie am meisten reizen zu verfilmen?
Strobel: Oh ja, das könnte ich mir sehr gut vorstellen und ich glaube, für mich selbst wäre der Reiz bei „Das Wesen“ am größten.

Face2Face: Hätten Sie auch schon eine ideale Besetzung für den Täter?
Strobel: Das würde ich ebenso wie das Drehbuch denjenigen überlassen, die sich damit auskennen (lacht).

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr an dieser Stelle etwas über den Mannheimer Krempelmarkt!

Die besten Romane für kalte Wintertage

Die Weihnachtsfeiertage rücken näher und somit auch die Zeit, um endlich mal wieder ein gutes Buch zu lesen: Hier ein paar Empfehlungen für die kalte Jahreszeit, mit denen man zweifelsohne ein paar Tage daheim überwintern kann.

Tender Bar – ein liebevolles Portrait skurriler Figuren

Das „Dickens“ ist das, was man gemeinhin als eine Spelunke bezeichnen würde: Eine Ansammlung gescheiterter Existenzen, deren Höhepunkt des Tages ein kühler Drink am staubigen Tresen der heruntergekommenen Bar ist. Für den jungen JR ist das „Dickens“ jedoch viel mehr als das – es ist sein Zuhause – die schrägen Figuren seine Familie. Seinen Vater, einen DJ, kennt der Junge nur als Stimme aus dem Radio. Im „Dickens“ findet er dagegen eine ganze Reihe männlicher Bezugspersonen. Die Bar wird für ihn zum Rückzugsort, wenn er es zu Hause in der Bruchbude, die er mit seiner nicht minder skurrilen Familie bewohnt, nicht mehr aushält.  „Tender Bar“ ist ein außergewöhnliches Portrait von Manhasset, einem kleinen Ort an der Nordküste von Long Island und dessen Bewohnern.

„New York Times“-Autor und Pulitzerpreisträger J.R. Moehringer beschreibt in „Tender Bar“ seine eigene Jugend und Erfahrungen als junger Erwachsener. Der Leser kann sich dabei Moehringers gewaltiger Ausdruckskraft kaum entziehen, denn er formuliert so brillant, dass man einige Sätze immer und immer wieder liest, im verzweifelten Bestreben sie sich für die Ewigkeit einzuprägen. „Tender Bar“ ist eine Hommage an eine Ära, an den aufsteigenden Qualm von Zigarren, das Flirren der Hitze in der Mittagssonne, aber auch an die Figuren des normalsten und außergewöhnlichsten Ortes der Welt – dem „Dickens“.

Die Stimmen des Flusses – Eine Reise durch Zeit und Verstand

Tina Bros findet hinter der Tafel einer alten Dorfschule ein Tagebuch, das die wahre Geschichte des vermeintlichen Volkshelden Oriol Fontelles enthält. Bevor sie sich versieht, ist sie gefesselt von Oriols Schicksal und begibt sich auf eine Zeitreise in das Spanien des Bürgerkrieges…

Der katalanische Autor Jaume Cabré erzählt eine Geschichte epischen Ausmaßes über sechs Jahrzehnte und mehrere Generationen hinweg und das auch noch multiperspektivisch: Innerhalb eines einzigen Satzes können sich nämlich sowohl Perspektive des Erzählers als auch Zeit des Geschehens ändern. Ein gewagter Stilbruch, den Cabré jedoch perfekt beherrscht.

Auf 666 Seiten bietet dieser Roman alles, was eine gute Geschichte hergeben sollte: Mord, Verrat, Leidenschaft, Fanatismus, Rache,  unerfüllte Liebe und das grausame Gesicht des Krieges. In Briefen an seine Tochter hält der Dorfschullehrer Oriol seine Lebensgeschichte fest: Berichtet von seiner Affäre mit der mächtigen und geheimnisvollen Elisenda Vilabrú, die – von dem Bedürfnis nach Rache zerfressen – die Menschen um sich herum manipuliert wie Spielfiguren. Oriol gerät zwischen die Fronten der Faschisten und Widerstandskämpfer, seinem Schicksal unausweichlich ausgeliefert. „Die Stimmen des Flusses“ ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, die den Leser vollkommen in Cabrés Universum eintauchen lässt.

Veronika beschließt zu sterben – der Klassiker von Erfolgsautor Paulo Coelho

Der bereits 1998 veröffentlichte Roman sollte in keiner gut sortierten privaten Büchersammlung fehlen.  Schon der Einstieg ist imposant: Die 24-jährige Veronika hat eine Überdosis Schlaftabletten genommen und wartet auf ihren bald eintretenden Tod. Sie schläft ein, in dem Glauben jetzt zu sterben. Stattdessen erwacht sie in Villete – einem berühmt berüchtigten Irrenhaus in Ljubljana. Im Spannungsfeld zwischen Todessehnsucht und der Neugier an ihrer neuen Umwelt findet Veronika sich inmitten allerlei skurriler Figuren wieder, die ebenfalls ihren Alltag in der Nervenheilanstalt fristen. Hinzu kommt Anstaltsleiter Dr. Igor, der an seinen Patienten fragwürdige Methoden ausprobiert…

In diesem schmalen Büchlein werden nicht weniger als die wichtigen Fragen des Lebens aufgeworfen: Was ist eigentlich verrückt und was normal? Was ist der Sinn des Lebens? „Veronika beschließt zu sterben“ gilt als Coelhos persönlichstes Werk, da der Autor als Kind selbst mehrmals von seinen Eltern in eine Psychiatrie eingewiesen wurde. Der Roman ist für alle, die „Einer flog über das Kuckucksnest“ zu ihren Lieblingsfilmen zählen – oder einfach für jeden, der sich mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzen will – eine unverzichtbare Lektüre.

Vorschau: Nächste Woche gibt es an dieser Stelle ein Interview mit Christian Vagedes dem Autor von „Veg up: Die Veganisierung der Welt“  

Lieder, die zu Geschichten wurden

Autorin Julia Donaldson: Ihre Bücher wurden in 29 Sprachen übersetzt (Foto: BELTZ Verlag)

Die Kinderbuchautorin Julia Donaldson ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen unserer Zeit: Ihre Bücher wurden weltweit millionenfach verkauft und in 29 Sprachen übersetzt. In diesem Jahr musste sich sogar der Kinderbuchklassiker „Die kleine Raupe Nimmersatt“ Donaldsons bekanntestem Werk, dem „Grüffelo“, auf der Liste der beliebtesten Kindergeschichten geschlagen geben. Face2Face traf die Engländerin jetzt exklusiv zum Interview.

Face2Face: Frau Donaldson, wie kamen Sie dazu Kinderbücher zu schreiben?
Donaldson: Ich habe zuerst Kinderlieder geschrieben, zunächst als Straßenmusikerin und dann arbeitete ich auch für das englische Fernsehen. Aus den Liedern wurden schließlich Geschichten, so fing das alles an.

Face2Face: Hat es Sie nie gereizt auch Bücher für Erwachsene zu schreiben?
Donaldson: Ich frage mal umgekehrt: Warum sollte ich Bücher für Erwachsene schreiben? Ich habe damals, als ich für’s Fernsehen gearbeitet habe, auch Lieder für Erwachsene geschrieben, aber das hat mich einfach nicht dazu inspiriert auch Bücher zu schreiben. Nein, über die Musik bin ich zu den Kinderbüchern gekommen und auch dabei geblieben.

Face2Face: Wie kann man sich den Prozess des Schreibens vorstellen? Schließlich müssen dabei Text und Illustrationen zusammen kommen.
Donaldson: Nein, beides passiert eigentlich völlig unabhängig voneinander. Ich schreibe zuerst alleine die Geschichte und der Zeichner weiß zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch gar nicht, dass ich an etwas arbeite. Dann schicke ich das Skript dem Verlag und der kontaktiert dann wiederum den Zeichner. Mir werden dann die ersten, groben Entwürfe vorgelegt und ich kann meine Meinung dazu sagen. Aber meistens versuche ich nicht zu kritisch zu sein, nur wenn ich etwas wirklich unpassend finde. In der Regel kann der Zeichner aber tun, was er will.

Face2Face: Was macht ihrer Meinung nach gerade die Geschichte vom „Grüffelo“ so besonders?
Donaldson: Das ist für mich immer schwer zu sagen. Das müsste man eigentlich all die Menschen fragen, die die Geschichte lesen. Aber es ist ja nicht nur der „Grüffelo“, all meine Bücher sind sehr beliebt. Aber anscheinend sehen die Journalisten immer etwas Besonderes im „Grüffelo“. Ich glaube gerade weil die Journalisten immer sagen, der „Grüffelo“ sei so ein enormer Erfolg, ist er auch einer geworden. Aber zu Hause in England verkaufen sich die anderen  Bücher fast genau so gut wie der „Grüffelo“.

Face2Face: Brauchen Kinderbücher immer eine Moral? Im „Grüffelo“ geht es zum

Der "Grüffelo": In Donaldsons bekanntestem Werk geht es darum, dass eine kleine Maus mit Hilfe des Grüffelos die stärkeren Tiere überlistet (Foto: BELTZ Verlag)

Beispiel ja auch darum, dass man seine Ängste überwindet.
Donaldson: Ich glaube nicht, dass die Bücher eine Moral brauchen. Ich würde keine Bücher schreiben wollen, um den Kindern irgendetwas beizubringen. Aber ich glaube jede Geschichte, ob jetzt für Erwachsene oder Kinder, hat eine gewisse Aussage. Sonst wäre es doch unsinnig, nicht wahr? Man schreibt eine Geschichte und stellt dann fest, dass sie ein spezielles Thema oder eine Botschaft hat. Aber ich setze mich nicht hin und fange mit dem Scheiben an in der Absicht, eine moralisierende Geschichte schreiben zu wollen. Ich denke, diese Art von Botschaften gibt es in allen Büchern, zum Beispiel auch in Jane Austens „Pride & Predjudice“, wo es ja darum geht, dass Personen verschiedener gesellschaftlicher Schichten Vorurteile gegeneinander haben. Aber ich denke nicht, dass man als Autor mit dem Gedanken jemandem etwas beibringen zu wollen, ein Buch schreiben sollte.

Face2Face: Was würden Sie tun, wenn sie keine Kinderbuchautorin wären?
Donaldson: Früher wollte ich immer Schauspielerin werden. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich heute immerhin noch ein wenig schauspielern kann, wenn ich die Lesereisen mache. Ich habe aber auch als Lehrerin gearbeitet, das hat mir auch viel Freude bereitet. Ich habe damals aber etwas größere Kinder unterrichtet, nicht so kleine, wie die, die jetzt meine Bücher lesen. Aber ich wollte meinen Beruf jetzt nicht mehr tauschen. Wäre ich Lehrerin, hätte ich jetzt ja schon fast das Rentenalter erreicht.

Face2Face: Wie sieht Ihre weitere Lesereise durch Deutschland aus?
Donaldson: Wir gehen noch nach Berlin, Hamburg und nach Oldenburg. Ich liebe diese Shows genauso sehr wie das Schreiben der Bücher. Für mich ist das nicht nur Publicity. Das gehört für mich einfach auch zu meinem Beruf.

Vorschau: Nächsten Freitag erscheint ein Interview mit Bestsellerautorin Rebecca Gablé, das Lisa für euch geführt hat.