12 points go to – der Eurovision Song Contest 2016

Am 14. Mai 2016 fand der 61. Eurovision Song Contest, kurz ESC, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm statt. Im letzten Jahr siegte der Sänger Måns Zelmerlöw aus Schweden mit seinem Song „Heroes“ und sorgte dadurch für die diesjährige Ausstragung des ESC in seinem Heimatland. Zusammen mit der Komikerin Petra Mede moderierte er den Musikwettbewerb, an dem in diesem Jahr 26 Länder teilnahmen.

Neues Punktesystem

Ein neues Punktesystem, bei dem die Punkte von Fachjury und Publikum der 42 stimmberechtigten Länder erstmals getrennt vergeben worden sind, sorgte für einige Überraschungen am Abend und machte den ESC spannend bis zum Schluss. Zuerst wurden die Punkte der Fachjurys der jeweiligen Länder verkündet. Danach hätte die Sängerin Dami Im aus Australien mit ihrem Song „Sound of silence“ den ESC gewonnen.

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Gutaussehender Sänger: Amir aus Frankreich (Foto: Anna Velikova (EBU))

Platz zwei und drei wären nach Juryabstimmung an Sängerin Jamala aus der Ukraine und den sympathischen Sänger Amir mit seinem französisch-englischen Gute-Laune-Hit J’ai cherché” aus Frankreich gegangen. Der polnische Sänger Michał Szpak bekam für seinen Song „Colour of your life“ von der Jury lediglich sieben Punkte, was den vorletzten Platz bedeutet hätte.

Zuschauer teilten Jurymeinung nicht

Doch das Zuschauervoting kippte das Ergebnis. Das führte dazu, dass Michał Szpak vom Publikum 222 Punkte erhielt und mit einem guten achten Platz äußerst zufrieden sein konnte. Damir Im aus Australien hatte sich zu früh gefreut. Durch das Zuschauervoting stieß die Ukrainerin Jamala sie mit insgesamt 534 Punkten vom ersten auf den zweiten Platz und siegte mit ihrem Song „1944“ beim diesjährigen ESC.

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Grund zur Freude: Jamala aus der Ukraine gewinnt den diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Der Song hatte bereits im Vorfeld des ESC aufgrund seines Inhalts für Kritik gesorgt, denn er handelt von der Geschichte von Jamalas Uroma, die unter Stalin von der Krim vertrieben wurde. Auch nach dem Sieg gab es Kritik an der dadurch entstandenen Politisierung des ESC. Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätte der Russe Sergey Lazarev den Wettbewerb gewonnen. Er konnte nicht nur gesanglich mit „You are the only one“, sondern auch mit seiner spektakulären Show, bei der die Videoanimationen im Hintergrund perfekt auf seine Performance abgestimmt waren, überzeugen. Da ihn die Jury jedoch nicht ganz so weit vorne sah, schaffte er es mit insgesamt 491 Punkten nur auf den dritten Platz.

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Bewegungen auf die Videoleinwand abgestimmt: Sergey Lazarev aus Russland bei seinem Auftritt beim diesjährigen Eurovision Song Contest (Foto: Andres Putting (EBU))

Viele Höhepunkte und Jamie-Lee als Schlusslicht

Zu den Höhepunkten gehörten auch der Schwede Frans mit seinem Liebeslied „If I were sorry“ (Platz fünf) und der Niederländer Douwe Bob, der in seinem Song „Slow down“ dazu aufruft, im stressigen Alltag öfter mal innezuhalten, was er bei seiner Darbietung sowohl durch eine zehnsekündige Pause als auch durch eine rückwärtsgehende Uhr im Bühnenbild verdeutlichte (Platz elf). Jamie-Lee Kriewitz konnte mit ihrem Song „Ghost“ und ihrem Manga-Look weder Jury noch Publikum begeistern und belegte mit nur elf Punkten den letzten Platz.

Der diesjährige Eurovision Song Contest überzeugte durch viele tolle Songs und Auftritte sowie auffallend viele hübsche Sänger, die den ESC auch optisch zu einem Highlight machten.

Vorschau: Nächste Woche lest ihr hier mehr über Miles Davis.

Koalas- Fellknäul im Baum

Koala_by_S. Thomas_pixelio.deDas typische Bild eines Koalas ist, dass er im Ast sitzt und Eukalyptus mampft oder schläft. Und dieses Bild trifft zu. Der Koala schläft 20 Stunden am Tag und übertrifft damit noch das Faultier. Das ist jedoch kein Wunder, denn ein Koala muss Energie sparen. Die Eukalyptus-Blätter geben nur wenig Energie her. Und wählerisch ist das Fellknäul auch noch. Von den über 600 Eukalyptus-Arten in Australien essen sie nur einige wenige. Doch wählerisch müssen sie sein, denn Eukalyptus, dessen Genom vor kurzem komplett sequenziert wurde, enthält Giftstoffe. Daher essen Koalas auch nur 200 bis 400 g Blätter am Tag, um die Giftdosis nicht zu überschreiten. Mit dem längsten Blinddarm alle Säugetiere und speziellen Bakterien kann der besonders angepasste Verdauungstrakt der Tiere diese beschwerliche Nahrung verdauen. Dafür müssen Koalas auch nichts trinken, da die Blätter sehr wasserreich sind. In der Sprache der Aborigines heißt Koala soviel wie „ohne Wasser“ oder „ohne zu trinken“.

Aber mal von Anfang an: Nein, der Koala ist kein Bär, auch wenn er manchmal so bezeichnet wird. Er ist ein Beuteltier. Er ist also verwandt mit den Wombats und den Kängurus. Sie werden zwischen 60 und 85 cm groß und wiegen zwischen vier und 14 kg. Ihr Lebensraum beschränkt sich auf die Ostküste Australien. Früher wurden sie wegen ihres silbergrauen Fells gejagt, wodurch ihre Anzahl drastisch absank. Erst in den späten 1930er Jahren wurden die Koalas zur geschützten Art erklärt. Heutzutage hat der Koala als Symbol für Australien Kultstatus.

Koala_by_Dieter Schütz_pixelio.deKoalas sind auf den ersten Blick Einzelgänger, haben jedoch ein stabiles soziales System untereinander. Jeder Koala hat sein eigenes Revier mit seinen Schlaf- und Essbäumen. Die Reviere überlappen sich am Rande, um Interaktion zu ermöglichen. Dabei ist meist jedoch der zwischengeschlechtliche Austausch gemeint. Ist ein Koalaweibchen paarungsbereit, stößt es einige Grunzlaute von sich oder macht sich auf den Weg ein Männchen zu suchen. Männchen geben zur Reviermarkierung und Information für die Weibchen ein weitreichendes heiseres Bellen von sich. Dies wird mit einem speziellen Organ produziert, welches erst vor kurzem entdeckt wurde. Die Männchen bekämpfen sich zur Paarungszeit am Revierrande auch gerne einmal. Auch der Paarungsakt in luftigen Höhen ist brutal, denn das Männchen hält das Weibchen fest und drückt es gegen den Baumstamm. Danach wird es jedoch vertrieben.

Das Baby wächst im Schutz des Beutels heran und öffnet nach circa sechs Monaten das erste Mal seine Augen. Bis der Nachwuchs selbstständig ist, kann es auch mal zwei bis drei Jahre dauern. Danach muss es das Revier der Mutter verlassen und sich ein geeignetes eigenes Revier suchen, wodurch es mitunterweite Strecken zurücklegen muss. Stirbt ein Artgenosse, so wird das Revier oft übernommen. Dies kann schnell geschehen, da Koalas anfällig gegenüber vielen Krankheiten sind. Besonders ein Retrovirus, der ähnlich dem HIV beim Menschen, das Immunsystem schwächt, hinterlässt bleibende Schäden bei der Koalapopulation.

Neuste Forschungen zeigen außerdem, dass Koalas Bäume umarmen, um sich zu kühlen. Dieses „Tree-Hugging“ hilft ihnen bei Hitzestress und verhindert Dehydration.

Vorschau: Nächste Woche gibt es in der Tier&Umwelt Rubrik einen Reisebericht von Svenja zum Tierschutz in Rumänien.

„Hasta Alaska“: Mit dem Kombi von Chile nach Alaska

Im November 2011 startete Ben (32) in Chile ein unglaubliches Abenteuer. Sein Ziel: Mit einem

Das ist er: Abenteurer Ben (Foto:Ben)

Das ist er: Abenteurer Ben (Foto:Ben)

Kombi und seinem Hund namens Alaska nach Alaska!

Doch schon zuvor zog es ihn von seinem Heimatort Jersey, einer kleinen Insel im Ärmelkanal, in die große weite Welt: Angefangen im November 2008 in Kanada, snowboardete er in den Bergen von Kanada und Neuseeland, surfte an der australischen Küste, lebte mit einem Mönch in den Bergen von Thailand, arbeitete als Tiger-Trainer und trampte durch Kambodscha. Furchtlos durch die Welt, immer nach der Suche nach einem nächsten Abenteuer. Nach Kanada, Südostasien, Australien und Neuseeland landete er schließlich im Winter 2011 in Chile, kaufte sich einen Kombi und startete sein Projekt „Hasta Alaska“. Begleitet von seiner Kamera, teilt er seine Erfahrungen mit Leuten aus

Farbenfroh und einzigartig: Bens Kombi (Foto: Ben)

Farbenfroh und einzigartig: Bens Kombi (Foto: Ben)

aller Welt auf seiner eigenen Homepage, seiner Facebook- und Twitter-Seite und seinem Youtube-Channel. Es liegt ihm sehr am Herzen jeden, der Interesse hat, an seiner Reise teilhaben zu lassen und wie gelingt dies einfacher als durch das Internet? Mittlerweile zählt er 6.199 „Gefällt mir-Angaben“ bei Facebook und 13.921 Abonnenten bei Youtube – die Tendenz ist weiter steigend. Nahezu täglich berichtet er mit Bildern und kleinen Anekdoten von seinem teilweise beschwerlichen Trip und erntet damit Respekt und Anteilnahme von allen Seiten. Laut eigenen Angaben verbringt Ben wöchentlich über 20 Stunden mit der Pflege und Erweiterung seiner diversen Kanäle und jede einzelne Sekunde, so Ben, lohnt sich.

Sein treuster Freund: Hund "Alaska" (Foto:Ben)

Sein treuster Freund: Hund „Alaska“ (Foto:Ben)

Ganz allein mit seinem Cocker Spaniel im Gepäck machte er sich also auf den weiten Weg. Er entschied sich bewusst diese Reise allein anzutreten, um sich die Freiheit zu bewahren, tun und lassen zu können, was er möchte. Jedoch begrüßt er nach dem CouchSurfing-Prinzip zwischendurch immer mal wieder Mitreisende, die mal kürzer und mal länger mit ihm auf Tour sind. Die Kosten für das Benzin teilen sie sich, sodass für Ben sein Projekt bezahlbar bleibt. Allerdings sind er und Hund Alaska die einzigen dauerhaften Mitglieder der Kombi-Crew.

Bis zum heutigen Zeitpunkt musste er seine Reise bereits zwei Mal nahezu abbrechen, da

Auch Pannen gehören dazu: Reparaturen am Straßenrand (Foto:Ben)

Auch Pannen gehören dazu: Reparaturen am Straßenrand (Foto:Ben)

der Kombi, noch bevor er Chile verlassen hatte, fast auseinanderbrach. Nachdem er in Costa Rica Ersatzteile gekauft hatte, der Kombi aber nach zehn Kilometern schon wieder streikte, war er kurz davor aufzugeben, seinen Kombi zu verkaufen und sich stattdessen zwei Esel zu kaufen. Er versicherte mir, dass dies ein ernsthafter Gedanke war! Jedoch ermutigten ihn seine Online-Freunde weiterzumachen und so ging seine Reise trotz mancher schwieriger Situation stetig weiter – bis heute!

Auf meine Frage, was seine Pläne für die Zukunft sind und wie lange er dies noch machen möchte, sagte er:“ Ich hoffe mit dem Eintreffen in Alaska im August oder September 2015. Allerdings kann ich dies natürlich nicht zu hundert Prozent vorhersehen. Was ich nach sieben Jahren machen möchte, in denen ich quer durch die ganze Welt gereist bin, weiß ich noch nicht. Aber eins weiß ich ganz genau: Ich werde bei meiner Ankunft in Alaska nicht derselbe Mann sein, der Chile im November 2011 verlassen hat!“

Euch begeistert, wie mich, das Projekt von Ben und ihr möchtet seine Reise weiter verfolgen und mehr Bilder von seinem abenteuerlichen Abenteuer sehen?

Australisches Klanggut – Singer/Songwriter Matt Corby

Gerade einmal 22 Jahre ist er jung hat, seine musikalische Erfolgsgeschichte ist dafür aber umso eindrucksvoller. Seit der Australier Matt Corby die Juroren bei der Reality-TV-Show „Australian Idol“ mit seiner Akustikversion von Stevie Wonders „Superstition“ begeisterte, ist seim musikalische Talent in aller Munde – und das nicht nur in Down Under.

Matt Corby wurde am siebten November 1990 in Oyster Bay, ganz in der Nähe von Sydney, im australischen Bundesstaat New South Wales geboren. Seine Liebe zur Musik kommt schon früh zum Ausdruck. Bereits während seiner Schulzeit ist er Mitglied des Schulchors und spielt auch in der Schulband.

Das Sprungbrett seiner musikalischen Karriere ist allerdings die Talent-Show „Australian Idol“, an der der 16-Jährige Corby 2007 teilnimmt und den zweiten Platz nach Natalie Gauci belegt. Doch Corby lässt die Reality-TV-Szene schnell hinter sich und zieht nach London, um dort Konzerte für seine immer größer werdende Gruppe von Fans zu spielen. Allerdings darf man sich nicht irreführen lassen, denn trotz seiner Talentshow-Vergangenheit ist Corby kein Popstar im konventionellen Sinne, sondern hat sich mittlerweile einen ganz eigenen Weg gebahnt. Er mischt Genres nach Belieben und schreibt Songs, wie es ihm gefällt, ganz ohne sich im Sinne irgendwelcher Talentshows darum zu kümmern, ob diese besonders hoch in den Radio-Charts einsteigen. Stattdessen scheint er sich einfach nur seiner musikalischen Intuition hinzugeben – und das mit großem Erfolg. Darum ist es nicht überraschend, dass Corbys Konzerte meist komplett ausverkauft sind.

Nur zwei Jahre nach seinem „Australian Idol“-Auftritt veröffentlicht Corby im Jahr 2009 seine Debüt-EP „Song For…“. Obwohl er von Angeboten der großen Plattenlabels wie Sony BMG überrumpelt wird, weist er diese zurück und entscheidet sich stattdessen für Scorpio Music, einem australischen Independent-Label. Nur kurze Zeit später veröffentlicht der Australier 2010 seine EP „My False“ ebenso wie „Transition to Colour“ bei dem Londoner Plattenlabel Communion, nachdem er die Aufmerksamkeit des Labelinhabers Ben Lovett auf sich gezogen hatte. Communion Records war 2006 von dem „Mumford and Sons“-Musiker gegründet worden und hatte Künstlern wie Ben Howard, Mumford and Sons und Benjamin Francis Leftwich zu internationalem Erfolg verholfen.

Während der Vorbereitungen für „Made of Stone“, seinem neuen Album, spielt Corby zahlreiche Live-Shows in England und kehrt 2011 nach Australien zurück, um dort eine ganze Reihe seiner „Secret Garden“-Shows, (Anm. d. Red: Dabei handelt es sich um Konzerte in kleinen Parks und Gärten), zu spielen. Kurz darauf unterstützt er die britische Band Elbow und begleitet diese auf deren ausverkauften Splendour-Sideshow-Tour.

Corbys Musik täuscht leicht über sein junges Alter hinweg, denn der australische Sänger legt mit seinen Stücken eine erstaunliche Einzigartigkeit und Reife an den Tag. Lauscht man Corbys Liedern, könnte man erst meinen, Jeff Buckley singen zu hören. Aber nicht, weil Corbys Songs nicht authentisch klingen würden, sondern aufgrund seiner kraftvollen und tiefen, fast nach Soul klingenden Stimme. Doch Corby hat sich längst über diesen Vergleich hinweggesetzt und sich als eigenständiger Künstler etabliert.

In der 2011 veröffentlichten EP, „Into The Flame“, die Corby mit Tim Carr produziert hat, lässt der Songwriter und Musiker seiner musikalischen Vielseitigkeit freien Lauf. Die EP enthält Lieder, die durch Corbys außergewöhnliche Stimme, die sanften und bluesartigen Melodien voller Emotion sowie oft nach Folk klingenden Rhythmen sich zu einem musikalischen Werk vereinen. Corbys stimmliche Fähigkeiten treten deutlich in den Vordergrund und seine ehrlichen sowie liebenswerten Texte gehen dem Hörer erst einmal nicht mehr aus dem Gedächtnis. Die EP enthält auch ein Duett mit dem ehemaligen Keyboarder der australischen Band, The Middle East, Bree Tranter – einem Freund Corbys.

2011 veröffentlicht der australische Songschreiber auch seine Single „Brother“, die in kürzester Zeit Australiens absoluter Sommer-Hit und sogar für den Song des Jahres der APRA (Australasian Performing Right Association) ausgezeichnet wird.

Während seiner bisherigen Karriere veröffentlichte Corby bereits vier EPs, die 2011 erschienene EP „Into The Flame“ wurde sogar fünfmal mit Platin ausgezeichnet. Mit nur 22 Jahren bereits ein Multi-Platin-Künstler – das ist bei weitem kein schlechter Schnitt. Nun ist er bei Atlantic Records unter Vertrag und nimmt dort sein Debüt-Album auf. Zum Glück, denn sein Publikum kann es kaum erwarten die Ohren mit weiteren betörend-schönen Songs des jungen Australiers zu verwöhnen.

Vorschau: Nächste Woche gibt es hier ein Konzertreview der Toten Hosen zu lesen.

Über das Zusammenspiel von Mode und Lebensgefühl

Ein eigenes Modelabel, zwei Blogs, von Beruf Model und das im Alter von 25 Jahren. Unmöglich? Nein, absolut möglich! Das australische Model Natascha Witzleb hat all das mit ihren 25 Jahren bereits erreicht. Wie es dazu kam, was sie inspiriert und was sie jungen Menschen, die in der Modeindustrie Fuß fassen wollen, rät, hat sie Face2Face in einem Interview verraten.

Face2Face: Natascha, du hast bereits mit 17 Jahren dein Modelabel Miss T gegründet. Wie ist es dazu gekommen?

Witzleb präsentiert ein Kleid von Alexander Wang

In Aktion: Witzleb präsentiert ein Kleid von Alexander Wang (Foto: Natascha Witzleb)

Witzleb: Zu der Zeit war ich noch Schülerin an einer Highschool in Melbourne und habe meine Kleider selbst genäht. Mädchen aus meiner Schule kamen auf mich zu und fragten mich, wo ich diese Kleider denn gekauft hätte. Daraufhin begann ich Kleider zu nähen und zu verkaufen. Allmählich entwickelte sich daraus ein richtiges Geschäft.

Face2Face: Das heißt, du bist sozusagen in die Modebranche hineingerutscht?

Witzleb: Ja genau, alles Weitere hat sich dann so ergeben. Ich begann mir eine Marke und ein Konzept auszudenken und erstellte eine Website. Dann folgten Kollektionen, Modeschauen und der Eintritt in den Einzelhandel.

Face2Face: Hattest du als Neuling so ganz ohne Ausbildung im Modebereich Unterstützung?

Witzleb: Grundsätzlich habe ich alles selbst gemacht. Zunächst habe ich die Kleidungsstücke selbst genäht und als die Aufträge dann zunahmen, habe ich erst in Australien und später dann auf Bali und in China produzieren lassen.

Face2Face: Während deines Studiums musstest du dich dann entscheiden, ob du deine Karriere als Designerin oder dein Studium fortführen willst. Du hast dich für das Studium entschieden. Was hat dich dazu bewogen, dein Label aufzugeben?

Witzleb: Das Problem war, dass ich Vollzeit studiert habe. Gleichzeitig wurde mein Label aber immer erfolgreicher und so musste ich aus Zeitgründen einfach eine Entscheidung treffen.

Face2Face: Könntest du dir denn vorstellen eines Tages dein Label Miss T wiederzubeleben?

Witzleb: Ehrlich gesagt, nein. Wenn ich wieder als Designerin arbeiten würde, würde ich ein neues Label gründen. Die Zeit mit Miss T war großartig und ich habe sehr viel gelernt. Gleichzeitig war es aber auch ein anderer Lebensabschnitt, in dem meine Ideen und Ziele für die Marke in eine andere Richtung gingen.

Face2Face: Auch ohne dein Label bist du der Modebranche bis heute treu geblieben. Was sind deine aktuellen Projekte?

Witzleb: Heute bin ich hauptberuflich Model und Bloggerin. Ich habe den Modeblog „In Search of Sadie“  und den Foodblog „Clean Cooking Recipes“ gegründet. Der Modeblog ist stark von meiner Arbeit als Model beeinflusst. Hier präsentiere ich Kleider als Model oder poste Bilder, die, wie ich finde, inspirierend sind. Der Foodblog ist entstanden, da ich selbst einige Lebensmittelunverträglichkeiten habe. Durch den Blog möchte ich trotz des eingeschränkten Lebensmittelangebots Spaß und Abwechslung beim Essen vermitteln. Außerdem zielt er auf diejenigen ab, die sich nach einem gesünderen und glücklicheren Lebensgefühl sehnen. Meiner Meinung nach ist es für ein gutes Lebensgefühl nicht nur wichtig, in was man seinen Körper modisch hüllt, sondern auch wie man sich durch gesunde Ernährung von innen heraus etwas Gutes tun kann.

Face2Face: Du wurdest als erfolgreiche Modebloggerin Anfang des Jahres zur Paris Fashion Week eingeladen. Was hat dich dort am meisten beeindruckt?

Witzleb auf der Paris Fashion Week 2013

Ausgefallen: Witzleb auf der Paris Fashion Week 2013 (Foto: Natascha Witzleb)

Witzleb: Ich war bereits zweimal als Bloggerin bei der Paris Fashion Week, zuletzt im März diesen Jahres. Gerade die Orte, an denen die Modenschauen stattfinden, empfand ich als sehr beeindruckend. Im Gegensatz zu New York oder Sydney, wo die Schauen oftmals in großen Zelten stattfinden, werden in Paris eigens dafür wunderschöne Gebäude angemietet.

Face2Face: Was inspiriert dich und gibt es Vorbilder an denen du dich orientierst?

Witzleb: Vorbilder in Form von anderen Designern habe ich nicht. Natürlich gibt es Designer, deren Arbeit oder Stil ich bewundere, zum Bespiel Nicolas Ghesquières Arbeit für Balenciaga, oder Riccardo Tiscis Designs für Givenchy. Isabel Marant bewundere ich besonders für ihren lässigen Stil. Mein ganz persönliches Vorbild ist jedoch meine Großmutter, die ebenfalls eine äußerst kreative Frau war.

Face2Face: Natascha, nun noch eine etwas andere Frage: Was wäre aus dir geworden, wenn es im Modegeschäft nicht geklappt hätte?

Witzleb: Vermutlich eine Künstlerin. Ich liebe es zu zeichnen, zu fotografieren; etwas zu erschaffen und zu entdecken. Es wäre auf jeden Fall etwas sehr Kreatives geworden.

Face2Face: Was würdest du zum Abschluss jungen Menschen raten, die ins Modegeschäft einsteigen möchten?

Witzleb: Man sieht ja an meinem Beispiel, dass ich eine Quereinsteigerin im Modegeschäft war. Da ich auch kein Modestudium absolviert habe, kann ich nicht beurteilen, ob ich eher zu einem Studium raten soll oder einfach dazu, das zu machen, was einem Spaß macht. Lernt man auf eigene Faust, muss man auf Rückschläge gefasst sein, aber genauso erhält man auch Erfahrung und Selbstvertrauen. Bei dieser Alternative würde ich aus heutiger Sicht auf jeden Fall einen Mentor empfehlen, der Hilfestellung leistet. Generell sollte man meiner Meinung nach einfach das tun, was einen glücklich macht. Das ist alles was zählt.

Vorschau: Nächste Woche wird in der Moderubrik ein Artikel zum Thema „Sale“ erscheinen.

 

Das Great Barrier Reef – Eintauchen in eine der schönsten Unterwasserwelten weltweit

Ein besonderer Anblick: Wasserschildkröten schweben über das Riff (Foto: Behrendt)

Das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens wurde nicht ohne Grund von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt – es ist das größte Korallenriff der Erde und Lebensraum tausender Meeresbewohner. Mit einer Länge von über 2000 Kilometern kann man es sogar mit bloßem Auge vom Weltall aus sehen. Dass das siebte Weltwunder der Natur jährlich mehrere Millionen Besucher anlockt, dürfte also kaum überraschen. Das Great Barrier Reef gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen Australiens und macht einen großen Teil des Tourismus aus.

Vielfältige Korallenformationen und farbenprächtige Fische: Tauchen am Great Barrier Reef (Foto: Behrendt)

Die Tourguides operieren von den Küstenstädten aus, hauptsächlich von den größeren Städten Airlie Beach und Cairns. Egal, ob Tagesausflüge oder mehrwöchige Segelturns, es ist für jeden etwas dabei. Für eine bestimmte Zielgruppe ist eine Reise zum Great Barrier Reef jedoch von besonderem Interesse: Sporttaucher aus der ganzen Welt kommen nach Australien, um in eine der schönsten Unterwasserwelten einzutauchen.

Für diejenigen, die bereits Erfahrung im Tauchsport haben, aber die happigen Preise für einen mehrtägigen Aufenthalt auf einem Tauchboot nicht zahlen können, gibt es von verschiedenen Veranstaltern ein Freiwilligenprogramm, das einem das Herz höher schlagen lässt. Denn wer sich nicht dazu zu schade ist, sich die Hände beim Spülen und Putzen schmutzig zu machen, bekommt im Gegenzug einen einwöchigen Aufenthalt auf dem Tauchboot umsonst – das Beste daran: drei Tauchgänge pro Tag inklusive. Wer kein Problem damit hat, sich die Kabine mit anderen Crewmitgliedern zu teilen, kann mit diesem verlockenden Angebot nichts falsch machen.

Zum Glück ungefährlich: Weißspitzenriffhaie (Foto: Behrendt)

Bereits vor dem Frühstück hat man die Möglichkeit, in die einzigartige Unterwasserwelt des Korallenriffs einzutauchen – das Zusammentreffen mit Wasserschildkröten, farbenprächtigen Fischen und sogar Riffhaien ist dabei keine Seltenheit. Jeden Tag werden verschiedene Tauchplätze angefahren, sodass Abwechslung garantiert ist. Bis zu 30 Meter geht es in die Tiefe. Hier trifft man nicht nur auf viele Meeresbewohner, sondern kann auch außergewöhnliche Korallenformationen bewundern. Dass man beim Tauchen nicht mal einen Neoprenanzug tragen muss, da das Wasser das ganze Jahr über angenehm warm ist, ist ein weiterer Pluspunkt.

Wenn man als Freiwilliger nicht gerade spült oder die einzigartige Unterwasserwelt erkundet, kann man sich in der Sonne erholen und sich darüber freuen, ein so wunderbares Erlebnis (fast) umsonst bekommen zu haben.

Vorschau:  Am Dienstag, 21. Mai erfahrt ihr etwas über Kochen im Urlaub.

 

Elektronik-Soul aus Australien

Viele Musiker sind sehr kreativ und innovativ schaffende Menschen. Doch bei den Meisten fehlt einfach der letzte Sprung zur Bekanntheit  und dem endgültigen kommerziellen wie medialen Durchbruch. Wenn die eigenen Werke es nicht schaffen sich bei einem größeren Publikum zu etablieren – seien sie auch noch so gut – dann wird häufig auf das „Cover“ (zu Deutsch: das Nachspielen eines Songs von einem anderen Künstler) zurückgegriffen. Ein gutes Beispiel für diesen kleinen Trick war 2008 der belgische Musiker Milow. Nachdem seine bisherigen Lieder zwar in den Charts landeten, er aber noch mehr wollte, versuchte er sich an einer Adaption des Liedes „Ayo Technology“ von 50 Cent und Justin Timberlake. Die Platzierungen in den internationalen Charts verhalfen ihm zum Durchbruch und er hatte es geschafft.

Heute möchte nun die Face2Face-Redaktion einen Musiker vorstellen, dessen Bekanntheitsgrad sich zurzeit langsam aber beständig ausbaut. Die Rede ist von Chet Faker.

Chet Faker bei den Rolling Stone Awards, 2013

Die Soul-Stimme auf Elektronik-Beats: Chet Faker bei den Rolling Stone Awards, 2013

Chet Faker, der mit bürgerlichen Namen James Nicholas Murphy heißt, hat vor einiger Zeit ebenfalls ein Cover eingespielt. Den Song „No Diggity“ der eigentlich von der Hip-Hop-Legende Dr. Dre in Zusammenarbeit mit Blackstreet entstand, wurde von Faker in eine Mischung aus langsamen Elektronikklängen mit einem Hauch von Soul umgewandelt. Eine Art und Weise, die es kaum ermöglicht, dass Original herauszuhören und einen kompletten neuen Song geschaffen hat. In der großen Youtube-Gemeinde und auch auf Facebook feiert dieses Cover bereits eine hohe Begeisterung und bekommt viel Aufmerksamkeit. Newcomer Passenger (Interpret des Songs „Let her go!“) und Ed Sheeran (Interpret der Songs „Lego house“ und „Small bump“) fertigen sogar schon bei einem Liveauftritt für einen amerikanischen Radiosender ein Cover an, dass ein Mix aus „Thrift Shop“  (zu Deutsch: Gebrauchtwarenladen) von Macklemore und dem Cover von Faker ist.

Sein elektronischer Soul brachte, dem 1989 in Melbourne in Australien geborenen Musiker, bereits einige Preise ein. Nachdem er 2012 bei  dem Musiklabel Downtown Records einen Vertrag unterschrieben hatte machte er viel Musik in Kooperation mit Flume, einem erfolgreichen DJ aus Australien. Die beiden Künstler produzierten den Hit „Left alone“ (zu Deutsch: zurückgelassen), der in die australischen Single Charts im März 2013 auf Platz eins kam.

Sein Debutalbum, das er im Jahr der Vertragsunterzeichnung veröffentlichte, wurde auch schon mit den Auszeichnungen, wie dem „Breakthrough Artist of the Year“ und dem „Independent Records-Award“ honoriert. Sein bisherig größter Erfolg dürfte allerdings der Gewinn des „Best Independent Release-Award“ des Rollings-Stones-Magazin sein. Mit diesem Sieg hat er nun den Grundstock für seinen weiteren musikalischen Weg gelegt. Die Kombination der Genre Future Beat und Modern Soul treffen genau den Zeitgeist. Obwohl die elektrische Musik im Allgemeinen zurzeit ein Trendobjekt ist,, schafft es Faker sich aus der Masse abzuheben und eine eigene Musikrichtung zu etablieren.

Noch ein Tipp an alle, die sich diesen jungen Künstler gerne live ansehen wollen:  Am Dienstag, den 28. Mai spielt er im Karlstorbahnhof in Heidelberg.

Vorschau: Und nächsten Samstag gibt es hier für euch ein Review zu einem Lana Del Ray-Konzert

Der große Mentalitätencheck, Teil 9: Australien

Wie sieht es in einem fremden Land aus? Sind Impfungen notwendig, um dorthin zu reisen? Und: Was kann man dort unternehmen? Das sind nur einige der Fragen, die man sich vor Antritt einer Reise nur allzu häufig stellt. Mit eine der interessantesten Fragen ist jedoch die nach dem Verhalten der Einheimischen, ihren Bräuche und Sitten, ihrem Umgang mit Fremden – kurzum: die Frage nach ihrer Mentalität. Im großen Mentalitätencheck stellt euch die Face2Face-Reiseredaktion daher die Bevölkerung der verschiedensten Länder der Erde und ihre individuelle Mentalität vor. Heute: Australien.

Atemberaubende Küsten: Die Great Ocean Road in Australien (Foto: Behrendt)

Australien ist eines der beliebtesten Ziele für Rucksackreisende und ein favorisiertes Ziel für Auswanderer. Kein Wunder – neben einzigartigen Landschaften, viel Sonne und multikulturellen Metropolen kann man hier außerdem Einblick in eine einzigartige Lebensweise bekommen.

Australier sind ein sehr herzliches Volk. Egal wo man ist, fühlt man sich meist schnell willkommen und wird wie selbstverständlich in die Gemeinschaft aufgenommen. Das liegt vor allem am lockeren Umgang miteinander. So wird man schnell als „Mate“, eine umgangssprachliche Bezeichnung für Kumpel, bezeichnet und von steifen Umgangsformen halten Australier ebenfalls nichts. Egal ob in der Freizeit oder im Job – in den meisten Situationen sprechen sich die Einheimischen mit Vornamen an. Im Berufsleben ist von steilen Hierarchien nichts zu spüren und es wird viel Wert auf Gleichberechtigung und ein gutes Arbeitsklima gelegt.

Entspannte Atmosphäre im Park: Australier beim Barbecue (Foto: Behrendt)

Freizeitgestaltung wird in Australien groß geschrieben. Nach der Arbeit schnappen sich viele Berufstätige erst mal ihr Surfboard oder treffen sich mit Freunden zum Barbecue. Barbecues sind eine der Lieblingsbeschäftigungen der Australier. Nicht nur zu Hause, sondern auch am Strand und in Parks wird mit viel Leidenschaft gegrillt. An fast allen öffentlichen Plätzen gibt es von der Regierung bereitgestellte Barbecues, die jeder frei nutzen kann. Zu einem gelungenen Essen gehören viele Freunde und Bekannte, denn Australier lieben es in großem Kreis zusammen zu sein.

Auch im Pub gibt es ganz eigene Sitten und Bräuche. Wenn sich Bekannte im Pub treffen, wird immer abwechselnd eine Runde ausgegeben. Wenn man sich einmal eingeklinkt hat, gibt es kein Zurück mehr – wer geht ohne eine Runde bezahlt zu haben, ist seinen Ruf los.

Australier sind für ihre schwer verständliche und eigenwillige Aussprache bekannt. Selbst mit guten Englischkenntnissen dauert es eine Weile bis man sich an den australischen Dialekt gewöhnt hat. Wörter, die in anderen englischsprachigen Ländern drei Silben haben, werden in Australien oftmals auf nur zwei reduziert. So wird das Barbecue „barbie“ genannt und das Frühstück als „brekkie“, nicht breakfast bezeichnet. Weiter im Landesinneren wird die Aussprache noch undeutlicher – doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran und benutzt wie selbstverständlich Wörter, die man außerhalb Australiens nicht zu Ohren bekommt.

Wer sich einen lockeren Lebensstil mit einer abwechslungsreichen Freizeitgestaltung, sowie offenen und geselligen Menschen wünscht, ist in Australien also genau richtig. „No worries, mate“, also „Keine Sorgen, Kumpel“, ein beliebtes Sprichwort der Australier beschreibt diese Lebensweise perfekt.

 Vorschau: Am Dienstag, 26. Februar stellen wir euch ein Restaurant in Paris vor.

 

——————————————————————————————————————————————————————–

Weitere Serienteile:

Teil 1: Thailand

Teil 2: Rumänien

Teil 3: Israel

Teil 4: Schwarzwald

Teil 5: Kroatien

Teil 6: Ägypten

Teil 7: Ungarn

Teil 8: Türkei

Preview: Februar 2013

Der Januar bei Face2Face war so vielfältig wie die Wetterkapriolen im ersten Monat des neuen Jahres: Thai-Robic im Fitness-Test, gute Vorsätze für 2013 und die aktuelle politische Sexismus-Debatte.

Und genauso kunterbunt geht es im Februar auch weiter: Die Musik-Redaktion beschäftigt sich mit Helden in der Musikszene, im Sport lest ihr die Ergebnisse des Super Bowls und die FilmKunstKultur-Redaktion stellt euch das Odeon-Kino in Mannheim vor. In der Tier&Umwelt-Rubrik bleibt es mit Tierspuren im Schnee winterlich. Sommerliche-heiß wird es dagegen in der Reise-Rubrik mit dem Mentalitätencheck Australien. Die Tipps&Tricks-Redaktion widmet sich unter anderem dem Thema PC-Spielsucht und unsere Mode-Autoren vergleichen verschiedene Beautybox-Abos. Erfahrungen aus einem Malkurs schildern die Face2Face-Kolumnisten und im Panorama steht uns Schauspieler Matthias Schweighöfer in einem Interview Rede und Antwort zu seinem neuen Film Der Schlussmacher.

Ihr möchtet auf eurer Facebook-Startseite immer die aktuellsten Face2Face-Artikel angezeigt bekommen? Dann liked unsere Facebook-Seite!

Bin ich langweilig? Oder: Als plötzlich alle anfingen, ihr Leben zu feiern

Neulich telefonierte ich mit einer alten Freundin. Wie aus dem Nichts eröffnete sie mir, sie plane eine Auslandsreise – mal eben nach Australien. Drei Monate work and travel, ganz allein auf große Rundreise. Schön, schön, dachte ich mir. Noch so eine.

Mir begegnet das „Phänomen Ausland“, wie ich es nennen möchte, in letzter Zeit auffallend oft. Seien es nun die frischgebackenen Abiturienten, die beschließen, das mütterliche Nest zu verlassen, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viel von der Welt zu sehen oder die Studenten, welche es ebenfalls nur allzu oft in die Ferne zieht. Es wundert mich einerseits kaum, dass mancherlei Jungspund die Gunst der Stunde nutzt, da sich, wie viele sagen, im Leben keine bessere Gelegenheit mehr dazu auftun würde. Nie werden wir freier, unabhängiger und risikofreudiger sein. Zumindest gilt das für die anderen. Meine Risikobereitschaft ist seit dem letzten Fahrradunfall, von dem sich meine optisch mächtig ramponierten Knie bis heute nicht erholen wollen, bereits ausgereizt. Ich wähne mich schon in völliger Freiheit, wenn ich mir abends vor dem Schlafengehen ein belegtes Brot gönne, obwohl ich doch eigentlich auf Kohlenhydrat-Diät bin. Da ich offensichtlich die einzige zu sein scheine, die es nicht beim nächstbesten Erasmus-Aushang neben der Bibliothek nach Südspanien zieht, sollte ich mir wohl unweigerlich die Frage stellen: Bin ich langweilig?

Über alle Berge: Jetzt nichts wie weg. (Foto:Föhr)

Ist ja nicht so, dass wir früher nicht alle gemeinsam unser Leben feiern konnten. Damals als Schulkinder waren wir alle (bis auf eine Handvoll Ausreißer, die sich über die Landesgrenzen, wenn nicht über den großen Teich, gewagt haben) genügsam und geduldig. Wir waren bereits froh, als wir länger als bis zwölf Uhr in der Nacht ausgehen durften und unsere Auslandsaufenthalte beschränkten sich auf zwei Wochen Ferien mit den Eltern am Bodensee oder am Mittelmeer. Hielt man allerdings erst einmal die langersehnten Hochschulzeugnisse in Händen, trugen einige bereits die Wanderstiefel unter dem Ballkleid. Schnurtracks nach draußen: In Urwäldern mit Affen turnen oder in Südafrika ein halbes Jahr lang Durchfall. Hauptsache kein 08-15-Lebenslauf, kein nahtloser Übergang vom Gymnasium zur Uni. Mir hat die Familie noch wochenlang applaudiert, nachdem ich meine Umzugskiste gepackt und 250km weit weg in eine Studenten-WG gezogen bin. Glücklicherweise sind meine Kommilitonen ähnlich ängstlich veranlagt. Da gelte ich als Ex-Nesthockerin schon beinahe als Volksheldin.

Doch nach und nach sollte ich die Fraktion Auslandssemester kennenlernen. Die einen wollen plötzlich im kommenden Semester nach Indonesien aufbrechen, die anderen liegen mit ihren wilden  England-Erfahrungen (ein ganzes Jahr voller Alkoholexzesse und nur zwei belegten Kursen im Hauptfach) in den Ohren. Ich halte dagegen mit Geschichten aus dem Sommerurlaub in der Hotelanlage mit meinem Freund. Und natürlich mit brav eingehaltener Regelstudienzeit plus dem ein oder anderen abendlichen Amusement im Club um die Ecke. Kein Grund, mich zu schämen, wie ich finde. Wenn alles glatt läuft, habe ich schon bald einen Beruf, bei dem ich mehr auf Achse sein werde als ein Skateboard. Vielleicht entwickele ich dann ja auch so etwas wie chronisches Fernweh. Bis dahin lausche ich weiter gespannt den Anekdoten meiner reiselustigen Freunde und statte eventuell dem nächsten Erasmus-Kneipenabend einen Besuch ab.

Und meine Freundin mit Down Under-Plänen? Die zieht bald mit ihrem Freund zusammen und fängt eine Ausbildung an. Nach Australien kann sie später schließlich immer noch, findet sie.

Vorschau: In der nächsten Woche erklärt Kolumnist Sascha, was es mit der englischen Sprache hier bei uns auf sich hat und was sie für Schwierigkeiten mit sich bringt.