Nicht denken, machen

Ausgedacht? Manchmal denken wir so viel, dass die Zeit zum Machen fehlt (© I-vista / pixelio.de)

Ausgedacht? Manchmal denken wir so viel, dass die Zeit zum Machen fehlt (© I-vista / pixelio.de)

Die Liste ist endlos. Fein säuberlich aufgeschrieben stehen da Dinge wie „Bewegungsmelder anbringen“, „Arbeitszimmer aufräumen“, „zum Frisör gehen“ und mehr. Die zweite Ferienwoche ist vorbei und mein Ehegatte sitzt auf dem Sofa und grübelt. „Ich hab so viel zu tun. Ich hab so viel zu tun. Was muss ich denn noch machen?“ Die Liste wächst, er überlegt, sie wächst weiter. Zwei Tage braucht er allein dafür, sich zu überlegen, wie er einen der zwei Bewegungsmelder, die sein Plan vorsieht, anbringt. Kaum will er ihn anschrauben – so richtig mit Schrauber in der Hand – wird ihm klar, dass es anders vielleicht doch besser gewesen und er überlegt weiter. Logisch, dass die Liste am Ende nicht wirklich geschrumpft ist.

Was ist es nur, dass wir manche Dinge immer wieder im Kopf durchgehen, statt einfach zu handeln. Ja, manchmal begehen wir dann Fehler und müssen den Bewegungsmelder wieder abschrauben, haben Löcher an der Decke, die wir kitten müssen oder die eben einfach nicht schön aussehen. Aber durch Fehler wird man klug, deshalb ist einer nicht genug – stand jedenfalls schon im Poesiealbum meiner Mutter. Und das Prinzip des Scheiterns hat es doch mittlerweile schon in die Liga der anerkannten Erfolgspraktiken geschafft. Manchmal müssen wir eben etwas riskieren.

Losgelegt: Manchmal müssen wir das Denken einfach sein lassen (Foto: Obermann)

Losgelegt: Manchmal müssen wir das Denken einfach sein lassen (Foto: Obermann)

Ich gebe ja zu, auch ich bin eher ein Kopfmensch. Ich liebe es, mir Szenarien zu überlegen, Details auszuarbeiten und zu planen, wie ich etwas möglichst effektiv umsetze. Das Sparschwein meines Jüngsten etwa wartete über eine halbes Jahr, ehe ich es endlich mit Acrylfarben zu dem machte, was es nun ist. Aber warum da aufhören? Wer nicht umsetzt, was er sich ausgedacht hat, wird nie erfahren, ob seine Idee etwas taugt oder einfach nur sehr phantasievoll war. Mut gehört dazu, natürlich, aber nicht jeder Bewegungsmelder ist das gleiche wie die Neugründung einer Firma.

Und wo wir gerade dabei sind: Manchmal, gerade wenn mehrere beteiligt sind, kann es gar nicht funktionieren, alle zufrieden zu stellen. Schon beim Abendessen für fünf Personen steckt immer jemand zurück, die Platzierung des Bewegungsmelders scheitert schon an der eigenen Meinungsverschiedenheit mit sich selbst. Zu handeln und etwas zu riskieren heißt eben manchmal auch, andere vor den Kopf zu stoßen. Beispielsweise bei einem schwierigen Thema wie der Flüchtlingswelle einzuschreiten, wenn andere versagen, und verzweifelnden Menschen zu helfen.

Mutiert zum Denker? Kennt jeder (© Juli Gänseblümchen / pixelio.de)

Mutiert zum Denker? Kennt jeder (© Juli Gänseblümchen / pixelio.de)

Ob in dem Fall eine Pro- und Contra- Liste wie sie manch einer gerne für seine eigenen Pläne entwirft hätte helfen können, bezweifle ich stark, denn es gibt nun mal Fälle, in denen der Bauch den Kopf um Längen schlägt. Wenn bei der Anbringung des Bewegungsmelders Lichteinfall und Radius von Bedeutung sind, geht es doch in anderen Punkten vielleicht eher um die Frage, ob wir nachts noch gut schlafen können, ob wir mit uns selbst zufrieden sind oder auch nur ein bisschen glücklicher. Gefährlich wird es allerdings, wenn der Drang zum Aufschieben pathologisch wird und in de Prokrastination endet.

Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen und solange wir unsere Träume nicht verwirklichen, können wir nicht mehr neu träumen. Dass die Bewegungsmelder ihren Weg noch diesen Sommer an ihre gut durchdachten Bestimmungsorte finden, bezweifle ich ja, aber wenn sie irgendwann einmal angebracht sind, haben sie wenigstens den besten Platz. Immerhin liegen sie schon bereit. Andere Pläne lassen sich nicht so leicht und schnell in die Tat umsetzten.

Traum und Tat: Manchmal trennt das nur ein schmaler Grat (© Bern Kasper / pixelio.de)

Traum und Tat: Manchmal trennt das nur ein schmaler Grat (© Bern Kasper / pixelio.de)

Gutes Beispiel: Manuskripte. Auf meiner Festplatte warten jetzt fünf Manuskripte auf ein Weiterleben. Vor allem Unsicherheit ist es, die mich hadern lässt. Viele Möglichkeiten, viele Ängste. Wann wage ich so viel, dass sich der Gewinn nicht mehr lohnt? Wann wird ein Traum nicht umgesetzt, sondern zerplatzt? Ja, es ist nicht leicht, den entscheidenden Schritt zu wagen und etwas von der Vorstellung in die Realität zu übertragen. Aber reicht das als Ausrede. „Nicht weil etwas schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwer“, lautet ein anderes Sprichwort von Seneca. Darum versuche ich es immer mal wieder mit meinen Büchern, Geschichten, Gedichten. Darum fühlen wir uns so ehrleichtert, wenn wir doch mal einen Plan umgesetzt haben. Darum bin ich unheimlich stolz, einer Nation anzugehören, die in den letzten Tagen weltweit ein Zeichen für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gezeigt hat. Manchmal ist es ganz einfach.

Vorschau: In zwei Wochen sagt euch Anne, wann ihre Großeltern nicht mehr wegsehen können.

Schon gelesen – mit jedem Buch eine Herausforderung

Ein Stück meines SuB - Stapel ungelesener Bücher (Foto: Obermann)

Ein Stück meines SuB – Stapel ungelesener Bücher (Foto: Obermann)

Ich bin das, was man gemeinhin als Bücherwurm bezeichnet. Wir selbst nennen uns lieber bibliophil. Das vermeidet die Verwechslung mit einem Insekt und klingt auch gleich viel schöner. Außerdem sagt bibliophil aus, dass Bücher eben nicht nur gefressen werden, wie das Bild des Bücherwurms es mit sich bringt, sondern dass Bücher geliebt werden. Und obwohl meine Leidenschaft für Bücher mir seit langem bekannt ist, habe ich sie schändlich vernachlässigt. Zwischen Windeln wechseln, Recherchen und Artikel schreiben habe ich meine Abende nach erfolgreichem ins Bett bringen der Kinder nicht etwa mit einem guten Buch verbracht, sondern mit Fernsehen. Meist waren das noch nicht mal gute Filme sondern schlechte Wiederholungen von noch schlechteren Serien.

Einmal durchs Regal: Jeden Monat neue Aufgaben (© Sari von Saris Bücherwelt)

Einmal durchs Regal: Jeden Monat neue Aufgaben (© Sari von Saris Bücherwelt)

Das sollte sich ändern. Ich wollte zurück zum Buch. Darum habe ich mich nach so genannten Lesechallenges umgesehen und eine gefunden, die mir bietet, was ich wollte. Die Herausforderungen werden monatlich ein Jahr lang von den Initiatoren veröffentlicht und müssen dann von den Teilnehmern erfüllt werden. Die Aufgabe kann sein, einen Krimi zu lesen oder einen Liebesroman, ein Buch mit rotem Einband oder eines mit nur einem Wort im Titel. Ich habe mich für „Einmal durchs Regal“ entschieden. Da gibt es jeden Monat eine Hauptaufgabe und zwei Nebenaufgaben. Alle Bücher müssen mindestens 200 Seiten haben. Zusätzlich gelesenes kann auch angerechnet werden. Einzige Voraussetzung: Ich muss auf meinem Blog eine Seite für die Aufgaben erstellen und dort wenigstens ein Kurzfazit einstellen oder den Link zu meiner Rezension hinterlegen. Zusätzlich gibt es zur Organisation eine Facebookgruppe. Monatlich zählen die zwei Initiatorinnen die Punkte zusammen, die es fürs Lesen und Rezensieren gibt.

Genug Lesestoff? Mein Regal ist gut gefüllt (Foto: Obermann)

Genug Lesestoff? Mein Regal ist gut gefüllt (Foto: Obermann)

Für meine Leseabende habe ich so ganz neuen Antrieb bekommen. Immerhin will ich ja die Herausforderungen, die ich angenommen habe, auch erfüllen. Auch wenn das heißt, dass ich in eher ungeliebten Genres neue Wege bestreiten muss. Immerhin kann ich so auch Neues kennenlernen und auch Bücher, die mir nicht so gefallen, können noch ihre Überraschungen bereit halten. So war der Liebesroman, den ich im Januar lesen sollte mit „Verdammt, er liebt mich“ ganz gut besetzt. Mal ganz abgesehen von den Genres, die mir ohnehin gefallen. Mit den Rezensionsexemplaren für „Blogg dein Buch“ und etwaige Verlage sowie den Büchern, die ich für die Uni lesen muss, komme ich ohnehin auf einen beträchtlichen Stapel an Lesestoff.

Immerhin gibt es von den Initiatorinnen Sasija und Michelle auch etwas zu gewinnen, einmal nach der Hälfte und dann noch einmal zum Ende des Jahres. Manche haben zum Auftakt auch schon gut vorgelegt, mit über 1000 Seiten pro Buch. So viel kam bei mir noch nicht zusammen. Aber auf das Jahr bleibt abzusehen, wie viel Seiten am Ende gelesen sind und wer auf halber Strecke liegen bleibt. So oder so habe ich schon jetzt so viel Lesevergnügen gehabt wie schon lange nicht mehr. Etwa durch die „Pan-Trilogie“, die ich für den Januar angefangen und vor lauter Begeisterung schon zu Ende gebracht habe, oder Terry Pratchetts „Mort“, das für die Freunde der Scheibenwelt schon fast ein Klassiker ist. Ihr seht, ich bin da ganz in meinem Element und das wird wohl nicht meine letzte Herausforderung bleiben.

Vorschau: Sascha frägt sich nächste Woche, ob immer alles neu sein muss, oder nicht auch mal gebrauchtes reicht.