Ohne Karriere? Ohne uns!

Ich weiß noch, wie mein Großvater vor mir stand, der Blick mehr sorgenvoll, als abwertend, der Mund ein bisschen spöttisch. „Das geht doch nicht, dass eine Frau Kinder hat und arbeitet. Du musst dich entscheiden!“ Ich war keine 16 und von meiner Entscheidung, ob ich Kinder haben möchte oder arbeiten oder beides oder gar nichts, meilenweit entfernt. Als ich mit 20 auf seinem Sofa saß und ihm offenbarte, dass ich schwanger war – mitten im Studium, aus einer Arbeiterfamilie stammend – ignorierte mein Opa die Frage seiner Frau, ob der Vater des Ungeborenen denn mein Ehemann würde (Spoiler: mittlerweile ist er es , aber es hat noch ein paar Jahre gedauert) und fragte stattdessen „Und was wird aus deinem Studium?“ Denn auch wenn mein Opa wusste, dass die Welt für mich einfacher gewesen wäre, wenn ich nur eines gewollt hätte, oder zumindest nicht alles auf einmal, wollte er unter allen Umständen, dass ich seine Worte von damals Lügen strafte.

Der Sinn des Lebens

Kind, Karriere, Küchenfee: Vor allem auf Frauen wächst der Druck, alles auf einmal zu sein (Foto: geralt / pixabay.de)

Mein Großvater ärgerte sich gern über die Welt und ihre Kleinigkeiten, aber er wollte, dass sie eine bessere wurde. Ich war sein einziges Enkelkind, das studiert hat – meinen Abschluss hat er nicht mehr erlebt. Er hat dabei nie von Karriere gesprochen, immer nur von arbeiten. Heute könnten wir uns gemeinsam aufregen. Kind und Karriere, die zwei Ks, die durch die Küche zur perfekten Trias werden. Und weil Karriere einen besseren Ruf als Küche hat, ist der Weg der Frau dorthin nicht leichter, aber angesehener, während die Küche für den Mann oft ein sagenumwobener Raum voll Nahrungsmittel in ihren Rohzuständen, dem brummenden Zauberkasten, der Geschirr saubermacht, und der Quelle kühler Getränke wird. Ja, ich übertreibe. Ja, ich meine es wirklich so. Karriere, das ist das neue Nirwana, der Weg der Erlösung, die vollkommene Erfüllung unseres Lebenssinns.

Karrieredämon

Der Dämon mit der Aktentasche: Karriere ist das neue Nirwana (Foto: StockSnap / pixabay.de)

So ein gequirlter Schwachsinn. Seien wir mal ehrlich: Ein großer Teil aller Arbeitnehmer steht morgens auf, reibt sich die geschwollenen Augenlider, trinkt einen Muntermacher und schleppt sich zu einer Arbeit, die ihn nicht erfüllt. Ob Karriere oder nicht. Manager leiden genauso oft am gefürchteten „Burn-out“ wie Lehrer, Berühmtheiten, Köche, Ärzte, Supermarktangestellte. Warum? Weil wir den Hals nicht voll bekommen können! Karriere machen heißt nicht, an eine Spitze gelangen, sondern immer weiter nach oben zu streben. Nicht nur eine gute Stellung haben, sondern auch gute Arbeit leisten. Mittelmäßigkeit scheint der Tod jedes Lebenssinns zu sein. Ich sehe da nur zwei Probleme: Menschen arbeiten unterschiedlich, haben unterschiedliche Stärken und darum auch unterschiedliche Mittelmäßigkeiten. Und niemand kann ständig 100 Prozent geben, nicht nur, weil er dann bald nur noch 0 Prozent Leistung hat, sondern auch, weil sonst seine Auslastung zur Norm wird. Zur Mitte, die es zu übertrumpfen gilt. Karriere, dieses toll klingende Wort, dem alle gerecht werden sollen, ist ein Dämon mit Aktenkoffer.

Die grauen Herren

Immer alles gebe? Wer immer auf 100% fährt, kommt schnell ans Ende seiner Kräfte (Foto: geralt / pixabay.de)

Mich dünkt, Michael Ende hat für Momo nicht umsonst die grauen Herren mit Zigarre und Aktenkoffer versehen. Auch wenn heute die Zigarre gegen einen Weizengrassmoothie ausgetauscht werden kann, bleibt die Botschaft bestehen. Wer immer mehr will, hat am Ende nichts mehr. Darum sehe ich auch den Begriff „Quality Time“ sehr zwiegespalten. Es ist toll und absolut wichtig, sich bewusst Zeit für sich selbst und die Familie, egal in welcher Form, zu nehmen. Das füttert unseren Akku, bringt uns zum Lachen, zum Lieben, zum Leben. Ein Schaumbad, ein Spaziergang, ein Tag im Garten und es geht uns besser. Da kommt der leise Zweifel in mir hoch, warum dann dieser Karrieretrieb, der uns so auslaugt, so viel wichtiger sein soll. Ja, es gibt Menschen, die das Glück haben, zu lieben, was sie tun. Ich liebe es zu schreiben, also gehöre ich definitiv dazu. Wenn ich damit jetzt noch meinen Lebensunterhalt bezahlen kann, ist meine Welt perfekt. Und wie teuer mein Lebensunterhalt ist, hängt von mir ab. Minimalismus ist längst Teil unseres Lebens geworden. Wir besinnen uns auf eine Umgebung, die mehr von uns hat, anstatt einfach nur „Mehr“. Warum darf das für unsere Arbeit nicht auch gelten? Egal, ob an der Kasse, auf dem Bau, beim Haareschneiden, an der Tafel oder im Büro. Weniger – und ja, das meine ich ernst – ist auch da mehr.

Vor zwanzig Augenpaaren – meine Arbeit als Dozentin

Ein bisschen bin ich schon aufgeregt. Mit einer Mappe an Unterlagen in der Tasche, abgezählten Kopien und Folien für den Projektor, bin ich auf dem Weg zum Seminar. Doch ich werde diesmal keine Teilnehmerin sein, keine Studentin, die eine Schein braucht. Dieses Mal bin ich die Dozentin. Mein erster Kurs, ein kleiner Einführungskurs, zwanzig Augenpaare, die auf mich gerichtet sind.

Situationswechsel

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Endlich Dozentin: Das erste Seminar für unsere Kolumnistin (© l-Vista / pixelio.de)

Ich kann mich an mein Einführungsseminar damals, vor fünf Jahren noch gut erinnern. Auch meine Dozentin war eine junge Doktorandin, letztes Jahr hat sie promoviert. Und damals war ich so begeistert, dass ich wusste, wenn sich mir die Möglichkeit bietet, will ich da auch einmal stehen. Vorne, erklärend, lehrend, dozierend. Und das, obwohl ich niemals Lehrerin werden wollte – auch heute will ich das nicht. Aber an der Universität lehren – ein kleiner Traum von mir, der in Erfüllung gegangen ist. Der Stoff ist der gleiche geblieben, der gleiche Roman wird gelesen, um die Funktion des Autors zu verdeutlichen, die gleichen theoretischen Texte liegen im Portal der Studierenden. Auf meinem Rechner sind noch die Unterlagen von vor fünf Jahren gespeichert. Heute greife ich wieder darauf zurück, wandle Arbeitsblätter ab und lese nach. Irgendwie bin ich gerade beides, Studentin und Dozentin.

Der fremde Blick

Manchmal fühle ich mich dann verfolgt, von den Blicken, die ich prüfen soll, bei denen es mir aber so vorkommt, als würden sie mich prüfen. Ein Tuscheln, ein Kichern und ich werde unsicher. Haben wir damals nicht auch über Dozenten getratscht? Manchmal bekomme ich dann den Eindruck, ich labere bloß, komme nicht auf den Punkt. Plötzlich wird mir klar, warum für den Dozenten die Seminarzeit zu kurz ist, warum manches bis zur Ermüdung wiederholt wird, warum es trotzdem Leerstellen gibt. Als Dozent Fehler zu machen ist fatal. Ich überprüfe mich selbst, verdeutliche, was auch beim letzten Seminarteilnehmer ankommen muss. Keine Woche vergeht, ohne fragende E-Mails, zu jeder Zeit, auch an Ostersonntag und Ostermontag.

Angekommen?

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Neuer Platz. Als Dozentin sieht Vieles anders aus (© Rainer Sturm / pixelio.de)

Ich freue mich trotzdem auf meine Sitzung, rolle die Augen über Fragen, die im Grunde selbst zu beantworten sind, seufze, wenn das zum x-ten Mal Erklärte trotzdem falsch gemacht wird. Ich habe einen guten Kurs erwischt. Die Teilnehmer machen mit, sind neugierig und nicht auf den Kopf gefallen. Schweigen sie mich an, kann ich sie zum Mitmachen bewegen, sind sie zu laut, bekomme ich sie leise. Ich weiß von Kollegen, dass das auch im Uni-Alltag nicht selbstverständlich ist, dabei sollten doch gerade im Studium die Leute selbstorganisierter und teilnahmebereiter sein. Es gibt Sitzungen, nach denen mir auffällt, was ich alles hätte besser machen können und solche, nach denen ich einfach zufrieden bin. Kein wahrgewordener Traum ist noch ein Traum, aber da vorne, zwanzig Augenpaare auf mich gerichtet, mit all meinen Fehlern, die sich einschleichen, fühle ich mich trotzdem wohl. Und solange ich dort stehen kann, werde ich es tun.

Vorschau: In zwei Wochen geht es aktuell weiter der Frage nach dem Ende der Satire.

War for talents – oder doch nicht?

Freut sich über die Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit - und wir freuen uns über die spannenden Ergebnisse: Alice Schweitzer (Foto: privat)

Freut sich über die Abgabe ihrer Bachelor-Arbeit – und wir freuen uns über die spannenden Ergebnisse: Alice Schweitzer (Foto: privat)

Sie sind gut ausgebildet und hochqualifiziert: Hochschulabsolventen. Ein regelrechter „war for talents“ (zu Deutsch: Kampf um Talente) ist um die Studenten der Generation Y entbrannt – so zumindest die Theorie. In ihrer Bachelor-Arbeit geht Alice Schweitzer den wirklich brennenden Fragen auf den Grund: Absolventen welcher Fächer werden zurzeit gesucht? Und liegt die größte Herausforderung von Hochschulabsolventen tatsächlich darin sich zwischen unzähligen, tollen Jobangeboten entscheiden zu müssen?

Face2Face: Wie sehen denn die Chancen für Hochschulabsolventen auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus?
Alice: Aufgrund des demografischen Wandels stehen die Chancen für Hochschulabsolventen derzeit sehr gut. Es gibt mehr alte als junge Menschen. Vor allem  qualifizierte, junge Menschen werden deshalb händeringend gesucht.

Face2Face: In deiner Arbeit ist sogar von einem „war for talents“ die Rede. Spürst du als Hochschulabsolventin oder deine ehemaligen Kommilitonen etwas davon?
Alice: Leider nein. Das liegt wahrscheinlich an unserem Studiengang Medien- und Kommunikationsmanagement. Wirtschaftliche Studiengänge sind sehr beliebt. Hier gibt es viele qualifizierte Absolventen, daher ist die Nachfrage in diesem Bereich größtenteils gedeckt. Bei technischen Studiengängen sieht es da schon anders aus.

Face2Face: Absolventen welcher Fächer werden denn zurzeit besonders gesucht?
Alice: Absolventen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) werden dringend gesucht. Grund dafür ist unter anderem eine Rezession um 1993/94. Zu dieser Zeit fiel die Nachfrage nach Ingenieuren und es kam zu Einstellungsstopps. Daher wählten damals viele Hochschüler andere Fächer. Jetzt fehlen genau diese qualifizierten Fachkräfte. Die Auswirkungen spürt die Wirtschaft heute noch.

Face2Face: Für deine Arbeit hast du auch eine Umfrage unter Hochschulabsolventen durchgeführt und sie gefragt, was sie sich von ihrem zukünftigen Arbeitgeber wünschen. Was haben sie geantwortet?
Alice: Sie wünschen sich vor allem ein gutes Betriebsklima, einen sicheren Arbeitsplatz und Weiterbildungsmöglichkeiten. Selbstverständlich spielt auch eine gute Bezahlung eine Rolle.

Face2Face: Gibt es deiner Recherche nach Unternehmen, die sich große Mühe geben, den Anforderungen der Hochschulabsolventen gerecht zu werden? Stichwort: Employer Branding.
Alice: Ja, vor allem große Unternehmen wie Daimler, Bosch und Co. haben Ressourcen, um gutes Employer Branding zu betreiben. Kleiner Unternehmen liegen hier etwas zurück, da sie meist nicht die finanziellen Mittel haben, um die Unternehmenskultur nach außen tragen zu können.

Face2Face: Nun bist du ja selbst Hochschulabsolventin. Worauf legst du bei deinem zukünftigen Arbeitgeber besonders wert?
Alice: Als Vertreter der Generation Y lege ich vor allem Wert darauf, dass Privatleben und Beruf miteinander vereinbar sind. Flexible Arbeitszeiten finde ich besonders wichtig. Ein Beruf muss zudem Spaß machen und ein gewisses Maß an Verantwortung darf nicht fehlen.

Jetzt seid ihr dran, liebe Leser! Wie seht ihr das? Was ist euch bei der Berufswahl besonders wichtig?

Wenn die Zeit nicht richtig tickt

Sommerzeit - und die Zeit läuft langsamer (Foto: www.helenesouza.com  / pixelio.de )

Sommer – an den See fahren, Eis essen und die Seele baumeln lassen (Foto: www.helenesouza.com / pixelio.de )

Unendlich kommen mir diese hitzigen, schwülen Sommertage, die die Zeit wie zähen Kaugummi in die Länge dehnen, vor.

Unzählige Eisportionen habe ich verputzt, im See geplanscht, Wolken beim Vorüberziehen betrachtet, mindestens 1000 Liter Sonnenstrahlen getankt und genauso viel Schweiß ist vermutlich aus meinen Poren geschossen. Ich habe ebenfalls Stunden im Büro zugebracht, der Sonne aus dem Bürofenster sehnsüchtig zugewinkt, mit trockener Kehle und schwitzigen Händen in die Tasten gehauen, was das Zeug hält. Es war ein Sommer der Extreme – der zwischen Faulenzerei und übertriebener Produktivität pendelte. Die Zeit läuft diesen Sommer langsamer als gewöhnlich. Irgendwie existiert da aber noch diese andere Zeit – eine imaginäre Uhr, die mich mit ihrem unruhigen Ticken in den Wahnsinn treiben will. Rasend schnell bewegen sich ihre Zeiger im Kreis und das Echo des Tickens lässt mein Herz bis zum Anschlag klopfen.

Wenn die Zeit mal wieder rast (Foto: Rudolpho Duba  / pixelio.de )

Wenn das Leben nur so an einem vorbeirast – kurz Mal den Stop Button betätigen (Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de )

Ich habe das Gefühl, dass mir die Zeit entgleitet, wie heißer Sand, der mir durch die Hände rinnt. Endlich den Bachelor in der Tasche, ein Praktikum in Bonn, neue Freundschaften, ja ein neuer Lebensabschnitt sogar, der direkt vor der Haustür irgendwo auf mich wartet – es gibt wenig Grund, sich zu beschweren. Und trotzdem habe ich als frischgebackene Bachelorette erst Mal Trübsal geblasen. Schuld ist die Zeit, die mir große Angst einjagt. Statt Freudentänze zu vollführen, verkroch ich mich unter der Bettdecke und prophezeite mir selbst eine düstere Zukunft. „Ich will noch so viel machen und erreichen, wie soll ich das bloß alles schaffen“, schoss es mir durch den Kopf. Der Teenager in mir wurde wieder zum Leben erweckt. Andererseits tat ich gerade so als wäre ich mit meinen 26 Jahren auf einmal unsagbar alt. Für den Arbeitsmarkt schon gar nicht mehr zu gebrauchen. Insgeheim rechne ich mir aus, was ich bis 36 geschafft haben will – und wenn meine Pläne nicht aufgehen? Das will ich mir gar nicht ausmalen.

Die Zeit beherrscht unseren Alltag (Foto: Marvin Siefke  / pixelio.de )

Die Zeit bestimmt unseren Alltag – Wir richten uns nach ihr, Tag und Nacht (Foto: Marvin Siefke / pixelio.de )

Mal bin ich die Gelassenheit in Person und in der nächsten Sekunde verwandle ich mich in ein zuckendes Nervenbündel. Nachts bekomme ich kein Auge zu, sehe Bewerbungsfristen und To Do’s vor meinen Augen flimmern –  vielleicht nur eine  Fata Morgana? Mir ist jeden Falls schon ganz schwindelig. Neben mir vernehme ich das unveränderte Schnarchen meines Mannes, das mich ausnahmsweise nicht um den Schlaf bringt. Nein, schuld sind meine Gedanken, die sich im Kreise drehen. Das Schnarchen hat auf mich sogar eine beruhigende Wirkung. Etwas Konstantes, Bekanntes, an das ich mich sofort schmiegen will.

Wieso bloß setzt mich die Zeit so unter Druck? Wie war das eigentlich mit Momo von Michael Ende? Die hat doch durchschaut was die Männern in den grauen Anzügen im Schilde führen. Dass sie uns die Zeit klauen.

Tick Tack Tick Tack - wenn einen die Zeit in den Wahnsinn treibt (Foto: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de)

Tick Tack Tick Tack – wenn einen das Ticken der Uhren in den Wahnsinn treibt (Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de)

Alles soll immer schneller erledigt werden: Studium in Regelzeit, Auslandsaufenthalte, nicht ein sondern gleich mehrere Praktika – hopp, hopp! Bloß keine Zeit verlieren. Und was ist mit denen, die nicht mit Karacho auf der Überholspur zum Erfolg rasen wollen – denen dieser rasante Lebensstill gegen den Strich geht? Die auch mal am Straßenrand verschnaufen wollen, ein paar Blumen, ja ganz Hippie-Like, von dem Feld pflücken, das bei steigendem Tacho, sowieso nur noch als bunter Farbklecks zu erkennen ist.

Beppo der Straßenfeger, der die kleine Momo bei sich zu Hause aufnimmt, erzählt ihr in einer bekannten Szene, wie unendlich lang ihm die Straße oftmals vorkommt. Dann hetzt er sich, will seine Arbeit immer schneller erledigen und kommt gar nicht mehr zum Verschnaufen. Beppo gibt Momo den Rat einen „Besenstrich“ nach dem anderen zu  machen: „Atemzug und Schritt und Besenstrich, dann macht es Freude, dann machst du deine Arbeit gut.“ „Man soll nie die ganze Straße denken“, konstatiert der weise Straßenfeger Beppo.

Man, denke ich. Beppo hat verstanden worum es geht. Jetzt muss ich das nur selbst noch umsetzen. Kein Wunder das Momo eine meiner Lieblingsgeschichten ist, die ich erst mit dem Erwachsen werden entdeckte und jedem nur wärmstens ans Herz legen kann. Bevor es zu spät ist!

Der prüfende Blick auf die Uhr: Ich muss noch Einkaufen gehen, eine Bewerbung schreiben und zur Bibliothek. Das Ticken spielt sich schon wieder mächtig auf. Da packe ich die Zeit an der Gurgel und sage (ich werde sonst nie handgreiflich): „Ey, halt mal die Luft an! Du gehst mir mit deinem lauten Ticken und ständigem in den Mittelpunktstellen gehörig auf die Nerven!“

Manchmal hat die Zeit uns einfach zu sehr im Griff – höchste Zeit, dass wir den Spieß umdrehen!

Vorschau: Nächste Woche berichtet Anne hier von ihren Beobachtungen bei einer Kreuzfahrt.

Du Arbeit, ich Kinder?

Ich Kinder, du Arbeit? Leider oft Alltag (©Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Ich Kinder, du Arbeit? Leider oft Alltag (©Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Neulich las ich in „Papa kann auch stillen“ von einem Paar, das von sich behauptet, alles gerecht zu teilen. Kindererziehung, Hausarbeit, Geldverdienen. Mit einem 50/50-Prinzip, dass offensichtlich beide zufrieden macht. Und ich kam ins Grübeln. Denn mal abgesehen davon, dass 50/50 mit kleinem Kind eben oft heißt, dass beide nur Teilzeit arbeiten, im besten Fall also eine dreiviertel Stelle haben, und so der Lebensunterhalt eine Rechenaufgabe wird, ist Gleichberechtigung in der Partnerschaft deutscher Haushalte eben selten 50/50.

Noch immer gehen die meisten Frauen, egal wie gut und erfolgreich sie gelernt haben, nach der Geburt des Kindes in Elternzeit. Männer nehmen oft nur die zwei sogenannten Vätermonate in Anspruch, wenn überhaupt. Dann geht die Familie nochmal genüsslich in Ferien, oder der Mann geht ein lang geplantes Projekt an. Von wegen Vätermonate. Und selbst wenn die Elternzeit nur ein Jahr dauert, reicht das, um das System, „du Haus, ich Arbeit“ in den Alltag einziehen zu lassen. Die Frau ist ja ohnehin zu Hause. Und das Kind läuft doch nebenher oder, wie schon unsere Großväter schunkelten „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“.

Geteilte Arbeit: Heißt auch mehr Zeit für sich (© Cornelia Menichelli / pixelio.de)

Geteilte Arbeit: Heißt auch mehr Zeit für sich (© Cornelia Menichelli / pixelio.de)

Dass das nicht stimmt, weiß jeder, der wirklich mal mit einem kleinen Kind zu Hause war. Neulich waren meine beiden jüngsten krank und ich war stolz wie selten, als ich es endlich geschafft hatte ein Fach der Spülmaschine auszuräumen. An dem Tag, als ich nach der Geburt meines Sohnes endlich wieder an die Uni gegangen bin, hat mein Mann nach zwei Stunden angerufen und lauthals gefleht, ich solle wieder kommen. Ja, der zweite Tag war schon viel besser und er hat es richtig genossen, Zeit mit dem Kind zu verbringen. Ordentlicher wurde es in unserer Wohnung nicht. Und ja, meine Kinder sind nicht immer krank. Trotzdem ist das frühzeitige Ausräumen der Spülmaschine zwischen Kindern, Arbeit, Promotion und Ich-selbst-sein immer noch die Kür.

50/50 ist eine tolle Sache, wenn das Paar es sich leisten kann und beide bereit sind, dafür einzustehen. Mein Mann und ich bewegen uns etwa auf 60/40, an einem guten Tag. Schon allein, weil er eben die Vollzeitstelle hat und ich (auch) von zu Hause aus arbeiten kann. Das ist schwierig, denn von zu Hause aus zu arbeiten sieht für Außenstehende oft wie Freizeit aus. Doch Freizeittechnisch sind wir dann wieder sehr gleichberechtigt, bei maximal 1% pro Tag.

Viel Wert! Von Familienzeit profitiert jeder (©Rolf Handke / pixelio.de)

Viel Wert! Von Familienzeit profitiert jeder (©Rolf Handke / pixelio.de)

Viel wichtiger als das „wir teilen uns alles“ ist doch das „bei uns hat alles den gleichen Wert“. Wenn eine Beziehung es schafft, Hausarbeit, Kindererziehung und Heimarbeit einem täglichen Brotverdienst den gleichen Wert zuzuschreiben, dann fühlt sich auch keiner zurückgedrängt oder unten an gestellt. Und damit das in allen Beziehungen funktioniert, muss dieser Gedanke auch Eingang in unsere Gesellschaft finden. Nein, ich will nicht, dass Frauen nur noch zu Hause bleiben – um Gottes willen. Und dass das Betreuungsgeld keine Wahl ermöglicht, sondern eine klare Tendenz hat, weil Familien statt Geld für einen KiTa-Platz zu bezahlen auch noch welches bekommen, wenn sie keinen nehmen, ist ein erschreckendes Zeichen der Familienpolitik unseres Landes.

Vielmehr möchte ich noch einmal auf die Idee von Teilzeit/Teilzeit zurück. Paare, bei denen beide Teilzeit arbeiten gehen und beide gleichermaßen Kindererziehung und Haushalt teilen, das wären in meinen Augen glückliche Familien, in denen Mama noch Frau und erfolgreich sein kann und Papa nicht nur der neue Kaffeetrinker am Sonntagstisch ist. „Ohana“ heißt es im Disney-Film Lilo und Stitch „heißt Familie, Familie heißt, alle halten zusammen.“ Und wirklich zusammenhalten können wir nur, wenn Frau und Mann in einer Beziehung wie in der Gesellschaft nicht nur gleiche Rechte haben, sondern auch den gleichen Wert. Wenn Kindererziehung ebenso angesehen ist, wie die tägliche Arbeit. Wenn das Ausräumen der Spülmaschine so wichtig ist, wie die Aufgabe vom Chef.

Träumen wir nicht, dieser Tag ist noch nicht erreicht. Aber wir können aufschreien und etwas ändern. Bevor wir im Kreislauf der Rollenmodelle gänzlich gefangen sind. 50/50 kann funktionieren, wenn wir es wollen. Und ich jedenfalls will.

Vorschau: Nächste Woche lässt sich Anne hier über Hipster aus.

Gesunde Snacks für Schule, Uni und Arbeit, Teil 5: Obst mal anders

Ihr legt Wert auf gesunde und ausgewogene Ernährung und habt keine Lust auf Mensa- oder Kantinenessen?

Face2Face hat für euch leckere Snackideen parat, die euch den Tag in der Schule, der Uni oder bei der Arbeit versüßen. Außerdem verraten wir euch, weshalb die Zutaten für unsere Snacks so gesund sind. Nach dem herzhaften letzten Teil der Serie, wird es heute wieder fruchtig-süß.

Obst mal anders: Püriert und in Flaschen abgefüllt ist Obst der perfekte Snack (Foto: T. Gartner)

Obst mal anders: Püriert und in Flaschen abgefüllt ist Obst der perfekte Snack (Foto: T. Gartner)

Wer bei ganzen Früchten eher selten zugreift, kann Apfel, Banane und Co. auch einfach pürieren. Ein Frucht-Shake erfrischt, liefert Vitamine und Energie und schmeckt dazu noch richtig gut. Obst mal anders eben.

Kombinationsmöglichkeiten gibt es viele. Wir stellen euch heute drei Rezepte vor, die natürlich auch nach Belieben abgeändert werden können. Selbst pressen oder doch im Supermarkt einkaufen – je nachdem wieviel Zeit ihr in eure Shakes investieren wollt, könnt ihr zwischen einer aufwendigeren und eine weniger aufwendigen Methode wählen.

Urlaubsfeeling mit dem Virgin Colada:

  • Ananas (frisch oder aus der Dose): Die Ananas hält ein ganzes Arsenal an Mineralstoffen und Spurenelementen bereit, die unseren Körper fit und gesund halten. Das in ihr enthaltene Jod hilft uns beispielsweise beim Denken – nicht ungünstig, wenn man in der Schule, der Uni oder auch auf der Arbeit sitzt.
  • Kokosmilch: Kokosmilch enthält Fett – aber keine Sorge: Nicht das „böse“ Fett, das sich an Beinen, Bauch und Po ablagert. Die sogenannten mittelkettigen Fettsäuren der Kokosmilch werden vom Körper als schneller Energielieferant genutzt. Außerdem soll die Milch der Kokosnuss gegen Akne helfen.
  • Orangensaft (selbstgepresst oder selbst gekauft): In 100 Gramm Orangenfleisch stecken 50 Milligramm Vitamin C, das die Abwehrkräfte stärkt. Mit einer großen Orange, die ohne Schale etwa 200 Gramm wiegt, kann man den Tagesbedarf eines Erwachsenen decken.

Erfrischung pur:

  • Erdbeeren: Sie schmecken nicht nur den meisten von uns, sondern fördern mit ihrem hohen Gehalt an Ballaststoffen die Verdauung. Außerdem enthalten auch sie, wie die Orange, viel Vitamin C und stärken so die Abwehrkräfte.
  • Kokosmilch
  • Ananas (frisch oder aus der Dose) oder Ananassaft
  • Minze: Die Pfefferminze wirkt verdauungsfördernd, beruhigend und lindernd bei Kopfschmerzen – nicht umsonst wurde sie 2004 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Noch eine gute Nachricht: Pfefferminze ist sehr genügsam – ihr könnt sie also problemlos auf eurem Balkon oder Garten anpflanzen und euch für eure Shakes (oder einen frischen Tee) immer direkt bedienen.

Frühstück aus der Flasche:

  • Kiwi: Zwei Kiwis decken den Tagesbedarf an Vitamin C. Außerdem enthält die grüne Frucht Kalium, das für die Reizübertragung an Muskeln und Nervenzellen sowie für die Blutdruckregulation zuständig ist.
  • Banane: „Gute Laune, die man essen kann“ titelt die Uni Marburg über die Banane. Durch ihren Verzehr kommt der Botschafter-Stoff Serotonin, der für Stimmung sorgt, auf Trab – Unlust-Gefühle adé! Außerdem enthalten Bananen eine ideale Mischung aus Kohlenhydraten und sogenannten Fitness-Mineralstoffen wie Kalium und Magnesium.
  • Orangen- oder Multivitaminsaft
Liefert Energie für lange Arbeitstage: Der Obst-Shake (Foto: T. Gartner)

Liefert Energie für lange Arbeitstage: Der Obst-Shake (Foto: T. Gartner)

Wer es etwas gehaltvoller möchte, kann nach dem Pürieren noch Haferflocken oder Leinsamen hinzugeben. Haferflocken sind besonders nährstoffreich. Hafer hat einen Eiweißgehalt von beinahe zwölf Prozent und setzt sich überwiegend aus essentiellen Aminosäuren zusammen, also Bausteinen, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Leinsamen regen die Verdauung an und helfen auch bei Verstopfung.

Übrigens: Wer sich an einen grünen Smoothie wagen will, wird HIER fündig.

Und so geht´s:
1. Alle Zutaten klein schneiden, gegebenenfalls schälen oder/ und entkernen und pürieren.
2. In Flaschen abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren oder einfrieren.

Tipp:
Der Umwelt zuliebe solltet ihr eure Flaschen wieder verwerten. Ihr könnt zum Beispiel die Glas- oder Plastik-Flaschen von Smoothies aus dem Supermarkt auswaschen und immer wieder befüllen. Für Plastikflaschen ist die Spülmaschine zu heiß – sie verziehen sich und lassen sich nicht mehr schließen. Damit keine Rückstände in den Flaschen zurückbleiben, spült ihr sie am besten immer direkt nach dem Leertrinken mit klarem Wasser aus.

Die Tipps&Tricks-Redaktion wünscht guten Appetit!

Weitere Serienteile
Teil 1: Frühstücksvitaminbombe
Teil 2: Grünzeug
Teil 3: Süße Früchtchen
Teil 4: Herzhaftes

Vorschau: Nächste Woche gibt Nina Tipps, wie ihr die Spülmaschine effektiv einräumen könnt.

Endlich wieder raus

Eigentlich bin ich ein Mensch, der gerne zu Hause ist. Menschenmassen sind nicht so mein Ding, die gemütlichen vier Wände im eigenen Heim dagegen sehr. Nichts finde ich schöner als am Abend auf dem Sofa zu lümmeln, zu lesen oder einen Film zu sehen. Stubenhocker, ja das bin ich, ich geb‘ es zu. Aber irgendwann wird es auch mir zu lang daheim und nach der Mutterschutzpause war ich darum wirklich froh, wieder zur Arbeit zu kommen, hat sich mein zwischenmenschlicher Kontakt doch auf das „Guten Morgen“ in der KiTa und das „Haben sie auch eine Paybackkarte“ an der Ladenkasse beschränkt.

Rudeltier: Der Mensch ist eben ein Primat (©Ulla Trampert / pixelio.de)

Rudeltier: Der Mensch ist eben ein Primat (©Ulla Trampert / pixelio.de)

Der Mensch ist ein Rudeltier. Ganz Pauschalgesehen. Primaten leben in Gruppen, in Großfamilien. Das Miteinander ist wichtig für uns, es tut uns gut und macht einen wichtigen Teil unseres Lebens aus. Immerhin entsteht auch unser Selbstbild mit durch das Fremdbild, das andere Leute von uns haben. Tief in unserem Innern wollen wir mitreden können, dabei sein, dazu gehören.

Tatsächlich funktioniert diese Zugehörigkeit über Abgrenzung. Ganz Pauschal: Ich bin eine Frau, also kein Mann, ich arbeite an der Uni, was mich von anderen unterscheidet, gehöre zum KiTa-Elternbeirat und einer Dichtergruppe. Es gibt also viele „wirs“, denen ich angehöre. Kleine Gruppen, zu denen ich mich zugehörig fühle und große Gemeinschaften. Beispielsweise bin ich auch Deutsche, Europäerin, Studierte und habe eine helle Haut. Alles Merkmale, die mich gewissen sozialen Gruppen zuordnet und auf gewisse Weise von anderen abgrenzt.

Immer wieder: Menschen gruppieren sich (©S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Immer wieder: Menschen gruppieren sich (©S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Wo das eine Merkmal aber Grenzen aufweist, verbindet ein anderes. Als Deutsche bin ich keine Französin, doch ich habe Familienmitglieder in Frankreich, außerdem sind sie wie ich Europäer, und so weiter. Getreu dem Motto „Über ein paar Ecken sind wir mit allen verwandt“, sind all diese Gruppen doch nur gedachte Teilmengen des großen Ganzen. Dreht sich irgendwie im Kreis, oder? Ganz meine Meinung! Wir bauen uns Gruppen auf, um uns von anderen abzugrenzen, zu denen wir über andere Gruppen doch wieder gehören.

Erst kürzlich sah ich Monsieur Claude und seine Töchter (ganz große klasse). Der Familienvater steht vor der Hochzeit seiner vierten Tochter. Die drei anderen sind mit einem Moslem, einem Juden und einem Asiaten verheiratet. Die jüngste Tochter will einen Afrikaner heiraten, einen Schwarzen. Für den in Stereotypen denkenden Herrn Papa undenkbar. Die Familien treffen zusammen. Und die Väter verstehen sich am Ende hervorragend – weil sie beide die gleichen Vorurteile haben – mit dem Unterschied, dass der Vater des Bräutigams keine Weiße in seiner Familie haben will. Ausgerechnet dadurch wird die Kluft überwunden und alles gut. Ironie? Unpassend? Das wahre Leben.

Wieder rein: Nach einer Portion Gesellschaft weiß ich mein Sofa wieder zu schätzen (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Wieder rein: Nach einer Portion Gesellschaft weiß ich mein Sofa wieder zu schätzen (©Rainer Sturm / pixelio.de)

Gesellschaft tut uns gut, weil wir uns dann zugehörig fühlen. Wir kommunizieren, handeln miteinander, erleben und lernen. Ohne sie verkümmert ein Teil von uns. Menschen, die sich von der Gesellschaft abwenden, tun dies bewusst als Protest. Tatsächlich klammern sie sich damit nicht wirklich aus. Getreu der Maxime „Man kann nicht nicht kommunizieren“ sind sie gerade durch ihre Abkehr ein Teil unserer Welt und für andere ein Vorbild, Thema oder zumindest ein Zeichen. Ob wir wollen oder nicht, wir gehören eben alle zusammen.

Nach ein paar Wochen, in denen meine Gesellschaft auf meine geliebte Familie geschrumpft war, habe ich es darum sehr genossen wieder unter Leute zu kommen. Und jetzt kann ich es auch wieder genießen, in meiner Stube zu hocken und ich selbst zu sein.

Vorschau:

„In jedem Teil steckt ein kleines Stückchen Oma oder Opa“ – Designerin Nadine Psotta im Interview

Von Indonesien ins waschechte Schwabenland. Schwabenkind Designerin Nadine Psotta legte einen langen Weg für ihren Modetraum zurück. Bereits mit 12 Jahren entdeckte sie ihre Liebe zur Mode und arbeitete ab diesem Zeitpunkt hart an ihrem Traum. Nach einer Second-Hand-Boutique, Arbeiten für die Filmbranche und die Produktion ihrer ersten Kollektion in Indonesin, ist die Modedesignerin an ihrem großen Traum angekommen und führt nicht nur eine erfolgreiche Modelinie, sondern produziert inzwischen, ganz getreu dem Namen, ausschließlich im Schwabenland.

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Schwabenkind ganz privat: Designerin Nadine Psotta in ihrem Atelier. (© Ilona Schneider)

Face2Face: Wann wusstest du, dass du etwas mit Mode machen möchtest?
Nadine: Ganz genau am 06.07.1989, meinem ersten Tagebucheintrag. An diesem Tag habe ich Modeschöpferin gespielt. Von meinen Eltern habe ich viel Lob bezüglich meines Talents erhalten. Auch wenn dies eher große Elternliebe war, mein Weg ebnete sich damals genau in diesem Moment. Am Abend dieses Tages interviewte ich mich selbst und beendet des Interview mit folgendem Satz: „Und heute ist sie eine ganz bekannte Modeschöpferin“. Jedes mal, wenn ich diesen Satz lese, muss ich schmunzeln – Ich möchte definitiv einmal die Entwürfe von damals mit meinem heutigen Wissen umsetzen.

 www.lichtformstudios.de

Verspielt und unkonventionell: Schwabenkind-Dirndl mit Blumenschmuck. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Dein Modelabel wurde ja nach deinen Großeltern benannt, welche Geschichte steckt da dahinter?
Nadine: Meine Großeltern hießen Karl und Maria. Meine Oma war eine ganz begeisterte Näherin und hat viele Dinge mit mir umgesetzt. Aufgrund ihrer gradlinigen Phantasie, haben wir haben uns zwar immer die Köpfe eingeschlagen, ich konnte mich am Schluss aber immer gut durchsetzen. Wir haben sehr viel zusammen gearbeitet. Meine Oma war auch diejenige, die mir die Liebe zum Nähen und Designen beibrachte. Leider ist sie ein halbes Jahr vor meinem Modedesign Abschluss verstorben. In Anlehnung an meine Oma und meinen Opa habe ich deshalb die Modelinie Karla Maria begonnen, wobei Schwabenkind heute präsenter ist bzw. Karla Maria die Exklusivmarke von Schwabenkind ist.

Face2Face: Neben den Basics und Kindersachen gibt es auch die Kollektionen King Karl und Queen Maria. Wofür stehen diese Kollektionen?
Nadine: King Karl steht für meinen Opa den Karl und Queen Maria für meine Oma Maria.

Face2Face: Wie wird denn dein ganz eigener Stil und damit auch deine Kollektionen beeinflusst?
Nadine: Ich reise sehr viel und schaue mir auch gerne Dokumentationen über andere Länder und Kulturen an. Darüber erhalte ich immer ganz witzige Ideen.

Face2Face: Deine Kollektionen sind ja sehr farbenfroh – welche ist denn deine Lieblingsfarbe?
Nadine: Meine Lieblingsfarbe ist Petrol. Petrol oder Türkis, das sind meine persönlichen Favoriten.

Schwabenkind_Kleid_rot

Ein Traum in Pink: Eines der vielen farbenfrohen Designs von Nadine Psotta. ( © www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Was möchtest du mit deinen Designs ausdrücken?
Nadine: Ich möchte zeigen, dass alles was nicht zusammen passt, am Schluss definitiv passend gemacht werden kann. Für meine Phantasie gibt es keine Grenzen und ich vertrete die Meinung, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt. Was mich auch immer genervt hat ist, dass wenn ich in einen Kinderladen rein gegangen bin, ich immer so viele Kleidungsstücke gesehen habe, die ich auch so gerne haben wollte, allerdings gab es diese natürlich nie in meiner Größe. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich auch solch eine bunte und verrückte Mode machen möchte, allerdings für Erwachsene.

Face2Face: Symbolisieren diese Kollektionen deine Großeltern?
Nadine: In den Kollektionen steckt meistens ein kleines Stück Oma oder Opa. Sei es ein alter Stoff den ich verarbeite oder Rüschen und Knöpfe, die ich noch von meiner Oma geerbt habe.

Face2Face: Deine Kleidungsstücke werden ausschließlich im Schwabenland produziert. Was ist dir daran besonders wichtig?
Nadine: Die Produktion im Schwabenland ist mir auf Grund meiner guten Zusammenarbeit mit meinen Geschäftspartnern Brigitte und Gerhard von der Schwäbischen Alb besonders wichtig. Die hohe Qualität die sie mir bieten, ist einfach unschlagbar. Auch der kurze Anfahrtsweg und der rechtliche Schutz der mir im Inland zusteht, sind grundlegende Kriterien für meine Wahl. Was mir natürlich auch gefällt ist, dass man mich hier versteht, wenn ich „schwätze“, was in Asien generell nicht der Fall war, vor allem wenn ich „gemotzt“ habe.

Face2Face: Soll die Produktion im Schwabenland auch die Marke Schwabenkind symbolisieren?
Nadine: Ich will Schwabenkind definitiv nur noch im Schwabenland produzieren.

Schwabenkind_Tracht_Hut

Traditionell und doch verrückt: Das Waldmädchen von Schwabenkind. (© www.lichtformstudios.de)

Face2Face: Wie sieht denn der typische Kunde/die typische Kundin aus, die Schwabenkind kauft?
Nadine: Typische Kunden gibt es bei mir gar nicht. Bei mir kauft wirklich von der kleinen Prinzessin, die von ihrer Mutti etwas bekommt, bis zur Oma mit lila gefärbten Haaren. Das beste Erlebnis war auf einer Messe, als ich von weitem zwei Personen gesehen habe, die komplett in Lack und Leder gekleidet waren. Ich wunderte mich schon wo diese hin möchten, als ich an ihrem Namen erkannte, dass sie Stammkunden von mir waren. Im Endeffekt richtig geile Leute. Ich habe noch nie einen meiner Kunden kennengelernt der mir unsympathisch war.

Face2Face: Was hast du, was andere nicht haben?
Nadine: Ich denke meine Stärke liegt darin, dass ich mich nicht darum schäre was gerade Mode ist. Ich höre auf mein Herz und mache nur die Dinge, die mir Spaß machen. Mein großes Geheimrezept liegt wohl darin, dass es mir nicht darum geht das große Geld zu machen, sondern mich selbst in meiner Arbeit widerzuspiegeln.

Danke Nadine Psotta für den Einblick, dass hinter der Mode nicht nur Trends und schöne Schnitte stecken, sondern auch viel tiefgründige Bedeutung und ganz viel Herz.

http://schwabenkind.com

Vorschau:

Gesunde Snacks für Schule, Uni und Arbeit, Teil 4: Herzhaftes

Es kann losgehen: Die Falafelmasse (links) kann jetzt geformt und in der Pfanne gebraten werden. Dazu gibt´s Guacamole (hier mit etwas Creme fraiche) (Foto: T. Gartner)

Es kann losgehen: Die Falafelmasse (links) kann jetzt geformt und in der Pfanne gebraten werden. Dazu gibt´s Guacamole (hier mit etwas Creme fraiche) (Foto: T. Gartner)

Ihr legt Wert auf gesunde und ausgewogene Ernährung und habt keine Lust auf Mensa- oder Kantinenessen?

Face2Face hat für euch leckere Snackideen parat, die euch den Tag in der Schule, der Uni oder bei der Arbeit versüßen sollen. Außerdem verraten wir euch, weshalb die Zutaten für unsere Snacks so gesund sind. Nach den Süßen Früchtchen aus dem letzten Teil, gibt´s heute was Herzhaftes.

Ihr braucht:
• Eine Packung Falafel (z.B. von Alnatura)
• 1 Karotte
• Reibe
• etwas Öl zum Anbraten (Raps- oder Olivenöl)
• Guacamole
• Eine große Tupperbox
• Eine kleine Tupperbox oder ein Glas (sollte sicher verschließbar sein)

Und so geht´s:
1. Die Falafel nach Packungsbeilage zubereiten. Geht zumindest beim Alnatura-Produkt super-fix: Einfach mit 260 ml kochendem Wasser aufgießen, umrühren und 15 Minuten quellen lassen. Hauptbestandteil der Falafel sind Kichererbsen. Fettarm und gleichzeitig reich an Ballaststoffen und Eiweiß eignet sie sich laut Deutschem Institut für Ernährungsforschung gut für die vegetarische Ernährung. Außerdem enthalten die orientalischen Bällchen Eisen, Magnesium und Vitamine. Falafel sind sozusagen ein Rundum-sorglos-Paket für die gesunde Ernährung.

2. Die Karotte waschen, schälen (einige Inhaltsstoffe befinden sich direkt unter der Schale und können durchs Schälen verloren gehen – mit gründlichem Waschen und Abbürsten/ Abrubbeln der Schale anstelle von Schälen verhindert ihr, dass wichtige Stoffe verloren gehen) und reiben. Anschließend unter die Falafelmasse mischen. Der Pflanzenwirkstoff Beta-Carotin ist nicht nur für die knallig-orangene Farbe der Karotte verantwortlich, sondern schützt den Körper auch vor schädlichen freien Radikalen, die die Genstruktur zerstören und so zur Entstehung von Krebs beitragen können. Außerdem wandelt der Körper es in Vitamin A um, das für die Sehkraft der Augen wichtig ist. Damit das Beta-Carotin seine Wirkung richtig entfalten kann, sind Hitze und Fett notwendig – mit beidem kommen unsere Karottenraspeln im Laufe der Zubereitung in Berührung.

Lecker und gesund: Falafel mit Guacamole als Snack für Schule, Uni oder Arbeit (Foto: T. Gartner)

Lecker und gesund: Falafel mit Guacamole als Snack für Schule, Uni oder Arbeit (Foto: T. Gartner)

3. Falafel haben meist eine runde Form, platzsparender ist es allerdings, wenn man mit den Händen kleine Küchlein formt. Diese dann in einer heißen Pfanne mit Öl anbraten. Wenn die Falafel von beiden Seiten leicht kross und gebräunt sind, könnt ihr sie aus der Pfanne nehmen und auskühlen lassen. Danach packt ihr die Falafel in die große Box und bewahrt sie bis zum Verzehr im Kühlschrank auf.

4. Guacamole zubereiten und in eine sicher verschließbare Tupperbox oder ein Glas abfüllen. Ein Rezept für Guacamole findet ihr HIER. Wer seinen Kollegen oder Kommilitonen gegenüber rücksichtsvoll sein will, lässt einfach den Knoblauch weg – die Guacamole schmeckt auch ohne. Hauptbestandteil des würzigen Guacamole-Dips ist die Avocado. Sie enthält gesunde, pflanzliche Fetten – fettlösliche Nährstoffe wie zum Beispiel das Beta-Carotin aus der Karotte können so optimal vom Körper aufgenommen werden. Zudem enthält die Avocado die lebenswichtigen Vitamine A – gut für Augen, Haut und Schleimhäute – und E, bekannt als Zellschutzvitamin. Schöne Haut und schöne Nägel – wer wünscht sich das nicht? Da kann das sogenannte Schönheitsvitamin Biotin helfen, das ebenfalls in der Avocado enthalten ist.

Tipp:
Wenn euch die Falafel zu deftig und schwer sind, könnt ihr auch einfach ein bisschen Rohkost schnippeln. Karotte, Gurke, Pilze und Paprika kann man super in die Guacamole dippen – ein leichter und gesunder Snack für zwischendurch.

Die Tipps&Tricks-Redaktion wünscht guten Appetit!

Weitere Serienteile
Teil 1: Frühstücksvitaminbombe
Teil 2: Grünzeug
Teil 3: Süße Früchtchen

Vorschau: Nächsten Sonntag stellt euch Nina das Hausmittel Ingwer vor.

Gesunde Snacks für Schule, Uni und Arbeit, Teil 3: Süße Früchtchen

Ihr legt Wert auf gesunde und ausgewogene Ernährung und habt keine Lust auf Mensa- oder Kantinenessen?

Face2Face hat für euch leckere Snackideen parat, die euch den Tag in der Schule, der Uni oder bei der Arbeit versüßen sollen. Außerdem verraten wir euch, weshalb die Zutaten für unsere Snacks so gesund sind. Versüßen ist beim heutigen Serienteil auch schon das richtige Stichwort, denn nach der Frühstücks-Vitaminbombe und Grünzeug geht es heute um jede Menge süße Früchtchen.

Süß ist nicht gleich schlecht: Zucker liefert Energie und wenn er in Form von Obst - hier Kirschen - konsumiert wird, gesellen sich noch jede Menge Vitamine dazu (Foto: T. Gartner)

Süß ist nicht gleich schlecht: Zucker liefert Energie und wenn er in Form von Obst – hier Kirschen – konsumiert wird, gesellen sich noch jede Menge Vitamine dazu (Foto: T. Gartner)

Süß? Zucker? Das kann doch gar nicht gesund sein und außerdem macht es dick! Auch wenn es heutzutage oftmals gleichgesetzt wird: In dieser Serie geht es nicht um die perfekte Diät, sondern um Tipps zu ausgewogener und gesunder Ernährung. Und dazu gehört eben auch Zucker. Das süße Etwas zählt ebenso wie Stärke zu den Kohlenhydraten, die als wichtiger Energielieferant gelten. Einige Studien haben gezeigt, dass eine Kohlenhydrat-Mahlzeit oder ein mit Zucker gesüßtes Getränks zu einer verbesserten geistigen Leistungsfähigkeit führten: Merkfähigkeit, Reaktionszeiten, Aufmerksamkeit sowie rechnerische Leistungsfähigkeit verbesserten sich, das Erschöpfungsgefühl ging zurück. Was braucht man mehr bei einem anspruchsvollen Job oder Studium?

Der Vorteil des Zuckers in Obst, also in unseren „süßen Früchtchen“, ist übrigens, dass er zusammen mit jeder Menge Vitaminen aufgenommen wird.

Und so setzt ihr die süßen Früchtchen gekonnt in Szene:

Ihr braucht:
• Ein Glas, durch dessen Öffnung ein Esslöffel passt
• 62 g Milchreis (bei einem kleinen Glas genügt die Hälfte)
• 250 ml Milch (bei einem kleinen Glas genügt die Hälfte)
• 1 Prise Salz
• 1 Messerspitze Butter
Himbeeren, Kirschen oder anderes Obst nach Wahl
• Wer´s exotisch mag: Ein Esslöffel Kokosmilch
• (Stab-)Mixer

Und so geht´s:
1. Milch aufkochen. Salz und Butter hinzugeben. Anschließend den Milchreis einrühren und leicht köcheln lassen.

2. Nun etwa 15 Minuten lang immer wieder rühren, damit der Milchreis nicht anbrennt. Milch enthält den Mineralstoff Kalzium, der Knochen und Zähne stärkt.
Wer es exotisch mag, kann noch einen Esslöffel Kokosmilch (je nach Geschmack auch mehr) hinzugeben. Kokosmilch enthält Fett – aber keine Sorge: Nicht das „böse“ Fett, das sich an Beinen, Bauch und Po ablagert. Die sogenannten mittelkettigen Fettsäuren der Kokosmilch werden vom Körper als schneller Energielieferant genutzt. Außerdem soll die Milch der Kokosnuss gegen Akne helfen.

Das Auge isst bekanntlich mit: Deshalb auf die pürierten Früchte - in diesem Falle Himbeeren - noch ein paar ganze legen (Foto: T. Gartner)

Das Auge isst bekanntlich mit: Deshalb auf die pürierten – in diesem Falle Himbeeren – noch ein paar ganze Früchte legen (Foto: T. Gartner)

3. Während der Milchreis kocht, kann das Obst püriert werden. Zwei, drei Früchte ganz lassen – das Auge isst ja schließlich mit. Beerenfrüchte eignen sich hier besonders gut. Himbeeren (Anm. d. Red.: Die Himbeere ist übrigens gar keine Beere, sondern eine Sammelsteinfrucht) bestehen überwiegend aus Wasser. Obwohl man sie vom Geschmack her durchaus in die Kategorie „süße Früchtchen“ einordnen kann, enthalten sie relativ wenig Zucker. Dafür aber Vitamin C, das die Abwehrkräfte stärkt, Kalium, das für die Reizübertragung an Muskeln und Nervenzellen zuständig ist, und Eisen, das besonders für die Vegetarier unter uns eine große Bedeutung hat.
Alternativ könnt ihr auch zu Kirschen greifen. Sie enthalten neben diversen B-Vitaminen Inhaltsstoffe, die vorbeugend gegen Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen wirken sollen. Also ran an die süßen Früchtchen!

Die Tipps&Tricks-Redaktion wünscht guten Appetit!

Vorschau: Nächste Woche wird es herbstlich bei Face2Face: Nina verrät euch ein Rezept für Kürbis-Bolognese in der Frucht.