Du kotzt mich an

schwarz-2016

Liebes 2016,

Du kotzt mich an. Du bist die Beziehung, die man so sehr bereut. Du bist die Grippe, die man im Sommer hat, während alle anderen im Schwimmbad Spaß haben. Du bist die Verwandtschaft, die einen immer kritisiert. Kurz um: Es würde einem besser gehen ohne dich.

Selbst ein Kampf mit Voldemord erscheint stellenweise verlockender als das Weltgeschehen in diesem Jahr. Aber kam jemals ein Brief aus Hogwarts? Nein.
Stattdessen hast du Helden meiner Kindheit und prägende Persönlichkeiten meiner Jugend genommen – vielen Dank dafür. Rickman, Schell, Wiesel, Spencer, Ali, Gentscher, Williemsen, Michael, Prince, Cohen, Bowie, Fisher und Wölli Rohde – um nur einige zu nennen.

Trump als Präsident der USA, Brexit, stätige wachsende AfD-Umfrage-Werte, immer größere Unterstützung von populistischen Parteien in ganz Europa, der Amoklauf in München, der Putschversuch in Istanbul und die Folgen, die Ermordung der Brexit-Gegnerin Jo Cox, Anschläge in Brüssel, Istanbul, Berlin, Würzburg, Orlando, Nizza, Ansbach, Bagdad, Tartus, Dschabl und noch so vielen anderen Orten, die aber kaum mediale Berichterstattung erfahren haben. Wirklich tolle Leistung.

Wenn ich nun eines von deinen Vorgängern gelernt habe, dann, dass solche Erlebnisse, sowohl unsere privaten Tragödien als auch die gesamtgesellschaftlichen Vorfälle, ihre Spuren hinterlassen werden. Ein paar werden uns nächstes Jahr noch beschäftigen, andere werden wir relativ schnell vergessen, manche werden wir jedoch nie aus unseren Gedanken löschen können, selbst wenn wir uns nichts mehr wünschen. Ich habe aber auch gelernt, dass Kämpfen gegen alle Widerstände die richtige Methode ist – immer.

Also kämpft! Lebt! Macht etwas aus dem nächsten Jahr, selbst wenn es genauso aussichtslos erscheint wie dieses. Ja, das Leben ist scheiße. Nicht nur das – es ist verdammt ungerecht, hinterhältig, anstrengend. Und die Menschen, die darin umherstolzieren, machen das Ganze oftmals nicht besser. Freunde aufgeben zu müssen, weil man erkannt hat, dass sie nie welche waren, schmerzt. Verlassen zu werden, obwohl man zutiefst davon überzeugt ist, für den anderen perfekt zu sein, schmerzt. Von jemand Abschied nehmen und erkennen zu müssen, dass es nie genug gemeinsam verbrachte Zeit gab, schmerzt. Das Leben ist keine Facebook-Chronik, bei der nur die schönen Bilder mit Filter geteilt werden. Das Leben ist voller Schmerz, voller Leid. Besonders dieses Jahr. Aber es ist bald vorbei – so wie alles vorübergeht, sein Ende findet. Das Leben ist viel fragiler und kürzer als wir es unter Klausurenstress, Rechnungsüberweisungen und der medialen Selbstinszenierung begreifen.

Also macht das Beste daraus! Findet Zeit, nicht Zeug. Genießt das Leben. Geht raus. Redet miteinander, anstatt per WhatsApp zu fragen, wie es läuft. Seid mutig, geht Risiken ein, macht die Dinge, vor denen ihr euch fürchtet, bezieht Stellung, tretet für andere ein, stellt euch eurem Herzschmerz und versucht weiter zu leben. Und nein, es ist nicht mutig, mit 20% Akku das Haus zu verlassen. Macht euch weniger zu Sklaven der Technik, Likes definieren nicht euer Selbst – genießt das reale Leben.

Rock am Ring 2015

Genießt das (reale) Leben: Pogt auf Festivals!

Pogt auf Festivals, schlendert über Weihnachtsmärkte, fahrt Achterbahnen in Freizeitparks. Lasst euch keine Angst machen. Nicht von Anschlägen, nicht von populistischen Parteien, die Flüchtlinge generalisieren und zur allgegenwärtigen Gefahr erklären. Diese Menschen fliehen vor unfassbarer Armut (die auch aus der westlichen Wirtschaftsweise resultiert) und Krieg. Für sie sind Anschläge Normalität. Für uns sollte es Normalität werden, solchen Menschen zu helfen. Genau jetzt ist die Zeit, für die Werte von Demokratie und Freiheit einzutreten. Gegen Hass und Gewalt. Ja, 2016 war in großen Teilen scheiße, aber es liegt an uns, das Beste aus 2017 zu machen.

Depression – erschreckend real

Es ist keine Woche her, da saß ich mit meiner Mutter im Auto und wir kamen, wie so oft, auf einen Teil unserer Vergangenheit, der sich aus vielen Komponenten zusammensetzte, die letztlich auf eines hinausliefen. Scheidung, Mobbing, Unsicherheit, Angst, Einsamkeit, Pubertät, Sorgen kombinierten sich zu einer depressiven Phase. Und bei mir manifestierte sich dieses Depression in einer Essstörung. Weder mit dem einen, noch mit dem anderen bin ich in Deutschland allein. 4,9 Millionen Menschen erkranken in Deutschland laut der Deutschen Depressionshilfe jährlich an einer Depression, die behandelt werden muss.

Volkskrankheit?

Viele Gründe: eine Depression ist nicht immer leicht zu erklären (Foto: Hastywords / pixabay.de)

Viele Gründe: eine Depression ist nicht immer leicht zu erklären (Foto: Hastywords / pixabay.de)

Nicht jede depressive Phase ist dabei ein Tief, aus dem der einzelne nicht wieder selbst herausfindet. Manchen hilft eine positive Nachricht, ein Urlaub, eine Beziehung oder ein anderer Mensch, der sie immer wieder animiert, ihnen hilft, ihre Energien zu wecken und vor allem, mit dem sie reden können, ohne angeprangert zu werden. Denn noch immer ist eine Depression etwas, worüber wir Deutsche nur ungern sprechen. Psycho eben. Nicht normal. Und nicht so offensichtlich, wie ein Beinbruch. Eine Depression sieht niemand, sie kann sich hinter einem Lächeln verbergen, hinter vielen Aktivitäten, die den Betroffenen ablenken sollen. Und nicht selten treten neben der Depression eben auch andere Krankheitsbilder auf. Essstörungen, Alkoholismus, Drogensucht. Die WHO hat mittlerweile die Depression als eine der größten Volkskrankheiten bestätigt, sie steht an erster Stelle der Krankheiten, die das Leben der Betroffenen stark beeinflussen.

Voll depri

Gefährlich! Die Hälfte aller Betroffenen unternimmt mindestens einen Selbstmordversuch (Foto: Unsplash / pixabay.de)

Gefährlich! Die Hälfte aller Betroffenen unternimmt mindestens einen Selbstmordversuch (Foto: Unsplash / pixabay.de)

Schon als Jugendliche bezeichneten wir schlechte Momente als „voll depri“. Tatsächlich kann eine depressive Phase Tage oder auch Jahre andauern, immer wieder kommen, gerade wenn sie nicht behandelt wird. Dass gerade Heranwachsende irgendwann mit dem Gefühl der inneren Leere, der Planlosigkeit und einem nihilistischen Gefühl das eigene Sein betreffend konfrontiert werden, wird immer wieder breit in Literatur, Film und Musik aufgegriffen. Doch auch in anderen Lebensphasen treten vermehrt Depressionen auf. Etwa der sogenannte Babyblues nach der Geburt, wenn der Hormonhaushalt verrücktspielt. Oder aber im Alter, wenn körperliche Beeinträchtigung denn Alltag immer stärker beeinflusst. Auch nach traumatischen Erfahrungen neigen Menschen zur Depression und bereits Kinder können betroffen sein. Dann wird alles in der Welt unwichtig, die eigene Leistung tritt in den Hintergrund, ein Leid, das zwischen Weltschmerz und individueller Mutlosigkeit variieren kann, nimmt überhand. Etwa die Hälfte aller Menschen mit schweren und wiederkehrenden Depressionen begeht mindestens einen Selbstmordversuch.

Depressionen erkennen

Begleiterscheinung? Depressionen und andere Krankheiten begünstigen sich gegenseitig (Foto: Hastywords / pixaba.de)

Begleiterscheinung? Depressionen und andere Krankheiten begünstigen sich gegenseitig (Foto: Hastywords / pixaba.de)

Es gibt unterschiedliche Arten von Depressionen, die unterschiedlich behandelt werden müssen. Während manchen Betroffenen eine Sprachtherapie hilft, brauchen andere Medikamente und wo einige quasi stätig depressiv sind, erfahren andere neben den Phasen des Tiefs Momente der Manie. Hauptmerkmale einer Depression ist eine negative Stimmung, der Verlust von Interessen und Freuden, ein verminderter Antrieb. Daneben können aber auch ein verminderter Appetit, negative Zukunftsvorstellungen, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und geringere Konzentration Hinweise sein. Wichtig dabei ist der zeitliche Verlauf. Eine schlechte Woche muss nicht gleich eine Depression sein. Wiederkehrende Phasen aber, die mit körperlichen Beschwerden oder Verhaltensänderungen auftreten können auf eine Depression hinweisen und sollten nicht übersehen werden. Auffallend ist dabei, dass Betroffene oft ihren seelischen Zustand selbst nicht richtig einschätzen, herunterspielen, stattdessen aber ihre körperlichen Beschwerden viel stärker wahrnehmen.

Die Leere füllen

Der Sturm in uns: Depressive nehmen sich und ihre Umwelt oft anders war (Foto: bykst / pixabay.de)

Der Sturm in uns: Depressive nehmen sich und ihre Umwelt oft anders war (Foto: bykst / pixabay.de)

Die Depression ist gerade deshalb eine schleichende Krankheit, die im Verborgenen wachsen kann, bis es zu spät ist. Familie und Freunde bleiben dann geschockt zurück, mit Selbstvorwürfen, Wut und Trauer. Dabei verstehen es manche Depressive gut, ihre Probleme herunter zu spielen. Regelmäßiger Austausch ist essentiell. Reden hilft, reicht aber eben manchmal nicht. Selbsthilfegruppen sind eine gute Möglichkeit, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu kommen und sich gegenseitig zu stützen. Manchen hilft Malen oder die Kunst, andere suchen sich eine Aufgabe, die sie als sinnvoll erachten. Wichtig ist, die Depression nicht herunter zu spielen und professionelle Hilfe zu Rate zu ziehen. Sie ist keine schlechte Laune, sondern eine echte Krankheit, die manchmal eben auch mit richtigen Medikamenten behandelt werden muss. Wenn die Gesellschaft das endlich versteht, können nicht nur Menschenleben gerettet werden, sondern viele aufgefangen werden, bevor sie sich im Kreis der wiederkehrenden Depressionen wiederfinden. Ich hatte Glück und lernte, dass ich mir mit Schreiben selbst helfen kann. Und doch kenne ich sie noch, die Momente der Lähmung, die Kälte im Innern, die Gleichgültigkeit das eigene Selbst betreffend. Beängstigend und erschreckend real.

Vorschau: In zwei Wochen schreibe ich hier über ein Projekt des Wahnsinns, das Herausgeben einer Anthologie.

Liebes Deutschland,

du hattest es nicht immer einfach. Hast lange Zeit gebraucht, dich zu finden. Hast Grauen verursacht. Wurdest zerstört. Geteilt. Vereint. Integriert.
Sind wir einmal ehrlich: Du bist nicht perfekt. Dein Bildungswesen ist nicht fehlerfrei, vieles erscheint nicht gerecht, die Kinderarmut zu hoch, die Sorgen zu groß.
Aber an dieser Stelle soll Zeit sein, dir zu danken.
Danke an die Beamten, Soldaten und Polizisten, die Sicherheit garantieren. Danke an die Krankenschwestern und Altenpfleger, die für zu wenig Geld zu harte Arbeit verrichten. Danke an die Alleinerziehenden, die trotz finanzieller Engpässe keinen dummen Parolen folgen. Die, obwohl sie selbst nicht viel haben, andere unterstützen, anstatt den Fremdenhass siegen zu lassen.
Danke an die ehrenamtlichen Helfer, die Zeit, Kraft, Geld und Geduld investieren.

Wir beide wissen, dass unsere Beziehung noch am Anfang steht. Deine jungen Jahre, deine schlimmen Jahre, deine wilden Jahre, deine angepassten Jahre, nichts davon habe ich miterlebt. Kalter Krieg, Teilung, Wiedervereinigung sind Geschichten, sind Bücherseiten, sind Filmaufnahmen für mich.
Deswegen kann ich das nicht auf einer persönlichen, erlebten (!) Ebene beurteilen und ich weiß nicht, wie sich das Leben damals angefühlt hat.
Trotzdem kann ich die heutigen Freiheiten wertschätzen. Daran wird nichts, werden auch keine Anschläge, etwas ändern.
Sollen wir uns jetzt von dir abkehren? Sollen wir unsere Gesellschaft, unsere Werte in Frage stellen? Uns der Angst hingeben? Die Feiern meiden, den Hass siegen lassen?
Hier hat niemand und nichts gesiegt. Hier wurde verloren. Auf grausame Art und Weise. Doch wer dadurch gewinnt, das bist du, liebes Deutschland.
Du hast uns beim Länderspiel Deutschland – Niederlande gezeigt, dass du Entscheidungen treffen kannst. Dass du Verantwortung übernimmst und Sicherheit gewährleistet. Du funktionierst – als Demokratie, als Staat.
Und doch ist es so viel mehr, das man dadurch gewinnt: Die Erkenntnis, dass Demokratie richtig ist.
Nicht immer hast du Glanzleistungen vollbracht, wenn es darum ging diese „westlichen Werte“ in der „Welt da draußen“ zu verbreiten. Aber hier geht es darum, dass ich morgens aufstehen und im Bus sitzen kann, ohne Angst zu haben, dass „mal wieder“ ein Anschlag geschieht.  Dass ich sagen kann, dass ich dich manchmal echt scheiße finde und du mich trotzdem in Ruhe lässt.
Hier geht es um Freiheit, um Sicherheit, um eine gewaltfreie, gebildete Gesellschaft. Um ein Leben, das jedem zusteht.

Ich bin dir dankbar, dass du ein offenes Land bist. Dass ich bei dir Pizza essen, danach einen türkischen Nachtisch holen, mich abends mit chinesischen Freunden in einer griechischen Bar treffen kann.
Danke, dass ich Sprachen lernen und hören kann.
Dass ich Menschen von der ganzen Welt treffen, ihre Geschichten hören und ihre Kultur miterleben kann.
Dass du ein Ort bist, zu dem ich gerne zurückkehre, von dem ich aber auch gerne fort reise, da du mich gelehrt hast, dass es sich lohnt sich für Vielfalt und Offenheit einzusetzen.

Danke Deutschland, dass ich, wenn ich mit dir rede, auch Europa meine.
Dass meine Heimat nicht ein Land, sondern viele Länder sein kann.
Dass mein Leben, meine Heimat, die Welt ist und sein wird.
Danke, dass ich mit der Welt, mit den Menschen überall schöne Momente verbringen kann.
Momente, die in Erinnerung bleiben, durch die wir uns lebendig fühlen. Zusammen. Das Leben spüren. Erinnerung schaffen, die nichts und niemand, keine Tat uns jemals nehmen wird.

Danke, dass du dich energisch gegen alle aussprichst, die versuchen, solche Taten zu instrumentalisieren, gegen Flüchtlinge hetzten, rechte Parolen verbreiten, Schwachsinn reden.
Diese Idioten gehören nicht zu dir, liebes Deutschland. Das weißt du, das weiß ich.
Das wissen die Menschen, die hier leben und sich engagieren. Die Deutschland zu dem machen, was ich mag: offen, hilfsbereit, demokratisch, frei, rechtens.
Das klingt nach den typischen Stichworten aus dem Powiunterricht der achten Klasse und doch ist es momentan viel mehr. Es ist das, was uns ausmacht. Es ist das, was uns gegen irgendwelche bescheuerten Gewalttaten abgrenzt. Es ist unser alltägliches Leben.
Und liebes Deutschland, genau darum geht es am Schluss: Die Menschen, die in dir leben, machen dich zu dem, was du bist.

Soziales Engagement – Können wir die Welt (im Kleinen) verbessern?

Angesichts der unzähligen Kriege und Krisen, die auf der Welt wüten, Flüchtlingen, die vor dessen monströsen und unmenschlichen Ausmaßen flüchten, Armut, die für Familien das Überleben schier unmöglich macht, Kindern, die statt zur Schule zu gehen, harte Arbeiten verrichten, Rassismus und Homophobie, die Menschen weltweit diskriminieren und oftmals aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen. Die Welt scheint aus einem Meer von Ungerechtigkeiten zu bestehen.

Viele Menschen fliehen vor den Kriegsumständen im Heimatland : Bei der Rückkehr finden sie oft nichts mehr so vor, wie es war (Foto: ©Katharina Wieland Müller  / pixelio.de)

Viele Menschen fliehen vor den Kriegszuständen im Heimatland : Bei der Rückkehr finden sie oft nichts mehr so vor, wie es war (Foto: ©Katharina Wieland Müller / pixelio.de)

Das regelmäßige Verfolgen der Nachrichten könnte einen schier verzweifeln lassen, wenn uns die Berichterstattung mal wieder mit einer neuen Welle an Katastrophen und Kriegen überflutet und den letzten Funken Optimismus erstickt. Den Glaube an die Menschheit völlig verlieren lässt. Manchmal fühle ich mich machtlos. Frage mich, wie ich etwas ändern kann. Was für eine Ironie steckt dahinter, dass ich mir darüber Gedanken mache, WIE ich helfen kann, während im selben Moment, Menschen um ihr Leben bangen.

Gemeinsam sind wir stärker: Sich zusammen gegen Ungerechtigkeit stark machen! (Foto: © S. Hofschlaeger  / pixelio.de)

Gemeinsam sind wir stärker: Sich zusammen gegen Ungerechtigkeit stark machen! (Foto: © S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Jeder Mensch hat die Wahl sich gegen Ungerechtigkeit unterschiedlicher Art einzusetzen, das Problem an der Wurzel zu packen und die Ursachen zu bekämpfen. Leider gibt es viel zu viele Bereiche, in denen unserer Engagement und unserer Aktivismus tagtäglich gefragt wären. Wieso finden wir uns mit so viel Ungerechtigkeit einfach ab? Argumentieren damit, dass es auch schon früher schlimme Kriege gab. Dass wir eben nicht für alle Probleme der Welt aufkommen können. Wir scheinen oftmals zu unterschätzen, was für eine Macht wir eigentlich besitzen. Denn jeder Einzelne von uns kann etwas verändern. Und schließlich muss irgendwo begonnen und angesetzt werden. Gewiss kann sich jeder für etwas stark machen. Doch ich will nicht unzähligen Menschen Unrecht tun, die tagtäglich für etwas kämpfen. Seien es NGOs (Non-Governmental Organization) die weltweit auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen, Kundgebungen veranstalten oder Nothilfe in Krisengebieten leisten. Aktivisten die Networking mit unzähligen Länder betreiben, sich so über die Lage in diesen austauschen und solidarisieren.

Wenn Fremde zu Freunde werden: Doch wer definiert überhaupt wer "Fremd" ist? (Foto: Rike/Pixelio)

Wenn Fremde zu Freunde werden: Doch wer definiert überhaupt wer „Fremd“ ist? (Foto: Rike/Pixelio)

Initiativen wie „teachers on the road“ geben Flüchtlingen ehrenamtlich Deutschunterricht, auch „Save me“, eine deutschlandweite Initiative, begleitet Flüchtlinge bei Behördengängen, veranstaltet Kochabende und andere Aktivitäten, um so Flüchtlingen, deren Aufenthalt in den meisten Fällen sowieso ungewiss ist, dabei zu helfen, sich im Alltag zurecht zu finden und trotz der schwierigen Flüchtlingspolitik, nicht in Lethargie zu verfallen. Wieder andere haben sich dem Kampf gegen Rassismus verschrieben.  Manch einer mag glauben, Rassismus – das sei ein Randphänomen geworden und seit Apartheid und den Aufständen in Amerika längst bekämpft. Aber machen wir uns doch bitte nichts vor! In Amerika, im Bundesstaat North Carolina, sind vor einigen Tagen 3 junge amerikanische Muslime erschossen worden.  Der Täter wird weder als Terrorist bezeichnet, noch scheinen die westlichen Medien dem Geschehen viel Aufmerksamkeit zu schenken. Alles „nur“ ein Nachbarschaftsstreit um Parkplätze? So berichten es zu mindestens die Medien. Kaum jemand scheint dahinter zu vermuten, dass ein Motiv des Täters vielleicht Islamhass gewesen sein könnte. Seltsam. Gehen wir einige Monate zurück: Im August 2014 wird in Ferguson, Missouri, ein unbewaffneter schwarzer Jugendliche von einem Polizisten erschossen. Das entfachte in Amerika eine Welle von Unruhen und Protesten und hauchte der Rassismus-Debatte in den USA neues Leben ein. Die schwarze Bevölkerung organisierte sich, hielt Plakate mit dem Slogan „Black Lives Matter“ in die Luft. Rassismus ist im 21. Jahrhundert noch weit davon entfernt, abgeschafft worden zu sein. Aber Rassismus ist durchaus kein Problem Amerikas alleine. Wer sich mehr mit dieser Thematik beschäftigen möchte, sollte einen Blick auf den sehr lesenswerten Blog von der  Aktivistin Emine werfen.

Frauen mit Kopftuch haben in Deutschland mit allerhand Vorurteile zu kämpfen. Bekommen trotz exzellenter Abschlüsse Arbeitsstellen auf Grund ihres Kopftuches, das für viele Ausdruck ihrer Religion ist, verwehrt. In Deutschland wird ein Asylant in Dresden tot aufgefunden. Asylantenheime werden fast regelmäßig mit rassistischen Slogans beschmiert.

Kein Mensch ist illegal: Doch viele scheinen blind und ignorant für die Probleme anderer zu sein Foto: ( © I(ESM)  / pixelio.de )

Kein Mensch ist illegal: Doch viele scheinen blind und ignorant für die Probleme anderer zu sein (Foto:  © (IESM) / pixelio.de )

Wir sollten uns mit Menschen solidarisieren. Gegen solche Diskriminierungen, die im eigenen Land geschehen, aber auch in anderen Teilen der Welt,  aufstehen und unsere Stimme erheben. Es geht uns alle an! Eher unabsichtlich habe ich mich vor allem auf das Thema Rassismus bezogen. Was wohl auch mit einer Bewegung, die sich mittlerweile – Gott sei Dank – aufgelöst hat, zu tun hat und den vielen rassistischen Übergriffen, die ich vermehrt zu hören bekomme, die mich sehr erbosen lassen, zugleich aber auch erschrecken. Wichtig ist, DASS wir etwas tun. Wir sollten nicht gleichgültig gegenüber dem Schicksal anderer, benachteiligter Menschen sein. Jeder Mensch kann nur ein wenig seiner wertvollen Zeit entbehren und zum Beispiel in seinem Umfeld an sozialen Initiativen mitwirken oder aber selbst Projekte auf die Beine stellen. Und wie sollen wir die Welt mitgestalten und verändern, wenn wir nicht in unserem Umfeld beginnen. Vielleicht sogar jetzt sofort!

Vorschau: Eva beschäftigt sich nächste Woche damit, weshalb es so gut tut, sich in Gesellschaft aufzuhalten.

Der Wolf und die achtzig Jahre

Mahnende Erinnerung:Haben wir achtzig Jahre nach Auschwitz so wenig dazu gelernt? (©Kevin Krüger / pixelio.de)

Mahnende Erinnerung:Haben wir achtzig Jahre nach Auschwitz so wenig dazu gelernt? (©Kevin Krüger / pixelio.de)

Am vergangenen Sonntag liefen in Ludwigshafen am Rhein etwa 500 rechte Demonstranten, darunter Hooligans, Neonazis und andere üble Gesellen auf. Ihnen stellten sich 3000 Gegendemonstranten entgegen und riefen zum Fest der Kulturen, Ludwigshafen ist bunt nicht braun. Es gab Gepöbel, 1300 Polizisten waren im Einsatz, Ausschreitungen und Festnahmen, mitgebrachte Steine, eine lange Liste. Und ich frage mich, muss das sein?

Im Januar 2015 jährte sich zum achtzigsten Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die alliierten Streitkräfte. Hunderte Menschen hatten dort unschuldig ihr Leben gelassen, für einen Glauben, eine Kultur, eine vorgeworfene Andersartigkeit. Die letzten Zeitzeugen jener Tage sind alt geworden, die Enkelgeneration, meine Generation, kennt kaum noch authentische Berichte. Wir vergessen, nicht die Geschichte, die Zahlen und Fakten, aber die Geschichten, die Namen, die Tränen. Und wie wir uns noch immer schämen, dass unsere Groß- und Urgroßeltern diese Schrecken mit möglich gemacht haben, gilt meine Scham auch denen, die glauben, von den Schatten der Vergangenheit losgelöst zu sein.

Was steckt dahinter? Kaum ein Kritiker hat hinter den Schleier des Islam geblickt (©Ferdinand Lacour / pixelio.de)

Was steckt dahinter? Kaum ein Kritiker hat hinter den Schleier des Islam geblickt (©Ferdinand Lacour / pixelio.de)

Noch im Januar meinte eine Gruppe, unser Land müsse eine sogenannte Islamisierung fürchten. Tatsächlich ging es um ihre Furcht vor der Andersartigkeit, vor Neuem, der sie ein Gesicht geben wollten. Dass es „den Islam“ nicht gibt, weil die unterschiedlichen Glaubensrichtungen oft auseinandergehen, und viele ihren islamischen Glauben ebenso säkularisiert leben, wie auch viele Christen, wollte keiner hören. Dass ein Mensch nicht aufgrund seines Glaubens und seiner Kultur – beides im Übrigen Merkmale, in die jeder hineingeboren wird – verurteilt werden darf, wollte auch niemand wissen. Trauriger Weise hat sich wohl in den achtzig Jahren seit Auschwitz doch nicht so viel getan. Auch Parteien, die Menschen aus anderen Ländern von vorneherein verurteilen und eine Gefahr in der europäischen Einheit sehen, sind auf dem Vormarsch.

Mich erschreckt es immer wieder, wenn ich Leute sehe, die protestieren, dass unser Land bereit ist, anderen zu helfen. Solche, die Asylbewerber und Flüchtlinge, Menschen, die alles verloren haben und sich selbst neu finden müssen, beschimpfen und ihnen das mitleidige Dach über dem Kopf nicht gönnen würden wohl auch ihrem Nachbar die Tür vor der Nase zuschlagen, wenn dessen Haus abgebrannt ist. Dass jeder die Verantwortung für die Menschheit mitträgt, ist bei ihnen noch nicht angekommen.

Angst vor dem Anderen - sie steckt in uns und führt zu Ausgrenzung (©Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Angst vor dem Anderen – sie steckt in uns und führt zu Ausgrenzung (©Wilhelmine Wulff / pixelio.de)

Die Wahrheit ist, jeder Mensch ist gerne ein Egoist und nur auf die eigenen Vorteile bedacht. Jeder hat Angst vor Neuem und anderen, denkt gerne in Schubladen, trifft Meinungen, ohne vorher zu wissen, worüber überhaupt. Das liegt leider in unserer Natur. Es kann uns schützen. Aber in der Form, in der wir es heute wieder erleben, in der Form, die vor über achtzig Jahren zum zweiten Weltkrieg und dem Holocaust geführt hat, in der Form, in der fast überall auf der Welt schon Völkermorde verübt wurden, führt es nur dazu, dass Menschen Menschen ausrotten. Getreu Hobbes „homo homini lupus est“ (der Mensch ist des Menschen Wolf). Doch der Philosoph meinte einen vorstaatlichen Naturzustand, eine Form, die wir eigentlich überschritten haben sollten. Erst recht achtzig Jahre nach Auschwitz.

Vorschau: Nächste Woche will Anna die Welt im Kleinen verändern mit sozialem Engagement.

Vergiss es – Demenz und ihre Folgen

Nur die Zeit vergessen? Demenz ist am Anfang nicht leicht zu erkennen (©Lupü / pixelio.de)

Nur die Zeit vergessen? Demenz ist am Anfang nicht leicht zu erkennen (©Lupü / pixelio.de)

Stellt euch vor, ihr würdet eines Tages aufwachen und wüsstet nicht mehr, welcher Tag es ist. Selbst ein Blick auf den Kalender könnte euch nur für wenige Minuten versichern, ob es Winter oder Sommer ist. Die Menschen würden die Geduld mit euch verlieren, weil ihr immer wieder vergesst, was sie oder ihr selbst gesagt habt. Das alltägliche Leben wäre nicht mehr dasselbe. Habt ihr schon etwas getrunken, gegessen, geschlafen, euch gewaschen? Und wer ist dieser Mensch, der so vertraut mit euch zu sein scheint.

Angst. Ihr hättet wahnsinnige Angst. Angst vor dem Leben, vor allem Neuen und vor euch selbst. Ihr könntet gar nicht mehr sicher sein, wer ihr überhaupt seid. Was erst noch mit etwas Vergesslichkeit abgetan wurde, bekommt bald einen anderen Namen, der furchtbar nachklingt. Demenz. Oder gar Alzheimer.

Nicht vergessen! Für Menschen mit Demenz sind viele  Hilfen im Alltag nötig (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Nicht vergessen! Für Menschen mit Demenz sind viele Hilfen im Alltag nötig (©Tim Reckmann / pixelio.de)

Ja, denkt ihr jetzt. Aber ich bin noch jung. Wieso sollte das mir passieren? Zum einen Teil gibt es genetische Veranlagungen, die den Ausbruch von Demenz oder ähnlichen Erkrankungen wahrscheinlicher machen. Zum anderen treffen wir in unserer alternden Gesellschaft jeden Tag auf mehr alte Menschen unter denen auch statistisch gesehen mehr Menschen solche Krankheiten haben können. Selbst wenn ihr und ich zu den Glücklichen gehören, die davon befreit sind – was wir heute nicht wissen können – hat die Demenz von anderen auch immer Auswirkungen auf uns selbst.

Wechseln wir den Blickwinkel. Stellt euch vor, ihr kennt jemanden, der Demenz hat. Immerhin leiden in Deutschland bereits 1,4 Millionen Menschen an Demenz, Tendenz steigend. Am Anfang vergisst derjenige vielleicht mal einen Geburtstag, einen Termin oder bringt Zahlen durcheinander. Das fällt auch euch kaum auf. Doch dann kann es sein, dass derjenige seine Körperhygiene vernachlässigt oder das Putzen seiner Wohnung. Das würde euch schon eher auffallen, zumindest, wenn es jemand ist, der euch nahe steht. Wenn derjenige dann auch noch Namen durcheinander bringt, Erlebnisse und Wege. Wenn er oder sie plötzlich nicht mehr richtig Radfahren kann oder andere alltägliche Errungenschaften nicht mehr versteht, dann macht ihr euch Sorgen. Ihr wollt helfen – und wisst nicht wie.

Gesegnet im Alter - Aber was, wenn die Erinnerung verloren geht (©Lupo / pixelio.de)

Gesegnet im Alter – Aber was, wenn die Erinnerung verloren geht (©Lupo / pixelio.de)

Niemand hört gerne, dass er ernsthaft krank ist und so wird auch eine Demenz von den Betroffenen gerne mit „jeder vergisst doch mal was“ oder „das kommt eben mit dem Alter“ abgetan. Auch Angehörige wollen lieber glauben, dass es sich um eine Phase oder eine einfache Alterserscheinung handelt, als um Demenz oder Alzheimer, Erkrankungen, in deren schlimmeren Stadien die Betroffenen den Weg nicht mehr nach Hause fingen, den Herd anlassen, ihre Kinder und Ehepartner vergessen und sich selbst in völlig fremden Zeiten wähnen. Nicht nur sie verlieren dabei die Erinnerung an uns – wir verlieren auch sie.

Betroffen ist bei so einer Krankheit nie „nur“ der Erkrankte, sondern auch immer sein direktes Umfeld, seine Freunde und Angehörige. Der Mensch, den wir einmal gekannt haben, entgleitet uns. Er erkennt uns nicht wieder – und wir ihn nicht. Demenz ist eine Krankheit, die nicht nur dem Erkrankten Angst macht, sondern auch seiner Familie. Und es ist eine Krankheit, bei der schnell klar wird, dass die Pflege aufwendig wird und rund um die Uhr stattfinden muss. Kaum ein Mensch kann das bewerkstelligen, wenn er ein eigenes Leben führen will, arbeitet, Freunde und Familie hat. Hier kommt der Helfer emotional wie physisch an seine Grenzen, denn der oder die Erkrankte will nicht nur nicht verstehen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Oft fehlt auch das Verständnis dafür per se. Sie sehen sich als Gefangene, als unschuldig Eingesperrte. Sie rebellieren gegen die Hilfe, die sie brauchen, aber von der sie einfach nicht mehr wissen, dass sie sie brauchen. Oft werden solche Menschen aggressiv und gewalttätig, verstehen sich selbst als jung und agil und verstehen die Welt einfach nicht mehr.

Demenz schneidet tief in eine Familie hinein, durchbricht Strukturen und gerade die, die einmal Halt gegeben haben, brauchen jetzt nicht nur Halt, Hilfe und jemanden, der den Mut hat, für sie zu bestimmen, sie brauchen eine Nähe, die sie nicht mehr zurückgeben können. Sie verlieren sich selbst. Und das ist das, was so schrecklich daran ist. Am Ende bleibt von demjenigen, den wir einst kannten, kaum die Hülle übrig und die Angehörigen beten für die wachen Momente, für etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Ich finde, allein darum, ist Demenz eine Krankheit, die uns immer wieder dazu anhalten sollte, jeden Moment mit denen, die wir lieben zu genießen, den Augenblick groß zu machen, ihn festzuhalten, aufzuschreiben oder sonst wie zu verinnerlichen. Denn der Augenblick verfliegt und manchen bleibt am Ende nicht mal die Erinnerung selbst.

Vorschau: Nächste Woche schreibt Anna hier über den alljährlichen Kaufrausch zu Weihnachten.

Das mulmige Gefühl überwinden

Die Zeit steht niemals still. Die Uhr tickt und nichts bleibt wie es ist. Allein schon die Jahreszeiten zeigen uns, dass alles in Bewegung ist, auch wenn Leuten wie mir ewiger Sommer ganz gut gefiele. Die Jahreszeiten kommen und gehen, wir können uns nicht dagegen wehren.

Wandel: Alles verändert sich, ob wir wollen oder nicht.

Wandel: Alles verändert sich, ob wir wollen oder nicht. (©Norbert Wilke/Pixelio.de)

Genauso ist es mit der ganzen restlichen Welt. Alles bewegt und verändert sich ständig. Egal, ob es uns nun gefällt oder nicht, der Wandel ist da – unsere Umgebung verändert sich, unsere Mitmenschen, auch wir selbst bleiben nicht die gleichen, und sei es nur das pure Altern.

Veränderung ist immer und überall, trotzdem haben wir Menschen Angst vor Neuem. Ich gebe offen zu, dass auch ich bei ungewohnten Dingen ein leichtes Unbehagen spüre. Wenn ich in einer neuen Abteilung arbeiten soll, dann sorge ich mich schon ein wenig, wie es dort sein wird. Werde ich die Aufgaben schaffen? Wird die Arbeit überhaupt interessant? Werde ich mit den neuen Kollegen klar kommen?

Der Mensch neigt zur Kontrollsucht. Alles, was sich unserem Einfluss und unseren Plänen entzieht, verursacht ein Gefühl des Unwohlseins. Es könnte ja sein, dass alles ganz anders wird, als wir uns das erhoffen. Vielleicht haben wir ja die falsche Entscheidung getroffen, vielleicht wäre eine andere Arbeitsstelle besser gewesen – Reue ist eine furchtbares Gefühl.

Auch wenn wir uns gegen Veränderungen entscheiden und doch nicht in der neuen Abteilung anfangen, stattdessen unseren alten Gewohnheiten nachgeben, bleibt nichts beim Alten. Dann kommt in unserer vertrauten Abteilung ein neuer Chef, und schon weht ein ganz anderer Wind.

Besser ist es, aktiv Neues in Angriff zu nehmen, um nicht Opfer der Veränderungen um uns herum zu sein. Klar bedeutet das Überwindung, wir müssen alte Gewohnheiten und das Gefühl von Sicherheit aufgeben. Aber am Ende bleibt uns mehr Kontrolle, als wenn wir bloß tatenlos da säßen.

Wer sagt denn auch, dass Neues immer schlecht sein muss? Möglicherweise entpuppt sich die neue Stelle ja als die Gelegenheit schlechthin und ich kann mein Potenzial viel besser ausschöpfen, mehr aus mir machen. Mehr Geld, mehr Spaß, neue Freunde – alles ist möglich. Doch dafür müssen wir das Risiko eingehen und den Wandel akzeptieren. Ansonsten werden wir nie wissen, was wir hätten schaffen und erreichen können. Am Ende plagt uns dann die Reue: „Hätte ich damals nur die neue Stelle genommen!“

Der Schlüssel zum Erfolg ist Veränderung. In einer Welt, die immer flexibler wird, die immer schneller immer neue Anforderungen parat hält, müssen auch wir flexibel und offen sein. Aller Angst zum Trotz heißt es „auf zu neuen Ufern“.

Auch ich bin jetzt mutig und verändere aktiv mein Leben. Nach fast drei Jahren in der Kolumnen-Redaktion von Face2Face muss ich „Adieu“ sagen. Ich hatte jede Menge Spaß hier in der Redaktion und möchte allen Kollegen, darunter vor allem Eva, der „Kolumnen-Chefin“ und Tatjana unserer Chef-Redakteurin für die tolle Zeit danken. Auch danke an alle Face2Face-Leser, ich werde es vermissen für euch zu schreiben. Doch wie sagte Konfuzius: „Wer ständig glücklich sein will, muss sich oft verändern.“

Vorschau: Warum wollen junge Menschen auf das Schlachtfeld ziehen? Eva wird nächste Woche versuchen, diese Frage zu beantworten, wenn sie der Faszination des Krieges nachgeht.

Das Geschäft mit der Angst

Kommentar: Seit einigen Monaten finden sich in der Presse immer wieder Berichte über den aktuellen Ausbruch des tödlichen Ebola-Fiebers in Westafrika. Inzwischen seien nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mehr als 10.000 Menschen infiziert worden, daran verstorben rund 4.900 – wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird.

Erste Fälle der aktuellen Epidemie traten im Februar in Guinea auf. In den letzten Wochen gibt es nun wiederholte Berichte über eine Ausbreitung in Europa, Amerika und Australien.
Bekannt ist die Krankheit bereits seit Mitte der 1970er. Zu Ausbrüchen außerhalb Afrikas kam es in dieser Zeit nur sehr selten. In Afrika allerdings kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu neuen Epidemien. Trotzdem sind bis heute weder Impfstoffe noch Heilmittel verfügbar. Neuerdings existieren aber zumindest experimentelle Mittel. Geforscht wird an diesen Mitteln erst seit kurzem – offensichtlich erst, seitdem sich der Westen durch die Krankheit bedroht sieht. Die Pharmaindustrie genießt kein gutes Ansehen. Auch im aktuellen Fall zeigt sich einmal mehr, wie menschenverachtend das Geschäft mit der Gesundheit eigentlich ist. Afrika stellt wohl keinen besonders attraktiven Absatzmarkt dar. So muss erst der Westen eine Bedrohung fühlen, bis die seit Jahrzehnten benötigten Forschungen in Gang kommen.

Inzwischen hat glücklicherweise die Europäische Union beschlossen, eine Milliarde Euro für die Bekämpfung der Seuche bereitzustellen. Auch das wirkt wie ein verschwindend geringer Betrag, erinnert man sich etwa an die – vor allem auf dem Papier gefährliche – Finanzkrise und die damals erfolgten Bankenrettungen.

Dabei scheint es nicht die tatsächliche Bedrohung durch die Krankheit zu sein, die die Forschung antreibt, sondern vielmehr die Angst der Menschen vor einer möglichen Pandemie. Zwar handelt es sich bei Ebola um eine hochgefährliche Krankheit. Glücklicherweise verläuft eine Ansteckung aber nur über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten. Das Robert-Koch-Institut rechnet zudem nicht mit einer großen Bedrohung für Deutschland. Hier geht man davon aus, dass es nur zu vereinzelten Fällen kommen wird.

Und doch scheint Hysterie ein guter Verkaufshelfer für Medikamente zu sein: Man denke etwa an die Panik vor dem Ausbruch der Vogelgrippe und die unzähligen Tonnen Tamiflu, die damals für hohe Preise verkauft wurden. Wirklich benötigt wurde das Mittel nicht.
Seuchen sind keinesfalls zu unterschätzen. Bei mangelnder Koordination kann eine Krankheit wie Ebola schnell zur weltweiten Bedrohung werden. Tragisch scheint es aber, dass erst eine Angst vor dieser Bedrohung existieren muss, um sich überhaupt mit dem Problem auseinanderzusetzen. Den Toten der vergangenen Jahrzehnte werden die jetzt produzierten Heilmittel nicht mehr helfen.

Die vielseitigen Wirkungen der Tees – Teil 2

Jeder von uns hat mindestens einmal in seinem Leben über folgende Umstände geklagt: Stress, Ma­gen-Darm- und Verdauungsprobleme, innere Unruhe oder auch Schlafprobleme. Beschwerden, de­nen wir am liebsten entgegenwirken wollen und deswegen meistens gleich zu Medikamenten grei­fen. Allerdings gibt es einige sehr wirkungsvolle und leckere Teesorten, die in solchen Fällen einge­setzt werden können. Face2Face stellt euch einen weiteren Teil der verschiedenen, gesunden Tees vor:

Große Auswahl: Es gibt unzählige gesunde Teesorten (Foto: Sharifi)

Große Auswahl: Es gibt unzählige gesunde Teesorten (Foto: Sharifi)

1. Baldrian Tee
Die Pflanze gilt in der Medizin als leichtes Beruhigungs- und Schlafmittel. Daher wirkt sich der Tee ebenfalls schlaffördernd und beruhigend aus. Häufig wird er auch gegen innere Un­ruhe, Nervosität und Angst getrunken. Schließlich ist Baldrian stimmungsaufhellend und er­zeugt einen Ausgleich für das Nervensystem. Daher wird dieser Tee auch Schlaf- und Ner­ventee genannt.
Wer unter enormer Prüfungsangst leidet, dem wird empfohlen Baldrian mehrere Tage vorher schon zu trinken, da es die Angst etwas mindert.

2. Hagebutten Tee
Dieser Tee ist eine wahre Vitaminbombe, vor allem besitzt er sehr viel Vitamin C. Aus die­sem Grund empfiehlt es sich diesen vorbeugend zu trinken, um die natürlichen Abwehrkräf­te zu unterstützen. Der Hagebutte wird eine wundheilungsfördernde Wirkung zugesprochen, welche auch bei Magen-Darm-Problemen hilft. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern ist der Tee förderlich. Da der Tee eine Normalisierung der Darmtätigkeit wieder herstellt, wird er sowohl bei Verstopfungen als auch bei Durchfall gerne getrunken.

Gesunde Tees: Verschiedene Tees wie Johanniskraut helfen ähnlich gut wie Medikamente (Foto:Sharifi)

Gesunde Tees: Verschiedene Tees wie Johanniskraut helfen ähnlich gut wie Medikamente (Foto:Sharifi)

3. Johanniskraut Tee
Seit mehr als 2000 Jahren gilt diese Pflanze als eine sehr wirksame und entzündungshem­mende Heilpflanze. Sie kann bei Menschen und Tieren angewandt werden. Eine äußerliche als auch innerliche Behandlung ist möglich, wie zum Beispiel zur Wundheilung durch äu­ßerliche Anwendung.
Johanniskraut gilt als bestes pflanzliches Mittel gegen Depressionen und wirkt besonders bei mehrwöchigem oder monatlichem Gebrauch. Außerdem hilft Johanniskrauttee gegen Ver­stimmungszustände, Ängste, innere Unruhe, Nervosität und Verdauungsproblemen. Da die Pflanze nicht mit allen Medikamenten kompatibel ist, sollte vorher eine Absicherung bei ei­nem Arzt oder Apotheker eingeholt werden. Darüber hinaus wird von einer Verwendung bei Kindern unter zwölf Jahren abgeraten, ebenso bei Schwangeren oder Stillenden. Grund hier­für ist die unzureichende Untersuchung der Wirkungen, auf die oben zutreffenden Personen­kreise.

4. Malvenblätter Tee
Die Malvenblätter führen eine Reizlinderung bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum herbei. Ebenso ist der Tee gut für den Magen-Darmtrakt, gegen Reizhusten, Zahnfleischentzündungen und Halsschmerzen.

5. Melissen Tee
Die Melisse wird hauptsächlich bei Erkältungskrankheiten und Magenbeschwerden verwen­det. Allerdings kann diese Pflanze weit aus mehr, wie zum Beispiel Herz und Nerven beru­higen und damit Herzrasen und -klopfen vermindern. Darüber hinaus ist die Melisse gut für das Wohlbefinden und kann bei regelmäßiger Einnahme depressive Zustände mildern. Auch kann durch das Trinken erhöhter Blutdruck gesenkt, Leber- und Gallenleiden vermindert und das Immunsystem gestärkt werden.

6. Pfefferminz Tee
Der Pfefferminze wird eine antivirale Wirkung zugeschrieben und sie ist gegen viele Be­schwerden hilfreich. Der Tee wirkt sich krampflösend bei Magen-Darm- und Menstruations­problemen aus. Häufig wird Pfefferminztee auch bei einem verdorbenem Magen getrunken, da der Tee einen beruhigenden Effekt hat. Außerdem tötet die Pfefferminze Keime im Mun­d- und Rachenraum, weswegen sie auch gerne bei Halsschmerzen und – kratzen eingesetzt wird. Die Pflanze hat einen positiven Effekt bei Husten, da sie sich schleimlösend auswirkt und die Atemwege befreit. Auch bei Spannungskopfschmerzen und Migräne ist Pfefferminz­tee gut, denn der Schmerz wird gelindert. Weiterhin wird der Tee bei Übelkeit, Brechreiz und zur Appetitförderung eingesetzt.

Vorschau: Nächste Woche präsentiert Face2Face ein kreatives Geldgeschenk.

Horrormärchen, Schoßhündchen oder schützenswerte Art? Der Wolf

Der Wolf (Canis lupus) hatte für den Menschen schon immer eine sehr große Bedeutung. In der Wahrnehmung der nomadisierenden Jäger stand er für Mut, Ausdauer, Familiensinn und vor allem für Anpassungsfähigkeit. Das alles sind Eigenschaften, die auch den Menschen auszeichnen und diesem Tier den Respekt und sogar die immerwährende Freundschaft des Menschen einbrachten. Was sich allerdings heute auf unseren Kuscheldecken tummelt, hat nur noch sehr wenig von den ausdauernden und kräftigen Jägern in sich, die einst unsere Wälder durchstreiften.

Heute ist der Wolf ein „wildes Tier“, ein Relikt aus einer vergangen Zeit, welches seinen Platz in unserer Gesellschaft verloren zu haben scheint. Unser heutiges Bild vom Wolf wird von Horrorgeschichten und alten Märchen geprägt. Unwissenheit und Unsicherheit gegenüber diesem, lange Zeit verschwundenen Raubtier machen aus Geschichten vage Ahnungen und gefährliches Halbwissen. Greifen Wölfe wirklich Menschen an? Kann man weiterhin unbedarft durch heimische Wälder spazieren oder seine Kinder alleine auf den Spielplatz schicken? All das sind Fragen, die die Menschen beschäftigen und auch beschäftigen müssen. Denn seit einiger Zeit ist nun bekannt: Er ist zurück.

Laut dem NABU Projektbüro Wolf leben zurzeit in Deutschland wieder 19 Wolfsrudel, vier Paare und sieben Einzelwölfe (Stand: 30.04.2013), die sich v.a. in den Bundesländern von Sachsen und Brandenburg, aber auch vereinzelt in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und sogar bis hoch nach Schleswig-Holstein aufhalten. Dies ist nicht verwunderlich. Im Alter von etwa 22 Monaten verlassen die Jungtiere ihr Rudel und legen auf der Suche nach neuen Territorien mehrere 100 km zurück. Sie sind gute Schwimmer und auch größere Flüsse stellen dabei kein besonderes Hindernis dar.

Die ökologischen Voraussetzungen für den Wolf sind auch in Deutschland gegeben. Ungefähr 30 % unserer Landesfläche sind mit Wald bedeckt und die Tendenz ist steigend. Laut statistischem Bundesamt ist die Waldfläche zwischen 1992 und 2008 um durchschnittlich 176 km² gewachsen, was etwa der Größe von Karlsruhe entspricht. Jagd macht der Wolf vor allem auf Paarhufer, wie Rehe, Hirsche und Wildschweine und erfüllt dabei eine wichtige ökologische Funktion. Indem er den Bestand an Rot- und Schwarzwild verringert, werden Fraßschäden an Bäumen reduziert. Der Wolf ist auch ein Opportunist und sucht sich die Beute, die für ihn am leichtesten zu erreichen ist. Dazu gehören kranke und schwache Tiere, aber auch Nutztiere, insbesondere Schafe. Das führt unweigerlich zu Konflikten mit dem Menschen. Dabei kommt es den jeweiligen Bundesländern zu, die Bauern für ihre Verluste zu entschädigen.

Auch wenn der Wolf mittlerweile zu den am stärksten geschützten Arten Europas gehört, bieten sich den Hirten einige Möglichkeiten, um sich vor Wolfsangriffen zu schützen. Neben speziell gezüchteten Hunderassen können auch so genannte Lappenzäune eingesetzt werden. Sie setzten sich aus einer gespannten Schnur und daran befestigten 50 cm langen Stofflappen zusammen. Diese flattern im Wind und rufen bei den Wölfen eine panische Angst hervor. Warum konnte bis dato noch nicht geklärt werden. Laut einer im Jahre 2002 in Auftrag gegeben Studie (The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans) des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) gelten Wolfsangriffe auf Menschen in Europa als sehr unwahrscheinlich. Gesunde Wölfe reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen und werden eher als Konkurrenten angesehen. In den seltenen Fällen, in denen es zur Tötung eines Menschen durch Wölfe kam, ließen sich die Angriffe auf Tollwut oder starke Gewöhnung der Tiere an den Menschen zurückführen.

Ein Wolf ist kein Schoßhund und ein gesunder Respekt, wie gegenüber jedem Wildtier, ist angebracht. Dennoch stellt er für unsere Natur und das Ökosystem unsere Wälder eine Bereicherung dar. Es ist Aufgabe der Regierung und verantwortlichen Menschen in Wolfsgebieten ausreichend aufzuklären und sich um die Belange geschädigter Interessensgruppen zu kümmern, um eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Tier zu ermöglichen.

Vorschau: Und nächste Woche spricht die Tier&Umwelt-Redaktion mit Pflanzen – ihr dürft gespannt sein!