Steuerhinterziehung – (k)ein Kavaliersdelikt

Die Berichterstattung über prominente Steuerhinterzieher wie Alice Schwarzer und Uli Hoeneß ließ in letzter Zeit eine Diskussion über die Strafbefreiung wegen freiwilliger Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung aufkommen. Die Gründerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma kam straffrei davon – dies wurde von vielen Seiten als ungerecht empfunden. Bayerns nun ehemaliger Präsident Hoeneß hingegen hat nun eine Gefängnisstrafe vor sich – zum Entsetzen vieler Fans und Anhänger, die auf einen Freispruch hofften.

Das Rechtsgut hinter der Strafnorm der Steuerhinterziehung ist der Steueranspruch des Staates. Die Strafbefreiung wegen Selbstanzeige soll dem Täter eine „Brücke in die Legalität bauen“. Nachdem bekannt wurde, dass die Bundesrepublik CDs mit Daten zur Überführung von Steuersündern gekauft hatte, kam es zu einem extremen Anstieg von Selbstanzeigen. Doch nicht Reue war es, was die Täter dazu bewegte, sondern die Angst vor der Strafte. Eine ähnliche Sichtweise schien auch Hoeneß zu haben. Er habe viel Geld an den Fiskus gezahlt und auch hohe Beträge an gemeinnützige Zwecke gespendet, ließ er vor Gericht verlauten. Nach Reue klingt dies nicht, eher nach Uneinsichtigkeit.

Geht von dem Urteilsspruch nun eine abschreckende Wirkung für andere, noch nicht geständige Steuersünder aus? Die Zahl der Selbstanzeigen stieg laut Medienberichten seit dem Bekanntwerden von Hoeneß’ Steuerhinterziehung erneut. Es liegt eine ängstliche Stimmung in der Luft. Der Fall Hoeneß hat gezeigt, dass es eben doch nicht ausreicht, kurz vor knapp geständig zu sein, sondern dass komplexe und zeitaufwendige Berechnungen vonnöten sein können, wenn eine Straffreiheit erreichen werden soll.

Ein gespannt erwartetes BGH-Urteil über die rechtliche Bewertung fehlgeschlagener Selbstanzeigen muss nun doch noch auf sich warten lassen, da Hoeneß eine Revision ablehnte und auch die Staatsanwaltschaft darauf verzichtete, obwohl sie zwei Jahre Gefängnisstrafe mehr forderte, als das Gericht letztlich urteilte. Eine solche Grundsatzentscheidung mag auch besser und unabhängiger getroffen werden können, wenn es nicht um einen prominenten Fall geht. Vielleicht greift die Politik dem aber auch schon vor. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kündigte bereits Verschärfungen für die Selbstanzeige an.

Auch die Europäische Union verschärfte unlängst den Kampf gegen Steuerhinterziehung. Künftig tauschen die Steuerbehörden der 28 Mitgliedstaaten stetig Informationen über Einkommen von EU-Ausländern aus. Damit ist praktisch das Bankgeheimnis für EU-Ausländer abgeschafft.

Sind E-Books die Zukunft des Buches? – Ein Rundgang auf der Frankfurter Buchmesse

Zwischen gestapelten Büchern, Autoren, Diskussionsrunden mit Prominenten und kulinarischen Finessen befinden sich Journalisten, Literatur-Kritiker und Blogger aus der ganzen Welt. Die diesjährige Frankfurter Buchmesse steht ganz unter dem Motto „Neues denken” und „Sagenhaftes Island“. Das Hauptaugenmerk liegt dabei allerdings auf der Zukunft des Buches.

„Nachdem man das Buch gelesen hat, macht es sich gut neben den anderen im Regal. E-Books kommen für mich nicht in Frage“, so die Studentin Sophie Hirte zur Zukunft des Buches. Wie Sophie Hirte sind auch für Diana Schneider gebundene Ausgaben ansprechender: „Ein Leben ausschließlich mit elektronischen Büchern kann ich mir nicht vorstellen“.

Ein zukunftsweisendes Modell befindet sich in Halle 3.1 am Stand vom „Sicht“-Verlag. Dort präsentiert Christian Vagedes, Designer und Autor sein Buch „veg:up – die veganisierung der welt“. Vagedes hat seine Vorstellung vom Buch der Zukunft schon die Tat umgesetzt „Das erste vegane Hardcoverbuch ohne Knochenleim – ein Buch das aus 100% veganen Materialen besteht.“ Man entwickelte hierfür einen innovativen Leim, der ohne tierische Partikel auskommt und ein grüner Faden hält die Seiten zusammen. Wenige Wochen nach dem Erscheinungstermin gab es daraufhin Anfragen aus Polen und Amerika zur Übersetzung. Dies zeigt, dass Veganismus nicht nur speziell ein Thema ist, wenn es sich um Ernährung handelt, sondern ein weitreichenderes globales Thema ist.

Christian Vagedes: Designer und Autor des Buches „veg:up – die veganisierung der welt“ (Foto: Jenowein)

Aufgebaut ist das Buch wie ein Laptop, dass im Querformat gelesen wird. Bei der Schriftart seines Werkes setzt Vagedes auf die sogenannte Rotis-Schriftart. Alle Wörter, auch Substantive werden hierzu klein geschrieben. Beim Durchblättern und Lesen einzelner Textpassagen wirkt die Textform noch etwas ungewohnt für mein Auge. „Mit der Zeit gewöhnt sich das Auge recht schnell an die Orthographie des Textes, somit ermüdet es weniger und man bleibt länger konzentriert“, wie Vagedes erläutert. Bei seinen Erkenntnissen beruft er sich unter anderem auf Jacob Grimm, der mit seinem Bruder die weltbekannten Grimmschen Märchen verfasste, der seine Geschichten ebenfalls in der Rotis-Schriftart schrieb.

Ein gesundheitlicher Aspekt bringt diese neue Art von Buch auch mit sich. Durch das Querformat kommt es nicht zu einer sogenannten Nackensteife beim Lesen.

Am Stand von „pubbles – laden und lesen“ (Halle 3.1 – Stand D128) informiert mich Geschäftsführer Dr. Bernhard Mischke über aktuelle Neuigkeiten. „pubbles“ ist die Plattform für den Online-Vertrieb digitaler Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. Auf der verlagsübergreifenden Plattform für „E-Content“ kaufen und lesen Kunden digitale Publikationen ganz einfach per Klick. Bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse bietet „pubbles“ wieder in Zusammenarbeit mit den Verlagspartnern „Random House“ und „Bastei Lübbe“ eine „Free-E-Book“-Aktion an. Dabei können neue User während des gesamten Messezeitraums gratis einen Titel pro Tag downloaden. Diese Art von „Free-E-Book“-Aktion wurde bereits während der Leipziger Buchmesse durchgeführt und sehr gut von den Nutzern angenommen.

„pubbles“ gehört zu den größeren Unternehmen des digitalen Vertriebes. Unter den jüngsten Highlights befinden sich die “Süddeutsche Zeitung” und die „Special Interest“-Titel, wie „triathlon knowhow”, „Apps & Co” und „tanz”. Zudem finden die Nutzer mittlerweile rund 50.000 E-Books auf „pubbles – von aktuellen Bestsellern (Charlotte Roche’s „Schoßgebete”, „Erlösung” von Jussi Adler-Olsen und „Der dunkle Thron” von Rebecca Gablé), bis hin zu kostenlosen Klassikern wie „Der kleine Lord” von Frances Hodgon Burnett und „Der Graf von Monte Christo” von Alexandre Dumas. Über die Kooperation mit „Libri“ wird sich das E-Book-Sortiment darüber hinaus im Herbst 2011 um weitere 100.000 Titel vergrößern.

Die „pubbles“-Android-App wird derzeit in einem Beta-Test finalisiert und kurzfristig im Android Market verfügbar sein. Damit erweitert „pubbles“ die technische Verfügbarkeit deutlich. Geschäftsführer Dr. Bernhard Mischke: „Mit dem Start der Pubbles-App auf Android bieten wir unsere Plattform für digitales Lesen den mehr als vier Millionen Android-Nutzern an: „Unser strategisches Ziel ist es, unseren Endkunden überall und geräteunabhängig ihre digitalen Leseinhalte bereitzustellen. Die Android-App ist ein großer Schritt in diese Richtung, und wir freuen uns darauf, vielen neuen Kunden digitale Leseinhalte auf ihr Android-Gerät zu bringen – vom kleinen Smartphone bis zum High-End-Tablet”.

Ein weiteres großes Thema ist die Verknüpfung von Print-Abo und exklusiven digitalen Inhalten. Wer schon ein Print-Abo einer Zeitung oder Zeitschrift bezieht, kann bei „pubbles“ mit Printabo die Inhalte zusätzlich digital erhalten. Aktuell sind im Angebot 18 Titel auf „pubbles“ erhältlich. „Mit sehr guter Resonanz von den teilnehmenden Verlagen.: “Wir erweitern so die Serviceangebote für unsere Verlagspartner und verbessern damit letztlich das Lese-Erlebnis für unsere Kunden”, sagt Geschäftsführer Dr. Bernhard Mischke zusammenfassend.

Der neue E-Book-Reader „OYO II“ der Buchhandelsgruppe „Thalia“ ist ab November 2011 auf dem Markt erhältlich (Foto: Jenowein)

Die Buchhandelsgruppe „Thalia“ strebt einen Ausbau ihres Multichannel-Geschäftsmodells an. Ein trianguläres Modell mit den Geschäftsfeldern stationäre Buchhandlungen, E-Commerce und Digitales Lesen ist vorgesehen. Diese werden jeweils entsprechend der Kunden optimiert. „Bis 2017 ist davon auszugehen, dass der stationäre Buchhandel in Deutschland nur noch für die Hälfte des Gesamtumsatzes am Buchmarkt sorgen wird. Der Rest wird über den Onlinehandel und digitalen Content generiert. Die Zukunft des Buchhandels heißt Multichannel. Nur wer als Marke jederzeit, überall und aus einer Hand erreichbar ist, kann langfristig eine nachhaltige Kundenbindung erzielen,so Michael Busch Geschäftsführer von Thalia Holding GmbH Deutschland. Unterdessen stellte Thalia das neue Modell des E-Reader „OYO II“ vor. Der Verkaufsstart ist pünktlich zum Weihnachtsgeschäft für Anfang November geplant und preislich werden sich die Geräte um 120 Euro bewegen. Hauptmerkmale sind das geringe Gewicht von 260g und die Vielfalt der 300 000 englischsprachigen und 100 000 in deutscher Sprache verfügbaren E-Books. Anders wie beim iPad ist der „OYO II“ mit einem schwarz-weiß Display ausgestattet. Somit ist er nur zum Lesen konzipiert und eignet sich nicht für andere Applikationen.

Im Bereich der digitalen Schulbücher ist man bei den renommierten Verlagen noch etwas zurückhaltend. „Viele Lehrer sind noch nicht technikaffin wie ihre Schüler. Die Frage ist auch ob der Lerneffekt von White-Boards so gut ist – dafür gibt es noch keine Langzeitstudien. In der Unterstufe sollten die Bildschirmzeiten noch niedrig gehalten werden. Ich bin nach wie vor für das konventionelle Schulbuch“, beschreibt Dr. Karsten Joost vom „Oldenbourg-bsv“-Verlag die aktuelle Situation auf dem Schulbuchmarkt.

Auf der „Ard“-Bühne stellt Alice Schwarzer ihre Autobiographie vor. Lässig und herzlich spricht sie über vergangene Tage mit „Titel-Thesen-Temperamente“-Moderator Dieter Moor. Hauptthema ist die Arbeit bei der Frauenzeitschrift „Emma“ die sie vor 34 Jahren gegründet hat. Danach erscheint Charlotte Roche. Roche begeistert vorwiegend junge Frauen, allderings auch einige ältere Zuhörer konnte Roche mitreißen. Wie gewohnt spricht Roche sehr offen über Sex, insbesondere die Sexszenen aus ihrem neuen Buch „Schoßgebete“.

Viele bekannte Gesichter auf der „Ard“-Bühne: Hier Charlotte Roche mit Moderator Mathias Morgenthaler (Foto: Jenowein)

„Sexszenen gehören zu einem Roman dazu, wer sie weglässt, ist in meinen Augen pervers. Bei einem Film finden sie es dagegen ganz normal“, so Roche im Gespräch mit Moderator Mathias Morgenthaler. Durch ein kurzes „Fuck it“ erheiterte sie das Publikum bevor ein Pulk Mädchen auf sie zustürmte, um ein Autogramm zu ergattern.

In Halle 3.1 befindet sich unter anderem die „Gourmet Gallery“ – der kulinarische Part der Buchmesse. Hier stellt die österreichische Starköchin Sarah Wiener ihr neues Kochbuch „Herdhelden: Mein persönliches Österreich-Kochbuch“ vor, dass im „Gräfe und Unzer“-Verlag erschienen ist. Für viele ist sie ein bekanntes Gesicht aus zahlreichen  Auftritten als Fernsehköchin oder durch den erst jüngst ausgestrahlten Sonntagabend-Talk von Günther Jauch zum Thema „Essen für die Tonne – Wie stoppen wir den Wegwerf-Wahnsinn?”.

Bei der dargebotenen Koch-Show scherzt sie wie gewohnt in ihrem symphatischen österreichischen Akzent mit ihren zwei männlichen Hilfsköchen. Jedoch äußerte sie sich kritisch gegenüber zunehmende Vereinheitlichung der Geschmäcker der Lebensmittel und den Anbau von riesigen Sojamengen in Südamerika für die Massenproduktion von Fleisch in Europa.

Sarah Wiener und ihre zwei „Herdhelden" zaubern kulinarische Finessen in der Gourmet Gallery der Frankfurter Buchmesse (Foto: Jenowein)

Veganismus kommt für sie jedoch nicht in Frage -„Das ist mir viel zu dogmatisch. Ich lasse mich selbst gern von einem guten Stück Fleisch verführen. Wir sind von unserem Organismus her Mischköstler”,  erläutert Wiener ihren Standpunkt. Wichtig ist ihr sie die Produktion, insbesondere die artgerechte Tierhaltung auf saftig grünen Wiesen.

Vorschau: Nächsten Freitag erfahrt ihr an dieser Stelle mehr über Leonardo da Vinci.