Zeit für den Umbruch

In der größten Handballhalle Europas tanzten am vergangenen Sonntag, 29.02., die dänischen Nationalspieler freudestrahlend im Kreis. Sie hatten dank eines 21:19-Sieges über Serbien zum zweiten Mal nach 2008 die Handball-Europameisterschaft gewonnen. Dabei sah es danach zu Turnierbeginn überhaupt nicht aus: Mit null Punkten kamen die Dänen in die Hauptrunde. Kein sogenannter Experte gab mehr einen Pfifferling auf die Skandinavier. Doch sie zeigten es allen. Mit Siegen über Mazedonien, Deutschland und Schweden stießen sie ins Halbfinale vor. Was in der Folgezeit geschah ist bekannt.

Mannschaften, die solch ein Turnier spielen bezeichnet man gerne als „Turniermannschaft“. Diese Bezeichnung traf früher auch oft auf die deutsche Auswahl zu. Angesichts der heutigen Leistungen scheint dies allerdings schon etliche Jahre entfernt. Der Weltmeister von 2007 hat nicht wirklich versagt, doch geglänzt haben die Jungs von Neu-Bundestrainer Martin Heuberger auch nicht:

Nach einer enttäuschenden 24:27-Auftaktniederlage gegen Tschechien standen die deutschen Handballspieler bereits früh mit dem Rücken zur Wand. Ein Kraftakt gegen den Underdog Mazedonien und ein verdienter Sieg gegen ersatzgeschwächte Schweden, brachten die Deutschen mit der Optimalausbeute von vier zu null Punkten in die Hauptrunde. Dort lief es dann aber, bis auf die famose Aufholjagd gegen Gastgeber Serbien, weniger gut.

Nach Niederlagen gegen Dänemark und Polen platze der Medaillentraum wie eine Seifenblase und Olympia wurde am Ende sang und klanglos verpasst. Ein Rückschlag, der auf der einen Seite zwar mehr als ärgerlich ist, auf der anderen Seite aber auch nicht wirklich überraschend kam, da die DHB-Auswahl nicht (mehr) zur Weltspitze gehört und der K.o. im Kampf um ein Olympia-Ticket schon vor den Titelkämpfen wahrscheinlich war.

Da die Sportart Handball vom Ansehen der Nationalmannschaft abhängig ist, sind die Folgen des Scheiterns momentan noch nicht ab zusehen. Jedoch wäre es an dieser Stelle falsch, von einer Katastrophe zu sprechen. Nach zwei desaströsen Turnieren hat die DHB-Auswahl ein ordentliches Turnier gespielt. Heuberger ist es gelungen die alten Tugenden wie Kampf, Emotion und Moral zurückzubringen. Des Weiteren brachte er mit dem neuen „Wir-Gefühl“ so etwas wie frischen Wind in den lange Zeit verstaubt wirkenden Teamgeist.

Auch ein kleiner Umbruch ist dem langjährigen Assistent von Ex-Bundestrainer Heiner Brand bereits gelungen: Patrick Groetzki hat sich in der Nationalmannschaft etabliert und Rohdiamant Sven-Sören Christophersen den Durchbruch geschafft. Auch der talentierte Kreisläufer Patrick Wiencek bekam wichtige Spielanteile. Möchte das Nationalteam wieder an bessere Zeiten anknüpfen muss dieser Umbruch nun fortgesetzt werden. Die Verantwortlichen der Liga und des Verbandes stehen nun im Fokus. Ausreden gibt es keine mehr. Die Talentförderung muss endlich optimiert werden. Frei nach dem Motto der letzten erfolgreichen deutschen Weltmeisterschaft: „Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ 

Vorschau: Nächste Woche berichtet Anja über den am Montag, 6.Februar, stattfindenden Super-Bowl.