Auch ohne Reus jede Menge Qualität

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw hat am gestrigen Dienstag seinen endgültigen 23-köpfigen Kader für die anstehende Europameisterschaft (10. Juni – 10. Juli) in Frankreich benennen müssen. Mit der verletzungsbedingten Streichung von Marco Reus sorgte Löw für Aufsehen. Die F2F-Sportredaktion nimmt die EM-Fahrer mal genauer unter die Lupe.

Tor: Mit Manuel Neuer steht der wohl aktuell beste Torwart seiner Zunft zwischen den Pfosten. Seine Vertreter und gleichzeitigen EM-Debütanten Bernd Leno und Marc-André ter Stegen besitzen eine Menge Potenzial. Leno verdiente sich die Nominierung aufgrund seiner starken Leistungen am Ende der gerade abgelaufenen Bundesligasaison. Auch ter Stegen ist ein echter Meister seines Fachs, gewann 2015 mit dem FC Barcelona souverän die Champions League und wird nicht umsonst mit „Torwart-Titan“ Oliver Kahn verglichen. Das Kuriose: Mit dem Bundesadler auf der Brust machte der gebürtige Mönchengladbacher bislang alles andere als eine gute Figur. Erst bei der jüngsten 1:3-Testspielniederlage gegen die Slowakei rutschte ihm der Ball ungeschickt durch die Hände, um dann zwischen seinen Beinen hindurch die Torlinie zu überschreiten. Kleines Trostpflaster: Er konnte in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien einen Elfmeter von Lionel Messi sehenswert parieren.

Abwehr: Hier musste lediglich der als pflegeleicht und universell einsetzbar geltende Sebastian Rudy seine EM-Träume zu den Akten legen. Ansonsten verkörpert der Defensivverbund um Jérome Boateng, Jonas Hector, Benedikt Höwedes, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Emre Can und dem noch angeschlagenen Mats Hummels jede Menge Qualität. Was außerdem Mut macht: Die Prognose für eine baldige Genesung des Weltklasseinnenverteidigers Hummels sind durchweg positiv. „Bei Mats wird es zwar noch ein paar Tage dauern, aber auch er wird uns beim Turnier zur Verfügung stehen“, ließ Löw verkünden.

Mittelfeld: Beim Turnier zur Verfügung stehen wird wohl auch Bastian Schweinsteiger. Der Held von Rio ist laut dem Bundestrainer „voll belastbar“ und trainiert bereits wieder mit der Mannschaft. Doch egal ob fit oder nicht. Auf die Führungsqualitäten eines Schweinsteigers kann der Löw bei so einem Turnier schlicht und ergreifend nicht verzichten. Somit ist die Nominierung völlig nachvollziehbar, selbst, wenn der Kapitän erst nach den drei Gruppenspielen bei 100 Prozent sein sollte. Die tragische Figur dagegen ist und bleibt Marco Reus. Der vom Boulevard aufgrund seines Fahrens ohne Führerscheins verschriene „Raser Reus“, drückt vor den großen Turnieren regelmäßig kräftig auf die Bremse. Verletzte sich der Star von Borussia Dortmund vor der WM 2014 schwer am Syndesmoseband, machen ihm nun langwierige Beschwerden an den Adduktoren Probleme. „Er hat massive gesundheitliche Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen“, sagte Löw. „Die Mediziner waren äußerst skeptisch, dass er in den nächsten Woche bei einem zehrenden Turnier voll belastet werden kann“, ergänzte er. So schlimm das auch für Reus ist, so gefasst kann Löw auf das Aus seines Tempodribblers reagieren. Die Qualität auf den offensiven Außenbahnen ist auch ohne Reus immer noch sehr hoch. André Schürrle zeigt klar ansteigende Form, Julian Draxler will endlich den internationalen Durchbruch schaffen, Leroy Sané ist ein großes Versprechen für die Zukunft und auch der schon fälschlicherweise zu oft abgeschriebene Veteran Lukas Podolski kann seine Qualitäten in die Mannschaft einbringen. Mit dem aktuellen Champions-League-Sieger Toni Kroos und Sami Khedira verfügt Deutschland außerdem über zwei echte Anführer und Taktgeber im defensiven Mittelfeld. Der bei Bayern München in dieser Saison oft verschmähte Mario Götze könnte auf der zehner Position seinen großen Auftritt haben, wenn Arsenal-Star Mesut Özil bei dem Turnier nicht so zünden sollte wie zuletzt im Verein. Die ebenfalls gestrichenen Julian Brandt und Karim Bellarabi (beide Bayer Leverkusen) werden laut Löw auch in den nächsten Monaten und Jahren noch eine Rolle bei der Nationalmannschaft spielen. Für sie nominierte der Bundestrainer Julian Weigl und Joshua Kimmich und entschied sich somit für die großen Entwicklungsmöglichkeiten der Beiden.

Angriff: Klar hätte man Thomas Müller auch bereits schon im Mittelfeld aufzählen können. Ein Thomas Müller in Topform ist schließlich überall auf dem Platz zu finden. Da er aber aller Voraussicht nach wieder für die Tore der DFB-Elf verantwortlich sein wird, fühlt er sich hier bestimmt auch recht wohl. Ganz alleine ist der Thomas ja auch nicht. Mario Gomez, der beim Weltmeistertriumph 2014 wegen anhaltender Formschwäche fehlte, leistet ihm Gesellschaft. Der bullige Mittelstürmer, der bei Besiktas Istanbul zu seiner alten Stärke gefunden hat und mit 26 Treffern Torschützenkönig in der Türkei wurde, könnte ein wichtiger Mosaikstein im taktischen Gebilde des Bundestrainers sein. Vor allem gegen die in den Gruppenbegegnungen tief stehenden Ukrainer (12.06., 21 Uhr) und Nordiren (21.06. 18 Uhr) kann Gomez seine Kopfballstärke einbringen.

Der Kader im Gesamtüberblick:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München, 64 Länderspiele/0 Tore), Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 1/0), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona, 6/0)

Abwehr: Jérome Boateng (FC Bayern München, 58/0), Emre Can (FC Liverpool, 5/0), Jonas Hector (1. FC Köln, 13/1), Benedikt Höwedes (FC Schalke 04, 33/2), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 46/4), Shkodran Mustafi (FC Valencia, 10/0), Antonio Rüdiger (AS Rom, 10/0)

Mittelfeld:  Sami Khedira (Juventus Turin, 59/5), Toni Kroos (Real Madrid, 64/11), Bastian Schweinsteiger (Manchester United, 114/23), Julian Draxler (VfL Wolfsburg, 18/1), Joshua Kimmich (FC Bayern München, 1/0), Mario Götze (FC Bayern München, 51/17), Mesut Özil (FC Arsenal London, 72/19), André Schürrle (VfL Wolfsburg, 51/20), Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul, 127/48), Julian Weigl (Borussia Dortmund, 1/0), Leroy Sané FC (FC Schalke 04, 2/0)

Angriff: Thomas Müller (FC Bayern München, 70/31), Mario Gomez (Besiktas Istanbul, 63/27)

Vorschau: Nächste Woche ist bei Face2Face mal wieder etwas Platz für ein bisschen Satire.          

FC Bayern zum Vierten?!

„Prognosen sind äußerst schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Die Face2Face-Sportredaktion lehnt sich dennoch auch in diesem Jahr mal wieder weit aus dem Fenster und sagt die Tabellenplatzierungen der 18 Fußball-Bundesliga-Vereine am Ende der Saison 2015/2016 voraus.

Platz 1
FC Bayern München: Auch in diesem Jahr ist der FC Bayern wieder der große Favorit auf den Titel. Trainer Pep Guardiola hat seine Mannschaft erstmals und früh und – was besonders wichtig ist – ausgeruht zusammen. Das Sorgenkind bleibt der seit März verletzte Flügelflitzer Frank Ribery. Auch der Sturm ist, sollte Robert Lewandowski ausfallen, dünn besetzt.
Fazit: Für die vierte Meisterschaft in Folge reicht es aber dennoch locker.

Platz 2
VfL Wolfsburg: Der VW-Konzern-Klub hat mit Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking die richtigen Männer am Ruder sitzen. Das Duo ist in der Lage, das volle Potenzial aus der Mannschaft herauszuholen. Zudem ist der Kader eingespielt und hat mit Max Kruse einen deutschen Nationalspieler für die Offensive dazu gewonnen. Ein Fragezeichen steht aber noch hinter Spielmacher Kevin De Bruyne, der stark von Manchester City umworben wird. Ein eventueller Verlust könnte Wolfsburg nicht so einfach aufhalten.
Fazit: Der Vizemeister der vergangenen Saison wird auch in dieser Runde wieder eine wichtige Rolle spielen. Bleibt De Bruyne ist der zweite Rang wieder drin.

Platz 3
Borussia Dortmund: Alles neu macht Thomas Tuchel? Der Nachfolger von Jürgen Klopp wird mit Argusaugen beobachtet. Schafft er es in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten? Motor des Neustarts soll das famos besetzte Mittelfeld sein. Veränderungen brauchen allerdings Zeit, die Dortmund nicht hat. Der BVB muss gleich in der Europa League liefern, sonst droht Unruhe.
Fazit: Thomas Tuchel ist der richtige Mann am richtigen Ort. Bleibt die Borussia von größeren Verletzungen verschont, ist die direkte Champions League-Qualifikation drin.

Platz 4
Bayer 04 Leverkusen: Heung-Min Son, Karim Bellarabi, Hakan Calhanoglu oder der junge Julian Brandt. Das Prunkstück des Werksclubs ist ohne Zweifel die Offensive. Auch Torwart Bernd Leno zeihte national wie international immer wieder sein riesiges Potenzial und ist damit mehr als ein sicherer Rückhalt. Ob Bayer die Verluste von Rolfes, Castro und Reinartz ohne Störungen auffangen können, muss sich erst noch zeigen. Auch die Innenverteidigung ist nicht immer sattelfest.
Fazit: Die Leverkusener zeigen eine gewohnt konstante Leistung. Am Ende wird es auf Nuancen ankommen, ob Platz drei oder vier dabei herausspringen wird.

Platz 5
Borussia Mönchengladbach: Es herrscht Euphorie rund um den Borussia Park. 2011 spielten die Gladbacher noch in der Relegation gegen den Abstieg in die Zweitklassigkeit. In der vergangenen Saison qualifizierten sie sich dann für direkt für die Champions League. Welch eine Entwicklung! Beeindruckend auch das exquisit besetzte Mittelfeld, dass mit Lars Stindl genau das Puzzelteil bekam, das den abgewanderten Weltmeister Christoph Kramer (zu Bayer Leverkusen) ersetzen kann. Nach dem Abgang von Max Kruse (VfL Wolfsburg) muss sich aber erst noch eine treffsichere Alternative herauskristallisieren.
Fazit: Sollte Neu-Stürmer Josip Drmic einschlagen stehen für die mit der Champions League dreifach belastete Borussia alle Türen offen. Für einen Europa League-Rang sollte es dann alle mal reichen.

Platz 6
Schalke 04: André Breitenreiter hat das Steuer beim Traditionsklub übernommen. In welche Richtung er das gerne mal schwankende Schiff lenken wird, ist wohl eine der größten Fragen in der kommenden Saison. Mit dem deutschen U-21-Nationalspieler Johannes Geis konnten die Schalker einen – zugegebenen nicht ganz billigen – neuen Strategen für das Mittelfeld gewinnen.
Fazit: Apropos gewinnen: Das sollten die Blau-Weiß in der nächsten Saison relativ häufig. Ansonsten droht das Schiff recht schnell wieder in unruhige Gewässer zu schippern.

Platz 7
VfB Stuttgart: In Stuttgart wird nun auch auf der Trainerbank Schwäbisch geschwätzt. Neu-Trainer Alexander Zorniger steht für schnellen, zielstrebigen Offensivfußball. Diese Ausrichtung birgt aber gleichzeitig auch Gefahren. Auch die Frage, wie die Stuttgarter die letztjährigen Schreckensjahre verdauen, muss erst noch beantwortet werden.
Fazit: Hat der VfB mit dem neuen Spielsystem seines neuen Trainers Erfolg, kann es bis ganz weit oben in der Tabelle gehen. Vielleicht sogar auf einen Europa League-Platz. Realistischer ist aber eher eine Platzierung ab Rang sieben abwärts.

Platz 8
TSG 1899 Hoffenheim: Mit Roberto Firminio verlor die TSG das kreative Herzstück im Mittelfeld, das nicht eins zu eins zu ersetzten ist. Die 0:2-Niederlage in der ersten DFB-Pokalrunde zeigt auf, dass es zu Schwierigkeiten für die Hoffenheimer kommen kann. Aber die junge Mannschaft ist hungrig und mit den 41 Millionen aus dem Firminio-Transfer ist noch genug Spielraum da, um nachzulegen.
Fazit: Mit den Abgängen von Firminio, Beck und Salihovic wurde die Hierarchie in der TSG-Mannschaft gesprengt. Zu einem Rang für die internationalen Plätze reicht es auch in diesem Jahr nicht.

Platz 9
Eintracht Frankfurt: Armin Veh, Rückkehrer auf den Trainerstuhl, besitzt bei der Eintracht eine enorm hohe Akzeptanz. Mit David Abraham und Stefan Reinartz haben die Frankfurter höheres Tempo im Zentrum dazu gewonnen. Auch der niederländische Stürmer-Neuzugang Luc Castaignos zeigte bisher gute Ansätze. Ein herber Verlust war der Weggang von Kapitän und Torwart Kevin Trapp (Paris St. Germain). Auch die genaue Rückkehr von Torjäger Alex Meier ist ungewiss.
Fazit: „Ein Platz im internationalen Geschäft muss es nicht gleich sein“, ließ SGE-Trainer Veh verlauten. Einer im gesicherten Mittelfeld der Tabelle aber allemal.

Platz 10
SV Werder Bremen: Mit Viktor Skripnik kam die Wende. Der Trainer übernahm die Bremer auf dem 18 Tabellenplatz und führte sie anschließend noch bis auf Rang zehn. Zur neuen Saison schmerzen die Abgänge von U-20-Nationalspieler Davie Selke (RB Leipzig) und Franco di Santo (Schalke 04). Auch ein zentraler Spieler, der den Spielaufbau effektiver macht, fehlt.
Fazit: Die Mannschaft ist eingespielt und auch mit Rückkehrer Felix Wiedwald sollte das Torwartprobleme behoben sein. Der SVW wird am Ende weder etwas mit dem Abstieg noch mit den internationalen Plätzen zu tun haben.

Die Meisterschale ist serviert: Wer wird sie sich in der Saison 2015/2016 schnappen? Foto: Privat

Die Meisterschale ist serviert: Wer wird sie sich in der Saison 2015/2016 schnappen? Foto: Privat

Platz 11
1. FC Köln: Die Kölner zeigten als Aufsteiger eine gute Saison und hatten schon frühzeitig nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun. FC-Trainer Peter Stöger zeigte sich mit den Neuverpflichtungen mehr als zufrieden. Auch die Eingespieltheit der Mannschaft macht Hoffnung auf mehr.
Fazit: Mit den Neuzugängen Milos Jojic, Anthony Modeste und Leon Bittencourt haben die Kölner ihre Offensive nochmals verstärkt. Der Abgang von Wimmer konnte allerdings nicht ein zu eins ersetzt werden. Für mindestens Platz elf wird es aber reichen.

Platz 12
FC Augsburg: Der FCA war wiedereinmal die Überraschungsmannschaft der zurückliegenden Bundesligasaison. Mit der direkten Qualifikation für die Europa League haben die Augsburger ihren Höhepunkt erreicht. Und was folgt nach dem Höhepunkt? Genau: Es kann nur noch bergab gehen. Viele Leistungsträger sind über 30 Jahre alt. Neuzugänge, die die Mannschaft gerade mit Blick auf die Dreifachbelastung Liga, Europa League und DFB-Pokal, sofort verstärken können, sind momentan noch nicht verpflichtet worden.
Fazit: Die Augsburger können der Dreifachbelastung mit der aktuellen Mannschaft nicht stemmen. Leistungen wie in den vergangenen beiden Spielzeiten sind somit nicht drin. Dennoch reicht es am Ende für den zwölften Tabellenplatz.

Platz 13
FSV Mainz 05: Den Abgang von Johannes Geis nach Schalke versuchen die Mainzer mit dem Schweizer Fabian Frei aufzufangen. Damit verlieren die 05er wohl an Kreativität, gewinnen im Gegenzug dafür aber nach eigener Aussage mehr Dynamik. Diese soll vor allem zu Verfeinerung des geliebten Umschaltspiels beitragen.
Fazit: Mit Geis hat der Taktgeber das Mainzer Kollektiv verlassen. Auch Torjäger Okazaki strich die Segel. Können die Neuzugänge diese Verluste auffangen?

Platz 14
Hannover 96: Der Ligaverbleib wurde erst am letzten Spieltag sichergestellt. Mit Lars Stindl verließ der Kapitän und Anführer das fast gesunkene Schiff. Eine neue Galionsfigur muss erst noch gefunden werden. Immerhin verfügt 96 vor allem im Tor mit Nationaltorwart Robert Zieler und in der Defensive mit Christian Schulz und Marcelo über erfahrene wie zuverlässige Spieler.
Fazit: Die Hannoveraner werden es auch in der kommenden Saison wieder schwer haben. Ein drohender Abstiegskampf oder gar der bittere Gang in die zweite Liga sind nicht auszuschließen.

Platz 15
Hertha BSC: Wirkliche Verstärkungen haben die Berliner in der Sommerpause noch nicht präsentieren können. Es fehlen Typen, die vorangehen und die anderen mitziehen. Die Vorjahres-Zugänge wie Kalou, Stocker oder Beerens müssen sich stabilisieren. Hertha-Trainer Pal Dardai muss die Mannschaft zu einer Einheit formen.
Fazit: Neues System, neue Hierarchie. Wenn sich die Berliner nicht schnell finden, stecken sie wie auch in der vergangenen Saison, wieder mitten im Abstiegskampf fest. Schlimmstenfalls müssen sie in die Relegation.

Platz 16:
FC Ingolstadt 04:
Der erst 2004 gegründete und von Audi ordentlich gepuschte Verein, dominierte in der abgelaufenen Zweitligaspielzeit, die Saison. Die Aufstiegs-Elf konnte zusammengehalten und sogar punktuell verstärkt werden. Der eigentliche Star ist aber FCI-Trainer Ralf Hasenhüttl.
Fazit: Ingolstadt verfügt in seinem Kader nur über sehr wenig Bundesligaerfahrung. Ein echter Knipser hat sich momentan noch nicht gezeigt. Zur Relegation könnte es aber dennoch reichen.

Platz 17
Hamburger SV: Und jährlich grüßt das Murmeltier – oder in diesem Fall: Der Bundesliga-Dino. Und zwar vom unteren Teil der Tabelle. Der Traditionsverein hat es wieder einmal geschafft, schmachvoll in der ersten Runde des DFB-Pokals auszuscheiden. Da helfen auch alle Besserungsäußerungen der Verantwortlichen nicht viel. Bleibt nur zu hoffen, dass HSV-Trainer Bruno Labbadia den vorhanden Kader, der bis auf Neuzugang Emir Spahic – rein optisch betrachtet – nicht verstärkt wurde, besser machen kann.
Fazit: Das ganze Chaos rund um den Bundesliga-Dino ist schon mehr als nur eine Eintagsfliege. Daher ist es auch nur schwer vorstellbar, dass der als unabsteigbar geltende HSV auch die kommende Saison überlebt. Sollten sich Spieler und Verein nicht schleunigst in eine positive Richtung entwickeln, gesellt sich die Zweitklassigkeit endgültig zu den Hamburgern.

Platz 18
Darmstadt 98: Es war eine Sensation, wie ihn nur der Sport schreiben kann. Das klamme Darmstadt, mit baufälligem Stadion und beschaulichen finanziellen Mitteln, schaffte den Durchmarsch aus der dritten bis in die erste Liga. Und das alles mit einem klaren Plan: „Wichtig sind Charakter und Teamgeist“, verrät Erfolgstrainer Dirk Schuster. Doch diese Eigenschaften können die individuelle Unterlegenheit wohl nur teilweise außer Kraft setzen.
Fazit: Der Aufstieg in die Bundesliga war eine Sensation. Die Saison 2015/2016 darf sich auf einen echten Underdog mit Kampfgeist freuen. Die 98-Verantwortlichen sollten die Saison im Oberhaus genießen. Es wird vorerst die einzige sein.

Vorschau: Nächste Woche erfahrt ihr die Neuheiten aus dem Yoga-Bereich.

 

 

U-21 will zeigen, was in ihnen steckt

Als Bayern-Kapitän Philipp Lahm den DFB-Pokal in den Berliner Nachthimmel stemmte, beziehungsweise als der mexikanische Unparteiische Paul Delgadillo die Partie zwischen den USA und Deutschland abpfiff, war die Fußballsaison für die deutschen Fans offiziell beendet. Und was nun? Langeweile? Tagelanges Regenwetter ohne Aufsicht auf 22 Spieler, die einem Ball hinterher jagen? 

Nein! Denn just an diesem Mittwoch beginnt in Israel die Fußball U-21-Europameisterschaft. Mit dabei auch die deutsche Mannschaft. Nach dem souveränen Titelgewinn 2009 mit Spielern wie Mesut Özil, Manuel Neuer und Co und der peinlichen Nicht-Qualifikation 2011 möchte die jetzige DFB-Auswahl zeigen, was in ihnen steckt. „Wir wollen zeigen, dass die U-21 nach 2009 wieder da ist“, sagte Kapitän Lewis Holtby selbstbewusst. Auf dem England-Legionär der Tottenham Hotspurs wird die Hauptlast liegen, ist er doch einer der wenigen, die bereits bei der A-Nationalmannschaft Länderspielluft schnappen durften. „Ich will das Team zum Titel führen“, machte der Blondschopf aus seinen Zielen dann auch kein Geheimnis. 

Die Umstände dafür stehen nicht schlecht: Am Sonntagabend kam die Mannschaft von DFB-Trainer Rainer Adrion in ihrem Quartier, am Hafen von Tel Aviv, an. Eine Unterkunft, in der die Deutschen bereits im März eine Woche lang logierten und sich mit der Umgebung vertraut machten. Auch die nah gelegenen Trainingsplätze weißen internationale Klasse auf. Einer erfolgreichen Vorbereitung steht also nichts mehr im Wege. 

Kopfzerbrechen könnte höchstens die schwierige Gruppenphase mit sich bringen. In der Gruppe B gilt es mit Spanien, Niederlande und Russland drei starke Mannschaften aus dem Weg zu räumen. Die Niederlande setzt gleich auf zwölf Spieler mit A-Erfahrung im Kader. Die Spanier und Russen bringen sogar richtige Prominenz mit: Während Russland mit Alan Dsagojew (ZSKA Moskau) den dreifachen Torschützen der Herren-EM 2012 in seinen Reihe aufbieten kann, haben die Spanier Toptalent Isco (FC Malaga) und Torhüter David de Gea (Manchester United) dabei.  Holtby bleibt dagegen gelassen. Für den 22-Jährigen ist das der unausweichliche Weg, wenn man den Titel gewinnen möchte. Die DFB-Elf ist heiß auf diese EM: „Es gibt nichts schöneres als Holland zu schlagen. Sofort gegen den Erzrivalen, das ist fantastisch“, strahlt der Regisseur mit Blick auf die Auftaktbegegnung gegen die Niederlande (Donnerstag, der 06. Juni, ab 20:15 Uhr auf Kabel 1). 

Trotz der verletzungsbedingten Ausfällen von Jan Kirchhoff (Mainz 05) Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt) und Tolgay Arslan (Hamburger SV) sieht U-21-Trainer Adrion seinen Kader für die EM gut gerüstet. Dabei schöpft der Übungsleiter nicht einmal aus dem Vollen. Julian Draxler, André Schürrle, Ilkay Gündogan, Toni Kroos und Mario Götze (beide verletzt) wären alle noch für die U-21 spielberechtigt. „Ich bin zuversichtlich, dass ich das richtige Aufgebot nominiert habe. Es steht eine Mixtur aus erfahrenen U-21-Spielern und aufstrebenden Talenten, Bundesliga-Stammkräften und Nachwuchshoffnungen mit spannendem Potenzial dar“, ist Adrion von seiner Mannschaft überzeugt. Lasst die Spiele beginnen! 

Der deutsche U-21-Kader: 

Tor: Oliver Baumann (SC Freiburg), Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen) und Timo Horn (1. FC Köln)
Abwehr: Tony Jantschke (Borussia Mönchengladbach), Sead Kolasinac (FC Schalke 04), Matthias Ginter, Oliver Sorg ( beide SC Freiburg), Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart), Stefan Thesker (TSG Hoffenheim), Lasse Sobiech (SpVgg Greuther Fürth), Shkodran Mustafi (Samdoria Genua)
Mittelfeld: Patrick Funk (FV St. Pauli), Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach), Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim), Emre Can (FC Bayern München), Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt), Christoph Moritz (FC Schalke 04), Lewis Holtby (Tottenham Hotspurs), Christian Clemens (1. FC Köln)Angriff: Pierre-Michel Lasogga (Hertha BSC), Peniel Mlapa (Borussia Mönchengladbach), Sebastian Polter (1. FC Nürnberg), Kevin Volland (TSG Hoffenheim) 

Vorschau: Nächste Woche erscheint ein Artikel über das Klettern auf Englisch.   

Aufstieg- oder Abstiegskampf

Am Freitag, 3. August ist es wieder soweit: Der Anpfiff der 2. Fußball-Bundesliga (© Rike / pixelio.de)

Am Freitag, 3. August, ist es wieder so weit: Die fußballfreie Zeit hat ein Ende. An diesem Datum startet die 2. Fußball-Bundesliga in die Saison 2012/13. Da es nur noch Mannschaften zu geben scheint, die entweder oben mitspielen oder in den Abstiegskampf verwickelt sind, checkt Face2Face schon Mal im Vorfeld, wer zu den Aufstiegs- und wer eher zu den Abstiegskandidaten der 39. Zweitliga-Spielzeit gehört.

Die Aufstiegsfavoriten:
In den Expertenkreisen fällt bei dem Thema Aufstiegsfavorit ein Verein am Häufigsten: Hertha BSC Berlin. Der Hauptstadtklub und Bundesligaabsteiger scheint den aufstiegsfähigen Kader der Liga zu besitzen. Obwohl die Hertha finanziell angeschlagen und mit Verbindlichkeiten von knapp 35 Millionen geplagt ist, leistet sich der Klub das Gehalt gestandener Erstligaspieler. Prominentester Neuzugang ist dabei der Ex-Mainzer Sami Allagui, der für 1,6 Millionen Euro verpflichtet wurde. „Mit unseren Neuverpflichtungen haben wir uns perfekt verstärkt“, zeigte sich auch Neu-Trainer Jos Luhukay zuversichtlich.

Aber auch den Traditionsvereinen des FC St. Pauli, des TSV 1860 München und des MSV Duisburg werden hoch gehandelt. Während der Hamburger Stadtteilklub den Abgang ihres Top-Torschützen Max Kruse (18Tore) kompensieren musste, hinterlassen die Löwen aus München den bislang besten Eindruck in der Vorbereitung (unter anderem ein 4:0-Erfolg gegen Duisburg)

Noch nicht richtig einzuordnen, aber doch eher im oberen Drittel der Tabelle zu erwarten sind die beiden Bundesliga Absteiger des 1. FC Köln und des 1. FC Kaiserslautern. Die Kölner, die durch den nicht eingeplanten Abstieg in große finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, machten einen großen Schnitt beim Mannschaftsgefüge. Junge Talente statt überteuerte Erstligaspieler lautet das Motto der Domstädter. Ob dies nach dem Abgang des Nationalspielers Lukas Podolski ausreichen wird, um in der Liga ein Wörtchen mitzureden, wird sich zeigen. Trainer Holger Stanislawski fasste es auf seine eigene, humorvolle Art zusammen: „Hochverschuldet und hochmotiviert“ sei sein neuer Klub.

Ähnlich gestaltet sich die Situation beim 1. FC Kaiserslautern. Die Pfälzer wollen nach einer Saison zum Vergessen wieder angreifen. „Wir wollen wieder in die erste Liga zurückkehren, das ist unser erklärtes Saisonziel“, sagte Trainer Franco Foda – den finanziellen Großangriff kann sich der FCK aber nicht leisten. Immerhin holte der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz in Mohamadou Idrissou (geschätzte Ablöse etwa eine Million Euro) nun den Aufstiegs-Garanten der Frankfurter Eintracht, der in der vergangenen Zweitliga-Saison 14 Mal traf.

Die Abstiegskandidaten:
Zu den hoch gefährdeten Abstiegskandidaten gehören traditionell die drei Aufsteiger aus Aalen, Sandhausen und Regensburg, die ohne große Namen die Mission Klassenverbleib angehen. Aalen und Sandhausen werden dabei, aufgrund der besseren finanziellen Lage, aber die etwas besseren Chancen zugerechnet. Weiterer Kandidaten werden Erzgebirge Aue und der FSV Frankfurt sein, die sich im letzten Jahr nur knapp vor der dritten Liga retten konnten. Bei Mannschaften wie dem VfL Bochum und dem FC Energie Cottbus, wird viel von dem Saisonstart abhängen. Verläuft dieser gut, werden sie mit dem Abstieg nicht viel zu tun bekommen, geht er in die Hose, heißt es kämpfen bis zum Schluss.

Gerade Cottbus gleicht hier einer Wundertüte: Nun haben die Lausitzer mit Boubacar Sanogo zwar einen Stürmer mit bekanntem Namen verpflichtet. Allerdings muss der 29 Jahre alte Angreifer von der Elfenbeinküste nach drei recht erfolglosen Jahren in Frankreich beim AS Saint-Etienne zeigen, dass er eine Verstärkung sein kann.

Vorschau:  Nächste Woche werden die Chance einer erfolgreichen Titelverteidigung für die Dortmunder Borussia genauer unter die Lupe genommen.