Elisa Wächtershäuser: 24, Schriftstellerin und Ärztin

Elisa bei einer Lesung

Elisa bei einer Lesung

Elisa Wächtershäuser ist 24 Jahre alt. Ihr Abitur hat sie mit 17 Jahren gemacht. Es folgte ein Medizinstudium, das  sie im letzten Jahr abgeschlossen hat. Nun arbeitet sie als Ärztin in der Chirurgie und schreibt nebenbei ihre Doktorarbeit. In ihrer Freizeit schreibt  sie literarische Werke – genauso erfolgreich. So erfolgreich, dass renommierte Verleger und Schriftsteller sie immer wieder dazu motivieren, endlich einen Roman zu schreiben. Mit ihren Kurzgeschichten hat sie mittlerweile nämlich fast alles gewonnen, was man in jungen Jahren an Literaturpreisen gewinnen kann: Von 2007 bis 2015 war sie Preisträgerin des OVAG-Jugendliteraturpreises. Zudem erhielt sie 2013 den Hattinger Förderpreis für junge Literatur, hat am Literaturlabor Wolfenbüttel, am Treffen junger Autoren in Berlin und am Klagenfurter Literaturkurs teilgenommen.
Jeder, der gerade so um 11 Uhr schafft, aufzustehen, um zur einzigen Vorlesung des Tages zu gehen, mag sich jetzt damit trösten, dass Elisa ein abnormaler, überehrgeiziger  Freak mit Inselbegabung und fehlender sozialer Kompetenz sein muss.  Aber das ist keineswegs der Fall: Sie ist nett, hilfsbereit und hat einfach nur Spaß an dem, was sie macht. Grund genug, sie für ein Interview zu treffen.

Face2Face: Wenn man sich deinen Lebenslauf anschaut, mag man  den Eindruck gewinnen, dass du eigentlich gar keine Zeit hast: Doktorarbeit, arbeiten in der Chirurgie, Literaturwettbewerbe. Schläfst du auch irgendwann mal? Wie schaffst du das alles? 
Elisa: Dadurch, dass ich Dinge, für die ich mich weniger begeistern kann, auf das absolut notwendige Minimum reduziere. Staubsaugen zum Beispiel. Fenster putzen. Bügeln. Geschirr spülen. Und so weiter. Die Liste ist ziemlich lang …

Face2Face: Wenn man nun dich anschaut, könntest du auch als Geistes-oder- Sozialwissenschafts-Studentin im fünften Bachelor-Semester durchgehen. Warum hast du dich aber ausgerechnet für die Medizin entschieden? Warst du früher unsterblich in Patrik Dempsey aus Grey´s Anatomy verliebt und hattest gehofft, so deinen Traummann zu finden?
Elisa: Ich habe bisher ehrlich gesagt keine einzige Folge von Grey´s Anatomy gesehen, was zugegebenermaßen eine Bildungslücke für einer Medizinerin ist, und ich weiß auch gar nicht, wie Patrik Dempsey aussieht. Wohl auch eine Bildungslücke. Ist das wirklich so ein Traumtyp, dass man deswegen ein Medizinstudium beginnt? Vielleicht sollte ich mal einen Abend vor dem Fernseher verbringen!
Mich hat am Medizinstudium vor allem die breite Ausbildung interessiert, die Kombination aus naturwissenschaftlichen Fächern, Psychologie, Sozialwissenschaft, Ethik. Das Studium ist sehr vielfältig und man muss sich nicht wie in vielen anderen Fächern bereits während des Studiums für einen Schwerpunkt entscheiden. Mir fiel es immer schwer, mich festzulegen.

Face2Face: Ein Medizinstudium ist sicherlich schon anstrengend genug, vor allem, wenn man zu Beginn des Studiums nicht einmal volljährig ist. Wie war es für dich so jung ein so anspruchsvolles Studium zu meistern?
Elisa: Das war nie ein Problem. Ich wurde nie nach meinem Ausweis gefragt, an der Uni nicht und auch auf keiner Studentenparty. Ich glaube nicht, dass das Alter eine Qualifikation für das Studium ist. Man muss motiviert und interessiert sein und darf nicht den Spaß an der Sache verlieren, auch wenn gerade eine lernaufwändige Prüfung ansteht.

Face2Face: Wie bist du zur Literatur gekommen?
Elisa: Zur Literatur bin ich lange vor der Medizin gekommen. Ich habe mir schon immer gern Geschichten ausgedacht. Und seit ich Schreiben gelernt habe, habe ich  Geschichten aufgeschrieben und bis jetzt nicht damit aufgehört. Obwohl es natürlich auch Phasen gibt, in denen ich fast gar nicht schreibe, ist es für mich ein ganz natürlicher Ablauf, dass man eine Idee, nachdem sie einem lange genug durch den Kopf gegeistert ist, zu Papier bringt. Ob man dieses Papier dann an eine andere Person weitergibt, oder gar veröffentlicht, ist eine andere Sache.

Vorschau: Am Freitag, 3.Juni berichtet Elisa unter anderem darüber wie sie zu ihren Geschichtsideen kommt und wie Medizin und Literatur für sie zusammen passen.

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Über Anna Schmidt

Jahrgang 1993. Sie kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Frankfurt. 2014 begann sie ihr Studium in Politikwissenschaft und Kulturanthropologie. Sie hat schon für verschiedene Zeitungen als auch Institutionen wie den Bundestag geschrieben, mehrfach Literaturpreise gewonnen, Praktika bei Medienunternehmen und in der Presse und Öffentlichkeitsabteilung absolviert. Zudem ist sie durch ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement immer wieder mit dem Schreiben von Artikeln oder Pressemitteilung beschäftigt. Neben ihrem Studium arbeitet Anna als studentische Hilfskraft im Bereich Internationale Beziehungen. Ihrem Interesse an fremden Kulturen geht sie außerdem durch Redakteursaufenthalte, Jugendbegegnungen und Seminare im Ausland nach. Als Stipendiatin der Friedrich Ebert Stiftung hat sie so beispielsweise mehrere Tage für ein europaweites Projekt aus London berichtet. Seit November 2015 schreibt sie für Face2Face in der FilmKunstKultur-Redaktion.

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