Chemikalien und ihre Folgen, Teil 3: Weichmacher in Kunststoffen

EDC’s oder endocrine-disrupting chemicals (zu Deutsch: endokrine, also störende Chemikalien) nennt man eine Mixtur aus Chemikalien in der Umwelt, die eine hormonelle Interaktion eines Lebewesens beeinträchtigen kann. Solche Substanzen finden sich heutzutage überall, auch wenn wir sie nicht sehen, und sie können nicht nur die Tierwelt, sondern ebenfalls unsere Gesundheit gefährden. Wie ernst wir dies nehmen müssen, zeigen wir euch anhand jüngster Beispiele. Heute: Kunststoffe.

Trinkflaschen aus Plastik: Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. (Foto: © CFalk / pixelio.de)

Der Boden der Wohnung ist aus PVC. Das Baby spielt mit einer Kunststoffrassel und steckt sie sich in den Mund. Die Mutter holt das Essen aus dem Kühlschrank, um es vorzubereiten. Der Salat in einer Plastiktüte ist noch frisch und das Steak aus dem Supermarkt ist ebenfalls in abgepackt. Der Vater gönnt sich noch einen Schluck Wasser, aus der PET-Flasche natürlich, denn Glasflaschen lassen sich so schwer in den fünften Stock schleppen. Kunststoffe sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Doch wie gesund ist das eigentlich?

Bisphenol A, kurz BPA, dient als Ausgangsstoff zur Synthese von Kunststoffpolymeren, wie Polyestern, Polycarbonate und Epoxidharzen (daraus werden Beschichtungen gemacht von Lebensmittelkonserven, Trink- und Abwasserrohre, Lacke, Farben und Klebstoffe), ebenso dient es als Weichmacher in der Polymerisation von Polyvinylchlorid, kurz PVC. Phtalate, eigentlich Phtalsäureester, wird ebenfalls als Weichmacher für Kunststoffe wie PVC, Nitrocellulose und synthetisches Gummi verwendet, sind aber ebenfalls in Kosmetikprodukten vorhanden. Beide Stoffe lassen sich im Urin von uns allen nachweisen.

Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Diabetes, Herz-Kreislauf Problemen und Fettleibigkeit durch einen erhöhten BPA-Spiegel. Bei Experimenten mit Mäusen und Vögeln waren die Gehirn- und die Sexualentwicklung gestört. Auch Phtalate können wie Hormone wirken und stehen mit Unfruchtbarkeit, Übergewicht und Diabetes in Zusammenhang. Die Giftigkeit erhöht sich natürlich in Verbindung mit anderen Substanzen.

Neuste Studien aus dem Jahr 2012 belegen, dass Kleinkinder Phtalate aus PVC Böden durch die Haut und womöglich sogar durch das Atmen, aufnehmen. Asthma und Allergien sind die Folge. Auch ADHS steht mit diesen Substanzen in Verbindung. Im März 2013 veröffentlichte die University of Texas Health Science Center eine Studie, in der sie in den Nahrungsmitteln aus dem Supermarkt, wie Pizza und abgepacktem Fleisch ebenfalls Phtalate fanden.

Doch wie können wir uns davor schützen? Wohl gar nicht. Die Stoffe sind bereits überall zu finden und nicht mehr aus unserer Umgebung wegzubringen. An jeder Stelle in der Nahrungskette können sich die Stoffe einbringen und so letzten Endes in den Menschen gelangen.

Die Wissenschaftler des Institute of Environmental Decisions in Zürich spekulierten bereits im Jahre 2009, was Forscher der University Washington nun in einer neuen Studie, veröffentlicht im Februar 2013, bestätigen: Auch Menschen, die sich gesünder ernähren und natürlich angebaute Nahrungsmittel zu sich nehmen, können der Vergiftung nicht entkommen. Alle Kontrollgruppen, die darauf achteten die Belastung durch Kunststoffe gering zu halten, hatten ähnliche Konzentrationen der Stoffe in sich.

Dies heißt jedoch nicht, dass es nichts bringen würde darauf zu achten, weniger Kunststoffkontamination in seinem Essen zu haben. Immer noch gilt, dass der Mix aus Verschiedenen Chemikalien die toxischen Wirkungen verschlimmern kann. Doch wichtig ist vor allem, dass die Politik und die Industrie endlich weitgreifende Schritte einleiten müssten, um die Verwendung zu stoppen. Bessere Kontrollen bei Nahrungsmitteln und Kosmetikprodukten ist das, was den Menschen helfen müsste.

Vorschau: Nächste Woche beschäftigen wir uns mit der Frage: Was ist eigentlich Bio?

 

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