„Wir werden die Welt verbessern“ – Joko Winterscheidt stellt neue „German Garment“-Kollektion in Mannheim vor

Diesen Mittwoch, 20. Juni beginnt in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro der Uno-Umwelt-Gipfel „Rio+20“. Bereits vor 20 Jahren hatte sich die Staatengemeinschaft zusammengefunden und unter anderem über das Grundprinzip getagt.
Dieses Prinzip verfolgt seit der Gründung 2009 das Berliner Modelabel „German Garment“, das am Samstag, 16. Juni seine neue Kollektion im Mannheimer „Engelhorn-Trendhouse“ vorstellte. Mit Mannheim verbindet Joachim „Joko“ Winterscheidt, Repräsentant des Labels, nach eigener Aussage den weltbesten Fleischsalat, das Steigenberger Hotel und seine Moderation bei „The Dome“ in der SAP-Arena. „Das Besondere an Mannheim sind die Quadrate“, schwärmt er. Angereist ist das Team um Winterscheidt mit dem Zug. Wir er zu verstehen gibt, besitzt er eine „Bahn-Card 25“, um ein Stück die Umwelt zu entlasten.

Zuvor hatte der Moderator und Label-Mitgründer auf seiner „Facebook“-Seite mit den Worten „Facebook-Party-Zustände wären geil“ auf seine bevorstehende Promotion-Tour aufmerksam gemacht. Schauspieler Matthias Schweighöfer, der ebenfalls Mitgründer von „German Garment“ ist, konnte aufgrund der Produktion seines neuen Kinofilms „Schlussmacher“ nicht an der Präsentation teilnehmen – was vor allem von den weiblichen Besuchern sehr bedauert wurde.
Die prophezeiten „Facebook-Party-Zustände“ blieben aus, was vermutlich an der frühen Uhrzeit des angesetzten Events lag. Eine überschaubare Anzahl von Neugierigen – überwiegend weiblichen Fans – kamen um 10 Uhr dennoch um die neuen Modestücke zu beäugen. Der Rahmen war somit sehr familiär in den modern gestalten Räumlichkeiten des Modehauses.

Gewohnt ironisch: „German Garment“-Mitgründer Joko Winterscheidt leistet Aufklärungsarbeit in Sachen Nachhaltigkeit (Foto: Deobald)

Die präsentierten T-Shirts sind salonfähig: Gut ausgearbeitete Schnitte, die auf gute Verarbeitung und Materialien schließen lassen. Sie können sowohl lässig auf Jeans, als auch auf einen sportlich geschnitten Sakko getragen werden – erhältlich in den Farben Weiß, Navy und Schwarz. Die fünf Printmotive sind auffallend und dynamisch gestaltet, jedoch keinesfalls zu vergleichen mit den Motto-T-Shirts der frühen 2000er Jahre.
Thema der aktuellen Palette ist das Leben im Digitalzeitalter: Die „Digital Age“ in ironischer Art vorgetragen, passend zu Schweighöfers und Winterscheidts Mentalität, spiegelt sich unter anderem in Informationschaos, Zensur und Identität im Internet wider.
In der vorangangenen Kollektion zierten die T-Shirts Designspielereien, die sich mit dem Labelnamen beschäftigen oder mit Berlin, dem Ursprung der ausschließlich in Deutschland produziertem Marke. Besonders hervorzuheben ist das aktuelle Motiv „Fingerprint“, das neben „NOBODY READS YOUR FUCKING BLOG“, „Edding Stripes“, „Good Morning“ und „Logo“, hervorsticht und den umweltbewussten Gedanken des Labels unterstreicht. Vermutlich bediente sich der Designer Oliver Schleith für seine Inspiration am ökologischen Fußabdruck, den er in diesem Fall durch einen überdimensionalen Fingerabdruck ersetzte. „NOBODY READS YOUR FUCKING BLOG“ stellt den Bezug zur aufkommenden Hipsterbewegung, sowie den sogenannten „Scenester“ (Anm. d. Red. „Scenester“ ist jemand, der sich auffällig in Verhalten und Kleidung einer bestimmten Szene anpasst) her. Winterscheidt sagt, er habe sich bereits die gleichnamige Domain gesichert, um anderen zuvorzukommen. Für Hipster habe er allerdings weniger übrig und zitiert den Song „Ich will nicht nach Berlin“ von der Chemnitzer Band „Kraftklub“, um seiner Abneigung Nachdruck zu verleihen.

Trotz des übersättigten Angebots auf dem T-Shirt-Markt ist es gelungen eine Nische zu finden für „German Garment“, indem man sich durch konsequent nachhaltige Produktion in Deutschland bewusst vom Mainstream absetzt. „Einzig der Anbau von Bio-Baumwolle ist aufgrund der klimatischen Bedingungen in Deutschland noch nicht möglich, räumt Winterscheidt ein, „beim Bedrucken der T-Shirts setzen wir auf schadstoffarme und rückstandsfreie Handhabung der Farben“.

Riesen der Branche, wie beispielsweise „Zara“, „H&M“ oder „Primark“, produzieren ausschließlich in Billiglohnländer, um ihre Gewinne auf Kosten günstiger Arbeitskräfte einzufahren. Aber: Wie billig darf Kleidung sein? „Wir wollen zum Nachdenken anregen, dass den Leuten bewusst wird, was sie kaufen und welchen Wert ein Produkt besitzt. Junge Menschen sollen sich fragen woher ein Produkt kommt und somit auch ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit mit unserem Label bekommen. Wer möchte schon gerne, dass seine Kinder einmal mit Gasmasken auf der Straße rumlaufen müssen“, so Winterscheidt.

Signiert fleißig Autogrammkarten nach der Präsentation seiner Kollektion: Joko Winterscheidt, „Neoparadies“-Moderator und „German Garment“-Mitgründer (Foto: Deobald)

Qualität hat ihren Preis. „Wer eines unserer Shirts in der Hand gehabt hat, weiß, was Qualität bedeutet. Diese versuchen wir zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Die Intention, die dahinter steckt, ist, dass die Garderobe nicht mit billigen Fetzen gefüllt wird, sondern seltener, aber dafür überlegter eingekauft wird“, erläutert Winterscheidt das Problem der Wegwerfgesellschaft. Die Shirts der aktuellen „German Garment“-Kollektion bewegen sich in einem gehobenen Preissegment zwischen 39 und 49 Euro.

Für die Zukunft ist eine Kollektion aus Strickware geplant: eine Pullover- und Jackenkollektion sei anvisiert. Zumindest scheint dies realistischer als die Umsetzung einer Sneaker-Kollektion, da hier das Vorhaben an der Finanzierbarkeit des Produkts scheitern könnte – wer ist schon bereit für ein Paar Schuhe 500 Euro auszugeben? Auch ohne eigne Sneakers-Kollektion blickt Winterscheidt zuversichtlich in die Zukunft: „Mittelfristig möchten wir uns als deutsches Qualitätslabel auf dem Markt etablieren und ich bin davon überzeugt, wir werden die Welt verbessern.“

Wer vor dem Preis der „German Garment“-T-Shirts noch zurückschreckt , sollte sich vielleicht bei seinem nächsten Einkauf bei „H&M“ und Co. überlegen, ob ein Preis von fünf Euro für zehn T-Shirts tatsächlich realistisch ist.

Kontakt „German Garment“:
Offizielle Homepage

Vorschau: Nächste Woche geht es hier um sportliche Eleganz – einen Trend weitab von Jogginghosen und Schweißband.

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