„Ich liebe Berlin“ – ein Interview mit Jungschauspielerin Peri Baumeister

Nur mit dem Nötigsten bepackt quartieren sich drei Moskauer Immigranten im Sommer 1990 in einem Ostberliner Wohnheim ein und fühlen sich schon bald heimisch. Andrej (Christian Friedel) träumt vom großen Reichtum, Mischa (Friedrich Mücke) von einer glanzvollen Musikkarriere, nur Wladimir (Matthias Schweighöfer) hat noch nicht seine Berufung gefunden. Dieser trifft plötzlich auf die ebenfalls aus Russland stammende Tänzerin Olga (Peri Baumeister) – die schönste Frau, die er je gesehen hat. Bald darauf kommt ihm die zündende Idee, die Tanzveranstaltung „Russendisko“ auf die Beine zu stellen. Am Donnerstag, 29. März startete der gleichnamige Film in den deutschen Kinos.
Schauspielerin Peri Baumeister nahm sich Zeit um mit Face2Face unter anderem über Klischees, die Arbeit mit Matthias Schweighöfer und ihre Liebe zu Berlin zu sprechen.

Face2Face: Mit welchen Gefühlen und Erwartungen sind Sie zum Casting von „Russendisko“ gekommen?
Baumeister: Damals war ich noch auf der Schauspielschule und hatte keine große Hoffnung darauf, die Rolle zu bekommen. Da es mein zweites Casting überhaupt war, war ich sehr aufgeregt. Es war dann aber überraschend entspannt und hat mir viel Spaß gemacht.

Interessiert sich auch abseits des Films „Russendisko“ für Theaterstücke von Tschechows: die Berliner Schaupielerin Peri Baumeister alias Olga Kaminer (Foto: Pressephoto/blackrabbit-pr.com)


Face2Face:
Was war für Sie das Ausschlaggebende diese Rolle anzunehmen?
Baumeister: Das Drehbuch hat mich fasziniert und die Zeit der 1990er Jahre in Berlin hat mich gereizt. Ein weiterer Grund war an der Seite von talentierten Schauspielkollegen zu arbeiten.

Face2Face: Was haben Sie bei der Zusammenarbeit mit Matthias Schweighöfer gelernt?
Baumeister: Er ist ein sehr erfahrener Schauspieler. Mir hat es geholfen mit jemandem zu spielen, der sich so gekonnt und selbstbewusst vor der Kamera bewegt.

Face2Face: Im Film haben Sie mehre Kuss-Szenen mit ihm. Wie unterscheidet sich ein professioneller Filmkuss von einem gewöhnlichen Kuss?
Baumeister: Für mich ist das Arbeit. Man muss sich auf sehr viele Dinge konzentrieren beim Drehen, besonders bei einer Kuss-Szene. Diese Szenen sind für alle am Set immer anstrengend.

Face2Face: Schweighöfer ist bekannt für seine fröhlich-lässige Art. Gab es am Set auch Unstimmigkeiten?
Baumeister: Nein, ganz im Gegenteil, die Jungs um Matthias haben immer für Stimmung gesorgt. Was ich toll finde, denn man musste den ganzen Tag ein gewisses Level an Konzentration aufrechterhalten. Es wurde viel rumgealbert abseits des Sets – dadurch ist man nie in diese sogenannten Energielöcher gefallen.

Face2Face: Wie haben Sie die Dreharbeiten zu den Tanzszenen empfunden?
Baumeister: Das hat mir am meisten Spaß gemacht und ich fand es großartig diese Choreographie zu lernen. Eigentlich ist die Szene wesentlich länger gewesen und es hat mich einige Stunden Unterricht gekostet.

Face2Face: Haben Sie sich, um sich vorzubereiten, verstärkt mit der russischen Kultur beschäftigt und das Buch von Wladimir Kaminer, auf dem die Story beruht, gelesen?
Baumeister: Nicht nur „Russendisko“ sondern noch drei weitere Bücher von ihm. Außerdem habe ich mich mit der echten Olga Kaminer mehrmals unterhalten. Ich war in der Vorbereitungszeit auf alles Russische fixiert, habe russische Filme geguckt, russische Musik gehört und bin auch in die Berliner Russendisko „Café Burger“ gegangen. Zusätzlich habe ich Unterricht bei meinem Sprechlehrer genommen, der sich ausschließlich mit russischem Akzent mit mir unterhalten hat.

Face2Face: „Russendisko“ ist ein Berliner Großstadtmärchen, das von Freiheit, Heimat, Liebe und den ganz großen Träume handelt. Was verbinden Sie mit Berlin?
Baumeister: In erster Linie Heimat. Ich bin hier geboren, meine Familie lebt hier und ich liebe Berlin. Manchmal tut es auch gut woanders zu sein, aber eigentlich nur weil es dann so schön ist wieder nach Hause zu kommen. Berlin bietet einfach viele Möglichkeiten und hat abgesehen davon einen ganz besonderen Charme.

Face2Face: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Regisseur und Hollywood-Legende Arthur Cohn empfunden?
Baumeister: Wunderbar. Wir haben uns von Anfang an ausgesprochen gut verstanden. Er ist ein echter Gentleman und ich habe bereits am ersten Drehtag Pralinen und Blumen geschenkt bekommen.

Face2Face: Schauen Sie privat auch Filme oder Serien?
Baumeister: Klar, schaue ich Filme und wenn ich krank bin, verfalle ich hin und wieder auch mal meiner Serien-Sucht.

Face2Face: „Russendisko“ behandelt viele russische Klischees. Was halten Sie von deutschen beziehungsweise generell von Klischees?
Baumeister: Ich finde Klischees können etwas Humorvolles haben, aber auch verallgemeinern. Wenn ein Klischee dem Besonderen keinen Platz lässt und nicht angemessen verändert wird oder Dinge reduziert und banal macht, ist das natürlich weniger schön. Man muss gut mit ihnen umgehen können – Kaminer kann das.

Face2Face: Interessieren Sie sich durch die Dreharbeiten mehr für die russische Kultur?
Baumeister: Mir ist diese Kultur nicht völlig fremd. Ich lese gerne russische Literatur, vor allem aber Theaterstücke. Stücke von Tschechows gehören absolut zu meinen liebsten.
Das heißt nicht, dass ich behaupten kann, ich würde mich wahnsinnig gut auskennen, aber es hat mich schon immer angezogen.

Face2Face: Welche Eigenschaften bewundern Sie an Ihre Filmfigur Olga?
Baumeister: Sie ist eine temperamentvolle starke Frau, die weiß, was sie will. Ich habe sie immer als bodenständig und geerdet empfunden, aber auch als jemanden, der sich mit viel Freude, Mut und Offenheit dem Leben stellt.
Ich glaube nicht, dass sie angstfrei ist, denn das ist niemand. Aber sie ist nicht ängstlich und nimmt wie es kommt und vertraut dem Leben. Das ist etwas, was ich toll finde.

Face2Face: Noch ist es nicht spruchreif, aber würde es Sie gerne einmal eine Rolle für eine Hollywood-Produktion annehmen?
Baumeister: Natürlich. Immer her damit.

Vorschau: Nächsten Dienstag berichtet Face2Face-Mitarbeiter Johannes im Panorama über seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Shisha-Kultur.

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