Music made in Hamburg, Teil 3: „Landungsbrücken raus!”

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Von außen hui - von innen auch: "Molotow Club" (Foto: Liena Wagner)

Wie „Kettcar“ schon im zweiten Teil des Artikels angesprochen haben, gibt es großen Unmut in der Hamburger Musikszene.

Die Mieten steigen nicht nur für Privatleute, sondern auch für die Clubbesitzer. Der Teufelskreis nimmt seinen Lauf: Viele Clubs müssen schließen oder umziehen, das kulturelle Angebot vermindert sich, die Musiker haben weniger Möglichkeiten, ihre Songs zu präsentieren und die Zuschauer sind enttäuscht. Das nur wenige Stunden entfernte Berlin ist wesentlich günstiger und bietet noch viel Wohnraum. Viele Künstler ziehen um. Die Zurückgebliebenen stehen vor dem Schlamassel und geben ihr Bestes, Hamburg nicht noch unattraktiver zu machen. Ein gutes Beispiel ist der bekannte Club „Molotow“ am Spielbudenplatz. Nach seiner Gründung 1990 ist er schnell zu einem international beliebten Liveclub geworden, in dem sich so manche heute sehr erfolgreiche Band wie z.B. „Mando Diao“ oder „The White Stripes“ zum ersten Mal dem deutschen Publikum präsentiert hat.  Dem Club droht seit 2008 aufgrund der oben genannten Problematik die Schließung. Mithilfe großer medialen Kampagnen und prominenten Stimmen wird um die Erhaltung des Clubs gekämpft. Ich habe mir angehört, was einer der Clubbetreiber dazu sagt.

Face2Face: Welche Musikrichtung repräsentiert Hamburg eurer Meinung nach am besten?
„Molotow Club“: Punk

Face2Face: Was macht das Hamburger Publikum besonders?
„Molotow Club“: Was es besonders oft macht ist rumstehen und glotzen.

Face2Face: Das Molotow ist eine Institution für Live Konzerte in Hamburg, was macht das Molotow besonders und warum kommen eurer Meinung nach so viele Bands immer wieder gerne ins Molotow zurück?
„Molotow Club“: Das Molotow ist klein und somit schnell voll Viele Bands mögen das lieber, als in einem großen und leeren Laden zu spielen. Außerdem entsteht im Molotow eine ganz spezielle Aura zwischen Musikern und Publikum

Face2Face: Dem Molotow drohte die Schließung. In diesem Zusammenhang hat man oft von der „Verödung der Hamburger Kulturlandschaft“ gehört. Was haltet ihr davon? Verliert die Hamburger Kulturlandschaft an Reiz?
„Molotow Club“: Definitiv! Früher sind kreative Leute hierher gezogen, mittlerweile ziehen sie in Scharen weg. Kein Wunder weil Hamburg Räume für Szene und Künstler zugunsten von Hochglanz-Yuppie Architektur immer weiter abbaut.

Face2Face: Welches sind eure absoluten Hamburger Top 3 Bands?
„Molotow Club“:  Findus, Herrenmagazin, Fuck Art, Let’s Dance!

Alles in allem hört man hier wohl deutlich heraus, dass die Hamburger Musikszene früher bunter war. Man kann darüber streiten, ob die Musiker, die deshalb nach Berlin oder in andere Städte „flüchten“, dazu beitragen oder einfach ein persönliches Statement damit abliefern. Nichtsdestotrotz hat Hamburg trotzdem noch einiges zu bieten, besonders für akustische Musik. Die Hamburger Bands lieben ihre Stadt weiterhin, was man auch in ihren Songs hört und die Clubbetreiber geben ihr letztes Hemd, um ihren Club vor der Schließung zu retten. Man sollte also Hamburg noch eine Chance geben und gespannt sein, was die ansässigen Bands noch draufhaben! Landungsbrücken raus!

Vorschau: Nächste Woche hat Selin für euch den Drum’n'Bass Künstler „Kryptomedic” interviewt.