Traditionsverein vor dem Absturz

Das Traditionswappen des 1. FC Kaiserslautern (Foto: Wikipedia)

Das Traditionswappen des 1. FC Kaiserslautern (Foto: Wikipedia)

Der 1. FC Kaiserslautern steht in der Fußball-Bundesliga vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit. Mit sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz bei gerade noch sieben zu spielenden Partien, liegt der Traditionsverein ohne Aussicht auf Erfolg auf der Intensivstation.

Am vergangenen Dienstag (20. März) legte der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz mit der Entlassung des glücklosen und am Ende auch sehr ratlos wirkenden FCK-Trainer Marco Kurz, nach eigener Aussage „die letzte Patrone in den Lauf“. Nachfolger wurde der ehemalige Weltklassemittelfeldspieler Krassimir Balakov. Seinen Einstand hatte sich der fließend deutsch sprechende Bulgare sicherlich anders vorgestellt. Mit der deprimierenden 0:2-Niederlage in Freiburg setzte er die miserable Negativserie seines Vorgängers von jetzt 17 Spielen ohne Sieg fort – Vereinsnegativrekord für die „Roten Teufel“. Da ist es kein Wunder, dass sich der neue Trainer in Durchhalteparolen übt: „Im Fußball fällt es schwer, Versprechungen zu machen. Ich habe in den ersten Gesprächen mit den Fans aber erkannt, dass das keine Träumer, sondern Realisten sind. Alle wissen, wie schwer es wird. Aber sie erwarten, dass wir kämpfen und das werden wir tun“, versicherte Balakov nach seiner vermeidbaren Auftaktniederlage.

Die Hoffnung auf einen Ligaverbleib nimmt nicht gerade zu, wenn man sich die nackten Zahlen vor Augen führt. Mit 17 (!) geschossenen Toren in 27 Bundesligaspielen besitzt die FCK-Offensive kein Bundesligaformat. Gerade einmal zwei Siege in der Heimtabelle lassen den Mythos des uneinnehmbaren Betzenberg fast gänzlich in sich zusammenfallen. 20 Punkte und Tabellenplatz 18 ist die logische Konsequenz. Die Tabelle lügt nicht!

Die Misere lässt sich auch an der schlechten Einkaufspolitik des Vorstandvorsitzenden Stefan Kuntz ablesen. Die beiden aus Israel geholten Neuzugänge Gil Vermouth und Itay Shechter schlugen nicht ein. Während Vermouth mit einer noch nicht auskurierten Leistenverletzung nach Kaiserlautern kam und damit den Sprung in die Mannschaft nie schaffte, machte Shechter zumindest zu Beginn der Saison Hoffnung. Der Stürmer erzielte bis zum zehnten Spieltag drei wichtige Tore – darunter auch das Siegtor gegen den SC Freiburg – fand sich ab dem elften Spieltag aber größtenteils auf der Ersatzbank wieder. Die Luft war plötzlich raus beim Spieler mit der Rückennummer neun.

Bis zum Dezember sahen die FCK-Verantwortlichen aber ein intaktes
Mannschaftsgefüge, das lediglich durch seine schlechte Chancenverwertung negativ auffiel. Um das zu verbessern rüstete man in der Winterpause nach: Fünf Mann kamen, acht gingen oder mussten gehen. Der von Werder Bremen für eineinhalb Jahre ausgeliehene Stürmer Sandro Wagner kam als Hoffnungsträger. Er begann stark, fiel aber noch schnell wieder ab. Auch die restlichen vier Neuzugänge bleiben dem Nachweis ihres Bundesligaformats bislang schuldig. Lediglich der 20-jährige Pole Ariel Borysiuk zeigte, dass in ihm Potenzial steckt. Doch Wundertaten von einem 20-jährigen zu verlangen, der erst seit wenigen Monaten in Deutschland lebt, ist nicht vertretbar. 

Einen letzten Strohalm, einen Silberstreifen am Horizont, gibt es aber dennoch für die Pfälzer. Sollte die Mannschaft die nächsten zwei Heimspiele gegen den Abstiegsmitkonkurrenten Hamburger SV und gegen die TSG Hoffenheim gewinnen, fängt der Traditionsverein auf der Intensivstation wieder selbständig an zu atmen. Trainer Krassimir Balakov und seine Spieler sind jetzt gefragt das Ruder nochmals rumzureißen und das, von vielen Experten nicht mehr für möglich gehaltene Wunder, zu schaffen. Oder wie es der ehemalige Bayerntrainer Louis Van Gaal ausdrücken würde: Tod oder Gladiolen!    

Vorschau: Nächste Woche berichtet Anja über den deutschen Schwimmstar Paul Biedermann und seinen Weg zu den olympischen Spielen 2012 in London.

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