Gibt es eine Renaissance des französischen Kinos?

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Die französische Filmindustrie startet erfolgreich ins Jahr 2012. Bei den diesjährigen Oscar-Verleihungen räumte der französische Stummfilm „The Artist“ gleich fünf der beliebten Filmtrophäen ab. Doch damit nicht genug: mit Jean Dujardin gewinnt zum ersten Mal ein Franzose den begehrten Filmpreis. Da ist ganz Frankreich natürlich außer sich vor Freude, sind es doch sonst meist US-Spielfilme, die vor allem in der Kategorie „Bester Film“ triumphieren.

Nur selten genießen französische Filme den internationalen Ruhm, den Hollywood- Streifen wie selbstverständlich einheimsen. Dabei stechen vor allem die künstlerische Qualität sowie der Realitätsbezug, der bei US-Filmen oft eher Mangelware ist, heraus.

Das zeigt unter anderem die Komödie „Ziemlich beste Freunde“, die in Frankreich unter dem Titel „Intouchables“ im November 2011 veröffentlicht wurde. Der Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, ist der französische Überraschungshit 2012. Die humorvolle aber dennoch tiefgründige Geschichte zeigt eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Männern, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Seit Wochen ist die Komödie auf Platz eins der Kinocharts und hat sogar „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil Zwei“ – den, gemessen an den Zuschauerzahlen, beliebtesten Kinofilm 2011 – überholt. „Ziemlich beste Freunde“ verzeichnet bereits rund 6,5 Millionen verkaufte Karten und noch immer ist kein Ende in Sicht. Kein Wunder – laut dem „Tagesspiegel“ vermittelt der Film „eine wunderbar unverschämte Lust am Leben“.

Vor allem durch den herausragenden Erfolg von „The Artist“ und „Ziemlich beste Freunde“ kann die französische Filmindustrie optimistisch in die Zukunft blicken. Das bestätigen auch die Zuschauerzahlen in französischen Kinos, die den höchsten Stand seit 1984 verzeichnen. Und das trotz zunehmender Nutzung von DVDs, Blue-Rays und Online-Fernsehen. Das sieht in Deutschland schon anders aus: Hier sind die Zuschauerzahlen deutlich geringer. Doch die französische Filmproduktion boomt und das hat auch positive Auswirkungen auf die deutsche Kinoindustrie. Frankreich produziert im Europavergleich die meisten Filme und trägt somit zu einem Wachstum der gesamteuropäischen Kinoindustrie bei.

Neben den aktuellen Filmen sind auch französische Hits wie „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder „Willkommen bei den Sch‘tis“ immer wieder erfrischend und eine Abwechslung zu den gängigen US-Streifen. Sie bereichern das deutsche Kino und zeigen hoffentlich auch weiterhin, dass die Filmindustrie längst nicht mehr nur an Hollywood-Produktionen interessiert ist. Diese sind zwar immer noch unumstritten an der Vormacht, sollten sich aber in Acht nehmen – die Konkurrenz schläft nicht.

Vorschau: Nächste Woche gibt es Annikas Kinopreview, Teil 2. Dieses Mal geht es um idiotische Brüder und lustige Krebspatienten.