Marderschaden – Ein Marder als Haustier?

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Die Schwegenheimerin Gabi hält sich ein ungewöhnliches Haustier. Das Marderweibchen Putzi teilt sich mit dem Kater Paul das Revier und hält die Familie auf Trab. Doch wie kommt man zu so einem Haustier? Wie lässt es sich damit leben? Ist es okay ein Tier zu halten, was eigentlich in die freie Natur gehört? Die Hintergrundgeschichte zu Putzi gibt es nun im folgenden Interview.

Noch ganz klein: Putzi am Tag nach seinem Fund (Foto: Privat)

Face2Face: Wie kamst du zu diesem Tier?
Gabi: Wir waren bei einer Hochzeit und dort lag dieses Tier schon in einem Schuppen hinter der Kapelle. Doch wir wussten nicht, was es ist. Es war schon mehr tot als lebendig. Ein Freund sagte dann, es wäre ein Marder. Daraufhin hat meine Tochter im Internet recherchiert und wir haben das Tier dort in der Kapelle mit Katzenmilch und Katzenfutter gefüttert. Es hat sich relativ schnell erholt. Der Tag war ziemlich heiß und ich denke er war einfach ganz ausgetrocknet. Wir wussten nicht, was wir mit ihm machen sollen, also haben wir ihn mit nach Hause genommen. Der Tierarzt sagte, er hätte sich die Beine bei einem Sturz verstaucht. Es dauerte 3 Wochen, bis er wieder richtig laufen konnte. Er lebte dann zunächst in der Wohnung in einem Hasenkasten und später dann im Garten. Irgendwann hab ich ihn frei gelassen und er ist immer wieder gekommen. Jetzt wohnt der Marder bei uns im Keller.

Face2Face: Wie sieht so ein Alltag mit „Putzi“ aus?

Lecker: Putzi wurde mit Katzenfutter und Milch aufgezogen (Foto: Privat)

Gabi: Morgens sitzt er im Keller und will gefüttert werden. Er bekommt ein Stück Banane und einen Butterkeks und eine Scheibe Putenbrust. Er hat ebenfalls eine Schüssel mit Trockenfutter und eine mit Wasser. Abends ist das gleiche Spiel. Er bekommt was zu essen und wird bespaßt. Ich spiele mit ihm und trage ihn rum. Er lässt sich allerdings nur von mir anfassen. Mittags ist er verschwunden. Tagsüber schläft er dann. Wenn es warm ist draußen oder im Winter auch im Keller in der Kiste.

Face2Face: Was muss man beachten, wenn man einen Marder als Haustier hat, im Gegensatz zu anderen Haustieren?
Gabi: Man muss sagen, dass es manchen Leuten Angst macht. Ich habe auch anfangs meine Bedenken gehabt mit diesem Tier. Er beißt jetzt zum Beispiel, wenn ich ihn nehme, mir auch in den Finger, aber eben nicht so fest. Aber man muss ihn eigentlich nicht mit Handschuhen anfassen.

Face2Face: Eine Katze kann ja genauso beißen.
Gabi: Eben. Wir haben ja versucht, ihn in einer Wildtierauffangstation unterzubringen. Es war unmöglich. Auch kein Wildpark nahm ihn. Zoos dürfen ihn ja sowieso nicht nehmen. Ein Marder ist außerdem ein Einzelgänger. Wenn ein Wildpark bereits einen Marder hat, kann man keinen mehr dazu setzen. Sie kommen nur in der Paarungszeit zusammen. Was mich sehr störte sind die Geschichten, die mir bei den Wildauffangstationen erzählt wurden. Ein Marder wird 8 Wochen aufgezogen und dann ins Freie entlassen. Diese kämen dann allerdings nicht mehr zurück. Sie werden von einem Fuchs oder einem Bussard gefressen. Denn ein Tier ist mit 8 Wochen noch nicht überlebensfähig in freier Natur. Damit beruhigen sie nur ihr schlechtes Gewissen.

 

Spielerisch: So groß und ungehemmt ist Putzi heute (Foto: Privat)

Face2Face: Gab es denn schon Marderschaden an Autos in der Nachbarschaft?
Gabi: Nein gab es nicht. Das macht er auch nicht. Marder knabbern nur Kabel an, wenn ein anderer Marder sie vorher angepinkelt hat. Das ist Territorialverhalten.

Face2Face: Was bedeutet dir Putzi?
Gabi: Wir sind ganz froh, dass wir ihn haben. Es ist ein lustiges Vieh. Was er alles anstellt, wenn er draußen ist: er krabbelt überall herum oder springt mir auf die Schulter. Er ist unterhaltsam. Und er ist was Außergewöhnliches. Sowas hat halt nicht jeder. Er ist ganz schön schlau. Er hat gesehen, wie die Katze die Katzentür rein geht und zack war er drin. Ich mach mir auch Sorgen wenn ich ihn nicht sehe und nicht weiß wo er ist. Es ist wie mit einer Katze, nur ist er eigenwilliger.

Vorschau:Nächste Woche werden wir näheres über die Earth Hour erfahren.