“Geh’ mal wieder auf die Straße…” – Kleiner Demo-Guide

Am Samstag, 25. Februar wurde erneut deutschlandweit gegen das Handelsabkommen „ACTA“ demonstriert. Auch in Mannheim waren wieder mehr als 2.000 Menschen auf der Straße, um ihre Ablehnung gegenüber der Gesetzesinitiative kundzutun. Und die Begeisterung lässt nicht nach: Die nächsten Demos sind bereits geplant.

Demonstrationen stellen ohne Frage ein bedeutendes Werkzeug der politischen Teilhabe der Bevölkerung dar. Denn hier haben die Massen die konkrete Möglichkeit, sich gegen Vorhaben aus Politik und Wirtschaft zur Wehr zu setzen, die über ihre Köpfe hinweg entschieden werden sollen. Und tatsächlich: Demonstrationen zeigen Wirkung, wie das Beispiel ACTA illustriert. Nach europaweiten Demonstrationen Anfang Februar setzten viele Staaten die Unterzeichnung des Handelspaktes aus.

Da die Protestkultur in Deutschland lange Jahre geruht hat und die ACTA-Demonstrationen für viele junge Demonstranten die erste Teilnahme an einer solchen Veranstaltung darstellen, liefert euch Face2Face hiermit einen kleinen Leitfaden, der garantieren soll, dass eure zukünftige Teilnahme an Demonstrationen reibungslos abläuft.

1. Demonstrationen sind politische Veranstaltungen und sollten auch als solche betrachtet werden. Zwar haben viele Demonstrationszüge einen gewissen Partycharakter, dennoch haben weder Alkohol noch Drogen etwas auf Demonstrationen zu suchen, denn: Ein nicht zurechnungsfähiger Demonstrant schadet dem Anliegen der Bewegung, da er den Eindruck mangelnder Ernsthaftigkeit hervorruft.

2. Auch Gewalt ist bei Protesten nicht erwünscht. Sicherlich spielt Wut über Missstände eine große Rolle beim Zustandekommen einer Demonstration. Dieser durch Sachbeschädigung oder gar Körperverletzung Luft zu machen, kann aber nicht im Sinne der Demonstrierenden sein. Es sind nicht die Menschen auf der Straße, die diese Missstände zu verantworten haben, und Ausschreitungen sind generell als kontraproduktiv einzustufen. Einerseits signalisieren sie wieder einen Mangel an Ernsthaftigkeit, andererseits führen sie auch ganz schnell dazu, dass Demonstrationen aufgelöst werden können.

3. Auf Demonstrationen herrscht generell ein Vermummungsverbot, das heißt, ihr macht euch strafbar, wenn ihr euer Gesicht hinter einer Maske oder einem Schal verbergt. Allerdings sind seit einigen Jahren immer wieder die Guy-Fawkes-Masken der „Anonymous“-Anhänger zu sehen. In der Regel werden diese von der Polizei geduldet. Seid ihr euch nicht sicher, ob diese Masken bei einer Demo genehmigt sind, wollt euch aber dennoch maskieren, fragt beim Veranstalter nach.

4. Mitunter dauern Demonstrationen sehr lange, da sich dem Marsch häufig Redebeiträge der Organisatoren anschließen. Vor allem im Winter kann das sehr ungemütlich werden, deshalb ist warme Kleidung hier Pflicht. Wegen der Länge sollten auch Getränke immer mit dabei sein.

5. Demonstrationen leben von der Ausdrucksfähigkeit ihrer Teilnehmer. Es wird gesungen und gebrüllt, diverse Demospiele sind die Regel. Um die Botschaft der Demonstration klar auszudrücken, und um Geschlossenheit der Bewegung zu demonstrieren, ist es außerordentlich wichtig, diese Gesänge weiterzutragen oder gar selbst zu starten, da sie sonst abebben – keiner wird euch dafür irritiert anschauen, im Gegenteil: Eure Mitdemonstranten werden euch dankbar sein.

6. Besonders eindrucksvoll wirken kreative Schilder, denn sie bieten die Möglichkeit, mit klaren Statements die eigene Haltung auf den Punkt zu bringen. Wichtig ist vor allem, dass die Schilder auffallen. Die Botschaften darauf sind häufig überaus humorvoll gestaltet, was bei umstehenden Passanten und Medien Interesse und Neugier weckt.

7. Es ist unheimlich wichtig, über das, gegen was demonstriert wird, auch tatsächlich informiert zu sein. Denn es kann schnell einmal passieren, dass euch ein Medienvertreter vor eine Kamera zerrt, um euch zu eurer Meinung zu befragen. Ahnungsloses Herumgestottere vor einer laufenden Kamera kann der gesamten Bewegung aber immensen Schaden zufügen, da die Demonstration hierdurch zu einer Spaßveranstaltung verklärt wird. Wollt ihr demonstrieren, informiert euch also vorher, gegen was ihr demonstriert. Erwischen euch Pressevertreter trotzdem auf kaltem Fuß, schweigt lieber, als euch vor der Kamera lächerlich zu machen.

Beachtet ihr diese Punkte, könnt ihr zum erfolgreichen Ablauf der Veranstaltung beitragen. Viel Spaß beim Demonstrieren!

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