Der beste Hund, der je gelebt hat – und sein Herrchen: Moderator und Journalist Claus Kleber

Wollte ursprünglich Lufthansa Flugkapitän werden: "heute journal"-Moderator Claus Kleber (Foto: C. Gartner)

Er moderiert eine der bekanntesten Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen, war jahrelang in den USA als Auslandkorrespondent für die ARD tätig und steht für seriöse Berichterstattung: „heute journal“-Moderator Claus Kleber. Mit Face2Face sprach er über seine ersten Gehversuche im Journalismus und gewährte uns sogar ganz private Einblicke.

Face2Face: Können Sie sich noch an Ihren ersten Berufswunsch erinnern?
Kleber: Ich wollte ursprünglich Lufthansa Flugkapitän werden. Das hing vermutlich damit zusammen, dass mein Vater Diplomingenieur war und ich so immer auf technische Berufe getrimmt war. Außerdem wollte ich schon immer gerne viel reisen. Nachdem ich erfahren habe, dass ich eine Brille brauche, hat sich der Traumberuf Pilot aber ganz schnell in Luft aufgelöst.

Face2Face: Wie sind Sie letzten Endes beim Fernsehen gelandet?
Kleber: Journalistisch tätig war ich schon in der Schulzeit – schrieb für die Schülerzeitung und für die Lokalpresse. Ich war mir aber immer bewusst darüber, dass ich auf jeden Fall etwas mit elektronischen Medien machen möchte. Schließlich begann ich eine anfangs befristete Hospitanz beim Südwestfunk, die sich aber schnell zu einer dauerhaften Tätigkeit auswirkte. Dort war ich zuerst als eine Art rasender Reporter in Sachen Landespolitik unterwegs, dann moderierte ich die Sendung „Baden-Württemberg aktuell“ und war bei SWF3 (Anm. d. Red.: das SWF3 entspricht dem heutigen SWR3) als Moderator einer Frühsendung tätig. Erst 1992 wechselte ich dann zum Fernsehen. Das ARD-Studio Washington war eine Art beschützende Werkstatt für mich. „Learning by Doing“ lautete dort die Devise und ich bin auch heute noch sehr dankbar für die große Hilfsbereitschaft, die ich dort erleben durfte. Ein Volontariat habe ich allerdings nie gemacht – wahrscheinlich war ich einfach schon zu lange dabei, als dass da irgendjemand auf die Idee kam danach zu fragen.

Face2Face: Sie moderieren das „heute journal“ nun schon seit neun Jahren. Welche Bedeutung hat die Sendung für Sie?
Kleber: Anfangs, muss ich gestehen, war mir nicht bewusst wie großartig das „heute journal“ ist. Da ich ja eine lange Zeit für die ARD tätig war und mich auch selten in Deutschland aufhielt, empfand ich das „heute journal“ eher als eine bunte und leichte Nachrichtensendung – den Maßstab jedoch waren für mich die „tagesthemen“. Mit dem Antritt des Jobs als Moderator des „heute journals“ lernte ich dann die große Bedeutung des Magazins kennen: Eigene Autoren, die Unabhängigkeit vom übrigen Nachrichtengeleitzug und die Möglichkeit, vor allem als Moderator, viel selbst zu gestalten. Die Moderation des „heute journals“ ist in meinen Augen die ideale Umgebung, wenn man schon nicht die höchste Form des Journalismus, nämlich das Reporterdasein als Korrespondent, praktiziert.

Face2Face: Welche Zielgruppe spricht das „heute journal“ an?
Kleber: Unsere Sendung richtet sich an all diejenigen, die sich für Politik und für die großen Zusammenhänge der Gesellschaft interessieren. Ich glaube, dass sich das „heute journal“ nicht über die Altersgruppe definieren lässt. Wir versuchen jeden Tag eine gute, interessante, verständliche Sendung zu machen. Steve Jobs hat das „I-Phone“ auch nicht für 18-Jährige entwickelt. Qualität findet ihr Publikum überall. Und völliger Unsinn wäre es sich einer bestimmten Altersgruppe anzubiedern: wenn ich mit den Ausdrücken moderieren würde, die ich bei meinen Töchtern aufschnappe, würde ich mich nur lächerlich machen. Moderator und Sendung sollten glaubwürdig sein und sich selbst treu bleiben. Unser Ziel ist es, jeden Abend eine Sendung zu präsentieren, an der keiner vorbeikommt.

Im Gespräch: Face2Face-Chefredakteurin und "heute journal"-Moderator Claus Kleber (Foto: C. Gartner)

Face2Face: Apropos lächerlich: Was halten Sie von der Parodie auf Ihre Person in der „ProSieben“-Sendung „Switch“? Können Sie darüber lachen?
Kleber: Parodie ist eine sehr schwierige Kunst, wie ich finde. Einige der Sketche bei „Switch“ sind wirklich sehr gelungen. Wie Gundula und ich dargestellt werden, gefällt mir persönlich gut. Besonders interessant finde ich, dass Gundula oft als die Dominantere dargestellt wird, was das ganze Vorurteil von wegen Kleber als Hauptmoderator völlig auf den Kopf stellt.

Face2Face: Sie waren mit kurzer Unterbrechung insgesamt 15 Jahre in den USA tätig. Was hat Ihnen dort am besten gefallen?
Kleber: Besonders beeindruckt an den USA hat mich die Offenheit der Menschen und die gigantische Weite des Landes. Man hat tatsächlich den Eindruck als sei der Himmel dort viel großer als er hier bei uns in Deutschland ist. Das „Projekt Amerika“, aus unterschiedlichen Religionen und Ethnien eine Nation zu formen, fasziniert mich bis heute.

Face2Face: Viele Deutsche kennen nur den seriösen, Anzug-tragenden Moderator einer anspruchsvollen Nachrichtensendung – wie aber sind Sie privat? Haben Sie Haustiere?
Kleber: Bis vor wenigen Monaten hatte ich einen Golden Retriever, der nach unglaublichen 15 Jahren nun leider gestorben ist. Sie hieß Lady und war der beste Hund, der je gelebt hat.

Face2Face: Was sind Ihre Hobbies? Und treiben Sie regelmäßig Sport?
Kleber: Ich versuche dreimal in der Woche auf dem Weg zur Arbeit für jeweils eineinhalb Stunden ins Fitnessstudio zu gehen – meistens schaffe ich es dann aber doch nur zweimal in der Woche. So etwas wie Briefmarkensammeln oder Eisenbahnen zusammenbauen mache ich nicht – nein. Das, was andere Leute in ihrem Hobby finden, nämlich eine interessante Zerstreuung, finde ich in meinem Job.

Face2Face: Was sind Ihre Pläne für 2012?
Kleber: Mein guter Vorsatz für dieses Jahr ist es, meine tägliche Arbeit noch bewusster wahrzunehmen. Der Job wird gern zur Routine, aber ich möchte jede Sendung so vorbereiten und moderieren als wäre es die erste. Außerdem werde ich mich wohl irgendwann entscheiden müssen, was genau ich auf Dauer machen will – vorausgesetzt das ZDF will mich noch ein bisschen behalten: Im Moment mache ich mir darüber aber noch keine großen Gedanken – ich bin rundum zufrieden, mit dem was ich habe und mache. Wie könnte ich das auch nicht sein? Ich arbeite mit einer tollen Redaktion, darf das erfolgreichste deutsche Nachrichtenmagazin moderieren und für meine Dokumentationen rund um die Welt spannende Dinge erleben.

Face2Face: Und zum Abschluss noch die Frage, die wahrscheinlich die gesamte Medienwelt umtreibt: Wie sehen Sie die Zukunft von Print, Radio, TV und Internet?
Kleber: Falls Sie auf das vielerorts prophezeite Verschwinden von Printmedien hinaus wollen: Ich bin mir sehr sicher, dass es auch noch weiterhin Zeitungen geben wird. Den Nachteil beim Internet sehe ich darin, dass dieses nicht auf ein aufgearbeitetes Abbild des Tages ausgerichtet ist. Bei einer Nachrichtensendung wie dem „heute-journal“ bekommt der Konsument ein kompaktes Ergebnis präsentiert, ohne mit Rohinformationen zugemüllt zu werden. Ich denke, dass ein gewogenes Produkt, das reich an verständlicher Information ist, weiter seine Käufer und Zuschauer finden wird. Allerdings muss es auf der Höhe der Zeit bleiben. Wir zeigen inzwischen mit „heute journal plus“ im Internet ein tolles Beispiel dafür. Eine Magazinsendung mit wirklich attraktiven Zusatzangeboten. Dort kann man sich jeden Tag neu umfassend informieren.

Information:
Das „heute journal“ läuft täglich von 21.45 Uhr bis 22.15 Uhr im ZDF. Verpasste Sendungen können unentgeltlich in der ZDF-Mediathek eingesehen werden.

Vorschau: Am Dienstag, 7. Februar berichtet Caro Lobig vom fünfjährigen Jubiläum des Mentorenprogramms „Bis brothers Big Sisters“. Das Kindermitmachfest findet am Samstag, 4. Februar im Stadthaus in Mannheim statt.

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Über Tatjana Gartner

Jahrgang 1989. Sie ist in Heidelberg geboren und in Speyer aufgewachsen, schloss ihr Germanistik-Studium an der Universität Mannheim 2012 mit dem Bachelor, ihr Medien- und Kommunikationsmanagement-Studium an der SRH Hochschule Calw 2013 mit dem Master ab. Während ihres Studiums absolvierte sie mehrere Praktika, unter anderem bei der Rheinpfalz, dem ZDF und der Deutschen Presse-Agentur. Im Herbst 2010 gründete sie gemeinsam mit Kommilitoninnen an der Universität Mannheim „Face2Face – das Online-Magazin“, das sie bis heute leitet. Fürs Panorama ist sie immer auf der Suche nach bewegenden Geschichten und Schicksalen, bekannten Persönlichkeiten, großen Veranstaltungen, mitreißenden Stories und individuellen Meinungen.

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