„Die Botschaft in unseren Songs steckt zwischen den Zeilen“
„Das ist das beste Album aller Zeiten“, sagt Itchy schon vorab zu dem Radiomoderator. Angst vor der Hörprobe in Darmstadt, bei der am Montag, 14.November um die fünfzig Jugendliche die Songs aus dem Album exklusiv elf Tage vor der Veröffentlichung hören durften, hatten die Berliner Bandkollegen also nicht. Auch Face2Face durfte mit den Künstlern über ihre Musik, die neue Tour und die Zusammenarbeit mit anderen Musikern sprechen.
Face2Face: Wie kam es dazu, dass sich euer Musikstil von eher chilligen Reggae-Songs zu solchen elektronischeren Partyliedern entwickelt hat?
Culcha Candela:Das ist eine exzellente Frage. Die wollen wir alle beantworten. Also eigentlich haben wir gar keinen festen Musikstil, wir werden von den Leuten nur immer in die Schublade „Reggae“ geschoben. Wir wollten schon immer unsere eigene Musik machen, Stile und Sprachen mischen. Das ist seit dem ersten Album unser wahres Programm. Die ersten Jahre haben wir in der Reggae-Branche sehr viel Erfolg gehabt, das stimmt. Aber je nachdem, worauf wir Lust hatten, hat sich unser Genre von Album zu Album verändert. Wir wollten immer alle Stile zusammenbringen, Reggae, Dancehall, Hip Hop, Pop, Rock. Das ist die einzige Konstante, die wir immer verfolgt haben.

Ein gemütlicher Abend mit drei Stars aus der Musikbranche: Itchy, Reedoo und Chino nehmen sich Zeit zum Erzählen mit den Fans (Foto: Poensgen)
Man muss aber auch klassische Dancehall-Tunes wie „Hamma“ sehen, der glaube ich der einzige Reggae-Dancehall Titel ist, der sich in Deutschland bisher so oft verkauft hat.
Wer Fan von Reggae und Dancehall ist, für den ist das neue Album absolut perfekt.
Face2Face: Ihr habt den Song „Mehr Gewicht“, indem es um den Schlankheitswahn in Deutschland geht, zusammen mit der Band Luxuslärm aufgenommen. Wie kam es dazu und was haltet ihr von den Musikern?
Culcha Candela: Ich finde, Gini, die Frontsängerin, ist eine der krassesten weiblichen Stimmen Deutschlands. Ich stehe auf diesen kratzigen Gesang a la Pink. Die Band hat den Vorschlag für das Feature gemacht, wir haben sofort zugesagt. Leider kam es noch nicht zu einem Live-Auftritt zusammen. Wir finden es aber natürlich toll, mehr mit anderen Künstlern zusammen zu arbeiten und uns da weiter zu entwickeln.
Face2Face: Verratet ihr ein bisschen was zu eurer neuen Tour?

Culcha Candela in Heppenheim bei der letzten Tour: In Uniformen und mit fester Choreopgraphie (Foto: Lobig)
Culcha Candela: Wir werden natürlich andere, neue Lieder spielen, aber auch ein paar Evergreens. Wir werden auch wieder irgendwelche Sachen anhaben, denn wir wollen ja nicht von der Musik ablenken. Ich kann dir sagen, dass es auf jeden Fall Überraschungen geben wird, wir werden aufstocken.
Mehr können wir noch gar nicht sagen, weil wir es selbst noch nicht wissen. In den nächsten Monaten arbeiten wir an unserem Set und der Choreographie und überlegen uns gemeinsam die Details.
Das Album heißt „Flätrate“, ebenso der erste Song, bei dem die drei der sechs Künstler bei der Vorhörung am Montag, 14.November schon ordentlich mit grooven. „So hat man uns bisher glaube ich noch nie gehört“, sagt Itchy, nachdem der erste sehr poppig-punkige Titel abgespielt wurde. Sein absoluter Lieblingstrack von dem Album sei aber „Wildes Ding“. Der Inhalt: Party und Frauen. Er selbst steht eher auf die Rockerbräute, im Gegenteil zu dem DJ Chino, der eher eine „Reggaemaus“ bevorzugt. Reedoo hat keinen festen Frauentyp, glaubt aber, dass „Gegensätze sich anziehen“.
„Du machst meine Hardware ganz weich mit deinem Megaherz“: Besonders gut kam auch der vierte Song, „Megaherz“, an. Dieser Song sei die Art der Band, ein Liebeslied auf eine coolere und modernere Art und Weise zu verkaufen.
Ansonsten ist auf dem Album für jeden Musikgeschmack etwas dabei: Culcha Candela erntet auch für den chilligen Titel „Millionäre“, den Song mit Reggae-Rhythmus „Big fat smile“, den sehr positiven Song „Dieses Gefühl“ und die nachdenkliche Nummer „Morgen fliegen“ viel Begeisterung von Seiten der ersten Zuhörer des Albums.
„Peinlich ist uns keiner der Songs, wir haben alle lieb, denn diese Musik hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind“, erzählt Reedoo.
Ein Fan fragt, ob die Berliner nicht einmal auf dem Schlossgrabenfest in Darmstadt spielen könnten: „Wir kriegen viele Anfragen und würden eine solche auch gerne annehmen. Am liebsten spielen wir nämlich live. Aber da müssen die Organisatoren des Schlossgrabenfests auf unsere Agentur erst einmal zukommen, dann können wir entscheiden“, antwortet Itchy.
Entgegen der Meinung einiger Kritiker hält die Band auch das aktuelle Album für kritisch, auch wenn es darin viel um oberflächliche Themen wie Party, Sex und Frauen geht. „Man muss nur zwischen den Zeilen lesen. Die Songs sind natürlich lockerer als beispielsweise die in dem Album ‚Schöne neue Welt’. Doch da wurde von den Fans zu viel Ernsthaftigkeit kritisiert“, so Itchy.
Auch zu der aktuellen Diskussion um Bushidos Bambi für Integration hat Itchy etwas zu sagen: „Eigentlich ist Bushido zu unwichtig für mich, als dass ich über ihn reden will. Aber ich muss einfach sagen, dass diese Preisverleihung ein sehr schlechtes Zeichen für die Öffentlichkeit ist. Streetworker und Sozialarbeiter beispielsweise arbeiten Tag für Tag an der Integration, aber eine solche menschenverachtende Kreatur wird dafür ausgezeichnet. Dann soll doch bitte auch Thilo Sarrazin einen Bambi bekommen.“
Vorschau: Nächsten Samstag erwartet euch an dieser Stelle eine Winterplaylist. Ihr dürft gespannt sein!

