„Ich lass die Krankheit nur soweit wie nötig in mein Leben“

Ein Kämpfer: Andreas B. versucht trotz schwerer Krankheit sein Leben so gut wie möglich zu gestalten. (Foto: Privat)

Ein Kämpfer: Andreas B. versucht trotz schwerer Krankheit sein Leben so gut wie möglich zu gestalten (Foto: privat)

Andreas B. ist schwer krank. Der heute 27-Jährige leidet an Mukoviszidose. Hinter diesem Wort verbirgt sich eine bisher unheilbare Stoffwechselkrankheit. Dem Tod eines anderen Menschen, der die dringend notwendig gewordene Lungentransplantation ermöglichte, hat er sein heutiges – sein zweites – Leben zu verdanken.

Lebensfroh und mit einem breiten Grinsen im Gesicht sitzt Andreas B. an seinem Küchentisch und nimmt einen großen Schluck aus seiner Tasse. Wenn man es nicht genauer wüsste, würde einem nicht in den Sinn kommen, dass Andreas mit einer schweren Krankheit seinen Alltag meistern muss. Festgestellt wurde die Erbkrankheit Mukoviszidose im Alter von drei Jahren. „Ich hatte als kleines Kind oft Lungenentzündungen und Probleme mit der Verdauung“, sagt Andreas zurückblickend. Dass die Krankheit aber sofort diagnostiziert wurde, war eher ein Zufall. Seine Hausärztin kam nämlich erst kurz zuvor von einer Fortbildung zurück und hatte dort etwas über die Stoffwechselkrankheit erfahren. Bei den vorhandenen Symptomen stand für die Ärztin schnell fest, dass es sich hier um Mukoviszidose handeln muss. Ein Schweißtest gab schließlich Gewissheit: Die Diagnose war somit unumstößlich.

 Für Andreas war dies aber zunächst kein großer Einschnitt in seinem Leben. Er bekam Krankengymnastik verschrieben und konnte auch im späteren Schulsport soweit wie möglich alles mitmachen. Erst im Alter von 12 Jahren, machte sich die Krankheit immer mehr bemerkbar. „ Ich habe immer häufiger gemerkt, dass ich schlechter belastbar bin und größere Probleme mit der Lunge bekomme“, sagt Andreas. Die Folge war eine Flüssigsauerstofftherapie durch die Nase, die auch zunächst Wirkung zeigte.

 Nach Zeiten mit Höhen und Tiefen und einem streng genommen normalen Alttag, kam der eigentliche Einbruch: Vor knapp acht Jahren erlitt Andreas, kurz nach seinem schriftlichen Abitur, einen Oberschenkelhalsbruch. Eine Schwächung, die sich am Ende auch auf seine Lunge negativ auswirkte. „Ab diesem Moment ging es mir richtig schlecht. Ich konnte kaum noch ein normales Leben führen und war aufgrund der vielen Therapien fast nur noch zu Hause“, schnauft Andreas.

 Nachdem er zwei Jahre später sogar ganztägig mit Sauerstoff versorgt werden musste, stand Andreas vor einer wichtigen Entscheidung, die er, im wahrsten Sinne des Wortes, über Nacht klärte. Er entschied sich für eine Lungentransplantation. „Mir war klar, dass sich jetzt etwas ändern musste. Und eine Transplantation stand mir früher oder später sowieso bevor. Deswegen habe ich mich lieber für früher statt für später entschieden“, sagt er mit einem leichten Grinsen.

 Nach der aktiven Listung – der Anmeldung für eine Transplantation – wurde er 2006 auf die sogenannte U-Liste gesetzt; das heißt er musste sich ab sofort in eine Berliner Spezialklink begeben und dort auf eine geeignete Spenderlunge warten. Die durchschnittliche Wartezeit betrug in der Regel sechs Monate. Bei Andreas waren es am Ende schließlich neun, so dass er am 15. Februar 2007 operiert wurde – mit vollem Erfolg.

 Bereits wenige Monate nach der Operation brachte er ein Buch heraus, das den Titel „Tod als Chance“ trägt und sich überwiegend an die Menschen wendet, die ebenfalls unter der Stoffwechselkrankheit leiden. „Ich habe mich schon während der Zeit in Berlin dazu entschieden ein Buch über meine Krankheit und vor allem über meine Zeit in Berlin zu schreiben“, erklärt er.

 Bei der Suche nach einem geeigneten Verlag hat ihm eine ganz besondere Person geholfen – seine damalige Freundin und jetzige Ehefrau Johanna. Johanna, die ebenfalls an Mukoviszidose leidet, lernte Andreas kurz nach seiner Operation (zum zweiten Mal – sie sind sich bereits früher schon des Öfteren in einer Kinderklinik über den Weg gelaufen) kennen und kurze Zeit später auch lieben.

 Seit August 2010 ist Andreas bei einer Werbeagentur in Mannheim mit einer 75% Stelle tätig. Das Leben versucht er weiterhin so gut wie möglich zu meistern. „ Ich lass die Krankheit nur soweit wie möglich in mein Leben“, sagt Andreas, der Disziplin bei der Medikamenteneinnahme und bei den Therapien als oberstes Gesetz ansieht und fügt hinzu: „Du musst selbst dafür etwas tun, dass es dir besser geht. Von nichts kommt auch nichts!“ und trinkt seine Tasse leer.

 –> Wenn ihr mehr über die Krankheit „Mukoviszidose“ und vor allem über die Organspende erfahren möchtet, hier ein paar Internetseiten für euch:

www.fürs-leben.de ; www.DZGBA.de ; www.muko.info

Vorschau:  Am Dienstag, 29. November, lest ihr im Panorama ein Interview mit „Evergreen Entertainment“ aus Mannheim. Dort erfahrt ihr, was man sich unter einem Karaoke-Unternehmen vorstellen kann und ob Karaoke überhaupt noch angesagt ist.

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2 Gedanken zu “„Ich lass die Krankheit nur soweit wie nötig in mein Leben“

  1. Danke Philipp für den tollen Artikel 🙂 Hast du sehr schön in Worte gefasst unser Interview, gibt alles sehr gut wieder! Und meine Einstellung, der Umgang mit meiner Erkrankung etc. kommt sehr authentisch rüber!! LG Andy

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