Berufe und Musik, Teil 1: Pop- und Rockkulturmanagement oder: Die Hüterinnen der Popkultur

Musik besteht aus mehr als nur Musik machen und Musik hören und lieben – sie bietet auch beruflich vielfältige Möglichkeiten. Face2Face stellt euch im Rahmen der Serie „Berufe und Musik“ unterschiedliche Berufe im Musikbereich vor und informiert euch über eure Chancen.

 Der erste und auch wichtigste Beruf im Musikbereich stellt das Grundgerüst für alle Musiker dar: Der Beruf des Pop- und Rockkulturmanagers. Wir haben uns mit Janina Klabes, Leiterin des Clustermanagements und Beril Yilmam, neue Popkulturbeauftragte für Nachwuchsförderung, zusammengesetzt und erfragt, welche Voraussetzungen man für ihren Job erfüllen muss und wie ihr beruflicher Alltag aussieht.

Was ist das Clustermanagement? Was macht die  Popkulturbeauftragte?

 „Das Clustermanagement Musikwirtschaft Mannheim & Region ist die vierte Säule des “Mannheimer Modells”. Neben der Popakademie Baden-Württemberg (Ausbildung), dem Musikpark Mannheim (Existenzgründerzentrum) und dem Beauftragten für Musik- und Popkultur (Jugend- und Kulturförderung), fungiert das Clustermanagement Musikwirtschaft als Anlauf- und Koordinationsstelle für professionelle Akteure der hiesigen Musikbranche sowie als Schnittstelle zwischen der Branche einerseits und Politik, Verwaltung und Wirtschaft andererseits. […] In einem bundesweit einmaligen Förder- und Unterstützungskontext aus den genannten Institutionen und Strukturen bildet das Clustermanagement eine zentrale Anlaufstelle und setzt auf ein System aus Beratungsgesprächen, innovativen Workshop-Angeboten, Branchenmeetings sowie Präsenzen auf nationalen und internationalen Messen“, so heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

 Ein Cluster ist eine Zusammenkunft von verschiedenen Firmen und Organisationen, die von einer Stelle koordiniert und zusammengeführt werden, erklärt Klabes. So ein Cluster gibt es seit 2010 nun auch im kreativwirtschaftlichen Bereich in Mannheim. Das Clustermanagement hat die Aufgabe Musiker und Wirtschaftler zu vernetzen, sich mit anderen Clustern in Deutschland, wie zum Beispiel Hamburg, Köln und Berlin, zusammenzusetzen und Kontakte zu knüpfen.

 Beril Yilmam ist die Nachfolgerin von Mannheims Popbeautfragtem Sebastian Dresel. Sie übernimmt einen wichtigen Teil der Musikkultur, organisiert und kümmert sich um den Nachwuchs der Musikszene in Mannheim. Ihr Schwerpunkt läge jedoch nicht nur bei der Nachwuchs- und Jugendförderung, sondern auch bei der Kulturförderung, erklärt sie. Sie kümmere sich um Events und Projekte wie „Mitten in der Nacht“ – ein Projekt, das Mannheims Nachtleben hervorheben und den Bewohnern nahebringen soll, was die Stadt zu bieten hat.

Der Alltag eines Clustermanagers und einer Popkulturbeauftragten

Liebt ihren Beruf: Janina Klabes(Foto:Clustermanagement Homepage)

 Janina Klabes ist zum Glück nicht alleine mit ihrer Arbeit. Unterstützt wird sie von einem Team, das Öffentlichkeitsarbeit betreibt, Termine koordiniert und Mannheim als Musikkulturstadt kompetent vertreten soll. Wie bei jedem Job, den man vom Büro aus ausübt, checkt man als erstes die E-Mails, beantwortet sie und macht sich dann an seinen Terminkalender, beschreibt Klabes ihren beruflichen Alltag.

 Und dennoch sieht jeder Tag anders aus. Klabes erzählt, dass man nicht immer sofort eine Rückmeldung bekommt, wie die Zusammenarbeit funktioniert hat, doch dass viele sich auch gleich melden und sich bedanken. „Da weiß ich, dass ich was richtig gemacht habe und freue mich darüber“, fügt sie an.

 Doch der Alltag besteht nicht nur daraus im Büro zu sitzen. Der Beruf des Clustermanagers gibt einem die Möglichkeit viel zu verreisen, viel zu sehen und viele Menschen kennenzulernen. Als Team geht das Clustermanagement auf alle wichtigen Musikmessen und Veranstaltungen, organisiert Auftritte, unter anderem auf dem „Reeperbahnfestival“ und arbeiten darauf hin, sich demnächst auch in Amerika auf der größten Musikmesse vorstellen zu dürfen.

 Die Arbeit von Beril Yilmam unterscheidet sich nur minimal von der von Janine Klabes: Sie ist nicht komplett alleine, wird von einem Team bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützt. Morgens kommt sie in ihr Büro, checkt ebenfalls zuerst ihre E-Mails und trinkt ihren Kaffee. Dann schaue sie nach was ihr Terminkalender ihr zu sagen habe und beginne mit ihrer Arbeit. Diese besteht ihren Angaben nach größtenteils aus Koordinationsarbeiten: sie muss sich mit bereits vorhandenen und auch potenziellen Partnern zusammensetzen, für verschiedene Jugendförderprojekte Sponsoren, Helfer, Grafiker und Pädagogen suchen. „Dass wir auch mit Pädagogen zusammenarbeiten und diese vermitteln, liegt daran, dass transparent geworden ist, dass Popmusik für die Pädagogik wertvoll geworden ist“, erklärt sie.

 Yilmam ist jedoch nicht diejenige, die ständig selbst Projekte durchführt – sie ist Ideen- und  Impulsgeberin, Netzwerkerin. Kurzum: sie sorgt dafür, dass die jeweiligen Projekte mit Geld unterstützt werden und sich selbstständig entfalten. Ein erfolgreiches Projekt ist beispielsweise die Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus Herzogenried. Dort entstand vor drei Jahren das Projekt „Sing“, bei dem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund kostenlos Gesangsunterricht von Profis bekommen und mit ihnen arbeiten können. „Das Ziel dieses Workshops ist es nicht nur die Kids zu bespaßen, sondern wirkliche Talente zu entdecken und zu fördern, da genau solche Kinder sich meistens keine Musikschule, geschweige denn privaten Musikunterricht leisten können und da ist es dann wirklich schön zu sehen wie sie sich eigenständig verbessert und weiterentwickelt haben und das macht mich glücklich“, sagt Yilmam.

Vorraussetzungen für diesen Beruf

 Klabes selbst hat Politik, Germanistik und Musikwissenschaften studiert, da sie ursprünglich vorhatte Musikjournalistin werden. Im Nachhinein hatte sie sich dagegen entschieden und wechselte auf die Popakademie. Dort studierte sie Musikbusiness, arbeitete eine Zeit lang für „Universal“, eine der größten Plattenfirmen in Deutschland, und dann eine lange Zeit für die „Agentur Klinkt“ in Mannheim. Sie ist auch Musikerin und arbeitete auch ein Jahr nur mit ihrer Band „My Baby Wants To Eat Your Pussy“, kam dadurch viel herum.

 Sie sagt aber es würde vollkommen ausreichen, wenn man ein Gespür, eine gewisse Affinität für Musik und das musikalische Geschehen hat, um einen Job wie ihren gut zu machen. Clustermanagerin ist auf jeden Fall ein sehr interessanter Beruf, der perfekt ist für Menschen, die kontaktfreudig und ausgeschlossen sind und sich für Musik begeistern können.

 Yilmam hat an der Popakademie „Singer/Songwriter“ studiert, war und ist auch selbst Musikerin, doch wollte sie nie nur Musikerin sein – sie wollte Vielfältigkeit in ihr Leben bringen und machte nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Bachelorstudium ihren Master in Medien und Kulturmanagement in Hamburg. Da sie schon vorher ein großes Interesse an Kultur hatte, absolvierte sie ihr Pflichtpraktikum bei Sebastian Dresel im Popkulturbüro. Dort sammelte sie erste Erfahrungen und betreute eigens auf die Beine gestellte Projekte. Auch als Popkulturbeauftragte ist eine gewisse Zuneigung zur Musik erforderlich, aber auch Organisationstalent und Managementqualitäten.

 Für all diejenigen, die Interesse an diesem Beruf haben, besteht die Möglichkeit ein Praktikum beim Clustermanagement machen. Praktika beim Popkulturbüro werden zurzeit keine vergeben. Einen Versuch ist eine Bewerbung aber sicherlich wert.

Vorschau: Nächste Woche gibt es einen ausführlichen Bericht vom „Schoolsout Freakout Festival“ mit „Captain Capa“, „Egotronic“ und „Frittenbude“.

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2 Gedanken zu “Berufe und Musik, Teil 1: Pop- und Rockkulturmanagement oder: Die Hüterinnen der Popkultur

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